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nicht fehlt«; so namentlich in der Rede deS Zentrums- Mitgliedes Lieber und der Antwort des Reichskanzlers darauf und in der Rede des Abg. von Bennigsen, der seiner Ueberzeugung dahin Ausdmck gab, daß in diesem Kampfe schließlich doch der Reichstag den Kürzeren ziehen werde. Der Reichstag blieb im Allgemeinen aber doch ruhig, wett mau daS Ergebnis der Abstimmung nun ziemlich ficher voraus steht und fich mit der Auflösung des Reichstages bereits Der» traut gemacht hat. Von Jntereffc kann höchstens «och die Stimmeuzahl sein. Der Reichskanzler wurde am Freitag wieder von dem Kaiser empfangen. Eine Kaiserliche Kundgebung zur RetchStaasauflöslmg ooer zu bat Reichstagsneuwahlen wird nicht erwartet. Ebensowenig dürfte eS auch vor den Wahlen in der Zeutrumspartei und freisinnigen Partei wegen der be- kauuteu Differenzen noch zu längeren Auseinander­setzungen kommen. — Zu dem Erscheinen der elsaß- lothriugischen Abgeordneten, die gegen die Mllttärvorlage stimmen wollen, im Reichstage be­merkte die »Köln. Ztg.:" „Es kann nicht bestritten werden, daß die Abstimmung gerade dieser Abgeordneten über etue der LebeuSstagen des deutschen Reiches unter einem ganz anderen politischen Gesichtswinkel betrachtet werden muß, als das Verhalten anderer Parteien. Die Ablehnung der Militäroorlage durch die elsaß-lothringische Gruppe kann nur aufgefaßt werden als eine politische Kundgebung gegen den Bestand und die Sicherheit deS deutschen Reiches, als ein berechnetes und wie es scheint, leider erfolgreiches Bestreben, die Ueberlegenheit der deutschen Wehrmacht Frankreich gegenüber zu schwächen und zu hindern. — Zur Milttärvorlage schreibt das „Wiener Fremden­blatt": „Wie immer sich diesmal die Berliner parlamentarischen Verhältnisse gestalten, au der endlichen Realisierung der Militärvorlage zweifeln wir nicht. Durch daS energische Streben leitender Personen und die im rechten Augenblick immer sieg­reiche patriotische Kraft seines Volkes hat Preußen seine Erfolge errungen. So wird es auch künftig sein. Das neue Deutschland wird aufzubrtngen wtffrn, was nötig ist für seine Sicherheit, Ehre, Zukuust, für die Erhaltung des europäischen Friedens." — Im preußischen Abgeordneteuhause ist der Ent­wurf eines Gesetzes betr. die Ruhegehaltsklassen für die Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen in der vom Herrenhause be- schlosseuen Faffung eiugegangen. — Dem Reichstage ging ein von dem Abg. Ackermann und Genossen beantragter Gesetzentwurf betreffs eines neuen Reichs- müuzgesetzes zu, wonach anstatt der Goldwährung die Gold» und Silberwährung treten soll. Das Gewicht und der Feingehalt der Gold- und der Silbermünzen bleiben unverändert; Fünf-, Zwei- uud Etnmark-, sowie Fünfzigpfeunigstücke werden für vollgilttge Reichsmünzen erklärt. — DieZentrums- fraktion wählte anstatt des Grafe» Ballestrem de» Grafen Hompesch zum Vorfitzendm. — Dem „Mannheimer Volksblatt" zufolge ist der frühere Jesuitenpater Graf Hoensbröch wegen falscher Mitteilungen über die Verletzung des Beichtgeheim- uifleS 2C. exkommuniziert worden.

Hessen-Nassau.

Murburg, 6. Mai. (Universität.) Zur Besprechung von Universitäts-Angelegenheiten weilt gegenwärtig eine aus Beamten der Berliner Mni- sterteu und der Kgl. Regierung in Cassel bestehende Kommission in unserer Stadt. Dieselbe befichttgte gestem in Beglettung der Herren Geh. Ober - Reg.- Rat Steinmetz und Kgl. Baniuspekwr vom Dahl mehrere Untversitätsinstitute und für Neubauten in Aussicht genommene Bauplätze.

Marb»rg, 6. Mai. Am Sonntag, den 7. Mai, findet tu der Reformierten Stadt- und UuiversitätS- kirchc der erste akademische Gottesdienst in diesem Semester statt, worin Herr Prof. D. Achelis die Predigt halten wttd.

Marburg, 6. Mai. (Studeuten-Jmma- trtknlation.) Heute Vormittag um 11 Uhr fand in der neuen Aula der Universität die Immatrikulation der bis jetzt für dieses Sommersemester neu inskribirten 300 Studierenden statt. Eingeleitet wurde dieselbe mti einer kurzen Ansprache deS derzeitigen Rektors, Se. Magnifizenz, Herrn Prof. Dr. Bauer, welcher die Neuankömmlinge herzlich willkommen hieß und der Hoffnung Ausdruck gab, daß es ihnen gelingen möge, durch fleißige Benutzung der ihnen nun zm Ver­fügung stehenden vielfachen wissenschaftlichen Hilfs­mittel unserer Hochschule eine Ausbildung zu erlangen, die eS ihnen ermögliche, später als tüchtige Staats­bürger in das bürgerliche Leben zurücktreten zu können. Nunmehr hatte jeder einzelne Studierende an Se. Magnifizenz heranzutreteu und durch Handschlag zu bekräftigen, daß er fich den akademischen Gesetzen unterordne, worauf ihm die Matrikel (die Urkunde des akademischen Bürgerrechts), sowie die ErkenuungS- karte (die der Student stets bei fich tragen muß) ausgehäudtgt wurden. Soweit fich die Frequenz des Sommersemesters bis jetzt übersehe» läßt, wird die Gesamtzahl der Studierende» fich auf etwa 940 steigern.

Marburg, 6. Mai. (BürgerauSschuß.) Die Tagesordnung für die außerordentliche Sitzung des Bürgerausschuffes am Montag, den 8. Mai 1893 Nachmittags 5 Uhr im Rathaussaale ist wie folgt festgestellt: 1. Besetzung der Ekklestastenstelle: 2. Vertrag über eine Fernsprechanlage i» Marburg; 3. Beschluß über die Enteignung des Schueiderschen Wohnhauses.

Marburg, 6. Mai. Die neue Polizei»

Verordnung betreffend die Straße»- r e i n i g u n g.) Wir volle» nicht versäumen die Bewohnerschaft unserer Stadt auf die Wichttgkett der mit dem 15. b. Mts. inkrast tretenden neuen Polizeiverordmmg über die Reinigung der Straßen, die Abfuhr der Fäkalien rc. (abgedruckt im Kreisblatt Nr. 32 Md 33) hinzuwetsen und bringen die Haupt- bestimmungen dieser neuen Verordnung deshalb auch an dieser Stelle noch einmal wörtlich zum Abdruck:

§ 10. Zur Reinigung der Straße, sowett diese nicht seitens der Stadt geschieht oder in Zukunft geschehen sollte, find die Eigentümer der M denselben gelegenen Häuser, Höfe, Gärten nnb sonstigen Grnnb- stücke verpflichtet.

§ 11. Die Reinigung hat an jedem Mittwoch uud Sonnabend allgemein in der Zett vom 1. April bis 1. Oktober bis 7 Uhr, in den übrigen Monate» bis 4 Uhr nachmittags zu geschehen.

§ 12. Die Besitzer der an der Bahnhofstraße, Elisabethstraße, Steinweg, Neustadt, Wettergasse, Marktgasse, Markt und Barfüßerstraße gelegenen Grunb- stücke haben aufjer an bat im § 11 genannten Tagen und Zeiten auch an bat übrigen Werktagen und zwar an biefen bis 9 Uhr vormittags den Sttaßenteil vor ihrem Grundstück reinigen zu lassen.

§ 23. Höchstens eine Stunde vor der im § 22 festgesetzten Abfuhrzeit dürfen die Kehrichtbehälter seitens der Hausbewohner vor de» Thüren ausgestellt werden. Nach erfolgter Entleerung sind die Behälter sofort wieder von der Straße zu entfernen. Die Kehrichtbehälter müssen ans Eisenblech hergestellt und mit Deckel versehen werden. An dem Kehrichtbehälter muß der Name des Eigentümers angebracht sein.

§ 25. Zuwiederhandlnngen gegen diese Polizei- verordnnng werden mit Geldstrafe bis zu 30 äRL a» deren Stelle im Unvermögensfalle entsprechende Haft tritt, geahndet.

Marburg, 6. Mai. (Pneumatischer Apparat.) Der von der Stadt nenbeschaffte pneumattsche Apparat ist nunmehr eingettoffen und wird in den nächsten Tagen in Bettieb gesetzt werden. — Da die Stadtverwaltung nach der neuen Kehricht­ordnung ebenfalls in die Lage versetzt ist eine Reihe von Straßen und Plätzen täglich reinigen zu müssen, so plant man, diese Reinigung einem Unternehmer zu übertragen, dem eventuell seitens der Stadt eine Kehrmaschine zur Verfügung gestellt werden soll.

Marburg, 6. Mai. Die Freimaurerlogen Gießen, Wetzlar und Marburg werden unter Be­teiligung von Vertretern der Logen Frankfurt, Hanau, Coblenz, Siegen und Cassel morgen Sonntag in Braunfels ein gemeinschaftliches Frühlingsfest mit Damen abhalten.

Marburg, 6. Mai. Wegen Besuchs einer politischen Versammlung verurteilte das Schöffen­gericht Ilmenau drei Fortbildungsschüler zu je 3 Tagen Hast und in die Kosten. In dem Erkenntnisse heißt es: Der Besuch der sozialdemokratischen Ver­sammlungen durch Fortbildungsschüler hat so zu­genommen, daß es dringend wünschenswert ist, diesem Unfug durch strenge Strafen zu steuern, denn es ist zweifellos, daß der Besuch sozialdemokratischer Ver» fammlungen für solche unreife Burschen höchst ver­derblich wirken muß, da ihnen durch die auftührerischen Reden der Agitatoren Religion, Moral, Achtung vor der Obrigkeit und vor ihren Lehrherren geflissentlich durch Lug und Trug aus dem Herze» gerissen wttd, damit sie zu dem zuchtlose», stechen, sittenlosen Ge­sindel heranwachsen, beffen btt Führer ber Sozial­demokratie zur Verwirklichung ihrer vevolntionären Ideen bedürfen.

Marburg, 6. Mai. Der Zuchtverein für Simmenthaler Rindvieh hielt heute vor­mittag in der Restauration Dörr eine Versammlung ab, welche eine stattliche Mitgliederzahl zusammen­geführt hatte. Nach (Eintritt in die Tagesordnung nahm der Vorsitzende, Herr Bürgermeister a. D. Ruth- Bellnhausen, Gelegenheit, auf die gegenwärtige Futter­kalamität hinzuwetsen, da dieselbe als eine solche be­zeichnet werde» müffe, die als ein drückender Alp auf der Landwirtschaft ruhe unb in dieser Gestalt Mch auf den Verein nachteilig zu wirken geeignet sei. Die BesichttgMgSreise auf Simmenthaler Tiere, welche der Vorftaud des Vereins im vorigen Jahre unter­nommen, hatte das Ergebnis, daß in daS Stamm­zucht-Register 70 Tiere reiner Raffe, darunter 9 Bullen ausgenommen werden konnten und wird auch alljährlich zur Aufnahme in dieses Stammregister eine genaue Kontrolle geführt werden. Bezüglich der Zuverlässig­keit der Atteste auf die Rasfenreinheit wurde fich als­dann des Weiteren verbreitet und besonders darauf hingewiese», daß die letzteren dieser Eigenschaft viel­fach entbehrten; es sei infolge beffen bei Ankauf von Simmenthaler Vieh die größte Vorsicht zu wahren und die Atteste einer genauen Prüfung zu unterziehen. Als ein Beweis der rührigen Thättgkett des Vereins führte ferner der Vorsitzende die Thatfache an, daß gelegentlich der lMdwtttschaftlichen AusstellMg in Hanau demselben alle Anerkennung gezollt und als Muster-Institut bezeichnet worden sei. I» diesem BereinSjahre beträgt dtt Mitgliederzahl 23, von welchen Herr Direktor Dr. Hesse, sowie Herr KreiS- tterarzt Kümmell als Ehrenmitglieder aufgeführi werden, und auch in heutiger Sitzung wurden Herr Rentier Suchay, sowie Herr Landrat von Trott zu Solz ein­stimmig als Ehrenmitglieder ausgenommen. Bezüglich >er int laufenden Jahre zu Alsfeld sowohl wie in Lauterbach stattfindendeu landwirtschaftlichen Aus­stellungen wurde eine reichliche Beschickung derselben MfS Wärmste empfohlen. Die Aufnahme neuer

raffenreiner Tiere wttd gelegentlich der im Herds stattfiudenden Besichtigungsreihe bewerkstelligt werden. Im ersten BereinSjahr bering die Einnahme 723 Ml. 95 Pfg. und die Ausgabe 701 Mk. 3 Pfg., mit einem Ueberschußjvo» 22,72 Mk.; im letzten Vereins - jahr hatte dagegen die Einnahme 685,22 Mk. gegen­über einer Ausgabe von 557,58 Mk. betragen, sodaß jur Zeit die Vereinskasse einen Gesamtüberschuß von 127,64 Mk. aufzuweisen hat. Bei Feststellung ber Bnllenstationen tarnen folgende Ortschaften resp. Bullen- besitzer in Betracht: Görzhausen (Herr Hofmann), Brückerhof bei Caldern (Herr Klingerhöfer), Caldern (Herr »rennemann), Dagoberishausen (Herr Ludwig), Wehrshausen (Herr Weiershäuser), Cyriaxweimar (Herr Roth), Stedebach (Herr Schlappach), Belln­hausen (Herr Ruth), Ebsdorf (Herr Kaiser), Hof Fortbach (Herr Pauli), FronhMsen (Herr Ruth). Die zu leistenden Sprunggebühren fanden ihre ein­heitliche Regelung dahin, daß für Mitglieder 3 Mk, für Nichtmitglieder 5 Mk. zu erheben seien. Nach­dem noch Herr Dr. Hesse auf eine nächsten Sonn­abend in ber Schäfer'schen Gastwirtschaft zu Wetter stattfindende Versammlung beS landwirtschaftlichen Vereins aufmerksam gemacht und zu zahlreichem Be­such derselben aufgefordert hatte, wurde die Ver­sammlung geschlossen, worauf alsdann ein gemein­schaftliches Mittagsmahl ber Teilnehmer stattfand.

Marburg, 6. Mai. (Kirschen.) Heute wurden auf dem hiesigen Wochenmarkte die ersten ausländischen Kirschen feilgeboten unb zwar zum Preise von 10 Pfg. für 14 Stück.

Marburg, 6. Mai. (U n f u g.) In bem rings­um abgesperrten Hofe beS Waifenhausgebändes am Lahr>thor fand man heute Morgen einen „Wegweiser nach dem Marienhäuschen" sowie eine schwere Wagen­leiter. Die betreffenden Taugenichtse können diese Gegenstände nur mit größter Anstrengung nachts in den Hof geschafft haben.

Marburg, 6. Mai. (Strafkammer.) Wegen Diebstahl wird gegen den 14jährigen Bäckerlehrling Conrad Krämer aus Biedenkopf verhandelt, welcher geständig ist, am 23. März d. I. aus der Wohnung des Bäckers Heinrich Petry zu Wallau eine Taschenuhr entwendet zu haben. Da derselbe trotz seiner Jugend schon zu der Klasse der Bettler und Landstreicher gezählt werden muß, auch außerdem innerhalb eines halbe« JahreS schon das dritte Mal wegen Diebstahl vor dem Strafrichter steht, so wirb er zu einer Gesamtstrafe von 4 Monaten unb 3 Wochen Ge­fängnis verurteilt.

Marburg, 6. Mai. (Witteruug.) Stür­misch und kalt war es gestern bei 10 Grad C. Wärme. Nachts sank das Thermometer auf 3,75 Grad C. und an tiefer gelegenen Stellen bis unter 0 Grad C. Heute morgen sind 8,75 Grad C. Wärme bei be­decktem Himmel und scharfem Nordostwind. Baro­meterstand 753 mm.

Sonnen-Aufgang 4,21 Mond-Untergang 12.51 V-

Sonnen-Untergang 7,33 Mond-Aufgang 7, 6

v Gösdorf, 4. Mai. Die Einführung eines neuen Lehrers in sei» Amt dürfte »och selten auf so originelle Art erfolgt fein, wie diejenige unseres jungen Lehrers Bierwttt vor einigen Tagen, welcher von Ernsthaufen »ach hier versetzt worden tft. Als die kleine» Schulkinder erfuhren, daß ihr neuer Lehrer auf dem Wege nach Ebsdorf fei, zogen sie ihm flugS in Reih und Glied, fast 2 Stunden Wegs, entgegen. Und richtig, da kam er auf dem Baderschen Wagen ungefaßtem Die beiderseitigen Begrüßungs­reden fielen zwar kurz aus, aber das machte nichts, der Lehrer »ahm die ganze kleine Gesellschaft auf den Wagen, setzte fich mitten unter sie unb unter fröhlichem Gesänge schöner Bolksliebet fuhr die ganze Gesellschaft zu Ebsdorf hinein, woselbst Herr Gast­wirt Weidemüller zur Feier des Tag« sogar die neue Fahne gehißt hatte. Das Ganze aber ge­währte dem Beschauer ein so liebliches rührendes Bild, daß manchem alten wettergebräunten Bauersmann die hellen Thräne» zu de» Wangen herabliefen.

— Kaffeustaufe«, 18. April. (Nachstehender Berichtüber den Verlauf des Hassenhäuser Bürgermeister- Jubiläums war beretts am 18. v. Mts. per Post an uns abgesandt worden, gelangte jedoch nicht in unseren Besitz; erst vor einigen Tagen Härte sich dieser unliebsame Zwischenfall auf und wtt beeilen uns nun, ein von unserem Korrespondenten fteund- lichst zur Verfügung gestelltes Duplikat desselben zum Abdruck zu bringen. D. Red.). Am 16. d. MtS. feierte'ber langjährige Bürgermeister unseres Ortes, Herr Gutsbesitzer Breitstabt fein 25 jähriges Amts­jubiläum. Der Verlauf dieser Feier war ein überaus jerzlicher und bildete nicht nur für de» Jubilar, bnbern auch für die Gemeinde Hassenhausen einen chönen Ehrentag. Nachmittags gegen 3 Uhr Der» ämmelten fich alle Ortsbewohner auf dem Gutshofe des elfteren, woselbst auch das Don der Gemeinde dem Jubilar gestiftete Geschenk, bestehend in einem Schreibtisch mit Aussatz, Schreibzeug:c. und einem chönen Sessel Ausstellung gesunden hatte. Als erster Redner ergriff der ebenfalls erschienene Herr Sanbrat von Trott zu Solz das Wort, welcher den Jubilar beglückwünschte und u. a. darauf hinwies, wie derselbe Dar nun 25 Jahren den Eid ber Treue geleistet und wie er au8 amtlicher Erfahrung bestätigen könne, alle eine Pflichte» gewissenhaft unb gerecht erfüllt habe. Daß bieses auch der Gemeinde gegenüber ber Fall gewesen sei, baS beweise die Tellnahme sämtlicher Ortsbewohner am heutige» Jubelfeste und bas ehren­volle Geschenk betreiben. Ein Hoch auf Se. Majestät unseren geflehten Kaiser bildete den Schluß dieser Ansprache. Sodann ergriff ein von der Gemeinde

Beauftragter das Wort, um in längerer Rede k. Verdienste des Jubilars zu schildern, welche fich berftk während feiner 25jährige» Amtsdauer nm dtt WoL fahrt der Gemeinde erworben habe. Redner namentlich die Selbstlosigkeit und große GerechtigZ hervor, welche das segensreiche Wirken de» JubflZ auszeichneten und eS ihm ermöglichte», i» fllänjenb* Weife das Vertrauen zu rechtfertige», das die gefetzte Behörde sowohl wie die Gemeinde bei jebe Neuwahl dem Jubilar entgegenbrachten. Redner f$u mit den Worten, daß die Gemeinde mit gerecht Stolze zu ihrem Bürgermeister aufblicke, al« bt* Muster eines gewissenhaften Beamten und echst, Staatsbürgers und den aufrichtigen Wunsch b(gt daß Gott den Jubilar noch lange in ungeschwächh. Rüstigkeit erhalten möge. Nunmehr überreichte bt> Ansschußvorsteher Escher das Geschenk und brachh ein Hoch auf den Jubilar ans, in welches alle Antoefe* den begeistert einftimmten. Zum Schluß ergrtz Herr Bürgermeister Breitftadt daS Wort, um tiefgt- rührt sowohl bem Herrn Landrat als auch der samten Gemeinde feinen Dank für die Liebe ritz große Ehrung auszusprechen, welche ihm am heutige, Tage entgegengebracht worden seien. ES sei ih, dies ein Beweis dafür, daß eS ihm während fette Amtsdaner geglückt sei, Jedermann gerecht zu werde, wozu die in der Gemeinde herrschende große Etz, mütigteit, er sei stets einstimmig wttdergewählt worden viel dazu beigetragen habe. Den Abschluß ber schön» Feier bilbete ein gemütliches Bierstündchen, zu welche, ber Jubilar die ganze Gemeinde eingeladen hatte.

§ Bel lnhausen, 6. Mai. I« einem heute hia- selbst geschlachteten Schweine wurde» Trichine» h großer Menge vorgefnnden.

Met, 5. Mai. Am heutigen Tage begeht M Registratur - Vorstand der Landeskreditkaffe He» Sebastian Fenner das schöne Fest des goldene, Dienstjnbiläums in seltener geistiger und körperlich«i Frische.

penlscher Hleichvtag.

Berlin de» 5. Mai 1883.

Haus und Tribünen find sehr stark besetzt, ebenso bet Bundesratstisch. Die zweite Lesung der Militärvorlag wird fortgesetzt. Abg. Frhr. ». Manteuffel (kons.!; Ich halte es nicht für angezeigt, im gegenwärtigen Stadum der Verhandlungen die Lebensdauer dieses Reichstages dun lange Reden noch künstlich verlängern zu wollen. Da Resultat der Verhandlungen erscheint ja nunmehr zweifelloi und der Abg. Richter hat mit seiner gestrigen Rede sch«, seiner Partes das Konzept für ihre Wahlaufrufe geliefert Der Abg. Richter sagte gestern auch, die konservative Part- Wolle dem deutschen Volke nur neue Lasten auferlegen; n hat dann auch wieder das alte Roß des 40-Millionenge- schenkS an die Brenner vorgefühit. Die Behauptung, baj den Brennern ein solches Geschenk gemacht worden sei, i schon so häufig und gründlich widerlegt worden, daß man sich ein erneutes Eingehen darauf jetzt ersparen kann. Wirt die den Brennern gewährte Erleichterung beseitigt, da» wird die Landwirtschaft ruiniert und der arme Boden ii Osten völlig wertlos gemacht. Der Abg. Richter gab aß sein Wahlprogramm an: keine neuen Steuern, keine neu« Soldaten, keine neuen Gesetze. Mt dem letzten Punkt meint er offenbar das Wuchergesetz. (Sehr gut!) Neue Gesetz« sind aber erforderlich, wenn alte Gesetze nicht mehr zu da obwaltenden Verhältnissen paffen. Ein ganz besonderer Relief giebt der bevorstehenden Entscheidung da» Faktun, daß die Gegner Zuzug durch die Elsaß-Lothringer bekomm« haben. Die neue Militärvorlage soll gerade Elsaß-Lothringa schützen, und nun kommen die reichsländischen Abgeordnete», die doch hier im Saale wahrlich selten genug erscheine», um gegen das Gesetz zu stimmen. Viele der Gegner da Vorlage wünschen die Auflösung deS Reichstages nicht, fit stimmen aber doch leichten Herzens gegen den Entwurf; tz fürchte, der Katzenjammer wird folgen. Wir fürchten ist Neuwahlen nicht, stimmen aber dennoch für den Anttaj Hnene, um die Vorlage womöglich zu Stande zu bringen Wir halten prinzipiell unseren früheren Standpunkt aufrechi, müssen nnS aber sagen, daß die vorgeschlagene Verstärkuni der Armee unter Aufrechterhaltung der dreijährigen Dienst­zeit nicht gut durchführbar ist. Der Antrag Huene bringt eine Verschlechterung der Regierungsvorlage zweifellos. Wen» wir heute für den Antrag stimmen so halten wir uuS doch im Falle des NichtzustandekommenS des Gesetzes an dü Zistern des Antrages nicht gebunden. Seinem von uni das hat nun auch erfreulicherweise der Herr Reichskanzlo erkannt, stehen andere Jntereste höher, als die der Ehn und der Sicherheit des Vaterlandes. (Beifall rechts.) Ab» Richter nannte gestern auch den Bund der Landwirte eine» Bund der Lebensmittelverteuerer. Das ist so unzutreffeni, wie nur möglich. Nein, die schwere Not des Landes hat die Landwirte allein in diesem Bund zusammengeführt. Ä bitte ebenfalls, dem Anträge Huene zuzustimmen. ES ge­nügt nicht, daß wir einig vor dem Feinde find, wir müffe» auch Maßnahmen treffen, um den Sieg au unsere Fahne» zu feffeln. (Beifall rechts.) — Abg. Lieber (Zentrum), Auch wir stehen dieser Vorlage nicht gleichgiltig gegenüber und lehnen sie nicht leichten Herzens ab. Die Ablehnung erscheint uns indessen geboten. Redner begründet alSdan» >en von dem Zentrumsabgeordneten Grafen Preysing ge= tellten Antrag, die gegenwärtige Friedensstärke der Arm« beizubehalten. Was damit bewilligt wttd, erscheint uni durchaus geeignet, die Sicherheit des Reiches zu verbürge». Ser, Herr Reichskanzler hat unter Bezugnahme auf ei« Aeußerung, die ich in Aschaffenburg gethan, an meine# Patriotismus gezweifelt. Ich habe es aber doch in da Kommission an der Bekundung meiner aufrichtigen Vater­landsliebe nicht fehlen lassen. Meine Aeußerung in Aschaffen­burg ist, wenn ich mich recht erinnere, dahin gegangen-' Selbst wenn diese Vorlage bester und voller begründet wäre, als fie es ist, so würde doch der Bestand der Zentrumspartei für das denstche Reich wichtiger sei» als das Zustandekommen dieser Vorlage. (Bewegung.) Und diesen Standpunkt halte ich heute noch aufrecht. Partei, dtt, wie die Zentrumspartei, große JdealiMereffe» verfolgt, ist für da« deutsche Reich ein LebenSinteresst Wer diese Meinung bei nnS nicht teilt, der soll aus de# Reichstage auSscherden. Die Jdealintereffen de» Reiche« tthen höher, al» die materiellen Interessen. Die Zentrum!' Partei vertritt zugleich den Föderalismus und wtederstrett allen unionistischen und cäsariststche» Bestrebungen und hält est am positiven Christentum unb der darauf errichtete« Ordnung. So sind wir und so wollen wtt bleiben, in' Herr Reichskanzler hat gemeint, meine Aschaffenburg« ileußerung in ein verständliches Deutsch übersetzt zu habe«. Thatsächltch bat er fie aber in da« schlechteste Bismarckisch Deutsch übersetzt. Wenn erst wieder vom RegierungStisä begonnen wttd, un» den Patriotismus abzusprechen, da-» können ja ebenso gut auch ganze Parteien wieder all

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