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Marburg, Dienstag, 15. August 1893.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

£*« " Jllustrirtes Sonntagsblatt. TÜS)tt »ebeftton'imb6(gflpebüüm: Marv"81°* 3R<rinr>-

Änytgen ntnuni entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die «mwucen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Krankfnrt a. M., Caflel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAV111. Iahrg. Mofie in Frankfurt a. M., Berlin, Münchens Köln; G. L. v / r»

Daube x. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

OrfchNnt täglich außer an Werktage» »ach 6m» and iz? 4 n/i Frirrtageu. Quirial-Lb»mu»«ittr-Prerr bei der Trpe-

Jfi 190. dition 8 Rk., bei allen Postämtern 8 «L «Pf^ (A.

Wirtschaftliche Tragweite des neuen Militärgesetzes.

Der neugewählte Reichstag hat die Militärvorlage, ^en deren der alte Reichstag aufgelöst wurde, an» genommen, und es könnte daher müßig erscheinen, gten noch einmal auf sie zurückgegriffen wird. Aber hei dem vielfach gehörten Vorwurf, nur für das gHltiäi sei Geld da, die Kulturaufgaben litten, der MlitarismuS" drücke das deutsche Volk, mache es finanziell schwach und wirtschaftlich kraftlos, ist es juch vielleicht nicht überflüssig, ein Urteil über die Hirtschaftliche Tragweite des neuen Gesetzes anzu- tzhren, das gerade in der Zeit nach Auflösung des Reichstages veröffentlicht wurde. Wir entnehmen dem Bericht der Handelskammer Dortmund sür das . Jahr 1892 folgende Sätze:Nachdem die Franzosen die Kombattanten der ersten Linie verdoppelt und dadurch ihre Friedenspräsenz über die deutsche hiuaus- gehoben haben, würden wir in einer sofort und schlank bewilligten gleichwertigen Maßregel unsererseits die ficherste Friedensgarantie für Jahre hinaus erblickt jaden. Daß Reichstag und Regierung sich aber über dne Gegenmaßregel überhaupt nicht einmal einigen bunten und besonders, daß die Regiemngsvorschläge cbgelehnt wurden als über die Steuerkraft Deutsch­lands hinausgehend, müssen wir als eine Gefährdung des Weltfriedens und eine wesentliche Ursache der tiefen geschäftlichen Depression betrachten, unter welcher zanz Europa seit einem halben Jahre mehr darnieder- fiegt, wie seit Jahrzehnten."

Einigungsämter.

Es ist, theoretisch betrachtet, ein vernünftiger (kirnte, Institutionen zu schaffen, welche beim Aus­bruch von Arbeiterausständen die Vermsttelung zwischen den streitenden Parteien übernehmen sollen, in der Praxis jedoch gelangt er höchst selten zur Aus- ßhrung, noch seltener aber gelingt es, dadurch eine Huigung zu erzielen. Wir haben deshalb auch, als « sich darum handelte, über das Gesetz betreffend die Sewerbegerichte Beschluß zu fassen, nicht mit der Ansicht hinter dem Berge gehalten, daß der Teil dieses Ge sktzes, welcher die Etnigungsämter für den Fall rau Strikes schafft, lediglich schmückendes Beiwerk tine, das ja den gesunden Grundgedanken des Ge­sches, die Einsetzung von gewerblichen Schiedsgerichten M Schlichtung kleinerer Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, nicht beeinträchtigt, «tat auch einen praktischen Erfolg von nennens'

Pflicht.

Roman von E. Zoeller-Lionheart.

(Nachdruck »erboten.] (Fortsetzung.)

Schwer seufzend finkt er zurück, will gleichgiltig t Augen schließen. Ein zudringlicher Sonnen- Mahl stiehlt sich seitwärts durch die Scheiben, ihm Md' ins Gesicht und zwingt ihn, sie wieder zu

Die Sonne hat in strahlender Glorie den iorgendunst vollends durchbrochen. Frühlingsmilde Binbe tauen den Schnee auf, durch den sie ein «ar Tage früher fußhoch noch zu dem kleinen ^rbhügel gewandelt.

Rf den Feldern links und rechts lugt manch neu- Mjger, grüner Halm des Winterkorns schon aus M schneeuntermischten, grauweißen Erdschollen. Ein Wmsal schmutzigen WafferS rinnt lustig bergab in r® Feldgraben, und eine Schar lauter Spatzen Nit sich fidel auf den Telegraphendrähten, die M Windeshauch bewegt in harfenartigem Ton er- lEs wird Frühling werden," prophezeit Ange R hellem Ton, mit frohem Aufleuchten der Augen. 1 Der rückwärts wehende Lokomotivrauch zieht an WM schwarz, dann in abgetöntem Grau, und als k ihr letztes Coupe erreicht, wie eine magisch durch- rWete Dampsschleppe vorüber.

L $>er traurige Pruß blickte den phantastischen Wilden erst gedankenlos zu, dann formt sich das M zu einem Gedanken. So sieht bei den meisten Aschen der Schmerz aus. Ob auch bei ihm die Wernde Macht der Zeit, neuer Eindrücke seinen Ehrenden Herzensgram zu wehmütiger Trauer Mären wird?

| Er glaubt es nicht. Ihn stützt nicht die Hand

wertem Umfange nicht habe. Das genannte Gesetz ist seit dem 1. April 1891 auch mit seinen materiellen Bestimmungen in Kraft. Seit der Zeit sind große Arbeiterausstände, wie im Frühjahr 1890, ja nicht eingetreten. Aber immerhin hat die Gedrücktheit der geschäftliche» Lage in der Folgezeit nicht ver­hindern können, daß hier und da von den Arbeitern die Arbeit niedergelegt wurde. Noch nirgends aber haben wir etwas davon gelesen, daß ein Einigungsamt von der Art, wie sie das Gewerbegerichtsgesetz in Aussicht nahm, in Thätigkeit getreten sei, geschweige denn Erfolge erzielt habe. Es wird also ein dringendes Bedürfnis für diese Institution nicht festgestellt werden können. Wir sehen ja auch an dem neuesten Strike der Kohlenbergarbeiter in England, weshalb die Aus­führung jenes an sich vernünftigen Gedankens stets scheitern muß. In Dnrham haben, wie gemeldet wird, die Arbeitgeber ein Schiedsgericht zur Schlichtung der Streitigkeiten anrufen wollen, die Arbeitnehmer wollen jedoch nichts davon wissen. So wird es aber überall und immer fein. Solange die Arbeiter glauben, daß ihre Mittel hinreichen, um ihre Forde­rungen durchsetzen zu körnen, solange mögen sie kein Schiedsgericht; denn dieses könnte die Sachlage objektiv prüfen und ihnen Unrecht geben. Sie würden sich ja zunächst an ein solches Urteil nicht kehren, aber die öffentliche Meinung würde sich nach der Fällung des Urteils gegen sie wenden und damit müssen sie immer noch rechnen. Genau so ist es auch in Deutschland. Co lange die Mittel reichen, ist auf Seiten der Arbeiter an eine nachgebende Stimmung nicht zu denken. Ter letzte große Puch­druckerstreik gab hiervon ein geradezu typisches Beispiel. Erst wenn ihnen alle Hilfsmittel ausgegangen find, dann würden die Arbeiter ein Ciniguvgsamt gerne anrufen, weil dann roch immer die Möglichkeit vorhanden ist, daß sie durch deffen Urteil wenigstens etwas von ihren Forderungen durchsetzen. Daß bann aber die Arbeitgeber nicht mehr unterhandeln, sondern den Kampf bis zum Siege durchfechten wollen, ist nur natürlich. Bei dieser Sachlage, die wie gesagt, auch bei dem neuesten Kohlenbergarbeiterfireik in England zur Erscheinung gekommen ist, dürften auch in Zukunft die Einigungsäwter, wie sie durch das Gewerbegerichtsgesetz geschaffen find, lediglich auf dem Papier stehen bleiben.

Ter Wolf im Schafskleide.

Das sozialdemokratische ZentralorganVorwärts" bringt einen langen Artikel überDie Kleinbauern

eines liebenden Weibes, ihm lächelt kein zweiter süßer Kindermund Trost und Vergessen zu.

Einsam wird er künftig durchs Leben pilgern, sie gehören sich nur dem Namen nach noch an

Und muß auch das sein?

Viktoria ist so jugendfrisch, daß er sie nicht um ihr Lebensrecht bringen darf.

Wer weiß, ob sie nicht mit beiden Händen zu- greist, wenn er ihr ihre Freiheit zurückgiebt.

Viktoria atmete erleichtert auf, als der Wagen davongerollt war

Anges merkwürdige Manier, über ihren Kops fort mit naiver Sorglosigkeit die pedantischen Haus­gesetze zu stürzen, hatten sie ihr immer fataler ge- macht. Jetzt erst fühlte sie sich in ihrem Hause wieder als unumschränkte Gebieterin.

Sie wollte das gleich gründlich genießen.

In dem Zimmer, das Ange benutzt hatte, riß sie beide Fensterflügel auf, um frische Luft zu schaffen. Es war doch mehr noch die moralische Atmosphäre ihrer Schwägerin, die ihr so verhaßt war, welche nun vertrieben werden mußte.

Wie grau und finster sah heute die ganze Reihe der Zimmer aus, durch welche die schwarze Gestalt räumend, die schablonenhafte Ordnung wieder her­stellend, die die letzten Tage unterbrochen, langsam hinwanderte. In Reih' und Glied steif aufmarschiert, wie Soldaten, standen die Möbel nun am alten Platz. Die hohe Figur beugte sich oftmals und las ein Fädchen vom Teppich auf. Stunden gingen so hin; es war später Nachmittag dabei geworden.

Nun kam sie in ihres Kindes Zimmer.

Bestaubt stand das Schaukelpferd in einer Ecke und die Peitsche lehnte noch gegen den einen Steig. >ügel, als hätte die kleine erstarrte Hand sie da

und die Geistlichkeit", in dem eine Anleitung zur Agitation aus dem Lande gegeben wird. Wir wollen auf die Beispiele aus der Geschichte längst vergangener Jahrhunderte, durch die die ländliche Bevölkerung gegen die größeren Grundbesitzer und die Geistlichkeit aufgewiegelt werden soll, die teilweise sehr ungeschickt gewählt sind, (es wstd z. B. Luther zum großen Vorwurf angerechnet, daß er gegen die Ausschreitungen der Bauern im Bauernkriege gepredigt hat), nicht näher eingehen, sondern wollen uns an zwei Be­merkungen zu Anfang und Schluß des Artikels halten. Es heißt da:

Die ländliche Bevölkerung hängt mehr als die städtische an der Väter Glauben. Es wäre grund­sätzlich nicht zu rechtfertigen und überdies taktisch unklug, wollte man die Agitation für den Sozialismus bei der ländlichen Bevölkerung irgendwie verquicken mit der Verbreitung atheistischer Grundsätze. Hier­vor ist nur zu warnen." Und ferner:

Mit geschichtlichem und wirtschaftlichem Material müssen wir deshalb die Landagitation betreiben, die Religion aber müssen wir, so wie es unser Programm verlangt, ganz aus dem Spiele lassen."

Das heißt doch nichts anderes als: zeigt Euch nicht auf dem Lande so, wie Ihr wirklich seid, als Leute, die an keinen Gott glauben, sondern laßt die Frage völlig offen. Wenn Ihr dann die Landbe­völkerung erst geködert habt, dann wird sich die Religionsfrage schon finden! Ja, wenn sich wirklich die armen Leute bethören lassen und den Reden der Sozialdemokraten Folge lefften, dann werden sie erst zu spät erkennen, daß die, die im Schafskleide sanft zu ihnen kamen, nichts weiter waren als verkleidete Wölfe. Das ist dieWahrheit", die die Sozial­demokraten angeblich auf ihre Fahne geschrieben haben, dieverrottete" bürgerliche Gesellschaft nennt es Heuchelei!

Deutsches Reich.

W. M er kitt, 14. August. Unser Kaiser wohnte, wie aus Kiel gemeldet wird, in der Nacht zum Sonnabend an Bord des PanzerschiffesBaden" Torpedo-Angriffen gegen das Geschwader Bei. Die NachtHohenzollern" blieb mit gehißter Kaiser- ftanbarte im Kieler Hafen. Das Borbkonzert täuschte abcubs bas Publikum, welches ben Kaiser an Bord wähnte. Am Sonnabend nahm der Kaiser, wie Tags vorher, im Park der Marineakademie am Lawntenuisspiel, wobei Offizierdamen sich beteiligten, teil. Vormittags begab sich der Monarch nach dem

fallen lassen, ehe man den armen kleinen Dulder auf sein Schmerzenslager trug

Das Kinderbett befand sich noch inmitten des Zimmers, wohin man es in den letzten Stunden gerollt, um von allen Seiten heran zu können.

Die Steppdecke war zurückgeschlagen in dem Zu, stand belassen, als man die kleine Leiche von da genommen, um ste in den schwarzen Schrein zu betten.

Scheu streiften Viktorias Augen über all die traurigen Reste des gebrochenen Lebens hin. Ein spukhaftes Licht kam durch das einzige Hoffenster, vor dem die Jalousien noch obendrein geschlossen waren. Eine eisige Kälte, eine schaurig dumpfe Luft von welken Blumen und Chlor füllte den Raum, auf dessen Boden zertretene Reiser und Blüten lagen.

Noch hatte kein Fuß ihn betreten dürfen. Vik­toria wollte mit eigener Hand hier aufräumen. Sie hatte sich willensstark genug geglaubt Sie hätte keiner Menschenseele eingeräumt, daß sie hier etwas packen würde, das Grauen und Furcht sehr nahe kam. Nie hätte ein anderes Auge erblicken dürfen, was hier hinter verschlossenen Thüren vor sich ging, wie die große, starke Frau sich da vor ihres toten Kindes Lager auf die Knie warf und den leidenschaftlichen Schmerz in einem einzigen wilden Aufschrei ausschluchzte, wie sie das Kissen, auf dem das matte Köpfchen geruht, an sich riß und mit heftigen Küssen an sich preßte.

Sie hatte selber nicht geahnt, wie das kleine schwächliche Geschöpf, so bitter im Leben verachtet, daß ihre Worte fast dem Verfolgungshaß gleich sahen, mit ihrem innersten Sein doch so innig ver­wachsen war, daß etwas in ihr zerriß, als man es für immer hier hinaustrug.

Nordostseekanal und besichtigte bet Holtenau ben Schleusenbau, woselbst Se. Majestät über eine Stunbe selbst alles erklärte. Die Leib- genbarmeric des Kaisers unb bie Leibgarde der Kaiserin sollen von Berlin nach Potsdam verlegt werden. Die Kaiserin Friedrich gedenkt sich in acht bis zehn Tagen von Athen auf der eng­lischen NachtOsborne" nach Venedig zu begeben. Bis dorthin wird sie von der Königin von Griechenland, der Prinzessin Marie und dem Prinzen Chriftophoros begleitet. In Venedig trennen sich bie Damen; bie Kaiserin reift nach Bai> Homburg, bie Königin nach Rußlanb. Prinz Heinrich von Preußen ist zum Besuche seiner Gemahlin in Schweningen einge­troffen. DerReichsanz." melbet: Der Kaiser erteilte dem Schatzsekretär v. Maltzahn bie uoch- gesuchte Dienstentlassung zum 1. September, verlieh ihm ben Kronenorben 1. Klasse unb ernannte ben Lcmbeshanptmann ber Provinz Posen, Grafen P o- sadowsky-Wehner, zum Schatzsekretär. Die Einnahme an Wechselstempel st euer tot bentschen Reiche hat, amtlicher Nachweisung zufolge, für bie Zeit vom 1. April bis zum Schluß beS Juli b. I. 2 722 326,50 Mk. ober 103 926,70 Mk. weniger, als im gleichen Zeitraum beS Vorjahres, betragen. DerReichsanz." veröffentlicht einen Bundesratsbeschluß vom 20. v. Mts. bett, bie Be- bingungen, worunter bie einzelnen Brennereien bie kontingentierte Jahresmenge Br anntwe in tot Betriebsjahre 1893/94 zum niebrigften Abgabeusatze Herstellen bürfen. Der internationale Sozialistenkongreß ist am Sonnabend in Zürich zu Ende geführt worden. In ber Vormittags- Sitzung würbe ber Antrag ber Kommission ange­nommen, baß bie Partei sich in ber bisherigen Form an allen parlamentarischen Arbeiten und Wahl­kämpfen beteiligen solle zur Erlangung ber politischen Macht. Unter anderem wurde noch der Beschluß gefaßt und zwar mit 16 gegen 12 Stimmen, große internationale Arbeiterverbände mit gemeinschaftlichen Arbeitersekretariaten zu errichten. Der nächste Kon­greß findet 1895 in London statt. Bemerken wollen wir noch, daß die Formulierung und Begründung aller Beschlüsse fast durchgehends durch die Deutschen erfolgt ist, oder, genauer gesprochen, durch Herrn August Bebel, welcher nach Hinausbeförderung aller Unabhängigen" und Anarchisten im Saale das große Wort führte.

(Frankfurter Steuerkonferenz.) Ihre bisherigen Mitteilungen über die Ergebnisse der Frankfurter Steuerkoufereuz glaubt dieFrkf. Zig."

Ob Selbstvorwürfe an der stolzen Seele rüttel­ten, als sie im bitterlichen Weinen sich da auf ihren Knieen wand?

Viktoria, die immer recht hcmdette, Selbstvor­würfe!

Sie sprang jäh empor. Er überschauerte sie namenloses Grauen.

Sollte sie sie auch kennen lernen, diese peinigen­den Nerven, die sie bei anderen so spöttisch be­lächelt ? Fort von hier hinaus J Sie will den grausen Spuk ihrer aufgeregten Nerven nicht noch­mals durchmachen, mit grauenhafter Deutlichkeit die ttippelnden kleinen Kinderfüße wieder herankommen hören wie eben jetzt I Sie will das schwache Stimm- chen, das ihrem Mutterstolz eine solche Pein ge­wesen, nicht wieder so kläglich bittend in sich ertönen hören. Die Frau flieht mit langen Schritten au» dem gespenstisch stillen Raum, in dem ihr Kind sei­nen letzten Seufzer ausgehaucht.

Sie hebt dar Haupt hoch, als sie einem der Dienstleute im Korridor begegnet. Man darf nicht ahnen, daß die gefürchtete Herrin Furcht, blaffe Furcht vor dem Schemen ihres zu wenig geliebten Kindes empfunden. Sie will schnell irgend etwas Gleichgiltiges fragen, aber ihre heisere Stimme ver­sagt, und sie muß fich mit einem stummen Wink nach dem im Winkel vergeffenen Besen begnügen. Wie sehnt sie fich nach menschlicher Teilnahme! Sie hätte so gern mit einem lebenden Wesen ein reundliches Wort gewechselt, aber sie hat sich ihren Untergebenen in solche Höhen entrückt, daß das ge. tadelte Mädchen sich auch nur scheu bei Seite drückt und spornstreichs mit dem Besen vor dem finsteren Gesicht davonläust.

(Fortsetzung folgt.)