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Mgegebene Stimmen im Jahre 1893: 13857, 1890: 13495.
Drrrch Volke«.
Erzählung von M. Widdern.
[Nachdruck verboten^ (Fortsttzuug.)
Margot blickte in das teilnehmend freundliche Angesicht der Gräfin und erwiderte:
«Und mir ist auch so wohl, Frau Gräfin!' Aber als fürchtete ste, daß die Gräfin verlangen könnte, daß sie die Veranlassung solchen Wohlseins auch definiere, sagte sie nun: «Aber darf ich mich jetzt für die Sitzung umkleiden?'
Nur einen langen, aufmerksamen Blick warf die schöne Frau zu ihrem Liebling hinüber, dann sagte sie leise, während Schatten über ihr edles Antlitz Otten: „Ja, gehen Sie nur, ich will ohnehin heute nur kurze Zeit meiner Arbeit widmen. Die Majestät rief mich!' setzte sie mit jäh aufblitzenden Augen hinzu.
Selbst diese Feuerseele baute gesellschaftlichen Vorurteilen Altäre, liebte ihren Namen, ihre Ahnen und war mit einem Wort auch Aristokratin der Geburt durch und durch . . .
Margot hatte sich schnell in das für sie verfertigte Kostüm geworfen. Aber Anna schüttelte dm Kopf, wie ihr die jugendliche Gestalt gegen- überstand:
„ES ist gut, daß ich heute nur mit dem Gewand der Nonne zu thun habe, Margot,' sagte sie, „denn Ihr Gesicht? Kleine, diese strahlende Miene könnte ich nicht für mein Bild gebrauchen, absolut nicht! Und doch danke ich Gott, daß auch Sie auf diese Weise lächeln können.'
Und während Margot hernach sich auf einem vuiken Sessel niedergelassen, der von Anna selbst iu da» rechte Licht gezogen worden, und die Gräfin dann die schweren Fallen de» dunklen Gewandes,
Wochenschau.
Unser Kaiser hat in dieser Woche wieder einen der von ihm beliebten Ueberraschungsausflüge gewacht ; der Besuch galt diesmal Posen, wo der Monarch eintraf, ohne daß man von bet Reise die geringste Ahnung gehabt hatte. Die Ueberraschung gelang vollständig, die alarmierte Garnison war aber auch in kürzester Zeit auf den Beinen. Nach einer größeren militärischen Hebung verweilte der Kaiser bis zum Abend beim kommandierenden General des fünften Armeekorps und fuhr dann nach Potsdam retour. Der 15. Juni ist am Kaiserhofe in stillem Gedenken der Todestag Kaiser Friedrichs begangen worden, seit welchem nun schon fünf Jahre verstrichen find. Ganz Deutschland hat wohl dem Andenken des unglücklichen, edlen Kaisers eine Minute der Erinnerung gewidmet. Alle weiteren Reisepläne unseres Kaisers find im Hinblick auf die bevorstehende Reichstagssession vorläufig vertagt worden. Bon dem Ausfälle bet Wahlen unb bem Gange bet Reichstagsverhanblnngen wirb auch ber Beginn unb Umfang ber biesjährigen Nordlandreise abhängig gemacht werden. Politische Gerüchte, die sich zum Teil
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.
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ErgebnisderReichstagswahlimWahlkreise Marburg-Kirchhain-Frankenberg-Vöhl am 15. Juni 1893
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«Gestern war auch Professor Kulch hier und . Unter Arbeit und heiterem Geplauder verging ,Ob sie je'auch wohl ander» empfunden al»
sah mem Werk an. Er war auch der Meinung,lerne halbe Stunde, da wurde Anna gemeldet, daß!nur Glück und Befriedigung?" P ' nirgenbs rn der Welt hätte ich ein schönere» Mo- Besuch vor dem Palais und die Frau Fürstin Unwillkürlich beantwortete sie sich diese Ftaae
dell für meine „zagende Himmelsbraut' gesunden Braß der gnädigen Gräfin ihre Aufwartung machen! laut, es klang sonderbar durch den wundervoll de- und verschwor sich hoch und teuer, daß es ihm wolle kotierten Saunt mit feinen retoen ÄunftEn «mh
gelingen, müffe, Sie auch für sein Atelier zu ge-I „Die Fürstin Braß—!' Wie elektrisiert eilte Iden prachtvollen glühroten und mit Goldstickereien wmnen. |bte Gräfin auf ihren Diener zu: „Wirklich die I verzierten Draperien.
„Erschrecken Sie nicht, Margot, lassen Sie sich! Mastin Braß? — Führen Sie Durchlaucht sofort „Ich glaube es wohl — denn es soll ja kein von der Empörung nicht übermannen, der Professors" ben roten Salon, ich bin im Augenblick bei ihr!' dauernde» Glück geben! Einmal wenigstens wird wird Sie nicht belästigen mit seinen Bitten, hab'» I Und als der alte Getreue sich mit einer tiefen «wohl in jedes Menschen Leben das Leid gedrungen ihm doch rund heraus erklärt, ich duldete es nicht, I Verbeugung entfernte, jubelte Anna: Hein, in das eine in dieser, in das andere in jener
baß man meine süße Mariemose der Versuchung! «Ich hab' sie seit Jahren nicht gesehen, meine I ®eftalt.*
auch nur gegenüberstelle. Und ich leide es auchIteure Walfine, und sie kommt jetzt direkt aus Rom,! Da rauschte es leise in der Portiere, die eines wirklich nicht, mit meinem ganzen gesellschaftlichen I i<h weiß es von der lieben Kunstgenossin selbst II der Nebengemächer von dem Atelier trennte, und Einfluß, wie ungern ich auch sonst mit diesen — I Sie ist auch Malerin,' fuhr sie dann fort, hastig, I wie sie erschrocken aufsah, stand — ihr schien sie Kunst-Angelegenhetten angehend — in da» Treffen I bebend vor Erregung . „Und nun, nun will ich I momentan wie aus der Erde gezaubert — die hohe rücke, werde ich dagegenwirken.' hu ihr eilen, Sie aber bleiben noch im Atelier, I Gestalt Graf Guidos vor ihr. Sonnengold da»
„Und nun an die Arbeit, Kind - die »n F“r9°!; 0la"be $ doch nicht, daß die Fürstin durch die leuchtenden Vorhänge in den gewaltigen liegen wundervoll - man sollte kaum glauben Aule lange Zett für mich haben wird und dannRaum strömende Licht, lag auf dem Haupt der welch' einen bestrickenden Zauber man auch in diese ich Ihnen nachher noch erzählen von all den stolzen Erscheinung; aber jetzt, jetzt zum erstenmal schmucklose Tracht legen kann'' Wundern, mit denen un» die herrliche Frau bekannt sah sie auch, wie viel Silberfäden sich schon durch
___ ... ... . !gemacht —" Ibas volle dunkle Haar des kaum vierziqjähriqen Margotinef sie bann m leich-I „Aber, Frau Gräfin — die Audienz!' ! Mannes zogen, freilich, ohne auch nur ihm im ge- w^ Glück ."dNtt diesem Bilde müssen! „Warten Sie trotzdem — ich brauche nicht ringsten seine sieghafte Schönheit zu beeinträchtigen,
wir Gluck haben. Und ich würde mich dessen lange Zeit zu meiner Toilette!' Crrötenb war fte aufaefnnniL Z b.
ttuTfanme%mrt?nFÄfc,ne' ^«*”1 g^"er ol6 sonst, in der alles absorbieren-!NUN, wieder das Auge gesenkt, sich' vor ihm ver-
DKfanfS gw t Rf n* 1Bild!den Freude eine teure Freundin unb verehrte Kunst- neigte, da konnte man sich kaum etwas Holdselige«» SÄ. Das Honorar aber für dieses Werk genosfin wieder zu sehen, eilte die Gräfin jetzt aus denken als diese zarte Gestalt T ber t nE dagegen, Kleine al^r I ®m langer Blick folgte ber schönen grauend geborgen. Aber sie brachte kein Wort hervor, der
ein Airafsgm -ei^l^es^m^ tÄ9efkIt Wum leuchtende Blick des Mannes ftörte sie, hielt
Ihre Aussteuer forot • vermögen, das für! .Wie eine Königin!' flüsterte das junge Mäd-khre €ede gefangen unb ihren Mund verschlossen.
„O, Frau Gräfin «n Engel doch auch wieder!' Und „Ich erschrecke Sie, mein Fräulein,' sagte Gras
' ° ®rafln 1 !plötzlich drängte sich an diesen Gedanken noch ein! Guido dann, „doch mußte ich die Abwesenheit meU
ganzen deutschen Reiche die erforderlichen Stichwahlen! für sich haben unb haben deshalb auch recht bestimmt vor sich gehen, unb spätestens Anfang Juli wirb! ein Erwibern bes bekannten Flotteubesuches in Kronbann ber Reichstag zur neuen hochernsten Session! stabt burch ein russisches Geschwaber verlangt. Ein zusammentreten. Daß er sich vor ein Entweder-l solcher Besuch ist nun allerdings auch bas Minbeste, Ober von vornherein gestellt sehen wirb, ist bekannt. I was ber Czar unter ben heutigen Verhältnissen leisten Es heißt: Entweber Berstänbigung über bie neue! kann, und so soll benn Ende Juli ober Anfang Militärvorlage ober aber erneute Auflösung. Er- l August wirklich eine Flotttlle des Zarenreiches in fteulich ist es, zu vernehmen, baß bie Reichsregienmg bem französischen Kriegshafev Brest mit vorsprechen. von dem ProM der Erhöhung der Bier-und Branm-! Der russische Thronfolger, nach welchem man sich Ansteuer entschieden abgekommen, vielmehr ent- schon seit Jahren sehnt, kommt aber nicht nach Paris, schlossen ist, bie Kosten ber neuen Militärvorlage! - Im österreichisch-ungarischen Reichsparlamente hat bei bereu Annahme auf leistungsfähige Schultern der Minister deS Auswärtigen Graf Kalnoky nochmals i n‘ cetwas, kann nur dieser Ent-1 Veranlassung genommen, auf bie allgemeine europäische schloß bazu beitragen, einen Ausgleich über bie I Lage zurückzukommen. Unter Hinweis auf bie Politik Militärvorlage zu erliichtern. Es besteht heute noch! beS Fürsten Bismarck bestritt ergänz entschieden baß in ben weitesten Kreisen bie Hoffnung, es werbe gute Beziehungen zwischen Rußland unb Oesteneich- nicht zu einem tiefergehenbeu, Hanbel unb Gewerbe! Ungarn bie Existenz bes DreibnnbeS gefäljrbeten • an schwer schädigenden Konflikt kommen, sondern sich dem letzteren sei nicht zu rütteln, Fürst Bismarck am Ende doch in irgend einer Weise eine Lösung selbst habe aber ein freundschaftliches Verhältnis der verwickelte» Situation ergeben. Die nächsten zwischen Wien und Petersburg als die beste Friedens- Tage werden ja zeigen, wie weit diese Hoffnung be-l garantie bezeichnet. Der Minister äußerte sich dann ----.redjtigt war. Die Wahlbewegung, die im Ganzen! auch noch ausführlich über die neue deutsche Militär-
2754 6737 ft/)ü 1495 0x7 1/?/? so ruhig verlaufen war, hat in den allerletzten Tagen Vorlage. Seitdem find die Delegationsverbanblunaen
4/94 0/9/ ÖUH 1445 30/ 166 1600 |$u einig«, unliebsamen Szenen noch Anlaß gegeben, sehr M verlaufen, und werden nun auch wohl i^
zum Gluck ist es nicht zu bunt geworden und ist kurzer Frist zum Abschluß gelangen. In Prag haben kein umfangreicheres Eingreifen der Staatsgewalt! die czechischen Hetzereien gegen die Deutschen wieder ... „ , erforderlich gewesen. Größere Ausschreitungen in fo | einmal Früchte getragen, ein cieditoer w
h” "sm6 ^eichstagssesfion beziehen, waren in I ernster Zeit würden auch nur den peinlichsten Ein-1 den kommandierenden General in Prag Grafen Grünne d-r letzten Wrche mancherlei im Umlauf; es ist aber druck allerseits hervorgernfen haben. thätlich angefallen beribn in fiffiSS
ersichtlich, daß es sich dabei in der Hauptsache um I Am meisten hat man sich natürlich in Frankreich I griff» leicht am Kopfe verwundete Die Erecken haudelt. Wichtige Neu-Entschließungen! und Rußland mit der deutschen Militärvorlage be-l klären nun das saubere Flüchtet für geisteskrank aber der Reichsregierung können erst auf Grund des de- schästigt; bie Spannung, welche in Paris bezüglich tatsächlich V b“e2nidjtmehr aeiÄrat? Ken" £ CT?, besteht, ist eine Hgrabige, unb «Me feine S^u”, Me LnaüTÄ
toerfcen. Vom Grbprivzen Bernharb von Sachsen-1 einige Revancheblätter haben auch bie bumme An-1 fixen Idee der Deutschenvertilanna leiben In Klodni» SKelningen, heute Divifionsgeneral im Berliner Garde-1 gewohnheit des Hetzens gegen Deutschland nicht lassen! und Fünskirchen ist es zu größeren Soblenarbeiter» ti ( ei” Kommando „überlegen,!können. Dazu hat sogar bie Anmelbung bes PferbesIstreiks gekommen, die auch nicht ohne Krawalle ab»
ÄT.2“*"' ^r Herzog «nq, Wer Lines beutschen Offiziers zu einem französischen Wett- gelaufen sinb Jetzt Ant die Bewegt Im Ab-
S, ££,?? w6«*”9k ” eb4^U er8se" beabsichtige, rennen herhalten müssen. Daß Frankreich die neue rehmen zu fein. In Rom haben° sehr ausführliche wiesen 9 a&er n <^i a 8 rutreffenb er-!deutsche Heeresverstärkung, wenn sie eben vom Reichs-1Erörterungen über allgemeine politische Verhältnisse An» ist h«r m, .r. wirr J “n0cnonn"fn wird, nicht nachmachen kann, wird! stattgefunden. Im Vordergründe stand das Verhalten
a«sollen^ ffis inK ehernen Würfel sind I allseittg zugegeben; es werben beshalb schon allerlei! bes Königs Memlik von Abessynien, bei de» Italienern
9 t. » sank J® r& ” / " Tagen sich zeigen,!Vorschläge wegen Abänberung ber Organisation der!Überhaupt erst seine Herrschaft verdankt aber NN»
HaÄ R^st°g barbietet, französischen Armee gemacht. Namentlich soll das vom Großmachtstttzel Srat »irb u^b aern Z C M°n C « ^ststehendes ist, ober ob es!neue Cabregesetz in ber Deputiertenkammer sobald I seinem Schutzvertrage mit ber römischen Reaiernna toe^ben^ann ^e" Stichwahlen korrigiertIwie möglich durchgepeitscht werben. Etwas verschnupft!wieber los sein möchte. Es scheint ihm aber nicht
di Ä^'r-n Allgemeiuen ist ja bekannt, daß ist man in Paris boch von ben bekannten Dar- recht gelingen zu sollen. W *
Charakterzuge I legungen bes österreichischen Ministers bes Auswär- Eine plötzliche Erkrankung des Präsidenten Carnot . 9etrlU unbl1{ßen' ®rar"c” Kalnoky, gewesen, der bekanntlich das! die anfänglich als Leberleiden gedeutet wurde ihat»
,e.enr abgeschwacht oder gar! Vorhandensein einer größeren Annäherung zwischen! sächlich aber wohl eine Nervenkrankbeit die'falae verwischt wirb. Nach gemeinsamer Anorbnung aller! Rutzlanb und Oesterreich-Ungarn betont hat. Tie! vieles hinuntergeschluckten Aeraers iss maLt in Rar?» soll.» am Mi --.mj« nu Mg gASK
Erscheint täglich «cher en Btrfteien nech S«w- «r, MF 444 Äeiertegru. — Ouertel-Abermements- Prri» bei der Expe-
JlÄ 141» ditinn 9 Mk., bei allen PaAmtrrn 2 SH. LS Pf,. (trfL
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition diese» Blattes, sowie dieAnnoncen-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in Ä „
Sonntag, 18. Juni 1893. »ÄÄÄraXÄi;«! XX¥IIL
________________Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
nach den neuesten, stellungen:
Stadt und K^eis
Marburg
jedoch immer
noch nicht endgültigen amtlicher: Fest-
Lucke
1424
Böckel
3625
Kaiser
509
Schott 584
John 295
Martin
156
Müller
176
Stadt und Kreis
Kirchhain
345
1428
34
315
60
3
1417
Stadt und Kreis
Frankenberg-Vöhl
985
1684
266
526
2
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7 1