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(H. A.)
thäter eine empfindliche Strafe.
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IV. Regelung der Straßenfluchtliuie er Sybelstraße am Turnergarten. Wird
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ei der Fachschule. Wird genehmigt.
VI. Verzichtleistung der Stadt auf inen Zugang am Sandweg. Es handelt fich
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genehmigt, dabei jedoch das Bedauern ausgesprochen, >aß der projektierte Ausbau resp. die Verbreiterung »er Sybelstraße wahrscheinlich an der hohen Ent- chädigungsforderung deS Anliegers B. . . scheitern werde.
V. Feste Anstellung von zwei Lehrerinnen (Frl. May und Frau Laubscheer)
Himmel uud Nordwestwtud. 750 mm gestiegen.
Sonnen-Aufgang 4,24
Sonnen-Untergang 7,8»
Kirchhai», 1. Mat.
abgehaltene Versammlung
ZiiedeuKopf, 3. Mai. Im sog. „Erlenloch“, einer besonders tiefen Stelle der Lahn oberhalb der Obermühlsbrücke sind in der vergangenen Woche eine Menge Fische, vermutlich mittelst Dynamit getötet worden. Zahlreiche Fischcadaver bedecken z. Z. noch das Ufer an der betr. Stelle. Ob es sich hier um einen Racheakt handelt oder ob diese rohe That einem andern Motiv entsprungen, konnte bisher nicht festge- stellt werden. Auf jeden Fall gebührt dem Uebel-
Mond-Untergaug 5,31 V. Mond-Aufgang 11,58 N. Die am vorigen Freitag betreffs Gründung einer
IL Erwerb einer kleine» Grundfläche au dem Weg zu den Schulländereieu. Wird zugestimmt.
III. Uebernahme mehrerer zu dem Schloß führenden Wege. ES handelt fich hierbei nm die schon mehrfach in unserem Blatte erwähnte Uebemahme eines Teiles der Schloßwege ett n8 der Stadt. Es gehen damach in dm Befitz und Unterhaltung der Stadt über: der Saudweg unternt Dammelsberg, der Sandweg am Tnrner- gartm, der Hainweg und der Breiteweg, abzüglich ner kurzm Strecke vor dem Schloßhofe. Als Ent- chädigung für die za übernehmende Unterhaltung dieser Wege wird der Stadt fetten» des Staates die einmalige Zahlung von 9000 Mark bewilligt. Sollte dagegm die Benutzung dieser Wege als öffentliche Verkehrsmittel aufhörm, so fällt daS Grund- eigmtum an den Staat zurück.
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höheren Privatschule in unsrer Kreisstadt war überaus zahlreich besucht und unterliegt es angesichts der regen Teilnahme der Bürgerschaft wohl keinem Zweifel mehr, daß die Schule zustande kommt. Einstimmig wurde man sich dahin einig, zunächst mit der städtischen Behörde in Verbindung zu trete» und alsdann die Angelegmheit dem hiefigm Schulvorstand zu unter« breiten.
Komvreffe», 1. Mai. Sonntag Nachmittag tagte in der Fehling'schm Gastwirtschaft eine sehr zahlreiche Versammlung von Ortsbürgern behufs Anschluß an dm Bund der Landwirte. Herr vom Hof eröffnete die Versammlung und erteilte das Wort Herm Hilgenberg, Grebmstein, der die Reichstreue der Bundesmitglieder betonte und mit einem brausend aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät unseren vielgeliebten Kaiser begann. Redner schilderte dann in sehr anschaulicher Weise die zeitige Notlage der Landwirtschaft und forderte zum Schluß feiner mit vielem Beifall auf genommenen Rede zum Beitritt zum „Bund der ßanbtoirte* auf. Die Herren Fehrenberg-Kresseu- brunnen und Selhausen-Oberhaldeffen ergänzten den Vorttag. Auch die Ausführungen dieser beiden Herren wurden mit großem Beifall ausgenommen. Es ttaten alsdann mit Ausnahme weniger jüngerer Bewohner sämtliche 45 anwesende Landwirte dem Bunde bei. Weitere Bettrittserklämngen stehen noch bevor.
Araukfurt, 3. Mai. Bei Rudolph Bangel in Frankfurt kommt am 9. Mai eine Anfichtensammlung bestehend aus Francofnrtensim und Städtebildern rc. aus der näheren und weiteren Umgebung Frankfurts, wie Darmstadt, Heidelberg, Hanau, Mainz, Bingm, Bonn, Koblenz, Köln, Lahnthal rc. zur Versteigerung. Daran schließen fich Aquarelle und Handzeichnungen aus den Nachlässen der Maler Rob. Eberle uud Prof. E. Gttefinger. Ein Katalog ist soeben-erschienen.
Biedenkopf, 3. Mai. Der Gemeinderat hat in seiner Moutagsfitzung die Abhaltung des Grenz- gangsfestes in diesem Jahre genehmigt, was allseitig ftmdtg begrüßt werden wird. DaS Fest wttd in der zwettm Hälfte deS Monats Angnst — voraussichtlich am 17., 18. und 19. — an den drei letztm Tagm der Woche, begangen werden, damit die Teilnehmer Zeit und Gelegenheit finden, am darauffolgenden Sonntag der nöttgen Rnhe zn pflegen (?), um am Montag neugestärkt wieder ihren Pflichten obliegen zu können. Der Gemeinderat ist aber bei seinem Beschlüsse von der Bedingung ausgegangeu, daß für diesen Sommer jegliche Veranstaltung anderweiter öffentlicher Festlichkeiten Seitens der hiesigen geselligen Vereine unterbleibt. Wir zweifeln nicht daran, daß diese sich einer derarttgen Bedingung zu Gunsten deS Grenzgangsfestes gern unterwerfen und wünschen, daß das letztere auch in diesem Jahre seinen alten Charafter bewahren und zu einem Volks- und Friedensfest in deS Wortes vollster Bedeutung werden möge.
(H. A.)
Hieße», 3. Mai. Aus zuverlässiger Quelle erfährt der „G. 8t.“, daß Fr. TextorS Brauerei au der Hardt durch Kauf am 1. Mai d. 3s. in den Besitz des Herrn G. Bichler übergegangev ist, welcher langjähriger Letter der in der Schweiz rühmlichst bekannten Stoueret Gebrüder Weber in WädenSweil bei Zürich war. Der Kaufpreis beträgt 430 000 Mk.
zu erzielen. Den Schluß bildete Beethovens Leouoreu- Ouverture Nr. 3, die beliebteste unter diesen 3 gleich- । sämigen Werken, welche der große Meister zu seiner ■ Oper Fidelio geschrieben hat. Auch diese beiden Pieffen wurden unter der vortrefflichen Leitung des Herm Profeffor Barth in vollendeter Weise interpretiert und erntete das Orchester den verdienten Beifall. ,
Mnrbnrg, 4. Mai. (Sitzung deSBürger- rsSschusse».) In der gestrig« Sitzung deS LürgerauSschnsieS, an welcher 19 Mitglieder sowie Herr Oberbürgermeister Schüler teilnahmen, gab Herr AuSschußvorsteher Siebert der Versammlung zunächst Kenntnis 1. von der seitens des Kgl. Konsistoriums in Cassel erfolgten Bestellung deS Herrn Pfarrers Scheffer zum Mitglied des hiesigen Realschul-Kura- toriumS; 2. wurde ein Schreiben des Herm Ober- prästdeutm unterbreitet, in welchem die von der Stadt Marburg im laufende» Etatsjahre aufzubringenden Polizeikosten auf 59 Pfg. pro Kopf der Zivilbevölkerung ftstgesetzi werden. — Die einzelnen Gegenstände der Tagesordnung wurden hiernach wie folgt erledigt:
I. Beschluß über deu Erwerb eines Teiles deS Zeißschm Gartens. In dieser Angelegmheit hatte der B.-AuSschuß in seiner zuletzt stattgehabten Sitzung, wie erinnerlich, dm Beschluß ausgesetzt, um zuvor das fragliche Besitztum zn be- fichttgm. Um unseren Lesern ein klares Bild von dieser Angelegenheit zu geben, lasten wir im Nachstehenden den vollen Wottlaut des dem Bürger - AnLschnste unterbreiteten Vertrages folgen: „1. Zwischen dem Rentier Georg Zetß hier, dem Bizebürgerrneister Ehr. L. Bücking namens der Stadt Marburg und vorbehaltlich der Zusttmmung der städtischen Behörden, sowie dem Oberbürgermeister L. Schüler hier ist folgender Kaufverttag abgeschlossen: Herr Rentner G. Seife, Besitzer des zwischen dem Götzenhain und den Tierwiesen gelegenen Gattens Marburger Kartend lall 25 Nr. 9, — ha, 14 ar, 26 qm, Nr. 134/10, — ha, 1 ar, 22 qm, Nr. 133/10, 1 ha, 08 ar, 95 qm, verkauft an den Oberbürgermeister Herm Schüler den Gatten Nr. 9, — ha, 14 ar, 26 qm, Nr. 133/10, — ha, 1 ar, 22 qm und die oberste Terrasse von Nr. 134/10, — ha, 5 ar, 75 qm in einer Gesamtgröße von ungefähr 21 ar, 239 qm, für den Preis von 4000 Mark. Zahlbar am Tage der gerichtlichen Auftastung mit der weiter« Bestimmung, dafe Käufer die Kosten des Verttags und der Auftastung übernimmt und der Stadt Marburg auf die Dauer von 6 Jahren die Berechttgnug einräumt, gegen Ersatz der Aufwendung an Kanfgeld und Stempel und Auflaffungs- kosten bt diesen Vertrag einzutreten und auf deren Verlang« dieses Gmndeigmtnm Hypotheken- und kostenftei an die Stadt Marburg aufzulassen. 2. Im zweiten Teil verkauft Herr Rentner Zeiß dm unter« bis an daS Robert Beckersche Gmndstück reichenden Teil seines Gartens für den Kaufpreis von 5000 Mk. direkt an die Stadt.“ — Mit dem Erwerb dieses letzteren Grundstückes wird die Stadt durch Tausch- verttag mit Heim R. Becker in die Lage versetzt, ein« direkt« Verbindungsweg zwischen Götzenhain und dm Tierwiesenaulagm, sowie dem beliebten Morbacher Fnfeweg herzustellen; auch hofft man, daS früher bereits angeregte Projekt der Anlage eines Weges durch den Ochseniusschen, Hilleschm rc. Gatten nach dem Götzmhain seiner Verwttklichnng näher zu bringen. Weiter aber enthält der zu erwerbende Zeifesche Rain auch die Rohrleitung der Morbacher Wasserleitung. SettmS der Bondeputotton wird die Genehmigung dieses im Interesse der Stadt gelegenen und für dieselbe durchaus günstigen Vettrages befürwortet, ebenso vom Stadttate, und nach kurzer Diskussion erllärte fich auch der B.-Ausschuß damit einverstanden.
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Ijterbei um das vom Turnergatten zwisch« deu Gärten hindurch nach dem Schloßweg führende Gäßchen, welches dem öffentlichen Verkehr überhaupt uicht mehr »ient und nur irrtümlicher Weise gruudbnchamtlich »er Stadt zugeschrieben wurde. — Nach Erledigung der Tagesordnung ttat der B.-Ausschuß zu einer vettraulichen Sitzung zusammen.
Marburg, 4. Mai. (Vom einjährig- freiwilligen Militärdienst.) Ueber die Aendemng, welche bezüglich des BefähigungS-Zeug- nisteS für den einjährigen - fteiwilligen Militärdienst eit Ostern v. I. getroffen worden ist, scheinen noch manche Jrttümer verbreittt zu sein, welche fiedoch leicht auf eine Anfrage bei den Mitgliedern der Prüfungs-Kommisston hätten berichtigt werden können. Früherhin und zuletzt zu Ostem v. I. erhielte« alle Unter-Sekundaner der höheren Lehranstalten bei ihrer Versetzung nach Ober-Seknuda de« sog. Berechtiguogs- schein. Diese Begünstigung ist weggefallen, und es haben nunmehr diese Schüler eine Prüfung zu bestehen, welche bei deu sechsjährigen Schulen dm Namen Reifeprüfung nur bei den neunjährigen Schulen den Namen Abschlußprüfung führt. Der Besitz eines Zeugnisses dieser Art macht deshalb de« Berechtigungsschttn überflüssig u«d ist dieser deshalb i« Wegfall gekommen.
Marburg, 4. Mai. (Invalidenrente.) Dem Vorrangierer Andreas Rösser Hierselbst ist eine Invalidenrente im Jahresbettage von 118,20 Mk. zugesprochen worden.
Marburg, 4. Mai. Inhalt der Nummer 9 des „Hessenland“: „Frühlingserwachen“, Gedicht von Carl Weber; „Geschichte der Porzellainfabttk in Nord-Hanau“, von Profeffor C. A. von Drach (Fortsetzung);“ Nachricht von einem GlückwunschS-Carmen“, mitgttttlt von Georg JunghanS; „Marburg“, Gedicht von E. Siebert; „Näus!“ und „Abschied“, Gedichte in Schwälmer Mundart von Karl Nnhn; „Ans alter und neuer Zeit;“ „Aus Heimat und Fremde;“ „Hessische Bücherschau;“ „Bttefkasteu“.
Marburg, 4. Mai. (Witterung.) Einigemal versuchte eS gestem der Regen sich bemerklich zu machen, doch war er nicht mehr als ein schwaches Benetzm der völlig verstaubten Erdoberfläche. Sah
„Glauben Sie dn solches Geheimnis zu besitzen, Freund?“ fragte Dürrenstein lächelnd
„Ich glaube es nicht, ich weife es!“ sagte Martini in frohlockendem Tone. Aber woher wußte er um die Heirat von Dürrenstein's Vater?
„Also Sie besitzen ein Geheimnis? sagte er. „Nun beim, heraus damit! Die Zeit vergeht! So interesiant Sie auch sind, mag ich dem Jrrenhause Ihre Person doch nicht länger vorenthalten.“
„Nicht?“ fragte Herr Martini mit spöttischem Lächeln. „Sie denken, ich sei verrückt! Haben Sie nie etwas von einer Matte Erdmann gehört? "
Dürrenstein zuckte leicht zusammen, dann erhob er sich und sah mit nachsichtigem, mitleidigem Lächeln auf das verkörperte Bild der Gemeinheit herab.
„Es thut mir leib für Sie,“ sagte er, „aber wenn Sie sich einbilben, durch die Drohung, irgend eine der Ausschreitungen meines Vaters zu enthüllen, Geld von mir erpressen zu können, so irren Sie fich. Mein guter Bursche, Jedermann ist die Geschichte von Marie Erdmann bekannt “
„So, meinen Sie, ich bin anderer Ansicht,“ entgegnete Martini.
„Jedermann weife, daß mein Vater sich i Marie Erdmann verliebte und mit ihr davonlie Aber ich sehe jetzt, Sie find ein Verwandter von ihr und wollm aus der Sache Kapital schlagen, nicht wahr?“
„Rein, ich bin kein Verwandter von ihr,“ erwiderte Mattini. „Ich habe die Person, bitte um Entschuldigung, die Dame nie im Leben gesehen, aber Sie geben doch zu, daß Ihr Vater mit ihr durchging?“
„Selbstverständlich,“ erklärte Dürrenstem achsel- zuckend.
„Ah!" Herr Mattini that einen lang« Atem
zug, „und daß ein Kind — ein Sohn geboren wurde, nicht?“
Dürrenstem nickte und sah auf seine Uhr.
„Noch drei Minuten,“ bemerkte er.
„Vielleicht wissen Sie auch den Namen, unter welchem er aufgeführt wurde, ' sagte Martini hinterlistig „Vielleicht kennen Sie selbst den Mann recht gut, welchen ich meine, Adalbert Walter?“
„Ja, ich kenne ihn,“ erwiberte Dürrenstein unb seine Augen funkelten boshaft „Also von ihm kommen Sie? Gut, ich will Ihnen Zeit ersparen. Sagen Sie ihm, baß Sie bei mir warm unb ba ich gesagt habe ich würbe ihn auf zehn Jahre das Gefängnis sperren lassen, wenn er es je wagen sollte, mir in dm Weg zu kommen.“
„Wieder im Irrtum,“ »ersetzte Herr Martini in unverschcmttem Tone „Ich komme nicht von ihm unb weiß auch nicht, wo er ist. Was bas Gefängnis anbelangt, so ist bas feine Sache.“
„Aber worauf spielen Sie eigentlich an unb was wollen Sie denn?“ fragte Dürrenstein, der endlich ungebulbig wurde. Der Name Adalbert Walter hatte ihn außer Fassung gebracht und zum erstmmale zeigte er einige Erregung.
„Worauf ich anfpiele?“ fragte Herr Martini. „Nun, rund heraus gesagt, ich halte Sie für einen Betrüger“
„Für einen Betrüger?“ lächelte er.
„Ja Ich behaupte, baß Sie ebmsowenig ber Erbe von Dürrenstein find wie ich.“
Dürrenstein lehnte fich gegen ben Schreibtisch und sah ihn scharf an.
Deutscher Reichstag.
Berlin, ben 3. Mat 1893.
Haus und Tribünen find stark besetzt, zahlreiches Publikum versucht vergebens Eintritt in daS Haus zu gewinnen: Am Bundesratstische: Reichskanzler Graf Caprivi, bayerischer Ministerpräsident von Crailsheim, von Bötticher, von Kaltenborn - Stachau, von Maltzahn u. A; Es wird fofort in die zweite Beratung der neue» Militärvorlage eingetteten. Die Kommission, über deren Verhandlungen Abg. Groeber (Ztt;) Bericht erstattet, hat bekanntlich alles abgelehnt. Abgg. Althaus (sreis.) und Genossen beantragen die Aufnahme einer Bestimmung in die Verfaflung, wonach die akttve Dienstzeit für die Infanterie auf zwei Jahre festgesetzt wird. Die Friedensstärke des HeereS (an Mannschaft«) soll nach dem Anträge vom 1. Oktober 1893 bis 31. März 1895 auf 486893 Mann festgesetzt werden. Abg. von Hüne (Ztt.) beantragt die FriedenSpräsenzftärke der Armee vom 1. Oktober 1893 bis 31. März 1899 au: 479229Mannfestzusetzen. ReferentAbg; Groeber (Ztt.): Ich möchte nur kurz erklären, daß der Antrag Hüne von der Kommission des Hauses jedenfalls verworfen worden wäre. Wenn jetzt die Regierungsvorlage obgelehnt werden sollte, so wird daS Ausland in diesem Votum doch kein Zeichen der Schwäche des deutschen Reiches erblicken dürfen, denn im Moment der Gefahr wttd es ganz Deutschland einig sehen. DaS Volk umtz aber im Fried« geschont werden, um für den Krieg gerüstet zu sein und deshalb erscheint mir dtt Bewilligung so hoher Neuforderungen unmöglich. (Beifall links und im Zentrum.) — Reichskanzler Graf Caprivi: Bevor fich der Reichstag zu seiner folgenschwer« Entscheidung entschließt, möchte ich dem Hohen
Hause nochmals alle diejenigen Gefichtspuukte klarlegen, welche für die verbündeten Regierung« bei der Einbringung dieser Vorlage maßgebend waren. Ich erkenne an. daß r, dm Fraktion« nicht leicht war, in dieser Frage Stellung zu nehmen. Diejenige Pattei, welche die zweijährige Dienst, zett nur gefordett hat, zeigt fich heute aber nicht geneigt, die ei forderlichen Kompensation« zu bewilligen. Die Konservativ« hingegen find nur schwer« Herzens an bk Aufgabe der dreijährigen Dienstzeit herangegangen, und ich kann ihn« NamenS der verbündet« Regierung« nicht genug danken, daß sie auch in dieser Frage ihre Bedenken bei Seite gelassen und sich auf die Sette der Regierung gestellt hab«. (Beifall rechts, Lach« links.) Die Absicht »er verbündeten Regierungen bei der Einbringung dieser Vorlage war vor allen Dingen, dem deutschen Reiche fehle heutige Machtstellung zu erhalt«. Die Vorlage ist nötig und Moltke und Roon würdm, wmn sie heute noch am Leb« wären, noch entschiedener für die neue Heeres- organisation einttetcn, als ich dies nur thun kann. E» hat sich noch kein General gefunden, der der Ueberzeugung wäre, wir wär« heute stark genug, um einen neuen Krieg mit derselben Sicherheit und Zuversicht fühnn zu können, wie 1870 71. Alle stimmen unbedingt dattn überein, daß wir qualitativ und quantitath» einer Verstärkung der Armee bedürfen. Es handelt sich also httr um nichts weniger, als um die Ehre und die Zukunft der beutfdjen Nation. (Oho, links und im Z iitrum, Beifall rechts.) Wir brauchen auch eine Armeeverslä hing, um den Frieden zu erhalten. Wenn wir erst handeln wollen, wmn sich die politische Lage verschlechtett hat, dann ist e8 zu spät. Unb, meine Herren, die polittsche Lage, unsere gesamte politische Stellmig wttd unbedingt verschlechtett, wenn diese Vorlage nicht angenommen wttd. Ich bitte das wohl im Auge zu behalten, eine gute Diplomatie macht eS heute allein nicht. (Bewegung.) Fürst Bismarck hat s. Z. Armeeverstärkungen erforderlich gehabt, und eS wird Niemand im Hanse sein, der ihn nicht für den größten Diplomaten unserer Zeit hält, wie wir fie auch nicht immer haben können. Settdem ist weiter und weiter gerüsttt, und wir können nicht zurück- bleiben, wenn wir dem Frieden dienen wollen. Sollte es sich aber doch als unmöglich erweisen, für die Dauer den Frieden zu erhalten, dann wollm wir doch wenigstens darnach trachten, zu siegen, und unser Geschick nicht in die Hände des Feindes legen. Wir bedürfm aber dazu schneller Erfolge, kurzer Kriege, wir müssen also die Möglichkeit der militärischen Offmfive habm und dazu soll die neue Heeres- organifation dienen. Die Lage ist ernst und wir muffen für die Zukunft doch auch das Schicksal unserer Grenzprovinzen ins Auge fassen. Ich erinnere nur an die Drangsale, welche die Pfalz und Danzig s. Z. zu erdulden batten. Ich meine, wir müssen deshalb dafür sorgen, daß unsere Grenzbewohner nicht bei jedem politischen Wetterleuchten zittern müssen. (Beifall.) Auch die Elsaß-Lothringer sind unsere Brüder, die geschützt werden müssen und es empfiehlt sich nicht, mit Gespött darüber hinwegzugehen. Sachlich ist die neue Heeresvorlage in keinem Punkte widerlegt. Es ist nur zu der Militärverwaltung gesagt: Mehr gießt es nicht, also seht zu, wie Ihr auskommt! Die Gegner der Vorlage haben sich auch auf die Steuerbelastung im deutschen Reiche berufen und gejagt, wir würden ein Volk von Bettlern werden. Das ist aber doch eine arge Nebertreibung, soweit find wtt denn doch nicht. Im Ilebttgen haltm auch die verbündeten Regierungen an ihren gegenwärtig gemachten Vorschlägen zur Aufbringung der Kosten nicht unbedingt fest. Wissen Sie etwas Befferes, uns soll es recht sein. Die neue Militärvorlage ist aber thatsächlich auf daS geringste Maß des Erforderlichen zugeschnitten. Die Armee ist der Haupffaktor bei der Zufammmschweißung der beutfdjen Stämme gewesen, reden Sie also nicht von dem Moloch des Militarismus, der Alles verschlingen soll. ES handelt fich hier um die Erhaltung des deutschen Reiches. Die Gegner der Vorlage beruf« sich auf die Stimmung in den Wahlkreisen. Aber sollen wir etwa warten, bis das Verlangen nach Erhöhung unserer Wehr- fraft aus den Wahlkreisen kommt? Darüber kann bal ganze deutsche Reich zu Grunde gehen; Die Veibündeten ^Regierungen haben über die Sicherheit des deutschen Reicher zu wachen, und deshalb durste die Stimmung in einzelnen Wählerkreisen kein Motiv für die verbündeten Regierungen sein, zu thuen, was sie unbedingt für notwendig erkannt haben. Wenn die neue Militärvorlage nicht zu Stande kommt, bann wird im Volk und in der Armee das Gefühl Platz greifen, daß wir nicht mehr stark genug find, und er wäre in hohem Maße bedenklich, Handel und Wandel würde» unter dem Gefühl der Unsicherheit leiden, der ganze Verkehr würde von Neuem in eine schwere Stockung geraten. Wir wollen wenigstens dem Vorwurf nicht ausgesetzt sein, zu ernster Zett das Notwendige versäumt zu haben, deshalb haben wir die Vorlage eingebracht. Ans zahlreich« Zn-
schttften, die ich erbaüen, geht hervor, daß sich der Deutsche» im Auslände b>i den Verhandlungen über diese Vorlage jchou ein peinliche» Gefühl bemächtigt hat. Was den Antrag AlthauS betrifft, so ist betfelbe für die verbündete» Regierung« unannehmbar; er ist der erste Schritt zu« Milizsystem. Abg. Lieber hat gesagt, auch wenn diese Vorlage an sich berechtigt wäre, so müßte man im FraktionS- intereffe doch dagegen stimmen, da der Bestand der ZmtrnmS- partei wichtiger sei, als diese Hecresverstärkung. ES iß aber doch wirklich schwer, aus dieser Aeußerung de» patttotisch« Kem herauszuschälen. Der Abg. Bebel hat die politische Lage in der Kommission in einer Wesse geschildert, daß die Zustimmung zu dieser Vorlage eigentlich die logische Konsequenz bilbete; Aber statt dessen lehnt et bie ganze Heeresverstärkung ab. Der Antrag Huene bietet eine annehmbare Lösung der Mllttärstage; aber mit bet Zustimmung zu derselben kommen die verbündeten Re> emgen dem Reichstage schon sehr weit entgegen. 3» e von Neuwahlen würdm wtt aber diese Konzession nicht machen köiwen. Ich bitte deshalb, helfen Sie uck mit, das zu thuen, waS für den europäischen Frieden, die Ehre und die Sicherheit b>8 Vaterlandes erforderlich iß. (Beifall rechts.) — KttegSminister von Salteuborn- Stachan bespricht nochmals die in der Kommission v« Allem erörterten Punkte der Kostenfrage und der Unteroffizier-ManquernentS. Die Vorlage befdjränft, wie vo» allen Sachverständigen willig eingeräumt wird, bie Kostei thatsächlich auf das Notwendigste, unb c8 ist Aussicht Vorhand«, die erforberlid) werdenden AnSbildungSkräste rechtzeitig zur Hand zn hab«. — Abg. Frhr. von H u e n« (Ztt.)r ES ist für mich ein ernster unb schwerer Entschlni gewesen, meinen Antrag an den Reichstag zu bring«, di ich von vomherein wußte, daß nur eine kleine Minderzahl meiner politisch« Freunde dafür stimmen würde. Wen» ich eS trotzdem gerhan, so haben mich dazu nur die größte« vaterländischen Interessen veranlaßt, um welche es fich hier handelt. WaS hllft unS denn die Einigkeit vor dem Feinde, wenn uns dtt Wehrhaftigkeit fehtt? Nach meiner lieber zengung ist dieser Punkt bisher noch lange nicht nachdrücklich genug hervorgehoben worden. Bei der erften Lesmtz der Vorlage habe ich allerdings nicht geglaubt, so wett ent’ gegenkommen zu müssen, habe mich aber nun doch v»» der Notwendigkeit eines solchen Schrittes überzeugt. Redner begründet alsdann dm von ihm gestellten Antrag im Seinen und weist in erster Reihe daraus hin, daß dtt allgemeine Wehrpflicht ja schon in der Beffassung deS deutsch« Reiches vorgeschrieben fei, daß mit ihrer Durchführung al!» eigentlich gar nicht» NmeS mehr gefordett werde. 3® fürchte, wmn der Reichstag feine bisherige Haltung bewahrt
es auch »ach mehr Reg« aus, so läßt er doch noch auf sich warte«. Die Wärme erreichte 17,5 Grad 6. uud Nachts bliebe« 8,75 Grad C. Heute Morgen 8 Uhr find 12,5 Grad C. Wärme bei bewölktem