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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expeditwn^ Martt"L1i" *“ 3RartOT8‘
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lker herabzusetzen.
Die Vaterlandsliebe des
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aße dreist, wenn das genannte Blatt zum Schluffe eit: „In einem Punkte aber sollte füglich jeder- n (!) nach dem Beispiele des Auslandes handeln, der Abneigung, die Vaterlandsliebe und den Ge
fion des eigenen Volkes zum Besten fremder
anzöfischen Kammer an Patriotismus gefehlt und ß die Volksvertretung seit einem Menschenalter HeereSzwccke mehr bewilligt hat, als eine ablute Regierung aufzuwenden den Mut gehabt Die „Voss. Zig." übersieht in ihrem Eifer,
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die Volksvertretung, die jenen von dem Blatte ItMühmten Patriotismus bewies, dies gegen die " men der Parteigenossen der „Voss. Ztg." that.
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«tschen Volkes ist von niemandem herabgesetzt lerien; daß aber der Patriotismus der Freisinnigen chaus zweifelsohne fei, wird auch die „Voss. Ztg."
aller dialektischen Kunststücke nicht nachzuweiscn ögen. Mit „patriotischen Phrasen" allein ist nicht gethan.
zeichnung „Handels- und Gewerbekammern" aus. Ja die Bezeichnung ist recht nett; aber es ist eben auch nur eine Bezeichnung; tatsächlich hat Handwerk und Kleingewerbe recht wenig von solchen „ge- mischten" Vertretungen. Man lese doch nur die Erörterungen von beteiligter Seite über diese neue Institution, mit der in Baden eine, wie jetzt schon feststeht, mißlungene Probe gemacht worden ist! Handel und Gewerbe und dazu womöglich noch Landwirtschaft kann gegenwärtig nicht gemeinsam vertreten werden. Erst wäre doch die gleiche Grundlage zu schaffen, auf der eine solche Vertretung eingerichtet werden könnte. Zur Zeit dominiert der Handel, und die Interessen des Handels sind heute nicht diejenigen des Gewerbes und noch weniger die der Landwirtschaft. Wollte man alfo einer gemeinsamen Organisation heute das Wort reden, so hieße das nichts anderes, als die Börse und den Großhandel zu unumschränkten Meistern der Situation zu mache». Theoretisch hat Fürst Bismarck mit seiner Aeußerung wie gesagt vollkommen recht; allein er selber hat während seiner Amtsführung doch in der Praxis ganz anders zu den Handels- kamwersekretären gesprochen als am Sonntag io Friedrichsruh. Und in demselben Maße wie früher das Auftreten Bismarcks gegen die freihändlerischen Handelskammern von der Bevölkerung begrüßt worden ist, wird man seine letzten Aeußerunge», n denen er ferner auch noch unserem Lande zehnmal mehr Millionäre, als wir haben, wünscht, kopfschüttelnd und verwundert vernehmen.
graphisch übermittelt. — Der Reichstag hat am Donnerstag das Schicksal derMilt- tärvorlage entschieden, indem er den entscheidenden § 1, welcher die neue Friedensstärke feststellt, in zweiter Lesung mit 198 gegen 187 Stimmen annahm. Es erfolgt nun noch eine dritte Lesung, doch wäre es sonderbar, wenn diese ein anderes Resultat ergeben würde. Auch der zur Vorlage eingebrachte Antrag Carolath, dem die Reichsregierung gleich- giltig gegenübersteht, wird keine Schwierigkeiten Wetter machen. — Die Budgetkommission des Reichstages hat de» Nachttagsetat bereits angenommen, so daß derselbe heute Freitag genehmigt werden kann. Sonnabend erfolgen dann die dritte» Lesungen, worauf ohne Weiteres der Schluß der Session voraussichtlich am Sonnabend noch eintreten wird. — Der Bundesrat des Deutschen Reiches hielt Donnerstag eine Plenarsitzung ab. Auf der Tagesordnung standen nur Verwaltungssachen. — Die „Wirtschaftliche Vereinigung" des Reichstags trat Donnerstag Vormittag vor Beginn der Plenarsitzung behufs endgiltiger Konstituirnvg zusammen. Anwesend waren ungefähr 100 Abgeordnete. Das 10 Paragraphen enthaltende Statut wurde genehmigt. Der Vorstand soll für die Dauer der Legislaturperiode gewählt werden und aus 7— 11 Mitgliedern bestehen. Zur Wahl des Vorstandes soll heute, Freitag, eine besondere Sitzung stattfinden. — Der neuernannte Kaiserliche Gesandte für China Freiherr Schenck zu Schweinsberg ist in Peking eingetroffen. — Der Reichskanzler Graf Caprivi begab sich am Donnerstag ungeachtet der Schmerzen, die er beim Gehen infolge seines Vcnenleidens empfindet, gegen 1 Uhr in den Reichstag. Nach Beendigung der Reichstagsverhandlungen gedenkt sich Graf Caprivi auf kurz« Zeit jur Srhvlulig nach dem Harz zu begeben. Zu den Kaisermanövern hofft er die Anstrengungen der letzten Zeit wieder überwunden zu haben. Für später dürfte noch, wenn der Rat der Aerzte befolgt wird, eine Kur in Karlsbad in Frage kommen. — Die R e v i s i o n des Alters- und Jnvaliditätsversicheruugs- g e s e tz e s, die in den beiden im Reichstage von den Konservativen v. Staudy und Steppuhn und von Zenttumsabgeordncten eingebrachten Anträgen gefordert wird, ist, nach der „Voss. Ztg.", bereits in Angriff genommen. Die Novelle, die in den Grundzügen bereits vorliegt, ist bestimmt, den Hauptmängeln dieses Gesetzes, die sich herausgestellt haben, .abzv- helfen. So z. B. sind Maßnahmen in Aussicht genommen, um in den Fällen, in denen die Rente ab-
Deutsches Reich.
W. 38erfitt, 14. Juli. Unser Kaiser kam am Donnerstag früh vom Neuen Palais aus zu Pferde nach Berlin. Nach erfolgter Ankunft besuchte der Kaiser im Beisein des Gereraladjutanten Grafen Lehndoiff das Atelier des Prof. Begas, um daselbst das lebensgroße Modell zum Kaiser Wilhelms-Denkmal, welches nunmehr in Thon fertiggestellt ist, in Augenschein zu nehmen. Nach längerem Aufenthalt in dem Künstleratelier ritt der Monarch sodaun direkt nach dem Schloß, nahm daselbst den Vortrag des Chefs des MilitärkabiuettS entgegen und empfing den kurz zuvor eingetroffenen bayerischen Kriegsminister v. Asch. Anschließend hieran nahm Se. Majestät militärische Meldungen entgegen. Mittags entsprach der Kaiser einer Einladung des Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg zur Tafel und kehrte sodann nach Potsdam zurück. — Dem Kaiser wurde die Annahme der Militärvorlage sofort nach der Abstimmung tele-
Die Trennung von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft
so äußerte unlängst Fürst Bismarck zu den in drichsruh versammelten Sekretären der deutschen delskammern — halte ich für eine irrige und ährende." Dieser Ausspruch ist zweifellos richtig wohlbegründet. Allein die Trennung ist einmal
Marburg,
Sonnabend, 15. Juli 1893
Erscheint täglich mßer ec Werktage» »ach e«m» uü> ■_/. in i Feiertagen.—Ouartel«AS»mle»mt»-PreiI bei der Expe-
JwQ, 164. Vitia» ä Mk>, bei alle» PastSmtern 8 Rk. 86 Psz. (rxll.
Bestellgeld). Juseratianggebühr für die aefpaltrse Zeile »der deren Raum 10 Pf-., Reklamen für die Zeile 85 Pfz.
geändert oder entzogen wurde, das Interesse des Empfängers mehr, als bisher, zu berücksichtigen. Auch einer Verzögerung von Entschädigungsansprüchen soll vorgebengt werden. ES wird beabsichtigt, der angerufenen Genoffenschaft die Verpflichtung aufzuerlegen, der zuständigen Genoffenschaft, wie dem Geschädigte» die geeigneten Mitteilungen zu machen. Wahrscheinlich wird man sich auch für eine Vereinfachung des Schiedsgerichts wesens entschließen. — Der preußische Eisenbahnminister hat, nachdem aus den Kreisen der Mühlenindustrie von vielen Seiten über die schädigende Wirkung der auf den Staatsbahnen für Mühlenfabrikate eingeführten Staffeltarife Beschwerde geführt und eine Abänderung dieser Tarife beantragt worden ist, eine Erörterung der einschlägigen Fragen im Kreise einer Anzahl von Interessenten aus verschiedenen Landesteilen ermöglicht. Die Konferenz fand Donnerstag im Sitzungssaale des Eisenbahnministerinms statt. — Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Rußland und Oesteneich-Ungarn gestalten sich anscheinend günstig. Man hofft auf eine Vereinbarung. — Auch Italien hat jetzt an der Zanzibarküste Gebiet erworben: Der Sultan hat dem Staate Italien die Verwaltung der Häfen und das Gebiet von El Benadir provisorisch auf drei Jahre überlasten. — Tie „Nordd. Allg. Ztg." weist die von verschiedenen Seiten vorgebrachten Behauptungen, der bayerische Leutnant von Volckamer sei bei seiner unglücklichen Expedition ins Hinterland von Kamerun im Stich gelassen, zurück. Volckamer hat gewußt, was er zu erwarten hatte, und ist zu unbesonnen vorgegangen, ohne daß Grund hierzu vorlag. — Aus Samoa kommen weitere Berichte, die den sehr nahen Ausbruch der FeindseUaki-tt-n propyezeren. stontg Maltetoa hat etwa dreimal so viel Soldaten, wie fein Gegner Mataafe, doch scheinen des letzteren Leute kriegstüchtiger. Die deutschen Kriegsschiffe „Bussard" und „Sperber" liegen vor Apia zum Schutz der deutschen Unterthanen. — Das deutsche Kanonenboot „Wolf" ist nach Siam beordert.
— (Handelskammer in Elberfeld.) Einen erfreulichen Gegensatz zu den Anschauungen, welche für gewöhnlich in den Berichten der Handelskammern zu Tage kommen, bilden die Auslassungen der Handelskammer von Elberfeld für das Jahr 1892. Der Herr Reichskanzler huldigt bekanntlich der Ansicht, daß Deutschland ein Industriestaat sei und daß die Landwirtschaft erst in zweiter Linie stehe. Wer auf diesem Standpunkt steht, muß, will er
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler in „
Srankfnrt <u SOL, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAVlII. JahlS Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München m Köln; Gi L. v ’ ö
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
rda. Mv'erer Opposition das Verhalten der französischen * Hwnur bei den Beratungen über das neue Cadre- zksktz als Muster vorgeführt wird. Wie verschiedene * Zeitungen melden, war es der Kaiser selbst der dem => Keichstagspiäfidium gegenüber darauf hingewiesen
;Sen n diesem Patriotismus also hat der Fortschritt (433jnib Freisinn keinen Anteil; es ist darum in höchstem
W hat, daß es bei Heeresvorlageu in Frankreich keine • Uhr । Opposition gäbe. Nun schreibt das genannte Organ Ker Berliner Demokratie: „Wenn man unbefangen '$e wollte (!), dürfte man zugeben, daß es dem > alle ^Deutschen Reichstage so wenig wie irgend einer
oder ichter.
Der „Patriotismus" des Freisinns, 'mfa Tie „Voss. Ztg.", die seit Jahren schon in dem siageÄ «genehmen Bewußtsein schwelgt, daß der gegen« (43< »artige Reichskanzler den Freisinn nicht mehr, wie r-p jtiu Vorgänger es gethan, als „reichsfeindlich" be- trachtet, ist nieder einmal darüber entlüftet, daß
, «Händen, sie ist durch die Gewerbefreiheit herbei ohu e isühit, nun soll sie wieder aufgehoben werden ? ltädch« ürst Bismarck sprach sich sympathisch über die Be- ründli —
beste»
Durch Wolken.
(Fortsetzung.)
«int worden, irgendwo unter fremdem Namen
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(433
Erzählung von 9h Widder».
(Nachdruck verboten.)
.In Deutschland, wohin sie ihr Weg selbstver- lomwUndlich auch geführt, hatte er den Vater Graf erfr.J kido Treudens kennen gelernt, ihm vertraute er (43» men Wunsch an, die Gattin, welche sich wieder --- bittet fühlte und auch mit ihrem ältesten Kinde
Der stets liebenswürdige alte Herr machte ihm
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4 103.
*e» Kinde» wiederzukommen. Aber eS geschah
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;rg, \ einem stillen, weltabgeschiedenen Ort unterzu- ingen.
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j «Gott, Allmächtiger, nach der Netterburg! In 8. 62‘i l kleine Häuschen!" rief Margot, den Fürsten 8i IL* ^brechend, wie außer sich.
8 • Aber eine gebieterische Handbewegung des alten
en zwang sie zum Schweigen.
»Ich bitte, weiter zu hören!" sagte er und fuhr $ fort: „Eine zeitlang blieb mein Sohn auch Netterburg noch bei ihr — eine Tochter wurde ;iioi<« geboren und er mochte e» wohl doch nicht über 96Ü *Herz bringen können, die Arme in den schweren 11O2£ egen allem zu lasten. Aber als das kleine Wesen i b Wochen alt war, reiste er ab — das Ver
icofj to auch den Vorschlag, Louison, welche, ttotzdem /4 87 t die rechtmäßige Gattin meines Sohnes war, 'i ch nirgends von ihm auch als solche vorgestellt ? 87£k, nach seinem Stammgut Netterburg zu ge- ,* 1o7ii äen, wo sie in einem kleinen, expreß für sie neu s9-i ^richtenden Häuschen Wohnung nehmen sollte s 102’1 Die junge Frau mußte wohl mit dem getroffenen <i kravgement einverstanden sein und so führte mein
anders. Er wandte sich ohne alle Umwege direkt nach Petersburg, wo damals gerade die eben aus einer französischen Pension heimgekehrte Tochter des Fürsten Gregor Baltuschew, Natalie, das gerechtfertigste Aussehen erregte. Das berückend schöne, liebenswürdige und auch edle Mädchen war die Löwin der vornehmen Petersburger Gesellschaft. Auch mein Sohn spannte sich sofort vor ihren Triumphwagen und unter Nataliens Augen vergaß er treulos Gattin und Kinder Ahnungslos, daß er gebunden, redete ich ihm zu, um die Prinzessin zu werben. Er that es, der Unselige. Aber er schrieb auch an seinen Rechtsbeistand in Deutschland und band ihm ein phantastisches Märchen auf von einem falschen Priester, der ihn und Louison ver Kunden, von einer Ehe, die gar keine kirchlich sanktionierte gewesen, und beauftragte den Notar, feine „Maittesse", er hatte wirklich den Mut, Louison so zu nennen, zu vermögen, mit ihren Kindern, die illegitim geboren, über den Ocean zu gehen. Aber die junge, tiesbeleidigte Frau wies dieses Ansinnen enttüstet zurück — sie glaubte auch kein Wort von jener, mit wenig Talent ersonnenen Geschichte und wollte sich ihr Recht suchen, ttotzdem mein Sohn sie vorsorglich jedes Legitimations- papieres beraubt.
Louison verließ ihr Asyl auf der Netterburg, den Sohn in das Pfarrhaus gebend, zur vorläufigen Unterkunft, während sie das kleine, noch immer un- getauste Töchterchen mit sich auf die Reise nahm. Sie führte sie wett weg, direkt in das Polenland nach Warschau, um dort ihre Zwillingsschwester auf. zusuchen. Auch Beattix war unglücklich.
Dimttri Gregoroff war politischer Umtriebe wegen nach Sibirien geschickt worden und hatte sie und ein nach langer kinderloser Ehe spätgeborenes
Töchterchen allein und hilflos überlasten. So sahen sich die beiden Schwestern wieder, aber aus dem ersten Blick in das Gesicht Louisons wußte Beatrix, daß die Teuere, Langentbehrte den Todeskeim in sich trug. Und wirklich, der Kummer hatte die Lebenskraft in dem zarten Geschöpf geknickt, sie starb, kurz nachdem Beatrix ihr Kindchen verloren hatte, und hinterließ — als heiligstes Vermächtnis — der Schwester die kleine Tochter, die nun endlich auch getauft worden und den Namen Margot erhalten hatte."
„Herr Gott, ich ahne!" Wie ein Hauch nur war es über die Lippen des atemlos lauschenden Mädchens gekommen; dennoch aber hatte der Fürst die Worte verstanden und ihr plötzlich die Hand entgegenstreckend, rief er:
„Ja ahnen Sie, ahnen Sie wirklich alles, alles das, was mir mein unglücklicher Sohn, der verwitwet und kinderlos gestorben, auf seinem Totenbett gestanden und ich zur Ergänzung noch von meinem Rechtsbeistand, der ein halbes Jahr hin. durch durch aller Herren Länder gereist, um mit Hilfe der findigsten Detektivs Licht in die Angelegenheit zu bringm, erfahren habe?"
Und sich nun in seiner ganzen Höhe auftichtend, stand die stolze Greisengestalt plötzlich vor dem jungen Mädchen:
„Ahnst Du es wirklich," sagte er, „daß der Großvater vor Dir steht und Du die Trägerin eines der vornehmsten russischen Namen bist?"
„Ich ahne es — ich weiß es," stammelte Margot, dann sank sie plötzlich vor dem Greise in die Kniee und wie ein Jubellaut klang e» über ihre Lippen: „Großvater!" —
Er aber hob sie an seine Brust. Bewegt küßte er ihre Haare, ihr Gesicht.
Und dann, was geschah dann?
Sie wußte es selbst kaum: Wie in einem Traum fühlte sie sich, wie in einem Märchen. Sie konnte es nicht faffen, nicht glauben, daß plötzlich — unerwartet die Schranken niebergeriffen, die sie von dem heißgeliebten Manne trennten und sie als eine Ebenbürtige vor ihm stand. Und doch, Gräfin Anna nannte sie immer und immer wieder „unsere kleine Prinzessin!" Und als Gras Guido auch endlich in den Kreis trat, da beglückwünschte er sie ebenfalls tiefbewegt zu dem unverhofften Wechsel ihres Geschickes Aus der Tochter der entlaufenen Strafgefangenen wurde sie die Enkelin eines der reichsten russischen Fürsten, eines vielfachen Millionärs!
Es mußte Margot verwirren! Immer wieder faßte sie sich an die Stirn, um ihre Gedanken zu sammeln, dann aber raffte sie sich, wie der Großvater wieder feine Erzählung aufnahm, gewaltsam zusammen und versuchte ihm zuzuhören:
„Frau Gregoroff hatte ihrer sterbenden Schwester heilig angelobt, alles zu thun, um die Rechte ihrer Kinder zu wahren, aber sie leistete einen Schwur, diesen Kindern nie ihre Herkunft zu verraten, sollten ihre Bemühungen erfolglos bleiben, und das blieben sie leider. Die kleine Kirche, in der das Paar getraut, war mit den Kirchenbüchern zugleich einem großen Ortsbrand zum Opfer gefallen — der alle Geistliche, der die feierliche Handlung vollzogen, gestorben, ebenso sein Küster — die Zeugen verzogen, man wußte nicht wohin, und als Beattix sich an meinen Sohn wandte, erklärte derselbe die Aus- sagen der Gattin für irregeleitete Phantasie, Louison fei nie etwas anderes gewesen al» seine Geliebte. Damit war die Sache abgethan."
(Schluß folgt.)