Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
"-^Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Exped!tü>rn Martt^Lli" **
M 182.
Tricheint täglich exyt: en Werktag« nach ®»tu« «nd Friertagen.—Onartal-LbOnsementr-Pret» bei der Srpe- fctttia 8 3RL, bei allen PoßLrsrrrn 5 RL $6$fg. (exkl. Bestellgeld). Jnseratiovggedühr ffc die geipaltenr Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklanirs für die Zeile Sä Wg.
Marburg,
Sonnabend, 5. August 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, k-vie die Annoncm-Bmeaux von Haasenstein u. Vogler in Srankfnrt a. M., Caffel, Magdeburg und Wim; Rudolf Roste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. ß. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
Zunahme der Geschäfte bei den Gerichten.
Die Gesckäftsergebnisse der Gerichtsbehörden aus ton Jahre 1892, verbunden mit einer Zusammenstellung der wichtigsten Geschäfte in den Jahren 1890 bis 1892, veröffentlicht soeben die preußische Justizverwaltung: Wenn H. Riehls in seinem Vor- trage über die „statistische Krankheit" manches Wahre M der Ueberschätzung des Zahlenwerks und dessen «ll sehr bedingter Beweiskraft ausgesprochen, so verdienen diese Geschäfte hier denn doch mit Ernst ge- Süidigt zu werden. Zunächst wegen ihrer unzweife' hasten Zuverläsfigkeit; da ist gewiß kein Gericht, das richt dieser Aufstellung an seinem Teile die peinlichste Aufmerksamkeit widmete und auf Vollständigkeit in allen Stücken hielte. Mögen mit-anderen Einzel Helten, die es auch verdienen, sich Andere eingehent beschäftigen, für die Allgemeinheit wollen wir hier m Allem die zum Teil wieder ganz bedeutende Zunahme der Sachen hcrvorheben. Grade die richtigsten Zahlen sehen wir oft von einem Jahre zum andern annähernd um ein Zehntel und mehr ftigea: so bei den Oberlandesgertchte» die gewöhn- Men bürgerlichen Rechtsstreitigkeiteu mit 9895 (1890), 10732 (1891), 11525 (1892), die mündlichen Verhandlungen überhaupt von 17642 (1890) in den zwei Jahren auf 21159; bei den Landgerichten be- vegen sich die entsprechenden Zahlen in ähnlichem Verhältnis wesentlich aufwärts, und fast noch stärker tritt dieselbe Erscheinung bei den Amtsgerichten zu Lage, wobei dann noch die Zunahme der Zwangs- lersteigerungen von unbeweglichem Gut um mehr als ein fünftel binnen zwei Jahren als einer Volkswirt-, schaftlich recht unerfreulichen Thatsache besonders »edacht sein möge. (1890: 15 703, 1891: 16676, 1892: 19976). Ebendahin gehört leider die Ver- »ehmng der eröffneten Konkursverfahren sogar »n drei Zehntel in zwei Jahren, zu welcher allerdings das Jahr 1891 neun Mal soviel bei- üug wie das folgende (2778: 3544: 3626). Mts besseres gilt von den Strafsachen. Nach einer schwachen Abnahme von 1890 auf 1891 stieg im Wen Jahr die Zahl der Hauptverfahren und Haupt- »erhandlungen vor den Schwurgerichten wieder um «ehr als ein Zehntel, bei den Strafkammern im vstm Rechtszuge ganz dieselbe Wahrnehmung, nur üBerufssachen erweist sich das Steigerungsverhältnis chwächer, nicht etwa günstiger. Die früheren viel- »chen Klagen über schleppende Rechtspflege in bürgerliche» Rechtsstreitigkeiten erschallen nicht mehr so
lebhaft. Die Justizverwaltung war ja auch in den letzten Jahre» redlich bemüht, an den gefährdetsten Posten nachzuhelfen und neue Stellen zu schaffen; aber gegenüber einer solchen Zunahme der gerichtlichen Arbeitslast, wie sie aus der vorliegenden Ueber- sicht hervorgeht, da werden noch ganz andere Neuschaffungen und Maßregeln erforderlich sein, wenn kaum beseitigte Mißstände sich nicht aufs neue ärger als zuvor bemerkbar machen sollen. Heber die Dauer der Strafprozesse liefert die amtliche Zusammenstellung keinerlei Aufschlüsse, in bürgerlichen Streitigkeiten muß zufolge der beigefügten Angaben bei Berufungssachen eine gewiffe Beschleunigung erzielt worden sein, die auch sehr zu wünschen war. Jüngst war es die rasche Aburteilung der bei den Studentenunruhen in Paris Beteiligten, die wieder einmal zu Vergleichen Veraulaffung gegeben hat, Vergleiche, die nicht gerade zum Vorteile unserer Gerichtsverfassung noch unseres Verfahrens ausfallen konnten. Nimmt man dazu die neue Mehrung der Geschäfte, so ist die Aussicht auf Befserung nur sehr gering. Welcher Anteil an dem langsamen Verfahren den Prozeß Vorschriften bei uns zur Last zu schreiben ist, das möge bei der erwarteten und bereits vorberesteten Umgestaltung der deutschen Strafprozeßordnung erörtert und berücksichtigt werden; aber damit ist es nicht gethan, die unverkennbar anhaltende Zunahme der Geschäfte bei den Gerichte» legt der Justizverwaltung die Pflicht und das Recht auf, trotz dem Finauzmivister in kurzen Zeitabständen wiederholt zu prüfen, wo sich das richtige Verhältnis zwischen der Arbeitslast und der Richterzahl verschoben hat, und nötigenfalls mit Mehrforderungen dringlicher Natur l^vorzutreten. Vielleicht bietet die dem Vernehmen nach bestimmt in Aussicht genommene Gesetzesvorlage wegen Einführung der Berufung gegen die Urteile der Strafkammern mit ihren Vorarbeiten auch dazu Gelegenheit, Bestand und Stärke der preußischen Gerichte an ihren jetzigen und zukünftigen Aufgaben zu messen.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 4. August. Aus Cowes wird gemeldet: Ter Kaiser verbrachte den Mittwoch an Bord der Jacht „Meteor". Bei der Wettfahrt um den vom Kaiser gestifteten Ehrenschild siegte die Jacht des Prinzen von Wales „Britannia". Am Nachmittag inspizierte die Königin Viktoria die Kadetten des Kadetten-Schulschiffes „Stosch". Abends fand zu Ehren des Kaisers beim Prinzen von Wales ein
Diner statt, welchem auch die Königin beiwohnte. Zur Rechten derselben saß Kaiser Wilhelm, zur Linken der Prinz von Wales. Am Donnerstag nahm der „Meteor" an der Wettfahrt um den von der Stadt Cowes ausgesetzte» Preis von 100 Lstr. teil. — Der Kaiser trifft sicherem Vernehmen nach am 8. d. M. in Kiel ein, um Tags darauf mit der gesamten Flotte in See zu gehen. — Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Gesetze betr. die Deckung von Ausgaben des Rechnungsjahres 1891/92 (wozu 42833 886 Mk. 35 Pfg. im Wege der Anleihe durch Veräußerung eines entsprechende» Betrages von Schuldverschreibungen zu beschaffen find) und betr. Ruhegehaltsklasien für die Lehrer und Lehrerinnen oit den öffentlichen Volksschule». — Prinz Friedrich August vo» Sachse» wird, wie die „D. Z." meldet, in seiner Eigenschaft als Kommandeur des kgl. sächfischeu Schützen-Füsilier-Regiments Prinz Georg Nr. 108 zusammen mit sämtlichen Kommandeuren der Jnfanterieregimenter und Jägerbataillone des XII. Armeekorps Mitte Oktober ei» zweiwöchiges Kommando auf der Schießschule zu Spandau ableiste». — Die Frage der Zentralisierung der preußischen Eisenbahnverwaltung ist anscheinend schon definitiv zu gunsten derjenigen Städte entschieden, welche bisher Eisenbahndirektionen besaßen und durch den Zentralifierungsplan des Eisenbahnministers ihre Direktionsfitze zu verlieren fürchten mußten. Es ist nämlich durch halbamtliche Mitteilungen bereits bekannt geworden, daß der Plan einer Schaffung von drei großen Generaldirektionen endgiltig fallen gelassen wurde und daß somit die Direktionen an ihren gegenwärtigen Sitzen verbleiben. Diese.Entscheidung, die wohl schon in naher Zett allgemein bekannt werden dürfte, wird in den Kreisen der betr. Städte sicher mit großer Genugthuung ausgenommen werde». — Tie Einberufung der preußischen Provinzialsynoden zur Beratung des Agenden - Entwurfs wird, dem Vernehmen nach, von Anfang September ob erfolgen. Zuerst treten die Synoden der Rheinprovinz und von Westfalen zusammen, dann folgen im Anfang Ok tober die der Provinz Sachsen, sowie der Provinzen Ost» und Westpreußen u. s. w. und den Schluß wird dann im Dezember die Synode der Provinz Schlesien machen. Hiernach kann die Einberufung der General- synode uicht vor dem nächsten Frühjahr erfolgen. — Der „Reichsanz." schreibt, daß weitere Ausnahmen für russische Provenienzen, welche aufgrund früher abgeschloffener Verträge im Laufe der nächsten Zeit eingeführt werden sollte», als in der
VfNcht.
Roma» vo» Ci Zoeller-Lionheart.
(Nachdruck verboten^ (Fortsetzung.)
Fast ihr unbewußt rinnen große Tropfen aus m Augen der gepeinigten Frau auf die unschulds- We Kinderstirn, und Mutter und Kind halten sich »t fast schmerzhafter Heftigkeit umfangen.
Inn befreit sich Ada mit sanfter Gewalt, und wungener Heiterkeit nickt sie dem aufmerken- ade zu, dessen Seelenfühlfäden in den letzten mächtige Triebe ansetzten.
atürlich kaufen wir einen Baum, und ich in Dir ausputzen."
. Mama, Du, Du selbst! Ist das ehrlich! rst Du immer Zeit für mich!" rief Margot ich vor Jubel, hatte alle vorherigen Ahnungen ergeflen und führte einen Freudentanz auf. stöhlen drückte Ada die schmale Hand fest rz, als sie lächelnd fvrtfuhr: „Du wirst ihn bsch dieses Mal machen müssen, wir find am Abend nicht allein!"
>mmt Papa zurück?" fragte sie aufgeregt, ach ihren ausgelassenen Reigen, stürzte zur zurück und blickte forschend mit den großen, uchtenden Augen zu ihr auf.
i senkte die Wimpern. Sie konnte den un- oll fragenden Augen nicht begegnen, als sie das Haupt schütteln mußte.
»vl* Der Ton bitterer Enttäuschung schnitt lins Herz. Franz Brünken, was er auch immer ’tten geschadet, war ein liebevoll besorgter Gatte r. &iter gewesen, der mit seinem vergötterten Weichen wie ein guter Spielkamerad tollte, immer rfy sich mit ihr zu beschäftigen. Kein Wunder, ! Margot ihn schmerzlich entbehrte, den heitern,
immer zu Scherz und Kurzweil aufgelegten Gefährten. Mit dem wunderbaren Ahnungsvermögen ihres Herzens hielt sie jedes Wort der Frage nieder, schmiegte sich in rührender Zärtlichkeit doppelt warm der Mutter an, von der sie instinktiv suhlte, daß eine schwer bedrückende Last ihr Leben trübte, eine Last, die im Zusammenhang mit dem rätselhaften Verschwinden des Papas stehen mußte.
„Nun, Mamachen, sagte sie und kämpfte ihre Empfindungen tapfer hinunter, „wir beide und die, die Du einlaben willst, werden recht munter sein unter dem Christbaum."
„Ich habe Dir dazu einen kleinen niedlichen Bruder, hübsch wie die große Wachspuppe mit dem seidigen Blondkopf, bestellt. Du hast Dir ja immer so sehr einen kleinen Bruder gewünscht, Liebchen. Diesmal bringt ihn Dir der Weihnachtsmann, und Du wirst hübsch mit ihm spielen und ihn bemuttern, ja, mein Herzchen?" sagte sie ablenkend.
Margot hüpfte vor Seligkeit auf einem Bein herum, bann raffte sie ihre Sachen auf, stürzte hinaus unb verkündete ihre Freudenaussichten jubelnd er hämisch lächelnden Köchin, die grollend jetzt Dienste für das ganze Haus leisten mußte.
„Na, das fehlt gerade noch, wird Zeit, daß man sich drückt," war die niederfchlagende Entgegnung, auf die das Kind nur einen Blick grenzenlosen Er- iaunens hatte.
Ada saß mit der in die Hand gestützten Wange gedankenveiloren noch immer vor ihrem Schreibtisch. Sie bemerkte es nicht, wie große, blinkende Tropfen ch wieder in ihren Augen sammelten unb auf das Japier fielen.
„Mein Gott, mein Gott!" ächzte sie ein paar Mal fassungslos. Dann ergriff sie den Briefbogen, riß ihn mitten durch und warf ihn in den Papierkorb.
Sie atmete auf. Der Entschluß war gefaßt.
Sie selbst hätte lieber das trockene Brot einer ärmlichen Unabhängigkeit gegessen, aber Margot, das im Wohlstand verhätschelte, arglose kleine Ding durfte das nicht, so lange es sich nur um ihre eigene Selbstverleugnung handelte.
Düster brütete sie noch eine Weile vor sich hin.
Ihre Mittel waren fast erschöpft. Angstvoll hatte sie im ersten Ansturm der Gläubiger alles hingegeben, was sie noch im Hause an barem Gelbe besaß.
Wer die Misere der kleinen Schulden kennt, weiß, was die stolze Frau leiden mußte, als Rechnungen aller Art präsentiert wurden, die sie nicht mehr bezahlen konnte, als das respektwidrige Auftreten der Dienstboten ihr bewies, daß dieselben anfingen, um den rückständigen Lohn besorgt zu sein.
Weihnachten stand vor der Thür. Große und kleine Hände streckten sich verlangend aus, und sie, die gewohnt war, in gedankenloser Freigebigkeit alle Hausgenossen zu überschütten, wußte alle Taschen leer.
‘ Unb vor ihr, in ber zartfühlendsten Weise geboten, daß es mehr einem Dienst ihrerseits, als einer Wohlthat von ihm glich, lag die Hilfe aus Diefer kleinlichen Misere heraus, die Adas Leben bisher so fremd geblieben war und so doppelt schwer für sie zu ertragen.
O, der Qual, der namenlosen Folter! Demütigungen hier und dort!
Sie stand schnell auf und klingelte hastig.
Marie erschien in nicht zu großer Eile mit un- reundlichem Gesicht.
Ada übersah es scheinbar. „Ich wollte Sie ragen," sagte sie in gemessenem Ton, „ob Sie unter
kaiserliche» Verordnung vom 29. Juli bestimmt, auS zwingenden Gründe» nicht gewährt werden könnten. — Die internationalen hydrographischen Untersuchungen der Nord- und Ostsee haben begonnen. Ter schwedische Dampfer „Thenies" untersucht das Skagerak bis Christiansand, ein dänischer Dampfer 13 Linien im Kattegat und Sund, eine englische Expedition die Gewässer bei bett Schet- landS - Inseln und eine deutsche Expedition unter Pros. Krümmel die westliche Ostsee. — Der Reichsanzeiger publiziert das Gesetz betr. Beihilfe zu Volksschulbauten, »ach welchem für die EtatSjahre 1893/94 und 1894/95 je 2 000000 Mark zu Beihilfen an Schulgemeinden ober Schulverbände zu Volksschulbauten wegen Unvermögens zur Verfügung gestellt werden. — Von einem schweren Unglück ist unsere Marine betroffen worden. Bei einem Uebnugsschießen in der Strandbucht bei Kiel auf dem Panzerschiff „Baden" explodierte am Mittwoch Nachmittag um 3 Uhr vorzeitig eine 26 Zentimeter-Kartusche, wodurch 27 Mann der Besatzung verunglückten und zwar wurden 9 getötet, 18 verwundet. Getötet wurden: Lentnanut Oelsuer, Unterleutnannt Zembsch, Boots- mannsmaat Radzuweit, Obermatrose Kniephoff und die Matrosen Bräutigam, Höfner, Goldbaum, Schönrock, Mehlisen. Während der Explosion befand sich Se. königl. Hoheit Prinz Heinrich mit dem Admiral Schröder und dem Kommandanten auf der Kommandobrücke. Der Prinz beteiligte fich eifrigst an den Hilfeleistungen für die Verwundeten. — Der Magistrat in Stolp hatte beschlossen, den neu anzustellenden Lehrern am dortigen Gymnasium das Halten von Pensionären zu untersagen, es in seinem -Brschluß auch für höchst wünschenswert erklärt, wenn auch die bereits angestellten Gymnasiallehrer die Pensionshaltung aufgeben. Auf Beschwerde der Lehrer hat jedoch das Provinzial-Schulkollegium in Stettin zugunsten der Lehrer entschieden. — Bei den diesjährigen Manöver« werden die Radfahrer eine Rolle spielen. Nicht nur haben sich zwei Radfahrer zur Uebernahme des Staffetendtenstes ' freiwillig bei einem Berliner Garderegiment gemeldet, sondern der als Kunftfahrer bekannte Maschinenfabrikant Robert Quosdorf in Berlin ist vom 28. August bis zum 17. September nach Wittenberg zum 20. Infanterieregiment durch die Militärbehörde sls Radfahrer einberufen worden. Er bezieht als solcher die Kompetenzen eines Sekondleutnants und für seine Maschine 25 Mark. Er wird mit Schuhen, Drtllichhosen, Waffenrock und Mütze bekleidet unb
den früheren Lohnverhältnissen in meinem Hause zu bleiben wünschen?"
Das erstaunte Mädchen riß die Augen weit auf.
„Auch das Hausmädchen kann bleiben, wenn sie will!" rief Aba im Hin- unb Herschreiten über bie Schulter weg ihr zu. „Ich gebe Ihnen Bedenkzeit dis heute Abend, sonst nehme ich Ihre ftühere Kündigung zum Januar an, wünsche bann aber, daß Sie noch heute mein Haus verlassen. Ich brauche bann neues Personal "
Unb als die Person in kriechender Unterwürfig» tit um ferneres Bleiben bat, sagte Ada mit leichter Verachtung im Ton:
„Selbstredend erwarte ich ein Benehmen wie in rüherer Zeit. Sorgen Sie," sprach sie dann von oben herab, „daß die Zimmer sämtlich gründlich gereinigt werden; lassen Sie den Portier — hier ist ein Trinkgeld für ihn — Margots früheres Kinderbett in mein Schlafzimmer bringen. Ich ziehe zu Margot in die Kinderstube. Verstehen Sie mich?"
Dann ging sie in ihr Schlafzimmer, um aus demselben alle die Kleinigkeiten zu räumen, die das individuelle Dasein einer Frau umschließen und einer andern nichts fein können.
Als sie aus großer Silbertanne das Wasser in das silberne Waschbecken goß, um sich die Hände vom Staub zu reinigen, kam ihr vielleicht zum ersten Mal das Bewußtsein, in welcher Umgebung von übertriebenem Luxus sie gedankenlos hingelebt hatte, und ihr Auge flog mit wehmütiger Bitterkeit über all diese Ueppizkeit, den kronenverzierten Betthimmel, )en verschlungene Draperien von lichtblauem, silber- burchwebtem Plüsch bilbeten, den Smyrna-Teppich, über den die Füße so unhörbar hinglitten, die atlas- gefütterte Spitzendecke, die fich über das mächtige Paradebett hinbreitete, unb all die tausend unnötigen