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ist, die Kolonie zu heben. ES heißt, er habe in Berlin gewisse Forderungen gestellt, von denen sein Verbleiben abhängig ist. Bis jetzt verwaltet er sein Amt blos provisorisch. — DaS Reisen ins Innere, früher durch mannigfache Chikanen erschwert, ist jetzt erleichtert worden. Nächstens soll eine große Ab­teilung Europäer i«S Innere gehen. — lieber die Gefechte der Engländer in Nyassa'and und die Unter­stützung derselben durch die Deutschen werden aus Dar - es - Salaam folgende Einzelheiten bekamt: Sklavenjäger hatten im Januar einen Jmgen aus Zomba, dem Hauptquartier des englischen Kommissars Johnston, geraubt, allein der Junge wurde samt vier onberen Sklaven in Akumsapa, westlich vom Schire wieder befreit. Der Häuptling Lionde, in dessen Gebiet dies geschah, imb ein Araber Abu Beko griffen Johnston an, wurden aber zurückgeschlagen. Ein englischer Korporal, Hoare, geriet dabei in große Gefahr, rettete sich jedoch durch Schwimmen vor den Feinden. Den Letzteren gelang es trotz ihrer Nieder- lage auf 14 Tage jede Verbindung zwischen dem Schirehochland und dem Nyasia abzuschneiden, ein Boot der Englischen Kompagnie zu tapern und einen englischen Reisenden seiner Güter zu berauben. Den bedrängten Engländern kamen die Deutschen zu Hilfe. Baron v. d. Eltz, Prager und Dr. Rover erschienen mit 70 Sudanesen und bald traf das britische Kanonenboot „Mosgnito" ein. Nach mehreren heftigen Gefechten wurden die Sklavenjäger zerstreut und die Verbindung mit dem Nyassa wieder eröffnet.

Aückevurg, 9. Mai. lieber die Krankheit, welcher Montag Abend der Fürst Georg von Schaumburg- Lippe zum Opfer gefallen ist, wird noch gemeldet: Die Krankhett, welcher Fürst Georg erlegen ist, ist ein Nierenleiden, das ihn schon seit Monaten ans Krankenzimmer fesselte. In den letzten Wochen war das Befinden verhältnismäßig gut. Der Fürst konnte einen Teil des Tages außer Bett zubringen, Vor­träge entgegennehmen, die Regierungsgeschäste er­ledigen und an sonnigen Tagen einige Zeit im Freien auf dem Balkon weilen. Ein mit heftigen Nieren­krämpfen und Schüttelftost verbundener Fieberanfall war zum letzten Male am ersten Ostertage beobachtet worden. Allerdings ließen fortwährender Schmerz, geringer Appetit und allabendliche Temperatnrerhöhung darauf schließen, daß das Nebel noch nicht gehoben sei, auch nicht, nachdem mehrere Nierensteine entfernt waren. Am Abend des 3. Mai trat nun plötzlich Fieber ein, das sich unter furchtbaren Nierenschmerzen auf 40 Grad steigerte. Die Ursache war ein ein­geklemmter Stein, der am 5. d. Mts. schließlich ent­fernt werden mußte. — Durch eine am Dienstag in Bückeburg veröffentlichte Proklamation wird ver­kündet, daß der Erbprinz als Fürst Georg die Regierung des Fürstentums Schaumburg-Lippe über­nommen hat. Die Beisetzung des öerftorbenen Fürsten findet im Mausoleum zu Stadthagen am Montag statt. Die tödliche Krankheit des Verstorbenen war ein Nierenleiden, das wiederholte Steinoperationen nötig machte.

Hessen-Nassau.

Marburg, 10. Mai. (Berliner Kom­mission.) Seit heute Morgen weilt die bereits angekündigte, aus Mitgliedern der verschiedenen Ministerien in Berlin, sowie der Kgl. Regierung tn Cassel bestehende Kommission in unserer Stadt. Unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Schüler trat dieselbe heute um 9 Uhr im Rathaus­saale behufs Besprechung der hygienischen Verhältnisse Marburgs zu einer Sitzung zusammen, an welcher außer den Genannten noch die Herren: Kgl. ßanbrat von Trott zu Solz, SanitätSrat Professor Dr. von Heusinger, Kgl. Bauinspettor vom Dahl, Geheimer

können, und hier war Adalbert Walter ihr fast vor die Füße geworfen. Ihr Herz schlug in wilder Freude und Befriedigung. Aber als der Doktor sie anredete, wendete sie sich ruhig und gelasien wie eine erfahrene Krankenwärterin nach ihm um.

Solche Kaltblütigkeit und Ruhe imponierte selbst dem Arzte.

„Ich bin sonst nicht sehr für freiwillige Kranken­pflegerinnen eingenommen," sagte er, „allein Sie scheinen eine Ausnahme von der Regel zu sein, Fräulein Braun, und ich glaube, Ihren Vetter Ihrer Sorgfalt anvertrauen zu tonnen, berat ich bin sicher, daß Sie meine Anordnungen befolgen werden "

„Buchstäblich!" erwiderte sie ruhig. „Ist — ist die Sache sehr ernst?" fragte sie, einen Blick auf den regungslos Da liegenden werfend

„Allerdings," versicherte er. „Der Pflegerin find wir die Wahrheit schuldig. Aber er ist in guten Händen. Wollen Sie dieses Rezept sogleich machen lassen? Es ist ein Opiat."

„Ich werde es selbst besorgen," sagte sie, „so­lange Sie noch hier find."

Damft nahm sie ihren Hut und verließ das Hau«, um sich in die nahegelegene Apotheke zu be­geben. Unterwegs trat sie jedoch in eine Papier­handlung, ließ sich Briefpapier und Couverts geben und schrieb folgende» Billet:

„Liebste Eva! Bereit zur Abfahrt, um zu meiner Tante zu reifen, von deren Krankheit ich Ihnen schrieb, erhielt ich eine Depesche, in welcher sie mir mitteilte, baß der Arzt sie nach Karls­bad geschickt, wohin ich ihr folgen solle, und so werde ich mit dem Nachtschnellzuge dorthin ab- gehen. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie einige Seit vielleicht nicht von mir hören, da es mir

Ober - RegiemngS - Rat Steinmetz, Geheimer Medi­zinal - Rat Professor Dr. Maunkopff, Professor Dr. Fränkel und die Mitglieder des Stadtrates teilnahmen. Nach 3 stündiger Beratung nahm die Kommission gegen Vs1 Uhr mittags das Frühstück im Weinrestaurant des Herrn O. Kratz ein.

Marburg, 10. Mai. Die Unterärzte Dr. MartenS vom Hess. Jäger-Bat. Nr. 11 und Dr. Köhler vom Hess. Pion.-Bat. Nr. 11 (dieser unter gleichzeitiger Versetzung zum 2. Thüring. Jnf.-Regt. Nr. 32) sind zu Assist.-Aerzten 2. Kl. befördert. — Dr. Brenßell, Assist. - Arzt 1. Kl. der Landwehr 1. Aufgebots vom Landw.-Bezftk I. Cassel ist der Abschied bewilligt.

Marburg, 10. Mai. Eine für Eisenbahn­reisende interessante Entscheidung ist kürzlich in Hamburg in der Berufungsinstanz be­stätigt worden. Ein Schneidermeister fuhr nach dem bärtigen Berliner Bahnhof und übergab einem Koffer­träger seine beiden Koffer, während er sich selbst ein Billet löste. Inzwischen war ein Koffer im Ge­dränge verschwunden. Der Reisende verklagte den Träger auf 80 Mk. Entschädigung, aber die Gerichte wiesen die Klage ab. Die Ueberwachung des Ge­päcks bis zur Einlieferung an die Expedition sei Sache des Reisenden.

Marburg, 10. Mai. (Eisenbahn-Kurs­buch.) Die König!. Eisenbahn-Direktion in Frank­furt a. M. hat im Verlag der Buchdruckerei von Baier & Lewalter daselbst eine kleine Ausgabe ihres längst bekannten Süddeutschen Eisenbahn-Kursbuches erscheinen lassen, welche in äußerst korrekter Aus- fühmng und sinnreicher Zusammenstellung die Eisen­bahn- und Dampfschiff-Fahrpläne in dem von den Linien Köln - Kassel - Nordhausen - Erfurt - Nürnberg- Stuttgart-Straßburg-Trier-Köln begrenzten Gebiete von Mittel- und Süddeutschland mit Frankfurt a. M. als Mittelpunkt enthält. Das Büchlein ist überall käuflich und wird zu dem'Preise von 25 Pfg. gewiß der ständige Begleiter vieler Reisenden werden.

Marburg, 10. Mai. Zur Bekämpfung des Alkoholgenusses soll auch hier ein Ortsverein des Internationalen Vereins zur Be­kämpfung des Alkoholgenusses gegründet werden. Herren, welche dem Hauptvereine bereits augehören, oder gewillt sind, sich mit den Bestrebungen desselben bekannt zu machen, und für dessen Ziele, für welche u. a. auch der bekannte Professor der Psychiatrie Dr. Forel in Zürich, bann der Professor der Physi­ologie Dr. Bunge in Basel, Fick in Würzburg wiederholt in Wort und Schrift lebhaft eingetreten sind, einzutteten, wollen sich mit den Herren Lektor Tilley, Reuthofstraße 11 und stud. math. et rer.nat. Walter Würfel, Untergasse 6, gefälligst in Verbindung setzen. Beide Herren sind zu jeder Auskunft gern bereit.

Marburg, 10. Mai. (Theater.) Gegenüber „Clavigo", welches uns zu Anfang dieses Jahres von den Mitgliedern der Königlichen Bühne in Cassel vorgeführt wurde, kann Iphigenie, welches Schauspiel gestern zur Darstellung kam, nicht nur als Dichtung, sondern auch als Drama, stets als ein Meisterwerk Göthes uns zu Herzen sprechen. Freilich, des Bombastes in Wort und Bild, wie eine Reihe unserer heuttgen Dramattker ihn uns vor Augen führt, entbehrt diese yochpoettsche Schöpfung, allein die großartige Seelenhandlung, die dem Stücke inne» wohnt, und die uns in seiner einerseits lieblichen, andererseftS kernigen Sprache so unvergleichlich an» mutet, ist eben das, was im Innersten den Zuhörer bewegt und ergreift. Welche Fülle der Gedanken, >er Empfindungen schon im ersten Monolog der Iphigenie, in der Wahnsinussceue des Orest, im Wiederfinden von Schwester und Bruder, in der Freundschaft von Orest und Pylades, endlich in

an Zeit zum Schreiben fehlen dürfte. Mit freund­lichen Empfehlungen an Herrn von Dürren stein und herzlichen Grüßen an Sie

Ihre Adelheid Braun."

Nachdem sie dies Schreiben adressiert und in >en Briefkasten geworfen, ließ sie in der Apotheke )en Trunk machen und war zurück, ehe der Doktor le noch vermißt hatte

Adalbert lag mehrere Stunden bewußtlos, dann erwachte er und schaute um sich.

„Ich werde mich vorläufig im Hintergründe -alten," sagte Adelheid. „Eine plötzliche lieber» raschung —"

Der Arzt nickte zustimmend. Sie war eine musterhafte Krankenwärterin, das war gewiß.

„Wo bin ich?" fragte Adalbert, versuchend, fich aufzurichten. „Was ist eigentlich geschehen? Ist sie fort?"

„Sie haben einen schlimmen Sturz gethan." er» klärte der Doktor begütigend. „Sie waren be wußtlos."

Adalbert athmete erleichtert auf:

„Bewußtlos?" sagte er. „Dann muß ich es geträumt haben. Hörten Sie Jemand sagen: Frau von Dürrenstein?"

„Nein," antwortete der Doktor, welcher erst ge­kommen war, nachdem der Schutzmann den Namen genannt hatte. „Nein, ich habe nichts gehört. Sie müssen geträumt haben, Walter "

„Gott sei Dank! Gott fei Dank!" rief er aus.

„Aber jetzt Ruhe!" gebot der Doktor, welcher glaubte, da» Delirium fei schon eingetreten. „Je ruhiger Sie fich verhalten, desto eher sind Sie wieder hergestellt.'

„Ja, ja, Sie haben recht, ich muß es geträumt haben. Nein, sie würde so etwa» nicht chnn —

Anlage und Ausgang des Dramas selbst, welche» eine alte Schuld des Tautalu» gegen die Gottheit (die Götter), die von Kind und Ktndeskindern ge­büßt wurde, endlich durch Iphigenie und Orest zur Sühne bringt! Genug, es mag noch einmal hervor- gehobeu werden, daß gerade gegenüber dem Pomp und Wust au sogenannter Handlung, womit die Mehrzahl unserer heutigen dramottschen Dichter zu imponieren wünscht, die Einfachheit und Erhabenheit der Werke unserer deutschen Klassiker uns stets von Neuem auf das Wohlthuendste ergreifen. Dies zeigte sich auch an der lautlosen Aufmerksamkeit, welche das volle Haus der allerdings vorttefflicheu Auf­führung festens des Casseler Personals entgegen» brachte. Vor Allem erbaute Fräulein H i m m i g - hoffen uns durch ihr edle», hoheitsvolles Spiel als Iphigenie und zwar ebenso mit ihrer abgerundeten, klaren Sprache als in ihrer anmutsvollen Bewegung, welche letztere sie namentlich zu Ende des vierten Aktes, beim Besteigen der Stufen des Altares, an welchem sie das Lied der Parzen sprach, zum Aus­druck brachte. Herr Thies als Orest imponierte namentlich in Maske und Spiel, vor Allem in den Scenen mit Iphigenie. Herr Kothe als Pylades war durchaus der liebenswürdige Jüngling und Freund, zu welchem ihm der Dichter Wott und Handlung verliehen. Auch Herr I o h o w als Thvas sowie Herr Gura als Arkas kamen ihrer Aufgabe gut und wirksam nach, wenn auch ersterer in seiner Maske vielleicht etwas zu düster erschien, wobei es uns allerdings sofort einleuchtend ist, daß Iphigenie fich nicht für ihn begeistern kann.

Marburg, 10. Mai. Das große Los der preußischen Klassenlotterie fiel auf Nr. 18598.

Marburg, 9. Mai. Die Strafkammer ver­handelte heute über zwei Anklagefälle, als bereu Ursache die im Jahre 1888 stattgefundene Verkoppelung der Gemarkung Gombeth (Amtsgerichtsbezirk Borken) bezeichnet werden muß. Bei dieser Verkoppelung ge­staltete sich nämlich die Lage eines Grundstücks des dortigen Ackermanns Christian Knöpfel in der Weise, daß demselben ein Weg angewiesen wurde, auf welchen sein Anlieger, der Ackermann Melchior Groß, An­sprüche erheben zu können glaubte. Letzterer legte unter Zustimmung der übrigen Interessenten Protest gegen diese Weganlage ein und nahm den Grund und Boden wieder in Besitz, nachdem auf Anordnung der zuständigen Vermessungsbehörde ein Flutgraben aus­geworfen worden, welcher auch den ftagl. Weg durch- schnttt. Durch Letzteres war nun dem Knöpfel die Möglichkeit genommen, ohne Umwege auf seinen Acker zu gelangen und da er sich in seinem Rechte verletzt glaubte, so warf er unter Beihülfe feiner Söhne den Flutgraben mehreremals wieder zu, um den Weg benutzen zu können. Diese Handlungsweise sah man jedoch als eine unbefugte an und wurden Knöpfel sowie seine Söhne vor dem Schöffengericht Borken in 6 Fällen mit Geldstrafen belegt, wogegen dieselben Berufung einlegten. Der heute als Sachverständige vernommene Herr Reg.-Rat Delius aus Cassel hielt jedoch das Vorgehen der Angeklagten für gerecht­fertigt, da die BermessungSbehörde die Befugnis des Wegeverbotes überschritten hätte und so wurden sämt­liche Angeklagten kostenlos fteigesprochen. — Im engsten Zusammenhänge mit dieser Angelegenheit steht nun die zweite Anklage, welche auf Körperverletzung lautet und fich gegen Adam und Johannes Knöpfel ttchtet. Am 8. Apttl v. I. war Melchior Groß wieder mit dem Auswerfen des von den Genannten abermals zugeworfenen Flutgrabens beschäftigt, als beide mit ihrem Fuhrwerk erschienen und auf dem verbotenen Wege ihrem Acker zufuhren. Groß sprang dem Adam Knöpfel mit erhobener Schippe entgegen und da dieser Widerstand leistete, so kam es zwischen

ich habe nur geträumt. Ja, ich will mich ruhig verhallen. Bin ich sehr schwer verletzt? Werde ich bald aufstehen können?" fragte er begierig. „Wissen Sie, warum ich frage?" und dabei heftete er seine fieberhaft glänzenden Augen gespannt auf die Züge des Doktors. „Weil ich ein Narr ge­wesen bin, ein Narr! Ich habe mein Glück mit beiden Händen von mir gestoßen und jetzt möchte ich es zurück haben! Hören Sie das? Ich will nicht länger kämpfen — ich kann es nicht mehr! Ich ergebe mich. Ich liebe fie zu innig, zu innig *

Dann streckte er die Hände au» und rief in sehnsüchtig zärtlichem Tone ihren Namen.

„Eva! Eva! Komm zu mir!"

Der Doktor winkte Adelheid.

„Er phantasiert," sagte er leise, „bitte, bringen Sie das Eis,"

Diese ganze Nacht und noch viele Nächte später wälzte er sich phantasierend auf seinem Bette hin und her, beständig ihren Namen rufend. Wenn er von Zeit zu Zeit au» reiner Erschöpfung in Ruhe versank, so erwachte er stets mit dem Namen Eva auf seinen Lippen.

Zuweilen wähnte er, sie stehe neben seinem Bette, und dann zog er mühsam Adelheids Hand an die Lippen und küßte dieselbe und bat sie, nicht zu meinen, da er wisse, daß sie bei ihm sei, und wenn er wieder gesund wäre sie fich heiraten würden.

„Wer ist nur diese Eva und jene Frau von Dürrenstein, von benen er beständig spricht?" fragte der Doktor.

„Eva heißt eine junge Dame, die er sehr geliebt >at und die ihm untreu wurde," versetzte Adelheid niedergeschlagen. „Er kann das nie vergessen. Aber Frau von Dürrenstein — das weiß ich wahrlich

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Schorlemer-Alst hat zwar dem aufgelösten Reichstag nicht angehört, aber die Stimme eines so angesehener katholischen Führers wiegt in der öffentlichen Meinung schwerer, als die Dutzender von Parteinulleu! Für uns Fuldaer war die Abstimmung des geistvoller Dr. Porsch deshalb noch von besonderem Interesse, weil er von verichiedeuen früheren Besuchen hi« stattgehabter katholischer Versammlungen Vielen per­sönlich bekannt ist und außerdem offenkundige nahe Beziehungen zu dem Kardinal Kopp unterhäll, so >aß ein Rückschluß auch auf die Stellung dieses hervorragenden Kftchenfürsten zu der schwebende« Tagesfrage wohl erlaubt ist. Jedenfalls bedarf es einer weiteren Begründung nicht, daß man der befte Katholik sein kann und sich einem — Dr. Lieb« nicht unterzuordnen braucht. Gott gebe, daß diese Überzeugung bei der bevorstehenden Neuwahl des Reichstags auch in unserem Wahlfteise allseifig Platz greift!

Kirchhain, 9. Mai. AIS eine Seltenheit teile, wir mtt, daß die Ziege deS hiesigen Einwohners $ fünf Lämmer zur Welt brachte.

ArauKeuberg, 8. Mai. Herr F. W. Hasse» camp und Gemahlin feierten gestern inmitten all« ihrer Angehörigen in seltener Rüstigkeit und Frische das Fest der goldenen Hochzeit.

Schenklengsfeld, 7. Mai. Heute hielt der ehemalige Abgeordnete Werner aus Cassel eine anti. semitische Versammlung ab, in welcher er sich als Kandidat für den Wahlkreis HerSfeld-Hünfeld-Rote» bürg vorstellte. Er entwickelte sein Programm.

Ankda, 9. Mai. Dem „Fnld. KreiSbl." wirt folgendes geschrieben: „Wenn man die Zentrnms- glieder, die für den Antrag v. Huene gestimmt habe», nicht nur zählt, sondern auch wiegt, so ergibt sich klar, daß der sonst so feste Turm des Zentrums einen klaffenden Riß bekommen hat. Es find gerade die gefeiertsten Führer der Partei, welche diesma nicht mitmachten, sondern im Gegensatz zu dem auf seine bekannte unpatriotische Aeußerung von de» Reichskanzler tteffend festgenagelten Dr. Lieber, der jetzt leider daS Zentrum beherrscht, das Vaterland über die Partei gestellt haben. Die Graf vor Ballestrem, Freiherr v. Huene und Dr. Porsch sind Namen von Männern, die, wenn es sich um die Verteidigung katholischer Interessen handelte, stets die Ersten auf dem Plaue waren. Dazu kommt, daß auch der Freiherr v. Schorlemer-Alst, bekanntlich neben Windthorst einst der gewandteste Führer des Zentrums, der allverehrte westfälische Bauernkönig und wärmste Freund des kleinen Mannes, seine be»

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nicht. Vielleicht ist es eine Dame, der er ein Pferd verkauft hat Ich glaube, Fieberkranke klammern sich zuweilen an einen Namen, den sie kaum ein­mal gehört haben, ist es nicht so, Herr Doktor?" „So ist es," pflichtete er bei und war be­friedigt.

So ging ein Tag nach dem andern hin und )ie Pflegerin aus eigener Wahl wuchs immer mehr in der Achtung des Doktors. Sie war die Ruhe und Selbstbeherrschung selbst und zeigte eine Auf­opferung für den Patienten, welche den Doktor ganz begeisterte.

Eines Tages, vierzehn Tage nach dem Unfall, verfiel Adalbert in einen Schlaf, nicht in den un­ruhigen Schlaf des Fiebers, sondern in einen ruhigen, langen Schlummer, aus welchem er mit vollem Be­wußtsein, aber schwach wie ein neugeborenes Kinds erwachte

Der Doktor war gegangen und Adelheid saß allein an seinem Bette.

Adalbert sah sie mit seinen großen Augen eine Weile schweigend an, bann nannte er ihren Namen Der Moment ttar gekommen, aber sie war darauf vorbereitet.

„Ja, ich bin es," sagte fie freundlich.

„Sie, Fräulein Braun? Und wo ist sie benn ?' Dabei sah er sich fragenb im Zimmer um.

„Sie?" fragte Abelheib und ließ bat Kopf inten.

„Ja, sie," wieberholte er. „Wo ist Eva?"

„Sie ist nicht hier. St! Sie dürfen nicht so­viel sprechen. Sie ist nicht hier."

©in Seufzer entschlüpfte feinen Lippen und er wendete den Kopf etwas zur Seite.

(Fortsetzung folgt )

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beiden zu einer Sauferei, bei welcher auch der Brüh. l» des Letzinen sein Möglichstes that, denn Groß echte fc®1®” eine solche Tracht Prügel, von welchen er noch ,

Spuren aufweisen kann. Dieser stellte ©trafantth ’^p«Ü und wurden beide vor dem Schöffengericht Sorte Swvst zu je 42 Mk. Geldstrafe verurteilt, wogegen s, ebenfalls Berufung einlegten. Allein diese war v,, weniger Erfolg begleitet, denn unter tofienfäHi8tr Weide Verwerfung derselben wmde nur die Körperoerletzu,, Killiorn nicht als eine gemeinschaftliche, sondern als eine efe kei" fache ausgelegt, ander Sttafe wurde aber nichts geändert l 1

Marburg, 10. Mai. (Witterung.) Stark,! Kg. N Wind übt immer noch seine Herrschaft aus und laß ■$. es nun einmal nicht zum regnen kommen, und it war es auch gestern wieder b i 18,75 Grad C. SBärmtJ «HAs Vergangene Nacht blieben noch 11,25 Krad und hem, zügerioi morgen 8 Uhr find 12,5 Grad C. Wärme bei fe Lest'®'' decktem Himmel. Windrichtung: Nordwest. Bor»; „ Meterstand 748 mm. Sfl(,

Sonnm-Anfgang 4,14 « Maud-Aufgang 2,32 V, tfncdr Somren-Untergang 7,40 u Maud-Untergang 12,13 V. r ’Ik“

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züglich der Mlitärvorlage vom Zenttum abweichende @ei"a Meinung wiederholt offen kundgegeben hat. Herr v.