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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
tat ®otH> 2»^»i» Jllustrirtes Sonntagsblatt. 8”~ Redaktion mb Expä^wu^ Markt"»!. ** ®tX^UT**
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Hm Kriege übernahm er 1849 ein selbständiges
Sommando und errang am 5. April den Sieg bei <1,4 Eckernförde. Desgleichen nahm er an den Feldzügen
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die Komposition einer deutschen Oper berufen, dem in den letzten Tagen des Juli die Aufführung der
1866 (auf Preußens Seite) und 1870/71 teil. In der preußischen Armee bekleidete der Herzog den Rang eines Generals der Kavallerie urd war Chef des Wrassier-Regiments von Seydlitz Nr. 7, sowie des 6. Thüringischen Jnfant. - Regts. Nr. 95. In den
Jahren 1887 bis 1889 gab Herzog Ernst Denkwürdigkeiten unter dem Titel „Aus meinem Leben und aus meiner Zeit" in drei Bänden heraus, welche großes Jntereffe erregten. — Die Regierung hat als Nachfolger des Verstorbenen der nächst berechtigte Agnat — die Ehe des Herzogs war kinderlos — bisherige Herzog Alfred von Edinburgh, Sohn der Königin von England nnd des Prinzgemahls Albert von Sachsen - Koburg - Gotha, jüngeren Bruders des Dahingeschiedenen angetreten. Die Zeitungsnachricht, daß derselbe seinem Erbrechte zu Gunsten seines ältesten Sohnes, des Prinzen Alfred, entsagt habe, ist inzwischen von Gotha aus als unbegründet bezeichnet worden. Herzog Alfred ist am 6. August 1844 zu Windsor geboren und seit dem 23. Januar 1874 mit der Großfürstin Maria, Schwester des Kaisers von Rußland vermählt.
»armer Patriot, ein treuer Freund und fester An- Mger Preußens und seines Königshauses dahin, ein begeisterter Vorkämpfer für die Etnheitsbestrebungen der deutschen Nation. Sein Anteil am Wiederer- stehen des geeinten Vaterlandes wird unvergänglich h den Tafeln der deutschen Geschichte eingegraben
Herzog Ernst II von Sachsen- Koburg-Gotha
IS, itorei,
Dienstag an Bord der „Savoia" vor Gaöia an, wurden daselbst lebhaft begrüßt und begaben sich an Bord eines Torpedobootes, um die zur Verteidigung des Golfes von Gatzta errichteten Befestigungen zu besichtigen. Abends wohnten die hohen Herrschaften dem Nachtmanöver der Flotte an Bord der „Savoia" bei. Zahlreiche Personen brachten nachts tu illuminierten Barken den Fürsten eine glänzende Ovation dar und begrüßten sie mit Hochrufen auf Italien, Deutschland und den Dreibund. Mittwoch Abend sollte die Rückkehr nach Spezzia stattfinden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Die auch neuerdings wieder durch die Presse gehenden Nachrichten von dem Bestehen der.'Absicht, im Zusammenhang mit der Steuerreform im Reiche mit bedeutenden Marineforderungen an die gesetzgebenden Faktoren heranzutreten, find wir in der Lage auf das Bündigste als unrichtig zu bezeichnen". — Der preußische Minister des Innern hat angeorbnet, daß in Zukunft sämtliche wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung von den Polizeibehörden verfügten Ausweisungen lästiger Ausländer aus dem preußischen Staatsgebiet nicht nur im Re- gierungs - Amtsblatt des Bezirks, sondern außerdem in dem kgl. preußischen Zentral-Polizeiblatt bekannt zu machen find. Außer den Ausweisungen ans Preußen werden in das Zentralblatt auch die im Zentralblatt für das Deutsche Reich veröffentlichten Ausweisungen aus dem Reichsgebiet aufgeuommen werden. Damit die Namen der Ansgewieseneu leichter aufgefunden werden können, wird jährlich ein alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ausgewiesenen, und zwar zugleich mit dem Jahresregister für das Zentral- blatt, aber gesondert von diesem, aufgestellt werden. Hiervon sind die Regierungs- und Ober Präsidenten in Kenntnis gesetzt worden mit dem Ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß die zur Veröffentlichung bestimmten Aurweisungen ans Preußen jedesmal unverzüglich der Redaktion des „Zentral-PolizeiblaiteS" mitgeteilt werden.
Wetz, 23. August. Für die Kaifermanöver gestaltet sich die Reihenfolge, nach den neuesten Bestimmungen, wie folgt: Am 2. September ist große Parade des 8. Armeekorps und der Kavallerie-Division A bei Trier, am 4. große Parade des 16. Armeekorps und der Kavallerie-Division B bei Metz, am 4. und 5. Kriegsmärsche des 8. Armeekorps und der Kavallerie-Division A von Trier aus in südlicher Richtung zu beiden Seiten der Saar, am 5. Korpsmanöver des 16. Armeekorps bei Metz und Kriegsmarsch der Kavalleriedivifion B von Metz aus in
nordöstlicher Richtung, vom 6. bis 8. Manöver des 8. nnd 16. Korps gegeneinander in den Kreisen Metz, Bolchen und Diedenhofeu, an welchen vom 7. ab auch die 5. bayerische Division teil nimmt. Am 9. ist große Parade des 15. Korps bei Straßburg, am 11. große Parade des 14. Korps bei Karlsruhe und Kriegsmarsch des 14. Korps nach dem Elsaß, vom 12. bis 14. Manöver des 14. gegen das 15. Korps. Die letzteren Manöver finden im Gelände zwischen dem Rhein, der Lauter und der Linie Weißenburg- Dracheuborn- Oberkutzenhausen - Sufflen- heim - Fort Louis statt. Das 14. Korps wird sich durch einen Kriegsmarsch nach dem Manövergelände begeben, welches das Gebiet zwischen Straßburg und dem vorbezeichneten Geländeabschnitt, durchschneidet.
Speier, 23. August. Die 6. Generalversamm» lung des evangelischen Bundes ist am Dirnstag in Speier eröffnet worden. Den Gottesdienst hielt Hof- und Domprediger Faber ans Berlin ab, welcher einen Rückblick auf die Geschichte Speiers warf, indem er die Glanbensthat vom Jahre 1529, die Verwüstung der Stadt Speier durch die Franzosen und die Wiederherstellung der Stadt zu Mahnungen für die Gegenwart verwandte. Die Mrche war bis auf den letzten Platz gefüllt.
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dem deutschen Kaiser, welcher einen treuen Bnndes- Mosseu und Freund verliert, trauern die anderen Fürsten Deutschlands und daS deutsche Volk mit cuftichtigem Schmerz an seiner Bahre. — Ernst II.,
Deutsches Reich.
W. Berlin, 24. August. Herzog Ernst von Sachsen - Koburg - Gotha ist am Dienstag Spätabend um ll3/4 Uhr verschieden. — Der Herzog Alfred von Edinburg hat an den Bürgermeister Liebetrau in Gotha folgendes Telegramm gerichtet: „Tiesbetrübt zeige ich Ihnen und der Bürgerschaft an, daß heute mein heißgeliebter Onkel nach mehrwöchigem Krankenlager verschieden ist." Ein gleiches Telegramm hat der Herzog auch an den Bürgermeister Muther in Koburg gerichtet. Es ist eine dreiwöchige Landestrauer anbefohlen. Am Mittwoch fand die Aufbahrung der Leiche im Schloß zu Reinhardsbluml statt. Heute, Donnerstag wird eine Familienandacht abgehalten. Freitag wird der Sarg öffentlich ausgestellt. Montag früh be- giebt sich der Leichenkoudnkt nach dem Bahnhofe Schnepfenthal und von dort mittelst Extrazuges nach Koburg, von wo aus die Ueberführung nach der Moritzkirche erfolgt, in welcher um 12 Uhr die Bei- sttzungsfeier stattfindet. — Am Sonnabend wird in Gotha der Landtag zur E i d e 8 l e i st n n g znsammen- treten. — Der Kaiser ist am Mittwoch früh in Reinhardsbrunn eingetroffen. Herzog Alfred befindet sich ebenfalls daselbst, während sein Sohn, Prinz Alfred, in Oberhof weilt. — Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Königliche Hof legt für den verstorbenen Herzog Ernst eine dreiwöchige Hoftrauer an. — Vom Besuch des Prinzen Heinrich von Preußen bei den italienischen Flottenmanövern wird ans Rom gemeldet: König Humbert, Prinz Heinrich nnd der Kronprinz von Italien trafen
Hessen-Nassau.
Marvvrg, 24. August. (Militärisches.) v. Nathusms, Pr.-Lt. vom 1. Bad. Feldart.-Regt. Nr. 14, ist vom 1. Oktober d.3. ab auf ein Jahr zur Dienstleistung bei dem Hess. Jäger-Bat. Nr. 11 kommandiert.
Warvrrrg, 24. August. Gestern Abend gegen 1/211 Uhr war hier eine seltene Erscheinung, ein Mond-Regenbogen, zu sehen. Der Bogen, welcher dem ziemlich vollen Mond gegenüber in nördlicher Richtung stand, war vollständig und reichte bis in das Thal hinab, so daß Baumgrnppen und Lahnberge hinter den unteren Enden durchschimmerten. Der Bogen hatte einen Schein in blassem Rosa.
Warönrg, 24. August. (Das Paketporto wird nicht erhöht!) Aus eine von der bekannten Berliner Konfektions-Zeitung „Der Geschäftsfreund" dieserhalb an die zuständige höchste Behörde gerichtete Anfrage ist der Redaktion genannten Blattes soeben vom Staatssekretär des Reichs-Postamts eine Antwort d. d. 22. August zugegangen, worin es wörtlich heißt: „daß eine Abänderung des Tarifs für daS Paketporto nicht beabsichtigt wird. Die in dieser Beziehung umlaufenden Gerüchte entbehren der Bc-
Neubestellungen auf die „Oberhesfifche Zeitung" für den Monat September werden ton allen Postanstalten, Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial - Expeditionm in Kirchhain, Neustadt nnd Wetter entgegengenommen. Neuzuzehende Abonnenten erhalten die „Ober- hesfische Zeitung" bis zum 1. September unentgeltlich.
Die Exped. der „Ober heft. Ztg."
Marburg,
Freitag, 25. August 1893
. beiden preisgekrönten Werke in Gotha folgte. Ein
S echter Fürst, der all fein Denken und Trachten dem
• Deutschtum widmete, hat das Zeitliche gesegnet I Mit
r’ , ’ der Großherzogs von Baden. Am 29. Januar 1844 • folgte er seinem Vater in der Regierung. Im döni-
Vrs-rillt täglich außer es Werktag» nach Cm» sub T«/» iaa Feiertagen.—Qu«rt«l-Ab»m:e»tut»-Prri» bei der •zM»
Jia 199, ditimr 9 Mk., bei allen PaßänUe.A 8 S6 W,. (rxkl.
SesikllM). JuserattaslkrbLhr fiw die edSHtitese Zelle »der deren Raum 10 Pfg., Renmen ffir die Zelle W Psg,
st nach einer Regierung von nahezu fünfzig Jahren 8. te der Nacht zum Mittwoch in seinem schönen Schloß Reinhardsbrunn sauft entschlafen. Mit ihm geht ein
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sawie die Anuoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in wtttti <
granffurt a. M., Dassel, Magdeburg und Men; Rudolf ÄXV111. Sc Q 010
Moise in Frankfurt a. M., Berlin, Mümchm m Köln; L, °
Daube x. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Wen. Auch die Pflege der Kunst lag dem Herzog J am Herzen: wie er selbst als Komponist thätig ge- ’ Uesen, so wurden noch kurz vor seinem Hinscheiden 5 deutsche Künstler von ihm zu einem Wettbewerb um
ältester Sohn deS Herzogs Einst I. und der Herzogin ÄLouise, geboren am 21. Juni 1818 zu Koburg, vermählte sich am 3. Mai 1842 mit Alexandrine, Tochter
Pflicht.
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m.)
auf den Boden gebettet ist.
Roman von 6; Zoeller-Lionheart.
^Nachdruck verboten.)
II (Fortsetzung.)
UUip Die Entfernung bi» zum Boot ist zu groß, als daß
*. « sie lebend noch erreichen wird, aber der Versuch
Fleisch Mß doch gemacht werden. Die arme kleine Mar-
ksam. ; Kagen. Ihre geblendeten Augen verlieren schon ***' ■ Sehkraft.
£ Sie ist nur dem einen gefolgt in ihrer wahn- •2 Mgen Angst, der noch weitab vom Boote treibt, auf der Unglücksstelle Posto faßte. Sie hatte "v ^t gesehen, was mit erregtem Jubelschrei au« ; Een Kehlen nun begrüßt wird: wie der Boots- Ewn jetzt vom Bootsrand aus die leblose Kleine ■W. »verzieht und dem hochstehenden Lehrer zureicht.
k rudert energisch vorwärts, nachdem das Kind
t vs* M die bereits in die Tiefe versunken, und nach Nr der Bootsmann vergeblich seinen langen Ruderte fei» ßock umheifischen läßt, wird er nicht lebend mehr enorulä hrausziehen.
O, der grausamen Ungewißheit, der qualvollen । । Spannung, mit der die unglückliche Mutter weil
jOÜq 6er die Altanwand vor gebeugt mit angestrengter
Qf Straft dem tapferen Schwimmer mit dem Blicke | Vorwärts kommt er, aber wie langsam, wie nfiMvgsam! — Wird es noch Zeit fein? Hat er sich , . erst durch die Binsen und das Röhricht des jeE d «fers, die unterseeische Vegetation des, seichten C~' Ja ^sscrs zu kämpfen, ehe er freie Schwimmbahn gn. w» Gleicht.
®ie6^ Ada hat aufgehört zu schreien, ihre ausgedörrten "p^Apen geben keinen Ton mehr von sich.^ Ihre >"), & Migernägel find wie Krallen in die Handfläche ge-
Landwärts gleitet das Boot und nimmt unterwegs noch Herbert auf; zum Landungsplatz rennt Ava in wahnsinniger Hast. Dort reißt sie ihr Kind in die Arme. Es giebt matte Zeichen des wiederkehrenden Lebens. Wie durch einen Rebel sieht sie noch, wie die Sträflinge mit einem Aufseher an ihnen vorüberziehen. Wie durch einen Schleier erblickt und erkennt sie den einen, der eine Sekunde stillsteht Sie sieht in ein aschbleiches Gesicht, um dessen Mund und Kinn es seltsam gerötet ist, auf dessen Brust es rot von dort heruntertropft Sie hört wie im Traum, wie der Aufseher laut zu den anderen sagt: „Wird sich bei der Arbeit heute wohl ’ne Ader ober ’n Blutgefäß gesprengt haben, stark war er ja schon lange nicht. Ra, was liegt an solchem Kerl; ’n verpfuschtes Leben. bleibt's doch man nachher " Dann folgte ein kurzer Kampf, ob sie auf den Unglücklichen zueilen solle, um ihm die kraftlose Hand im stummen Mitleid zu drücken? Ob sie Herbert folgen muß, der das zur Besinnung zurückkehrende Kind ihr vom Arm genommen und im schnellsten Lause dem Wirtrhause zutragen will Er macht dem Schwanken selbst ein Ende. Am Arm des Aufsehers wendet er vom Damme, als ginge ihn das alles nichts mehr an, gerade als das Kind die Augen öffnen will.
Die Angst um ihr Kind treibt sie Herbert jetzt nach. Unter den vereinigten Wiederbelebungsversuchen schlug Margot die umflorten Augen wieder auf, und am Abend konnte man sie mit Vorsicht in die Stadt zurückfahren.
X.
Es regnet, regnet, regnet seit drei Tagen schon „wie Strippen," polürt der wütende Pächter, der mitten in der Heuernte fitzt und seiner bösen Laune kaum bei Tische in Gegenwart des vornehmen Gastes
Beherrschung auserlegen kann. Die kleine Bremer, die sich zum Hochzeitstag so hübsch geputzt und so nett ihr gelbes Haar von der Baronin Jungfer frisieren ließ, hat dickgeweinte Augen, und die Kinder huschen wie mit zusammengezogenen Flügeln ängstlich durchs Haus. Der Tyrann schmettert un- wirrsch die Thüren ins Schloß und fährt jeden wütend an, der ihm ungelegen den Weg kreuzt. Seine brüllende Stimme schallt bis zu ihr hinauf, in ihre stille Klause, in die sie sich geflüchtet Warum soll er sich nicht gehen lassen, er betont’« ja zu allen Zeiten, baß er Herr im Hause ist, nach dessen Pfeife das ganze Weibervolk zu tanzen hat! Widerspruch gegen seine Autorität schien ihm so gut wir Majestätsbeleidigung. Selbst feiner Patronin begegnet er mit einer gewissen gnädigen Herablassung des höheren Wesens gegen ein von der Na tur ihm untergeordnetes
Viktoria hatte sich nämlich unterstanden, einen guten Rat geben zu wollen, als Bremer bei Tisch mit der geballten Faust auf die Platte schlagend, daß die Teller hochflogen, auf den Regen, die Leute, seine arme, kleine abgehetzte Frau und die gedrückten Kinder schimpfte und eine schlechte Kartoffelernte prophezeite, bei der alles verfaulen müsse, wenn es noch eine Woche so fortregne. Zum Glück hatte er sich gleich nach Tisch seine Mütze wieder aufgestülpt, den Regenrock übergezogen und war quer über den Hof in die Wassertümpel hinausgestiefelt, die ihm nur fo um die Schmierstiefel ausspritzten.
Frau Bremer räumte geschäftig den Tisch ab, und die dicken Thränen rannen ihr dabei über das hübsche Gesicht hin.
Viktoria fühlte in sich eine seltsam weiche Regung weiblichen Mitgefühls.
„Sie haben wohl viel unter seiner Derbheit zu
leiden, arme kleine Frau?" sagte sie und legte ihre Hand teilnehmend auf deren runden Arm.
„O, er ist ja ein braver Mann und thut feine Pflicht als Mann und Vater, und ich hab' wohl kein Recht, mich zu beklagen," schluchzte sich die kleine Frau nun plötzlich aus. „Aber man mächt' zu dem dürren Stück Brot doch ein klein wenig mehr, ein freundliches Wort, einen warmen Blick. Er nennt das alberne Sentimentalität von mir, und er mag wohl auch recht haben. Wa» kann man von einem Menschen noch mehr verlangen, als daß er bis zum äußersten feine Pflicht thut? Frau Baronin kennen ja aber mein Elternhaus, wo alles Liebe und Güte war, und die Menschen sich gegenseitig thaten, was sie sich an den Augen absehen konnten, und Vater und Mutter nie ein hartes ober liebloses Wort zu einander hatten. Das thut weh, o, das thut weh, wenn man’8 nachher entbehren muß Der Mann hat ja seinen Kops voll mit Sorgen, die hohe Pacht, die zweifelhaften Ernten, aber ein bißchen weicher könnt’ er doch wohl mit mir umgehen und die armen Würmer nicht so lieblos von sich stoßen, um sie fürs Leben abzuhärten. Fürs Leben unter Fremden sie im Elternhaus schon streng behandeln, begreifen Sie das?"
„Ich will versuchen, ob ich Ihr Leben freundlicher dadurch gestalten kann, daß ich die Pacht verringere. Vielleicht stimmt das Ihren Mann sanfter," sagte Viktoria mit einer seltsamen Anwandlung weicheren Gefühls. Die Frau hatte ihr unbewußt da eben einen Spiegel vorgehalten, in dem sie sich merkwürdig vorkam.
Mit überströmendem Dankgefühl küßte Fran Bremer ihr beide Hände
„Frau Baronin, wie gut Sie sind, Sie verdienen Ihr Glück, Sie verdienen einen Mann, wie der