Abteilung .Mignon" von Nagiller, »Die Heimat" mtt'Teuorsolo von Abt und „Du bist mein Traum" von Zimmermann. In der dritten Abteilung waren der „Pilgerchor" aus der Oper-Tannhäuser" von Wagner und „Ruhe süß Liebchen" von Kücken ganz besonders hervorragende Leistungen, namentlidi letzteres Lied wurde anfS Feinste nüanciert."
Marburg, 25. Mai. lieber das von uns bereits gemeldete Eisenbahnunglück bei Wilhelmshütte, teilt der „H. A." noch folgende Einzelhesten mit: .Der am Freitag gegen 6 Uhr Abends die hiesige Station in der Richtung nach Marburg passierende Güterzug erlitt kurz vor der Station Wilhelmshütte einen Unfall. Die Ursache deS letzteren läßt sich mit Bestimmtheit nicht mehr feststellen, vermutlich wurde derselbe durch Entgleisung eines Wagens, der sich ungefähr in der Mitte des 32 Wagen zählenden Zuges befand, herbeigeführt. Der Wagen entgleiste in der scharfen Curve hinter der Lahnbrücke an der Straße nach Wolfgruben und beschädigte auf einer Strecke von ca. 700 m das Geleise, indem sämtliche Laschenbolzen auf der Jnneuseste des Geleises wie «bgeschnitteu waren, verließ dann völlig das Geleise, lief die ungefähr 3/4 m hohe Löschung hinab, die folgenden Wagen aus den Schienen reißend, die nun einen wirren Knäuel bildend, zumeist zertrümmert, das Geleise sperrten und die Schienenstränge zerrissen hatten. Merkwürdigerweise traf das Unglück nur den mittleren Zugteil, so daß die ersten Wagen hinter der Maschine und der Schluß des Zuges unversehrt blieben. Menschenleben find glücklicherweise nicht zu beklagen gewesen, auch keine nennenswerten Verletzungen des Zugpersonals zu verzeichnen. Der die Bremse des entgleisten Wagens bedienende Bremser wurde durch den Anprall von seinem Sitz über den Telegraphendraht in ein anliegendes Kornfeld geschleudert, glücklicherweise ohne sich die geringste Verletzung zuzuziehen. Auf einer Strecke von ca. 20 m lagen 11 Wagen vollständig zertrümmert über- und nebeneinander auigetürmt, außerdem entgleisten noch 2 Wagen ohne bemerkenswerte Beschädigungen. Die Unfallstelle bot ein Bild arger Verwüstung: Kohle», Gußwaaren, Butter, Zuckersteine, Zigarren, Back- uud Fleischmulden, Grabkränze, Bettzeug usw. lagen im bunten Durcheinander. Mit den Aufräumungsarbeiten tourbe sofort begonnen und Mannschaften aus den Reparaturwerkstätten von Erndtebrück und Stegen telegraphisch beordert. Die Passagiere der Persoueuenzüge mußten an der Unfallstelle umsteigen. Bereits Samstag Mittag war das Geleise wieder frei und konnte der Personenzug 2 Uhr 34 Mn. die Unfallstelle wieder passieren."
Marburg, 25. Mai. (Verlegung der Reserveu-Uebung.) Seitens der Inspektion der Jäger nnd Schützen ist angeordnet worden, daß die ans die Zeit vom 2. bis 15. Juni angesetzte 14 tägige Uebung des Beurlaubtenstandes des hiesigen Jägerdataillons auf die Zeit vom 5.—18. Juli er. verlegt werde. In der Anordnung der Einquartierung der Mannschaften in hiesiger Stadt tritt eine Aenderung nicht ein.
Marburg, 25. Mai. (O esterreichis che Vereinsthaler.) Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß nach einer Verfügung des österreichischen Finanzministers die Vereinsthaler und Lereins-Doppel- Thaler österreichischen Gepräges vom 1. Juni außer Kurs gesetzt sind, also von diesem Zeitpunkt ab zu Zahlungen keine Verwendung mehr finden können, vielmehr der österreichischen Regierung alsdann zum Einschmelzen eingesandt werden müssen. Da letzteres für den Einzelnen zu umständlich und auch mit Kosten verbunden ist, so empfiehlt es sich, die Annahme der im Verkehr in Deutschland vorkommenden Thaler österreichischer Prägung zu verweigern.
„Eva," rief Adalbert, ein Blick tiefen Bedauerns auf sie richtend. „Sie hielten mich für schuldig, Sie?" und er ergriff ihre Hand
Mit einem Fluch ergriff Dürrenstein feinen schweren Stock, um ihn niederzuschlagen; allein Adalbert entwand ihm denselben, schleuderte ihn in das Gebüsch und packte seinen Feind an der Gurgel.
Trotz seines Sträubens hielt er ihn wie in einem Schraubstocke fest, und ihn gegen einen Baum drängend, hielt er ihn gefesselt.
„Versuchen Sie nicht zu entrinnen, oder ich töte Sie," raunte er ihm zu. „Eva," wendete er sich an diese, während in feinen Augen Mitleid und die gerechte Entrüstung eines ehrenhaften Mannes aufleuchteten, „Sie haben gehört, was dieser Mann gesagt, jetzt hören Sie mich an! Ich bin unschuldig Bis gestern hatte ich keine Ahnung von der lügen» hasten Anklage gegen mich. Er sagt, daß ich verschwand, daß ich geflohen — es ist wahr. Ich floh, nicht weil ich ein Dieb war, nicht weil ich ihn be stöhlen, sondern well ich Sie liebte, Sie zu innig liebte, um Ihr Leben an mein dunkles, niedriges Dasein zu fesieln. Er sagte, Betty sei mit mir geflohen, da sie meine Mitschuldige gewesen! Es ist eine Lüge! Bis gestern wußte ich nicht, daß sie Bärenfelle verlaffen habe; denn feit dem Abende, bevor ich von hier fortging, hatte ich sie nicht wieder- gesehen"
Eva stieß einen Schrei au». War es Freude »der Verzweiflung?
„Er sagt," fuhr Adalbert fort, „daß das Silber, von welchem er spricht, in meinem Häuschen gefunden wurde. Ich habe es nicht dort hingestellt, sondern er! Wessen Hand hat es dahin getragen und warum? Sehen Sie in mein Gesicht, während ich die Frage beantworte," dabei wie» er auf Dürrenstein.
zu vertreten.
(H. ».)
Il« Stegen!
AuSgedorrt vom Sonnenbrände Ist der Boden rings umher. Denn seit Monden fiel im Lande Ach, kein rechter Regen mehr.
Frellich sprechen unsre Bauern: „Nichts verdirbt das Sonnenlicht!" Doch sollt' es noch länger dauern, Glauben sie eS selber nicht.
Zwar in fetten, feuchten Gründen Stehet GraS und Klee noch schön. Und ist Wintersaat zu finden, Wie man selten ste geseh'n;
Doch was hoch und dürr gelegen. Was schon arm in gutem Jahr, Dürstet, ach, umsonst nach Regen, Und vertrocknet ganz und gar!
Doch vor Hitze und Beschwerde Nicht allein der Bauer ächzt, — Ohne Nahiung ist die Herde Und das Vieh nach Wasser lechzt.
Darum falten wir die Hände, Blicken gläubig himmelwärts, Flehend, daß die Dürre ende, Wa» wir bitten, — hofft da» Herz^
„Welch' andere Hand, als die seine! Und warum? Weil er meinen guten Namen in Ihren Augen besudeln wollte, weil er mich aus dem Wege räumen wollte, mich, der zwischen ihm und seiner Heirat mit Ihnen, zwischen ihm und der Bären- eld'schm Besitzung und Ihrem Vermögen stand."
„Sehen Sie ihn an/ fuhr Adalbert mit furcht- rarer Ruhe fort. „Sehen Sie in fein feige« Beicht und sagen Sie selbst, wer von uns Beiden ügt! Hier bin ich, bereit, Rede und Antwort zu iehen! Mögen die Richter entscheiden."
(Fortsetzung folgt )
X L»ßr», 23. Mai. Der hiesige Einwohner Konrad Bornemann bedrohte gestern abend feinen Stiefsohn Johs. Sohn mit einem Messer. S. flüchtete, B. nahm jedoch zwei Belle, warf sie dem S. nach und traf denselben so unglücklich an der Hüfte, daß ihm ein Beil mit der Schneide Hose und Hemd durchschnitt und eine so schwere Schenkelverletznng entstand, daß noch iu der Nacht ärztliche Hülse beschafft werden mußte.
— Kirchhain, 25. Mai. Die gestern hier abgehaltene Versammlung des freiftnnigen Wahlkandidaten Herrn Rentier Schott aus Marburg war gut besucht. Herr Schott begrüßte die Anwesende» und glaubte von einer Bureauwahl absehen zu dürfe», da er ähnlich wie in Marburg für Ordnung sorgen werde, was ihm ei» Herr Wagner (Sozialdemokrat) widerlegte, worauf letzterer als Vorsitzender und noch zwei andere als Beisitzer gewählt wurden. Herr Wagner bat die Versammlung, jeden Redner mhig anzuhören, da Jedermann das Recht habe, das Wort zu ergreifen. Nachdem Herr Schott sein bekanntes Programm entwickelt, sprach der Sozialdemokrat John aus Cassel, der gegen die Militärvorlage und das stehende Heer zu Felde zog und für die Bildung eines Bolksheeres eintrat. Zum Schluß wandte sich derselbe gegen sämtliche Parteien. Beide Redner wurden mit größter Ruhe angehört und erhielte» lebhaften Beifall, nur von einigen Antisemiten aus Marburg wurde der Versuch gemacht, die Versammlung zu störe», doch wurde» dieselbe» entschiede» zurecht gewiesen. Hiernach kam es »och zu einige» sachlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Rednern. Nachdem Herr Schott noch bemerkt, wenn alle Versammlungen in so anständiger Weise verliefen, wolle er sich nicht ärgern wenn er ein Mandat nicht erhalte, sondern zufrieden wieder an seinen Backtrog znrückkehren (Soll wohl heißen Stammtisch! D. R.), schloß derselbe die Versammlung mit einem Hoch auf Deutschland, dem weitere Hochs auf Schott, John »nd Böcke! folgten.
V Neustadt, 24.' Mai. Am 2. Pfingstfeiertag wurde hier ein Mann in Verwahrsam genommen, welcher an Verfolgungswahnsinn litt. Eingezogene Erkundigungen ergaben," daß derselbe aus der Anstalt zu Haina heimlicherweise entronnen war.
* Nößk, 24. Mai. Der Wahlkandidat des Bundes der Landwirte sowie der Konservativen, Herr C. Lucke, stellte sich gestern Abend den hiesigen Wählern vor und entwickelte sein Programm. Die zu diesem Zwecke im Gasthaus Müller veranstaltete Versammlung war außerordentlich stark besucht. Herr Lucke trat für die Militärvorlage (Antrag Huene), für den Schutz der Landwirtschaft und Förderung der Interessen deS Handwerks ein und erntete stürmischen Beifall. Die ganze Erscheinung Luckes sowie seine AuS- ubrungen find ernst und man merkte es schon am äußeren Verlauf der Versammlung, daß man es hier mit einem Mann zu thun hat, den nicht Ge- chästsgewinn, nicht grenzenloser Eigendünkel au diese Stätte führte, sondern einzig und allein die Liebe zu seinem Vaterlande, zu seinem Bauernstände. In
einstimmig den tJa&ttfanter Herrn Kommerzienrat St. Dresler zu Creuzthal als Sanbibate» zum Reichstag für den Wahlkreis Siegen-Wittgenstein. Biedenkopf anfzustellen. Eine bei diesem veranlaßte Anfrage hat ergeben, daß derselbe daS Mandat an- nehmen will. Herr Dresler, welcher Inhaber einer großen Fabrik ist, entstammt einer alten Siegener Familie, er kennt Land und Leute wie kaum ein anderer und ist in allen Arbellerkeisen berühmt durch das warme Herz, das er in feinem langen arbeit«» famen Leben alle Zeit den Interessen des arbeitenden Standes entgegengebrad&t hat. So hofft man den» in ihm einen Kandidaten gefunden zu habe», der vermöge feiner Parteistellung im politisch-religiösen wie wirtschaftliche» Beben am meisten sich eignet den hiesigen Wahlkreis mit Erfolg im deutsch« Reichstag
Jltoffen, 24. Mai. Die feierliche Beisetzung des verewigten Fürsten Georg Viktor z» Waldeck und Pyrmont ist Dienstag unter großartiger Beteiligung der Bevölkerung in Rhoden erfolgt. Zahlreiche Fürstlichkeiten waren anwesend.
Krofdorf, 24. Mai. (Seftern Nachmittag gegen 2 Uhr ging ein starkes wenn auch nicht lange anhaltendes Gewitter über unseim Orte nieder. Während desselben fuhr ein Blitzstrahl in die Scheune des Landwirts Konrad Feuser von hier, dieselbe sofort in Flammen setzend. Bald stellte sich heraus, daß an dem entzündeten Gebäude nichts mehr zu retten war, die sofort herbeigeeilte Feuerwehr mußte deshalb ihre Thätigkett darauf beschränken, die benachbarten Gebäude zu schützen, was ihr mit vollem Erfolge gelang. Außer der einen Scheune ist daher Nichts verbrannt. — Ein Glück war es zu nennen, daß unsere Feuerwehr, die kurz vorher Spritzenprobe ge- Ijalten, noch bei einem Schoppen zusammengeblieben war und daher schnell zur Hülfe herbeieilen konnte; onst und namentlich zur nächtlicher Zett, hätte der Brand, der ungemein rasch um sich griff, zweifellos größeres Unheil angerichtet.
Vermischtes.
Essen (Ruhr), 23. Mai. Die Hamburger Geheimpolizei verhaftete heute auf dem Essener Viehmarkte sieben Viehhändler der hiesig« Gegend, weil sie der Bestechungen Hamburger Schaffner verdächtig sind.
Tralee (Irland), 23. Mai.. Bei einem mit Schweinen beladenen Eisenbahuzug, welcher 2 Passagier- Wagen mitführte, verlor der Loeomotivführer die Gewalt über die Bremsvorrichtung bei dem Pasfiren einer Brücke und stürzten 7. Schweinewagen 40 Fuß hoch in den Fluß. Die zurückgebliebenen Wagen wurden stark beschädigt. Der Loeomotivführer und 2 Heizer sind tot, 11 Passagiere schwer verletzt.
Paris, 19. Mai. (Studentinnen.) Die französischen Hochschulen zählen jetzt zusammen 403 Hörerinnen, worunter 87 aus dem Auslande. Den chönen Wissenschaften liegen 249 Frauen ob, wovon 226 Französinnen; von den 129 Hörerinnen der Heilkunde sind 72 Französinnen, ebenso alle 14 Apothekerinnen und die 2 Hörerinnen der Rechte. In den Fakultäten der Natur- und mathematischen Wissenschaften find 29 Frauen eiugeschrieben, worunter 23 Einheimische. Unter den Ausländerinnen stehen sie Russinnen mit 36 Köpfen obenan. Deutsche giebt es im ganzen 2 unter allen diesen Hörerinnen.
— Durch den Absturz eines Seiltänzers st am ersten Feiertag in Spandau ein schweres Unglück herbeigeführt worden. Zu einer „Sezialttäten- vorstellung" der „Neuen Welt", des größten Vergnügungslokals der Stadt Spandau, hatten sich Nachmittags über 4000 Zuschauer eingefunden, lieber den Garten hinweg war etwa 100 Fuß hoch ein Seil gespannt und darunter ein Schutznetz. Als die Seiltänzer Gebrüder Baerwelle mitten auf dem Seit waren, stürzte — so schreibt man — der Eine, welcher mit einem Stuhl „arbeitete", herab; der Stuhl fiel in das Netz, der Künstler außerhalb desselben direkt zwischen das Publikum. Er traf mit dem Kops ein elfjähriges Mädchen, das von einem Sitz fiel und sofort tot war. Es hatte einen Bruch des Genicks sowie des Schlüsselbeins davou- getragen. Der Seiltänzer hatte fich eine Schädelverletzung und einen Armbruch zugezogen. Im Publikum war bei dem Absturz furchtbares Entsetzen entstanden. Von der Staatsanwaltschaft ist die lutersuchung eingeleitet, ob auch die nötigen Sicherjettsvorkehrungen getroffen waren. — Nach der Behauptung eines Berichterstatters soll das Unglück absichtlich herbeigeführt fein durch einen Manu, welcher einen der Sandsäcke aufhob, die das Seil straff l ielten. Auch sollen beide Äünftler gestürzt, der Eine aber noch im Stande gewesen fein, fich an dem Seil festzuhalten.
— Auf dem Kursürsteu-Platze in Berlin choß sich der 17 jährige Gymnasiast Guido K., Sohn eines hohen Miuisterialbeamteu, eine Kugel in die linke Brust. Er hatte fich eine 2 stündige Karzer- ’trafe zugezogen und glaubte in seinem Ehrgeize, liefe Schande nicht überleben zu können. Die Verletzung deS jungen Mannes ist eine lebensgefährliche.
— Ein heftiger Orkan richtete in Troyes (Griechenland) großen Schaden an. 10 Personen wurden tätlich verwundet.
— Schwere Gewitter sind in der letzten Woche m Kreise Halberstadt niedergegangen, welche ver- chiedemlich Schaden anrichteten.
— Beim Abbruch eines Gebäudes in Wendisch« Samo fand man drei altdeutsche Bierkrüge gefüllt
Wer Beziehung unterschied fich Herr Lucke sehr vorteilhaft von ben Maulhelden und Phrasendrescher, die neuerdings auch nufere Gegend wieder mit ihren Wahl wischen belästigen.
lÜk«. Kassel, 24. Mai. (Kongreß des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.) Die fünfte Hauptversammlnuff des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins fand gestern hier in Cassel statt, das seiner zmttalen Lage wegen noch in letzter Stunde anstelle'Koblenz als Versamnttungsort gewählt worden war. Die diesmaligen Verhandlungen waren aus Rücksicht für den fünften Gegenstand, bei welchem es fich um Ausschluß deS Zweigvereins Berlin ans dem Gesamtverbande handelte, nicht öffentlich. Von be« rusener Sette bin ich jedoch in den Stand gesetzt. Ihnen über den Gang und Verlauf der Verhandlungen wie folgt zu berichten: Die Versammlung tagte im Saale des Stadtbaues an der Fuldabrücke
und zwar von 10 Uhr morgens bis 7 Uhr abends; es waren über 100 Delegierte ans allen Gauen Deutschlands anwesend, sodaß sämttiche Zweigvereine direkt ober bnrch Stimmübertragung vertreten waren. Anstelle bes nicht anwesenben Prof. Riegel - Braunschweig leüete der zweite Vorsitzende Herr Geh. Reg.- Rat Launharbt-Hannover bie Verhandlungen. Derselbe erstattete auch in großen Zügen einen Bericht über die Bereinsthätigkett im verflossenen Jahre, wonach der Verband sich in günstiger Fortentwicklung befindet und zu den besten Hoffnungen berechtigt. Er umfaßt jetzt 172 Zweigvereine mit ca. 16 000 Mitgliedern, ferner hat er 468 unmittelbare Mitglieder. Wie aus dem Kassenbericht hervorging, ist auch die Finanzlage des Verbandes eine sehr befriedigende; die Beiträge der Mitglieder betrugen allein 23 096 Mk. und bleibt trotz aller Ausgaben noch ein Kassenbestand von 3402 Mk. übrig. Die Rechnung wurde geprüft und genehmigt. Die nach den Satzungen erforderlichen Ergünzungswahlen zum Gesamtvorstande für die am Schluffe des Jahres 1893 ausscheidenden Mitglieder hatten das erfteuliche Resultat, daß durchweg die Ausscheidenden wiedergewählt wurden, darunter die Herren Pros. Riegel-Braunschweig, Lannhardt- zannover, Lvhmeyer - Cassel, Häpe - Dresden, Geh. ieg.-Rat v. Mühlenfels, Prinz Hohenlohe-Langenburg. Die längste Zeit beanspruchte die Verhandlung und Beschlußfassung „über den Antrag des Gesamtvorstandes wegen Ausschließung des Zweigvereins Berlin". Der Anttag des Zweigvereins Berlin, „den Gesamtvorstaud zu beauftragen, die dem Berliner Zweigverein erteilten Mahnungen zurückzuzieheu", wurde damit vereinigt. Als Berichterstatter fungierte Herr Geh. Rat Häpe-DreSden. Ohne in bie Sache elbft hier eiugeheu zu können, sei nur hervorgehoben, >aß es sich um einschneidende, feit längerer Zeit chwebende Streitpunkte zwischen bem Gesamtvorstaube unb bem Berliner Zweigverein handelt. Die Hauptversammlung stellte sich in ihrer Mehrheit auf Seite des Gesamtvorstandes, lehnte alle Vermittelungsan- träge ab unb beschloß mit 162 gegen 100 Stimmen ben Ausschluß des Berliner Zweigvereins aus dem Gesamtverbande.
Mvksunge«, 23. Mai. Heute früh fand man >en seit einiger Zeit nach hier verzogenen Leinen- ,Sudler D., mit einem Schnitt in den Hals, ertrunken m der Fulda. Was dem Unglücklichen zum Selbstmord getrieben, ist noch nicht festgestellt.
Ans der HlHö«, 23. Mai. Gestern Nachmittag gegen Uhr zogen durch die Rhön mehrere schwere Gewitter und schlug leider der Blitz mehrfach ein. So töbete er in Eckweisbach (an der Fulda-Tann- Bahn) einen Man» unb zwei Stück Vieh, in Sangen» berg (unweit Sleinfaffen) brannten in Folge Blitzeinschlages zwei Bauernhöfe unb in Spahl (li/2 Stauben von Tann gelegen) eine Scheuer mit Neben- gebäuben vollständig nieder. Strichweise regnete es ehr. Heut ist die Luft wieder sehr schwül, so daß abermals Gewitter zu erwarten sind.
Araakfnrt a. M, 24. Mai. Der „Franks. Generalanz." veröffentlicht ein Interview mit dem zur Zeit hier weilenden Finanzminister Dr. Miquel, worin sich derselbe über bie wirtschaftlichen unb finanziellen Setten ber Militärvorlage ausspricht. Es sei, so bemerkte ber Finanzminister, unrichtig, baß eine Mehrausgabe von 50 bis 60 Millionen bie wirtschaftlichen Kräfte ber deutschen Nation übersteige. Man könne nicht von einer Vernachlässigung der Kulturaufgaben zu gunften der Armee sprechen. Niemand zweifle daran, daß eine Verstärkung unseres Volksheeres nur den Zweck habe, ben Friede» zu sichern. Eine nochmalige Ablehnung der Militärvorlage würde uns in große Schwierigkeiten und schwere innere Kämpfe werfen, unser Ansehen im Auslande schwächen, den Respekt vor unserer Macht verringern unb bamit bie Gefahr eines Krieges erhöhen. Für ein friebliebenbeS Volk, welches sicher sei, baß eine verstärkte Armee nur ein verstärktes Bollwerk des Friebens unb eine neue Gewähr bes Sttges in einem Verteidigungskriege, niemals aber eine Versuchung zu kriegerischen Abenteuern in ber Hanb des Kaisers sein werbe, könne bie Wahl nicht schwer fein.
Biedenkopf, 24. Mai. (Reichstagswahl.) In ber am 20. ds. Mts. in Hilchenbach abgehaltenen Versammlung ber Vertrauensmänuer ber national- liberalen Partei teilte zunächst ber Herr Abgeorbnete Seyberth nut, baß er nicht in ber Lage sei ein Mandat für ben Reichstag anzunehmen, daß er aber auch ganz abgesehen von feiner Person, cs für notwendig halte, daß, wenn irgend möglich, der Wahlkreis durch einen dem gewerblichen Leben angehörige» Mann oertreten werde. Die Versammlung beschloß hierauf
Marönrz, SS. Mai. (ReichKzerichtS- entscheidu»z.) Der Zusatz vor» Saccharin z« Bier, um den tmgenügenden Malz- unb Zuckergehalt desselben zu verdecken, ist, »ach einer» Urteil des Reichsgerichts, als Nahrungsmittel - VerfAschung zu zu bestrafen.
MarKnrg, 25. Mai. (Witternng.) Trotz des am Nachmittag stark umzogenen Himmels erreichte die Wärme 20 Grad C. 3» der Nacht waren 12,5 Grad C. und heute morgen find 16,25 Grad C. Wärme bei bewölktem Himmel und Südwestwind. Das Barometer ist auf 745 mm gestiegen.
Somim-Aufgang 3,62 Mond-Untngang 2, 6 V.
Sonnen-Untergang 8, 2 Mond-Aufgang 2,34 „
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