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fHge ungta.

Marburg,

Mittwoch, lii. August 1893.

rein.

Präciz Regel-

Wöchentliche Veilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

"Wabeftfw xnb ^'ebttträ7'lt«ß SL, Jlluftrirtes Sonntagsblatt. Redaktion xnb Expedttttn^ Martt^Ltt

«ngiigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter,

sowie die Limoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in tttzttitt - ,

Zr«nkftlrt cu M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XaVIII. 5^6010.

Reffe tu Fraukfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. "O 1 »

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Eacherzit täglich außer ar- W-rttagen nach Grs». jai Feiertagen.Ouartal-Xbonnemeuir-Prei» bei der Sttre.

JÜK iyi* totes 3 RL, bei allen PeZLmttrn a ML Ai Sfg. (erfL BesteLzeld). JuserationZgebLhr fit die gefpaüs« Zeile «drr deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 86 Wg.

Sonü- Abndr

nd vor Gröner- [4928

Die Krisis in Mexiko

' scheint nun akut zu werden. Wir haben, so schreibt N. Pr. Ztg.", im Juni darauf hingewiesen daß selbst ohne die große Silberbaisse das Land

: zicht mehr im Stande war, seine» auswärtigen Ver- ' Achtungen gerecht zu werden. Einen kleinen Vor- i schuß hat es damals von englischen, deutsche» und belgischen Bankiers noch erhalten, wodurch die Re- IMung in den Stand gesetzt wurde, der mexikanischen hatiooalbank den auf eine gesetzlich unzulässige Höhe ^gewachsenen Vorschuß zurückzuzahle». Dies neue

rge

itulschen Anleihe Besitzer müßten sich also noch eine

Piivatdarlehen ist mit einem Teil der älteren schweben- en Schuld vereinigt worden; welche Sicherheiten den Mkiers gewährt worden find, entzieht sich der jffentlicheu Kenntnis. Nnnwehr berichtet das Bank-

>or dem ordeut-

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"i öligen können; aber sie haben die verlockendsten korbilder für sich, und ein Mittel, sich gegen eine >lche Verwaltigung zu sichern, haben die Anleihe- laubiger bekanntlich nicht in der Hand. Einzelne Srsenblätter tadeln das Emissiovshaus, daß es, ton auch nur schüchtern, von der Gefahr eines

Uhr ab «Mutschen Staatsbankerottes redet, und allerdings «finden sich diejenigen Blätter in einer üblen Lage, Bedarf, Eebisher alle schönfärberischenKommuniques" über alle Lage der mexikanischen Finanzen haben abdrucken j äffen und jetzt vor ihren Lesern als die eigentlichen Führer dastehen. Noch vor kurzem ermutigten iese Blätter ihr Publikum zum Festhalten ihres iefitzes an mexikanischen Anleihestücken und druckten chorsamst ab, was die Firma S. Bleichröder an «zwickten Redensarten über die Lage in Mexiko von h gab. Wir find nicht int Stande, in dem Ver- «lten dieser Firma irgend einen mildernden Um-

. jaus S. Bleichröder auf Gründ der Mitteilungen, ckihur sein nach Mexiko entsandter Veitteter gemacht hat, daßdie finanziellen Schwierigkeiten allerdings außer Natur seien, daß der Finanzminister Limantour

elbst noch nicht im Stande zu sein scheine, bestimmte Maßregeln für die Regulierung vorzuschlagen; die

ilfinneu, . . .

tnb be- Ibisse Zeit gedulden". Gleichzeitig warnt das Bank- enn die vorwillkürlichen Kombinationen und Vorschlägen > finden. ton hier", derenBekanntwerden in Mexiko selbst sie vor« Situation der Anleihegläubiger nur verschlimmern Hauses. >kürde". Diese Warnung läßt das Schlimmste be- lädcheo, Wen, da sie doch nur dahin verstanden werden nachge- tan' baß in Mexiko selbst eine starke Strömung (4929 kßeht, die auf eineu vorteilhaften Staatsbankerott

«ch portugiesischem Muster hingeht. Tie Regierung Bst steht diesen Bestrebungen fern, wie wir be­

stand zu entdecken, müssen aber doch zugestehcn, daß es ihr jetzt nicht leicht werden kann, offen 8« bekennen, daß sie viele Millionen deutschen Geldes auf Mmmerwiedersehen ins Ausland' ge­führt hat. Einem Gerücht zufolge soll sich jetzt ein Schutzkomitee deutscher Inhaber mexikanischer An­leihescheine bilden wollen. Die Börse beantwortete diese Nachricht mit einer erneuten Baisse in Mexi­kanern, da hinlänglich bekannt ist, wie wenig solche Schutzkomitees erreichen können und wie sie immer erst dann gebildet werden, wenn so gut wie alles verloren ist. Auf den Vertreter der Bleichröderschen Firma, der sich drüben erstinformieren" muß, wie die Finanzen stehen, wird auch niemand Hoffnungen setzen. Er muß in erster Linie dafür sorgen, daß die Sicherheiten, die seinem Barkhause für den ge­währten Vorschuß gegeben worden find, intakt er­halten bleiben. Im übrigen wird er sich, gleich dem Vertreter der Darmstädter Bank in Lissabon, auf papierene Proteste beschränken. Man darf schon froh sein, wenn er verhältnismäßig schnell mit seinem Studium der mexikanischen Finanzen fertig wird, und wenn seine Firma sich alsdann herbeiläßt, die Ergebnisse seiner Forschungen zu veröffentlichen. Selbst dies ist nicht mit Bestimmtheit zu erwarten; den» in der Hauptsache weiß S. Bleichröder schon jetzt ganz genau, wie die Dinge liegen. Wir sind nicht sicher davor, daß nicht seine Blätter eines Tages behaupten, die Katastrophe sei abzuwenden gewesen, wenn die deutsche Regierung und die öffentliche Mei­nung nicht eine neue Anleihe Mexikos int Juni ds. Jahres verhindert hätten. Bis jetzt wird nur die Silberkalamität" als Grund der mexikanffchen Ver­legenheiten angegeben. Als ob ein solcher Jndianer- staat auf die Tauer eine Schuldenlast von 7 Mil­liarden Mark ertragen könnte! Es genügte eine viel geringere Schwankung in Einnahmen und Aus gaben, um ihn vor den Bankerott zu stellen! Und das wußten die Vermittler feiner Geldgeschäfte ganz genau, es hinderte sie aber nicht an der ferneren Ausbeutung des Landes auf Kosten der deutschen Kapitalisten.

Deutsches Reich.

W. Alenkin, 15. August. Unser Kaiser traf am Montag früh mittels Sonderzuges, von Kiel kommend, auf dem Lehrter Bahnhofe in Berlin ein und begab sich vrm Bahnhöfe nach dem kgl. Schloß. Gleich nach 9 Uhr stieg der Kaiser zu Pferde und ritt, begleitet von seinem Adjutanten, nach dem Großen

Stern, woselbst der Monarch das von Spandau nadj Berlin verlegte 4. Garderegiment z. F. begrüßte. Se. Majestät führte das Regiment sodann persönlich zum Schloß zum Fahnenabbringen und begleitete es schließlich nach dem neue» Kascrnemeut, woselbst derselbe an der von dem Offizierkorps veranstalteten Tafel teilnahm. Der Kaiser wird, nach offizieller Mitteilung, am 10. September abends in Karlsruhe eiutreffen und die Parade über das XIV. Armee­korps Tags darauf abhalten. Die Kaiserin ist am Montag früh ans Wilhelmshöhe bei Cassel in Berlin wohlbehalten eingetroffen. Prinz Heinric von Preußen hat am Montag seinen Geburtstag be­gangen. Die Kaiserin Friedrich hat Athen bereits am Montag verlaffen. König Humbett von Italien und der italienische Marine - Minister werden am Mittwoch Abend in Genua den Prinzen Heinrich von Preußen empfangen und sich mit demselben an Bord der kgl. JachtSavoia" nach Vereinigung mit dem Geschwader zu den großen italienischen Flottenmanövern begeben. Die 2. Disziplinar-Abteilung des preußi­schen Gardekorps wird zum 1. Oktober von Koblenz nach Spandau verlegt und von diesem Zeit­punkte an mit der bereits in Spandau befindlichen 1. Disziplinar-Abteilung des Gardekorps unter der BezeichnungDisziplinar-Abteilung des Gardekorps" vereinigt. DieNowoje Wremja" meldetaus zuverlässiger Ouelle", die nach Berlin durch einen Kourier überbrachte Note der russischen Regierung mit dem Vorschläge, auf der Grundlage gegenseitiger Zugeständnisse in Verhandlungen über de» Abschluß eines Handelsvertrages einzutreteu, und zwar schon früher, als zrm 1. Oktober a. St., habe seitens der deutschen Regierung eineint höchsten Grade günstige Aufnahme" gefunden.Man hat somit vollen Grund zu der Annahme", so schreibt das Blatt weiter,daß dem Zollkrieg, dessen Folgen mit gleicher Schwere auf der ökonomischen Lage jedes der beiden befreundete» Reiche lasten, schon in der allernächsten Zeit ein Ende bereitet wird. Dank der Mäßigung beider Parteien »ud der besonnenen Festigkeit der russischen Regierung". Tie mit Sicherheit zu er­wartende Ausdehnung der deutschen Zuschlagszölle auf die aus Finnland kommenden Waren ist deshalb noch nicht verfügt worden, weil die bett, kaiserliche Verfügung zuvor der Zustimmung des Bundesrats bedarf, die augenblicklich wegen der Ferien dieser Körperschaft auf dem Wege der Umfragen bei den einzelnen Regierungen erlangt werden muß. Daß sie erteilt werden wttd, steht außer Frage, es handelt

geben

ia.

Pflicht.

Roman von Ci Zoeller-Lionheart.

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

ter!

(3807

»Na, mit der ist jetzt kein gut Kirschenessen," Witterte sie in der Küche,da der gnädige

---- « tt in dem schrecklichen Hause wohl nicht mehr aus- T#»tl Klten sein."

Man war im Küchenressort allgemein ihrer An- seur unb beschloß einmütig, ihr den Dienst zu kün. m 6m, was denn auch folgenden Tages zu der So. ftmife. eih unbeschreiblicher Verwunderung ins Werk ge- tz wurde.

nun nicht mehr da ist, um mit einem fteund- (4352 l01. W°rt Unsereins wieder aufzurichten, wird's

fe waren, die sie Pruß von Brandenstein in

>en.

nicht mehr dahin zurückzukehren beabsichtige.

k Sie hackte mit der Ofenschausel die Teilehen toter, sammelte sie auf und betrachtete sie auf- Aam auf ihrer Handfläche. Eine tiefe Bitterkeit >te in ihr, als sie ihre eigene Handschrift erkannte an den Fragmenten ersah, daß es die wenigen

(141 h. S-

ig kurzen Brautzeit während des Manövers ge- Nöbch^'"

[Der Mann hatte mit der Vergangenheit also (68 ptinb gar brechen wollen, ehe er aus dem Hause ging.

Akin dumpfes Vorgefühl kam ihr, daß er über-

Viktoria war in ihrer blinden Flucht zunächst in 6 Zimmer ihres Mannes gelangt Auch hier um- ttchhofi tz sie unbehagliche Kälte ungeheizter Räume, ob- W vo en hier bereits die Spuren der Nachtbenutzung par* ksischt waren. Alles trug den Stempel des Un- (49* tohmseins, wie im Sterbezimmer ihres Kindes * hatte die Kerzen auf dem Schreibttsch rasch ent BH Wet und hielt nun kritische Umschau. Auf dem iinrost lagen noch Teile unverbrannter Brief-

Sie machte nur ihm, nicht sich einen Vorwurf dar­aus, daß er sich in seinem Heim nicht mehr wohl zu fühlen vermochte. Ihr Thun war ja über jede Kritik erhaben, stets tadellos. Wer sich darin nicht zurechlfinden konnte, war eben ein unvernünftig sen­timentaler Phantast.

In ihrem grollenden Zürnen gegen dm Uebel- thäter verfehlte die sonst so ruhige Frau die beiden Stufen, die von Pruß' Zimmer, das etwas erhöht lag, auf den Korridor führten. Der Fuß kippte unter der wuchtigen Gestalt um, und mit einem er­stickten Schmerzenslaut brach sie in die Kniee.

Ihrem Stolz konnte sie es lange nicht abringen um Hilfe zu rufen. Ein paar Mal versuchte sie, sich auf dem gesunden Fuß wieder aufzurichten und mit beiden Händen längs der Mauer weiter zu tasten. Der Leuchter war ihren Händen bei dem Sturz entfallen, die Kerze erloschen.

Mit einem unterdrückten Aechzen brach sie immer wieder zusammen. Nun trachtete sie, langsam vor- wärt- kriechend, ihr Wohnzimmer zu erreichen, aber der rasende Schmerz im verletzten Fuß machte auch das zur Unmöglichkeit. In Angstschweiß gebadet, einer Ohnmacht nahe, rief sie erst leise, dann immer lauter um Hilfe.

Die Dienerschaft, die in der Küche in lebhaftem Meinungsaustausch über die letzten Vorgänge im Hause war, hörte weder das leise Wimmern, noch den Hilferuf. Viktoria hockte hilflos, den Rücken gegen die Mauer gelehnt. Stunden hindurch in tiefster Finsternis, von Frost geschüttelt, in ihrer verlassenen Stellung, bis die Schmerzen ihr die Be- rnnung raubten.

Das Hausmädchen, das das Schlafzimmer zur Nacht rüsten wollte, fand sie in dieser kläglichen

Situation. Ihr Geschrei rief die anderen herbei, und ärztliche Hilfe wurde alsbald geschafft.

Ein häßlicher Knöchelbruch," lautete der Aus­spruch, der die rastlos Thätige für Monate zur Ruhe verdammte.

Nur ihrer eisernen Konstitution hatte sie es zu danken, daß der Vorgang ohne weitere Folgen blieb.

Welche Wochen, welche Monate waren das für den unruhigen Geist dieser Frau! Zur völligen Unthätigkeit verdammt, lernte Viktoria zum ersten Mal in ihrem Leben, als sie im Gipsverband auf ihrem Ruhebett lag, die Pein der kranken, durch Stubenlust und Einsamkeit geschwächten Nerven kennen, zum ersten Mal auch das geheime Sehnen nach menschlicher Teilnahme Die neuen Dienst­boten hatten natürlich keine, und obschon der trau­rige Vorfall sich in der kleinen Stadt schnell herum­gesprochen und die Regimentsdamen sich verpflichtet fühlten, ihre Teilnahme zu zeigen, waren diese Visiten doch gerade keine Annehmlichkeiten für die Einsame

Immer dasselbe Thema in tausend Variationen, der Ausdruck des Mitleids über ihres Mannes lei­denden Zustand und Beileid über ihre erzwungene Verlassenheit.

Freunde, wahre Freunde, mit denen sich mehr als ein banales, höfliches Wort wechseln ließ, hatte Viktoria von Brandenstein nicht. Sie hatte sich zu ehr auf eine einsame Höhe gestellt, ihre Vorzüglich- eit sie den jungen Frauen ihres Kreises mit der wenig ernsten Lebensrichtung in zu kühle Ferne ge­rückt. Die Männer bewunderten ihre Schönheit, prachen anerkennend über ihre außerordentlichen Ligen schäften, wichen ihr jedoch gern aus und über­ließen die Ehre, sie zu Tisch zu führen, willig dem Höchstvorgesetzten. Ihre steife Grandezza erstickte

sich dabei nur um eine Förmlichkeit, »ach deren Erledigung die Bekanntmachung der bett, kaiser­lichen Verordnung wohl alsbald zu erwarte» ist. Die Konsuln und Kapitäne der Kriegsschiffe in Samoa haben beschlossen, de» Störenfried und Gegenkönig Mataafa auf die Unions-Inseln zu bringen. Letztere sind noch unabhängig von jeder fremde» Macht und zählen rund 500 Einwohner. Das deutsche KriegsschiffSperber" bringt den Gefangene» dort­hin. Die Engländer haben Witu ein geäschert. DasReutersche Bureau" meldet darüber aus Sansibar. Sonntag landeten infolge der feindselige» Haltung Omaris, des ehemaligen Sultans von Witu, die britischen KriegsschiffeBlanche",Swallow" undSparrow" Truppen an der Küste von Witu. Es wurde ein Angriff auf die Stadt Witu unter­nommen und dieselbe nach zweistündigem hartnäckigem Widerstand eingenommen und verbrannt. Auf Seite» der Engländer wurde ein Soldat getötet und zwei Offiziere leicht verwundet.

(Der neue Staotssekretär des Reichsschatzamts) Der zum Staatssekretär des Reichs-Schatzamts ernannte Landeshauptmann der Provinz Posen, Dr. Adolf Graf v. Posodowsky- Wehner, Freiherr v. Postelwitz, ist am 3. Juni 1845 in Groß-Glogou als jüngster Sohn des Oberlandes­gerichtsrats Grafen P. geboren. Er besuchte das evougelische Gymnasium in Glogau, machte 1864 das Abitnrientcnexamen und widmete sich dem Studium der Rechts- und Verwoltungs - Wissenschaften. Er studierte in Berlin, Heidelberg und Breslau. 1867 promovierte er in Breslau zum Dr. utr. jur., war dann als Auskultator beim Stadtgericht in Breslau beschäftigt und bestand 1869 die Referendariats- prüfung. Arn 1. Oktober 1871 in den Verwaltungs­dienst cingetreien, verwaltete er nacheinander in­terimistisch mehrere Landratsämter in der Provinz Posen. Von 1877 bis 1885 verwaltete er das Landratsamt des Kreises Kröben-Rawitsch. Im Jahre 1878 nahm Graf Posadowsky an der im Ministerium des Innern stattgefundenen Konferenz über die Einführung einer Kreisordnnng für die Provinz Posen Teil. Er vertrat hierbei die stets festgehalteue Auffassung, daß die baldige Einführung einer den Verwoltungs - Verfassungen der übrigen Provinzen ähnlichen Sanbgenteinbeorbnung geboten erscheine, hielt aber jede schematische Übertragung der in anderen preußischen Provinzen vorhandene» Einrichtungen auf die hiesige» eigenartigen Verhält­nisse für einen politischen Fehler. Am 7. Januar 1880 bestand Graf P. die große Staatsprüfung für

jede fröhliche Unbefangenheit, verscheuchte jeden leichten Scherz, und niemand neidete Pruß die Langeweile, die Viktorias Majestät im Gefolge hatte.

Die jungen Offiziersfrauen erfüllten daher nur eben ihre Pflichtbesuche und blieben dann so gern fort, als Viktoria sich gern von ihnen gemieden sah.

Aber welche Tage, vor allem welche Abende traurigster Vereinsamung brachten diese Monate der verlassenen Frau! Sie versuchte zu lesen, aber ihre Gedanken schweiften häufig ab und führten sie in Erinnerung zu jenen Zeiten zurück, wo sie zum ersten Mal auch in unfreiwilliger Hast hier nach der Geburt ihres Kindes hatte ruhen müssen.

Da hatte neben ihr auf dem niederen Puff ein anderer gesessen und ihr vorgelesen, thörichtes, senti­mentales Zeug, Liebesgedichte von einem, der gerade in Mode gekommen.

Er hatte sie dann zu unterhalten versucht in einer Manier, die freilich auch keine Gnade vor ihr gefunden, und er war unermüdlich besorgt um ihre Behaglichkeit, um ihr Wohlbefinden trotz all ihrer abstoßenden Kälte geblieben.

Mit finster zusammengezogenen Brauen sann die einsame Frau dem allen nach, und ein Sehnen nach den verlorenen, ach, nur zu gering geschätzten Gütern ser Fürsorge wollte sich in ihr Herz schleichen, so ehr ihr Stolz dagegen ankämpste.

Jetzt hatte sie keine übertriebenen Aufmerksam­keiten mehr zurückzuweisen, jetzt kümmerte sich keiner mehr ungerufen um sie, und was ihr an Diensten ward, kam von besoldeten Händen. Kein liebevolles Erfüllen ihrer ungesprochenen Wünsche mehr, kein zartsinniges Erraten ihrer noch kaum selbst enipsun« Denen Bedürfnisse.

Sie grübelte der langsamen Wandlung in den langen Stunden der Einsamkeit nach, die die Jahre