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»rbeiierfifiaft über die der Regierung siegen werden. Aiwauf wird die Weiterberatung der Militärvorlage auf & 1L Uhr vertagt.

Berlin, den 4. Mai 1893.

Das Haus erledigt ohne Debatte eine Reihe kleiner «nilagen betr. die Veränderung von Amtsgerichtsbezirken, Errichtung neuer Amtsgerichte, lotete einige Rechnungssachen nttb tritt sodann in die zweite Beratung der neuen Volks- sMlvorlage ein. Der § l der Vorlage, welcher die Ver- !^l»ahmung der angefammelten Einkommeusteuer-Ueberschüsse «tnt Staatsfonds beftimmt und vom Jahre 1895 ab jähr- tiA 3 Millionen Mark zu Gehaltsausvesserungen für Lehrer, i Million Mark zu Schulbauten, sowie 6 Millionen Mark einmaliger Ausgaben für letzteren Zweck verlangt, ist von d-r mit der Spezialberatung beauftragten Kommission dahin «änbert worden, daß für die nächsten zwei Jahre je 2 Mill. Mark als Beihilfen an bedürftige Schulgemeinden gezahlt werden sollen. Dieser Kommisfionsvorschlag ist bereits bei her Beratung der neuen Steuerreformgesetze angenommen.

wird 8 2 der Vorlage diskutiert, der für diejenigen <täÄe Vorschriften trifft, in welchen über die Höhe der von jjet Schulaufsichtsbehörde gestellten Anforderungen zwischen dieser Behörde und der Schulgemeinde Streit entsteht. — Aba. B r ü e l (Welfe) erklärt sich gegen die Vorlage. — NbA v. Schenckendorff (natiib.) erachtet die Aufwen- bitng bedeutend größerer Summen für erforderlich, um die Volksschule auf ihrer gegenwärtigen Höhe zu erhalten. — Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) erklärt aus wohlerwogenen und sachlichen Gründen sich gegen den § 2 unb erachtet ein besonderes Dotationsgesetz ohne gleichzeitigen Erlaß eines großen Schulgesetzes für unthunlich. Uebel- ftände in der Lehrerbesoldung erkennen auch wir an, aber e? wäre ungerecht, die Gemeinden deswegen so schwer zu belasten. Es wird am besten sein, die Schulfrage späterhin zusammenhängend zu erledigen. Redner erachtet es als einen Fehler, daß das Schulgeld aufgehoben wurde. — Abg. gtiefert (freif.) wünscht zu hören, was der Kultnsminister -um Erlaß eines besonderen Schnldotationsgesetzes denkt wid bemerkt, Fürst Bismarck habe früher einmal das Schul­geld als die drückendste Kopfsteuer bezeichnet, während heute Graf Limburg dafür eintrete. — Kultusminister Dr. Boss e: Ein Schuldotationsgesetz würde leicht auszuarbeiten sein, ober man muß doch auch einige Aussicht haben, es durch- zubriugen. Es ist gewiß kein leichter Entschluß für einen Minister, wenn er einen Teil der den Selbstverwaltungs­behörden übertragenen Befugnisse aufheben will; aber das ist leider nötig, wir kommen sonst nicht vorwärts. Der Minister verliest eine Reihe von Beschlüssen der Selbstver­waltungsbehörden, wonach diese z. B. selbst beim Vorhanden­sein von 340 Schülern die Anstellung eines vierten Lehrers ablehnten. (Hört! Hört!) Die Verantwortung für diese Zustände kann ich nicht tragen. Lehnt trotzdem die Laudes­vertretung es ab, hier Hilfe zu schaffen, so übernimmt sie damit die Verantwortung für diese Zustände. (Lebhafter Beifall links.) — Hierauf werden die einzelnen Paragraphen der Vorlage (2 und 3) abgelehnt, nachdem auch ein Antrag Schenckendorff auf Kommissionsberatung abgelehnt war. Gegen den Vorschlag des Präsidenten, auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung die dritte Beratung der Steuerauf­hebungsvorlage und der Ergänzungssteuer zu setzen, erhebt Slbg. v. Heeremann Widerspruch und bittet, die dritte Lesung bis nach Klarstellung des Schicksals des Wahlgesetzes auszusetzcn, geht jedoch auf den Vorschlag des Präsidenten, die dritte Lesung zu beenden und nur die Gesamtabstimmung auszusetzen, ein. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.

ydUmim.

— (Vakanzen im Bezirks des 11. Armee- Corps.) Frankfurt (Rain). Amtsgericht, Kanzleigehilfe, 8 Pfg. pro Sette. — Fronhausen. König!. Amtsgericht, Kanzjeigehilfe, 40 bis 80 Mk. monatlich, —höchst (Main), Gerichtskaffe, Kaffenschreiber, 70 bis 100 Mk. monatliche Remuneration. — Jugenheim (Rheinhessen), Kaiser!. Post­amt, Landbriesträger, 660 Mark Gehalt und 60 Mark Wohnungsgeldzuschuß. — Mainz, Kaiser!. Postamt, Post­schaffner, 900 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeld- zuschußi — Wehlheiden, Königl. Strafanstalt, Strafanstalts­aufseher. 900 Mk. nebst freier Dienstwohnung mit Garten und Ackerland.

Kirchliche Nachrichten.

am Sonntag den 7. Mai 1893.

Lutherische Pfarrkirche:

Vormittags: Herr Pfarrer Seibert.

11 Uhr: Kindergottesdienst.

Nachmittags: Herr Pfarrer Heermann.

Elisabethkirche:

Vormittags: Herr Superintendent Dettmering

Nachmittags: Herr Pfarrer Seibert.

^Reformierte Stadt- und Universitätskirche:

Vormittags: Herr Prostffor D. Achelis.

‘ ill Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagsschule).

Nachmittags: Herr Pfarrer Schindewolf.

Vermischtes.

Hamburg, 4. Mai. Der Direktor derHansa- Brauerei, Christel Foege, ist nach Unterschlagung einer größeren Summe, angeblich 20 000 Mark, flüchtig geworden.

Aus der Oberpfalz, 2. Mai. Der Selbst­mord eines Kindes erregt in Neumarkt Aufsehen. DaS dreizehnjährige Mädchen des Gerbers Neustädter verlor vorgestern Abend ein Markstück. Die Mutter, die das Kind überhaupt hart behandelt haben soll, soll es heftig geschlagen haben und ihm harte Strafen von Setten des abwesenden Vaters in Aussicht ge­stellt haben. Das Kind machte sich erneut mit Freundinnen auf die Suche nach dem Geldstück, ohne dieses zu finden. Gestern Morgen nun fand man das Mädchen erhängt auf dem Dachboden des Eltem- hauses.

Kempten, 2. Mai. Brave Soldaten! Die hiesigen Jäger Haden den Abgebrannten in Wertach sofort nach Bekanntmachung des Unglücks 160 Laibe Brot, auf deren Genuß sie verzichteten, zugeschickt.

Ulm, l.Mai. Jugendlicher Uebermut hat gestern einem 20jährigen Kaufmann den Tod gebracht. Er vergnügte sich mit einigen Freunden im „Steinhänle", einem beliebten Ausflugspuukt von Ulm, und ging mit diesen die Wette ein, für eine Flasche Wein über die Donau zu schwimmen. Kaum hatten ihn jedoch die Fluten ausgenommen, da verschwand er den Blicken der Umstehenden. Der Leichnam konnte noch nicht gefunden werden.

Wie», 4. Mai. Nach Meldungen zahlreicher Blätter Böhmen», Ober-OesterreichS und Rieder-Oester­reichs ist dort Stegen uiedergegangen. Auch in vielen LandeSteileu Ungarns ist Stegen eingetreten.

Petersburg, 4. Mat. Ein ungeheurer EiS- block, welcher die Wolga hiuabttieb, hat bei Ntshnij- Nowgorod zwei Dampfer der Gesellschaft Zamolett förmlich zerschnitten und einen Dampfer einer anderen Gesellschaft stark beschädigt. Die Dampfer lagen zum Auslaufen gerüstet. 8Bie viel Menschen verun­glückt find, ist noch nicht festgestellt.

— Ueber die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse im Berliner Baugewerbe führt die „Bangew.-Ztg." lebhaft Klage, indem fie u. A. schreibt: Nur wenige Bangewerbetteibende haben ausreichende Beschäftigung bei sehr gedrückten Preisen und ausstehende Forderungen find schwer eiu- zutteiben. Die Abgaben an die Baugewerks-Berufs- genossenschast werden schwer empfunden und bei einem großen Telle der Genossenschaftern müssen die Sei» träge exekntivisch beigetrieben werden, Mele können überhaupt nicht zahlen und verlieren dadurch nicht selten ihre ganze wirtschaftliche Existenz. Endlich flieht es einen nicht unbedeutenden Prozentsatz von Genossenschaftern, welche nicht zahlen wollen und auch nicht gezwungen werden können, weil Exekutionen ftuchtloS find; ihre Sachen haben fie anderen Leuten verschrieben und den Manifestattonseid längst geleistet. Vielfach ist die Anficht verbreitet, daß, wer gute Maare und gute Arbeit liefern und dafür sein Geld haben will, mit den Schwindelgeschäften nicht mehr konkurrieren kann.

- (Schottische Eheschließung.) Schott­land war von jeher das Paradies Aller, die sich nach Hymens Banden sehnten; billiger, schneller und diskreter konnte nirgends in bett Hafen der Ehe ein­gelaufen werden. Daß sich auch heute noch das schottische Recht in diesem Punkte durch große Lax­heit auszeichnet, beweist folgende Scene: Es waren ein gewisser James Campbell und eine Jane M'Cready in Glasgow wegen Hausfriedensbruchs vorgeladm. In der Anklage waren fie als Mann und Weib be­zeichnet; im Laufe des Verhörs zeigte eS fich aber, daß fie nicht verheiratet waren. Der Richter stellte an die Frau die Frage: „Ist dieser Mann (auf Campbell deutend) Ihr Gatte?" — „Ja." Als auf eine gleiche Frage an den Mann dieselbe Ant­wort erfolgte, bemerkte der Richter, der sein schottisches Recht kannte: „So, wenn Ihr vorher nicht ver­heiratet ward, so seid Ihr jetzt Mann und Weib!" Er hatte dann die weitere Grausamkeit, das soeben zusammengebrachte Paar zur Zahlung von 10 Shilling 6 Pence zu verurteilen, mit der Atternattve, den Anfang ihrer unfteiwilligen Flitterwochen in Einzel­haft zuzubringen.

— (Ein weiblicher Tischlergeselle.) Ans Kopenhagen wird geschrieben: Dieser Tage ist ein junges Mädchen, Fräulein Sophie Christensen, als Tischlergeselle in den Tischlerverband ausgenommen worden, nachdem sie die vorgeschriebene Probe glänzend bestanden und ihr Gesellenstück gemacht hatte. Es ist dies das erste Mal, baß ein weiblicher Geselle hier offiziell anerkannt worben ist. Das 26 jährige Mädchen ist die Tochter eines Schiffskapitäns und fühlte schon in ihrer frffl&en Jugend große Lust, fich eine selbständige Existenz zu erringen. Sie trat daher bei einem Tischler in die Lehre ein, bildete fich in ihrem Berufe schnell aus und zeigte großen Fleiß nnd Eifer. Ihr Gesellenstück, ein Bücherschrank, der von Sachverständigen sehr günstig beurteilt worden, wurde einstimmig angenommen. Die junge Dame reist jetzt nach Chicago, um die amerikanische Tischlerei zu studieren.

— (llnterFreunbeu anderBörse.) A.: „ES gibt tausend Wege, reich zu werden". — B.. „Ja, aber nur einen anständigen". — A.: „Welchen beim?" — B.: „Sehen Sie, ich wußte, daß Sie ihn nicht kennen".

— (Großmütig.) „Wann darf ich den» ans Bezahlung hoffen?" — „Immer, lieber Meister!"

Telegraphische Depeschen der Oberhesfischerr Zeitung.

Stettin, 6. Mai. Der „Nordd. Allgem. Ztg." und anderen Morgenblättern zufolge wird die Debatte über die Militärvorlage bereits morgen abgeschlosien »erben, während die „Nationalzeitung" und das „Berl. Tageblatt" es für möglich halten, daß die Ab­stimmung erst am Montag borgenommen wird. Letztere Blätter meinen, seit die Auflösung des Reichstags unvermeidlich scheine, hegten die Parteien den Wunsch, noch im alten Reichstage vor den Parteien ihr Ver­halten zu rechtferttgen. Es verlaute, daß noch 17 Redner vorgemerkt seien.

Hkatis, 5. Mai. Dem „Matin" zufolge sollen die siamefische» Truppen nach Räumung des linken Ufers deS Mekong - Flusses eine Offensivbewegung ausgeführt und 3000 Mann an die Grenze Anams gesandt haben.

Ariefkake« der Redaktion.

L. in F. und W. in E. Beide« kommt in der Sonn- tagS-Nr. zum Abdruck.

Berichtigung. In dem Konzettbericht in der geftrigen Nummer Zeile 15 von oben muß eS heißen „harfenartigen" Piccicato-Akkorden.

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