Einzelbild herunterladen
 

MechM Mlmz

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Bnrf mb BertM. " Jllustrirtes Sonntagsblatt. ™‘lto KMiÄä“ -5tort”-

Erscheint täglich a»ß« en Werdegen aech Senn- end M/V jrxw Feiertage».—Ouartal-AbonnemmtS-Prei» bei der Sxpe-

J|x 12 <♦ bitten 8 Ml., bei allen Postämtern L Mk. 88Psg. (exv.

Bestellgeld). Jnserationggebühr für die gespaÄne Zeile ebti deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 85 Psg.

«nötigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes,

IvllllVlUll» sowie die Annoncen-Bnreanx von Haasenstein u. Vogler in vvnnl _ ,

___ " Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. ScttuTÜ. Freitag, 2. Juni 1893. Moste in Frankfurt a. M., Berlm, Minchcn u.KSln; G. L. u or *v> Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Zur Wahlbewegung.

Unser Reichstagskandidat Herr C. Lucke setzt seine Kessen im Wahlkreise ununterbrochen fort. Gestern sprach derselbe in Rosenthal, Gemünden und Rauschenberg. Im erstgenannten Orte führte Herr Bürgermeister Lappe den Vorsitz. Aus der Versammlung selbst ist hervorzuheben, daß Herr Lucke von einem der Zuhörer über seine Stellung zum Bestände des geheimen Reichstagswahlrechtes befragt wurde. Letzterer beantwortete diese Frage dahin, daß er für die Erhaltung dieses Wahlrechtes eintreten werde, denn 1. wünsche er auf dieses Wahl­recht hin gewählt zu werden, 2. bedinge eine Aenderung desselben gleichzeitig eine Verfassungsänderung und 3. habe unser größter Staatsmann, Fürst Bismarck, vor einer Abänderung der deutschen Reichsverfassung, auch wenn sie noch so schlecht sei, gewarnt. — Von Rosenthal ging die Fahrt weiter nach Gemünden, woselbst im Saale der Wirtschaft Matthäi eine Ver­sammlung stattfaud. Obwohl nun dieselbe, welche auf 11 Uhr vormittags anberaumt war, verschiedener Umstände halber schon um 10 Uhr beginnen mußte, so füllte sich doch der Saal sehr rasch und zwar war dies umso erfreulicher, als mau allgemein erzählte, Gemünden sei eine Hochburg des Böckelismus. Aus letzterem Grunde hatte man denn auch erwartet, daß, nachdem Herr Lucke sein Programm entwickelt habe, die Versamm­lung mit dem bekannten Radau uud mit diversen Hochs auf Dr. Böckel ausklingen werde. Es kam jedoch anders. Als Herr Lucke geendet, erhob sich mitten aus der Zuhörerschaft ein Bürger der Stadt Gemünden und sagte: „Nachdem der Wahlkandidat in so überzeugender Weise gesprochen habe, glaube er der Stimmung sämtlicher Anwesenden nicht besser Ausdruck geben zu können, als mit einem Hoch auf denselben", und in das nun folgende Hoch stimmte die Versammlung mit großer Begeisterung ein. — Mit gleichem Erfolge sprach Herr Lucke sodann im Laufe des Nachmittags noch in Halsdorf uud Rauschen­berg, wo die Versammlungen einen ebenso guten Ver­lauf nahmen wie die vorhergegangeneu.

Deutsches Reich.

W. Merkt», 1. Juni. Unser Kaiser hatte sich am Mittwoch von Prökelwitz nach Danzig be­gebe», um dort dem Stapellauf der neuen Kreuzer­korvette beizuwohnen. Der Kaiser nahm alsdann noch verschiedene Besichtigungen vor und fuhr hierauf nach Berlin, wo die Ankunst Donnerstag Vormittag

-er Sieg der Liebe.

Mimen von I. k. Böttcher.

sNachdruck verboten.)

(Fortfetznng.)

„Ich kann mich noch für nichts entscheiden," er- rvidette er. „Alles ist mir so plötzlich und uner­wartet und vor allen Dingen so rätselhaft."

„Und doch ist es so einfach, wenn Sie es ruhig überdenken," bemerkte Herr König. „Der Detektiv sagte mir, daß in dem Augenblicke, wo er Günther von Dürrenstein zu Ihnen sprechen hörte und den Blick bemerkte, mit welchem er Sie angesehen, er sofort das folgende erraten habe, und er überzeugt gewesen, daß Sie der rechtmäßige Erbe seien. Ich werde den Trauschein verisizieren und die Beweise beschaffen, und — was kann ich sonst noch für Sie thun?"

„Zweierlei," erwiderte Adalbett. „Ersten» den — den — Anderen aufsuchen und ihm zu verstehen geben, daß, so lange er lebt, für ihn gesorgt ist, vorausgesetzt" — und seine Züge verfinsterten sich, „daß er seiner Frau fern bleibt, es sei dmn, daß sie ihn rufe. Zweitens, daß Sie nach dieser Adresse gehen. Sie werden dott Betty finden, die auf Nach- richt von mir wartet Sagen Sie ihr einfach, daß Fräulein Eva ihrer bedürfe und sorgen Sie dafür, baß sie sogleich kommt "

Als Herr König gegangen, kehrte Walter aus die Terrasse zurück und überschaute jetzt die große, herrliche Besitzung, die ihm gehötte, ihm, Adalbert ton Dürrenstein. Aber sein Blick erhellte sich nicht, und der düstere, schmerzliche Ausdruck seiner Züge wollte nicht weichen. Was nützten ihm auch Namen, Reichtum und Besitz, war dmh dar höchste Gut, nach dem er strebte, Eva, für immer für ihn uner­reichbar.

erfolgt. Nachmittags empfängt der Kaiser den Be­such des Pttnzen Viktor von Italien, Grafen von Turin; außerdem treffen zur Teilnahme an der Freitag stattfindenden großen Fiühjahrsparade in der Reichshauptstadt ein: Der Prinz Leopold von Bayern, der Herzog Albrecht von Württemberg, der Pttnz Friedrich August von Sachsen und der Prinz und die Prinzessin Albrecht von Preußen. — Die Unterttchtskommisfion des preußischen Abgeordneten­hauses hat den Gesetzentwurf über die Ruhe­gehaltskaffen der Bolksschullehrer, der im Herrenhause in mehrfacher Beziehung eine Aen­derung erfahren hatte, in letzterer Fassung einstimmig angenommen, nachdem ein Antrag, daß die Städte mit einer Einwohnerzahl von über 10000 Seelen von der Ruhegehaltskasse ausgeschlossen werden sollen, abgelehnt worden war. — Die „Post" bezeichnet die Meldung, daß die Schulen am Tage der all­gemeinen Wahlen zum Reichstage geschlossen zu bleiben hätten, für unwahr, wenigstens ist in Preußen kein bezüglicher Erlab ergangen, und anderswo wohl ebensowenig. — Gegenüber den Behaup­tungen der Gegner der Militärvorlage konstatiert die „Nordd. Allg. Ztg." daß von 1881/82 bis 1891/92 in der Verwaltung des Reichs und Preußens die Ausgaben für Wissenschaft und Kunst stärker zu­genommen haben als die Ausgaben für Armee und Mattne. An Reichsmitteln sind für Wissenschaft nnd Kunst an fortlaufenden Ausgaben aufgewendet 1881 /82 insgesamt 9 690 000 Mk. 1891/92 13 394000 Mk. eingeschlossen 800 000 Mk. als Beittag Preußens zur Landensaufnahme. Auf den Kopf der Bevöl­kerung beträgt dies 21 bezw. 27 Pfg. oder nach Abzug des preußischen Beitrages 19 bezw. 25 Pfg. Preußen wendete für Kunst und Wissenschaft auf im Jahre 1881/82 67 087 000 Mark, 1891/92 112 261000, was auf den Kopf der Bevölkerung 2,46 bezw. 3,75 Mk., ausmacht. Der Aufwand für gestliche und kirchliche Zwecke belief sich 1881/82 für den Kopf der Bevölkerung in Preußen auf 31, 1891/92 auf 40 Pfg. Für Kunst, Wissenschaft, Unterricht und Kultus find im deutschen Reiche aus Reichsmitteln für den Kopf der Bevölkerung 1881/82 2,96, 1891/92 4,40 Mk. zur Verwendung gelaugt. Die aus Reichsmitteln allein für Wissenschaft und Kunst ausgegebeneu Bettäge sind von 1881/82 bis 1891/92 von 100 auf 142,6 Proz. gestiegen, während die fortdauernden Ausgaben des Heeres und der Marine-Verwaltung fich nur von 100 auf 112 er­höhten. — Den demokratischen Schwärmern in ganz Deutschland für ein Volksheer nach Schweizer

Der falsche Erbe hatte es verstanden, ihm noch beim Abschiede den Stachel in das Herz zu drücken, als er ihn daran erinnerte, daß Eva von ihm durch eine Kluft geschieden sei, über welche der Tod nur eine Brücke bauen könne.

Eva war für ihn verloren! Der Gedanke war so bitter, so schmerzlich das Bewußtsein dieser That- sache, daß der so plötzlich über ihn gekommene Reich­tum nur noch seinen Kummer vergrößerte.

Weit besser wäre es gewesen, ein namenloser Bauer zu sein und das geliebte Weib zu besitzen, als der Herr von Bärenfelde und Dürrenstein, während Eva das Weib eines Anderen war, des Mannes, welchen er aus seiner angemaßten Stellung verttieben.

Plötzlich hörte er Schritte hinter fich, und Fräu­lein Braun glitt an seine Seite.

«Nun, mein Herr," sagte sie spöttisch, „Sie weiden sich wohl an dem Anblicke Ihres Eigentums, Ihrer Ländereien, Ihrer Tiere und Ihrer männ­lichen und weiblichen Untergebenen! Welch' plötz­liche Wandlung! Der Zaiäerer schwingt seinen Zauberstab und Günther versinkt in das tiefste Ver­ließ ewiger Verzweiflung und der bescheidene Adal­bert steigt empor! Ist das nicht urkomisch?"

„Sie sind ja so ernst und feierlich wie ein Richter," fuhr sie fort. „Was fehlt Ihnen? An- statt Ihren Hut in die Lust zu werfen und jubi­lierend zu schreien: ,Jch habe gesiegt!' sehen Sie so verdrießlich aus, als hätten Sie ein Vermögen ver- loten, anstatt gewonnen Sehen Sie mich an, wie heiter ich bin, und ich hätte doch wahrlich Grund genug, verzagt zu sein! Aber freilich hatte ich auch eben ein kleines Amüsement. Wissen Sie, was ich gethan habe? Ich habe Eva ein offenes Geständ­nis abgelegt"

Muster kann folgendes fachmännisches Urteil des „Berner Tagblattes" zum eingehenden Studium em­pfohlen werden. Da heißt es: „Wir müssen uns die Frage vorlege», ob nicht der Zeitpuntt gekommen sei, unser reines Milizheer etwas mehr den besser- ausgebildeten Heeren unserer Nachbarn anzupaffen. Das könnte allein geschehen durch eine allgemein durchgeführte Dienstzeit von einem ganzen Jahre für alle Truppen und entsprechend tüchtiger Vor­bildung für die Offiziere. . . . Das schweizerische Heer besteht nicht zum Spiel, sondern für den Ernst. Auch für die „neutrale Schweiz" wie für jeden Staat werden, müffeu einst Tage kommen, da Frei­heit und Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft einzig bedingt sind von der physischen Wehrkraft des Landes." Weiter schreibt der Verfasser des Artikels, das schweizerische Volk gebe sich in Bezug auf die Wehr­fähigkeit einer Selbsttäuschung hin, die geradezu ver­hängnisvoll werden könne. „Die obersten Spitzen unseres Heeres kennen den Zustand und auch der Bundesrat kann nicht ohne klare Einsicht in die Verhältnisse sein; aber wer wagt es, offen auf die Schäden hinzuweisen? Und wenn es auch etwa einmal in vertrautem Kreise geschieht, wer wagt es, dann auch öffentlich das allein helfende Heilmittel vorzuschlagen? Die gegenwärttge Armee-Orgautsatton stammt aus dem Jahre 1875. Damals ein Fort­schritt, ist sie heute nach Versicherung der Fachmänner ungeeignet, eine im Feuer lenkbare, in schwieriger Lage fest beharrende Armee zu schaffen. Seit mit dem absolut sicheren Shrapnellschuß und dem klein­kalibrigen Gewehre gekämpft wird, habe» die Ver­hältnisse sich gänzlich verändert. . . . Hier heißt es: Entweder — oder. Entweder höre man überhaupt auf, Militär zu spielen und gebe das Geld für die beliebten Postgebäude und andere schöne Sachen aus, oder man stelle mit kräftiger Hand die Armee auf den Fuß, auf dem sie sich allein noch Anerkennung verschaffen kann."

— (Am Pranger.) Einem Lestarttkel des „Schwäb. Merkur" „Am Pranger" (welche Ueber- schrift besagen soll, daß die deutschen Verweigerer der Militärforderungen in der französischen Presse gebührend bloßgestellt werden) entnehmen wir folgende Sätze:

„Wie beschämend ist es doch, in ausländischen Blättern z. B. Folgendes lesen zu müssen: „Unsere militärischen Einrichtungen sind so vollständig und so vollkommen, als sie nur fein können. Unser Parlament hat niemals mit der Regierung um die Mittel und Hilfsquellen gemarktet und gefeilscht,

„Wenn Sie die Gesichter der Frau von Raabe und der Frau Merlin gesehen, und ihre Ausrufe des Entsetzens gehört hätten, würden Sie sich nicht wundern, daß ich mich amüsiert habe. Ja, Adal­bert — entschuldigen Sie, Herr von Dürrenstein, ich habe ihr die ganze Sache erklärt! Wirklich, wenn man dieselbe ruhig betrachtet, so war das Komplott viel zu gut eingefädelt, um durch die Dummheit jenes Thoren zerstört zu werden I"

Sie lachte und stützte den Ellenbogen auf die Brustwehr, ganz dicht neben ihm, ohne Rücksicht auf den ernsten, verurteilenden Ausdruck seiner Züge.

„Ja, es war eine hübsche Jntrigue, und ich erfand den Plan bqu. Ich führte denselben auch allein aus; denn ich glaube wirklich nicht, daß Günther von Dürrenstein Witz genug gehabt haben würde, die Vase in Ihrem Zimmer zu verbergen, und ich bin sicher, daß er bei der mit Betty in Scene gesetzten Jntrigue glänzend durchgesallen wäre! Die arme Betty, ich verzeihe ihr, daß sie gegen Sie geplaudert hat, denn das ließ sich ja voraussehen."

„Und Sie thaten dies alles und würden mich dennoch —"er hielt inne, er konnte das Wort nicht hervorbringen.

„Sie geheiratet haben! Natürlich! Sie müssen nämlich wissen, daß ich erst dann daran gedacht hatte, als ich die Ueberzeugung gewonnen, daß Sie der eigentliche Erbe seien. Vorher hatte ich nur deshalb meine Ränke gesponnen, um Sie aus dem Wege zu schaffen unv Eva mü dem verflossenen, tief betrauerten Baron Dürrenstein zu verheiraten "

„Aus welchem Grunde?" fragte er finster.

Sie zuckte die Achseln.

„Nein! Nun, das dachte ich mir, allein ich glaubte Ihnen eine Chance lassen zu muffen. Daß

welche diese als für die Landesverteidigung notwendig erachtet hat. Und bei un8 würde kein ultramontaner Abgeordneter es wagen, die Existenz seiner Partei über die Existenz Frankreichs als große Natton zu stellen." Also wörtlich zu lesen in der „Estafette" vom 8. Mai! Nicht wahr, das ist ein hübscher Nasenstüber, Herr Lieber, Ihnen von einem vornehm denkenden Franzosen verabreicht? Und in einem von den französischen Bauer» massenhaft gelesenen Blatte, der „Gaz. du Village" (vom 14. Mai), sagt der ftanzöfifche Unterstaatssekretär Delcasse: „Unsere Hilfsquellen erlauben »ns, jede Ausgabe für das Kriegswesen zu leisten, wie es noch kein Volk zu keiner Zeit gethan hat. Und der ftanzösische Pattiotismus wird kein Opfer verweigern, wird niemals gegen die Forderungen der Regierung der Republik für die Verstärkung unserer Heeresmacht stimmen, namentlich wenn es sich darum handelt, Deutschland die Spitze zu bieten." Und damtt der beschämende Gegensatz noch empfindlicher werde, muß daran erinnert werden, daß die Franzosen sich so verhalten, obgleich sie von u»S nichts zu befürchten haben, wenn fie ruhig bleiben, während wir von ihnen alles zu befürchten haben, sogar den Unter­gang. Wir können nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Und das sagen die Franzosen bei einem Budget von 3314 Millionen, einem Defizit, das für 1894 auf 300 Millionen geschätzt wird, bei einer Schuldenlast von 33 Milliarde», trotz der auch von dem großen Volkswirt Leroy- Beaulieu vorhergesagten Notwendigkeit, demnächst eine Milliarde neuer Schulden zu machen, trotz des von eben demselben festgestellten fühlbaren Rückgangs der Steuereinnahmeu, ttotzdem in Frankreich gegen­wärtig Verhältnisse herrschen, welche z. B. den Univers vom 15. Mai zur Anstellung einer Unter­suchung über die „Verarmung Frankreichs" ver­anlaßt haben. Und wir, denen es im nächsten Krieg an den Kragen gehen soll, wir martten wie die Filze!"

Hppekn, 1. Juni. Freiherr von Huene ist jetzt von Freunden der Militärvorlage in Oppeln gegen den Zentrumskandidaten ausgestellt worden und hat die Kandidatur angenommen. Herr von Huene war Mittwoch im preußischen Abgeordnetenhause erschienen, hat aber mit seiuenGesinnungsgenossen an derFiaktions- fitzung des Zentrums nicht teilgenommen.

Kannvver, 1. Juni. Der „Haunov. Kour." kann es als vollständig sicher bezeichnen, daß der Herzog von Cumberland sich seiner Umgebung gegen­über dahin ausgesprochen hat, daß er, gleich wie die übrigen deutschen Bundesfürsten, sich für die Annahme

Sie Eva unter den obwaltenden Verhältnissen nicht heiraten können, wissen Sie ja."

Sein Gesicht wurde aschbleich und seine Augen schossen Blitze.

„O, Weib! Weib!" rief er. „Kennen Sie kein Mttleid? Genügt es Ihnen nicht, uns Beide für das ganze Leben unglücklich gemacht zu haben, daß Sie jetzt noch fommen müssen, um sich an Ihrem Werk zu weiden?" und er bedeckte fein Gesicht mit den Händen-

„Sie lieben fie also wirklich so sehr!" sagte fie mit leiser Stimme. „Sonderbar! Was ist nur die Liebe? Dem Himmel sei Dank, daß ich nichts von ihr weiß! Zu was für Narren macht sie Euch alle, Männer und Frauen, ohne Ausnahme. Hätten Sie Eva nicht geliebt, so wären Sie nicht davon« gelaufen, all' mein Jntriguieren wäre nutzlos ge­wesen und Sie wären jetzt beide Mann und Frau k Aber jetzt — nun leben Sie wohl! Eva und die beiden alten Damen haben mich soeben mit etwas wie einem Fluche entlassen und Sie werden vermut­lich ihrem Beispiele folgen. Leben Sie wohl! Ich werde eine neue Laufbahn beginnen! Ich möchte wohl wissen, was noch aus Adelheid Braun werden wird!"

Mit einem Lachen, welches trotz ihrer Bravade einen falschen Klang hatte, wendete fie fich zum Gehen.

„Einen Augenblick," sagte Adalbert, fie zurück­haltend. „Gehm Sie zu Herrn König, er wird Ihnen die Mittel geben —" er konnte nicht weiter reden.

„Wirklich?" rief.fie, ihn ansehend. „Sie wollen mir behilflich fein? Adalbert," fie hielt inne und trat näher zu ihm heran, und ihre Stimme stockte. „Adalbert, es ist vielleicht recht gut, daß ich Sie