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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
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Marburg,
Dienstag, 16. Mai 1893.
XXVffl. Jahrg
»nzeigm nimmt entgegen die Expedition diese» Blatte», sowie die Slmwricen-Bmearn von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Men; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®; £. Daube n. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Deutsches Reich.
W. Werkin, 15. Mai. Unser Kaiser hatte cm Freitag das Elisabeth-Regiment in Spandau besichtigt, war von dort zum Besucht der großen Berliner Kunst- und Gemäldeausstellung nach Berlin gekommen und hatte dann Abends im Schlosse mit dem Reichskanzler Grafen Caprivi eine lange Unter» rednng gehabt. Die Nacht zum Sonnabend blieb der Kaiser in Berlin und inspizierte dann am Sonnabend Vormittag auf dem Tempelhofer Felde das Garde-Pionier-Bataillon, sowie das Garde-Füsilier- Kegimevt. Nachmittags wohnten die Majestäten dem Armee-Jagdrennen bei Charlottenburg bei. Nach der Rückkehr ins Schloß empfing der Kaiser dort den serbischen außerordentl. Gesandten, Oberst Pantalitsch, welcher ein Schreiben des Königs Alexander von Serbien betreffend die Uebernahme der Regierung durch denselben überreichte. Abends folgten der Kaiser und die Kaiserin einer Einladung des Herzogs und der Herzogin von Sagan zum Diner und fuhren hierauf nach Potsdam zurück. Sonntag Vormittag wohnten die Majestäten dem Gottesdienste in der Friedenskirche zu Potsdam bei. Zur Tafel waren der kommaudiereude General von Lotz, sowie der serbische Gesandte von Pantalitsch geladen. Am Abend begiebt sich der Kaiser zur Teilnahme an den Beisetznvgsfeierlichkeiten für den verstorbenen Fürsten von Schaumburg - Lippe nach Bückeburg, von wo Montag Abend die Rückkehr erfolgt — Gegen das Modetum in Offizierkreisen hat, wie die „A.-Ztg." erfährt, das Generalkommando der III. Armeekorps folgenden Erlaß gerichtet: „Se. Majestät der Kaiser haben mißfällig bemerkt, daß von Setten der Herren Offiziere mehrfach ein nicht der Vorschrift entsprechender Anzug getragen wird. Das Generalkommando des III. Armeekorps bestimmt hierdurch, sich jeder Extravaganz, wie Modemützen, zu hoher Kragen, zu kurzer Paletots ohne Rückenfalten, zu kurzer Ueberröcke, geplätteter Hosen, Schnabelschuhe und dergleichen, zu enthalten." — Der Minister des Innern hat die ihm unterstehenden Behörden zur schleunigsten Einleitung der Arbeiten für dieReichstagswahlen angewiesen und, der „Weser Zeitung" zufolge, angeordnet, daß dieWahl- kommiffare die etwa notwendig werdenden Stichwahlen allgemein auf den fünften Tag nach @r= Mittelung des Wahlergebnisses des ersten Wahlganges anzusetzen haben, also auf den achten Tag nach der Wahl. — Die „Berl. Pol. Nachr." schreiben: Anläßlich der infolge der diesjährigen Uebungen der
-er Sieg -er Liebe.
Btonuut Mn I. ». vöttchen
l Nachdruck »erboten.] (gertfaxnfc)
Eva sah ihn an. Seit jenem Abende, wo Herr Martini mit ihnen gespeist, hatte sie ihn nicht wieder gesehen, aber sie wußte, daß derselbe täglich mtt Dürrenstein zusammengekommen war.
„So?" sagte sie gleichgilttg, obgleich in etwas erstauntem Tone.
„Ja," versetzte er fast herausfordernd, „ich habe ihn gern. Er hat — abgesehen von seiner mangelhaften gesellschaftlichen Politur — seine guten Seiten, und überdies rettete er mir das Leben."
„Und dafür bist Du ihm dankbar," antwortete sie einfach.
Dürrenstein biß die Zähne aufeinander. Sollte sie Argwohn geschöpft haben?
„Natürlich bin ich ihm dankbar. Oder findest Du daran etwas auszusetzen?"
Eva verneinte schweigend und verließ da» Zimmer, aber an der Thür blieb sie stehen und sagte:
„Ich bin ftoh, zurück nach Bärmfelde zu gehen. Heute erhielt ich einen Brief von Adelheid, welche an das Krankenbett einer Tante gerufen ist, und Frau Merlin ist somit ganz allein "
Er atmete erleichtert auf, antwortete jedoch nur mit einem stummen Kopfnicken.
Der Winter nahte mit verstohlenen Schritten, tob die wenigen Blätter, welche den Säumen im Parke noch geblieben, zitterten in dem scharfen Winde.
In ihren pehverbrämtm Mantel eingehüllt, lehnte sich Eva im Wagen zurück und schaute mit gleichgiltigem Blicke hinaus. Erst vor wenigen Monden war sie dem Schlöffe zugefahren, ein junge«,
Mannschaften des Beurlaubtenstandes bevorstehenden Unterstützungen der Famttien der letzteren wttd in einigen Blättern darauf hingewieseu, daß keine näheren Anordnungen über die Stellen gettoffen find, welche die Auszahlung der angewiesenen Unterstützungs - Bettäge zu bewttken haben. Das ist richtig, soweit das Gesetz und die Ausführungsbestimmungen des Bundesrates in Betracht kommen. In Preußen jedoch haben die zuständigen Minister für die Landkreise empfohlen, daß die Unterstützungen durch die Kreiskassen de» einzelnen Gemeinden gezahlt werden und daß letztere dann ihrerseits die Bettäge den Empfangsberechtigten gegen die vorgeschriebene Empfangsbescheinigung übermitteln. Bei allgemeiner Befolgung dieser Empfehlung würde demnach für Preußen wohl eine übereinstimmende Methode in der Auszahlung der Unterstützungen gesichert sein. Wir machen übrigens darauf aufmerksam, daß zwar nur Ehefrauen und Staber unter 15 Jahren einen unbedingten Anspruch auf Unterstützung habe», daß jedoch auch Kinder über 15 Jahren sowie Verwandte in aufsteigender Linie und Geschwister der Einberufenen in dem Falle uuterstützuugsberechttgt sind, wenn sie von den letzteren vor dem Dienstantritt schon unterhalten wurden, oder wenn ein UnterhaltungsbedürfniS nach erfolgtem Dienstanttttt entsteht. Unter den gleichen Voraussetzungen kann den Verwandten der Eheftau in aufsteigender Linie und ihren Kindern aus früherer Ehe eine Unterstützung gewährt werden. Alle Ansprüche auf Unterstützung aber erlöschen, wenn sie nicht binnen einer Woche nach Beendigung der Uebung bei den Gemeindebehörden des Ortes angemeldet find, an welchem die Famllie, nicht der zur Uebung Einberufene, zur Zeit des Beginns des Unterstützungsansprnchs ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort hat.
— (DaS Zentrum.) Aus einem „das Zentrum" überschriebenen Arttkel der „Krenzzeitaug" entnehmen wir folgendes: Bei den Reichstagsauflösnnge» von 1878 und 1887 hatte dir Regierung sozusagen alle Katholiken ganz Deutschlands gegen sich. Jetzt hat sie Männer auf ihrer Seite, deren Qualttät verschiedene Tausende gewöhnlicher Reichstagswähler aufwiegt. Es war sehr geschickt von dem Herrn Reichskanzler, daß er gegenüber Dr. Lieber bemerkte, dieser sei „nicht die katholische Kirche und auch nicht das Zentrum". Man begehe vor allen Dingen nicht die Thorheit, jetzt gegen die „schwarze Jnternattonale" oder dergleichen loszugehe», dann würde man „mit der Wahlparole Anttag Hüne" den Herrn v. Hüne und seine Senoflen zuletzt selbst als Gegner zu be-
iröhliches Mädchen, jubelnd über den Reichtum, der ihr so plötzlich unerwartet zugefallen, und jetzt näherte sie sich demselben als die Gattin eines Mannes, den sie verabscheute. Ihr Herz war erstorben, da« Leben, welche» sie vor sich hatte, erschien ihr wie eine endlose Wüste.
Ihr Gatte saß schweigend und verdrießlich neben ihr Er hatte das erlangt, wonach er gestrebt und getrachtet hatte, und jetzt traf ihn dieser schwere Schlag. Sein Name, alles, was er besaß, fein ganzes Wohl und Wehe war der Gnade eines gemeinen Schurken anheimgegeben.
Morgen schon würde Herr Martini ihm folgen, und ehe er das Geld nicht austreiben konnte, um fich von ihm loszukaufen, würde er ihm Tag für Tag, Nacht für Nacht wie ein Bluthund auf dem Nacken fitzen.
Als der Wagen an der Freitteppe vorfuhr und Eva Frau Merlin an der Thüre stehen sah, sie zu bewillkommnen, färbte eine leichte Röte, die jedoch sogleich verschwand, ihre Wangen; Frau Merlin, welche sie umarmte, sah sie besorgt an.
„Warm Sie krank, gnädige Frau?" fragte sie liebevoll, al« beide allein in Evas Zimmer waren.
Eva lachte, indem sie fich über Frau Merlin beugte und sie küßte
„■Rennen Sie mich doch nicht gnädige Frau," agte sie. „Nennen Sie mich Eva, wie früher. Krank? Nein, krank war ich nicht, allein ich glaube, ne Residenzlust sagte mir nicht zu. Ich bin sehr, ehr ftoh, wieder hier zu fein. Sehe ich denn wirk- sich s» elenb aus?" fragte sie plötzlich.
„Sie sehen blaß aus und," fetzte Frau Merlin nach einigem Zögern hinzu, „trübe gestimmt, aber chön wie immer." •
„Seim Sie unbesorgt," erwiderte Eva, fich
kämpfm haben. Sobald man die Religionssachen ta dm Streit zieht, wird drüben wieder alles einig und zwar in der Opposition. Aber mancher katholische Bauer wird begreifen, daß er ohne Schaden für sei« Seelmheil dem zustimmen kann, was ein so guter Katholik wie Herr v. Hüne empfiehlt. In den religiösm Fragen ist deshalb zu empfehle», daß ma» nicht nach nattonalliberaler Att „Kultur pautt", sonder» das Rezept Nicoteras, des früheren italie- nischm Mtaisters des Innern, befolgt: „Man muß niemals davon reden." Nicotera hat damit erreicht, daß ein viel erträglicheres Verhältnis zur Kirche bestand, wie seinerzeit unter Cttspi, und auch die offensive Haltung des Vatikans stark nachließ. Wmn eine Regierung bett religiösen Kampf gegen bie Katholiken proklamiert, so kann sie nicht erwarte», baß ein Katholik auf ihre Seite tritt. Und wen» man erklärt, gegen die „schwarzeInternationale" kämpfen zu wollen, wie einige nationalliberale Blätter schon anheben, so ist das beleidigend für jeden Katholiken. Das Sttchwort kann nur fein: „Gegen bie Demokratie."
— (Ein Annäherungsversuch.) Der „Vorwärts" veröffentlicht einen, wie er sagt, burch freundlichen Winb auf sein Rebakliouspult gewehten Brief bes Prinzregenteu Albrecht von Braunschweig an Caprivi vom 9. Mai 1893, ber im wesentlichen wie folgt lautet:
„Excellenz find sehr beschäftigt, und ich fühle, es ist unbescheiden, Ihnen an diese» Tagen zu schreiben. Die Sache, bie ich aber erwähnen möchte, ist so wichtig, baß sie keinm Aufschub bulbet, ich will aber ohne Ihre Kenntnis unb ohne Ihren Rat keinen Entschluß fassen. Kammerherr von Witzleben, Klosterpropst zu Roßleben, bat mich, zu bewttken, baß bei Enthüllung des Kaiserdeukmals in Görlitz, dem Bismarcks und Moltkes Standbilder zur Seite stehe», Fürst Bismarck eingeladen werden könne. Man habe versucht, die Erlaubnis zu erlangm, fie sei abgelehnt worden, doch so, daß Zweifel blieb, ob dies von Majestät gewollt sei, oder nur von anderer Seite ausgehe. Witzleben meinte, eine publike Aussöhnung mit Bismarck würde nach der Reichstagsauflösung von eminent wohlthätigem Einflüsse auf unsere innere» Verhältnisse sein müffen. Ich erwiderte, daß ich im Moment offiziell ein Nein seinem Ersuchen entgegensetzen müsse. Selbst nun von ber Bedeutung eines solchen Schrittes ber Begegnung von Kaiser unb Fürst durchdrungen, möchte ich doch beu Gebanken nicht fallen lassen, ohne ihn Euer Excellenz ver- ttaulich mitgeteilt zu haben. Im Herzen kann ich eS nicht von ber Hand weisen; was ich offiziell
zwingend, einen heiteren Ton anzuschlagen, „ich werde in der Landlust meine Farbe, ebenso wie meine gute Laune wiedergewinnen. Aber jetzt er- zählen Sie mir, was sich hier neues zugetragen hat. Auch von Adelheid, haben Sie von ihr gehört?"
Frau Merlin zog die Lippen zusammen.
„Ja, ich erhielt ein kurzes Schreiben von ihr, in welchem sie mir anzeigte, daß fie ihrer Verwandten nachgereist sei, das ist alles, Eva," dann lockte sie.
„Fahren Sie fort, ich höre "
„Ja, ich weiß eigentlich nicht recht, was ich agen wollte, aber die Wahrheit zu gestehen, ich werde aus Adelheid Braun nicht klug! Sie wiffen, daß ich nie eine große Vorliebe für fie gehegt habe."
„Die arme Adelheid!" sagte Eva mtt zerstreutem Lächeln. „Sie und Frau von Raabe ließen ihr nie Gerechtigkeit widerfahren."
„Das wüßte ich nicht," entgegnete die alte Dame trocken.
„Aber fällt es Ihnen nicht als sehr eigentümlich auf," fuhr Frau Merlin fort, „daß fie uns weder ihre Adresse geschickt, noch etwas über die Tante mitgeteilt hat?" Ich habe fie bis jetzt niemals von derselben sprechen hören."
„Ja, Adelheid hat ihre Eigenheiten," bemertte Eva unbefangen. „Es sieht ihr ganz ähnlich, Knall und Fall davonzulaufen, «m einen Kranken zu pflegen. Wir werden schon bald von ihr hören "
Unb haben Sie eine angenehme Zett in der Residenz verlebt?" fragte Frau Merlin, als fie Eva den Mantel abnahm und diese fich seufzend auf das Sopha sinken ließ.
„Angenchm? Nun ja "
„Und Herr von Dürrenstein, fühlt er fich ganz «M?"
zunächst thnn zu müssen glaubte, um keine mmützen Hoffnungen zu weckeu: so teile ich den Gedanken WitzlebenS Euer Excellenz mit für den Fall, daß Sie irgend Gebrauch von mir für dessen Ausführung glauben machen zu können, oder auch ohne mich, der ich verbleibe Euer Excellenz dankbarer Albrecht."
Kamstnrg, 13. Mai. In der Eisenbahnbillet- Schwtadelaffäre erfolgten bereits vierzig Verhaftungen.
Hessen-Nassau.
Marlnrg, 15. Mai. (Unser Reichstagskandidat.) Als Gegenkandidat des Dr. Böckel ist der Gutspächter C. Lucke von Petershausen bei Offenbach a. M. aufgestellt worden. Er ist von dem Bund der Landwirte in den Kreisen Marburg, Kirchhain und Frankenberg-Vöhl in Vorschlag gebracht und eS hat die konservattve Partei der drei Streife fich dahin schlüssig gemacht, für diesen Kandidaten, welcher erklärt hat fich den deutschen Kouser- vattven tat Reichstag anschließen zu wollen, einmütig etazutteten. Es steht zu hoffen, daß auch die Nationalliberalen und alle diejenigen dasselbe thu», welche der unfruchtbaren Thätigkeit unseres bisherigen Bertteters im Reichstag überdrüssig dort einen Mann habe» wollen, welcher. Wie Lucke als ausübeuder Landwirt, mitten im praftffchen Erwerbsleben steht, der das Wohl und Wehe des Mittelstandes, dem er angehört, am besten kennt und im Stand ist, dessen Interessen im Reichstag mtt Nachdruck zu vertreten. Unser Kandidat wird dieses besonders thun, wenn es fich im Reichstag um die Aufbringung der Mittel zur Ausführung der Militärvorlage handelt, für die er, überzeugt von ihrer Notwendigkeit zum Schutz des Vaterlandes und zur Erhaltung des Friedens, einzutreten entschlossen ist. Herr Lucke ist hier nicht unbekannt. Er hat vor einigen Wochen in Marburg im landwirtschaftlichen Verein mit großem Beifall gesprochen und fich hierbei als gewandter, volkstümlicher, dem Dr. Böckel mehr als gewachsener Redner gezeigt. Er wird fich in Kürze den Wählern vorstellen und seinen Gegner in allen Teilen des Wahlkreises bekämpfe«.
Marvnrg, 15. Mai. (ReichstagsWahl.) Der Regierungspräsident, i. B.: v. Pawel, macht ta
„Gan; wohl," antwortete Eva gleichmütig.
„Es kam mir vor, als sähe er etwas blaß und angegriffen aus," meinte Frau Merlin.
„Finden Sie? Mir ist es nicht aufgefoöen. Aber da fällt mir ein, wir erwarten zu morgen einen Herrn zum Besuch. Sein Name ist Martini, er ist ein alter Freund meines Mannes."
„Ein Besuch!" rief Frau Merlin, deren Hau»- ftauengeist sogleich erwachte. „Gut, gut, ich werde sorgen, daß alles für ihn in Bereitschaft gesetzt wird. Ist es ein angenehmer Mann?"
„Angenehm? Das ist wohl kaum das paffende Wort für ihn," antwortete Adelheid mit seltsam bitteren Lachen.
Arn folgenben Morgen erschien Herr Martini. Er hatte eine Art Jägerkostüm angelegt und sah womöglich noch pöbelhafter aus als gewöhnlich, so ordinär, daß, als Frau Merlin ihn sah und seine Stimme sowie seine ungebttdete Redeweise vernahm, fie erschrak und bettoffen ansblickte. Ihr Erstaunen wuchs jedoch noch mehr, als fie wahrnahm, daß Herr Martini nicht nur von Dürrenstein geduldet wurde, sondern daß dieser Herr fich mehr als fteund- lich gegen seinen Gastfreund benahm, und daß er >en Dienstboten seine Befehle gab, als sei er der Herr des Hauses und Dürrenstein der Gast. Seine Stimme war im ganzen Schlosse zu vernehmen, und jedesmal, wenn fie sein Ohr erreichte, erbleichte Dürrenstein und seine schmalen Sippen preßten fich fester aufeinander.
Nur in Evas Gegenwart wurde Herr Martini kleinlaut. Es lag etwas in ihrer würdigen, vornehmen Haltung, was ihm Furcht einflößte, und er pflegte schweigend und verlegen bei Tische zu fitzen, bis die Damen fich entfernt hatten, dann aber füllte er gewöhnlich sein Glas, schlug Dürrenstein auf die