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Son dieser Komwisfionsberatung scheint wan indessev absehen zu wollen, da fle als überflüssig erachtet wild, und damit würden die Reichstagsverhandlungen

erster Vizepräsident, Dr. Bürklin (natlib.), zweiter Lizepräfident, gewählt worden ist, soll schon am vor­letzten Tage dieser Woche mit der Beratung der Militärvorlage begonnen werden, deren drei Lesungen dann in etwa zwei Wochen längstens beendet sein würden. Wie sich die Mehrheit für die Militärvor­lage gestalten wird, muß dahin gestellt bleiben; daß sie herauskommen wird, unterliegt keinem Zweifel.

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Tiefen Eindruck haben in Reichstagskreise» besonders die kurzen, aber vielsagenden Worte gemacht, welche der Kaiser nach Verlesung der Thronrede dem offi­ziellen Text derselben ansügte. Die Reichsboten find von vornherein außerordentlich zahlreich zur neuen Session des Reichstages herbeigeeilt, und eS ist also keinerlei Störung der Verhandlungen durch Beschluß- unsähigkeit des Hauses zu befürchten. Mag alles zum guten Ende kommen!

Beim Zusammentritt des Reichstages ist der preußische Landtag nach fast achtmonatlicher Sesfions- dauer auseinandergegangen. Finanzminister Miquels Steuerreform, das Hauptarbeitspensum dieser so langen Session ist glücklich geborgen, und Herrn Miquel ist damit gelungen, womit sich vor ihm schon mancher preußische Ftuanzminister vergebens abge­müht hat. Ist auch wohl noch nicht alles tadellos, die preußische Steuergesetzgebung ist doch aus der Versumpfung herausgerissen, in welche sie geraten war und in der sie unrettbar zu versinken drohte. Ein kaiserliches Dankschreiben und die Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens sind dem Finanzminister aus diesem Anlaß zu Teil geworden. Tie Thronrede, mit welcher der Kaiser einen Tag nach der Reichstagseröffnuvg den Landtag im Weißen Saale, des Berliner Schlosses verabschiedet hat, be­schränkt sich in der Hauptsache darauf, die Resultate ter verstrichenen fünfjährigen Legislaturperiode zu­sammenzufassen. Beachtet ist aber auch, daß der Landwirtschaft ganz besonders der kaiserliche Schutz zugesagt worden ist. Der Kaiser wird bis zur Ent­scheidung des Reichstages über die neue Militär- vorlcge im Neuen Palais bei Potsdam verbleib-w. Tie Nordlandreise ist, da die Zeit zu weit vorgerückt ist, ganz aufgegeben. In Potsdam hat der Kaiser auch den zehnten Geburtstag seines zweitältesten Sohnes, des Prinzen Ettel-Friedrich, der an diesem Tage als Leutnant in die Armee eintrat, begangen.

Es ist seit stverst Südlich, daß vor dem Zusammen­tritt des Reichstages alle übrige innere Politik in den Hintergrund getreten ist, zumal wir uns schon in einer Jahreszeit befinden, in welcher sonst alle und jede Politik Ferien zu haben pflegt. Von den Wahlen find noch einige Nachklänge erörtert, einige Parteizwistigkeiten, die sich aus den Wahltagen her­schreiben, find noch auszutragen versucht, aber es ist nicht viel dabei herausgekommen, weil die eigent­liche Aufmerksamkeit fehlte. Aus unseren Schutz gebieten in Afrika und in der Südsee liegt gor nichts neues vor, und dieser Mangel an Neuigkeiten, die nur zu oft nicht die schönsten waren, ist das

täuscht gesehen, wie der, welcher in der kaiserlichen Thronrede zur Parlamentseröffnung besondere lieber« raschurigen erwartete. Nichts davon ist eingetroffen: Die Thronrede, welche unser Kaiser unter den üb- llchen Feierlichkeiten am Dienstag Mittag im Weißen Saale des Berliner Schlosses verlesen hat, spricht pch »ach allgemeinem Urteil in der äußeren Politik überaus friedlich, in der inneren sehr sachlich und versöhnlich au?. Die Thronrede sagt, daß unsere auswärfigen Beziehungen durchaus freundliche und von aller Trübung freie find; sie konstatiert dem­gegenüber allerdings von Neuem die unbedingte Not veudigkeit der deutschen Heeresverstärkung, da unsere militärische Krast gegenüber der deS Auslandes nicht genüge, aber fie fleht davon ab, das Ergebnis der Neuwahlen einer Besprechung zu unterziehen, oder für die Zukunft bestimmte Ankündigungen zu machen. Die verbündete» Regierungen halten daran fest, daß im Interesse des von uns schon Errungenen, der Wahrung der Weltstellung des Deutsches Reiches und der Erhaltung des Friedens die Verwirklichung der neuen Armeereform notwendig ist, und wollen dieselbe mit Hilfe des Reichstages thunlichst bald zur Durchführung bringen. So liegen die Dirge, über das Weitere wird der Reichstag entscheiden, und zwar, wie allgemein angenommen wird, recht bald. Bisher hieß eS bekanntlich, die der Beratung der neuen Militärvorlage geltende Session werde etwa vier Wochen umfassen, womit eine abermalige Kcm-

daß er mit aller Entschiedenheit die Ruhestörungen unterdrücken werde, und die Kammer hat ihm darin beigestimmt. Die Regierung hat es aber doch nicht gewagt, einen zweiten Strauß, der ihr drohte, durchzufechten. Die Pariser Arbeitervereine haben ein gemeinsames Versammlungshaus in der Arbeiter­börse, welche die Regierung schließen lassen wollte, weil nicht alle Vereine den gesetzlichen Vorschriften vachgekommen waren. Die Antwort hierauf war die Drohung mit offenem Widerstand, und gegen die Arbeiter und den Pöbel es aufzunehmen, hat die Regierung denn doch nicht die Courage gehabt. Die Arbeiterbörse ist offen geblieben, und die ob­waltenden Streitfragen sollen aus dem Zivilwege entschieden werden. In der auswärfigen Polfiik Frankreichs hat sich der Zwist mit dem ostastatischen Königreiche Siam ganz erheblich zugespitzt, und eS wird wohl zu einer französischen Expedition gegen Siam kommen.

Ans den übrigen Staaten ist nur wenig mitzu­teilen. In London hat man die Hochzeit des Thron­folgers, des Herzogs von Aork, gefeiert, und darüber ganz die traurige Katastrophe des Panzerschiffes Viktoria" vergessen. Festgestellt ist übrigens, daß die Schuld an dem schweren Unglück der Geschwader­kommandierende Admiral Tiyon selbst hatte. Er befahl die verhängnisvolle Schwenkung, in deren Folge der Zusammenstoß derViktoria" mit der Camperdown" stattfand. Auch der junge Khedive Abbas von Aegypten ärgert die Engländer von Neuem, es find Nadelstiche, aber diese thun am Ende auch weh. Seine neuste Leistung ist ein Gesuch an den Sultan, die englischen Truppen am Nil durch türkische zu ersetzen, und den britischen Gesandten abzuberufen. Natürlich wird daraus nichts, aber geärgert hat man in London sich doch, und zwar tüchtig. In Rom spielt das neue Bankgesetz in dm Verhandlungen der Deputiertenkammer immer noch eine große Rolle, und der Minsterpräfidcnt Giolittt muß alle Mühe sich geben, das Gesetz durchzudrückm. In Rußland bereitet sich der Zar auf seine alljähr­liche Reise nach Kopenhagen vor. Der Aufenthalt daselbst soll diesmal etwas langer als gewöhnlich dauern und sich bis in den Herbst erstrecken.

Beste noch, was uns passieren kann. Detaillierte Berichte über einige kleinere Gefechte im vorigen Herbst, welche jetzt noch unterbreitet worden sind, sind zum Glück schon etwasantiquiert" und brauchen uns keine besondere Kopfschmerzen mehr zu machen.

War es bei uns trotz der Reichstagseröffnnvg doch im Allgemeinen still, so haben die Franzosen um so gründlicher dafür gesorgt, daß auch zu den Huvdstagszeiteu das nötige geben in dieeuropäische Bude" kommt. Paris hat eine Reihe von netten Tagen durchgemacht, wie sie eben wirklich nur au dir Seine menschenmöglich find.Kleine Ursachen, große Wirkungen", diese Worte kann man auch als Ueberschrift für die letzten Pariser Ereignisse bestellen. In kurzen Worten auscinandergesetzt, liegen die Dinge folgendermaßen: Im letzten Karneval hatten in Paris mehrere Künstlerbälle stattgefunden, auf welchem es doch etwas gar zu locker herging. Der Senator Berenger, Präsident eines Vereins zur Bekämpfung der Unsittlichkeit, hatte hierauf gegen die Arrangeure dieser Festivitäten den Strafantrag gestellt und in diesen Prozeffen sind jetzt die Er­kenntnisse gefällt. Sie lauteten auf ganz kleine ©trafen, die noch dazu niedergeschlagen wurden. Die Verurteilten und ihr ganzer Anhang ergrimmten aber gewaltig, sie fanden noch Unterstützung bei der zu allen tollen Streichen aufgelegten Pafiser Studenten­schaft, die ftischweg behauptete, man wolle dem jungen Paris" sein Vergnügen stören, und so brachte man dem Senator Börenger eine gewaltige Katzen­musik. Hier entstand Skandal, es kam zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, und im Tumult wurde ein junger Mensch getötet. Nun war die Sache fertig, man schrie, die Polizei sei ein Mörder­institut, die Presse stieß ins Horn, die Deputierten- kawmer schlug Lärm und der Premierminister Dupuy konnte sich nur durch die Versicherung, die Schuldigen streng zu bestrafen, retten. Von einer Bestrafung der Tumultuanten war keine Rede, der Uebermut der Letzteren, in denen allmählig alles Pariser Ge­sindel die Mehrheit erlangt hatte, wuchs ins Unbe­schreibliche und es kam zu Banikadenbauten in den Straßen und blutigen Zusammenstößen, in welchen es Hunderte von Verwundeten gegeben hat. Der Spektakel ist so arg geworden, daß am Ende nichts übrig blieb, als alle zur Verfügung stehende Kavallerie in die Stadt zu ziehen. Das hat gewirkt. Denn wenn auch noch genug Lärmszenen und Rempeleien vorgekommen sind, die Menge hat doch keinen that- sächlichen Widerstand mehr gewagt. Zn gleicher Zeit hat der Ministerpräsident Dupuy bekannt gegeben,

1 8 Uh Uhr,

Wochenschau.

Der deutsche Reichstag, der aus der Asche der

Deutsches Reich.

W. 31 erlitt, 7. Juli. Unter allen Abgeord­neten herrscht nur eine Stimme darüber, daß der Kaiser bei der Reichstagseröffnung außerordentlich wohl und gesund ausgesehen hat, und dies wurde

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bnreanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt tu M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

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Marburg,

Sonntag, 9. Juli 1893

(4 ein ganz anderes Gesicht bekommen. Nachdem das isrlskL Präfidinm der Volksvertretung in Person der Herren I. von Levetzow, Präsident, Frhr. v. Bnol (Zentrum),

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

*** alb " Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedttwrn Rtarkt^Ll" *

Auflösung in den Neuwahlen wieder erstanden, hat -ch faye Arbeiten wieder ausgenommen. Wer da er- a& al hatte, er werde einen bi8 ins innerste Mark

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Erzählung von M. Widdern.

(Nachdruck verboten^

(Fortsetzung.)

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jiJa, weinen Cie sich nur aus, mein. Kind! !2i/i ^ann aber raffen Sie sich gewaltsam zu dem Ge- ' 8/rt -^fien auf: Der Tod war die einzige Lösung in « Jjefem furchtbaren Dilemma! In einem so großen

* *

Drei Tage darauf wurde die irdische Hülle Beatrix Gregoroffs zur Erde bestattet. Gräfin Anna selbst gab ihr die letzte Ehre, sie fuhr mit der Tochter der Verblichenen im Staatswagen der Retterburg hinter dem blumengeschmückten Sarge her. Und keiner der Bediensteten des Schlaffes fehlte bei dem Leichenbegängnis. An der offenen Gruft aber hielt der warmherzige junge Dorf-

s-ld. » geistliche, der Nachfolger von Elisens Vater, eine '05Z* io ?"beschreiblich rührende Ansprache, in der er auch itw? " die Irrtümer menschlicher Gerichtsbarkeit manch )7s'| Kl freundliches Wort hatte

107,8 B Und als man dann heimgekehrt auf das Schloß,

wv 10 k*e Gräfin mit Margot wieder aus ihrem o Lohnzimmer angelangt war, schlang die hochherzige

J2s/*1C Frau beide Arme um den Hals des Mädchens: roi/4 8Jetzt haben Sie auch Ihre letzten Pflichten $5/<! gegen die Tote erfüllt, mein armes, gehetztes Vögelein,"

10 sagte fie weich,nun fallen Sie mir ganz gehören! 6 3ch werde Sie, wie Ihnen fchan angedeutet, nicht 3 hier lassen unter diesen kalten Menschen, sondern ® Tie mit mir nehmen, zuvörderst auf eine weite IM dann in die Residenz zurück, in der wir S vis bis auf weiteres häuslich einrichten wallen."

10 k Und als Margot die Hände der Gräfin an ihre Lippen drückte und leise schluchzte, da meinte

Frau Gräfin o, ich beklage auch gewiß nicht mehr das Hmscheiden meiner Mutter, weiß ich ja dach, daß sie es sich selbst gewünscht hat spät und früh. Aber auch ich betrauere ihr grausames Schicksal Sie war so schön und so gut, es gab kein edleres Weib als sie! Warum mußte nun ihr gerade ein Gregoraff in den Weg treten 1"

Kind, darüber dürfen wir nicht grübeln, die Geschicke der Menschen liegen in Gottes Hand. Und der Allmächtige droben wird Ihrer Mutter auch ein gnädiger Richter sein."

So sprachen sie lange noch und allmählich hellte sich das Antlitz des jungen Mädchens auf, und als es ruhiger geworden in der jungen Menschenseele, redeten sie auch anderes noch, als nur van dem Tode Beatrix'. Anna erzählte von dem Leben, das sie inzwischen geführt, wie sie ihrem Schützling ein kleines Vermögen mitgebracht, welches ihr dieNonne" eingetragen."

Das Bild hatte auf der Kunstausstellung einen Preis erlangt und war in den Besitz eines reichen englischen Lords Lbergegangen. Und von ihren neuesten künstlerischen Schöpfungen sprach sie auch und ganz zuletzt noch, was sie dach zuerst hätte mit­teilen müssen, auch davon, daß ihre Schwägerin in Italien gestorben sei und der Graf auf einer Reise nach dem Orient begriffen wäre, von der er erst nach einem Jahre zurückkehren werde.

Hier hat das Schicksal auch einen Erlösungs- ruf ergehen lassen," sagte die Gräfin dann und wovon fie nie vorher mit Margot gesprochen, davon sprach sie jetzt:Tie Treuden sind alle unglücklich in ihrer Ehe gewesen," sagte fie,weil man keinem unter ihnen die freie Wahl ließ."

Ich wurde einem ungelübten Manne vermählt, einem Greife, für den ich Jahre lang nur Krankcn-

roärterin war, aber ich achtete den Gatten wenigstens, dessen Namen ich mit Stolz tragen konnte Meinem Bruder ging cs ähnlich wie mir. Noch Knabe, wurde er mit Komtesse Hortense Feldern verlobt beide rebellierten freilich gegen die Beschlüsse der Eltern und keine Menschen-Beredsamkeit hätte später Guido dazu vermocht, von Ihrer Mutter zu lassen, wenn nicht das Schicksal selbst zwischen ihn und seine Liebe getreten wäre. Und Jahre vergingen auch bann noch, ehe er sich dazu entschloß, dem Drängen der Familien nachzugeben und seine Ver­lobte zu heiraten. Er wußte es wohl, daß er un­glücklich werden würde und er ward es auch.

Tie fortwährend kränkelnde Hortense war ein geistloses Wesen, und das Zusammenleben der beiden gestaltete sich zu einer Hölle. So trennten sich ihre Wege ja bald, ohne doch der Welt einen Eklat zu zeigen, berichtete die Gräfin ihrem Schützling weiter.

Die schwache Gesundheit meiner Schwägerin gab ihr triftigen Grund zu einem Aufenthalt im Süden mein Bruder aber konnte nicht andauernd von seinen Besitzungen fern bleiben, das begriff die Ge­sellschaft. Alle Jahre aber reiße er auch einige Wochen zu feiner Gattin, des Urteils der Welt wegen: daß er sich in Wahrheit aber nur aus Stunden in Rom mit Hortense vereinte, erfuhr nie- mand, sollte niemand erfahren. Nun aber ist auch dieses letzte Band zerrissen, zum Glück auch für Hortense, die, immer schwächer werdend, von den Freuden der Welt nichts mehr genießen konnte und doch nicht ohne diese Freuden leben mochte!"

Mit gesenkten Lidern hatte Margot den Worten der gütigen Beschützerin gelauscht, und sie mochte auch nicht aufsehen, als Anna schon lange geendet, fürchtete sie doch, ihre Augen würden ihr innerstes Empfinden verraten, dieses närrische Empfinden!

Was kümmerte es denn sie, daß der Graf kein unfreier Mann" mehr, wenn sie doch die Tochter der Verstoßenen blieb, der Armen, Unschuldigen freilich, von deren Schande aber nichts verwischt wurde, trotzdem eine Gräfin Anna für sie das Wort geführt.

Es war ganz still geworden in dem hohen dämmerigen Gemach, bann endlich erhob sich die Gräfin, ihre lange, schwarze Seidenschleppe rauschte über den teppichbelegten Boden. Sie ging nach dem Klingelzug und gleich darauf schallte der schrille Klang der Glocke durch das düstere Haus mit feinen weiten Korridoren und Gängen.

Der jungen Zofe aber, die mit einer tiefen Ver­neigung in das Zimmer trat, gab die Dame den Befehl, alles für die Abreise vorzubereiten:

Auch in den Gemächern des Fräulein räumen Siel" sagte Anna,morgen mit dem Frühesten werden wir Netterburg verlassen."

Und als die Thür sich wieder hinter der Die­nerin geschlossen, setzte sie hinzu, indem sie Margot ihre Hand auf die Schulter legte:

Und nun wollen wir noch einen Spaziergang machen, mein Kind, damit Sie all den Stellen Lebewohl" sagen können, auf denen Sie gern ge­weilt."

Mit einem tiefen Atemzug erhob sich das junge Mädchen, sie wagte nicht zu widersprechen und doch wäre sie lieber ein Stündchen ganz allein mit ihren Gedanken geblieben! O, diese Gedanken! Wie stürmten sie in ihrem Hirn I Einen Moment faßten sie sie wie in glückseliger Hoffnung, trotz der Mutter Sterben, und dann wieder malten sie ihr die Zu­kunft aus, so öde, so leer, so farblos!'

Arm in Arm hatten die beiden Frauen: die Tochter des stolzen Geschlechts der Treuden und das