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Kaiser am Mittwoch das Kcmmaudo des 14. jüdische» Armeekorps geführt und mit demselben das
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- Ervlj «efechte erreichten die Uebungen zwischen dem badischen (55ä inb elsässischen Armeekorps ihr Ende. Von Lauter-
ii Gutes gehört. In dem Manöver drängte der
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bedarf der Richtigstellung insofern, als sie sich lediglich auf die Liqueu'r-Ausftellung bezieht und als auf die 38 ausstellenden deutschen Firmen im ganzen 27 und nicht 21 Preise entfallen find. Auch hier ist das Ergebnis der Preisverteilung für die deutsche Industrie ein außerordentlich günstiges. — Der polizeilichen Auflösung verfiel eine Versammlung von Anarchisten in Berlin, die Mittwoch Abend im Konkordiasaale tagte. Auf der Tagesordnung stand: „Freie Diskussion über die internationale Verbrüderung des Proletariats und dessen Stellung zu der physischen und geistigen Knechtschaft." Als ein Redner ausführte, es dürfte absolut keine Herrschaft geduldet werden, dies Joch müsse endlich abgeschüttclt werden, wöge eS sich nun repupltkanisch oder demokratisch nennen — denn die Demokratie sei auch eine Herrschaft, die das einzelne Individuum unterdrückt — wöge es Mehrheit oder Monarchie heißen, löste der die Versammlung überwachende Polizeioffizier dieselbe auf. — Eine Begrüßung, welche an der deutsch-russischen Grenze zwischen dort maröv- rierenden deutschen urd russischen Soldaten und deren Offizieren ftattgcfunoen hat, giebt den russischen Zeitungen viel Stoff zum Klatschen. Die Panslavisten brauchen keine Angst zu haken, diese nachbarliche Höflichkeit macht noch lange nicht die rusfisch-ftanzö- fische Verbrüderung zu Schanden. — Großartige Festlichkeiten stellt den Berlinern der Pariser „Figaro" in Aussicht. Er tischt seinen Lesern die Neuigkeit auf, daß Kaiser Wilhelm sich im nächsten Dezember in Berlin krönen lassen werde, aus welchem Anlaß alle deutschen Fürsten und die Verbündeten Deutschlands in Berlin sich versammeln würden.
— (Warum tritt England dem Dreibunde nicht bei?) Der bekannte englische Staatsmann Lord Salisbury veröffentlicht im „Standard" einen längeren Artikel über diese Frage. Das genannte Blatt schreibt: „Jene Frage verdrießt uns nicht im Mindesten, sie ist ebenso natürlich wie zutreffend. ES ist jedoch wiederholt notwendig, Jene, deren Politik unsere ist und deren rein friedliche Ziele auch unsere sind, daran zu erinnern, daß krast unserer Verfassung jedwedes Ministerium daran verhindert ist, förmlich und ausdrücklich das zu thun, was wir nach ihrer Ansicht thun sollten. Vom englischen Volke darf jedoch erwartet werde», daß, wenn ihm die von einem ausländischen Gegner drohende Gefahr klar wird, es seine Staatslenker nötigen werde, das einzige Verfahren einzuschlagen, das uns vereinbar mit unserer nationalen Sicherheit offen steht. Inzwischen unterhält England mit nicht geringem
Jutereffe nehme. Am Sonnabend gedenkt der Kronprinz von Stuttgart nach Monza zu seine» Eltern zurückzukehren, die dem Kaiser in herzlichen, sreund- schaftlichen Telegrammen ihre Freude und ihren Dank kundgegeben haben. — Ter Reichskanzler ® i a : von Caprivi stattete am Mittwoch dem Präsidenten des Staats - Ministeriums Nokk einen zweistündigen Besuch ab und verweilte später längere Zeit bei dem Minister von Brauer. — Ahlwardt. Die Leipziger Polizeibehörde hat, wie die „L. N. N." melden, eine Versammlung verboten, in welcher Ahlwardt den Fall Paasch besprechen sollte, und zwar aus dem Grunde, weil die Per önlich kett Ahlwardts nicht Gewähr leiste, daß die Versammlung ohne erhebliche Störung verlaufen und das Maß der erlaubten Kritik nicht überschreiten würde. Das Paasch Komitee legte gegen das Verbot Beschwerde ein. (Der Agitator Paasch ist bekanntlich für gemeingefährlich geisteskrank erklärt.) — Der Besuch des englischen Mittelmeergeschwaders in allen größeren italienischen Kriegshäfen und die Bildung eines großen italienischen Geschwaders wird allgemein als Antwort auf den Russenbesuch und die Rufsen- schwäimnei in Frankreich angesehen. Vielleickt trägt die Nachricht von dieser Kundgebung der Interessen gemeinschaft zwischen England und Italien dazu bei, allzu kühue» Schlußfolgerungen aus der rusfisch- ftanzöfischen Verbrüderung die Spitze abzubrechen urd den Franzosen vor Augen zu rücken, daß that- söchlich „in der internationalen Machtverteilung noch Schwerkräfte genug vorhanden find, den Gelüste» des französisch-russischen Bundes die Wage zu halten". — Im „Judenflinten-Prozeß" findet die Revifions- verhandluug vor dem Reichsgericht am 19. d. M. statt. — Zur Agitation gegen die Tabakfabriksteuer werden, nach Meldungen aus Mannheim, von den Tabakarbeitern Massenversammlungen in ganz Deutschland geplant. — Folgen des Zollkrieges. Eine Magdeburger Getretdefirma hatte an den Reichskanzler die Eingabe gerichtet, ihr für 500 Mispel Hafer, die sie im Juni d. I. von russischen Kommissionären auf Lieferung per September-Oktober kauft hatte, die Einfuhr nach Deutschland zum alten Zollsatz zu bewilligen. Der Ftnanzminister Miguel, an den der Reichskanzler die Eingabe überwiesen hatte, hat aber, nach der „M. Z." das Gesuch abschlägig beschieden. — Nach einem kürzlich in den Zeitungen mitgeteilten Telegramm aus Chicago sollte bei der Preisverteilung für landwirtschaftliche Gegenstände auf der Columbischen Weltausstellung Deutschland nur 21 Preise erhalte» haben. Diese Nachricht
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Kostenaufwande die mächtigste aller Marinen, deren Mitwirkung mit den Streitkräften unserer Freunde im Notfälle diese nicht unterschätzen dürfen. Die Völker Deutschlands oder Italiens brauchen nicht zu befürchten, daß England die Bedeutung des einigen Vorgehens Frankreichs und Rußlands in mehr als einem Weltteile verkenne. Dieses ist natürlich völlig eben so sehr gegen Großbritannien, als gegen Deutschland oder Italien gerichtet. Es ist jedoch nicht unsere Gewohnhiit, zu schreien, ehe uns zu nahe getreten wird. Wir schmeicheln uns mit Recht oder Unrecht, daß wir vollauf Zeit haben werden, Vorbereitungen zu treffe», um etwas Ernsterem, als vagen Drohungen entgegenzutreten. Ueberdies würde es unseren Ueber- lieserungen Widerstreiten, wenn wir offen annähmen, daß Jene, mit denen wir eine formelle und unsererseits vollkommen aufrichtige Freundschaft aufrechthalten, uns zu Grunde zu richten beabsichtigen. Schutz gegen nicht offen bekannte feindliche Pläne wird am besten schweigend betrieben. Wir glauben, die _ erleuchtete öffentliche Meinung in Deutschland weiß gut genug, daß wir nicht beabsichtigen, unsere Reichsinteressen in Mittelasien oder selbst in den siamesischen Gewässern zu vernachlässigen. Unsere * fortdauernde Anwesenheit in Aegypten bietet sicherlich genügende Bürgschaft für die praktische Natur unserer Anschauungen und für die völlige Loyalität unserer Absichten. Europa mag sich darauf verlaffen, daß, wenn Frankreich und Rußland sich in etwas mehr, als einen vorübergehenden Austausch von Komplimenten im Mittelmeer ergehen, dessen Gewässer bald eine wesentliche Vergrößerung unserer eigenen Flottenmacht sehen werden."
— Eine sehr beachtens werte Warnung an die deutschen Kleinkapitalisten veröffentlicht die „Köln. Ztg.": „Von verschiedenen Seiten wird wieder einmal der Versuch gemacht, die serbische Finanzlage als recht befriedigend hinzustellen, und wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir annehmen, daß damit einer reuen Anleihe die Wege gebahnt werden sollen, bei der jedenfalls wieder in erster Linie auf den deutschen Markt gerechnet wird. Unseres Erachtens ist dieser schon jetzt ganz ausreichend mit serbischen Papieren belastet, und wir halten es nicht für wünschenswert, daß noch mehr deutsches Kapital in serbischen Werten festgelegt werde. Die Erfahrungen, die wir in Deutschland mit den Anleihen der kleinen Staate» gemacht haben, zeige» dem kleinen Kapital, daß es sein Geld lieber in wenn auch weniger Zinsen tragenden, dafür aber sicheren inländischen Werten anlegen soll und weniger in exotischen, immer mit
dntraf. Ter Empfang und die Begrüßung der kaiserliche» Majestäten bewegte sich in den übliche» Formen, & gegenteilige Begrüßung mit dem Könige und der »igin von Württemberg mar die herzlichste. Den silichen Herrschaften wurden lebhafte Ovationen gebracht. Heute Freitag ist bei Stuttgart Korps- rade, Sonnabend sind große Manöver und abends eist der Kaiser nach Ungarn zu den dortigen großen lmöver», denen auch der König von Sachsen und rinz Leopold von Bayern beiwohnen werden. —
Karlsruher Rede des Kaisers über die te Militärvorlage hat in einzelnen Kreisen Süd- tschlands etwas verstimmt, weil man dort deutlich dem Entwurf nicht sehr geneigt war. Es letzt aber weit über das Ziel hinaus, wenn man bt, der Kaiser habe eine nachtiägliche Kritik aliger Vorkommnisse geben Mollen, es handelte lediglich um einen Ausdruck der Freude über die ahme der Militärvorlage. — Zur 50jährigen ilitär-DienstjubiläumSfeier des Königs ert von Sachsen. Wiener Blättern wird aus tesden telegraphiert, wie dort verlautet, treffen im Kober der deutsche Kaiser und mehrere deutsche sten daselbst zu dem Zwecke ein, um an der Feier
50 jährigen Militärdienstjubiläums des Königs beit teilzunehmen. — Der Kronprinz von ta li e n hat sich maßgebenden italienischen Persön- keiten gegenüber außerordentlich befriedigt über die snahme ausgesprochen, die er am Rhein überall »den hat. Er sei glücklich über den Empfang, er bei dem Kaiser gefunden, und sei voller Ver- deruug über die Manöver, an denen er ein großes
ür~— tag fuhr der Kaiser mittels SonderzngeS nach Stuttgart, Woselbst am Nachmittag auch die Kaiserin aus Casse"
Tauss idiiser das 14. Armeekorps an den Rhein zwischen ~ilj und Lauterburg. Mit einem imposanten Feuer-
> auf t| 15. znrückgeworfen hatte, übernahm der Monarch am t grotzh Donnerstag das Kommando des letzteren Korps. : alsbab Locher hielt der Monarch noch eine kurze Ansprache ftundstj Qt das 10. Regiment und betonte darin, er nehme m urü 6tnt den Vorschlag des Großherzogs von Baden an, r. V io der Chef eines Regimentes zu werden, das den
(551 Kamen seines Großvaters trage und von dem er stets
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(554 i Deutsches Reich.
W. KerNn, 15. September. Nachdem unser
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,
Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. Jayrg Mosie tn Frankfurt a. M., Beilin, München u. Köln; G. L. v 3
Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
8 ^Redaktion ^und E^Uion^Marü 21?^"^"^ " Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion uirä Expedition?Markt*21? *
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(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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Sie hatte den Hut abgelegt, ihre Toilette ge- et und stand nun sinnend an dem offenen fier, welches eine köstliche Aussicht auf den Park ,Armer Rudolf, arme Tante," murmelte sie leise sich hin, »wie mag ihnen zu helfen sein? Viel- ht kann ich ihnen irgend beistehen — dann wäre Dasein doch nicht so einsam. Aber wie käst- ist es hier! Es atmet alles Frieden, Behagm Zufriedenheit."
Die Glocke zum Abendeffen läutete, unten im idor wartete Thielen auf die Cousine, um sie Eßzimmer zu führen. Wie eine Erscheinung die hohe Gestalt im schleppenden Trauernde droben an der Treppe, goldig schimmerte \ Haar aus dem Schwarz hervor, und die tiefe, e Altstimme schlug an das Ohr des ernsten nes: „Wie freundlich, lieber Vetter, daß Du mich wartest. Ich komme mir vor wie in Zauberschloffe bei all den vielen Treppen, »gen und Gallerten, doch werde ich mich sicher- 1 schon morgen überall zurecht finden. Ah, welch' wundervoller Hund!"
, Gräfin Annemarie hatte ein edelgeschnittenes, »es Gesicht, welches allerdings wenig Farbe besaß S wundervolle, blonde Haar lag in Puffen um
t hohe Stirn, die blauen Augen schauten ernst ib klug ins Leben, und der kleine Mund mü dem ulg w «gischen Zug konnte so hinreißend lächeln und i ch wieder so geistvoll philosophieren, daß jedermann kMb«^U xxstxn Kennenlernen von der schönen Frau "fiert war.
In weitem, graziösem Bogen kam im selben Moment ein Neufundländer zur Gartenthür herein- geschoffen und neigte, fteudig wedelnd, den schönen Kopf mit den klugen Augen zu seinem Herrn; furchtlos legte sich Annemaries schmale, wohlgepflegte Hand auf das zottige Fell; das Tier, als wiffe es, daß die Fremde es gut meine, ließ sich die Liebkosung ruhig gefallen.
„Sonderbar," meinte Thielen lächelnd, „mein Karo ist sonst wenig liebenswürdig gegen Personen, die er nicht kennt; bei Dir, liebe Annemarie, scheint er eine Ausnahme zu machen."
„Und mit Recht," nickte sie freundlich, „wir wollen ja gute Freunde und getreue Nachbarn für eine Zeitlang werden, da ist es nötig."
„Ach, Annemarie, nimm Dich der armen Mutter an," bat er, in aufwallender Bewegung ihr beide Hände entgegenstreckend, „sie lebt im Wahn — einen Mord begangen zu haben, an — einer, die sie bitter haßt."
„Arme Tante! Sei überzeugt, Rudolf, was ich vermag, soll geschehen."
Und sie gingen neben einander in den Eßsaal, wo sie Frau von Thielen schon an her Theemaschine fitzend fanden.
„Ach vergieb mir, liebe Tante," bat die Gräfin herzlich, „ich bin sonst nicht so unpünktlich, aber Euer prächtiger Karo hielt mich ein wenig auf, wir machten uns gegenseitig bekannt. Uebrigens, Tant- jen, würdest Du mir nicht erlauben, diese Mühe Dir abzunehmen? Wenn Du mich unterweisest, lerne ich sicherlich Deine Art, den Thee zu bereiten"
Die greifrau lächelte freundlich. „Ach gerne, ebe Annemarie; es ist so mühsam, die Taffen zu lllen, und ich bin Dir nur dankbar für Deine Güte."
Mit ruhig vornehmer Grazie waltete die Gräfin am summenden Theekeffel, die Unterhaltung dabei weiter führend und stets auf allerlei harmlose Themas lenkend, die Frau von Thielen nicht an- greifen konnten. Dabei glitt unter den seidenen Wimpern ab und zu stets ein forschender Blick auf letztere, die heute Abend weniger apathisch zu sein schien.
Rudolf schaute fast bewundernd und gerührt auf dieses schöne, harmonische Wesen, welches so plötzlich in all diese Schmerzen und Wirren hmein- getreten war, um mit weicher, kluger Hand zu trösten, zu leiten und zu ordnen.
Sein verbittertes Gemüt begann Vergleiche an Ustellen; würde Annemarie im stände gewesen fein, hn zu hintergehen und ihm Unwahrheiten zu sagen? Aber wie kam er auf solche Gedanken? Aus tiefem Traume emporfahrend, strich er mit der Hand das Haar aus der ©tim und sagte zur Mutter: „Und nun, Mama, will ich mit der Cousine noch etwas m Parke umhergehen, denn Du mußt schlafen gehen. Morgen kommt der Sanitätsrat, und wir müssen ehe», daß er recht zufrieden ist."
„Gewiß, Herzenstantchen," die junge Witwe legte liebevoll den Arm um die Schultern der alten Dame und küßte deren Stirn, „zudem bin ich auch müde und werde bald die Ruhe suchen. Also schlafe wohl, morgen früh auf Wiedersehen!"
„Schlafe recht gut, mein Kind," erwiderte Frau von Thielen, „und komme zum Frühstück, wann Du willst."
„Schön, liebes Tantchen! Rudolf muß mir barü6er noch einen Wink geben'
Al« die Beiden da» Zimm« verlassen, schaute die Freiftau lange sinnend ihnen nach, dann nickte
sie mit dem Kopfe, und es war, als irre ein schwaches Lächeln um ihre Mundwinkel.
„Sie ist ein schönes Mädchen und eine Perle. Sie würde ich ihm wünschen, an Stelle jenes Geschöpfes mit den kalten, stechenden Augm und dem höhnischen Lachen. Wie es wohl aussehen mag, dies Puppengesicht da drunten im Hexensee. Wenn Annemarie eher gekommen wäre, dann — ach ja, dann — Sie allein gönnte ich ihm —"
Währenddem schritten Rudolf und die Gräfin neben einander den Parkweg entlang. Er war ein sommerlich schwüler Maiabend, die Syringen dufteten, ein schwaches Abendlüstchen durchrauschte die Zweige der Bäume, alles atmete Frieden.
„Ja, was haben wir beide erlebt und erlitten, Rudolf, seitdem wir uns zuletzt gesehen," begann die Gräfin träumerisch, „ihr wisset alle mein trauriges Geschick und ich meine, es wird mir gut thun, einmal mtt einem Verwandten Über jene Zeit zu reden."
„Du sahst so ernst und schwermütig au«, Annemarie, im rauschenden Brautkleide, und als Du Dich grüßend zu den Gästen neigtest, da riefelten die Blüten aus der Myrtenkrone."
„Das bedeutet Leid und Thränen — bei mir st's eingetroffen und das eher, als ich dachte"
„Du hast Rotenau nicht aus Neigung geheiratet? Die Frage mag vielleicht indiskret klingm, aber wir inb Jugenbgefpielen unb kennen uns längst."
„Wozu biefe Entschuldigung, Rubolf. Deine Frage beantworte ich völlig ruhig mit ,5lein‘; bi« Familie Rotenau hatte gut intriguiert; mein Vater nahm mir auf bem Sterbebett bas Versprechen ab, Graf Gerald von Rotenau zu heiraten, und so mrfte ich nicht zurücktreten, obschon mein Herz auf» schrie vor Qual."
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