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Marburg,
Sonnabend, 8 Juli 1893
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
$ad ,KJ* l$trU1, 3RdMdtU* »b6^ptb"^Jlluftrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und ^pedüwn^ Äartt"si" 3Rer6ui6‘
Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition dieses Blattes,
sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler in vvntI, _ ,
Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf AAVlII. Jllhra
Moffe tu Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. x> i o
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Erscheint täglich außer an Werktag« nach kenn, und M» e 770 Feiertagen.—Ouartal-Abennements. Preis bei der Srpe» Jlj, l-3o bübn 2 Mk., bei all« Pr ' 2 A!. LL Pfg. (exkl.
vrßrLzeld), Jnserati» fSr die gespaltene Zeile aber du« Raum 10 Psg., l« für die Zeile «5 Pfg.
tanbsw^ Die Entwertung des Silbers
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Silbers nicht exportiert werden könnten. 1:13,95
Nr. 6.
iße 42.
als ob der Welt eitel Heil widerfahren wäre. Das
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Str. 17
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bin leiser, unartikulierter Laut entrang sich den
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luste von vielen Millionen, zahlreiche Werke mit Tausenden von Arbeitern werden zum Erliegen kommen, der Handel in ganz Ostasien und Zentralamerika stockt und unsere Industrie ist stark in Mitleidenschaft gezogen, die Wertpapiere gehen prozent-
Die Entwertung macht für den deutschen Müvzum- lauf nun fast eine halbe Milliarde aus — außerdem
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p(, so lange noch etwas von der mächtigen Gestalt «rhards zu sehen war Als sich aber das Portal
Durch Wolke«.
Erzählung von M. Widdern.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Wie von einer Vip.r gestochen, so prallte Mar-
3 Scha entspricht einem Silberpreis von 200 Mark pro nen Rl Kilogramm, das heut nicht mehr als 90 Mk. wert ist.
eine Silbcrentwertung. Bambeiger erklärte, es sei richtig, daß das Wertverhältnis von 1:15,5 gewählt sei, das kehre immer wieder zurück, wenn cs zeitweise gestört sei. Aus Furcht aber, Silber könne noch teurer werden, wurden die neuen Reichsstlbermüuzcn entsprechen) 1:13,95 geprägt, damit, das ist der einzige Grund hierfür gewesen, sie bei einer Preissteigerung des
hat durch die Einstellung der freien Silberprägung in Indien weitere erschreckende Fortschritte gemacht. Die Goldwährungspolitiker jubeln über die neue Verdrängung des Silbers und meinen, dadurch seien die Hoffnungen der Bimetallisten vollständig zu Schanden gemacht. Demgegenüber schreibt die .Berliner Börsenzeitung":
„Unser Silberthaler, vollgiltig in allen Zahlungen dis zu jeder Summe gleich 3 Mk. Gold, hat heute nur 11/2 Mk. Silberwert, in den nächsten Tagen vermutlich noch weniger. Unser Fünfmarkstück hat heute einen Metallwert von 2'/4 Mk., unser Zweimarkstück von 90, unser Einmarkstück von 45 Pfg. Sind das Zustände, die bleiben können? Ganz das Gleiche gilt von dem gesamten Silbergeld der Welt. Es ist innerlich um zehn Milliarden entwertet. Mir welchem Recht soll dieses Silbergeld den alten Wert btt zerstörten Doppelwährung festhalten? Münzen von so hohem Wert müssen betrügerisch nachgeprägt werden. Diese Nachmünzungen aus echtem Silber kann kein Mensch von echtem Geld unterscheiden, je mehr das Silber sich entwertet, um so ernster wird diese
sei zulet ädert.)
Mter ihm und Margot geschloffen, brach der Sturm ff vollends unter der Dienerschaft los:
| „Er macht Gemeinschaft mit der sauberen Sippe!
gut, wir werden ja sehen, wer weiter kommt, e oder wir!"
Inzwischen war Gerhard, die tote Bürde im
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bei Fleij got zurück. In Gerhards Gesicht aber trat jähe t Lehn Nässe, und sich groß und machtvoll nach den Leuten :ch diel ^Ivendend donnerte er:
8 Uhr ihr, h Bedlg ab alle
ekt *** Mdig erachtet, dieses Amt zu übernehmen, so ist & es auch und damit basta!"
rricM)b< Wie weithin rollender Donner klang seine Stimme, und Schweigen folgte den Wortes Schwei-
e und selbst bleich wie der Tod, mit seiner Bell in de" Korridor hinabgeschritten und dann
ll bekaB $nppe zu Margots Wohnung hinaufgestiegen. . (7 8". der halbgeöffneten Thür zu dem Quartier ter
Worin stand Elise, aber mit der Geberde des Ent ’iCr» Aens wich sie vor dem Paar zurück und laut- 2. *wBent> fiel die Thür ins Schloß.
weise herab, eine Weltkatastrophe ist im Anzuge, 8’ Dein« Md zu dem allem jubeln unsere Goldwährungsblätter,
.. Wertung des Silbers eudgiltig ist. Als Deutschland (4!l! 1873 die Goldwährung einführte, ahnte niemand
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( । Gefahr. Wir raten den Anhängern der Goldwährung,
.e, 144 trn|I gu xrwägen, was werden soll, wen» die Ent-
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Versteh«
e THÄ für das in den Händen des deutschen Volkes be- ckleiduvi studliche Silbergerät mindestens eine Milliarde, unsere heimische Silberproduktion erleidet neue schwere Ver-
k. Orig. „So geht alle, wenn Ihr Lust dazu habt, das Method Fräulein hier aber bleibt Kastellanin der Netter- cheidt. üurg, so lange der Herr Graf ihr nicht dieses Amt
... nimmt und — so lange sie bleiben will! VerL-^Bnb merkt es Euch alle, Ihr Leute — und auch die, ,etm: Fräulein Margot steht unter meinem -«sonderen Schutz — wenn ein Graf Treuden sie
ist doch der Gipfelpunkt der Verblendung. Zum Glück ist die ganze Welt gleich schwer betroffen worden und so ist zu hoffen, daß anderwärts die Einsicht siegt, die in Deutschland zu fehlen scheint, daß es Aufgabe der Gesetzgebung ist, den durch falsche Gesetze angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Genügt die jetzige Probe noch nicht, fällt auch das amerikanische Silbergesetz und der lateinische Münzbnnd auseinander — dann stehen wir vor dem wünzpolitischen Chaos, wie eS Dr. Arendt in seiner Schrift „Das goldene Zeitalter Ludwig Bambergers" geschildert hat."
Deutsches Reich.
W. Stettin, 6. Juli. Unser Kaiser begab sich am Donnerstag Vormittag von Potsdam nach dem Schießplätze bei Jüterbogk, um den dort statt- findenden Schießübungen beizuwohnen. Nachmittags kehrte der Kaiser nach Potsdam zurück und hatte noch eine Besprechung mit dem Reichskanzler. — Die Fraktionen des Reichstags hielten am Donnerstag sämtlich Sitzungen ab, um sich über die Haltung zur Militärvorlage schlüssig zu machen und die Redner für die erste Beratung zu bestimmen. Es besteht die Absicht, nur einem Redner von jeder Partei das Wort zu geben. Von zuverlässiger Seite wird versichert, daß die Polen für die Militärvorlage stimmen. — Die zweite Lesung der Vorlage dürfte wahrscheinlich Ende nächster Woche stattfindeu. Tas Zentrum besteht darauf, daß am Mittwoch der Jesuitenantrag auf die Tagesordnung gesetzt wird. — Tie Nattonalliberalen (Abg. Osann und Gen.) haben einen Antrag eingebracht, welcher die möglichste Beschränkung der diesjährigen Manöver in den von Futternot heimgesuchten Gegenden bezweckt. Ein Antrag betr. die Reform der Militärgerichtsbarkeit ist in Aussicht genommen. — Nach der offiziellen Fraktionsliste des Reichstags zählen die Konservattven 67 Mitglieder (darunter 7 Hospitanten), die Reichspartei 28 (darunter 6 Hospstanten), das Zenttum 99 (darunter 4 Hospitanten: v. Arnswaldt-Böhm, Baron v. Arnswaldt-Hardenbostel, Götz v. Olenhusen, Frhr. v. Wangeuhcim), die Deutsche Reformpartei 10 (Vorsitzende Dr. Böckcl und Zimmermann, Schriftführer Werner, sonst Gräfe, Hänichen, Hirsche!, Klemm (Dresden), Köhler, Lieber (Meißen), Hitze), die Fraktion der Polen 19, die Natioualliberalen 50 (darunter 4 Hospitanten: Dr. Bostetter, Dr. Hirte, Rothbart, Schwerdtfeger), die Freisinnige Vereinigung
Lippen des jungen Mädchens, dann sah sie zu Gerhard auf und sagte vibrierend:
„Was muten Sie mir zu, als Sie mir Ihre Hilfe gewährten? — Gott, Gott," schrie sie dann laut auf, „und wie wird sich nun alles gestalten! Ach, wenn doch nur Gräfin Anna hier wäre, sie würde mich in Schutz nehmen."
„Und jetzt bin ich an ihrer Stelle," sagte der Administrator.
„Ihnen soll kein Haar gekrümmt werden, bei meiner Mannesehre."
„Wie soll ich Ihnen danken?"
Ein schwerer Seufzer entrang fich seiner Brust, wenn er ihr doch hätte sagen können: „Mit Ihrem Leben, Mädchen, mit Ihrer Liebe!" Aber nein, die Kluft war einmal gerissen, und wenn er auch mußte, seinem holdesten Glücke entsagte er: Die Tochter einer Beatrix konnte er nickt zu seinem Weibe machen, nein und tausendmal nein!
Endlich waren die Gemächer erreicht, die denen de» Administrator» gegenüberlagen und tief auk- atmend legte Gerhard seine Bürde, die ihm selbst eine so entehrende gedünkt, auf das Kanapee.
Und nun streckte Gerhard noch einmal dem jungen Mädchen seine Hand entgegen: „Fürchten Sie sich nicht, sagte er, „ich wiederhole e», Cie iehen unter meinem Schutz ..."
Sie war wieder vor der Toten in die Kniee gesunken und weinte verzweifelt, er aber stand, mit ich ringend, neben ihr. Was sollte er beginnen? Konnte er sie allein lassen in dieser fürchterlichen Stunde des ersten Schmerzes? Es wäre grausam gewesen! Und zu verlassen — was konnte man nicht alles von dem Leumund der Dienerschaft be- ürchten. Aber gab es denn außer ihm gar keine Seele auf der ganzen Besitzung, die sich der Ver-
13, die Freisinnige Volkspartei 23 (darunter der Hospitant Bcckh), die Süddeutsche Volkspartei 11, die Sozialdemokraten 43 Mitglieder. 28 Mitglieder gehören keiner Fraktion an, die Protestler, Ahlwardt, Büchmaier, Graf Bernstorff (Uelzen), Graf Bismarck, Brinkmaicr, Prinz Carolath-Schönaich, v. Dallwitz, Graf v. d. Decken, Fink, Fusangel, Jnscher, Hilpert, Frhr. v. Hodenbcrg, Hofmann (Dillenberg), Frhr. v. Hornstein, Johannsen, v. Levetzow, Leuß, Liebermann v. Sonnenberg, Rösicke, Dr. Sigl. — In der heutigen (Freitags-)Sitzung des Reichstages wird Abg. Werner (Antis.) den Antrag auf Einstellung der gegen den Abg. Ahlwardt schwebenden Strafverfahren für die Dauer der gegenwärtigen Session einbringcn. Es handelt sich um den sog. Judenflintenprozeß und um den Beleidigungsprozeß anläßlich einer in Essen gehaltenen Rede. Beide Prozesse befinden fich in der Revifionsinstanz. — Nach einer auf amtliche« Quellen beruhenden Statistik der deutschen Gewerbegerichte bestehen gegenwärtig in den sechs größten deutschen Staaten 179 Gewerbcgerichte, nämlich 133 in Preußen, 13 in Bayern, 13 in Sachsen, 9 in Württemberg, 7 in Baden und 4 in Hessen; die Reichslande besitzen noch kein Gewerbegericht. — Die preußische Regierung hat, wie die „Lütticher Ztg." berichtet, in dem Bezirke, der sich von St. Vith aus bis nach Malmedy und Eupa« ausdehnt, große Ländereien angekaust. Der kommandierende General des 8. Armeekorps, v. ßoe, hat selbst im Verein mit den Generalstabsosfizieren diese an der belgischen Grenze fich hinziehenden Landstriche ausgewählt. Es wird ein großes Manöverfeld mit Barackenlager errichtet; das Lager soll bei eintretenden Ereignissen zum strategischen Aufmärsche und zur Truppen- konzenttation dienen. — Nachdem die hellgrauen Paletots für die Generäle bereits eingeführt find, ist, wie nach der „K. Z." verlautet, deren Einführung auch für die übrigen Offiziere des preußischen Heeres in Aussicht genommen, sobald die bei einzelnen Truppenteilen angeordneten Trageversuche zum Abschluß gelangt find.
Leipzig, 7. Juli. Das Reichsgericht in Leipzig hat am Donnerstag die Revision der Bergleute Schröder und Margraf, welche am 11. März d. I. vom Essener Landgericht wegen Aufteizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu vier bezw. sechs Monaten Gefängnis verurteilt waren, verworfen. Dagegen wurde die vom Staatsanwalte eingelegte Revision insoweit berücksichtigt, als es sich um eine am 6. Januar d. Js. gehaltene Rede Schröders
waisten erbarmte? Er dachte an Elise, aber nur einen Moment, er dachte aber auch an die Pastorin, doch schnell gab er auch diesen Gedanken aus: „O, in übergroßer Frömmigkeit fließen ja beive alles, was Gemeinschaft mit irgend welcher Sünde hatte, weit von sich fort!"
Noch war er ratlos, da hörte er plötzlich erneuert Wagengeroll in der Ferne, es kam näher und näher. Und dann: „Herr Gott wie danke ich Dir," kam es beinahe laut über die Lippen. Da hält ja eine Extrapost vor dem Schlosse und niemand anders saß darinnen, als sie, die hier so ersehnt wurde, Gräfin Anna in eigener Person.
Der Allmächtige selbst mußte es ihr eingegeben haben, daß sie vierundzwanzig Stunden früher kam, als fie ursprünglich beabsichtigte. Aber was bedeutete das. Gräfin Anna war in tiefer Trauer, ein langer schwarzer Kreppschleier wallte ihr vom Haupte herab Aber nur jetzt nicht darüber grübeln, vem diese düstere Gewandung galt! — Sie war )ß, die Gute, die Edle, und mit ihr kam die einzige Hilfe in dieser fürchterlichen Lage!
„Margot — mein liebes Fräulein, Gräfin Herzberg ist ba!'
Wie jubelnd beinahe war es über seine Lippen gekommen. Und nun stand sie auch neben ihm, die arme Verlassene, Verfehmte. Nur ein Moment noch des Staunens, bann rang sich auch aus ihrem Herzen ein erlösendes „Gott sei Dank" heraus, und nun flog fie aus btm Zimmer, die Treppen hinunter, mitten durch die staunende Dienerschaft, die ihr verächtlich, murrend nur den Weg frei gab und dann — dann lag fie zu den Füßen der stolzen Frauengestalt, die, eben von der Pastorin empfangen, noch kein Wort von all dem wußte, was hier vor- gegangen.
handelt. — Im Brauereigewerbe hat fich eine Vereinigung von Arbeitnehmern gebildet, welche ihre Spitze ansgesprochenermaßen gegen die Sozialdemokraten richtet. In den letzten Tagen des Juni sind in Leipzig Brauereigehilfen und Gehilfenvereine aus Leipzig, Dresden, Hamburg, Berlin, Magdeburg und Mühlheim a. Rh. zu einem Kongreß zusammengetreten, welche ftüher dem Zentralverbande deutscher Brauergehilfen angehörten, sich von demselben aber lossagten, als er ins sozialdemokratische Lager überging.
Hessen-Nassau.
Marvurg, 7. Juli. Die Königliche Regierung hat mit Rücksicht auf die abnormen Witterungsverhältnisse den Kgl. Landrat Herrn von Trott zu Solz ermächtigt, da wo es gewünscht wird, die diesjährigen Sommerferien in der Weise zu verlegen, daß die Kornernteferien fich den Heuernteferien alsbald an» schließen.
Marvurg, 7. Juli. Der Kreisausschuß des Kreises Marburg hält vom 21. Juli bis zum 1. September d. I. Ferien. Während dieser Zeit werden Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.
Warvurg, 7. Juli. (Futternot.) An unsere kürzliche Mitteilung über die Bemühungen des Herrn Landrat von Trott zu Solz zur Linderung der herrschenden Futternot weiß das hiesige „Tageblatt" keine andere Bemerkung zu knüpfen, als daß es unverständlich sei, warum die Firmen, mit denen der Herr Landrat abgeschlossen hat, nicht mitgeteilt werden, und feiner warum bei dem durch den niedrigen Wasserstand erschwerten Transport, nicht der Schienenweg gewählt ist, der eine sofortige Lieferung ermög- licht. Was den ersten Punkt betrifft so vermögen wir zwar nicht zu erkennen, welchen Nutzen die Mit- theilung der betreffenden Firmen für die Linderung der Futternot haben könnte, wir waren aber auch, selbst wenn wir das einsähen, auS dem einfachen Grund nicht in der Lage, die Namen der Firmen zu nennen, weil sie uns unbekannt find. Wir können das „Tageblatt" deshalb nur an den Herrn Landrat verweisen, der auf eine Anfrage vielleicht die Neugierde der verehrten Kollegin zu befriedigen bereit ist. Den zweiten Punkt anlangend, so liegt die Sache doch auf der Hand und es ist auch dem „Tageblatt" wohl nicht ganz unbekannt, daß der Transport auf dem Wasser billiger als auf der Eisenbahn ist, in»
„Frau Gräfin — Frau Gräfin!" hauchte Margot. Und den Saum des Kleides küßte fie der Angekommenen, ihre Kniee umklammerte sie und dann stieß sie in der Bedrängnis ihrer armen Seele hervor: „Frau Gräfin retten Sie mich, helfen Sie mir!"
Betroffen, erstaunt blickte die schöne, vornehme Frau auf das jammernde Mädchen zu ihren Füßen, dann aber hob sie Margot zu sich empor, und die hochgeborene Dame drückte zärtlich die Tochter der Elenden, Gebrandmarkten an ihre Brust.
„Kind, Kind, was ist Ihnen nur?" fragte fie dann liebreich und ihre Hand glitt kosend über da» dunkle Haar der Unglücklichen.
Aber Margot war nicht im stände zu antworten, nur ein leidenschaftliches Schluchzen entrang sich ihrer Brust
Da legte fich eine Wolke über das schöne Antlitz der Gräfin.
„Hat jemand gewagt, meinem Schützling zu nahe zu treten?" fragte fie und sah im Kreise umher. Wer hätte glauben können, daß diese wunderschönen Augen so strenge, gebieterisch blicken könnten.
Unwillkürlich wich die noch immer vollzählich versammelte Dienerschaft vor diesem Blick zurück, bann aber verbeugte sich die Pastorin, und dicht an die Gräfin herantretend, flüsterte fie ihr ein paar Worte zu, die wohl alles erklärt haben mußten, denn erschrocken sah Anna auf das Mädchen nieder, die noch immer von ihren Armen gehalten wurde. Aber nur noch zärtlicher glitt die feine weiße Hand über das dunkle Köpfchen
Gräfin Anna schaute beinahe starr in da» Gesicht der Matrone und sagte langsam:
„Sie find eines Geistlichen Witwe, Madame, die Mutter eines Geistlichen auch, der ein Prediger