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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
Sn« M* Sotef. b,m"‘ro Jllustrirtes SonntagSblatt. Verantwortlicher ExpedÜwn: Marü"si""^ Mm»««
Marburg,
Dienstag, 11. April 1893.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und --/• n * Feiertagen.—Qnartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe-
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Die Exped. der „Oberhesi. Ztg."
Deutsches Reich.
Itertt«, 8. April. Me heutigen Morgenstunden brachte der Kaiser mit Erledigung von Regierungs- angelegenheite« in seinem Arbeitszimmer zu und unternahm darauf gegen 9 Uhr mit der Kaiserin eine gemeinsame Spazierfahrt, von welcher dieselben um 10 Uhr zurückkehrten. Bald darauf hörte der Monarch den Vortrag deS Chefs des Generalstabes der Armee General der Kavallerie und Generaladjutant Graf v. Schlieffen II und arbeitete im Anschluß hieran längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinetts General der Infanterie und Generaladjutaut von Hahnke. Mittags 12 Uhr gewährte der Kaiser dem Maler Profeffor Keller im Königlichen Schlöffe eine Sitzung. Nachmittags 1 Uhr nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und empfing sodann den ueuernannten königlich sächfischeu Militärbevoll- mächtigten Major Graf Vitzthum und den neuernannten Militärattache bei der hiesigen königlich schwedischnorwegischen Gesandtschaft Hauptmann Rustad. — DaS Befinden der Prinzessin Friedrich Leopold, sowie deS neugeborenen Prinzen, ist nach dem heute ausgegebenen Bülletiu den Umständen nach zufriedenstellend. Die Prinzessin Friedrich Leopold begeht heute ihr Geburtsfest. — Der Kaiser und die Kaiserin werden auf ihrer Reise »ach Rom am 20. d. M. um 9 Uhr früh in Chiuf eintreffen »nd dort von den dem Kaiser zugeteilte» Generalen de Sounaz und Sterpone, den königlichen Adjutanten General San Georgio und Oberstleutnant Paolucct, sowie von dem Militärattache bei der italienischen Botschaft in Berlin, Oberst Zuccari, empfangen werden. Auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers unterbleibt auf der Linie Chiasso-Chiust jede amtliche Begrüßung. Am Mittwoch sind in Rom drei Polizeiiuspektoren aus Berlin mit mehreren Beamten eingetroffen und haben sich mit dem
-er Sieg -er Liebe.
Roman von Z. v. vöttcheki
sRachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Dar war aber zu viel für Betty, mit einem Sprunge war sie auf und stand ihrer Anklägerin gegenüber.
„Ich soll es offen eingestehen? Ich, die ich diese« Gefäß bis zu diesem Augenblick nie gesehen und nie ein Wort verraten habe! Ich soll eingestehen, daß ich Junker Adalbert geholfen, soll Junker Adalbert fälschlich anklagen, der eher sich in Stücke reißen ließe, als daß er sich an etwas vergriffe, was Herrn von Dürrenstein gehöre! Nein, Sie mögen mir nicht glauben, er mag mir nicht glauben, die ganze Welt mag mich, wie Sie, für schlecht halten, aber ich biete Allen die Sttrn. Und wenn sie mich auch ins Gefängnis schleppen, so werde ich aus dem Wege dahin noch laut schreien, daß Junker Adalbert ebenso unschuldig ist wie ich!" Dabei sah sie mit glühenden Wangen und keuchendem Atem ihrer Peinigerin in das Gesicht.
Adelheid sah ein, daß sie zu weit gegangen sei.
„Es ist sehr eigentümlich," murmelte sie, als ob infolge von Betty's entschiedener Zurückweisung der Beschuldigung ein Schimmer von Zweifel in ihr aufgetaucht sei. „Können Sie Ihre Unschuld beschwören, Betty?"
„Ja, das kann ich, Fräulein, und ebensowoh will ich beschwören, da» auch Junker Adalbert unschuldig ist!"
„Dann," sagte Adelheid, sich auf einen Stuh finken lastend, „wie können Sie eine Erklärung dafür geben, daß diese Base sich hier befindet?"
„Da» kann ich nicht," erwiderte Betty, mit einem unwillkürlichen Schauder auf die Base blickend
Kommeudatore Ramognino, dem obersten Leiter der römischen Sicherheitsbehörde, in Verbindung gesetzt. — Die Internationale kriminalistische Vereinigung hat heute ihre Arbetten beendet. Die nächste Versammlung findet im Jahre 1894 in Freiburg i. Br., der nächste internationale Kongreß vom 26. bis zum 28. Juni desselben Jahres in Paris statt. Die Teilnehmer des Kongresses besuchten heute unter Fühmng der betteffenden Anstaltsletter die Strafanstalten in Moabit und Plötzensee, sowie das städtische Erziehungshaus in Rummelsburg. Abends fand Empfang in der Juristischen Gesellschaft statt, wo der Regierungsrat Professor Dr. Hiller-Czernowitz einen Vortrag über die strafrechtliche Behandlung der Trunksucht hielt. — Der russische kommandierende General Gurk» traf heute ftüh auS Petersburg hier ein, verweilte einige Stunden in Berlin und setzte daun seine Reise nach Paris weiter fort. — Nach der „910101 Pr. Ztg." wird der Gouverneur von Ostaftika, Frhr. v. Soden, nach Ablanf seines sechsmonatlichen UrlanbS wahrscheinlich auS dem Reichsdienste ausscheiden. — lieber den Anteil Deutschlands an der Einfuhr in den Vereinigten Staaten von Amerika bringt der neueste Jahresbericht des österreichisch-ungarischen Generalkonsulats in Newyork eine Reihe bemerkenswerter Angaben, die ein recht erfteulicheS Bild von der Bedentuug des amerikanischen Marktes für die dentfche Industrie liefern. Fast bei allen Waarengruppen macht der Anteil Deutschlands über 20 bis 50 Proz. der Gesamteinfuhr aus. ES gilt dies insbesondere auch von Baumwoll-, Seiden- nnd Wollwaareu, in denen doch England und Frankreich starke Mitbewerber sind. Die Mac Kinley-Bill hat diesen deutschen Absatz nur zum Teil nachteilig beeinfluffeu können, und es ist wohl nicht zn zweifeln, daß die Aussichten für die deutsche Ausfuhr auch ferner sich günstig entwickeln werden, wenn die im vorigen Jahre hergestellten handelspolittschen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten neue Verkehrserleichterungen im Gefolge haben. — lieber den „Rad au- antisemitiSmus" sprach sich Hofprediger Stöcker in einer christlich-sozialen Versammlung in der Berliner Tonhalle anS. Er erklärte: „Der Radan muß zuerst verschwinden, dann hat die anttsemittsche Bewegung Aussicht auf einen endlichen Sieg. Durch wüste Volksversammlungen mit Radau, Lorbeerkränzen und vielen Einnahmen erleidet fie nur Schaden." (Starker Beifall und vereinzelter Wider- spruch.) Wie es die Böckelianer treiben, das sei
„Ich bin nur ein einfaches Mädchen, Fräulein Adelheid, wie könnte ich das erklären? Ich weiß nur, daß Junker Adalbert sie nicht hierhergebrachthat."
„Das ist gleichgiltig, aber fie ist einmal hier Sie und ich fanden sie. Die Polizei wird Kenntnis davon nehmen. Diese Thatsache und daß man ihn um die Silberkammer Herumschleichen gesehen, wird dem Richter Beweis genug sein, ihn auf zwanzig Jahre ins Zuchthaus zu schicken Betty Bedenken Sie das!"
„Der arme Junker Adalbert, der arme Junker Adalbert I" jammerte Betty in Thränen ausbrechend.
„Sie werden seiner gewiß habhaft werden, und Sie werden gegen ihn zeugen muffen," fuhr Adelheid erbarmungslos fort. „Sie werden die Beweismittel liefern, ihn in das Zuchthaus zu bringen."
»Ich — ich — Fräulein Adelheid?"
„Za, Sie! Denken Sie, man wird Ihnen glauben, wenn Sie behaupten Sie hätten chm gestern, Abend nichts gesagt? Hat jemand Sie hier mi ihm gesehen? Denken Sie nach,"
„Ja," schluchzte Betty, „Blind hat uns gesehen, und er ging mit mir nach dem Schlosse zurück."
„Ah, ein neuer Anhaltspunkt," rief Adelheid. „Sie werden Blind als Zeugen aufrufen, um zu beweisen, daß Sie hier mit ihm allein waren. Betty, wie konnten Sie hierher gehen? Ihr guter Name —" E«
Betty's) Schluchzen übertäubte die folgenden Worte.
„Und bald darauf wurde der Diebstahl begangen. Alles spricht gegen ihn, wie Sie sehen." Sie hielt inne, um Betty zu Atem kommen zu kaffen. „Also Sie halten Adalbert Walter immer noch für unschuldig?"
eine Schande, ja ein Wahnsinn. Böckel wolle ihn, Stöcker, auS feinem Siegener Wahlkreise verdrängen, :erner habe der Redakteur des „Reichsherold" in öffentlicher Versammlung erklärt, die Antisemiten sollten hundert Mal lieber einen Sozialdemokraten als einen Konservativen wählen. Mit solchen Wahnsinnigen könne er nicht Politik treiben. — Londoner Blätter veröffentlichen ein Interview deS englischen Schriftstellers und Samoa-AgitatorS Stephenson über die Lage in Samoa. Stephenson spricht sich gegen den Oberrichter v. Cedercrantz, der inzwischen bekanntlich seinen Rücktritt «»gekündigt hat, und gegen den Vorsitzenden des MunicipalratS, Senfft v. Pilsach, a»S, erklärte ober, gegen die Deutschen in Samoa nichts zu fagen zu habe». Wie jeder Kenner der samoanischen Verhältnisse, äußerte sich auch Stephenson sehr abfällig Über die jetzige Dreiteilung der Herrschaft in Samoa und erklärte die Errichtung eines Protektorates durch eine bestimmte Macht für das einzig Richtige. Er wollte, als er danach gefragt wurde, jene Macht nicht namhaft machen, eS steht aber, wie wir schon mehrfach ausgeführt haben, nach Sage der Ätereffenverhältnisie außer allem Zweifel, daß Deutschland das größte Anrecht auf die Errichtung eines samoanischen Protektorates hat.
— ES kommt nicht allzu häufig vor, daß mau in ausländischen Blättern die Deutschen loben hört; besonders beachtens, wert ober ist es, wen» dies in einem englischen Blatte geschieht. Die Wochenschrift „Money and Trade" enthält in ihrer letzten Nummer einen Artikel mit der Ueberfdjrift „Warum die Deutschen uns schlagen", darin heißt es:
„Studiere den Geschmack Deiner Käufer und Du wirst den Markt beherrschen" ist ein Axiom, dessen Verwirklichung sich nicht die Engländer, wohl aber die Deutschen angelegen fein laffen. Englische Fabrikanten verlassen sich zu sehr auf die Güte der von ihnen angefertigten Maaren, paffen fie ober nicht den auf verschiedenen Märkten vorherrschenden Geschmacksrichtungen an. Ties thnt nun der Deutsche in hohem Grade. Englische Maaren fie die besten, sagt die Zeitschrift, und würden eines schnellen Verkaufes sicher fein, wenn fie den Bedürfnissen besonders der halb- zivilifierten Konsumenten entsprechend hergestellt würde». Der englische Vizekonsul in Alexandrien erklärte jüngst, daß englische Firmen AuSschnßwaaren dorthin senden, während sich die Deutschen bemühte», die Wünsche und Gewohnheiten der eingeborenen Käufer zu studieren. Daher kommt eS, daß in Columbia z. B.
„Ich weiß, daß er die Thai nicht begangen hat," stöhnte das arme Geschöpf.
„Was glauben Sie denn? Wie ist die Vase hierhergekommen?"
„Ich kann es nicht sagen — ich weiß e« nicht; wenn nicht —"
Sie hielt inne und richtete ihr bleiche« Gesicht gegen die Fragcrin.
„Wenn nicht, was?"
„Wenn nicht Herr von Türrenstein die Vase selbst dorthin gestellt hat, um auf Junker Adalbert den Verdacht zu lenken, ihn bestohlen zu haben!" flüsterte fie leise.
Adelheid prallte zurück, diesmal wirklich erschrocken Das einfältige unschuldige Mädchen hatte die Wahrheit gesprochen.
Einen Augenblick war sie überwältigt und blickte stumm zu Boden, dann aber blitzte es in ihren Augen auf.
„Glauben Sie das wftklich, Betty?"
„Ja, ich glaube es," versicherte Betty im Tone der Ueberjeugung.
„Er wäre dazu im stände, ich kenne ihn, Fräulein Adelheid! Er würde vor nichts zurückschrecken Alle Leute kennen ihn und roiffen auch, daß er Alles daran fetzen würde, um einen Menschen, den er haßt, ins Unglück zu stürzen, trotz seine» kalten ruhigen Aeußern."
„So," murmelte Adelheid. „Sie denken, daß Herr von Dürrenstein die Vase hierher gebracht hätte? Es — nein, ich halte das nicht für wahr- fcheinlich, Betty, — es wäre zu kindisch — allein es ist möglich. Und wenn er e« gethan hätte, wäre Walter schlimmer daran al» je."
„Fräulein!"
„Ja; denn Herr von Dürrenstein hält ihn dann
alle Sättel von Frankreich, alle „Machetes" vo» Deutschland und alle Wassergläser und gewöhnliche» GlaSwaaren von Amerika ober den beiden genannten Ländern gekauft werden. Außerdem kennen die »eutschen Reisendden die Sprache deS Landes, in de« te Geschäfte machen, während der englische Reisende n den meisten Fällen das entweder gar nicht ober nur unvollkommen thnt."
Nicht minder erfteulich als vorstehende Aeußerung st das Lob, das amerikanische Blätter, freilich »nr n der Absicht, ihre eigenen Landsleute anzufeuer», den Deutschen spenden. die sich an der Weltausstellung in Chicago beteiligen. So schreibt die Chicagoer „Daily News" in einem Artikel mit der Ueberschrift „Look out for Gennany“:
„Wenn die amerikanischen Aussteller ihre Arbeite» nicht lebhafter betreiben, so werden fie durch die Vorbereitungen der Deutschen in den Schatten gestellt werden. Die Thaikrast, welche diese europäische Großmacht im Vorberetten, Verschiffen und Anordnen, der Ausstellungsgüter entwickelte, ist sehr bemerkenswert. Früher herrschte die Meinung, daß die deutschen Kaufleute und Fabrikanten schwerfällig und langsam seien. Diese allgemeine Ansicht scheint nunmehr geändert werden zu müffen, denn es steht fest, daß keine andere Nation diesseits oder jenseits deS großen Wassers ein lebhafteres Bestteben zeigte, in den großen Wettstreit einzutteten, als gerade die deutsche. Dieses Land wird zur Weltausstellung Güter im Gesamtwerte von zehn Millionen Dollars senden. Solche Zahlen sprechen für sich selbst, und eS ist am Platze, die amerikanischen Aussteller zu warnen und zu erhöhter Thätigkeit anzueifem, damit sie in ihrer eigenen Ausstellung nicht hinter den ftemden Nattone» zurückbleiben."
— Die französische Regierung hat i» dem vielbesprochenen Falle Kurtz Deut sch- landvoll ständige Genugthuung geleistet. Die „Nordd. Allg. Ztg." macht darüber in Sperrdruck folgende Mitteilung: „Vor Kurzem ist ein Deutscher, Gustav Kurtz, Roßarzt der Reserve, in Rouen unter dem angeblichen Verdacht der Spionage verhaftet und, nachdem dieser Verdacht fich als völlig unbegründet erwiesen hatte, ausgewiesen worden. Unmittelbar nach seiner Verhaftung hatte Herr Kurtz der ftanzösischen Behöri e einen Brief an den deutschen Botschafter in Paris zur Beförderung übergeben. Dieser Brief ist erst, nachdem Herr Kurtz nach mehrtägiger Haft wieder freigelaffen und demnächst aus» gewiesen worden war, an seine Bestimmung gelangt. Gegen die Ausweisung an sich, obwohl fie unter
an Händen und Füßen gebunden! Er wirb erfahre», daß Sie hier waren, und auch, daß ich Ihnen da» Geheimnis verraten habe!"
„Wieso?" fragte Betty.
„Er wird un» Beide als Zeugen Vorschlägen und dann werden die Richter un« schon Alles entlocken und Alles zum Nachteil auslegen."
Betty stöhnte leise.
„Mein arme« Mädchen, denken Sie nur, wie schrecklich, wenn Ihr Beide in das Gefängni» müßtet!"
„O, Fräulein Adelheid," rief Betty, dm Arm ihrer Peinigerin angstvoll ergreifend, „wir sind Beide unschuldig! O, retten Sie, retten Sie un«!"
„Wie gern würde ich das thun; aber wie kann ich? Warten Sie, lassen Sie mich überlegen. Sprechen Sie nicht."
Sie legte die Hand an die Stirn, wie in tiefes Nachdenken versunken und ging im Zimmer auf und ob. Dann blieb fie vor dem zitternden Mädchen stehen.
„Ich habe einen Plan erdacht, Betty," sagte fie feierlich. „Halten Sie sich für stark genug, denselben ausführen zu können?"
„Ich weiß es nicht, Fräulein."
„Sie und Adalbert Walter zu retten!"
„Ihn zu retten, bin ich zu Allem bereit!" beteuerte Betty mit erstickter Stimme.
„Das ist recht- Jetzt weinen Sie nicht mehr, sondern hören mich aufmerksam an. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Herr von Dürrenstein wirb bald mit der Polizei hier sein und man wird Sie und die Vase finden. Da» darf nicht fein."
„Nein, Fräulein "
„Ich werde die Vase nehmen und fie verstecken," fuhr Adelheid fort- „Es ist zwar ein gefährliche«