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MerMHe Bettung.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.
1,1 kiM» Jllustrirtes Sonntagsblatt. K<Wtion >md Markts 3Rarbnr0‘
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Urscht tut täglich außer en Werktegen mich t5*nzi» xnb Feiertagen.—O«artal-Ab»anemeut«-Prei» bei der Srpr. toten a ML, bei allen Postämtern 2 3RL 36 $fg. (ejä. vestrLgrld). JnserationSgebnhr für die arspaÄm Zeile eher deren Raum 10 Pfg., Reklamen f iit die Zeile S6Pfg.
Marburg,
Sonntag. 4. Juni 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, sowie die Annoncen-Bmeaux von Haasenftein u. Vogler in ,
Frankfurt a. M„ Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. £<01110 Moffe di Frankfurt a. M., Berlin, München «.Köln; G. L. ' °
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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Wochenschau.
Der Rosenmonat, der ins Land gekommen ist, erblickt die Fortsetzung der Wahlagitation für die Reuwahlen zum deutschen Reichstage. Die Wahlbewegung ergreift nunmehr die kleinere» Städte, sowie das platte Land, überall haben die verschiedenen Kandidaten ihre Rundreise» angetreten, um sich ihren Wählern vorzustellen und ihr Programm zu verkünden. Der Charakter der Bewegung ist im großen Käuzen ein ruhiger, Ausschreitungen fehlen so gnt wie ganz, nnd selbst Versammlungen mit entschieden stürmischem Charakter weiden nur verhältnismäßig selten verzeichnet. Prophezeiungen für den Wahl- onsfall wagt auch heute niemand abzngeben, es ist ratet den obwaltenden Verhältnissen gar zu schwer, richtig zu beurteilen, wie sich in manchen Wahlkreisen die Dinge gestalten werden. Jede Partei hat schließlich ihre festen Sitze, aber die Zahl derjenigen, über welche erst in einer Stichwahl entschieden werden »Kd, dürfte bei der Menge der vorhandenen Kandidaten eine so große fein, daß sich die Einzelheiten aller Berechnung und Mutmaßung entziehen. Daß eine Mehrheit für die Militärvorlage zustande kommt, wenn anch nur eine knappe, ist möglich, geradeso, wie das Gegenteil; aber wa8 kaum möglich erscheint das ist ein Reichstag, von welchem die Annahme solcher Vorlagen zu erwarten ist, wie das Projekt der Biersteuererhöhung, eine war. Soweit man aus den Wahlreden schließen kann, verpflichte» sich alle Laudidateu dahin, keine Steuern zu bewilligen, welche eine drückende Belastung der breiten Volksklassen dar- stellen würden; eine Reichseinkommensteuer und eine Lurussteuer werden bisher zur Deckung der Kosten der neuen HeereSorganisation vorgeschlagen, falls der Reichstag diese genehmigen sollte. Ob er dies thun soll, darüber werden nun eben die Wähler am 15. Juni zu entscheiden haben. Als bemerkenswertes Moment ans der Wahlagitation ist vor Allem hervorzuheben, daß sich im Westen wie im Osten unter früheren bekannten Führern der Zenkumspariei besondere katholische Parteigruppen bilden. In Westfalen hat Freiherr von Schorlemer - Alst die Leitung der Bewegung zu Gunsten der Militärvorlage in die Hand genommen, in Schlesien steht Freiherr von Hnene an der Spitze, der sich nun doch wieder bereit erklärt hat, ein Reichstagsmandat anznnehmen. Seinem Beispiel dürften die meisten derjenigen bisherigen Zentrumsabgeord- »eten folgen, die im Reichstage für den AnKag Hnene stimmten. Zwei neue Fraktionen, ober, genau genommen, drei wird also der neue Reichstag sehen:
Seine»
i zuletzt text)
Der Sieg der Liebe.
Jteeuut v»n 3. ». Böttcher.
! Nachdruck verboten.!
(Schluß.)
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wartet darauf!' und Dürrenstein krampfhaft um« fassend, zwang er ihn auf den Tamm.
Beide stolperten über die Schienen und fielen auf das Geleise. Ein glühender Schein, eine Rauchwolke erhoben fich vor ihnen — ein wilder gräßlicher Schrei des Entsetzens entrang fich Dürren-
Sein Griff, der Griff eines Wahnfinnigen, wurde fester, der Elende unter ihm fühlte sich dem Ersticken nahe Mit riefenmäßiger Anstrengung umschlang er den Leib seines Gegners und sich auf’ richtend, schlug er mit der einen Faust auf ihn ein- Schnell und wuchtig fielen die Schläge auf Mar' tini's bleiches Gesicht, aber er lachte nur um fo lauter und drückte um so fester.
„Sie wollen sich davon machen und mich die Sache ausbaden laffen, das wollen Siel* heulte er in das Ohr seines Opfers. „Cie wollen mich für den Check in das Zuchthaus sperren laffen! Ich habe Sie und taffe Sie nicht!"
Dürrcnstein raffte fich noch einmal zu einer letzten Anstrengung auf, beide Männer standen jetzt aufrecht, sich in rasender Wut, wie zwei Teufel fest umschlungen haltend.
Plötzl'ch ließ sich inmitten von Martini's Gebrüll das Brausen eines herannahenden Zuges vernehmen. Es war der Expreßzug aus der Residenz, ihant Dem Ohre des Wahnsinnigen schien dieser Ton fier eine Art von Mahnung in fich zu schließen.
el» _ »Der Zug!" heulte er. „Wir wollen mit dem alleit Buße fort, Sie und ich, Dürrenstein l Wir wollen ' ■ das Geld holen! Ich verlasse Sie nicht mehr, bis ich das Geld habe! Hören Sie es? Adelheid
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bie beiben freisinnigen Parteigruppen unb die neue katholische Gruppe Hnene - Schorlemer. Wer will sagen, wie fich ba alles lenken und wenden mag.
Das preußische AbgeorbuetenhouS ist noch mehr- wöchentlicher Ruhepause toieber zu zwei Sitzungen, beide von nur kurzer Dauer, zusammengetreten unb hat fich hiernach bis zum Ende des Monats Juni vertagt, um ber Wahlagitation für ben Reichstag nicht im Wege zu fein. Die Beschlüsse, welche soeben gefaßt worben find, ftnb entscheidend für das Zustandekommen ber neuen preußischen Steuerreform. Der Stein bes Anstoßes für dieselbe bilbete bekanntlich das infolge ber Reform notwendig gewordene neue Wahlgesetz, bezüglich dessen das Herrenhaus bie vom Abgeorbnetenhause beliebte Fassung ganz wesentlich abgeänbert hatte. Im Abgeorbnetenhause würbe von Seite» ber ZenirumSpartei, sowie ber freisinnige» Rebner mit großem Nachdruck bie Wiederherstellung ber früheren Beschlüsse unb bie Ablehnung ber vom Herren Hause getroffenen Abänderungen gefordert, indessen ber Ministerpräsident Graf Eulenburg, sowie bie Vertreter ber Konservativen unb Nationalliberalen meinten, daß es um des lieben Friedens willen unb im Interesse des Zustandekommens der ganze» Steuerreform besser sei, sich mit dem Herrenhause zu einigen. Unb so geschah eS. Das somit geschaffene Wahlgesetz ist nun allerdings ein ganz außerordentlich kompliziertes geworden, und ob is lange bestehen bleiben wird, ist recht fraglich. Angenommen wurde ferner daS Gesetz, welches zur Förderung des Volksschulwesens und zur Aufbesserung ber Lehrergehälter 2 Millionen ans wirft. Die Regierung hatte 4 Millionen geforbeit, aber dieses Verlangen war in gleicher Weise abgelehut, wie ein wiederholter Antrag Schenkeudorf auf Bewilligung von drei Millionen. Der Rest der Aufgaben, welche dem preußischen Parlament obliegen, kann etwa bis Mitte Juli erledigt werden, vorausgesetzt, daß keine neuen Konflikte zwischen dem Herrenhouse und dem Abge- ordneteuhause fich geltend machen.
Ueber die Eröffnung des neuen Reichstages steht etwas Bestimmtes noch nicht fest, doch ist ganz selbstverständlich, daß der Kaiser, wie bei jeder neuen Session, die Thronrede persönlich verlesen wird. Von seinem Jagdausfluge nach Pröckelwitz ist der Monarch jetzt über Danzig, wo derselbe dem Stapellaufe der neuen Kreuzerkorvette „Gefion" beigewohnt hat, nach Berlin zurückgekehrt, wo am Freitag die große Frühjahrsparade des Gardecorps stattgefunden hat. Als fürstliche Gäste sind zu derselben u. A. eingetroffen ber junge Prinz Viktor von Italien, ber Reins Lippen, begleitet von dem Gelächter des Wahnsinnigen, und im nächsten Moment war der Zug über sie hinweg und ließ die beiden Männer, welche sich noch fest umschlungen hielten, als Leichen sinter sich.
*
Zwei Jahre später wandelte eine Dame bei Sonnenuntergang langsam durch den Park von Bärenfelde. Im Schlosse begann man schon die Lichter anzuzünden und als das große Gebäude endlich in Hellem Lichtschein strahlte, erscholl erst eise, dann immer lauter und lauter freudiges Glockengeläute.
Es waren die Glocken der Dorfkirche, welche zum festlichen Willkommen Adalberts von Dürrenstein erklangen, der heute Abend von einer langen Reise in fremdem Weltteilen heimkehrte, um Besitz von dem Schlosse seiner Väter zu nehmen, dessen er so lange beraubt gewesen.
Die Dame blieb einen Augenblick stehen, um zu lauschen, und bti dem Lichte der Laternen, welche angczündet worden, sobald die Glocken zu läuten begannen, erkannte man Eva. Sie sah so schlank und mädchenhaft aus, daß man hätte glauben können, die Zeü habe still gestanden und keins der von uns erzählten tragischen Ereignisse habe einen Schatten auf sie geworfen.
„Roch fünf Minuten!" flüsterte sie mit einem eligen Lächeln. „Fünf Minuten, es ist mir, als könne ich die Zeit nicht erwarten: Ich, die ich zwei Jahre gewartet habe! O Adalbert, möge der Himmel Dich mir gesund und wohl zurückgeben!"
Fast noch während sie sprach erfüllten fröhliche, auchzende Stimmen die Lust, die Glocken klangen reudig und laut dazwischen und ber Schall von Hufschlägen erreichte ihr Ohr. Sie trat von der
Prinz Leopold von Boyern, der Regent von Braunschweig u. a. Am Kaiserhofe soll man die besten Hoffnungen haben, daß die Militärvorlage schließlich doch juftanbe kommen wird. Von den neuen russischen Handelsvertragsverhandlungen ist es schon seit längerer Zeit ganz still, doch ist die Annahme unznkeffend, es seien die Verhandlungen abgebrochen. Daß die Schwierigkeiten außerordentlich große sein werden, geht indessen schon daraus hervor, daß nach ein« monatlicher Dauer noch kein positives Resultat der Besprechungen erzielt worden ist.
Die Franzosen beginnen nunmehr ebenfalls, sich auf eine Wahlagitation vorzubereiten. Es liegt klar zu Tage, daß die Verhältnisse in der Deputierten- kammer für die Tauer unhaltbar find, und die Regierung kann sich ebensowenig, wie die Abgeordneten der Einsicht verschließen, daß man in ben sauren Apfel beißen unb bie Wähler befragen muß. Gern geschieht es schwerlich, benn ber Panamaskandal ist in den Provinzen kaum vergessen. Die Minister beginnen schon Wahlreden zu halten, und weil sich der Premiermkiifter Dupuy etwas gar zu zuversichtlich über seine Siaatskunst ausgesprochen hatte, erteilte ihm die Kammer eine kleine, aber deutliche Lektion. Man spricht aus diesem Anlaß schon wieder von einer nicht zu fernen Ministerkrisis, zu der es aber wohl kaum kommen wird, weil die Republikaner ollen Anlaß haben, ihre Geschlossenheit zu waren. Als kommender Mann gilt der frühere Minister Constans, der Unterdrücker des Boulaugismus, der besonders den Mtttelstaud für sich hat. Ueber die deutsche Wahlbewegung, über ihre Freundschaft zu Rußland und sonstige Herzenswünsche schwatzen die Pariser Journale allerlei Zeug, das man füglich wohl mit Stillschweigen übergehen kann. Aus mehreren Jndustrieorten sind Arbeiterftawalle gemeldet. Im englischen Parlament hat nach dem Pfingstfest die endlose Beratung der Homerulebill von neuem begonnen. Die ministerielle Mehrheit ist hn Laufe der Verhandlung nicht unbeftächtlich zusammengeschrumpft, und die Gegner der Vorlage prophezeien schon Gladstone's nahen Sturz; aber der alte Herr entwickelt im Augenblick eine ganz erstaunliche Energie, und so schnell wird es mit seiner Beseitigung wohl kaum gehen. In Brittsch-Ostaftika vollzieht sich jetzt dasselbe Schauspiel, wie vor längerer Zeit im benachbarten Deutsch-Ostaftika. Die Verwaltung geht von der ostafrikanischen Compagnie an de» britischen Staat über, ber auch schon das zentralaftikanische Königreich Uganda annektierte.
Die Eröffnung der österreichisch-ungarischen Dele-
Fahrstraße zurück und preßte die Hand auf bas Herz.
Näher kam der Schall und eine Equipage rollte chnell die Ausfahrt entlang.
Sie hätte dieselbe vorüberfahren lassen, ohne vorzutreten, aber das Auge eines Liebenden ist scharf und er gewahrte sie.
Die Pferde wurden kurz angehalten, eine hohe, r ästige Gestalt sprang aus dem Wagen und flog der Stelle zu, wo sie stand.
„Adalbert!"
„Eva!"
Das war alles, aber fest verschltlngen in über« eliger Umarmung, welche alle die sehnsüchtige Liebe jener zwei langen Jahre in fich schloß, sprachen ihre Augen mehr, als Worte auszudrücken vermochten.
„Laß mich Dich ansthen, Adalbert, Geliebter! Bist Du es wirklich? Ach wie dunkel es ist! Wäre es doch Heller! Laß mich Dich berühren, Adalbert, )amit ich mich überzeuge, daß Du es wirklich bist! O Gelickter, endlich! endlich!"
Eine Weile konnte er, der starke Mann, nur ihren Namen flüstern. Und so, Arm in Arm, hin und wieder stehen bleibend und Fragen stellend, die U beantworten keines von Beiden sich Zeit ließ, egten sie ihren Weg nach dem Schlosse zurück, wo treue, erprobte Freunde, Frau von Raabe, Frau Merlin und Betty nicht zu vergessen, sie erwarteten, um fich mit ihnen ihres Glückes zu freuen.
Die Hochzeit sollte zwar in aller Stille gefeiert werden, allein wie konnte man das erwarten, wo >as Brautpaar so beliebt war, wie Eva und Adalbert, und selbst die stillste Hochzeit mußte eine uflige werden, wenn Herr Geßler einen regen Anteil daran nahm.
Er war ee, der den Hochzeitskuchen aus der
gationen hat in Wien durch ben Kaiser Franz Joseph ftattgefunben, welcher in ber für das Reichsparlament bestimmten Thronrede hervorhob, daß fich die allgemeinen politischen Verhältnisse nicht verschlechtert hätten, mithin auch wegen der Erhaltung des Friedens keine Besorgnis zu bestehen brauche, daß aber auch die Notwendigkeit zum weiteren Ausbau unb zur Vervollkommnung der HeereSorganisation nach wie vor bestehe. Man erzählte viel von einer größere» Annäherung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, aber der Zweck dieser Geschichten ist ersichtlich kein anderer, als der, unter den Gliedern des Dreibundes Mißttauen zu erregen, was aber zum Glück ein recht sehr unnötige unb vergebliche Arbeit. I» Rom ist die Minister krifis beendet, die lebhaften Debatten über Angelegenheiten der inneren Politik nehmen indessen ihren Fortgang, und es ist keineswegs ausgeschlossen, daß es bald wieder kriselt. I» der ewigen Stadt ist man eben momentan etwas nervös. Für die auswärtigen Verhältnisse steht keinerlei Wechsel zu befürchten.
3m Orient hat in Bulgarien der Schluß der nach Tirnvwa berufenen großen Nationalversammlung ftattgefunben, und das fürstliche Paar ist nun über Philippopel nach der Landeshauptstadt Sofia gereist. In Serbien haben allgemeine Neuwahlen zur Volksvertretung stattgefunden, die wieder eine radikale Mehrheit gegeben haben, aber ganz ruhig verlaufen find. Ueberhaupt macht sich seit dem Sturze der Regentschaft in ganz Serbien eine wohlthättge Beruhigung bemerkbar. Die griechische Regierung in Athen macht verzweifelte Anstrengungen, aus ihrer unliebsamen Finanzlage herauszukommen. Um bie fälligen Schulden zu bezahlen, muß sie aber wieder Schulden machen. Flau bleiben die Verhältnisse des Landes immer. Die russische Kaiserfamilie ist auS der Krim in Moskau angekommen und wirb fich von dort nach Petersburg begeben. Die schlimme Stelle bet Borki, wo vor mehreren Jahren der schreckliche Attentatsversuch stattfand, gab dem Zaren und seiner Familie Anlaß zum Besuch ber bort errichteten Danke? kirche.
Aus Chicago kommt bie Meldung, daß die europäischen Aussteller mit dem Ausstellungs-Komitee äußerst unzufrieden sind, das mit einer seltsame» Maßregel nach der anderen kommt. Gegenwärtig, wo sich die Aussteller ihre schweren Kosten gemacht haben, könne» sie natürlich nicht wieder zurückzupfen, aber sie werden die Erfahrungen fich ganz sicher merken, und für die Teilnahme an amerikanischen Ausstellungen künftig bestens danken.
Residenz mitbrachte. Er leitete das Hochrufen der Menge an den Ehrenpforten und präsidierte später bei dem den Pächtern gegebenen Festmahle. ®r brachte die Gesundheit des Brautpaares aus und hielt eine Rede, welche für die glänzendste erklärt wurde, welche je in Bärenfelde gehalten worden, an deren Schluß er erklärte, daß Adalbert unfehlbar glücklich werden müsse, da er ein Ehrenmann fei und ein Pferd auf den ersten Blick beurteilen könne.
Lange nachdem Eva und Adalbert das Schloß verlassen, um ihre Hochzeitsreise anzutreten, von zwei prachtvollen Pferden, einem Geschenk Herrn Geßler's, nach dem Bahnhofe gezogen, dauerte noch der Festjubel, und das große Zelt, welches für die Gäste errichtet war, brach fast zusammen unter den jonnernben Lebehochs, als Rechtsanwalt König auf >as Wohl des Herrn und der Herrin von Bären- elve und Dürrenstein tränt.
Es bleibt uns nur noch ein Wort zu sagen, ehe wir den Vorhang fallen lassen.
In dem östlichen Viertel der Residenz befindet ich ein Unterhaltungssaal der allerniedrigsten Klaffe. Es ist der Sammelplatz der Hefe des Volkes, welches in dem fiedenden Strudel der Großstadt auf« und abwogt. Hierher kommt der Dieb und der Bauernfänger mit feiner Begleiterin und Helfershelferin, hierher kommt der arbeitsscheue Tagedieb, um fich eine Stunde bei schlechtem Tabak und chlechtm Spirituosen zu vertreiben. Und hier kann man Abend für Abend jenes einst so leichtlebige, achende, schöne und falsche Weib, Adelheid Braun, tnben. Eva's hilfreiche Hand und Börse hatten nicht vermocht, sie zu retten.
Stufe für Stufe war sie tiefer und tiefer in )en Abgrund gesunken, welcher den Verlorenen der Menschheit entgegengähnt. In schmutzigem, abge-