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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Freitag, 7. Juli 1893

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JI5 107, ditisn 8 Ml., bei allen PrstSmtern L Mti 8«Pfg. (exkl. vrArllzeld). Jni«ati«Lizebühr für dir xspaürnr Zeile »der deren Raum 10 Pfg., ÄtKaaun ffc die Zeile 85 Bf,.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatter, sowie die Annoncen-Bureanx von tzaasenstein u. Vogler in xrtrtrtTi c. Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf XXV111. 5t (101(1

Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Jlluftrirtes Sonntagsblatt. Verantwortlicher Markt"^"" 3Rartttr#*

Weißen Saale des Königliche» Schlosses der feierliche

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egen Atz Schluß der Session des Landtags durch Se. Majestät (3581 den Kaiser und König statt. Schon vorher ver-

Schluß des Landtags.

--. In Gemäßheit der Allerhöchsten Botschaft vom itfcinei 8. d. M. fand gestern Nachmittag um 3 Uhr im

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sammelten sich die Mitglieder beider Häuser im Weißen Saale und nahmen dem Thron gegenüber im Halbkreis Aufstellung. Um 3 Uhr traten die Mitglieder des Staats-Ministeriums ein. Nachdem dieselben zur Linken des Thrones Aufstellung ge­nommen hatten, erschienen Seine Majestät nebst Aller­höchstem Gefolge und wurden von der Versammlung mit dreimaligem begeisterten Hoch empfangen, welches der Präsident des Herrenhauses Fürst zu Stolberg Wernigerode ausbrachte. Seine Majestät geruhten demnächst, aus der Hand des Präsidenten des Staats-Ministeriums, Ministers des Innern Grafen zu Eulenburg die Thronrede entgegen zu nehmen md, daS Haupt mit dem Helm bedeckt, dieselbe wie folgt zu verlesen:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beid en Häusern des Landtages!

Am Schlüsse einer langen und arbeitsvollen Tagung md der eisten fünfjährigen Legislaturperiode des LMdtags Meiner Monarchie gereicht eS Mir zur Genugthuung, Ihnen Meine Anerkennung für Ihre erfolgreiche Thätigkeit auszusprechen.

Dank Ihrem bereitwilligen und verständnisvollen Zusammenwirken mit Meiner Regierung hat diese Eitzurigs- und Legislaturperiode zu Ergebnissen von grMdlegender Bedeutung und dauerndem Werte geführt.

11

Die dem Vater lande wiedergewounene Insel Hel­goland ist für immer mit der preußischen Monarchie vereinigt.

Die Laudgemeindeordnung für die sieben östlichen Provinzen und ihre Einführung in der Provinz Schleswig - Holstein haben für die Landgemeinden dieser Provinzen, die Städteordnuvg für den Re­gierungsbezirk Wiesbaden hat für die Städte dieses Bezirks die Grundlagen gedeihlicher Entwickelung des kommunalen Lebens geschaffen.

Durch die Ueberweisung der Anstaltspflege für Geisteskranke, Taubstumme und Blinde au größere Verbände ist die Armeulast der Gemeinden erleichtert md die Fürsorge für jene Unglücklichen verbessert worden.

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Tie Gesetze über die Errichtung von Renten- güteru haben namentlich in den östlichen Provinzen,

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Erzählung von M. Widdern.

(Nachdruck verboten^

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(Fortsetzung.)

Ah die Gräfin will uns überraschen!" weinte Beatrix und richtete sich beinahe interessiert in ihrem Stuhle auf. Seit wenigen Tagen wußte sie, hatte sie endlich begriffen, wo sie eigentlich war, »hne sich von dem Gedanken gedemütigt zu fühlen, im Hause des einst so heiß geliebten Mannes ein Obdach gefunden zu haben, eine Stätte, wo sie nie- wand kannte.

»Nicht die Gräfin!" erwiderte da aber Gerhard in gleichmütigem Ton,unsere Wirtschafterin «npsängt, laut heute eingetroffener telegraphischer Depesche, auf vierundzwanzig Stunden den Besuch ihres auf einer Reise begriffenen jüngeren Bruders, welcher Auffichtsbeamter im Zuchthaus zu W. ist. Eehen Sie, da ist der Mann schon! Aber um Gotteswillen, Madame, was fehlt Ihnen, was geht wit Ihnen vor?"

Der Oberkörper der Unglücklichen hatte sich über kn Tisch geneigt, hinter welchem sie saß. Mit weitausgeriffenen Augen, zitternd an jedem Glied, sah sie auf die an der Grenze des Parkes haltende ^chloßequipage, aus der die Wirtin mit ihrem Bru. kr stieg, Schritt für Schritt verfolgte sie ein Bild des Entsetzens, das heranschreitende Paar, und jetzt die beiden hatten fröhlich schwatzend ks Plätzchen unter der alten Eiche erreicht, der Mann zog höflich den Hut, behielt ihn dann aber sie erstarrt in der Hand.

Seine Blicke waren denen der totblaffen Frau Sit dem dichtverhüllten Haupte begegnet; konsterniert, gelähmt, dann aber rang es sich, vielleicht ohne er es wollte, doch über seine Lippen:

in erfreulichem Umfange auf die Seßhaftmachung der ländlichen Bevölkerung hingewirkt.

Ich begrüße es mit Befriedigung, daß Sie bereit gewesen sind, der Erleichterung der Volksschullasten durch eive weitere Beitragsleistung aus Staatsmitteln und der Vcrbefferung des Dtensteiukommcns der Volksschullehrer durch Erhöhung der Alterszulagen zuzustimmen, auch die Elementarlehrer von den Bei trägen zur Versorgung ihrer Hinterbliebenen zu ent­lasten und ihren Waisen eine erhöhte staatliche Für­sorge angedethe» zu lassen.

Das Gesetz, betreffend die Ruhegehaltsklaffen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volks­schulen, wird die Pensionslast der Gemeinden er­leichtern und die Ruhegehalts abgabe der Volksschul­lehrer beseitigen.

Für die Durchführung der Reform des höheren Schulwesens sind die erforderlichen Mittel bereit ge­stellt, auch ist die Verbesserung des Diensteinkommens der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Schulen gesichert worden.

Tie Ausgestaltung des Staatseiscnbahnwesens, die Regelung der Flußläufe, die Herstellung von Kanäl'N und Hafenanlagen haben weitere Fortschritte gemacht, die der Entwickelung des Verkehrs zu gute kommen werden.

Durch das Gesetz über Kleinbahnen ist das Mittel gegeben, auch die bisher von Eisenbahnen noch nicht berührten Gegenden dem Verkehr zu erschließen und den Wettbewerb auf wirtschaftlichem Gebiet auf alle Teile des Landes auszudehnen.

Vor allem aber ist eS gelungen, daS Werk einer grundlegenden Umgestaltung der staatlichen und kom­munalen Besteuerurg zu vollbringen. Im Anschluß an die Neuregelung der Einkommen- und Gewerbe­steuer befreien die nunmehr beschlossenen Steuerreform­gesetze den Grund- und Gewerbebcfltz von der bis­herigen Doppelbesteuerung, ergänzen die Einkommen­steuer durch eine mäßige stärkere Heranziehung des Besttzciukommens !m Verhältnis zum Arbeitseinkommen, unter ausgiebigerBerückflchtigvng der Minderbemittelten und der persönlichen und Familienverhältnisse der Steuerpflichtigen, und verteilen die öffentlichen Lasten lediglich nach Maßgabe der Steuerkraft; sie gewähren den Gemeinden ihrer wirtschaftlichen Natur entsprechende, ergiebige und sichere Steuer quellen. Der infolge der Steuerreform eintretenden Verschiebung in der Ab­stufung des Wahlrechts trägt das Gesetz über die Ab­änderung des WahlverfahrenS Rechnung.

Ich hoffe zuversichtlich, daß die Neuordnung des staatlichen und kommunalen Steuerwesens dem Haus-

Jsi es möglich, Nummer 548 hier? Hier auf der Besitzung eines Graf Treuden?!"

Gott, Gott, Erbarmen!"

Mit einem gellenden Schrei war Beatrix' Kopf auf den Tisch gefallen. Der Spitzenschleier, der ihn so vorsorglich eingehüllt, senkte sich dabei in den Nacken, die kurzgeschorenen Haare der Zucht- häuslerin wurden sichtbar.

Es war gut, daß die Unglückliche von langer, schwerer Ohnmacht umfangen wurde, so sah sie, hörte sie nicht, was um sie her vorging. Das ent­setzliche Wort blieb ihrem Ohr entzogen, mit dem sie der alte Wärter, der ihr so furchtbar bekannt, auch in diesem Kreise brandmarkte.

Sie hat ihren Gatten ermordet, im Zuchthause geseffen solche Gesellschaft zwingt uns der Graf auf!" Und wie ein Lauffeuer war es im Schloß herumgegangen und natürlich auch bis zu der kleinen Kastellanin gedrungen, die mit aufgeschürzten Röcken unter den Scheuerfrauen hantierte.

Man wich mit scheuen Blicken von ihr zurück, vor der Tochter der Mörderin, und wohin sie dann auch ihren Fuß lenkte, um, Nacht im Herzen! nur so schnell als möglich zu der Mutter zu komme«, gab man ihr schaudernd den Weg frei.

So erreichte sie das Plätzchen unter der Eiche: ein Spießrutenweg war es, den sie durchgemacht, denn was auch im Schloß und auf den Höfen lebte, es war hervorgekommen, um sich die grause Mähr erzählen zu lassen. Unter der Eiche aber wich man ihr nicht aus, im Gegenteil, der Administrator eilte ihr schnell entgegen, aber es lag doch fremder Ton in seiner Sprache, als er sagte, indem er mit der Hand nach der jetzt auf d.r Bank hingestreckten und mit ihrem Tuch verdeckten Gestalt der Mutter deutete:

halt des Staats uud seiner Glieder gleichmäßig zu gute kommen, und daß diese von dem Strebe» »ach ausgleichender Gerechtigkeit geleiteten Reformen Meinem Volk zum dauernden Segen gereichen werde».

Ihnen aber, geehrte Herren, sage Ich Meinen Königlichen Dank für Ihre einsichtsvolle und hin­gebende Mitwirkung bei diesem bedeutsamen Werke.

Der Rechnungsabschluß des vergangene» Jahres hat sich günstiger gestaltet, als zu erwarten war. Ich gebe Mich der Hoffnung hin, daß auch im laufenden Jahre der im Voranschläge des Staats­haushalts vorgesehene Fehlbetrag bet andauernder sparsamer Verwaltung die veranschlagte Höhe nicht erreichen wird.

Zu Meinem Bedauern habe« umfangreiche Landes­teile, namentlich im Westen der Monarchie, infolge anhaltender Dürre an Streu- und Futtermangel zu leiden. Meine Regierung hat ohne Verzug Anord­nungen zur Abhilfe getroffen und verkant auf die kräftige Mitwirkung der kommunalen Verbände. Es wird auch ferner ein Gegenstand Meiner landesväter­lichen Fürsorge sein, der Landwirtschaft bei diesen und anderen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpsen hat, zu Hilfe zu kommen.

Nicht alles hat zum Abschluß gebracht werde» könne», was in der zu Ende gehenden Legislatur­periode geplant und erstrebt wurde. Aber der Rück­blick auf ihre Ergebniffe ist sowohl um dieser selbst willen als insbesondere auch deshalb ein erfreulicher, weil daS Erreichte auf dem patriotischen Geiste be­ruht, dem das Wohl des Vaterlandes das höchste Ziel ist. Ich schöpfe daraus die Zuversicht, daß es auch in Zukunft gelingen werde, den Aufgaben gerecht zu werden, welche in immer steigendem Maße hervor- treten, daß der Kampf der Meinungen und Interessen nur in jenem Geiste geführt und der Frieden im Lande gemehrt werde.

Das walte Gott!

Nach Verlesung der Thronrede trat der Präsident des StaatsministeriumS, Minister des Innern Graf zu Eulenburg vor den Thron und erklärte auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs die Session des Landtags für geschloffen.

Seine Majestät der Kaiser und König verließen darauf unter erneutem dreimaligen Hoch der Ver­sammlung, welches der Präsident des Hauses der Abgeordneten, Wirkliche Geheime Rat von Köller ausbrachte, huldvoll grüßend den Saal.

Haben Sie Mut, Fräulein, und ertragen Sie es mit Geduld I Es war vielleicht nur Gottes höchste Barmherzigkeit!"

Sie ließ ihn nicht ausreden.Sie ist tot!" schrie Margot grell auf,die Grausamkeit der Men­schen hat sie mir genommen!"

Wie sie aber laut aufschluchzend an der Leiche des armen Weibes niedersank, da trat Gerhard ihr auch noch um einen Schritt näher:Sie starb ohne Kampf, Fräulein, und in einem Augenblick, wo ihr der Tod Erlösung sein mußte. Gönnen Sie ihr den Frieden des Himmels!"

Aber noch war Margot lange nicht so weit, um auf Vernunft und Logik zu hören. Jetzt empfand sie erst nur das eine:Sie hatte keine Mutter mehr, die Rauheit, die Erbarmungslosigkeit der Menschen machte sie zur Waise!"

Margot hob das Haupt und sah ihn an. Was lag nicht alles in diesem einen Blick, das ihn er­röten, sich schämen machte! Sie hatte wohl in seiner Seele gelesen! Nun aber stand sie schnell auf und mit einem tiefen Atemzug das Haar aus der Stirn streichend, sagte sie:

Sie haben ganz recht, ich darf mich jetzt nicht so besinnungslos meinem Schmerze hingeben. Ge- rade diese gänzliche Verlassenheit zwingt mich, meine Empfindungen zu beherrschen: Auch der Tod stellt noch seine Ansprüche an das Leben und ich werde ihnen genügen."

Und dann auf die starre Mutter schauend, hauchte fie:Aber wem darf ich zumuten, sie hinauf in meine Wohnung zu tragen? Niemandem," beant­wortete fie sich selbst die Frage und hob schon mit eigenen Armen die abgezehrte Gestalt.

Da aber kam ihr Gerhard rasch zu Hilfe. Viel­leicht kostete es ihm Ueberwindung, vielleicht schau-

Deutsches Reich.

W. Aerkirt, 6. Juli. Unser Kaiser kam am Mittwoch Mittag von Potsdam »ach Berlin uab empfing im Schlosse den Landgrafen Alexis von Hesse», der kurz vorher eingetroffen war. Alsdann nahm der Monarch im Weißen Saale die Schließung des Landtages vor. Später wohnte der Kaiser in der Kaserne des Kaiser Franz - Grenadierregiments der Uebergabe der dem Regiment vom Kaiser von Oesterreich verliehenen Fahnenbänder bei. Wie aus Stuttgart gemeldet wird, nimmt Kaiser Wilhelm, nach demSchw. M.", im November als Gast des Königs Wilhelm an de» Jagden im Schönbuch teil. DieB. Pol. Nachr." bestätigen, daß die Nord- laudreise deS Kaisers für dieses Jahr aufge­geben ist, es liege in der Absicht des Kaffers, gegen den 1. August, bis zu welchem Termine jedenfalls die Entscheidung über die Milüärvorlage gefallen sein wird, sich nach Cowes in England zu begeben. Die deutsche Thronrede hat im Auslande thatsächltch einen vortrefflichen Eindruck gemacht, be­sonders in Wien und in London, wo mau sie als bündig und friedlich feiert. Die Zeitungen bezweifel« kaum, daß der Reichstag die neue Militärvorlage nunmehr mit erheblicher Mehrheit aunehmen werde. In Paris widmen nur einige wenige Zeitungen dem Schriftstück längere Beachtung, man hat dort'noch zu sehr mit sich selbst zu thun. DerPreußische Staatsanzeiger" veröffentlicht eine längere Darlegung über die Staffeltarife für Getreide u. s. w., mit welchen sich auch das Berliner Abgeordnetenhaus neulich ausführlich beschäftigt hat. Das amtliche Blatt kommt zu dem Resultat, daß die Staffeltarife für die Landwirtschaft im Westen in keiner Weise von Schaden find. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht eine kaiserliche Verordnung betr. das Verbot der Ausfuhr von Streu- und Futter­mitteln. Dieselbe lautet: § 1. Die Ausfuhr von Heu, stischen und getrockneten Futterkräutern, Stroh und Häcksel wird über sämtliche Grenzen gegen daS Ausland bis auf Weiteres verboten. § 2. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Ausnahmen von diesem Verbot zu gestatten und etwa erforderliche Kontroll­maßregeln zu treffen. § 3. Gegenwärtige Ver­ordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Im Reichstage traten Mittwoch 78 Mit­glieder der konservativen, der freikonservativen Fraktion und der Nationalliberalen unter Vorsitz des Abg. v. Plötz zusammen, um über den Plan einer wirt­schaftlichen Vereinigung zu beraten. Die

bette er zurück, als er die Leiche der wie eine Ver­brecherin Bestraften in seine Arme hob, aber wie dem auch war, äußerlich verriet er nichts von der­artigen Empfindungen.

Ich nehme mir diesen Dienst als mein Recht, Fräulein!" sagte er und machte rüstig ein paar Schritte vorwärts.

Aber noch hielt ihn das Mädchen zurück.Man wird Sie verhöhnen," rang es sich über ihre blut­losen Lippen. Und dann schrie sie schmerzvoll auf: Wenn doch erst die Gräfin Herzberg hier wäre, sie allein kann nur helfen!"

Nur noch eine Nacht Geduld," tröstete er, und fie ist hier. Jetzt aber kommen Sie, Fräu­lein, kommen Sie nur!"

Schweigend verfolgten fie ihren Weg. Im Garten, den sie unbedingt passieren mußten, war noch immer die ganze Dienerschaft versammelt . . . Murren und Drohungen wurden überall hörbar, kein einziger Mund that sich auf, um dem unglück­lichen Mädchen ein teilnehmendes Wort zu sagen. Gerade aber, als Gerhard, dem dieser Weg wohl ein Kreuzesweg sein mußte den Fuß auf die ersten Stufen der breiten Treppe setzte, die in das Schloß führte, erklang laut die Stimme des greifen Leon und alles Murmeln übertönend hörte man ihn deut­lich sagen:

Ich quittiere den Dienst, wenn nicht auch die Dirne Netterburg verläßt! Ich bin ein anständiger Mensch und selbst einem Grafen Treuden diene ich nicht, wenn ich mit Zuchthäuslern und Mördern in Gemeinschaft leben soll!"

(Fortsetzung folgt)