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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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B««rt»»rtlichtr Redakteur: Christoph RauteuhauS in Marbur«. Redaktion und Expedition: Markt 21;

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Sonnabend, 12. August 1893.

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Auzetgrn nimmt entgegen die Expedition dieies Blattes, iovir die Anuoncen-Bureanr von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. ftttDTQ. Moffe in Frankfurt a. M>, Berlin, München «.Köln; G; L. °

Daube u. Co. tn Frankfurt -u M., Berlin, Hannover, Paris.

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Die deutsche und die russische Zollbelastung.

Die russische Presse bemüht sich, Deutschland d e Schuld an dem Zollkriege zuzuweisen, indem sie darlegt, daß die Einführung des russischen Moximal- tarifs gegenüber deutschen Waren nur auf zolltcch- »jschen Gründen beruhte und daß Deutschland nicht nötig hotte, darauf mit dem fünfzigprozentigen Zoll zxschlog zu antworten. Nachdem dies aber von Leiten Deutschlands geschehen, habe sich Rußland z«nötigt gesehen, nun auch seinerseits noch den Moximal- torif um 50 Prozent zu erhöhen.

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Wie völlig verkehrt diese Auffaflung ist, ergiebt sich auS folgenden Zahlen.

| Tie russischen Ware» waren bei der Einfuhr nach | Deutschland bisher weit niedriger belastet, als mit ,25 Prozent des Warenwertes; eine etwas höhere kelastung trugen nur Weizen (28 Proz.), Roggen (31 Proz.), Hafer (35 Proz.), Fleisch (26 Proz.), : «efiügel, nicht lebend (30 Proz.), Mehl (36 Proz) °Dagegen betrugen nach dem bisherigen russischen :Norm al "-Tarif die Zölle bei der Einfuhr nach Kußland für viele Waren über 100 Proz. des Warenwirtes: z. B. Kartoffelmehl und Stärke .106 Proz., Majolika 105 Proz., Fa^oneisen 131 Prozent, Gußeisenwaren 134 Proz., eiserne Röhren >129 Proz., Eisendraht 152 bis 305 Proz., Troht- -We 324 Proz., Schreibpapier 214 Proz., wollene ,8twcbe 130163 Proz. u. s. w. Am geringsten -Laren belastet Kupferfarben mit 56 Proz., Blech- .sabrikate mit 66 Proz., Ciment mir 56 Proz., ^Hopfln mit 74 Prrz. u. s. w. Kurz, die russische -Wertbelastung war im Durchschnitt weit über vier, stchs, zehn und mehr Mal so hoch, als die deutsche.

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Durch den russischen Moximaltarif ist nun diese Belastung noch wesentlich erhöht worden für Kartcffel- »ehl und Stärke auf 138 Proz., Majolika 136, Fktzvneisen 158, Gußeisenwaren 161, eiserne Röhren 168, Eisendraht 198396, Drahtstifte 422, Schreib­papier 278, wollene Gewebe 169- 213 Proz. u. s. w.

Tie Antwort auf den Moximaltarif bildete der

iib Po für Geflügel von 30 auf 45 und für Mehl von (45 36 auf 55 Proz. zu erhöhen; außerdem sei noch Lhe Erhöhung der Wertbelastung von Lau- und

_ . övprozenlige deutsche Zuschlag, der aber nur die ^eH^r Wirkung hat, für die oben bezeichneten Hauptwaren Leizen die Wertbelastung von 28 auf 42 Proz., für Rogge» von 31 auf 46 Proz., für Hafer von 35 auf 53 Proz., für Fleisch von 26 auf 40 Proz.,

Nutzholz, gesägt, von 19 auf 29, vo» Butter von 15 auf 23, von Gerste von 17 auf 26, vo» Malz von 19 auf 28 Proz. angeführt.

Alle diese deutschen Erhöhungen bleiben noch weit zurück hinter dem ursprünglichen russischen Tarif, geschweige denn hinter dem Moximaltarif.

Trotzdem ist dieser angeblich um eineAus­gleichung" hcrbeizuführe» neuerdings roch um 50 Proz. erhöht worden, so daß jetzt die Zölle au Kartoffelmehl eine Wertbelastung von 208 Proz., au Majolika von 205 Proz., auf Fa^oneisen 237 Proz., ouf Gußeisenwaaren von 242 Proz., auf eiserne Röhren von 252 Proz., auf Eisevdraht von 297 bis 595 Proz., auf Drahtstifte von 633 Proz., auf Schreib­papier vo» 418, auf wollene Gewebe von 254318 Proz. darstellen.

Wo da dieAusgleichung" stecken soll, ist nicht ersichtlich. Die deutsche Belastung beträgt jetzt im Durchschnitt 37 Proz , für wenige Maaren 42, 46, 53 und 55 Proz. des Waarerwertes, die russische Belastung nach dem letzten Zollzuschlag mindestens 111 Proz. (für Hopsen), sonst aber über 200, 300, 400 ja bis 633 Proz des Waarenwertes!

Daß der ursprüngliche russische Tarif schon über­mäßig hoch war, ersieht man aus einem Vergleich mit dem italienischen. 100 kg Saffian find im italienischen Tarif mit einem Zoll von 72 Mark be­lastet, in dem ursprünglichen russischen Taris kostete der Zoll 297 Mark; Majolika italienisch 4,80 Mk., russisch 105 Mark; Eisevdraht italienisch 9,80 bis 12 Mark, russisch 19,84 bis 39,68 Mark; wollene Gewebe italienisch 120 bis 200 Mark, russisch 952 bis 1 190 Mark u. s. w.

Deutschland konnte in den Vertragsverhandlungen unmöglich mit einer Bindung dieser Sätze des russischen Tarifs oder mit ihrer Ermäßigung nm nur 10 bis 20 Proz. zufrieden sein und dafür unter keinen Umständen seinen Bcrtragstarif hingeben. Die Einsührung des Mcximaltarifs enthielt eine so starke Erhöhung der ursprünglich schon außerordentlich hohe» russischen Zollsätze, daß Deutschland zur Ab­wehr einen 50 prozentigen Zollzuschlag einführen mußte, der wie wir gesehen noch himmelweit hinter der russischen Wertbelastung zurückbleibt, die ihrerseits wieder durch die letzte 50 prozentige russische Zollerhöhung fo vergrößert worden ist, daß sich die deutschen Zolliötze demgegenüber als beinahe winzig darstellen. Nach alledem ergiebt sich von selbst, daß nicht Deutschland Schuld an dem Zoll­krieg hat.

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über ihn geneigte Frauengestalt, die mit zarter

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Nur Viktoria, der gegenüber der Hausarzt eine Hme Abneigung besaß, sprach er es auf ihr gendes Forschen mit harter Grausamkeit aus:

Mge Frage vor: Was wird er anfangen, wenn der Himmel ihm grausam dies letzte Freudenfünkchen verloscht? und ihr Auge hing angstvoll an den -verfallenen Zügen in denen nichts mehr zu leben schien als die unnatürlich großen, surchlsamen Augen, d« von krampfhaft beherrschter Aufregung zitternde «und.

Pflicht.

Roman von C. Zoellrr-Lionheart.

(Nachdruck verboten^

(Fortsetzung.)

k, .Still," warnte Ange, da Pruß gleich wieder eit «ntrat und sich einen Rohrstuhl herbeizog, um die Krankenwacht zu teilen Im Innern legte sich 8»ge jetzt all die vielen Stunden hindurch auch die

11 Tie Stunden schlichen bleiern dahin. Ein be.

Wurmen geflüstertes Wort, ein kurzes, trockenes 7 Mhusten von Pruß war die einzige Unterbrechung g des qualvoll schweren Röchelns des Kindes.

_ Ein paar Mal schlug es groß und zärtlich die N0Ü ?ben Augen zum Vater auf. Ein freundlich ttkn stagender Blick streifte dann auch wohl die liebe-

6tob, jeden Wunsch erratend, ihres Pflegeamtes

irdih Der Stabsarzt kam und ging, und gegen Abend dkfchte er einen aus der Residenz telegraphisch ge- ; Herren berühmten Kollegen mit.

- .Tie Herren konferierten lange in ihrem unver- Endlichen Berufs latem Pruß' Auge hing in un- M» «rhohlener Angst an ihrem Munde. Aber, sie en nichts, thaten keinen Ausspruch und gingen wieder fort.

.Ihr Kind schwebt in großer Gefahr. Helsen Sie dem armen Vater He schwere Stunde tragen! Der bricht sonst darunter zusammen."

Ein paar Mal des Tages war Viktoria ffchon ins Krankenzimmer gegangen, wie's ihre Mütter­pflicht war, aber sie sand kaum einen Raum dort für sich. Cie fühlte sich überflüssig, ja empfand es deutlich, daß sie die heilige Stille durch ihre wuchtig auftretende Persönlichkeit störte.

Wollt Ihr nicht zu Tische kommen, es wird ja alles kalt? Dörte paßt ja auf, und alle drei könnt Ihr ja doch nicht von Nutzen fein."

Daß die drei sich gegenseitig stützten in gemein­schaftlicher Liebe für das gequälte Kind, daß Ange fest nach Pruß' Hand griff und sie heftig drückte, wenn ein besonders schriller Schmerzenslaut ihm das Herz zerschnitt, daß sich einer am andern auf­rechthielt und ein ermutigendes Wort hier bei dem Verzweifelnden Wunder wirkte, das verstand Vik­toria in ihrer herben Selbständigkeit nicht, und kein anderer hätte ihr daher auch Trost oder Beistand spenden können.

Indessen scheuchten die ernsten Mienen der bei­den Aerzte, mehr noch als die Worte des Ober­stabsarztes, die sie gern für Uebertreibung gehalten, nun doch auch sie aus ihrer ewig gleichen Gemüts­ruhe auf. Sie warf das Seidenkleid wieder ab, das sie zu einem größeren Abendkonzert bereits an- gezogen, schlüpfte in weiche Hausschuhe und rüstete sich in jeder Weise zur Krankcnnachtwache, um ihre Pflicht zu thun.

Geh' nur! Männer sind hier nicht am Platze ich werde Dich ablösen. Die Mutter gehört ans Krankenbett ihres Kindes," sprach sie zuletzt mit rhöhter Stimme, da Pruß sich nicht rührte, ihr Platz zu machen.

Deutsches Reich.

W. 38erlitt, 11. August. Tie Ankunft des Kaisers in Kiel sollte am Donnerstag Abend er­folgen. Heute, Freitag, soll eine Probefahrt der KorvetteWörth" stattfinbeu; am Sonnabend find Hebungen mit der Manöver flotte beabsichtigt. Am Sonntag verbleibt der Kaiser in Kiel. Das Pro­gramm für Montag ist das nämliche wie das für Sonnabend. Am Dienstag früh beabsichtigt Seine Majestät, in Berlin einzutreffen und die Parade über das Gardekorps auf dem Tempelhofer Felde abzu­halten. Die Kronprirzejfin-Witwe Stephanie von Oesterreich ist am Mittwoch in Kiel mit dem deutschen PostdampferPrinz Waldemar" von Kopenhagen aus mit Begleitung eingetroffen. Prinz Heinrich von Preußen nebst seinem Adjutanten und dem Kapitänleutnant v. Colomb begaben sich an Bord des Dampfers, wo an Deck die erste zwanglose herz­liche Begrüßung stattfavd. Die Kronprinzessin sah sehr wohl aus. Prinz Heinrich fuhr dann mit der­selben in einem Hofwagen bis Düsternbrook und zurück spazieren. Die Bevölkerung bereitere der Kronprinzessin einen sehr herzlichen Empfang. Abends erfolgte die Abreise der Prinzessin, von der sich Prinz Heinrich auf dem Bahnhöfe verabschiedete. Um Futtermangel in den vom Manöver be­rührten Gegenden bei Hagenau vorzubeuge», hat der Kaiser die Heranziehung der Fourage für das 14. und 15. Armeekorps aus den östlichen Provinzen befohlen. Auch sollen beim 15. Armeekorps die Hebungen schon mit dem 14. September abschneiden und die Reserven demnächst entlassen werden. Der Posten des Reichsschatzamtssekretärs soll, wie dieSüdd. Talaksztg." erfährt, dem bayerischen Finanzmivister Riedel, dem Hrheber des Planes einer Tabakfabiikatssteuer, angeboten worden sein. Von den Mitgliedern des preußischen Staats­ministeriums befinden sich, nachdem nunmehr auch die Minister Dr. Miquel und Thielen Berlin ver­lassen haben, nur roch Graf Caprivi und vn. Bosse tn der Reichshauptstadt. Ta nach Möglichkeit daran fest gehalten wird, daß auch in dieser Jahreszeit immer wenigstens zwei Minister in Berlin an­wesend find, so werden die beiden Herren vorläufig keine Urlaubsreifen antreten, sondern so lange auf ihren Posten bleiben, bis sie von zurück- kehrenden Amtsgenossen abgelöst werden. Heber die Mittwoch - Sitzung der Franksurter Conferenz berichtet dieFranks. Ztg." noch folgendes Nähere: Die Sitzung war hauptsächlich der Frage der Tabak­

Das Kind schreckte dabei aus seinem Halb­schlummer auf. Die fieberheißen Fingerchen der einen Hand flochten sich noch fester um die des Vaters, die in unermüdlicher Ausdauer das Händ­chen bisher gehalten. Die Linke des kleinen Pa­tienten griff angstvoll umher, bis Anges ahnendes Mutterherz die stumme Furcht begriffen und ihre weiche Hand um die kleine zitternde geschlossen hatte.

Da kam Beruhigung über das zuckende, kleine Gesicht, die schweren Lider fielen wieder zu, der grauenhafte Sägeton durchbrach allein wieder die schauerliche Stille, mit der drei Menschen den ab- ebbenden Lebensstrom angstvoll bewachten.

Beide Hände schlug sich Viktoria vors Gesicht Ausgestoßen von der Gemeinschaft dieser schrecklich 'tummen Wache, ausgestoßen durch ihr sterbendes Kind und von all diesen drohend auf sie gerichteten Augen, die da sagten: Du gehörst nicht hierher.

Roch wäre es Zeit gewesen, noch hätte ein weiches Wort, ein liebevoller Blick, eine Bewegung dem tiefgebeugten Manne zu, ihr die Arme geöffnet und zwei seelisch Getrennte am Sterbebett ihres Kindes für immer erst ganz vereint.

Viktoria achtete ihres guten Genius nicht, der in Gestalt der mitfühlenden Ange ihr lebhaft durch Augen und Händewinken auf den über sein Kind Hingebeugten die Wege des Heils zeigte.

Sie legte den Arm nicht um den gramgebeugten Nacken, sie stammelte nicht eins jener inhaltlosen und doch bedeutungsvollen Worte, die die Verzweis- ung dem Mutterherzen abringt, und die in der Seele des Mitleidenden so waches Echo finden. Kein Laut gefolterter Herzensangst, der die Menschen sich blind in die Arme jagt, kam über ihre Lippen. Sie würgte sie krampfhaft nieder, die Thränen geängstigter Mutterliebe. Ihr seit der Kindheit künstlich ge­

fabrikatsteuer gewidmet. Die Debatte war sehr ein­gehend, man gelangte aber schließlich zu einem Ein­verständnis, so daß also diese Steuer seitens der Vertreter der verbündeten Regierungen im Prinzip als angenommen gelten darf. Auch über das Stempel­steuergesetz wurde beraten, und auch hierüber ist man, wie verlautet, zu einer gewissen Gnigung gekommen, die indessen ganz allgemeiner Natur ist. Weitere sorgfältige Beratungen hierüber sind in Aus­sicht genommen, da die Absicht besteht, das solide Geschäft thuulichst wenig zu belästigen. Endlich ist auch die Quittungssteuer in den Bereich der Beratungen gezogen worden. Daß bindende Beschlüsse jetzt nicht gefaßt werden können, versteht sich von selbst; über die in Frankfurt ge­troffenen Abmachungen haben zunächst die einzelnen Regierungen und alsdann der Bundesrat zu ent­scheide». Eine Anzahl jener Gegenstände, die in letzter Zeit angeblich zur Besteuerung in Vorschlag gebracht sein sollten, werden überhaupt nicht in Frage kommen. Einige Zeitungen wußten von fünfzehn Steuerprojekten zu berichten wir haben aber von vornherein keine Notiz davon genommen, da aus den betr. Notizen jener Blätter die Sensations­macherei zu klar hervorging. Zum russisch­deutschen Zollkrieg wird jetzt berichtet, daß der russische Finanzminister demnächst eine amtliche Denk­schrift des russischen Finanzministeriums als Gegen­stück zur Denkchrift Caprivi's über den Gang der deuisch-rusflschen Verhandlungen veröffentlichen will. DerGraschdanin" veröffentlicht bereits Einzelnes aus dem Inhalt der Denkschrift daraus geht aber hervor, daß gar nicht der Versuch gemacht wird, das Vorgehen Rußlands zu rechtfertigen. Die Ge­treidepreise in Rußland sinke» immer mehr, da der deutsche Abnehmer fehlt. Hm das Weiter­fallen der Preise aufzuhalten, hat der Finanzminister Witte argcordnet, daß billiger Kredit gegen Unter« Pfand von Getreide gewährt werden soll, und zwar sollen hierzu auch Privatbanken herangezogen werden. Der Ausschuß zur Vorbereitung eines einheit­lichen Wasserrechts für Preußen hat, den B. P. N." zufolge, seine nach 46 Sitzungen ge­machten Vorschläge in folgende» Richtungen abge­geben: Gewährung des Zu- und Ableitungsrechtes, sowie des Rechtes zur Mitbenutzung vorhandener Stauanlagen, zwecks Benutzung der Wasserläufe und des in ihnen enthaltenen Wassers für solche wirt­schaftlich nützliche Unternehmungen, welche andernfalls nicht ausgeführt werden können, unter Entschädigung der sonst Berechttgten. Regelung der Wassernutzung

nährter Stolz verschloß ihr die Lippen. Unbeachtet wandte sie sich auf dem Absatz und schritt langsam hinaus. Als aber die Thür sich hinter ihr ge­schlossen, blickte sie sich scheu um, ob irgend einer sie beobachtete, riß mit zitternden Händen ihr Tuch aus der Tasche, preßte es gegen den Mund, um den Wehschrei zu ersticken, der sich stoßweise ihr aus der Brust rang, und dann stürzte sie besinnungslos in ihr Schlafzimmer, warf sich auf ihr Bett, grub das Gesicht in die Kissen und ließ den wilden Schmerz ausrasen, der sie schüttelte Kein Mensch bekümmerte sich um sie die lange Nacht hindurch.

Flüsternd standen die Dienstboten in der Küche zusammen. Jeder hatte das sanfte, freundliche Kind gern gehabt, jeder trug mit an dem Leid des be­jammernswerten Herrn, dem sie alle von Herzen ergeben waren.

In der Kinderstube rang Pruß' Sohn zwischen Leben und Tod. Der Arzt hatte ihm eben mit mutlosem Kopfschütteln zu Ange hin einen Jodring um den Hals gezogen.

Die eine Lunge versagt schon," raunte er Ange auf ihren fragenden Blick zu.Sie schickte Gott, Frau Oberst, ich bitte Sie, halten Sie Ihren Bruder aufrecht, daß er die nächsten Stunden übersieht."

Wann?" hauchte Ange.

Bis gegen Morgen wird es wohl dauern "

Tann schlüpften sie wieder auseinander. Es lätte der Vorsicht nicht bedurft. Pruß hörte und äh nichts mehr als sein Kind. Er saß stumm und tarr in unnatürlicher Ruhe. Sein Auge verließ einen Augenblick das Schmerzenslager. In seinem Arm, den er seit Stunden unter dem Kopf des Kindes hielt, das sich tief da eingeschmiegt hatte, zwickte und stach es wie von Nadeln. Die Er-