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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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«mAeini täglich artet an Werktagen nach Saun» and Feiertagen. —Quartal-Lbonnewentv-Pteir bei der Expe- dttiau 2 Mk., bei allen PostLurtern 2 Ml. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserattondgebüh: für die «spalten« Zeile »der deren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zeile »5 Psg.
Marburg,
Donnerstag, 4. Mai 1893.
XXVIII. Jahrg.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, ?ovie die Annonceu-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Men; Rudolf
sowie die Annonceu-Bureaur von Haas Kfurt a. M., Caffel, Magdeburg
in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Der Kaiserbesuch in der Schweiz ist gleichfalls in erfreulicher Weise verlaufen. Der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Auguste Viktoria trafen am Dienstag Vormittag bei prachtvollem Wetter in Flüelen am Vierwaldstätter See ein. Der Bahnhof war überaus glänzend geschmückt, die Säulen der Bahnhofshalle waren mti Kränzen umwunden, eine über die Bahnanlage führende Passarelle in einen mächtigen Triumphbogen verwandelt und mti zahlreichen deutschen und schweizerischen Fahnen geschmückt. Am Bahnhof waren zur Begrüßung anwesend: der Kommandant des 4. Armeekorps Oberst Winland, der Generalstabschef Keller, Oberstleutnant Ruffy, sowie der deutsche Gesandte I)r. Busch, das Personal der deutschen Gesandtschaft und zahlreiche schweizerische Offiziere. Gleich nach der Begrüßung begaben sich die Majestäten und ihre Begleitung, sowie die zur Begrüßung erschienenen Persönlichkeiten auf den mit Teppichen geschmückten Dampfer „Luzern", dessen Fürsteusalon und Kajüte 1. Klasse mit Blumen reich dekottert waren. Der Dampfer „Italia" nahm das Gefolge und die Stadtmusik von Luzern auf. Die Fahtt des Kaiserpaares über den Vierwaldstätter See fand bei prächtigem Wetter statt. An allen Ortschaften am Ufer hatte sich eine große Volksmenge aufgestellt, welche die fürstlichen Herrschaften jubelnd begrüßte. Der Anblick auf das festlich geschmückte, im Sonnenschein glänzende Luzern war ein unbeschreiblich schöner. Beim Nahen der Schiffe erschallte Kanonendonner von den Höhen von Luzern. Am Ufer harrte eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, welche beim Eintteffen des Kaiserschiffes vor dem „Schweizer Hof" in brausende Hochrufe ausbrach. Die Musikkapelle spielte die preußische Nationalhymne, kleine Mädchen in den Landestrachten überreichten den Majestäten Blumcnsttäuße. Der Bundespräsident Schenk und die Bundesräte Frey und Lachenal gingen den Majestäten entgegen; die beiderseitige Begrüßung war eine sehr herzliche. Der Kaiser trug die große Generalsuniform. Unter den Klängen der Musik wurde das Kaiserpaar über die teppichbelegte Straße durch das Militärspalier in den „Schweizer Hof" geleitet, woselbst die offizielle Begrüßung und die gegenseitige Vorstellung stattfand. Sodann begann das Festmahl im großen Saale. Neben Kaiser Wilhelm saß rechts Bundespräsident Schenk, links neben der Kaiserin hatte Bundesrat Frey Platz genommen. Gegenüber saßen Bundesrat Lachenal, General Herzog, Staatssekretär Frhr. v. Marschall und der deutsche Gesandte Dr. Busch,
Der Sieg -er Liebe.
Raman von A v. Böttchen
jNachdrnck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sitte demütigst um Verzeihung, Herr Baron," versetzte Scharff. „Ich dachte, seinem Aussehen nach — aber entschuldigen Sie," und damit entfernte er sich.
Dürrenstein schellte seinem Diener und kleidete sich eiligst an. Er mußte sofort Eva's Check um- setzen, um den Wechsel, welchen er an Scharff gegeben, einlösen zu können. Rasch stieg er die Treppe hinab, ben Mann, dessen Scharfs gegen ihn erwähnt, hatte er vergessen, als er plötzlich einen Menschen an der Hotelthür stehen sah, welcher von der anderen Seite nach dem Dorflur schielte. Dürrenstein blickte nach ihm hin, und es «ar ihm, als sei er dem be- tteffendm Individuum schon früher begegnet, wo, dessen wußte er sich nicht mehr zu erinnern.
Sein Blick streifte nur das blasse Gesicht und den schwarzen Schnurrbart des Burschen, dann befahl er dem Portier, ihm eine Droschke zu holen.
Kaum hatte er den Befehl ausgesprochen, al« auch der Fremde vorwärts stürzte, eine Droschke herumwinkte und, sich vor den Portier drängend, den Schlag aufriß. Der Portier, welcher ihn für einen Bekannten Dürrensteins halten mochte, trat zurück und Dürrenstein stieg ein-
Als er dies that, tauchte in ihm die Erinnerung an den Mann empor, welcher ihm in den Weg gekommen, als er an seinem Hochzeitstage in den Wagen gestiegen war, und er sah ihn schärfer an.
„Wohin, Herr Baron," fragte Herr Martini, seine stechenden Augen auf Dürrenstein heftend.
„Nach der Reichsbank," erwiderte dieser, sich zurücklehnend.
insgesamt nahmen 42 Personen an der Tafel teil. Die Stimmung war eine sehr animiette. Der Bundespräsident brachte einen Toast auf den Kaiser und die Kaiserin aus, worauf der Kaiser dankte. Nach Aufhebung der Tafel hielten die Majestäten einen Cercle ab. Um 12 Uhr fuhren die Equipagen vor, um die fürstlichen Herrschaften zum Bahnhof zu bringen. Im ersten Wagen fuhren der Schultheiß von Luzern und der Stadtpräfident, im zweiten das Kaiserpaar und der Bundespräsident; im Ganzen waren es 13 Wagen, welche von Kavallerie eskortiett wurden. Born „Schweizer Hof" bis zum Bahnhof bildete eine dichtgedrängte Menschenmenge Spalier, welche die Majestäten unausgesetzt enthusiastisch begrüßten. Der Bahnhof war mit kostbaren Teppichen geschmückt und bot mit dem imposanten Eingangsthor einen prächtigen Anblick. An der Ehrenpforte waren die Statuen der Germania und Helvetia aufgestellt, über einem Baldachin erhob sich ein gekrönter Adler. Die Verabschiedung auf dem Bahnhofe war eine sehr herzliche. Die Abfahrt erfolgte direkt nach Karlsruhe, wo das Kaiserpaar auf dem Bahnhofe von dem Großherzog und der Großherzogin von Baden u. A. herzlich empfangen wurden.
Trinkspruch des Schweizer Bundespräsidenten auf den deutschen Kaiser: „Ew. kaiserliche Majestäten haben der Schweiz die hohe Ehre erwiesen, sie zu besuchen und dem schweizerischen BundeSrate damit die willkommene Gelegenheit gegeben, Ew. Majestäten persönlich zu begrüßen und Ihnen die Gefühle ehrfurchtsvollster Hochachtung und Verehrung auszusprechen, von welchen er durchdrungen ist. Die Schweiz fiert sich einmütig dieses für sie bedeutungsvollen Tages und erblickt in dieser freundlichst gebotenen persönlichen Begegnung gern eine besondere Bekräftigung der guten Beziehungen, welche zwischen dem mächtigen Deutschen Reiche und der schweizerischen Eidgenossenschaft bestehen. Das Schweizervolk und seine Behörden, wiewohl entschlossen, unter allen Umständen und mit allen Kräften die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes zu verteidigen, nehmen lebhaften Anteil tm allen Bestrebungen und Thaten, welche darauf zielen, den Völkern die unschätzbaren Wohlthaten des Friedens zu erhalten und schauen deshalb auch mit fteudigem Verttauen auf die Hand Eurer Majestät, in welcher sie einen Hort und Schützer des Friedens verehren. Ich trinke auf die Gesundheit und das Wohl Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin".
Die Rede des Kaisers beim Festmahl in Luzern hat folgenden Wortlaut: „Herr Präsident! Ihre
Allein der Mann hielt die Hand noch immer auf dem Wagenschlage, und den Kopf vorstreckend, flüsterte er: „Kann ich ein Wort mit Ihnen sprechen, Herr Baron? Bestimmen Sie die Zeit."
Mit dem Kopfe drang auch eine ganze Wolke Haarölduft in ben Wagen, unb Dürrenstein runzelte die Stirn.
„Was zum Teufel wollen Sie von mir und wer sind Sie?" fragte er
„Ich habe Geschäfte mit Ihnen zu erledigen, Herr Baron," erklärte Herr Martini mit einem Lächeln, das, wenn Dürrenstein dessen ganze Unverschämtheit hätte ahnen können, ihn rasend gemacht hätte, und bei welchem es ihm jetzt schon, trotz seiner Unkenntnis der Sachlage, in den Fingern zuckte, dem Menschen den Hut vom Kopfe zu schlagen.
„Geschäfte!" sagte er geringschätzend. „Ich kenne Sie nicht. Hand weg vom Wagen und sagen Sie dem Kutscher, wohin er fahren soll!"
„Werden Sie nur nicht heftig," versetzte Herr Martini einschmeichelnd, doch immer noch mit einem Anfluge von Drohung in seinem Tone. „Ich führe gegen Sie nichts Böses im Schilde — Gott bewahre ! Was ich Jhnm sagen möchte —"
„Ich weiß nicht, wer Sie sind," sagte Dürrenstein ruhig, aber streng, „unb habe keine Lust, mich mit Jhnm zu unterhalten. Machm Sie, baß Sie sortkornmen, oder ich schicke nach der Polizei!"
Herrn Martini'S Gesicht wurde kirschrot.
„Schicken Sie nach der Polizei!" höhnte er, „schicken Sie nur! Ich werde ihr sagen, was für ein Geschäft ich mit Jhnm abzumachen habe, und Sie werden bereit fein, mir noch etwas zu geben, damit ich ben Mund halte."
„Sie «ollen Geld erpreflm!" entgegnete Dürren
freundliche Einladung an die Kaiserin und Mich, auf der Heimreise einige Stunden in der Schweiz zu verbleiben, hat Uns Beiden zur aufrichtigen Freude gereicht. Mit herzlichem Danke zugleich im Namen des gesamten deutschen Volkes erwidere ich Ihre liebenswürdige Begrüßung und den traulichen Empfang der Schweizer. Die herrliche Gegend, die Sie Uns soebm gezeigt habm, ist Mir nicht unbekannt, denn in jungen Jahren war es Mir vergönnt, schon einmal Mich am Anblick Ihrer Berge und Seen zu erfreuen, die jährlich Tausenden Meiner Landsleute Erfrischung und Kräftigung bei gastlicher Aufnahme gewähren. Mit Befriedigung konstatiere Ich, daß Unsere guten und fteundnachbarlichen Be- ziehungen, die von Alters her bestehen, unverändert fortbauern und Ich hoffe, daß der vertragsmäßige gesicherte Verkehr zwischen der Schweiz und Deutschland sich weiterhin gedeihlich entwickeln und dazu beitragen wird, die Freundschaft zwischen beidm Völkern zu erhalten und zu befestigm. Ich trinke auf das Wohl der Schweiz, der Schweizer und des Herrn Präsidenten der Eidgenossenschaft". — Die beiden Reden sind nicht ohne politische Bedeutung und werden in der gangen Schweiz sympathisch begrüßt. Sie enthalten sich in der That aller nicht hierher gehörigen Anspielungen und »erben auch in weiteren Kreisen gut aufgenommen.
Die Chicagoer Weltausstellung ist am Montag eröffnet worden. Man hat dem Ereignis in Deutschland, wenigstens in der Presse nicht die Beachtung geschenkt, welche eS wohl verdient, obschon die Ausstellung in einem Lande stattfindet, wo Alles lediglich zur Bereicherung der eigene« Bewohner ausgebeutet wird. Gewiß hat, als der Gedanke einer Beschickung der Columbtschen Ausstellung in Deutschland auftauchte, derselbe bei dem größten Teile der Industrie recht toenig Entgegenkommen gefunden. In der Industrie, ist man sich völlig bewußt, daß in Amerika der abendländischen Erwerbswelt ein Gegner erwächst, der auf dem europäischen Absatzmärkte auch bald mit Jndustrieerzeugnissen als Wettbewerber auftreten wird. Man wollte nicht in Chicago ausstellen, um nicht diesem Gegner die Waren, deren Nachahmung er sich angelegen sein läßt, noch in's Haus zu ttagen. Dazu kam, daß die Jndusttie, namentlich die große rheinisch-westfälische, von den Ausstellungen überhaupt keine Vorteile für die Erweiterung des AbsatzmartteS erwartet, mindestens aber der Ansicht ist, daß die Ausstellungen mit Kosten
stein, ihn fest ansehend. „Rehmen Sie sich in Acht, mein Freund," dabei lächelte er unheimlich, „daß ich Sie nicht belange und Ihnen zu einem längeren Aufenthalt hinter Schloß und Riegel verhelfe "
„Wie Sie wünschen," erklärte Herr Martini, die Achseln zuckend. „Ich wußte, baß Sie sich auf da» hohe Pferd setzen würden unb war barauf vorbereitet. Es ist nicht anzunehmen, baß ein Kavalier wie Sie sich so leicht ins Bockshorn jagen ließe. Aber ich rate Ihnen als aufrichtiger Freund, mir eine Unterredung zuzugestehen Als auftichtiger Frmnd, merken Sie sich das. Es ist besser, als mich zum Feinde zu haben, Herr Baron."
„Was wissen Sie, oder was glauben Sie zu wissen?" fragte Dürrenstein. „Kerl, Sie fpieten ein verflucht gefährliches Spiel!"
„Ich kmne das Spiel, welches ich spiele," versicherte Martini, zuversichtlich nickend. „Schenken Sie mir eine halbe Stunde Gehör!"
„Nun gut," sagte Türrenstein nach kurzem Be- benten.
„Kommen Sie heute Abmd um acht Uhr zu mir und ich werde Ihnen zehn Minutm bewilligm; nach Ablauf dieser Zeit werde ich Sie wahrscheinlich arretieren lassen," setzte er mit sarkastischem Lächeln hinzu.
„Darauf will ich es ankommen lassen, Herr Baron," erklärte Martini, vorn Wagm zurücktretend unb bem Kutscher bebrütend, zuzufahren.
27.
Herr Martini kehrte heim nach der Paradies- gaffe, ben Kopf erfüllt von bem Gedanken an die ungeheuren Reichtümer, die ihm jetzt zufallen mußten. Ein berühmter Tenor zu sein, war ja eine ganz hübsche Sache, aber e« war doch nach weit besser,
verknüpft find, welche durch die Vorteile, die dieselben etwa in ihrem Gefolge haben, nicht aufge» wogen werdm. Es zeigte fich deshalb wenig Lust zur Beschickung der Chicagoer Ausstellung. Erst als das Reich fich zu einer Beteiligung bereit erklärt hatte und als vom Reichstage zur Durchführung dieser Beteiligung Gelder bewilligt waren, — als es also Ehrensache geworden war, daß Deutschland in einer seiner Bedeutung würdigen Weise verttetm war, entschloß sich eine Anzahl Industrieller, die Ausstellung zu beschicken. So ist denn, wie auch der Katalog erweist, schließlich noch eine ganz umfangreiche deutsche Abteilung zu Stande gekommen. Natürlich hätte sie weit großartiger fich gestaltet, wenn man mit Feuereifer überall an die Ausstellung herangegangen wäre, aber auch so noch werden am Montage den Blicken der Beschauer tit Chicago von Seiten Deutschlands Erzeugnisse dargeboten worden sein, die in ihrer Güte nichts zu wünschm übrig lassen. Deutschland hat sich den übrigen europäischm Nationm in würdiger Weise an die Seite gestellt. Und dieser Umstand sollte doch nicht unterschätzt werden. Gewiß wird durch die Chicagoer Ausstellung der deutsche Absatz in Nordamerika sicherlich nicht und in Südamerika und Ostafien, für welche wohl haupssächlich die Nordamerikaner selbst in Chicago ausstellen, nur wenig Zunahme erfahren. ES lag doch aber auch die Gefahr vor, daß durch die Columbische Ausstellung Dmtschland in ben Hintergrund gedrängt wurde. Wenn Deutschland überhaupt nicht ausgestellt hätte, so hätten doch die südamerikanischen und ostasiatischen Besucher der Ausstellung leicht zu der Meinung gelangen können, daß Deutschland nicht den Wettkampf mit anderen Nationm einzugehen wage. Und wenn dieS ja auch eine ganz verkehrte Anschauung gewesen wäre, so hätte sie doch leicht nachteilig auf den bisherigen Umfang des deutschen Absatzes in den genannten Ländern einwirken können. Wenn man von diesem Standpunkte aus die Beteiligung Deusschlands in Chicago betrachtet, so kann man fich nur freuen, daß das Reich selbst in reichlichem Maße die Mittel dazu hergegeben hat, daß unsere Abteilung in Ausschmückung und Ausstattung glänzend erscheinm kann. Den Industriellen aber, welche, trotzdem sie von der Erringung von Vorteilm nicht überzeugt waren, dennoch nach Chicago gegangen find, kann die übrige Jndusttie dafür dankbar sein, daß sie persönliche Opfer gebracht haben, um Deutschlands Ruf in jenen fernen Erdteilen, auf welche die Amerikaner nm allzusehr spekulieren, auch ferner auftecht zu erhalten.
einen Mann, wie Herrn von Dürrenstein in der Gewalt zu habm.
Lange vor acht Uhr hatte er schon seine besten Kleider angelegt, bestehend aus schauderhaft hellm lila Beinkleidern mit schwarzen Seidenstreifen, einem dunkelbordeauxfarbenen Reitfrack, Lackstiefeln und einem Seidenfilz mit breitem ausgeklapptem Rande. Dieser Aufputz, unterstützt von einer blauen Kra- vatte mit einer ungeheuren Talmi-Busennadel und dicker Uhrkette von gleichem Metall, einem unächten Btilanttinge und einem Stocke mit silbernem Knopfe war — nach Herrn Martini's Begriffen — da« Non plus ultpa einer „piffeinen* Toilette
Wirkungsvoll war diese Toilette jedenfalls; denn der Portier des Hotels fiel fast aus den Rücken, al« Herr Martini ihn aufforderte, ihn zu Herrn von Dürrenstein zu führen.
„Zu Herrn von Dürrenstein?" wiederholte der Portier, die abmteuerliche Erscheinung anstarrmd. „Sie «ollen zu Herrn von Dürrmstein? Liebster Mann, fierte wie Sie empfängt der Herr Baron nicht um diese Zeit. Wenn Sie eine Rechnung ober sonst etwas habm, so geben Sie e« ruhig hier ab, wir werben e« beforgen."
Herr Martini errötete vor Zorn unb richtete fich zu seiner ganjen Höhe auf.
„Es ist derselbe Mensch, welcher mit Herrn von Dürrenstein sprach, al« er heute Morgen in die Droschke stieg," sagte ein Kellner, „ich kenne ihn."
„Ja, Sie haben gesehen, wie ich mit meinem Freunde, Baron Dürrmstein, sprach, lieber Mann," erklärte Herr Martini prahlerisch. „Und Sie werden mehr zu hörm bekommen, als Jhnm lieb ist, wenn Sie Herrn von Dürrenstein meine Karte nicht überbringen," dabei händigte er ihm dieselbe ein. (Fortsetzung folgt )