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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
«um.» Jlluftrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und ^pdittton^ Martt"si° ” * ”
Erscheint täglrch außer an Werktagen nach Sonn, und *♦ * Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes,
-äz» 4 Art Feiertage».—Quartal-AbommuentS-BreiS bei der Sxpe- «vlUl'VUl-Hf iowie die Annoncen-Bnreaur von Haasenstein u. Vogler in ,
Jlfi, IvZ» dittau 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Kk. 25Pfg. (exkl. . ” Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. Iahra.
Bestellgeld). Jnseratronsgebübr für die gespaltene Zeile Dienstaa, 2. Mai 1893. Moffe w Frankfiirt a. M., Berlm, München «.Köln; G. L. Mio
»der daen Raum 10 Pfg., Rellameu für die Zeile Lk> Pfg. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Zum ersten Mai.
Es ging vor mehreren Jahren, als der bekannte Lorschlag zum ersten Male auftauchte, de« ersten Mai eines jede» Jahres zu einem internationalen Arbetterfeiertag auszugestalteu, wie ein Sorgm durch ganz Europa. Nicht daran dachte man so sehr, daß dieser Maitag zu einem Tag größerer Unruhe» sich gestalten könnte, es fehlt ja in keinem europäischen Staate au Soldaten, so daß Besorgnisse in dieser Richtung überflüsstg waren, wohl aber dachte man daran, daß mtt diesem Vorschläge ein Zankapfel zwischen die Gesamtheit der Arbettgeber und Arbeiter geworfen werden könnte, der schlimme und schwere Folgen für beide Teile, ja für die gesamte Entwicklung von Gewerbe und Industrie würde geben können. ES war richtig, es hatte in jeder Zeit viel Streit und Hader in zahlreichen Werkstätten und Fabriken gegeben, es fehlte doch aber auch nicht an solchen Stellen, wo bisher nicht bloS der Friede gewahrt war, sondern wo man auch entschlossen war, ihn wester zu wahren. Diese Eintracht, die auch seitdem in erfreulicher Weise wieder um sich gegriffen hat, war durch die Form des Verlangeus bedroht, die darauf hinzielte, einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu schaffen, der doch so häufig schon um deswillen nicht zuläsfig ist, weil fich auS der Reihe der Gewerbsgehilfen die Arbettgeber zum recht starken Teil rekrutteren. Jeder, der Leute beschäftigt, weiß recht wohl, daß das Gedeihen seines Geschäftes nicht davon abhängig ist, wenn Jemand zu gelegener Zett mal einen Tag pausiert; iu großen Fabriken wird sehr oft der gesamten Arbeiterschaft ein Wochentag im Sommer freigegeben, der zu Ausflüge» benutzt wird. Dagegen ist also gar nichts weiter zu sagen. Aber in dem Vorschlag der Maifeier klang daS schroffe Wort heraus: Wir feiern heute, weil wft Arbeiter sind, und weil tote eS so wollen' Dazu lag kein Grund vor, denn auf ein heftiges Wort folgt wieder ein heftiges Wort, auf einen Schlag ein neuer Schlag. Und weil doch die große Mehrheit aller Mensche» es liebt, in Frieden und Ruhe zu leben, mögen es nun Arbeitgeber oder Arbeiter sein, so ist es auch bet der Maifeier im Wesentlicheu bei dem Vorschlag geblieben, und mau hat sich iu anderer, geeigneter Weise friedlich vertrage». Die erste Maifeier war ja noch bei uns kaum, wohl aber in anderenLänderu, vontumultuarischen Ausschreitungen begleitet; insbesondere kam es in Oesterreich-Ungarn, Italien, der Schweiz, Spanien (Barcelona), Belgien und Frankreich, nnd daun in
Der Sieg der -tedr.
Stenten von Z. v. Böttcher;
i Nachdruck verboten.)
' (Fortsetzung.)
Nach einer Weile nahm sie ein Buch und schien fich darin zu vertiefm und Dürrenstein, der sich etwas verlegen und unbehaglich dieser eisigen Kälte gegenüber fühlte, murmelte, daß er eine Zigarre rauchen wolle und stieg in das Rauchcoup«.
Er hatte jetzt das Schloß und das Bärenfeld'fche Vermögen, oder vielmehr den Nießbrauch davon, aber er hatte eine Frau von Eis und Schnee, eine Frau, die ihn verachtete und ihm mißtraute mit in den Kauf nehmen muffen. Während er sich dies vergegenwärttgte, verfinsterten sich seine Züge mehr und mehr und ingrimmig knirschte er mit den Zähnen.
Aber im Ganzen, was lag daran, ob Eva sich gegen ihn kalt und zurückweichend benahm? Das Geld, das Geld war ja die Hauptsache.
Obgleich die feine Gesellschaft erst teilweise von ihren Sommerausflügen in die Residenz zurückgekehrt war, so fand Dürrenstein es doch angemessen, mit seiner jungen Frau die konventionellen Besuche zu machen.
„Ist es denn durchaus notwendig, alle diese Leute aufzusuchen?" fragte Eva ihn, als er am brüten Tage nach ihrer Ankunft sie dazu aussorderte
„Nicht, wenn es Dir nicht angenehm ist/ erwiderte er, „allein ich halte es für einen Akt der Höflichkeit. Ueberdies brauchen wir ja nur unsere Karten abzugeben, wenn Dir es lieber ist *
„Ja, das ist mir lieber, al« mich von ihnen anstarren zu lassen und mit ihnen zu sprechen,* sagte sie gereift.
den Bereinigten Staaten von Nordamerika zu tumultuari- schen Ausschreitungen, aber auch dort ist es von Jahr zu Jahr füllet, die Zahl Derer, welche geneigt Ware», die Dinge auf die Spitze zu treiben, geringer geworden. ©eure ist der erste Mai in der Hauptsache ein Tag, wie alle anderen Tage, an dem tn größeren Städten Versammlungen stattfinden, an welchem da und dort einige Raufereien Vorkommen, über de» sich aber Niemand mehr aufregt. Das Alles zeigt, daß der gesunde Menschenverstand doch noch eine nicht zu unterschätzende Gewalt besitzt.
Deutsches Reich.
Aertt», 1. Mai. Die deutschen und italienischen Majestäten, der Prinz von Neapel, der Herzog der Abruzzen und das Gefolge begaben fich gestern früh um 9 Uhr nach Pompeji. Längs der ganzen Eisenbahnstrecke und auf allen Bahnhöfen bereitet die zahlreich zusammengeströmte Bevölkerung den Majestäten lebhafte Ovationen. Dieselbe Begeisterung zeigte sich bei der Ankunft in Pompeji, wo fich sämtliche Vereine und eine große Menschenmenge ans der Umgegend eingefunden hatten. Die Majestäten besichtigten eingehend die Ruinen der alten Stadt. Die Kaiserin Auguste Viktoria und die Königin Margherita benutzten bei diesem Rundgang zierliche Sänften antiken Sttls. Später wohnten die Majestäten mit lebhaftem Interesse den weiteren Ausgrabungen eines schönen, erst vor wenigen Tagen entdeckten Hauses bei. Es wurden während der etwa zweistündigen Ausgrabungen mehrere antike Gegenstände gesunden, vor allem ein Lager von Amphoren und größeren Weinkrügen. Nach Beendigung der Ausgrabungen begaben fich die Majestäten nach den Stadianer Thermen, wo sie das Dejeuner einnahmen. Um 2i/z Uhr erfolgte unter erneuten Ovationen die Rückfahrt nach Neapel. Um S1^ Uhr trafen die Majestäten wieder im Schloß ein. — Auch die „Münch. Nachr.* können bestätigen daß die bayerische Regierung fich keineswegs gegen eine Reichstags-Auflösung erklärt habe. Daß ihr die Auflösung mit Rücksicht auf die Landtagswahlen nicht gelegen kommen würde, verstehe fich von selbst. Im Uebrigen sei aber die bayerische Regierung von der Notwendigkeit der Militärvorlage nicht minder überzeugt, als die übrigen Bundesregierungen; sie habe im Bundesrat der Vorlage zugestimmt und werde selbstverständlich auch alle Konsequenzen ihrer Abstimmung tragen. — Die Abstimmung über die neue Militärvorlage im Reichstage wird voraussichtlich am
Er sah sie einen Augenblick schweigend an, dann sagte er mit leichtem Stirnrunzeln:
„Thue, was Du willst,* dann, nachdem er ein paar Mal im Zimmer auf und nieder gegangen war, setzte er hinzu: „Eva, ich denke, es ist am besten, wir verständigen uns?"
Sie sah ihn mit kalt fragendem Blicke an.
„Wieso verständigen?"
„Ja," entgegnete er verdrießlich, „ich weiß aus eigener Anschauung, daß die Unannehmlichkeiten in den meisten Ehen aus mangelndem Verständnisse entstehen. Es sollte mir leid thun, wenn sich zwischen uns Mißhelligkeiten drängen würden."
Sie neigte beistimmend den Kopf. Drei Tage warm erst seit ihrer Hochzeit vergangen, allein in seinem Tone gegen sie hatte eine merkwürdige Veränderung stattgesunden. Vor drei Tagen hatte er zu ihren Füßen gelegen, jetzt sprach er als Gebieter Aber dieser Ton sagte ihr mehr zu, als wenn er die Rolle eines Liebenden wetter gefpielt hätte, und sie nickte wieder.
„Die meisten Leute langweilm fich gegenseitig zu Tode, noch ehe die Flitterwochen vorüber find," fuhr er fort. „Wir könnten, denke ich, dem au» dem Wege gehen, wenn wir dahin überein kämen, unsere Freiheit gegenseitig zu respektieren. Das heißt, Du gehst Deine Wege, ohne mich weiter zu berück sichtigen, und thust, was Dir beliebt, und ich werde mich für berechtigt halten, dasselbe zu thun."
„Er maß sie bei diesen Worten mit kaltem Lächeln.
„Das wäre auch meiner Ansicht nach Has Beste,' stimmte sie bei.
„Gut, jetzt kannst Du in Anbetracht der Be- kannten thun und lassen, was Dir beliebt. Mache Besuche, oder gieb nur Karten ab, oder mache keine
Sonnabend Spätuachmtttag dieser Woche stattfinden, mtt der Ablehnung der Regierungsforderung enden, worauf dann die Auflösung des Reichstages publiziert werden wird. — Der Staatssekretär im ReichS- justizamt, Hanauer, der erkrankt war, befindet sich recht bedenklich. Der Pattmt steht im 65. Lebensjahre. — Ein wahrer Regm von UnrichttgkeitS- erklärungen ist in den letzten Tagen herniedergegangen. Daß der Kaiser mit dem Papste über die Militärvorlage verhandelt und zu dem Kardinal Ledochowski nicht die Worte gebraucht hat, jener möge das Vorgefallene vergessen, ist bekannt. Ebmso unrichtig ist auch die Meldung, der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen, Staatssekretär von Marschall, habe mit dem Papste oder mtt einem Bevollmächtigten der Curie wegen Rückkehr der Jesuiten nach Deutschland gesprochm, und ebenso unzutreffend ist. daß der russische Großfürst Wladimir bei der Galatafel im Quirinalpalaste zu Rom mit dem Vertreter Frankreichs unter bezeichnenden Worten auf das Wohl der französischen Republik angestoßen habe, als der Kaiser auf das Wohl des italienischen Königs- paares trank. — Die russische Antwortnote mit Gegenvorschlägen auf die von deutscher Seite an die Gewährung des Konventionaltarifs geknüpften Bedingungen ist an amtlicher Stelle hier überreicht worden. Die Prüfung der einzelnen Punkte wird selbstverständlich eine sehr gewissenhafte fein, möglicherweise ergiebt sich, wie die „Post" berichtet, die Notwendigkeit zu Rückfragen, jedenfalls aber ist ein baldiger Abschluß der Verhandlungen nicht zu erwarten. — Gegen den anttsemttischen Agitator Schwenuhagen in Berlin ist jetzt auch wegen seiner ungeheuerlichen Angriffe gegen den Finanzminister Miquel als früheren juristischen Beirat der Diskontogesellschaft in zwei antisemittschen Versammlungen das Strafverfahren eröffnet worden. — Das Abkommen zwischen Deutschland und England über die westliche Zollgrenze von Kamerun wird nunmehr vom „Reichsonz." veröffentlicht. Es hat lediglich im Jntereffe der Zollverwaltung die Festsetzung des strettig gewesenen „oberen Endes" des Rio del Rey und der Grenze am unteren Teil dieses Wasserlaufs bis zum Meere zum Gegenstand, um bie* beiderseitigen Verwaltungen der Nachbarkolonien in die Lage zu versetzen, dem im Gebiet des Siiv del Rey betriebenen schwunghaften Schmuggel Eiuhatt zu thun. — Ein Wandel scheint sich in der Auffassung bet „N. Allg. Ztg." vom Antisemitismus vollzogen zu haben. Währenb das Blatt bisher in dieser Frage
Besuche, mir ist es gleich Equipage und Dienerschaft stehen zu Deiner Verfügung, benutze sie, oder bleibe zu Hause, wie Du willst. Thue, was Dir gefällt, und Du wirst mir gefallen."
„Du bist sehr gütig," sagte sie gelassen.
„Das ist auch meine Absicht," entgegnete er. „Ich habe meinen Klub und meine Freunde, also brauchst Du auf mich keine Rücksicht zu nehmen."
Diese Ordnung der Dinge war Eva'« müdem erstarrtem Herzen äußerst willkommen. Sie befahl den Wagen, und anstatt Besuche zu machen, gab sie nur ihre Karte ab und fuhr dann in der Stadt umher.
Der Anblick der geräuschvoll hin und her wogenden Menge konnte den düsteren Kummer zwar nicht verscheuchen, der auf ihr lastete, allein er gewährte ihr dennoch eine erleichternde Zerstreuung, wenn er ihr auch zuweilen die furchtbare Wahrheit in das Gedächtnis zurückrief, daß sie die Gattin Günther von Dürrenstein's fei und allein, ganz allein in dieser großen, weiten, geschäftigen Welt dastehe.
Manchmal durchzuckte sie ein sonderbarer Gedanke und trieb sie an, fich zitternd in die Kissen des Wagens zurückzulehnen. Konnte e» nicht möglich fein, daß unter dieser Menge von Gesichtern, welche an dem Wagen vorüberkamm, auch das eine, welche» stets ihre Gedanken beschäftigte, das Gesicht Adalbert Walter's, plötzlich vor ihr austauchte? Und bei der bloßen Annahme eines solchen Zufalles pochte ihr Herz in schnelleren Schlägen und dumpfe Trostlosigkeit ergriff sie. Vor ihrer Heirat war es beschämend gewesen, an ihn zu denken, und jetzt war es sündhaft.
So vergingen die Tage, und Dürrenstein schien kein besonderes Verlangen z» empfinden, die Residenz zu verlassen. Er war den ganzen Tag aus und
die jüdisch-freisinnigen Ansichten vertrat, unterscheidet es jetzt den „Ahlwardttsmus" vom Antisemitismus und schreibt, es sei ein Jrrthnm, in Herrn Ahlwardt einen anttsemttischen Propagandisten zu erblicken. „Ein solcher Jrrthnm konnte allerdings durch eint» Teil der antisemitischen Presse hervorgerufen werden; seither ist aber die Erkenntnis wohl schon allgemein getoorben, daß dem Antisemitismus, soweit derselbe überhaupt ernsthaft genommen sein will, ein verderblicherer Feind gar nicht erstehen konnte, als der Rektor Ahlwardt". — Die „Freis. Ztg." veröffentlicht eine« Brief AhlwardtS an de» Oberinspektor Crohn vom 25. Januar 1885, in dem es n. a. heißt: „Die antisemitische Bewegung habe ich von Anfang an verdammt, weil eS ein unerhörter Unsinn ist, einen Menschen seiner Religion wegen zu loben ober zu tadeln. Das metaphysische Bedürfnis hat überall Religionen geschaffen, die schließlich für die gegebenen Verhältnisse überall die beste» find. Im Grunde ist es überall dieselbe geheimnisvolle Macht, zu der tote unfern Blick erheben. Mag diese Macht nun Gott ober Allah ober Brahma heißen. Ich verbamme es baher, und habe es von jeher verdammt, einen Menschen seines religiösen Bekenntniffes halber anzufechten .... Wer mich einen Antisemiten nennt, spricht aus Unkenntnis oder mtt der Absicht, mich zu verleumden. Gerade unter Inden habe ich seit Jahren meine beste» Freunde. Auch die Wucherer, die mich ruiniert haben, sind nur zum kleinsten Teil Juden ... Sollten Sie mir helfen, so werden Sie doch nicht von mir verlange», baß ich das Geringste gegen meine Uebergeugnng thun soll, aber das verspreche ich Ihnen auf Ehrenwort, und bas halte ich, auch roemt Sie fich von mit toenben, jebe religiöse Intoleranz bekämpft ich bis zum letzte» Atemzuge!"
— Die Ahlwardt - Kom Mission bes Reichstages hat ihre Arbeiten am Sounabenb beenbet, nachdem schon am Freitag von den mit der Prüfung der Ahlwardtsche» Akten betrauten Abgg. Porsch (Zentrum) und Bebel (Soz.) erklärt war, daß sie nichts zum Beweise der Ahlwardtschen Behauptungen enthielten, und ein Bries, der Anschuldigungen gegen den Finanzminister Miquel beweisen sollte, als gefälscht erkannt war. Außerordentlich peinlich wirkte es, daß Ahlwardt vor der Kommission mit derarttg defekten Beinkleidem erschien, daß der Vorsitzende Graf Ballestrem ihn öffentlich aufforderte, seine Blöße an der bedenklichsten Stelle zu bedecken. I» der Sonnabendfitzung, welcher eine Unterredung zwischen dem Referenten Abg. Porsch und dem Abg. Ahlwardt vorangegangeu war, kon-
kam oft spät in der Nacht nach Hause. Eva konnte ihn gegen Morgen stets hören, wenn er mit schweren, schleppenden Schritten fein neben dem ihrigen befindliches Zimmer betrat.
Sie fragte ihn nie, wie er seine Zeit verbrachte. Seine Freunde und sein Klub nahmen ihn in An- spruch, wie er ihr gesagt hatte, aber sie hatte keine Ahnung davon, daß er fich wieder mit Leib und Seele dem Hazardspiele ergeben hatte.
Er hatte einst selbst gesagt, daß die Spielwut den Dürrenstein's im Blute läge und er hatte wahr aesprochen. Er war fest entschlossen gewesen, nach seiner Heirat keine Karte mehr anzurühren, aber schon am ersten Tage feiner Ankunft in der Residenz lenkte er unwillkürlich seine Schritte nach dem Klub, wo im Geheimen der Glücksgöttin gehuldigt wurde und verbrachte dort den größten Teil seiner Zeit.
Als der für ihre Abreise bestimmte Tag gekommen, hatte er sie gefragt, ob es ihr recht fein würde, noch einige Tage länger zu bleiben.
„Wie Du willst," hatte sie geantwortet, „ich bin damit zufrieden."
„Nun, wenn Du wirklich nichts dagegen hast," sagte er, zu ihr aussehend, während sie gedankenlos mit den Quasten ihres Morgenkleides spielte, „so wollen wir unsere Abreise verschieben. Ich bin mehrere Engagements eingegangen, welche ich nicht gern brechen möchte "
„Um meinetwillen lasse Dich auf keinen Fall abhalten," unterbrach sie ihn. „Ich bin ganz ein* verstanden, so lange hier zu bleiben, wie es Dir gefällt."
„Wie hübsch von Dir," sagte er, ausstehend, als wollte er sie küssen, allein sie stand ebenfalls auf und trat an das Fenster, während er that, als habe