Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg,
Mittwoch, 17. Mai 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte«, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®; L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari«.
XXVIII. Jahrg.
Deutsches Reich.
W. Sletfttt, 16. Mai. Unser Kaiser, welcher sich Sonntag Abend von Potsdam aus zn den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Bückeburg begeben hatte, ist daselbst am Montag Morgen eingetroffen md auf dem Bahnhofe von dem Fürsten Georg und de« Prinzen des fürstlichen Hauses empfangen worden Nach seiner Ankunft im Schlosse begab sich der Kaiser, von dem Fürsten geleitet, zu dem Katafalk, auf dem der Sarg des verstorbenen Fürsten aufgebahrt war, wo er einen Kranz niederlegte und im Men Gebet verweilte. Bei der hierauf folgenden Trauerfeierlichkeit gab der Monarch der Fürstin- Witwe zum Sarg das Geleite, Hofprediger Brandes segnete die Leiche ein, sodann setzte fich der Trauerzug unter Kanonendonner und Glockengeläute in Bewegung. Dem Zug voran marschierten zwei Som« pagnien des westfälischen Jäger-Bataillons Nr. 7. Zunächst dem Sarge folgten der Kaiser nnb Fürst Georg, dann die anderen zur Trauerfeier anwesenden Fürstlichkeiten, barunter Fürst Neuß ä. L., ber Erb- großherzog von £) Ibenburg, Prinz Moritz von Sachsen- Altenburg, Prinz Friedrich von Meiningen, darauf ein großes Trauergefolge. Die feierliche Beisetzung fand in Stadthagen statt, wohin der Kaiser mittels Sonderzuges folgte. Nach der Beisetzung kehrten Se. Majestät, sowie die Fürstlichketten »ach Bückeburg zurück. Am Abend trat der Kaiser die Rückreise an. — Wie aus Görlitz mitgeteüt wird, hat der Kaiser Mgeordnet, daß an der Feier der Enthüllung des Denkmals weiland Kaiser Wilhelms I. am 18. Mai außer der dortigen Garnison teilzunehmeu haben: DaS 2. Bataillon des Inf. - Reg. v. Courbisre (2. Pos.) Nr. 19, das Jägerbataillon von Neumann (Schles.) Nr. 5, die 1. Kompagnie des Grenadier- Regiments König Wilhelm I. (2. Westpr.) Nr. 7 mit Mufikkorps, 2 Züge vom Dragoner - Regiment v. Bredow (1. Schles.) Nr. 4 und eine reitende Batterie. — Folgende Mitteilungen sind in der „Nordd. Allg. Ztg." zu lesen: „Die von mehreren Blättern gebrachte Nachricht, es habe in den letzten Tagen tat Reichskanzlerpalais eine Versammlung hervorragender Berliner Bankdttekloren stattgefunden, entbehrt, ebenso wie die daran geknüpften Folgerungen, jeder Begründung. — Wiederholt ist darauf hinge- wiesen worden, daß die leitenden Gesichtspunkte, welche König Wilhelm I. zur Militärreform des Jahres 1860 bewogen, genau dieselben find, wie diejenigen, welche für die gegenwärttge Vorlage bestimmend waren. In der Thronrede König Wilhelms I.
Der Sieg der Liebe.
R»»«u »e» g. »i Böttcher
! Nachdruck verboten.) (Fortfetzims.)
„Ich habe Bärenselde und Eva um Herrn von Dürrensteins willen verlassens sagte sie mit einem Seufzer. „Er ist kein Freund von mir, und das weiß er. Ich war gegen EvaS Verbindung mit ihm, das wußte er auch. Herr Walter, ich mißtraute ihm und that mein möglichstes, um Eva von dieser Heirat zurückzuhalten, obgleich," dabei seufzte sie und ließ den Kopf finken, „es in meinem Interesse lag, daß sie dieselbe einging."
„In Ihrem Interesse? Was für ein Interesse hatten Sie denn bei dieser Heirat?"
„Ich — ich kann das Ihnen jetzt nicht jagen, vielleicht werde ich nie den Mut dazu finden. Ach, bringen Sie nicht so in mich!"
„Warum hat fie ihn geheiratet?" fragte er dumpf. „Siebte fie ihn?" und seine Hände haßten fich krampfhaft.
Adelheid jchüttelte den Kopf.
„Ich weiß es nicht! Manchmal glaube ich e«, und bann wieder zweifle ich daran und bin zu dem Glauben geneigt, daß fie es aus Eitelkeit gethan."
„Sollte das wahr fein?" rief er mit bitterem Lachen. „Ist denn keine Wahrheit bei Euch Weibern mehr zu finden? Und sie, Eva! Ich hätte es nie geglaubt! Nein, da muß ein anderer Grund vorgelegen haben! Denn Eva —"
Er brach plötzlich ab und verhüllte feine Augen mit der Hand.
„Sttll, still!" murmelte fie fanst. „Sie dürfen fich nicht so eufregen, sonst werden Sie wieder krank. Ich weiß alles und mein Herz blutet beim Anblicke Ihrer Leiden."
vom 9. November 1863 hieß es: ......Ich
habe aber nicht allein für die innere Wohlfahrt, fonbern auch für bie Sicherheit des Staates Sorge zu tragen unb muß ta beiden Beziehungen auf Ihre Mitwirkung rechnen können. Die neue Formation des Heeres ist ans dem unabweislichen Bedürfnis berorgegangcn, mit der gesteigerten Wehrkraft der Nachbarländer gleichen Schritt zu halten unb bie wirtschaftlichen Interessen bei eigenen Bevölkerung durch gerechtere Verteilung ber gesetzlichen Wehrpflicht Rechnung zu trogen. Das Heer ist auch nach bei Reorganisation bas preußische Volk in Waffen unb zwar in größerer Wahrheit wie zuvor; beim während die verstärkte Organisation der Linie eine Erleichterung der älteren Landwehrklassen möglich macht......" —
Bei den Kontrollversammlungen werden seit einiger Zeit, dem Vernehmen nach, diejenigen ftüheren Einjährig-Freiwilligen, welche die Qualifikatton zum Reserveoffizier nicht erworben haben, darauf aufmerksam gemacht, daß fie diese nachträglich werden können. — Zur Errichtung einer Leibg arde-Kavallerie - Brigade. Wie bereits mitgeteilt, verlautet, daß der Kaiser die Errichtung einer Leib-Garde-Kavallerie- Brigade beabfichttge, die aus dem Regiment der Gardes du Corps und dem Leib-Garde-Hnsarenregirnent, die beide in Potsdam stehen, gebildet werden soll. Bisher gehörte das erstere Regiment zur 1. Garde-Kavallerie- Brigade, das letztere zur 4. Garde-Kavallerie-Brigade. Jede dieser beiden Brigaden hat als zweites Regiment noch ein ta Berlin stehendes Garde-Kav.-Regiment; die 1. Brigade des Garbe-Kürassier-Regiments, bie 4. Brigabe beS 2. Garbe-Ulanen-Regiments. Sollte thalsächlich bie Leib-Brigabe errichtet werben, so bürste bazn wohl bie bisherige 1. Garde-Kav.-Biigade verwendet werde», unb alsdann wird das Garde-Kürassier- Reg. mit dem Leib-Garde-Husaren-Reg. tauschen, so daß das Garde-Kürassier-Reg. zur 4. Brigade übertritt. Der Stab der 4. Brigade wttd vou Potsdam nach Berlin, der der 1. ober Leib-Brigabe von Berlin nach Potsbam verlegt werden. AIS Kommandeur der Leib-Brigade nennt man den Obersten nnb Flügel« abjutanten Frhrn. v. Bisfing, ber z. Z. das Regiment ber Garbes bu Corps kommandiert und schon seit länger als Jahresftist den Rang eines Brigadekom- mandeurs hat, während jüngere Obersten bereits Brigaden kommandieren. — Die Urlaubsreifen der preußischen Minister, die sonst so fest geordnet find, erfahren diesmal Veftchiebungen. Bis zum Schluß der Reichstagsfeffion, die zwar nur wenige Wochen umfassen soll, werden die Minister Berlin nicht verlassen. Darüber dürfte allerdings mindestens
„Sie — Sie wissen alles?" fragte er, zu ihr aufblidenb. „Sie wissen, baß ich —"
„Ja," erroiberte sie mit leiser, trauriger Stimme. „Ich weiß, baß Sie sie liebten!"
„Ich weiß, baß Sie Bärenselde verließen," fuhr Abelheib fort, „weil Sie es für unrecht hielten, sie eine Heirat unter ihrem Stande schließen zu lassen. Ich weiß das alles, Herr Walter, und bebaute Sie."
Er starrte fie betroffen an.
„Bedauern Sie mich nicht!" wies er fie zurück. „Und Sie wußten dies alles? Ich glaubte — verzeihen Sie mir — daß Sie mir nicht freundlich gesinnt wären."
„Ich?" rief sie mit einem Blicke engelhaften Vorwurfs. „Ich Ihnen nicht fteundlich gesinnt? O, das ist hart!"
Adalbert bettachtete fie voll schmerzlicher Ueber« raschung.
„Sie glaubten, ich fei Ihnen feindlich gefirmt, weil ich Sie nicht davor warnte, Ihre Liebe an eine Unwürdige zu verschwenden."
„Meinen Sie damit Eva?" sagte er brüsk. „Mit welchem Recht wagen Sie, das zu sagen?"
Sie sah ihn mit beinahe zärtlichem Mitleid an.
„Hat sie nicht Herrn von Dürrenstein geheiratet und Sie und Ihre Liebe eergeffen?"
„Ja, fie vergaß mich," murmelte er düster. „So bald, so schnell! Wenn es noch ein anderer Mann gewesen wäre, aber dieser Mann, vor dem ich sie warnte, dieser Mann, der mein größter Feind war und mich in ihrer ©egenwart beschimpfte. O Gott, da« ist zu hart!"
„Sprechen Sie nicht mehr davon, suchen Sie zu vergessen! Sie bedürfen der Ruhe, schlafen Sie!"
„Schlafen!" wiederholte er mit rauhem Lachen. „Ich werde nicht eher schlafen, bi« ich alle« gehört
die erste Augustwoche herankommen. Ende September pflegten bisher die Minister wieder in Berlin anwesend zu sein und die Berattmgen des Gesamtministertams über bie Reichstags- und Landtags-Vorlagen für die nächste Session zu beginnen. Diese Beratungen werben nun wohl hinausgeschoben werben, wenn auch für ben Zusammentritt des Reichstags tat Herbst unb bis neu zu wähleuben Lanbtags zu Anfang bes nächsten Jahres eine Abänderung an ben hergebrachten Zeitbestimmungen nicht zu erwatten sein wttb. — Zn militärischen Hebungen ftnb, wie bie „Rhein. - Wests. Zig." aus Mlitärkreisen erfährt, für die Dauer von 14 Tagen bis zu 8 Wochen von der Infanterie 60 000 Reservisten und 60 000 Landwehrleute, vou den attberen Truppenteilen 26 330 Marin einberufen worbe». Hierbei ftnb bie Offiziere unb Offiziersanwärter nicht eingerechnet, wohl aber 10 pCt. ber Unteroffiziere. Da bie Hebungen balb nach Pfingsten beginnen sollen, so wirb sich ein erheblicher Teil ber Einberufene» »och am Wahltage bei ben Fahnen befinben, unb demnach nicht in ber Lage sein, das Wahlrecht Msznüben. Die Hebungen feien, wie baS genannte Blatt betont, bereits zu einer Zeit anberaumt gewesen, als noch Niernanb wissen konnte, baß Mitte Juni Neuwahlen zum Reichstage stattfinbeu würben. — Dem preußischen Abgeorb- netenhause ist vom Abg. S ch ö l l e r folgenber Antrag zugegangen: „Das Haus ber Abgeordneten wolle beschließen, bie kgl. Staatsregierung zu ersuchen, weitere Ermittelungen über bie Wirkungen ber Staffeltarife für betreibe, Mühlen- und Malzfabrikate anzustelle», da bie bisherigen Erfahrungen sich auf zwei anormale Jahre stützen, wovon bas eine mit außergewöhnlich geringem, bas anbere mit außergewöhnlich hohem Ernteerträge, ferner eine Frachtermäßigung auch auf kürzere Entfernungen ta Erwägung zu ziehen". — Von einem in Frankreich lebenben Deutschen erhält bie „Köln. Ztg." nachstehende Zeilen: „Die Deutschen im Auslande schütteln bie Köpfe über bie Ablehnung ber Militärvorlage im Reichstage. Sie beurteilen bie Entscheidung im Reichstage vom Standpunkt der allgemeinen Lage unb bes europäischen Ansehens ihres Vaterlandes aus. Stets von Angehörige» frember Nationen umgeben, stab fie von ber Notwenbigkeit einer weiteren militärischen Stärkung DeutschlMbs unbedingt dnrch- drungen, unb dies um so mehr ta Anbettacht der Anstrengungen, bie besonbers Frankreich macht, um das deutsche Reich in militärischer Hinsicht möglichst zu überflügeln. Frankreich hat feit zwanzig Jahren in ber Ansbilbnng feiner Armee Unglaubliches geleistet ; ber heutige französische Soldat ist nicht mehr
habe. Unb Sie versuchten sie zu Übeireben, diesen Mann nicht zu heiraten? Aber sie wollte nicht auf Sie hören, trotzdem auch ich sie vor ihm gewarnt hatte? O, Weiber, Weiber, wie falsch und unbeständig seid Ihr doch!" Dann lag er eine Weile still.
„Und Sie verließen fie dann?" sagte er endlich.
„Ja, ich verließ sie. Ich konnte nicht bleiben, um Zeugin ihres Glückes zu sein, während der Gedanke an Ihr Elend mir stets vor Augen stand. Es würde mehr gewesen fein, al« ich hätte ertragen können."
„Und wie kamen Sie hierher?" fragte er.
„Ich begegnete ben Leuten, welche Sie hierher brachten, nnb bat, daß man mir erlaube, Sie zu pflegen. Werden Sie mir verzeihen?" Und ihre Augen fdjienen sich mit Thränen zu füllen.
„Ihnen verzeihen? Wären Sie nicht gewesen, ich würde allen Glauben an das weibliche Geschlecht verloren haben. Aber es ist mir noch immer ein Rätsel, warum Sie geblieben. Warum ließen Sie keine Krankenwärterin fommen ?"
Sie stand auf und wendete ben Kopf ab.
„Ich will jetzt auf kurze Zeit hinausgehen," sagte sie mit zitternder, kaum hörbarer Stimme. „Vielleicht können Sie schlafm, jo lange ich hier bin, verletten Sie mich nicht zum Sprechen."
Sie beugte fich über ihn, rückte ihm die Kiffen zurecht und verließ ihn, ohne das Rätsel gelöst zu haben.
Er schlief mdlich ein, nachdem er sich gesagt hatte, daß er genug um ein Weib gelitten, welches ihn nie geliebt, und das fich verheiratet hatte, nachdem er kaum den Rücken geroenbet Er sagte sich, daß es unmännlich und wribisch sei, «nthätig und Über sein Mißgeschick grübelnd dazuliegen und daß er nicht länger einer solchen Schwäche fich hingeben wolle
derjenige vou 1870. Die Leute haben aus dem Unglück gelernt, unb kennen zu genau bie schweren Lasten unb schrecklichen Folgen eines unglücklichen FelbzugeS, um nicht alle Kräfte für bas Wohl ihres LanbeS einzusetzen".
KeibelVerg, 15. Mai. Bei bem zwanzigjährigen Jubiläum des hiesigen Mlitärveretas, an welchem 30 Vereine bes Gauverbaudes teiluahme», hielt ber Großherzog eine Ansprache, ta welcher er mit bezug auf bie gegenwärtigen Verhältnisse ausführte, man könne Großes unb Dauerndes nur durch Selbstlvfig- kett, Hingebung unb Treue erreichen; man müsse barnach trachten, zu erhalten, was unter großen Opfern geschaffen sei. Von hohem Wert sei bie Erkenntnis, baß bie militärische Schulung eine immer größere Ausbreitung finbe. Wen» man die Selbstlosigkeit an bie Stelle bes Egoismus setzen würde, bann könne man getrost ber Zukunft entgegensetze».
Hessen-Nassau.
Marvurg, 16. Mai. (Herr Lucke.) Wie wir hören, wirb ber Reichstagskanbibat Herr C. Lucke sofort nach Pfingsten seine Agttationsreisen im hiesigen Wahlkreise beginnen.
Marvnrg, 16. Mai. (Laubwirtschaft- licher Verein.) Der lanbwirtschaftliche Kreis- Verein Marburg hielt gestern Nachmittag zu Wetter in ber Schäfer'schen Wirtschaft eine Wandersitzung ab, zu welcher die Mtglieder recht zahlreich erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Dr. Hesse, eröffnete die Sitzung mit Worten der Erinnerung an den verstorbenen Schatzmeister des lanbwirtschastlichenZeuttal- VeretaS, Schabacker, besseu Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. — Hüter „Geschäftlichem" wurde zunächst, einer ergangenen Aufforderung Folge gebend, der Beitritt des Vereins zum Fischerei Verein beschlossen, ba hierdurch den Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden soll, ber Hebung ber Fischzucht näher zu treten, unb durch Anschaffung einer diesbezüglichen Fachzeitschrift auf dem laufenden erhalten zu werden. — Nachdem der Prospett einer Berliner Firma über Guano - Streukasten ben Mitgliedern vorgelegt war, tierbretiete man sich bes Weiteren über das Thema: „Die Lupine als Futtermittel." Veranlassung hierzu gab bie Verlesung eines Schreibens, in welchem ber Verfasser desselben ein Verfahren zur Entbitterung der Lupine anbot. Da derselbe jedoch für die EinweihMg ta das Geheimnis dieses Verfahrens große Forderungen stellte, so nahm man von der Anschaffung desselben
Als er erwachte, stand Herr Geßler vor seinem Bette. Adalbert reichte chm die Hand, welche der dicke Pferdehändler voll Herzlichkeit ergriff.
„Bravo, alter Junge," rief er, „Sie sehen schon bedeutend besser aus Schwerenot, welchen Schrecken Sie uns eingejagt haben! Aber jetzt geht es wie- der, nicht wahr?"
„Ja," erwiderte Adalbert, „ich fühle mich bedeutend besser. Ich werde gleich aufstehen und mich draußen etwas umfehen. Ich fürchte, daß ich Ihnen recht viel Last und Mühe gemacht habe! Aber wie steht es um die Pferde? Erzählen Sie mir."
„Nein, nein, jetzt nicht," sagte Herr Geßler schnell. „Ich habe nur Erlaubnis erhalten, herein zu kommen, nachdem ich Fräulein Braun versprochen, Sie nicht aufzuregen. Tausend, das ist ein Geschöpf. In meinem Leben habe ich so etwas noch nicht gesehen! Sehen Sie, Adalbert, wenn fie nicht gewesen wäre, so lügen Sie längst unter der Erde!" unb seine Augen wurden feucht, während er feierlich ben Kopf schüttelte. „Ging ganz auf in Ihrer Pflege. Tag und Nacht unermüdlich, kein Schlaf kam in ihre Augen. Der Doktor selbst sagte, es fei ein Prachttnädel. Aber ich behaupte, alter Junge, daß dahinter mehr steckt," dabei zwickerte er verschmitzt mit ben Augen.
„Dahinter mehr steckt?" wieberhotte Abalbert mechanisch.
„Na, Sie brauchen nicht rot zu werben! Sie ftnb einer von benen, bie Herzen im Sturme erobern Haben Sie doch auch ba» meine erobert und ich bin boch nur ein Mann."
„Sie glauben —" sagte Abalbert langsam unb zögernd.
„Glauben? — Ich weiß e»! Habe ich mich boch ost hier hereingeschlichen unb fie weinend an