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Margot erhob sich. „Ich bin auch mit diesem Bescheid zufrieden", erwiderte sie, „der Herr Graf »erden jedenfalls nicht lange auf seine Befehle warten lassen, trotzdem er sich zur Zeit in Italien befindet "
»Ich «eiß es", sagte die alte Frau, dann aber brach sie das Thema ab und fragte: „Noch eins, mein Fräulein: der Zustand Ihrer Mutter ist doch Ächt derart, daß man Befürchtungen zu hegen hat? 3n diesem Falle müßte ich andere Maßregeln (ergreifen."
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nung wegen? Liebes Fräulein, ich und Elise werden Ihnen nicht in den Weg kommen Und dann bin ich ja auch bereit, Ihnen unser Mißtrauen, unsere Vorurteile abzubitten, wenn ich erfahre, daß alles eben nichts weiter als Vorurteil ist. Also, bitte, bleiben Sie ganz ruhig hier und machen Sie es sich behaglich. Das Schloß ist groß genug für zehn Familien, wie viel mehr denn nicht für zwei?"
Ein tiefer Atemzug hob die Brust des Mädchens: „Ja, Sie haben recht," sagte sie dann, „weshalb gehen? Warum da einen Zufluchtsort verlassen, den besten in seiner Stille für meine kranke Mutter, wo ich voll berechtigt bin, zu bleiben! Sie aber, Frau Pastorin, bitte ich, recht bald an Gras Treu- den zu schreiben — ich bin nicht daran gewöhnt, Gnadenbrot zu essen!"
Sie machte eine kalte, formelle äkrbeugung, die Kastellanin erwiderte dieselbe ebenso kühl und ebenso formell.
Daun stand sie draußen, die schwere Thür war in das Schloß gefallen und tiefatmend drückte sie beide Hände auf die Brust:
„Neues Leid, neuer Äämpfenl" sagte sie dann „Aber ich will alles dulden um chretwillen. O, die arme Mutter litt meinetwegen noch Härteres al» solche Vorurteile!"
Sie ging langsam dm Korridor hinab, dann setzte sie den Fuß auf die ersten Stufen der breiten, steinernen Treppe, die zu dm oberen Etagen führte Dm Blick gesenkt, stieg sie hier herauf, sie brauchte ange Zeit, um sie vollends zu erklimmen, bestand te doch aus einer Unzahl von Stufen. Endlich oben angelangt, stieß sie plötzlich auf eine hohe Männergestalt. Aufschauend blickte fie in ein Zugen, paar, das auch wieder in grmzenlosem Erstaunen an ihren Zügm hing.
gewinnen in den Sttchwahlen weiter, und wer nach dem Resultat der Ersterm einmal im Verlieren war, bleibt auch bei den Letzteren zurück. Ganz genau so ist es auch diesmal wieder gewesen, und zwar entsprach das Verhältnis der Zunahme in den Stichwahlen genau demjenigen der Hauptwahlen. Nach dem 15. Juli ward mehrfach die Vermutung laut, es werde ein neuer Kartellreichstag, wie im Jahre 1887, mit einer festen Mehrheit für die Reichsregierung zu Stande kommen. Eine genauere Bettachtung ergab indessen^ daß eine solche Zunahme nicht zu erwarten sei, ein allgemein fortreißender Zug, wie bei den Septennatswahlen, fehlte diesmal, und was am 15. Juni nicht gekommen war, war am 24. Juni ebensowenig zu erwarten. So ist das Sttchwahlresultat nur das verstärkte Resultat des 15. Juni, und die Reichsregierung ist bei Gesetzesvorschlägen nach wie vor ans freundliche Verständigung mit den einzelnen Parteien angewiesen. Insofern wird sich dies in Zukunft etwas leichter, als bisher, gestalten, als in Zukunft wohl kaum so bald wieder große Neigung für eine Reichstagsauflösung vorhanden sein wird. Jede Partei hat darum Grund zum Nachdenken. Am meisten gewonnen haben in diesen Wahlen Sozialdemokraten und Antssemiten; ob fie immer gleich viel gewinnen werden, kann Niemand sagen.
Die Wahlen haben eine kleine Mehrheit für die Militärvorlage ergeben, so daß diese angenommen werden wird. Und wenn Reichsregierung und Reichstag sich späterhin über eine Kostendeckung einigen, welche nicht die breiten Kreise der Bevölkerung trifft, so wird der gegenwärtige Streit bald genug unter dem Einfluß der Einführung der zweijährigen Dienstzeit vergessen sein. An den Reichstag werden aber wieder andere Fragen herantteten, die dringend der Lösung harren, und die ein entschiedenes Zusammen- arbetten von Reichstag und Reichsregiemng dringend erforderlich erscheinen lassen. Den vielen Wünschen und Klagen des praktischen Lebens ist in den letzten Jahren viel zu wenig Aufmerksamkeit zugewendet worden, und wenn je mit der Erledigung solcher Angelegenheiten begonnen wurde, so kam doch regelmäßig, bevor man ein tüchttgeS Stück vorgerückt war, das Sessionsende herbei, und alles fiel unter den Tisch. In der neuen Session fing man dann wieder von vorn an, kam aber noch nicht einmal so weit, wie bisher. Daß hierin eine Aenderung eiu- treteu muß, unterliegt wohl keinem Zwessel, und je schneller eine Aenderung kommt, um so besser ist es.
Auch wird den Neubeftellern des 3. Quartals unentgeltlich ein in handlichem Formate hergestellter Sommerfahrplan der Eisenbahnstrecken Frankfurt-Cassel, Marburg-Laasphe u. Marburg-Frankenberg nachgeliefert werben.
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Neubestellungen auf die „Oberhessische Zeitung" für das dritte Vierteljahr 1893 «erden von allen Postanstalten, den Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial - Expeditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen.
Neu eintretende hiesige Bezieher erhalten da- Blatt bis zum Schlüsse des laufenden Monats unentgeltlich.
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Dnrch Wolken.
Erzählung von M. Widdern.
(Nachdruck verboten^
(Fortsetzung.)
Marburg,
Donnerstag, 29. Juni 1893.
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Vierteljahr 1893 der »Oberhesstchen Zeitung" nebst ihren Beilagen „Illustriertes Sonntagsblatt" und Kreisblatt" für die Kreise Marburg und Kirchhain" bitten wir auswärts sofort erneuern zu wollen, damit sämtliche Nummern rechtzeitig geliefert werden können Der Abonnement-preis beträgt bet allen Postanstalten Deutschlands 2 Mk. 65 Pfg., in Marburg bei der Expedition 2 Mk.
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Nach den Reichstagswahlen.
Bis auf einige wenige Ersatzwahlen, welche statt- zufinden haben, da einzelne Abgeordnete doppelt ge wählt worden find, sind nunmehr die Reichstagswahlen vorüber. Das Gros der erforderlichen Massenstichwahlen hat am Johannistage stattgefunden, der Rest am Montag. Da verlohnt es sich wohl, einen Rückblick auf die Geschichte dieser bedeutsamen Reichstagswahl zu unternehmen. Als der alte Reichstag in Folge der Ablehnung der neuen Militärvorlage aufgelöst wurde, ging die öffentliche Meinung ziemlich übereinstimmend dahin, daß die Neuwahlen einem noch schwierigeren Reichstag für die militärischen Pläne der Reichsregierung schaffen würden, als es der alte gewesen war. Die Reichsregierung selbst sah, wie aus gelegentlichen Aeußerungen des Reichskanzlers und der Organe desselben hervorging, recht wenig rosig in die Zukunft, und hatte sich auch schon mit dem Gedanken an eine zweite ReichStagsauslösnng vertraut gemacht. Die Dinge bekamen erst dann ein wesentlich anderes Aussehen, als die bekannte Spaltung innerhalb der freisinnigen Partei eintrat, denn nun erkannten zahlreiche Wähler, daß die Reichstags- Mehrheit gegen die neue Heeresorganisation durchaus nicht so fest tu sich geschloffen war, wie es bisher geschienen hatte. Immerhin ging die überwiegende Anschauung während der Wahlagitation dahin, die der Militärvorlage abgeneigten Parteien würden einen derartigen Zuwachs erhalten, daß die Zusammensetzung des neuen Reichstages sehr bald eine abermalige Auflösung erforderlich machen werde. Der 15. Juni, der Hauptwahltag, stieß diese Anschauungen um; er ergab zwar einen Zuwachs der sozialistischen Stimmen, jedoch einen solchen Rückgang der freifinnigen, daß, das Schicksal der Militärvorlage in Betracht gezogen, die Dinge entschieden günstiger standen, als sie bisher aufgefaßt waren. Die der neuen HeereSordnnng günstigen Parteien waren in ihrem Bestände intakt geblieben, während von den gegnerischen die eine durch die andere stark aufgerieben war. Gerade dies durch das Votum der Wähler herbeigeführte Faktum war so gut wie gar nicht vor der Wahl in den Kreis der Wahlberechnungen gezogen, und durch dasselbe wurden alle bisherigen Mutmaßungen über den Haufen geworfen. Es ist eine alte Thatsache, welche sich in jeder Neuwahl zum Reichstage vom Neuem klarstellt, daß Stichwahlen und Hanptwahlen einander ergänzen, aber niemals im Gegensatz zu einander stehen. Die Parteien, welche in den Hauptwahlen gewonnen haben, über die Lippen des jungen Mädchens, „denken — glauben Sie denn wirklich, daß wir Betrügerinnen sind ober Glücksritterinnen, die sich hier fälschlich eingeschmuggelt haben?"
„Ich denke und glaube vorläufig nichts, mein Fräulein, aber ich muß an meinen Grundsätzen festhalten, das heißt, mich durch nichts aus meiner Art, nie irgend welchen Verkehr mit Personen zu pflegen, die ich nicht ganz genau kenne, bringen fafiem Und so bitte ich schon, mir zu verzeihen, wenn ich Ihnen vorerst alle Mahlzeiten oben ser- vierm lasse — ich habe später erkannt, daß —"
„Genug, Frau Pastorin, genug I" unterbrach Margot sie jetzt aber, mit flammendem Auge in das bleiche Gesicht vor sich blickend, dann aber fuhr sie leidenschaftlich fort:
«Dazu bin ich also hergekommen, um mich auf diese unerhörte Art beleidigen zu lassen!"
Die Pastorin zuckte die Achseln und es klang nicht gerade unfteundlich und nicht hart, als sie erwiderte:
„Ich denke nicht daran, Sie zu kränken, und wenn Sie da Ueberlegung schalten lassen möchten, wo Sie jetzt nur in der Erregung sprechen, so werden Sie einsehen, daß wir Ihnen wohl mit einiger Reserve begegnen müssen."
Margot schluchzte laut auf, fie meinte, als wollte ihr das Herz brechen, dazwischen aber hörte man ihre verzweiflungsvollen Worte:
„So müssen wir doch wieder fort — fort in die weite Wett!"
Die atte Frau stand unbeweglich, in ihren strengen Zügen aber arbeitete es:
„Beruhigen Cie sich, Kind," sagte fie dann, und freundlicher fetzte fie bann hinzu: „Und warum wollten Sie das Schloß verlassen? Meiner Mei-
rone:
»Ich habe mein ganzes Leben in strengster renhastigkeit verbracht, nie in meiner Nähe etwas duldet, was nicht das strengste Licht ertragen nnte — auch meine Enkelin teilt in jeder Be uhung meine Ansichten — und da —"
Aber um Gotteswillen," rang es sich entsetzt
WL Die Augen des jungen Mädchens füllten sich ' * *** Thronen: „O, nein, dem Himmel fei Dank,
tu Meine arme Mutter leidet nur an einer Art tiefjtnn, der gewiß aber auch in Bälde gehoben fein wird l"
Und bann verbeugte fie sich auch schon, um -——fieber hinauf zur Mutter zu gehen. Aber noch l legte ihr die alte Frau die Hand auf die Shutter, etwas wie peinliche Verlegenhett zuckte um Lippen des strengen aber edlen Gesichts.
„Sie müssen mir noch einige Worte erlauben, Fräulein," sagte fie leise, und als Margot, remdet durch den Ton und den eigentümlichen ick, der ihn begleitete, bebend fragte :
Und was wünschen Sie noch?" erwiderte die
Deutsches Reich.
W. Lerki», 28. Juni. DaS Kaiserpaar, welches sich mit dem Kro» Prinzen und dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich am Sonntag zum Besuch des Herzogs und der Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein und der Herzogin Adelheid, der Mutter der Kaiserin, an Bord der Kaiseryacht „Hohenzolern" von Kiel aus nach Schloß Glücksburg begeben hatten, kehrten am Montag nach Kiel zurück. Alsbald nach der Rückkehr empfingen die Majestäten den Besuch des Großherzogs von Schwerin und des Erbgroßherzogs von Oldenburg, welche kurz zuvor in Kiel eingetroffen waren. Der Kaiser wohnte alsdann mti feinen hohen Gästen an Bord deS „Meteor" der Regatta des kaiserlichen Jagdklubs bei. Am Dienstag nahm der Monarch auf dem „Meteor" an der Wettfahrt mit der „Irene" und „Atlanta" nach Schlti- münde teil Die Jacht „Hohenzollern", an Bord die Kaiserin und der Kronprinz, sowie die eingettoffenen Glücksbmgischen Herrschaften, begleitete die Segler. Die Kaiserin mit dem Kronprinzen beabsichtigen, heute, Mttwoch, nach Berlin zurückzukehren. — Der Kaiser sandte aus Glücksburg nach Niederbrechen in Nassau, wo jetzt, nach 22 Jahren, ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an 1870/71 errichtet worden ist, auf ein Huldigungstelegramm von tausend alten Stiegern folgende Antwort: „Ich danke dem Verein für das Telegramm, das mich in hohem Grade erfreut hat als ein schöner Beweis der königstreuen Gesinnung Meiner braven alten Soldaten, die das Gedächtnis ihrer fürs Vaterland gestorbenen tapferen Kameraden ehren". — Der „Reichsanzeigei" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Kardinalsstaatssekretär Rampolla. — Von den Stichwahlen zum Reichstage find nur einige vereinzelte Ergebnisse aus bayerischen Landkreisen, wo erst in dieser Woche die Stichwahlen stattgefunden haben, noch nicht bekannt. Aber auch abgesehen davon, ist mit Einschluß der Polen und der der Militärvorlage geneigten Zentrumsmänner, eine Mehrheit von 15—20 Stimmen für die Militärvorlage vorhanden. Genaue Ziffern sind erst zu nennen, wenn die Gewählten offiziell ihre Parttistellung angegeben haben. Nach dem „Deutschen Reichsanzeiger" find bisher im Ganzen gewählt: 75 Konservative, 24 Freikonservative, 52 National- liberale, 12 Freisinnige Vereinigung, 26 Freisinnige Volkspartei, 11 Süddeutsche Volkspartei, 94 Zentrumsmänner, 19 Polen, 8 Welfen, 1 Däne, 8 Elsässer, 16 Antisemiten, 49 Sozialisten. Fünf Abgeordnete
„Verzeihung," klang es ihr dann entgegen und der freundliche Ton that ihr wohl „Verzeihung, wenn ich Sie erschreckte, mein Fräulein» aber Ihr Gesicht weckte urplötzlich so liebe Erinnerungen in mir — Erinnerungen an eine mir teure und längst Verstorbene!"
Dann aber fuhr er sich rasch mit der Hand über die Stirn:
»Doch ich vergesse meine Pflicht, erlauben Sie vor allen Dingen, daß ich mich vorstelle! Ich bin Leopold Gerhard, der Administrator auf Netterburg, ein Adoptivsohn der Frau Pastorin und hier oben im Schloß Ihr nächster Nachbar."
„Und ich," sagte Margot dann, nenne mich — Herlo — und bin die Tochter der neuen Kastellanin!" Sie hatte sich ihm nur tieferrötend mit dem Pseudonym der Mutter bekannt machen können, aber da Graf Guido der Pastorin gegenüber fie mit diesem Namen genannt, fürchtend wohl, daß der der Gre- goroffs unliebsam bekannt sein könnte, so mußte fie sich auch in diese seiner Bestimmungen fügen.
»Ich wußte eS!" Sie fühlte, wie fein Blick noch forschender in ihren Zügen suchte, wohl jener Aehnlichkeit halber, deren er vorhin erwähnt — sie jedoch dachte an die Worte der Pastorin und erbleichte bis hinauf in die Stirn.
»Möge Gott Ihren Einzug fegnen, mein Fräulein," sagte er, „und Sie sich wohl und glücklich bei uns fühlen. Es ist ja auch so schön auf diesem weltvergessenen Erdenfleckchen, und wer die Natur liebt, der findet auch hier reichlich Ersatz für alle Genüsse einer großen Stadt."
Er unterbrach sich, auf dem langen, düsteren Korridor war eine Thür geöffnet worden, das blasse Gesicht Frau Beatrixes, um da» sich die schwarzen
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die»nnoncen-Bnreaux von Hänfenstem «.Vogler in ~ ,
Srankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. ftaDTfl. Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. M »
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- H merksamkeit. Der feuilletonistische Teil der t 3,10 ml »Oberhess. Ztg." bringt interessante Erzäh- L2: ”"= lungen von guten Autoren und das „Jllu- billig ab strierte Sonntagsblatt" wird wie bisher den ‘ Lesern eine angenehme Unterhaltung bieten.