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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
*** tob* Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expediten: Markt^Lli #
Jli 139.
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Marburg,
Freitag, 16. Juni 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt tu M., Cafiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube n. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
Deutsches Reich.
W. Hterkiu, 15. Juni. Bon seinem Ausfluge »ach Posen, welchen der Kaiser zm Alarmierung »et dortigen Garnison am Dienstag unternommen hatte, ist der Monarch im besten Wohlbefinden Mittwoch Vormittag in Potsdam wieder eingetroffen. Die Ueberraschung der Posener Garnison ist dem obersten Kriegsherrn durchaus gelungen, von der Bevölkerung wurde Se. Majestät mit jubelnden Zurufen begrüßt. Am Mittwoch Vormittag arbeitete der Kaiser von morgens 9 Uhr ab mit dem Chef des Zivilkabinetts und empfing sodann den Minister des Königlichen HauseS zum Vortrage. Am Nachmittage wurde Generalleutnant von Planitz, Generaladjutant der Fußarttllerie empfangen. Nach den Wahlen wird sich der Kaiser zur Flottenbefichtigung nach Kiel begeben. Ein genauer Termin für diese Reise ist aber noch nicht festgestellt worden. — Am Dienstag Nachmittag 2 Uhr ist das preußische Staatsministerium zu einer Sitzung zusammengetreten, der auch der Reichskanzler beigewohnt hat. — Der Tod des Herzogs Max Emanuel in Bayern hat die kaiserliche Familie recht schmerzlich berührt. Der Kaiser hatte für diesen Prinzen eine ganz besondere Zuneigung. Zum letzten Male war der Herzog znr Zeit der Eröffnung des jetzt aufgelösten Reichstages in Berlin. — Im „Hamb. Son." wird berichtet, daß die deutsche Regierung fest entschlossen sei, keiner weit-ren Verlängerung deS modus vivendi zwischen Deutschland und Spanien, der am 30. d. M. abläuft, zuzustimmen. Man hält ein definitives Abkommen, wenigstens für jetzt, fast für unmöglich wegen der Schwierigkeiten, die ans der Frage der Einfuhrzölle für bearbeitete Korken nach Deutschland und der Alkoholskala der spanischen Weine entspringen. — In der W e l t a n s st e l l u n g zu Chicago findet heute, am 15. Juni, das deutsche Fest statt. Das Komitee hat bekanntlich jeder Natton einen Festtag zugebilligt, und die Deutschen haben als ihren Tag den 15. Juni gewählt. Nach den großen Umriffen zerfällt das Fest in drei Teile. Ein Umzug wird die geistige, geschichtliche und industrielle Entwicklung Deutschlands zur Darstellung bringen. Au diesen, sehr großartig werdenden Zug schließt sich der eigentliche Festakt vor dem deutschen Hanse und den Schluß bildet eine Feier in der Maschinenhalle. Abends werden zahlreiche Festtafeln die Deutschen vereinigen, von welchen Tausende aus allen Teilen der nordamerikanischen Union augemeldet find. Ein bemerkenswertes
Arrrch Volke«.
Erzählung von M. Widdern.
(Nachdruck »erboten.] (Fortsetzung.)
Wie aus tiefem Traume erwachend, fuhr Margot zusammen. — Einen Moment sah sie wie verständnislos in das Gesicht der alten Dame, dann fuhr sie sich mit der Hand über die Stirn und erwiderte in sanftem, rührend bittendem Tone: „Ach wie zerstreut bin ich! O, und für Sie so lang »eilig! Verzeihen Sie mir, Frau Rätin, ich will mich für künftig bemühen, nicht über dem eigenen Denken die Pflichten zu vergessen, die ich meiner edlen Wohlthäterin gegenüber zu erfüllen habe"
„Pflichten?" Die Rätin glitt kosend mit der runden weißen Hand über dcn dunklen Scheitel des jungen Mädchens:
„Pflichten haben Sie nicht gegen mich zu erfüllen, aber es macht mich traurig, wenn ich Sie immer wieder so betrübt sehe; doch lassen wir das Margot, ich möchte nicht, muß ich es Ihnen erst wiederholen? — daß es scheine, als wollte ich mich in Ihr Vertrauen drängen, ja, als dächte ich auch nur, es wäre unrecht von Ihnen, daß Sie mir nicht offenbarten, was Sie bedrückt. Ich bin eine alte Frau, die das Leben auch in mancherlei Ge- statt kennen gelernt hat, und so weiß ich aus eigener Erfahrung, daß man auch Schicksale erleiden kann, über die man nicht sprechen mag. Das größte Leid hat eben keine Worte, läßt un» schweigend innerlich verbluten. So, und nun machen Sie sich nur zum Aufbrechen bereit — da Sie nun einmal partout in Ihrer Stellung bleiben wollen, geht e« auch nicht anders, als Pünktlichkeit zu halten."
Dies wollte Margot ja auch gewiß, und so sehen wir sie schon in fünf Minuten aus der Straße.
Zusammentreffen ist eS, daß zur gleichen Zeit im alten Vaterland die Reichstagswahlen abgehalten werden. — Bor einigen Tagen wurde mitgeteilt, die Etsenbahnbehörden hätten ihre Beamte« bis zum Weichensteller herab angehalten, ihr Wahlrecht am Donnerstag auszuüben. Das „B. T." erfährt nun, daß die sämtlichen kaiserlichen und königlichen Behörden, darunter also auch die Eisen- bahnbehörden angewiesen sind, den Beamten durch Einrichtnvg des Dienstes am Wahltage Gelegenheit zu geben, ihr Wahlrecht ansznübeu. — Vor einigen Tagen hatte der Pariser „Figaro" gemeldet, daß der französische Botschafter Herbeite nach seiner Rückkehr nach Berlin bei der deutschen Regierung Verhandlungen über die Abgrenzung des Karner un- HinterlandeS anregen werde, und hinzugefügt, daß die französische Regierung unerschütterlich entschlossen fei, ihre aus den Verträgen der ftanzösische« Reisenden abgeleiteten Rechte aufrecht zu halte«. Bisher ist, wie hierzu mitgeteilt wird, an maßgebender Stelle in Berlin nichts davon bekannt, daß bei der Pariser Regierung die Absicht vorhanden ist, über jene in letzter Zeit vielbesprochene Frage in neue Verhandlungen einzutreten. Besteht aber diese Absicht und ist die französische Regierung, wie der „Figaro" versicherte, in der That entschlossen, die von ihr auS den Verträgen den Reisenden Maistre, Mizon und de Brazza abgeleiteten Befitzstandsrechte, von Deutschland zn verlangen, so wird sie auf deutscher Seite ebenso entschlossenen Widerstand finden.
— (Gerücht von einem Rücktritt des Herzogs von Meiningen.) In Berliner Zeitungen bringt man die Absicht des Erbprinzen von Meiningen, den aktiven Dienst im Heere zu quittieren, mit einem Rücktritt des Herzogs Georg II. von der Regierung, der über kurz ober lang erfolgen soll, in Verbindung. Richtiger ist wohl, daß der Erbprinz nach Meiningen gehen soll, um die Repräsentations- und andere Pflichten für seinen kränklichen Vater zu übernehmen. Herzog Georg II. ist am 2. April 1826 geboren und kam auch durch Rückritt seines Vaters im Jahre 1866 zur Regierung. Der Herzog ist seit einiger Zeit leidend, ebenso seine Gemahlin. Erbprinz Bernhard steht jetzt im 42. Lebensjahre. Er trat am 1. November 1867 als Sekondeleutnartt in das 95. Infanterieregiment ein und wurde 1873 dem Garde - Füsilier - Regiment aggregiert, dem er fünf Jahre lang angehörte, zuletzt als Major. Nach verschiedenen Kommandos zur Dienstleistung trat er 1885 als etatsmäßiger Stabsoffizier in das Kaiser Franz-Garde-Grenadierregiment
ein, dessen Kommandeur er von 1887—1889 war, nm bann das Kommando der 4. Garde-Jnfanteric- Brigade, später das der 2. Division zu übernehmen; sein Patent als Generalmajor datiert vom 13. August 1889. Der Erbprinz ist mit der ältesten Schwester des Kaisers, Prinzessin Charlotte, seit 18. Februar 1878 vermählt. In Meiningen, so wttd dem B. T. von dort telegraphiert, will man das Gerücht von dem noch vor den diesjährigen Herbstübungen bevorstehenden Abschiedsgesuch des Erbprinzen Bernhard als durchaus unzutreffend bezeichne«. Man sagt, die Meldung sei wahrscheinlich dadurch entstanden, daß der Erbprinz, als Kommandeur der 2. Garde-Division, einige Pferde verkauft hat und daß Möbel ans seiner Berliner Wohnung nach Bad Liebeustetn zu Privatzwccken gesandt worden sind. Aus alledem geht hervor, daß die Nachricht von einem Rücktritt in maßgebenden Kreisen keine Bestättgung findet, was bei der Beliebtheit des Erbprinzen sicherlich allgemein Genugthuung Hervorrufen dürste.
— Zum griechischen Staatsbankerott bemerkt die Voss. Zig.: „Am 1. Juli werden die Zinsabschnitte der 5prozcntigen griechischen Anleihen aus den Jahren 1881/84 fällig. Wie bereits früher mitgeteilt wurde, sollten die Zinsen nicht in Gold, sondern in „Skrips" oder Auweisnngsformnlaren auf die erst später auszugebenden endgiltigeu Obligationen einer neuen 5 proz. Goldanleihe gezahlt werden. Zur Sicherstellung dieser sog. Fundierung»- — ober Moratoriums-Anleihe will die Regierung gewisse Zolleinnahmen, die im Berichte des Majors Law über die griechischen Finanzen s. Z. auf 8 Mill. Drachmen geschätzt worden sind, anweisen. Es fragt sich nun dem gegenüber, wie die Gläubiger Griechenlands sich zu verhalten haben. Tie befinden sich natürlich in der Zwangslage, einem bankerotten Staate gegenüberzustehen. Lehnen sie es ab, die neuen Scheine statt des baaren Geldes in Zahlung zu nehmen, so gehen sie jetzt leer aus, bewahren sich aber alle Rechte gegen die griechische Regierung, die indes unter den gegebene« Verhältnissen praktisch ohne Wert sind. Entschließen sie sich, die Skrips zu nehmen, so könnte ihnen damit ein Ersatz für die Zinsen geschaffen sein. Es erhebt sich aber die Frage. Wird das Parlament dies Abkommen und die Moratoriums-Anleihe genehmigen? Was geschieht wenn eine Ablehnung erfolgt? Diese Unklarheit tritt stark erschwerend in die Sachlage ein. Richtiger wäre es gewesen, das Parlament sofort zusamrnen- zmufen, um jeden Zweifel zu heben. In weiterer Fernsicht erhebt sich bann die Frage, ob die Regierung
Eiliger als gewöhnlich noch verfolgte sie ihren Weg. Ganz verloren in Gedanken, die heute, wie gesagt, wieder recht finster, ja schmerzhafter Natur sein mußten, achtete sie dabei gar nicht der übrigen Passanten, fiel es ihr auch nicht auf, daß sie schon von der Mühlenstraße au» Schritt für Schritt verfolgt wurde.
„Ein altes, armselig gekleidetes Weib war es, das schon lange, ehe Margot sich auf den Weg gemacht, an dem Hause der Rätin aus- und nieder- geschlichen und das Erscheinen des jungen Mädchens im Portal mit einem leisen „endlich" begrüßte Behutsam war sie dann hinter Margot einher- geschlichen, bis diese an einer Straßenecke angelangt und momentan zögerte, vielleicht überlegte sie, ob sie nicht hier schon in eine Droschke steigen sollte, an- statt in irgend einer anderen Straße auf einen Pferdebahnwagen, der ihre Tour zu fahren hatte, zu warten. Da trat das Weib mit dem sonderbar bleifarbenen Gesicht, um das sich kein Haarsträhn- chen zeigte, (das Kopfhaar der Alten war kurz wie bei einem Manne und was unter dem Tuch hervorlugte, keinen Zoll lang) plötzlich vor unsere ;ungc Freundin.
Beinahe entsetzt schaute Margot auf die unheimliche Erscheinung, dann ober fragte sie doch, wenn auch hastig und in ängstlichem Ton, was ie wolle.
Aber die Alte verzog ihr Gesicht zu einem fon» terbaren Grinsen, bann flüsterte sie ein paar Worte, die Margot erbeben machten.
»Wenn dem so ist," erwiderte das Mädchen mit vibrierender Stimme, „so laßt uns in jenen offenen Thorwcg treten! Kommt schnell, kommt schnell, ich vergehe vor Ungeduld!"
„Freuen Sie sich so? —* fragte die Alte und
ein cynisches Lächeln zuckte um ihren Mund — „Na, wenn nur der hinkende Bote nicht nachkommt! Aber was ich sagen wollte, es hat mir Mühe gekostet, Sie in der großen Stadt auszusuchen und ich würde wohl meinen Auftrag unerfüllt haben lassen müssen, wenn mir meine Tochter," sie horchte endlich auf — trotz allem und allem — „nicht den Rat gegeben hätte, auf das Meldeamt zu gehen und mich nach dem Domizil einer Margot Gregoroff zu erkundigen. Es war auch das beste, was ich thun konnte, denn jetzt wußte ich sofort, wo Sie sich aufhielten. Natürlich wagte ich es nicht, Sie ohne weiteres in Ihrer Behausung Heimzusuchen und so lungerte ich den ganzen Tag gestern um das Haus herum, in dem sie wohnen sollten, immer auf eine junge Person in Ihren Jahren passend. Aber ich nuß doch nicht aufmerksam genug gewesen sein, >enn unter denen, die Ihre Hausthür passierten, jemerfte ich nur ältere Frauen, junge und alte Männer, dazu eine bedeutende Anzahl abscheulicher Rangen, die sich schon über mich lustig zu machen begannen. *
Da» ungleiche Paar war bei den letzten Worten der Alten in einen Thorweg getreten.
„Lassen Sie mich nicht länger warten," bat Margot jetzt, „ich bin, die Sie suchen, feien Sie Iber zeugt davon und nun geben Sie schnell, was Sie mir zu geben haben!"
„Hihihi!" grinste die Alte — „hab' solche Ungeduld nicht erwartet" Dann fuhr sie aber doch in ihre Tasche und holte einen jufammengefalteten Papierfetzen heraus.
„Nehmen Sie," sagte sie in ihrer abscheulichen römischen Weise und rvars einen langen, forschenden Blick in dar totblasse Gesicht des Mädchen».
Mir bebenden Händen hatte Margot dm schmutzigen
in Zukunft verständiger wirtschafte« wirb, als bisher, ob namentlich die Ueberschüsse ans der neuen Anleihe zur Einziehung von dem übermäßig abgegebenen Papiergeld Verwendung finden. Es liegt im Plane der Regierung, in den nächsten drei Jahren durch Verkauf von Stücken der neuen Anleihe 36 Mill. Drachmen Papiergeld aus dem Verkehr zu ziehen, um das Goldanfgeld zu verringern. Geschieht dies nicht, so würde die Moratoriumsanleihe nur eine vermehrte Belastung des Staatshaushalts bilden und Griechenland vollends dem Ruine zuführen."
H'osen, 14. Juni, lieber die Ankunft des Kaisers in Posen werden noch die nachfolgenden interessanten Details mitgeteilt. Der Kaiser benutzte, wie gemeldet, einen Exttazug, welcher auf Befehl des Monarchen die Route über Kreuz nehmen mußte. Erst am Morgen des Dienstag lief auf Station Posen die Meldung ein, daß eine einzelne Maschine eintreffen würde und so kam es, daß der kaiserliche Zug vor der Kaponnie-re zehn Mnuten halten mußte, bevor das Einfahrtssignal gegeben wurde. Der Kaiser begab sich sofort über die Geleise nach der Glogauer Straße, um dort auf das Ausladen der Pferde zu warten. Sodann ritt der Monarch in Begleitung eines Adjutanten nach der Kaserne des 6. Infanterieregiments, um dort das Alarmsignal geben zn laffen. In kaum einer halben Stunde stand das Regiment marschbereit da, der Kaiser setzte sich an die Spitze der Trnppm und führte dieselben nach dem Exerzierplatz. Ter Kaiser wurde Anfangs von den meisten Passanten gar nicht erkannt und er soll darüber wiederholt gescherzt haben. Als die Musik unerwartet einsetzte, scheute das Pferd deS Monarchen, doch gelang es diesem bald, ohne jede Hilfe desselben wieder Herr zu werden.
Kiek, 14. Juni. Prinz Viktor von Italien ist auf der Rückreise in Mel in der Nacht zum Mittwoch eingetroffen und wurde auf dem Bahnhofe vom Prinzen Heinrich, dem Bruder des Kaisers, empfangen. Am Mittwoch Morgen begab sich Prinz Viktor an Bord des Flaggschiffs „Baden". Dasselbe ging alsbald mit sämtlichen Schiffen der Manöverflotte in See, wo eine Hebung stattfand. Nach der Rück- kehr besuchte der Prinz den Nordostseekanal und folgte sodann einer Einladung zur Tafel im königl. Schlosse, an welcher auch das Gefolge und der Ehrendienst des Grafen, sowie die anwesenden Admirale teilnahmen. Nachmittags erfolgte die Abreise «ach Italien.
Straßburg, 14. Juni. In Elsaß-Lothringen werden gegenwärtig von Paris aus unter Couvert
Zettel auseinandergefaltet, nun flogen ihre Augm über die sonderbaren, ungewissen Schriftzüge.
„Gott, Gott!" hauchte sie dann, und ein Freudenstrahl zuckte aus den dunklen Sternen. Dann aber streckte sie der Alten ihre Rechte entgegen, die Linke hielt das wunderliche Billett.
„Sie bringen mir Langersehntes!" sagte sie, und leise setzte sie hinzu: „Aber nun erzählen Sie mir auch, wie verließen Sie die Unglückliche, sagen Sie mir alles, was Sie von ihr wissen."
Wieder zeigte die Alte ihr häßliches Grinsen, und mit fliegendem Atem begann sie dann — diese lange Geschichte von einer liebenden, sehnenden Mutter, die die Stunde nicht erwarten könne, in der sie das treue Kind wieder im Arm halten würde — eine Geschichte voller Hoffnung nnd Vergessen — in der aber leider kein Titeichen Wahrheit.
Wie verklärt hörte Margot ihr zu. „Und wie meinen Augapfel will ich sie halten; durch treueste, hingebendste Liebe sie schadlos machen für da», was gewesen ... O, ich hab' fleißig gearbeitet — ge- >part, um ihr, wenn das Entsetzliche überstanden, ein traute« Heim bereiten zu können! Aber wie oll ich Ihnen für die gute Nachricht danken?" unterbrach sie sich dann wieder, und, ohne erst wirrer eine Antwort abzuwarten, in ihre Tasche greU end, zog sie ein buntes, zierlich gehäkeltes Börschen -ervor und es der wunderlichen Botin in die Hand drückend, flüsterte sie:
.Ich sehe es Euch an, Ihr seid arm und entkräftet dazu — nehmt das und macht Euch auch einmal einen guten Tag."
Während sich die Beschenkte nun aber in einem Schwall von Worten Lust machte, wintte Margot mit der Hand, und al« die Alte endlich das letzte Wort gefunden, sagte sie: