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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
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Erscheint täglich «ßer en Werkt««« noch Sons- sab Friert«-«.—Ou«tnl-Ab»me«ent»-Prri» bei der Gxpe» btites 8 Mk., bei «ll« Postämter» 8 Mi. 88P-',. (exkl. Bestellgeld). Jnsenltiour-rbühr für die ßrsy«!trne Zeile »der der« Reum 10 Pf«., 9 treuen kür die Zeile 95 Pf«.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. Lerintwortlicher Markt^Ltt 3R“‘6Brfr
Marburg,
Sonnabend, 22 Juli 1893.
Anzeigm nimmt entgegen die Expedition diese? Blatter, sowie die Lmwncm-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. SJL, Caflel, Magdeburg und Mm; Rudolf Rosse in Frankfurt a. M., Berlin, München». Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
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Die englisch-französischen Landräubereien.
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Zmlralaftika sich finden, dann brauchte man darum
Wdorgebrachten Scheinxründe, Egoismus entspringen, sind
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die einem heuchlerischen noch schlimmer, als offene
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»Wenn mich in diesen schweren Stunden eines dösten konnte/ hob Ada nach trübem Schweigen nieder an, „so war's der Gedanke, daß ich die — fie — Schande allein zu tragen habe, daß Vater iu nicht mehr erlebte, daß Ihr alle, Du und Pruß, durch Eure Versetzungen den Verhältnissen so fern Sssückt seid, daß man glücklicherweise Eure Namen Äht mit meinem in Zusammenhang bringt.
»Mein Gott, wie habe ich vor anderthalb Jahren $9=n den Himmel gemurrt, als er uns den Papa A voller Kraft und Frische so plötzlich aus dem «den rief, und jetzt, jetzt vergeht keine Stunde, ®° ich dem lieben Gott nicht inbrünstig dafür «tnk sage.
ivtereffen tu Aegypten find, glaubt doch bei ihnen selbst kein Mensch mehr und als sie diese Mission damit begannen, die Stadt Alexandria in Trümmer zu schießen, zeigten sie, was sie unter Kultur verstehen. Dies Bombardement von Alexandrien ist eins der gröbsten Spiegelfechtereien der neusten ZeÜ; ein paar ägyptischer Strolche wegen bombardierte Man darauf los und schuf somit erst Mord und Plünderung, um dann Material für die Okkupation Aegyptens zu gewinnen. Eine Million in Gold hätte den ganzen sogenannten Aufstand Arabi Pascha's wn vornherein im Keime erstickt. Aber so machte sich die Sache eben heldenhafter. Noch gröber war die Finte, unter deren Schutz die Franzosen zur Lffupation von Tunis schritten. Ein paar Strauchritter brandschatzten die Grenzgegenden, etwa hundert Serie, welche eine Schwadron Kavallerie in ein paar Wochen bis auf den letzten Mann abgefangen hätte.
»Gott sei Dank/ bestätigte der Oberstleutnant tiefer Brust. „Wer hätte das geahnt, als dem '«burtstagsfest bei Pruß durch des Vater» Anfall 051 so trauriges Ende gemacht wurde.
»Und nun sage, Kind, wie man Dir helfen kann
{g zweifellos so und so viele Monate, wenn aber die Staatsregierungen in vollstem Frieden, ohne allen stichhaltigen Grund kleinen überseeischen Staatswesen Leibe gehen und ihnen abzwacken, was sich nur «hm« läßt, bis schließlich der Rest ganz von selbst
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, »Ueberlebt hätte der Ehrgeizige den Schlag Mmer, und er wäre mit Gram und Verzweiflung T die Grube gefahren, während er so im Voll- Mhl des Glücks aus unserer Mitte friedlich ge- Meden ist."
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Pflicht.
Roman von Ci Zoeller-Lionheart.
»Nachdruck verboten.)!
(Fortsetzung.)
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Brutalität. Die Zahl dieser Landräubereien ist schon । ~ eine recht große und die Franzosen und Engländer • *'* find es ganz besonders, welche die Geschichte aus (^tan ff enneu. Daß die Engländer aus Kultur-
«icht weiter viele Worte zu verlieren; das Gegenteil > Pf ist aber der Fall, es handelt sich um schon seit lmgen Jahren bestehende Staaten, deren Wert dem Acfleltanten und Interessanten nachgerade deutlich [fs wird. Ohne jeden Grund wagt man es doch nicht, die Hand auf fremdes Gebiet zu legen, aber diese
. »So weit meine Mittel reichen, das weißt Du Me viel Versicherungen, stehen sie Dir natürlich g=7# E Verfügung. Viel ist's leider ja nicht. Das ^präsentieren da in der neuen Stellung kostet.ein -»Mdengeld. Mein Ottomar kann nicht begreifen, 199* »f Vater ihn weniger glänzend stellen kann I® seine Kameraden in dem Eliteregiment, die 8tl)en Jungen im Kadettenkorps kosten auch was,
1 Hy , tzs ist erbaulich, zu sehe», wie heute im Interesse ,1 der Humanität, zum Schutze der Kultur und wie ■en Hch pgft die schönen Gründe, die so wohlfeil find, wie Uten r> zrombeeren, noch heißen mögen, der unverfälschteste Kas» Mderraub getrieben wird, den man sich nur denken 1680), Mn. Wenn in Paris oder in London irgend ein ^7?"'heruntergekommener Lump einen tüchtigen Griff in eben »on ihm an gebohrten Arnheim thut, dann giebt
■ zusammenfällt, dann ist das eine Thai, die Be- Uhr । »uuderung verdienen soll. Wenn es sich in solchen Fällen wirklich um unkultivierte Gebiete handelte, um Beda die Besitzergreifung von Landstrichen, wie sie in
Aber nein, man machte daraus den großen Aufstand der Krumirs, führte große „Kämpfe", und aus dem Bey von Tunis wurde bei der Gelegenheit ebenso ein Scheinfurst, wie aus dem Khedive von Aegypten. England sicherte sich mit dem Nillande den Suezkanal, die direkte Wasserstraße nach Indien, Frankreich rundete seinen algerischen Besitz wirksam ab und ei» Pariser Bankier, der mit dem Bey von Tunis oberfaule Geldgeschäfte gemacht, verdiente bei diesem Kulturstückchen Millonen. Nebenbei gesagt, haben sich damals die republikanischen Größeu iu Paris, vom Exdiktator Gambetta an, so vortrefflich, wie nur möglich den Säckel gefüllt. Weiter nahm Frankreich in Ostafien das Land Touking und da der König von Annam, dem dies Gebiet bisher gehört, sich ein Wort zu reden erlaubte, wurde sein Land auch gleich mit unter französischen „Schutz" gestellt. Es war ein Aufwaschen und geschah ja Alles blos zur Ausbreitung europäischer Kultur. Diese ftanzöstsche Leistung wurmte die Engländer sie entdeckten, daß der König von Birmah in Hinderindien ein mordlustiger Tyrann sei, dem sie im Interesse der Zivilisation schleunigst das Handwerk legen zu Müssen glaubten, und daher absetzten. Seitdem die Engländer Herren von Birma find, find aber mehr Birmanen totgefchlagen und totgeschossen, als zehn Könige während ihres ganzen Lebens hätten hinrichtm lassen können. Die hätten die Menschen allerdings zu ihrem Privatvergnügen um einen Kopf kürzer machen lassen, während die Engländer es im Zivilisatiovsinteresse thun, und das ist doch etwas anderes. Die Franzosen in ihrem Kulturdrange wollten nun dem Sultan von Marokko zu Leibe, und England und Spanien hätten in Marokko auch gern mit kultiviert. Der Sultan war aber dm Gierhälsen zu schlau, und jetzt wollte natürlich keiner schlechte Gedanken gehabt habe». Statt des Marokkaners mußte aber der Sultan von Dahomey ans Messer, allerdings ein wüster Kerl, für den sich seine Unterthanen aber doch lieber totschlagen lassen, als daß sie unter französischem Regiment leben. Das beweist wenigstens so viel, daß die Franzosen auch nicht gerade Engel sein können, denn sonst hätten die Dahomeer längst ihrer schwarzen Majestät, jetzt, wo der König vertrieben ist, den Treubrief zurückgeschickt. Am wenigsten vom Glück unter den französischen „Kulturmisfionen" begünstigt gewesen ist die von Tonkin und Annam in Ostasten. Die Okkupation dieser Gebiete kostet enorme Summen, die blutigen Gefechte nehmen kein Ende, und man fühlte deshalb in Paris das Bedürfnis dieser „Zivilisationsaufgabe"
und wie Ange auch spart und haushält, auf die eine oder andere Weise stellt es sich immer so, daß man vom Kapital Ende des Jahres zulegen muß.
„Als Deine Schwester mich alten Knaben mit den beiden halb erwachsenen Kindern nahm, hat sie wohl einen recht dummen Streich gemacht. Ihr b iden gefeierten Schönheiten hättet bessere Heiraten schließen können; aber das Herz läßt sich von dem Verstand 'mal nicht dreinreden, was?"
Oberst von Schöneich knipste eben mit Daumen und Zeigefinger ein Faserchen von seinem Beinkleid ab und zog dazu das rechte Knie in die Höhe.
Es entging ihm dadurch der Gesichtsausdruck seiner Schwägerin, dieses flüchtig bittere Zucken der stummberedten Lippen. Als er das Fädchen entfernt hatte und aufblickte, trug das schöne Gesicht die gleichmäßig ruhige, stolze Verschlossenheit, die diese Frau so undurchdringlich und unnahbar machte
„Was ich sagen wollte, liebe Ada, Du mußt Dich schnell bereit machen/
»Wozu?"
„Natürlich mit mir zu kommen. Ich verzögere meine Rückreise um ein paar Stunden. Du kannst doch bi» morgen Abend zum Schnellzug Dich reisefertig halten?"
„Du guter Mensch!" Ada war aufgestanden und hatte die Hand ihm liebkosend auf den Arm gelegt. „Das sieht Dir braver Seele ähnlich. Dem ersten warmen Impuls Deines Herzens folgend, fragst Du nicht, was Dir daraus entstehen muß. Hast Tu bedacht, was es heißt, mich mit meinem befleckten Namen in Dein Haus nehmen? Du in Deiner hervorragenden Stellung, auf den aller Äugen gerichtet sind, sollst als nahe Verwandte eine unter Deinem Dach beherbergen, deren Namen durch die Zeitungen leider eine traurige Berühmtheit weit
durch Begin» einer passenden neuen etwas »«ehr Glorie zu verleihen. Den französischen Besitzungen in Ostafien benachbart ist das kleine Königreich Siam, und dasselbe bestand eher, bevor die Franzosen in Ostafien waren. Was macht das aber aus? Die Franzos« haben doch große Landansprüche an den König von Siam, sie haben vor allen Dingen auch die Rechte der modernen Kultur zu vertreten, und so stellen sie Forderungen, welche zwar bei Leibe nicht eine Annektion heißen sollen, denn ein moderner Kulturstaat übt auch weitentlegenen kleinen Staatswesen gegenüber immer Treu und Redlichkeit, aber doch derart beschaffen find, daß dem Königreich Siam alle Lebensadern abgeschnitten werden, und es willenlos den französischen Nachbarn in die Arme fällt. Die Sache hat also auch hier wieder eine» schönen Namen, aber im Prinzip ist das ganze Vorgehen gegen Siam abermals der gemeinste Landraub, den man sich nur denken kann. Den Parisern gefällt das Stück, und sie klatschen stürmisch Beifall; aber daß sich das Deutsche Reich mit gutem Rechte altes deutsches Land wiedergenommen hat, das will ihnen absolut nicht einleuchten. Dem ftanzöstsche» Vorgehen sehe» die Engländer mit neiderfüllten Mienen zu, gar zu gern hätten sie den fetten Bissen ausschließlich für sich gehabt. Die englische Regierung sagt auch, sie werde niemals dulden, daß Frankreich die Unabhängigkeit des Königreiches Siam antoste. Das klingt doch einfach komisch, und auf gut Deutsch, das mitunter etwas derb klingt, aber den Nagel doch auf den Kopf trifft, kann man nur sagen: Wie will ein Spitzbube dem anderen das Stehlen verbieten?
. Deutsches Reich.
W. Nerkirt, 21. Juli. Die kaiserlichen Majestäten trafen am Mittwoch Abend in Tull- garu ein, begleitet von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Schweden (einer Cousine unseres Kaisers), welche der „Hohenzollern" entgegengefahren waren. Der Kaiser trug schwedische Admiralsuniform, der Kronprinz von Schweden deutsche Generalsuntsorm. An der Landungsbrücke hatte sich eine dichtgedrängte Menschenmenge eingefunden, welche die fürstlichen Herrschaften lebhaft begrüßte. Während die Majestäten die Landungsbrücke passierten, streuten junge Mädchen Blumen. Der Kaiser und die Kaiserin haben bei dem Kronprinzenpaare auf Schloß Tullgarn Wohnung genommen. Ihr Aufenthalt daselbst wird bis Sonnabend Nachmittag währen. Am Donnerstag erledigte der Monarch die eingegangenen Posten
und breit erhalten? Lieber Wolff, das erträgst Du nicht, Du mit Deiner empfindlichen Standesehre, der schon ein spöttisches Achselzucken über einen der Deinen zu viel wäre! Lieber Wolff, Du Überschätzt Dein eigenes Ertragungsvermögen, wenn Du glaubst, es kränke Dich nicht, wenn man in Deinen Kreisen mich kühl behandelt ober gar schneidet Ich bin Dir sehr, sehr dankbar für die freundliche Ab sicht, aber ich darf keinem von Euch mit meiner Person mehr lästig fallen."
Der Oberst war hastig aufgesprungen und schüttelte heftig erregt ihre Hände.
„Du darfst so nicht sprechen, es muß sich irgend ein Ausweg finden Glaubst Du, ich wüßte nicht, daß Du völlig schuldlos an all dem Schrecklichen bist, und daß die Entdeckung Dich nicht weniger überraschend getroffen hat als alle Welt? Ich kenne Dich genug, Du Stolze, Reine, um zu wissen, wenn Du eine Ahnung davon gehabt, hättest Du lieber Salz und Brot gegessen als teilgenommen an diesem sündhaften Treiben hier."
Er machte eine Handbewegung über die luxuriöse Einrichtung hin, und seine scharf gezeichneten Augen- hrauen zogen sich finster zusammen.
„Wir wollen das Geschehene ruhen lassen, lieber Wolff," bat sie sanft. „Nicht Du noch ich vermögen daran zu ändern; was aber in meiner Kraft steht, es nicht auch Euch fühlbar zu machen, das soll selbstredend geschehen. Jeder persönliche Verkehr muß nun ganz und gar zwischen uns aufhören, damit Ihr nicht auch unter dem Brandmal zu leiden habt, das ich tragen muß "
„Tragen muß? Giebt es keine Mittel dagegen?"
Er stand still Er ergriff wieder Adas beide Hände und blickte ihr tief forschend ins Gesicht.
und nahm die regelmäßigen Vorträge entgegen. Abends erschien König Oskar von Schweden zum Besuch. — Daß der Staatsscftetär des Reichsschatzamts, Frhr. v. Maltzahn, beim Kaiser seinen Abschied erbeten hat, wftd auch dem „Reichsboten" bestätigt. Der Grund dieses Schrittes liegt, wie das Blatt zuverlässig hört, in dem Umstande, daß nach dem Verlaufe der Reichstagsverhandlungen über die Militärvorlage auf die Heranziehung des Bieres für die Kosten der Heeresverstärkung verzichtet werden muß. Frhr. v. Maltzahn hegt die Ueberzeuguug, daß die Beschaffung der nötigen Mehreinnahmen ohne Heranziehung des Bieres zwar möglich ist, daß sie aber die Uebelstände des jetzigen Steuersystems eher vermehren, als vermindern würde. Der Erhöhung der jetzigen norddeutschen Biersteuer giebt derselbe um deswillen den Vorzug vor anderen Steuerquellen, weil sie leistungsfähigere Steuerzahler treffen würde, als z. B. die Branntweinsteuer, und weil bet der Biersteuer Süddentschland wenigstens nach der Kopfzahl mitsteuern muß. Wer Nachfolger des Frhr. v. Maltzahn wird, steht noch keineswegs fest; sein Rücktritt wird wahrscheinlich erst im Herbst perfekt werden. — Wie schon vor einigen Tagen angedeutet, steht der Rücktritt des Kriegsministers General v. Kaltenborn-Stachau für die nächste Zeit ebenfalls bevor. Eine Bestätigung dieser Nachricht wird darin gefunden, daß der Abschluß zwar dem Reichskanzler ein sehr warmes kaiserliches Danktelegramm eingetragen hat, daß aber der Kriegsminister völlig übergangen wurde. Thatsächlich hat auch die ganze Arbeit fast allein auf den Schultern des Reichskanzlers geruht, der in der Kommission und im Plenum des Reichstags unermüdlich seine ganze Kraft für die Mtlttärvorlage einfetzte. Der Krieg? mim fier beobacht,te dagegen eine auffällige Zurückhaltung. Wenn bereits eine Reihe von Namen genannt wird, die für den Posten eines Kriegsministers in Betracht kommen, so die Generäle Edler v. d. Planitz, Vogel v. Falckensiein, Oberhoffer, v. Bock und Po lach, so hat man es wohl nur mit Vermutungen zu thun. — Zu den deutsch-russischen Handelsvertragsverhandlungen wird der „Schles. Zig." aus Petersburg gemeldet: Die in Petersburg eingetroffene deutsche Antwort geht dahin, daß Deutschland in eiuzelnen Punkten ein wetter- gehendes Entgegenkommen von Seiten Rußlands erwartet; ferner, daß die Reichsregierung bereit ist, in mündliche Konferenzen über den Handelsvertrag einzutreten, daß aber an das Einbringen einer bezüglichen Vorlage in den Reichstag vor Anfang
„Als Du vor zwölf Jahren Dich dem jungen, flotten Lebemann versprachst, habe ich innerlich verwundert wohl den Kopf geschüttelt; es stimmte so wenig zu Deinem ganzen Wesen, daß Du, die Gediegene, nach innen Lebende, gerade diesen leichtlebigen, eitlen, nichtssagenden Menschen aus den vielen Bewerbern herauswäbltest. Aber über Geschmacksachen läßt sich nicht streiten, und ich, dem er kein sehr willkommener Schwager war, hatte ja gar kein Recht, mit hineinzureden, da Du nicht einmal dem Einspruch des Papas Gehör schenktest. Ich dachte, die augenscheinliche Gutmütigkeit, vielleicht das hübsche, regelmäßige Gesicht mit den schönen Farben hätten's Dir angethan; denn daß Dich sein Reichtum lockte, hat wohl die Welt geglaubt, aber nie die, welche Dich näher kannten."
Ada schloß einen Moment, wie vom Schwindel erfaßt, die Augen.
„Laß doch die Vergangenheit ruhen, ich bitte Dich," wehrte sie nochmals mit matter Stimme.
„Ich muß darauf zurückkommen, um Dir zu sagen, was gesprochen werden muß. Die Bethörung, wenn sie überhaupt bestanden, — und manches Mal hat mir Deine kühle Zurückhaltung gegen van der Brünken Zweifel selbst an dieser erweckt, — muß in dem Moment verrauscht sein, wo Du die schreckliche Entdeckung machtest. Ich möchte Deine Gefühle schonen, keine harten Worte gebrauchen, aber es muß jetzt klar zwischen uns werden. Du bist Deines Vaters Tochter ganz und gar. Ich kenne Dich genug, um zu wissen, daß bei Dir mit der Achtung zugleich die Liebe dahin war. Wende Deinen Kopf nicht ab, Ada, Du mußt mir Rede stehen. Liebst Du Deinen Mann nach alledem, was geschehen, noch? Kannst Du in der Zukunft ohne Grauen an ein Zusammenleben denken?"