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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.

8 ^Redaktion8ünd Exp'edM^:^MarLLl!'"^ Jlluftrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition r^Markt'ül/1 ®flr6urfl'

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Edition dieses Blattes,

XXVIII. Jahrg

steht.

Die Rkichspostverwaltung beabsichtigt,

musternd. Um 9i/2 Uhr begab sich der Kaiser nach

muflerno. um ,1 lIQt Lauterburg und »t ' ruhe. Am M tkil ffnmmnnhD drS

von dort mit Sonderzug nach Karls^

Am Mittwoch übernahm der Kaiser das

Sommaudo des badischen Korps, das auf der Lim

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Reichskommissar ausgesiellter Rücksendungsnach

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Verändern- gen im Verwaltungsbezirke einge- find. Der Deutsche Kolouialrat in seiner bevorstehenden Tagung außer den für die Schutzgebiete, die noch nicht zur Ver­

falls treten wird Etats

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aus Ausstellungsgütern bestehen. Zur gleichen Zeit, zu welcher die Rusfen in Toulon sein werden, wird, wie schon erwähnt, ein britisches Ge­schwader den süditalienischeu Hafen Tarent an laufen. Die Italiener, die aus bekannten Gründen auf ihre französischen Nachbarn sehr wenig gut zu sprechen find, wollen fich nun auch zeigen und die Gelegenheit wahrnehmen, ihren Freunden zur See Ovasionen zu bereiten. Der englische» Flotte soll deshalb ein festlicher Empfang zuteil werden. Es bestätigt fich, daß die russischen Vertreter bei den be­vorstehenden Verhandlungen über einen deutsch- russischen Handelsvertrag sich bereits oif deutschem Boden befinden und teils in den östlichen Grenzprovinzcn, teils in Berlin sich über die ein­schlägigen Zustände und thatsächlichen Verhältnisse unterrichten. Ten Nachrichten, daß Rußland von seinen bisherigen Forderungen in keiner Weise Abstand zu nehmen gewillt ist, schenkt man, wie mehreren Blättern aus Berlin geschrieben wird, daselbst keinen Glauben; man sagt vielmehr, die von Rußland an­geregten erneuten Konferenzen widerlegten am besten derartige Gerüchte. Ueber eine antisemitische Aktion im Reichstage äußert fich dieKöln. Ztg.": Tie Konservativen werden ihren schon in der letzten Session des Reichstages eingebrachten, damals aber

teilung gelangt sind, eine größere Anzahl wirtschaft­licher Fragen berate». Es kommt die Einführung eines Euteignungsverfahrens in Ostafrika zm Ver­handlung, auch soll eine neue Zollordnung aufgestellt sei». In bezug auf Kamerun wird das Münz-, Maß- und Ge vichtssystem zur Beratung gelangen, für Togo sollen Tranfitlager in Vorschlag kommen.

(Militärische Anwendung der Fahr­räder.) Bei den diesmaligen Korpsmanövern sind Fahrräder in der Armee zum Zwecke von Depcschen- überbringungeu angewandt worden. Ter Gebrauch von Fahrrädern zu militärischen Zwecke» bietet, so schreibt man derVoss. Ztg." vom Manöverfelde, gerade während der Nachtzeit einen großen Vorteil, da die sonstigen Dcperchenreiter sich bei weitem nicht mit der Sicherheit und Schnelligkeit im Gelände be­wegen können, wie der Mann auf dem Zweirad. Voraussichtlich wcrdrn nach diesen ersten Versuchen Fahrräder für die Armee zur obligatorischen Ein­führung gelangen. Jeder Mann auf dem Zweirad ist mit einem Revolver und einem Seltengewehr be­waffnet, welch letzteres an der Maschine befestigt wird. Eine verschließbare Depescheutasche ist lose umgehängt, um den Mann in seinen Bewegungen nicht zu hindern, ebenso ein Tornisterbeutel, während der eigentliche Tornister auf dem Bagagewagen nach­gefahren wird. Als besonders zweckmäßig hat es sich erwiesen, daß man diesen Depeschenreitern Ga­maschen gab, die bis zur Kniehöhe reiche», ebenso an die Mütze einen großen Schirm nähte, um den Mannschaften einesteils die Aussicht zu erleichtern, anderenteils sie vor blendenden Sonnenstrahlen zu schützen Die Mannschaften erhalten als Entschä­digung für Abnutzung ihrer Maschinen, die sie aus ihrem Zivilverhältnis mitgcbracht haben, für die Zett des Kaisermanövers 25 Mk. Für den Wassertrans­port sind Bauernwagen requiriert, die auf mächtigen Fässern je 500600 Liier Wasser den einzelnen Abteilungen für die Feldlager nachfahren. Nachdem am Morgen der erste Schuß gegen 10 Uhr gefallen, stieg sofort aus einer Thalrinne ein Fessel-Ballon in die Höhe, der telephonisch mit der Erde verbunden war und dem Armeekorpskommandanten Meldungen über die Stärke des anröckenden Feindes, seine Be­wegungen u. s. w. übermitteln sollte. Ebenso flogen von einer Brieftanbenstation Brieftauben aus, um den in Wirklichkeit weiter zmückliegenden Armeen

nicht zur Verhandlung gekommenen Antrag wieder eiubringen, einen Gesetzentwurf rorzulegen, nach welchem Israeliten, die nicht Reichsangchörige sind, die Ein­wanderung über die Grenzen des Reiches untersagt wird. Von antisemitischer Seite scheinen Anttäge zur systematischen Regelung der Judenftage vorbe­reit't zu werde». Die Antisemiten sind seit ihren jüngsten Wahlerfolgen stark genug, die Vorschrift der Geschäftsordnung für die Einbringung von Anttäge» für sich allein zu erfüllen; sie werden ohne Zweifel das Bedürfnis und die Verpflichtung fühlen, zu zeigen, daß sie etwas leisten könne». Wir gehen also aller Vorausficht nach wieder sehr erregten Kämpfen entgegen. Man rechnet von antisemitischer Seite auch darauf, daß das Zentrum sich entgegen­kommend in der Schaffung einer Judengesetzgebung zeigen wird". Zuverlässigen Mitteilungen des Hann. Kour." aus Kissingen zufolge litt Fürst Bismarck außer an Ischias noch an Gürtelrose und Tic doulourenx. Sämtliche Erscheinungen find im Abnehmen. Dem Kaiser!. Gesnndheitsawt sind seit dem 11. d. M. fiebcn weitere Cholerafälle aus dem Rheiugebiet gemeldet: In Köln ist ein Pfleger des daselbst der Cholera erlegenen, italienischen Hafeu- arbeiters (R.-A." Nr. 213) an Cholera gestorben; in Papiermühle bei Solingen erkrankten weitere fünf Personen; außerdem ist bei einer zu Sudberg im Kreise Mettmann verstorbenen Arbeiterin aus Papier­mühle Cholera als Todesursache festgestellt. Aus anderen Teile» des Deutschen Reichs liegen Nachrichten über Cholerafälle nicht vor. An den preußischen Landtagswahlen wollen fich die Berliner Sozial­demokraten zwar nicht durch Aufstellung von Kandi­daten, aber doch insofern beteiligen, als fie beab­sichtigen, mehrere große Versammlungen zu veran­stalten, um gegen das Wahlsystem zu protestieren und für ihre Parteizwecke zu agitieren. Ver­änderungen für die Abgrenzung der Reichs­tag s w a h l k r e i s e. Ter preußische Minister des Innern hat bezüglich etwaiger wünschenswerter Ver­änderungen für die Abgrenzung der Reichstagswahl­kreise eine Verfügung erlassen, worin er unter Hin­weis darauf, daß Aenderungen in der Abgrenzung der Wahlkreise, ausschl. der Reichsgesetzgebung Vor­behalten find, und daß es demnach bis zu einer anderweiten reichsgesetzlichen Feststellung bei der Ab­grenzung der Wahlkreise zu verbleiben habe, wie fie in dem erwähnten Verzeichnisse vom 28. Mai 1870 angegeben ist, die Regierungsstellen auffordert, inner halb drei Monaten zu berichten, ob Veräuderungen für die Abgrenzung der Wahlkreise erwünscht find,

Anzeigen nimmt entgegen die E^ sowie die Annorcen-Bureaux von Haasenstein ü. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u, Co. in Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Parisi

weis beigefügt und in de» Frachtbrief-n vermerkt ist, daß die damit cufgegcbener Sendungen durchweg

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Deutsches Reich.

W. Aerttn, 14. September. Unser Kaiser besichtigte am Dienstag in f-ühester Morgenstunde den Uebergaug der 29. Divifion über den Rhein bei Mothern und begab fich bann nach Lauterburg, wo eine Brücke geschlagen war. Der Kaiser stieg dort ab und schritt zweimal über die Brücke, sie eingehend

Mothern-Salmbach siegreich vorging und das elsässische Korps bis Schaffhausen, Niederrödern und Bühl zuröckdrängte. Heute Donnerstag ist Manöverschluß am Rhein und Abreise des Kaisers nach Stuttgart. Ter Kaiser erfreut fich, »ach den hierher gelangten Nachrichten trotz der groß-» Anstrengungen ter nun schon längere Ze't währenden Marövertage, des aller­besten Wohlbefindens. Tie regelmäßigen Regieruvgs- angelegenheiten haben keinerlei Unterbrechung erfahren, auch nahm Se. Majestät in gewohnter Weise dre Lorlräge des Kabinetisch-fs und des Kriegsministers entgegen und erteilte Audienzen. Am Mittwoch wurde am kaiserlichen Hofe der zweüe Geburtstag der Prinzessin Viktoria Lnise von Preuße», Tochter des Kaisers, begangen. Nach einer Ent­scheidung des preußischen KriegSministeri- ums für die durch Einführung der zweijährigen Dienstzeit entstandene Uebergangszeit sollen diejenigen Mannschaften ter Fußtruppe», der fahrende» Feld- attillerie und teS Trains, die fich im dritten Dieust- jahre befinden und wegen einer erlittenen Freiheits strafe gemäß § 7,3 der Wehrordnung eine bestimmte Zeit nachzudienen haben, er nach Ablauf der nach- zudienenden Zeit entlaßen werden, ohne daß ihnen diese Dienstzeit als Uebung anzurechnen ist. Die­jenigen Mannschaften, die jetzt im zweite» Dienstjahre stehen, eine Freiheitsstrafe über 6 Wochen erlitten und deshalb nachzudienen haben, sollen in der Regel das 3. Dienstjahr im Dienst behalten werden; diese Zurückbehaltung ist ihnen aber nur bann als Uebung Mzurechneu, wenn bie nicht anzurechnende Zeit der Freiheitsstrafe von kürzerer Dauer ist, als das dritte Dienstjahr. Zu der Frage der Anlage von neuen LefestigungSwerken in Loihringen wird noch geschrieben, daß der Reichstag kaum Gelegenheit finden dürste, sich schon hteber bevorstehenden Session mit dieser Angelegenheit zu befassen. Es müssen hierüber o eingehende Erwägungen veranstaltet werde», daß Hwerlich ein rascher Abschluß derselben zu erwarten

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und

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e/fO, 21 i. dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl.

Bestellgeld). JnferationSgebühr für die gespaltene Zeile Freitag, 15. September 1893

oder deren Raum 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. v ö r

wie verlautet, die Aufhebung der jetzt im Fern- sprech-Verkehr einer größeren Stadt mit ihren angeschlossenen Nachbarorten bestehenden Einrichtung, wonach im Fernsprech-Vcrkehr zwischen diesen Orten die Einzelgespräche gegen einmalige Zahlung einer Pauschal­summe kostenlos erfolgen konnten. Der Staats­sekretär Dr. von Stephan hat nämlich eine von Pirna aus a« ihn gerichtete Bitte um Aufhebung der kürzlich bezüglich des Telephonverkehrs zwischen Pirna und Dresden gettoffenen Maßnahme dieser Art dahin be­antwortet, daß diese Pauschalzahlungen voraussichtlich binnen kurzer Zeit für das ganze Reich aufgehoben würden. Diese Maßnahme würde eine bedeutende Erschwerung des telephonischen Verkehrs bedeute». Die staatlichen Eisenbahn - Verwaltungen haben fich bereit erklärt, die in der deutschen Abteilung der Welt­ausstellung in Chicago befirttlch »Ausstellungs- gege»stände von den Ausschiffungshäfen »ach ihrem früheren Ausgangsorte auf den ihnen unter­stellten Bahnen zur Hälfte der tarifmäßigen Fracht zurückzubeförder», wenn den Frachtbr efen ein von

Am Herenke.

Roman von Hella Limpurg

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzungi)

Aber Frau von Thielen hörte nicht, was er prach, sie war erschüttert niedergekniet am Sarge, r» Antlitz sank in die Palmen und Rosen, und die wichen Lippen stammelten fort und fort:Sie lebt! fie lebt ich bin keine Mörderin! O, all- «iger Gott, wie danke ich Dir! Aber er allein »ll es nicht wissen, er würde womöglich die Mutter «rächten; nein, ich kann'S nicht nur ihm kann h's nicht sagen ich liebe ihn zu sehr."

Und bann fuhr sie jäh empor, die Hand griff vch r.em auf dem Sargrande liegenden Pistol und enn streckte sie dem Sohne ihre Rechte hin.

Rudolf," rief sie so gellend und schauerlich, daß

Schwöre," sagte fie hart, keine Muskel ihres ^sichres zuckte, aber bie kalten Finger spannten

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iS vielleicht einst am Spätabend noch zu mir Mama, das ist krassester Egoismus."

m das Blut in den Adern erstarrte,Du mußt tir schwören, hier angesichts unseres lieben Heim- ngenen, daß Du nimmermehr dies Wort brechen st!"

Du gehörst mir, ganz allein, nur mir, und ich ne Dich keinem Weibe aus Erden. Meine Hand d fie treffen, meine Rache sie zerschmettern öre, Rudolf, hier in meine rechte Hand." Aber Thielen trat sehr ernst zurück; er erkannte hl die Gefahr des Augenblicks, aber er erschrak t vor demselben.

Ich schwöre niemals um solch' nichtige Sachen,

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er," entgegnete er ruhig,was aber verlangst ,.,,.1^^ von mir? Um einer krankhaften Laune willen t<i ZM ich für« ganze Leben das Glück abfchwören,

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den Hahn der Waffe,wenn Du es nicht ihust, liebst Du Deine Mutter nicht, und ich schieße mir selbst eine Kugel durch den Kopf."

Mutter, gieb mir die Waffe," bat Thielen, in­dem er, fie unverwandt fixierend, näher trat,Du wirst Deine Drohung nicht ausführen es wäre Mord an Deinem einzigen Kinde, ihm solchen Eid abzuzwingen."

Mord," schrie fie, schauerlich auflachend,ja Du sprichst die Wahrheit, jene Zigeunerin hat'S mir auch gesagt, und was ist denn wohl Schlimmes da­bei? Oder meinst Du nicht, daß eine Mutter um ihres Kindes Glücks willen nicht auch ein ander Dasein auslöschen kann? Haha! Sieh mich an, schwöre, wie ich es Mr besohlen!"

Der Hahn knackte, kalter Schweiß trat auf Thielens Stirn, und mit einem festen Griff hatte er die Rechte feiner Mutter erfaßt, die das Pistol hielt; ein kurzer, stummer Kampf, dann krachte der Schuß in die Luft und die unglückliche Freiftau stürzte zurücktaumelnd auf den Rand des Sarge«.

Rudolf von Thielen trug auch diesen erneuten Schicksalsschlag voll männlicher Fassung. Zwar er» wachte feine Mutter nach mehrstündiger Besinnungs­losigkeit verhältnismäßig wohl, doch schüttelte der herbeigerufene Arzt bedenklich das Haupt.

Sie scheint doch nicht klar," meinte er zum Freiherrn,das Gehirn, ohnehin schon erregt, muß durch den Fall noch mehr gelitten haben. Bei dem Alter der gnädigen Frau fürchte ich, daß eine ra dikale Heilung kaum stattfinden kann."

Allgütiger Himmel, auch das noch," rang es ch von Rudolfs Lippen, dann jedoch preßte er die Zähne zusammen, der Arzt sollte nicht in feinem Innern lesen.

Am Abend dieses »nfeligen Tage«, der dem Be­

gräbnis voranging, trat er bei der Freifrau ein, um sie zu begrüßen; sie lag auf dem Ruhebett und winkte ihm freundlich, näher zu kommen.

Nun, lieber Rudolf, wie geht es Dir? Warst Du auf dem Felde?"

Ach nein, Mama, e« giebt noch fo viel zur Beisetzung anzuordnen."

Ach ja, so," ein tiefer Schatten flog über das Gesicht der Dame,ich vergaß, daß der Vater ge­storben ist im Hexenfee und jene andere ruft auch drunten ja, ja, nun wird mir alles klar. Es lag wie ein Schleier über meinem Ge» dächtnis. Hat man ihren Körper auch ge­funden."

Bis dahin gingen die Erinnerungen der Kranken; daß Rudolf ihr von Ines Abreise erzählt, war ihr entschwunden, und mit energischer Zähigkeit wehrte fie sich daran zu glauben; für fie war und blieb die Spanierin tot und die Hexen draußen im See hatten ihren Leichnam mit fortgeführt, daß ihn kein Mensch aufzufinden vermochte.

Tot," murmelte fie, als fie am nächsten Mor­en vor dem geschlossenen Sarge ihres Gemahls tanb, und ihre weißen, großen Hände ordneten an den Kränzen und Zweigen, welche darauf lagen; ich komme nach, guter Thielen, aber ob man mich einläßt in den Himmel mit diesem schauerlichen Kainszeichen auf der Stirn?!"

Und fie rieb nervös mit dem feinen Battisttuch die Stirn, bis diese flammendrot ward und Hände ermüdet in den Schoß sanken.

Der große, mit den Ahnenbildern der Thielen- chen Familie geschmückte Saal war mit düsterem Trauerpomp ausgestattet; ringe um den Sarg kannten auf hohen Silberkandelabern Wachskerzen; Palrnbäume, Oleander und Drangen umgaben alles

mit dunklem Grün; auf dem Parquetboden lag ein mächtig großer, schwarzer Teppich, schwarze Flor« draperien umhüllten die Wände, Fenster und Spiegel.

Kopf an Kops drängten fich Leidtragende aller Stände herein, vom Präsidenten und General der nächsten größeren Stadt an bis zum geringsten Auszugsbauer hatten sich alle eingefunden, denn der verstorbene Kammerherr war trotz feiner erst so kurzen Anwesenheit doch überall beliebt, und fein tragischer Tod hatte die größte Teilnahme hervor­gerufen.

Auch mancher neugierige Blick traf die tief ver­schleierte Witwe, welche hart neben dem Sarge saß und sich weder rührte »och regte. Auch während der Rede des Geistlichen blieb sie völlig apathisch, und erst als der Sarg aufgehoben und hinaus« getragen werden sollte, blickte fie wie fragend ihren Sohn an.

Rudolf," fragte fie halblaut,darf ich mit zur Kapelle? Ich will sehen, wie e« einst sein wird, wenn fie mich beisetzen werden."

Bleibe hier, Mama, es wird Dir besser sein," >at Thielen tieferschüttert, aber sie schüttelte nur den Kopf.

Laß mich, Rudolf," bat sie wie ein Kind,al« Du klein warst, that ich oftmals Deinen Willen, nun thue auch einmal den meinen."

Und sie blieb in der That ruhig. Al« beim Herablassen be« Sarges bie anwesende Musikkapelle einen Choral anstimmte, als aller Augen feucht wurden, blickte fie nur starr und unverwandt hin­unter in die Gruft, aber sie rührte sich nicht, kaum daß die auf dem Arme des Sohnes ruhende Hand erbitterte.

Nun ruht er drunten," hauchte sie dann, zu letzterem gewandt,ob ich wohl einst neben ihm