Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

*** ** "jfctoßto «5U Jllnstrirtes Sonntagsblatt. Ber«t» RcdakÄn rmd ^pättwn^ Martt^Ll.

M 192.

Urschrift täglich «x%a «n ZBettttgen n-ch 6»km m Fettttek». — Ox>rt«l»Xb»»M»rul»-Prri« bei bet typt» bitte a ÄL, bei «He» P«ftä«tenr 8 3RL S5W (erfL ve-rllzrld). Jnser«ti»n»rrüLhr fit die »rsp«Itese Zeile •ter beten Raum 10 Pfg., Äeneeten für bit Zeile W Wg.

Marburg,

Donnerstag, 17. August 1893.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, k»»ie die Aunoncen-Bureaur von Haasmstein u. Vogler ht Frankfurt e. M., Tafiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste m Frankfurt a. M., Berlin, Münchens Köln; G. L. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVIII. Jahrg.

Der Züricher internationale Arbeiterkongreß

hat in der vorigen Woche sein Ende gefunden. Es ist demselben diesmal glücklicherweise in der Presse der staatserhaltenden Parteien nicht so viel Beachtung geschenkt worden, wie ftüheren Veranstaltungen der Sozialdemokratie, aber immer noch zu viel. Mau sollte sich endlich daran gewöhnen, von solchen sozial­demokratischen Kundgebungen Notiz zu nehmen, wie »ou anderen Kuriositäten, ihrem Zwecke der Auf­reizung aber nicht durch spezialisierte Berichterstattung über die näheren Vorgänge zu dienen. Dadurch wird sür die Herren Führer, die ja auf die Wieder­gabe ihrer Aeußerungen in der Presse außerordentlich begierig find, nur Reklame gemacht und dessen sollte» fich doch die Blätter aller nichtsozialdemokratischen Parteien allmählich ganz enthalten. Wäre es uns schon aus diesem Grunde unmöglich, über die in Zürich gefaßten Beschlüsse uns des Nähere» aus­zulassen, so ist auch die Natur der letzteren durchaus nicht geeignet, Aufhebens zu machen. Es ist lediglich bet alte Quark, der in Zürich zum Vorschein ge­kommen ist, und getretener Quark wird bekanntlich breit, aber nicht stark. Man läßt also diese Beschlüsse am besten auf fich beruhen. Dagegen geben u»s zwei an den Züricher Kongreß geknüpfte Betrach­tungen einiger staatserhaltendeu Blätter Veranlaffung auf denselben zurückzukommen. Die unabhängigen Sozialisten Deutschlands und die Anarchisten sämt licher Länder haben fich nämlich in Zürich, nachdem sie aus dem von Herrn Bebel beherrschten Kongresse hinaus geprügelt waren, einen Sonderkongreß geleistet und auf demselben die abfälligsten Aeußerungen über die Sozialdemokratie im Allgemeinen und über die deutsche im Besonderen gethan. Nach der Prügelei die Schimpferei! Einige deutsche Blätter haben nun aus diesem Umstande den Schluß herleiteu wollen, daß die deutsche sozialdemokratische Organisation ins Wanken kommen werde. Dazu ist aber vorläufig nicht die mindeste Aussicht. Die Führer werden sich hüten, auseiuanderzufallen, wo ihnen die jetzige Organisation die Unterlage für eine behagliche Existenz bietet und die Masse läßt sich noch immer nicht darüber aufkläreu, wozu eigentlich die von ihr aufge­brachten Geldmittel verwendet werden. Die Hand voll Unabhängiger und Anarchisten wird deshalb dem Treiben der Herren Bebel und Liebknecht keinen Abbruch thun. Auf der anderen Seite haben einzelne Organe aus, dem Gegensätze, der sich in Zürich zwischen Sozialdemokratie und Anarchie kundgegeben

Pflicht.

Roma» von & Zoeller-Lionheart.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Warm die Thränen ihr nicht nahe gewesen, als ihr das Mädchen heute einen der spärlichen Briefe überreichte, die überhaupt ins Haus kamen? Der erste von ihm, nachdem er per Karte lakonisch seine Ankunft in Nizza gemeldet und um Nachbeförderung seiner etwa eingehenden Zuschriften dahin gebeten. Kein Wort, wie es ihm ging, keine Anfrage nach ihrem Befinden, Leben, Treiben. Das Interesse für ihre Person schien also bei ihm rein ausgelöscht, «nd auch der heutige Brief in seiner höflichen, aber knappen Diktion sprach deutlich genug: Wir gehen tinanber nichts mehr an.

«Liebe Viktoria!

Zu meinem lebhaften Bedauem muß ich Dich für mich abermals bemühen, da ich dem Personal die nötige Vorsicht nicht zutraue. Im Hause von Sir Spencer wird viel musiziert Ich wäre Dir daher dankbar, wenn Du mir meine Geige an die Adresse Lady Swift, Nizza, senden wollteft.

Seine höflichen Empfehlungen legt Dir zu Füßen Pruß von Brandenstein.'

Also die alten Liebhabereien nahm er wieder auf, für die sie beim Anfang ihrer Ehe so wenig Verständnis gezeigt, die fie sogar als eine lästige Störung so oft getadelt, daß er sie rüösichtsvol fallen ließ.

Sie hatte damals innerlich über sein schwäch­liches Nachgeben gespottet Heute? Heute suhlte sie ein heißes, unbeschreibliches Sehnen nach so vie Zartfinn, Rücksichtnahme, und selbst der köstliche Wohlklang seiner vernachlässigten Amati zitterte wre

)at, schließe» wollen, daß die Sozialdemokratie mit renJahre» zahmer geworden sei und ihrenrevolutiouäreu Charakter aufgegeben habe. Auch dieser Schluß ist alsch. Die eine Partei ist ebenso revolutionär als )ie andere. Was beide auseinandergebracht hat, find nicht etwa grundsätzliche Ideen — damit würde man ich bald abfinden —, sondern im letzten Grunde der Neid der beiderseitigen Führer. Die Herren Bebel und Liebknecht wollen eben Niemanden neben sich aufkommen lassen, her fich einfallen ließe, selbst­ständig zn denken, und so wurden die Herren Werner und Genossen „an die Luft gesetzt." Die revolutio­nären Ideen jedoch sind beiden Teile» in gleichem Maße eigen. Das darf nie vergessen und muß gegen­über den Aeußerungen freisinniger Blätter, die sich namentlich dazu hingezogen fühlen, den Sozialdemo­kraten den revolutionären Charakter abznsprechen, stets von Neuem betont werden. Ans der Stellung, welche die Sozialdemokratie gegenüber der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung einnimmt, ergiebt sich diejenige der Verteidiger der letzteren gegenüber der Sozialdemokratie von selbst. Man darf nur die Gefahr, die uns von der Sozialdemokratie droht, nicht unter- und nicht überschätzen, und man wird schon die geeigneten Abwehrmaßnahmeu finden.

Deutsches Reich.

W. Berlin, 16. August. Der Kaiser em­pfing am Montag Abend den Abteilnngschef im Militärkabinett, Obersten v. Lippe und gewährte dem Reichskanzler Grafen Caprivi den erbetenen Jmmediat- vortrag. Zur Abendtafel waren beehrt worden mit Einladungen: der Reichskanzler mit seinem Adjutanten, der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Fürst Ra- dolin, Oberst v. Lippe. Am Dienstag Morgen riti der Kaiser vom Schlosse nach dem Tcmpelhofer Felde und nahm daselbst die Herbstparade über die Truppen des Gardekorps ab. Im Anschluß hieran nahm der Monarch militärische Meldungen entgegen. — Prinz Friedrich Leopold fuhr am Dienstag Morgen zu Wage» von seinem Palais nach der Dragoner- ckaserne und stieg dort zu Pferde, um die Führung des Regiments Gardes bu CorpS zur Parade zu übernehmen. — Kaiser Wilhelm wird, »ach der „Köln. Ztg.", bei seinem Besuch der ungarischen Manöver weder in Pest, noch in Wien Aufenthalt nehmen. Der Kaiser trifft am 17. September zu den Manövern ein und fährt nach Schluß der vier­tägigen Hebungen mit Kaiser Franz Joseph zu den Hirschjagden in des Erzherzogs Albrecht Herrschaft

ein unerreichbarer Hochgenuß, nach dem sie vergeblich schmachten würde, in ihren summenden Ohren.

Kann ein Mensch durch Krankheit soweit her­unterkommen? Gott sei Dank, nun ist sie wieder auf ihren Beinen. Der Brief, der dem Pächter ihre Ankunft auf Schönwerder melden soll, ist längst unterwegs. Leider findet sich auf der gut ver­walteten Riesenherrschast, die der Vater und sie ohne Inspektor einst bewirtschafteten, für sie auch blutwenig mehr zu thun, aber schon der Ortswechsel wird ihr von Vorteil sein. Nun sitzt sie endlich im Damencoupe, und der Zug, der sie nach ihrer Be­sitzung bringen soll, setzt sich wieder in Bewegung. Die beiden jungen Frauen, welche schon von weiter her gekommen fein müssen, setzen ungeniert ihre Unterhaltung fort. Anfangs achtet Viktoria nicht darauf, da fällt der Name Brandenstein, während die eine junge Dame ihre Reisetasche herunterlangt, die seinen Fingerspitzen auf den Schnepper drückt und aus dem Spalt ein Lederbüchelchen herauslangt, das fie der Freundin mit einem triumphierenden: So sieht er aus, ich hab' mit fein Bild zum Ab­schied schenken lassen," hinreicht. „O, wir haben ihn alle gründlich verzogen, er war der Hahn im Korbe," hörte Viktoria mit unwillkürlich gespitzten Ohren, während das erregte Blut fie bald blaß, bald rot werden ließ.

„Spielt er himmlisch die Geige! Wir haben alle Abende bei Swifts musiziert, die ihre Villa neben uns hatten. Ich sag' Dir, es war ein ent­zückendes Leben in Nizza. Ganz internationale Ge- sellschaft. Ich war ordentlich böse auf meinen Brummbär, daß er mich nicht länger bei der Mama lassen wollte."

„Ist Lady Swift nicht die blonde Grethe Schön­eich mit den ftifchen Farben und dem dicken Zopf?"

Bellye, von wo er direkt heimkehrt. Ob er bei der Rückfahrt ht Wien am 26. unmittelbar durchreist oder einige Stunden zum Essen in Schönbrunn ver­weilt, steht noch nicht fest. — Ein Kaiserbesuch n West Preußen wird, wie der Oberpräsident v. Goßler nach Thorn gemeldet hat, in diesem Jahre nicht stattfinden. — Der Präsident des Reichsbank- Direktoriums, Dr. Koch, ist vom Kaiser zum Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden. — Das „Armee-Verordnungsblatt" bringt eine vom 11. d. M. datierte kaiserliche Kabinettsordre, mrch welche über die durch das Militärgesetz be­dingten Formations- :c. Aenderunge», die Entlassung der Reservisten und Einstellung der Rekruten spezielle Verfügung getroffen wird. — Der preußische Handels­minister hat wegen Freihafenprojekte (es werden zunächst Danzig und Stettin genannt) eine Konferenz der Behörden der Ostseestädte nach Berlin einberufen. — Eine Vermehrung des Aufsichtspersonals an der preußisch russischen Grenze in Schlesien ist, nach der „Schles. Ztg." nicht in Anregung gebracht worden. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „In der Presse ist letzthin wiederholt die Rede davon ge wesen, die kgl. Staatsregierung beabsichtige, die An­weisung des Oberpräfidenten von Schleswig-Holstein vom 18. Dezember 1888 betr. die dänische Sprachenfrage ganz oder teilweise aufzuheben. Eine solche Absicht liegt, wie wir erfahren, der kgl. Staatsregierung durchaus fern. Wenn einzelne Blätter mit einem Massenaustritt au8 der Landeskirche in Nordschleswig drohen, so darf dies in die Rubrik des blinden Lärmmachens verwiese» werden." — Die „Hamb. Nachr." stellen Betrachtungen über den Unglücksfall auf dem Panzer­schiffe „Baden" an und führen aus, daß solche schwere Geschütze nicht durch junge, sondern durch ältere, erfahrene Leute beim Schieße» bedient werden sollte», die auf den Schiffen mehr für ihre Verrichtung geschult und von anderen Dtevstleistnngen möglichst befreit sein sollten, wie dies bei der englischen Marine der Fall sei. Ebenso notwendig sei eine größere Anzahl von langgedienten Geschütz-Kommandeuren, die sich haupffächlich nur mit dem praktischen Gebrauch ihrer Waffe beschäftigt haben. Deshalb trete die Frage immer näher, ob es nicht richtiger wäre, die Mannschaften weniger mit der Bedienung der bei vielen Kriegsschiffen immer noch zum Hohn der Kriegführung vorhandenen schwerfälligen Takelage, mit Parademarsch und andern allgemeinen Schiffs­diensten zu überbürden, sondern hauptsächlich praktische Schießübungen in Verbindung mit den Offizieren und

fragte die andere junge Frau. — Ihr Gegenüber nickte. _

„Sir Spencer, der ein Musiknarr ist, hat sich, als er militärischer Attache bei der Gesandtschaft war, in Grethe Schöneich im Konservatorium ver­liebt, weißt Du, als sie noch ein Backfisch war Führen die ein Haus! Natürlich nicht wie die Bankiers hier bei uns, um besprochen und bewun­dert zu werden, sondern zum Alleingenuß Aller Welt, die Anspruch auf Unterhaltungsgabe erheben darf, ist es stets geöffnet.

„Weißt Du, Fanny, wen ich da wieder getroffen habe? Die pikante Kubanerin, mit den Feuerräder- augen, die mit uns in der Pension zusammen war. Sie hat ihr Programm von damals wörtlich inne­gehalten, erinnerst Du Dich? Erst einen vielfachen Millionär von sechzig Jahren mindestens, ihren Vetter, einen Financier in London geheiratet, jetzt eine viel gefeierte, viel umworbene Wittib von eini­gen zwanzig Jahren und ebensoviel tausend Pfund Revenuen."

„Und?" fragte die, die Fanny genannt war, mit echt weiblicher Neugier. „Sie war damals so mager wie eine Ziege und grün wie ein unreifer Apfel. Die schön?"

„Und ist jetzt ein Triumph aller möglichen Un­regelmäßigkeiten. Rasse darin! Ich sag' Dir, sie sticht uns nordische Schönheiten mit ihrer Schlangen­grazie, ihrem südlich warmen Teint, ihrer üppigen Schlankheit, den Feueraugen und der Sammethaut sämtlich aus, wenn sie will, und dieses Mal will sie ernstlich. Ihr vieles Geld hat fie, nun will fie ihren Roman. She sets her cap, wie der Eng­länder sagt, desparat auf den melancholischen Bran­denstein, der ein bißchen den Spröden spielt. Er wird wohl schließlich doch einmal schmelzen müssen

Mannschaften übenden Manövern unter Dampf vor­zunehmen. Hieran schließt das Blatt die gleichzeitige Mahnung, überhaupt kleinere Schiffe zu bauen. Jedes große Panzerschiff sei im Seegefecht trotz seiner riesigen Dimensionen, Maschinen und Geschütze stets n Gefahr, von kleineren Schiffen gerammt und in den Grund gebohrt zu werden. Da es aber im Seegefecht unbedingt zum Rammen komme, müßten mehr kleine Schiffe mit starker Rammwehr gebaut werden, aber die leitenden Schiffskonstrukteure ver- chlöffeu fich immer noch dieser Einsicht. Endlich tritt das Blatt energisch für bessere Wohnungen be­ziehungsweise Schlafräume auf Kriegsschiffen ein, die namentlich in den Zwischendecks die Gesundheit der Mannschaften und Offiziere, zumal in heiße» Klimaten untergrüben unb thatsächlich oft bloß unterirdische oder unterseeische Höhle» seien. Auch hierin müßten die Engländer uns ein Vorbild sein.

Hteinhardsvruv«, 15. August. In dem Be­finden des Herzogs Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha ist nach dem neuesten Bulletin keine Aenderung einge­treten. Obgleich das Befinden seit Montag etwas besser ist, erregt es noch schwere Besorgnisse. In allen Landeskirchen fand Fürbitte statt.

Weuwitd, 15. August. Von hier wird gemeldet: Als die Fürstin zu Wied in Begleitung der Königin von Rumänien die Kirche besuchte, stolperte fie über einen Teppich, fiel und brach den Arm.

Hessen-Nassau.

Marburg, 16. August. (Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Heinrich Cramer f.) Heute Morgen durch­eilte die Trauerkunde unsere Stadt, daß in vergangener Nacht der Direktor der hiesigen Jrrenheilanstalt, Herr Prof. Dr. Heinrich Cramer ganz unerwartet das Zeitliche gesegnet habe. Tief erregbar ist diese Bot­schaft nicht allein für alle Diejenigen, die den Ver­blichenen in unserer Stadt und Umgegend kannten und fast täglich zu sehen Gelegenheit hatten, sondern da er als Mann der Praxis und der Wissenschaft in unserem Vaterlande und weit über die Grenzen desselben hinaus den bedeutendsten Ruf genoß, so wird die Trauer über den herben Verlust zu einer allge­meinen. — Herr Geh. Med.-Rat Pros. Dr. Heinrich Cramer wurde zu Montabaur (Nassau) am 17. Dezember 1831 geboren. Nachdem er fich dem Studium der Psychiatrie gewidmet, entfaltete er seine Thätigkett zuerst in der nassauischen Anstalt Eichberg und war daun viele Jahre in Schweizer Anstalten, zunächst in derjenigen zu Tirnitzberg (Cantvn St.

in dem dämonischen Feuer ihres leidenschaftlichen Ungestüms."

„Der ist ja verheiratet!" rief Frau Fanny in sittlicher Entrüstung

„Wirklich? Man merkt's ihm nicht an, ich glaubte, er sei Witwer."

„Die Wangenheim, die in Neudamm steht, kennt die Brandenstein. Es soll eine fürchterlich lang­weilige Person, groß wie ein Elefant und ebenso schwerfällig sein."

„Nun, wenn die Wangenheim es sagt, die ihre Liliputfigur und ihre Quecksilberei für den Höhe- grab aller Vollkommenheit hält, mag's nicht gar so schlimm fein. Aber das ist wahr, der schöne Brandenstein macht den unverheiratetsten Eindruck der Welt!

„Kein Hangen unb Bangen zwischen Nizza unb zu Haus! Keine Briese, bie geschrieben ober em­pfangen werben, kein Wort von einer Frau, bie in fein Leben gehört. Die Bickham, unsere Kreolin Dolly, weißt Du, hat ihn im Winter flüchttg auf der Eisenbahnfahrt kennen gelernt und war gleich rein weg, besonders da der hochmütige Herr von der Eroberin aller ledigen Männerherzen wohl wenig Notiz damals nahm. Nun wirst sie alle Netze aus, um ihn zu fangen."

„Er ist ja aber verheiratet, sag' ich Dir," be­harrte die junge Gutsbefitzersfrau mit Hartnäckigkeit-

Die elegante Jugendfreundin, eine fesche Frau von Welt, zuckte ausdrucksvoll die Achsel.

„Als wenn so etwas bei beiderseitiger Bereit­willigkeit nicht wieder zu lösen wäre," rief sie leichthin mit dem schönen Bewußtsein, der ländlichen Jugendfreundin an Welterfahrung beträchtlich über zu fein.

„Hat die Grethe Schöneich, die Musik studieren