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Berantworüicher Redakteur: Christoph NautenhauS tu Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.
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Freitag, 31. März 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt a. M., Berlm, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 30. März. Unfet Soifer hörte am Mittwoch Vormittag im Schlosse den Vortrag des Staatssekretärs des Aeußeren und darauf denjenigen des Kriegsministers von Kaltenborx. Sodann begab sich der Kaiser nach Jüterbogk und wohnte daselbst einer Gefechtsübung der Infanterie-Schieß- schnle bei. Nach Schluß der Uebuug »ahm der Monarch an dem dort stattgehabten Frühstück teil, worauf die Rückkehr nach Berlin erfolgte. — Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Gesetze betr. die Abänderung des § 69 des Strafgesetzbuchs für das deutsche Reich, betr. die Erweiterung der Stadtgemeinde und des Stadtkreises Kiel, das Gesetz zur Abänderung der §§ 26—30 des Gesetzes betr. die Verfaffung der Verwaltungsgerichte und das Verwaltungsstreitverfahren vom 3. Juli 1875, 2. August 1880, sowie die Verordnung betr. die Einführung des Gesetzes vom 20. Mai 1887 ix Helgoland. — Die Kommission über den Gesetzentwurf gegen den Verrat mtlitärisch erGeheimnisse hat durch den uationalliberalen Abgeordneten Schneider (Hamm) einen schriftlichen Bericht über ihre Beratungen Herstellen lassen. — Der Bericht der Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Steuer- reformgesetze ist soeben erschienen. Derselbe ist von dem linksnationalliberalen Abgeordneten Dr. Krause erstattet worden. — Das Armee-Verordnungsblatt publiziert Aenderungen der Landwehr-Bezirkseinteilung innerhalb des 6., 7., 8., 9. und 14. Armeekorps. — Gegen die agrarischen Bestrebungen haben sich die kaufmännischen Vorstände der drei bedeutendsten hinterpommerschen Handelsplätze, Stolp, Cöslin und Colberg, in einer gemeinsamen Eingabe an de» Reichskanzler gewendet. Sie sprechen sich dahin aus, daß das Zustandekommen des Handelsvertrages mit Rußland zum großen Vorteil Deutschlands gereichen werde. — Die „Nordd. Allgemeine Zeitung* bringt in einem hochoffiziösen „Militarismus* überschriebenen Leitartikel einen erneuten Vorstoß zu Gunsten der Militärvorlage. Sie setzt zunächst auseinander, daß „Militarismus* ein unberechtigtes Schlagwort sei. Die Regierung verlange nur, »a8 notwendig sei, um daS Reich im nächsten Kriege gegen eine wahrscheinliche Niederlage zu sichern. Die Kosten seien erheblich, aber nicht unerschwinglich. Auf die Stimmung der Wahlkreise sich zu berufen, sei billig: denn leicht sei es, die Wähler gegen neue Steuer« einzunehmen, aber schwer, ihnen die Gefahren der Zukunft zum Bewußtsein zu
Aer Sieg der Liebe.
Roman von I. v. Böttcher:
,Rachdn»k Verboten.] (Fortsetzung.)
Der Hund, welcher anzunehmen schien, daß Adalbert seine Verfolgung aufgegeben habe, trabte gemächlich dahin, von Zeit zu Zeit stehen bleibend, um irgend einen Kaninchenbau zu untersuchen, und Adalbert folgte ihm beharrlich.
Jetzt kroch das Tier durch den Gitterzaun, welcher den Park von Bärenfelde von dem des Hauses Dürrenstein trennte und Adalbert, ganz von seiner Jagd in Anspruch genommen, kletterte, ohne sich zu bedenken, über den Zaun.
Fast ohne es zu wiffen, überschritt er den Grasplatz und befand sich vor dem Orchideenhause. Er erschrak und sah sich erstaunt um, während der Hund, die günstige Gelegenheit ergreifend, sich eiligst seinem Gesichtskreise entzog.
Adalbert blieb stehen, und sich den Schweiß von der Stirn ttocknend, wartete er, an die Treib- Hauswand gelehnt, ob seine Beute nicht wieder in Sicht kommen würde. Unwillkürlich blickte er dabei durch die Glasscheiben. Die Thür zu der Silberkammer stand offen und die Humpen und Urnen schimmerten im Mondenschein.
„Wenn Dormann auf etwas ausgeht, so ist es sicher etwas Befleres als ein Kaninchen/' kalkulierte er. „Warum muß aber auch ein reicher Mann seinem ärmeren Mitmenschen eine solche Versuchung vor Augen führen?* dachte er bitter. „Irgendein armer Schelm könnte zufällig all' das Silber sehen, und in einem Augenblick au» einem ehrlichen Mann rin Dieb werden, und dann fort mit ihm in da» Zuchthaus.*
Er wendete sich zu gehen, »lr Jemand ihm die
bringen. Dann wird betont, daß es sehr gefährlich für daS Reich sei, wenn eS den Gedanken im Auslande aufkommen ließe, es sei die deutsche Wehr- kraft denen der Feinde nicht mehr gewachsen. Wir stehen int Innern vor schweren Aufgaben, deren Lösung unsere ganze Kraft auf längere Zeit in An- spruch nehmen wird. Dazu bedürfen wir des Friedens, der uns aber, darüber kann kein Zweifel sein, nur so lange gesichert sein wird, als in unseren westlichen Nachbarn der Glaube, fie seien uns militärisch gewachsen, nicht aufkommen kann. Die Regierung, die die Jntereffen ihres Volkes wahrnimmt, müsse daher auf die Militärvorlage voll bestehen. — Die konservative „Kreuzzeitung* schreibt demgegenüber: „Wie wir zur Sache stehen, haben wir offen genug ausgesprochen: wir „blasen* nicht „fröhlich Fanfare* zm Auflösung, wie die „Post" uns imputiert, aber wir find der Ansicht, daß ein Zurückweicheu der verbündeten Regierungen von dem, was sie nach reiflicher Erwägung für die mllitärische und politische Sicherheit des Reiches für unbedingt notwendig erachten, nach außen eine Bankerotterklärung des Deutschen Reiches und nach innen eine Kapitulation vor dem Parlamentarismus bedeuten würde. Einer solchen Eventualität ziehe» wir das Risiko einer Reichstags-Auflösung mit allen Konsequenzen vor. Darin allerdings stimmen wir der „Konservativen Korrespondenz" durchaus bei, daß, sollte es zur Auflösung kommen, dann müssen „die verbündeten Regierungen mit einem festen Programm hervortteteu, in dem sie mit dem Manchestertum endgültig und entschieden brechen. Schreiten die Regierungen ohne eine solche Parole zur Reichstags-Auflösung, s» schaffen fie freie Bahn für die demokratische und sozialdemokratische Verhetzung, und fie geben der Demokratie zudem noch die Möglichkeit, sich den Wählern als die „festesten Stützen" der Reichsleitung avzupreisen." Im anderen Falle aber halten wir die Möglichkeit, daß die Wahlen für die Regierung günstig ausfallen, für keineswegs ausgeschlossen."
— Das Schreiben König Behanzins an die europäischen Mächte beginnt »ach „Reuters Bureau" folgendermaßen: Ich G'Behanzin Ayiy Jjere Bowele, rechtmäßiger König von Dahomeh, wünsche der Welt die wirkliche Ursache und den wahren Ursprung des Krieges, welchen die französische Regierung gegen mich und mein Volk führt, kund zu thun. Der erste König von Porto Novo, Tttgbami, war ein Prinz von Dahomeh, und seine Nachkommen haben seitdem das Land beherrscht. Alle diese Könige wurden als dahomehische Prinzen angesehen. (Nach einer längeren
Hand auf die Schulter legte. Adalbert blieb stehen und sah sich um. Es war Herrn von Dürrenstein's Kammerdiener, Fritz Krüger.
„Ah, Sie sind es, Junker Adalbert!* sagte er, seine Hand zurückziehend. „Wahrhaftig, ich erkannte Sie nicht bei der Dunkelheit, sondern hielt Sie für einen Dieb, der nach dem Silberzeug schnüffelte. Entschuldigen Sie. Nicht wahr, ein schöner Abend nach dem Regen?"
„Das ist esl* erwiderte Adalbert ernst. „Ich kam hierher, weil ich Paul Dormann's Hund verfolgte, der sich in den Büschen umhertrieb und dann über den Rasen davonlief. Ich denke, Sie werden ihn irgendwo im Gehöfte finden.
„Glauben Sie?" sagte Krüger. „Sonderbar, ich habe ihn nicht gesehen, obgleich ich um das Haus spazierte, um die frische Luft zu genießen."
„Er nahm diesen Weg,* entgegnete Adalbert verstimmt. „Ich verlor chn hier herum aus den Augen. Gute Nacht, Herr Krüger."
„Gute Nacht, Junker Adalbert, wollen Sie nicht hier bleiben und ein Glas Wein trinken?"
Adalbert schüttelte den Kopf.
„Nein, ich danke Ihnen, Krüger. Was ich sagen wollte, halten Sie es nicht für unvorsichtig, das Silberzeug dort aufzubewahren?"
Krüger drehte sich um und betrachtete wohlgefällig das Silber.
„Warum, Junker Adalbert?" meinte er lächelnd, „es hat jahraus jahrein dort gestanden, da» ist weiter nicht gefährlich."
„Nicht gefährlich?" »ersetzte Adalbert. „Nur geschützt durch eine Glasthür? Wenn irgend ein Fremder nun zufällig vorüberkommt?"
^Das ist nicht wohl anzunehmen,* sagte Krüger.
„Er kann auch absichtlich hierherkommen,* ent»
Darlegung über das Verhältnis zum jetzigen König Tofa von Porto Novo schließt das Schreiben): Ein Friedensvertrag wurde darauf zwischen uns gemacht urd von uns unterzeichnet. In demselben wurde festgesetzt, daß die Franzosen mir jährlich eine Summe zahlen sollten, weil sie Kotonu ungerechter Weise besetzt hatten. So endeten die ersten Feindseligkeiten zwischen mtt und den Franzosen. Der gegenwärtige Krieg gegen mich ist ebenso ungerechtfertigt wie der erste. Der ftanzöfische Gouverneur Ballot ließ auf meine Truppen, welche gegen die Wites engagiert waren, ohne jede Provokation unsererseits feuern. Meine Truppen erwiderten das Feuer. Nachdem ich vergeblich Botschafter au den Statthalter geschickt, um jedes Mißverständnis aufzuklären, bombardierten die ftanzöfischen Truppen Whydah, Godome und Abomeh-Kalavi. Ich hatte nichts gethan, um diesen Krieg zu provozieren. Die Franzosen waren auch in diesem Falle die Angreifer. Seit Jahrhunderten sind wir Dahomeher ein unabhängiges Volk, und es ist unsere Pflicht, unser Land mit unserem Leben zu verteidigen. Ich appelliere an die Gerechtigkeit und Humanität der zivilisierten Nattonen der Welt, nicht zu erlauben, daß die Franzosen sich unseres Landes bemächtigen. Ich bin bereit, einen Frieden, der mit der Gerechfigkeit und Ehre verttäglich ist, zu schließen, und ich appelliere insbesondere an daS ftanzöfische Volk, seine Ehre zu »indizieren, indem eS den von mir in gutem Glauben mit General DoddS in Cana abgeschloffenen Verttag, welcher ht so schmählicher Weise gebrochen wurde, anerkennt, und ich protestiere feierlichst gegen jeden Versuch, mein altes und tapferes Volk zu vernichten, und wende mich an alle großen Nationen der Erde und rufe fie flehentlich an, daß fie intervenieren und Gelegenheit darbieten, daß dasselbe mit seinem alten Prestige durch friedliche Mittel innerhalb des Einflusses der Zivilisatton gebracht werde. (Gezeichnet) G'Behanzin. Acreduten, Dahomeh, den 22. März 1893.
Kauuover, 29. März. Tie hannoverschen Welfen haben bereits in der Erwartung der Reichstags-Auflösung eine Kundgebung für die Neuwahlen erlassen; es heißt darin:
„Im Bewußtsein der Unantastbarkeit unserer unveräußerlichen Rechte auf unser angestammtes Fürstenhaus und auf die Selbständigkeit unseres Stammes innerhalb deS deutschen Reichs, fordern wir unsere Parteigenossen auf, mutig und unverzagt fortzukämpfen zum Heile Hannovers und zum Segen aller Länder des deutschen Reiches, welches nur auf der Grundlage unverbrüchlicher Rechtsordnung zu wahrem Ge
wartete Adalbert. „In diesem Augenblicke ist jener Bursche, der Dormann, sicherlich nicht weit von hier. Könnte er nicht ebenso gut den Schatz gesehen haben, wie ich?"
Krüger nickte mehrmals ernst.
„Sie haben ganz recht, Junker Adalbert, das dort sollte eigentlich nicht dastehen, sondern mit dem übrigen in dem Sicherheitsschranke! Aber Herr von Dürrenstein will e» so, und dagegen ist nichts zu machen. Ich habe ihn schon zwei- oder dreimal darauf aufmerksam gemacht, allein Sie kennen ihn ja. Er ist in einer Hinsicht wie ein Weib; wenn er sagt, er will, dann will er, darauf tonnen Sie sich verlassen, und wenn er nicht will, dann will er nicht, und es hilft kein Zureden."
„Ja, ich kenne ihn," erwiderte Adalbert. „Hoffentlich wird dem Silber nichts geschehen, Gute Nacht!" Damit schritt er davon.
Die ganze Nacht wälzte er sich unruhig auf seinem Lager hin und her, und mit dem Morgengrauen war er schon wieder auf und in den Ställen. Die Leute bemerkten nicht seine Bläffe und sein mißmutiges, zerstreutes Wesen, das so ganz verschieden von seiner gewöhnlichen munteren, fröhlichen Weise war, aber keiner machte gegen ihn eine Bemerkung darüber, obgleich der Oberkutscher sich gegen einen der anderen Bediensteten äußerte, daß Junker Adalbert alles so einrichte, als beabsichtigte er ganz plötzlich Bärenfelde zu verlassen.
Er suchte noch einige Leute auf, mit denen er inbezug auf die Pferde zu sprechen hatte, und ging am Abend nach seinem Häuschen zurück. Den ganzen Tag hatte er keine Nahrung zu sich genommen, und eben war er im Begriff, einen kleinen Imbiß zu genießen, als es an die Hausthür klopfte.
Sogleich sprang er auf und öffnete. Betty
deihen wird. Diesen Kampf mit allen gesetzlichen Mitteln fortzuführe», sind tott nächst Gott unser« angestamten Fürstenhause, unserm Vaterland, unfern Vätern, unser» Kindern und uns selbst schuldig. Wir erfülle» damtt nur eine Christenpflicht als Deutsche und Hannoveraner. Wir werden tteu unserm alten Wahlspruch „Für Wahrheit, Freiheit und Recht* fortkämpfen, des endlichen Sieges gewiß; denn nicht der Mensch, sondern Gott regiert die Welt und sorgt, daß Recht Recht bleibe."
Düsseldorf, 30. März. Unter zahlreicher Beteiligung fand in Düsseldorf eine Versammlung der Mittelparteien statt, die sich für die Annahme der Militärvorlage aussprach und die Resolution dem Bundesrat deS deutschen Reiches übersandte. .
ZSarmen, 30. März. Der Westfälische Bauernverein schloß sich der Erklärung deS ProvinzialvereinS in Sachen des Bundes der Landwirte an.
Kiek, 30. März. Die Kreuzerkorvette „Kaiserin Augusta" hat am Mittwoch Mittiag von Kiel aus die Reise »ach Amerika zur Flottenschau angetteten.
Aremer-ave«, 26. März. Der bereits mehrfach erwähnte berüchtigte Fieberplatz Brasiliens, der Hafen von Santos, hat wieder einmal von einem Dampfer deS Norddeutschen Lloyd zahlreiche Opfer gefordert. Von der aus 74 Mann bestehenden Besatzung deS Dampfers „Köln", welcher gestern von Brasilien hier eintraf, mußten in SantoS nicht weniger als 34 am gelben Fieber erkrankte Personen, also fast die halbe Mannschaft, ins Hospital gebracht werden. Von diesen sind 21 gestorben; von sechs Personen ist daS Schicksal unbekannt und sieben find genesen und bereits mit nach hier gekommeu. Besonders stark ist, wie die „Prov.-Ztg." erfährt, daS Maschinenpersonal vom Fieber ergriffen worden. Von Rio de Janeiro biS Bahia mußte der Dampfer sich mit brasilianischen Maschinisten behelfen.
Arnswakde, 30. März. Ahlwardt hält gegenwärtig eine Rundreise in seinem Wahlkreise. Die Reden find überall dieselben. Der Hauptgedanke war, man solle die Kosten der Militärvorlage, für die er eintreten will, nicht durch eine Steuer auf Bier und Wein, sondern auf Champagner und Luxuswaaren decken. Wäre der JnvalidenfondS anders eingerichtet worden, so würde der Staat heute um eine Milliarde reicher sei», die Börseujuden um so viel ärmer. Für seine Behauptungen werde er sechsmal so viel Beweise, wie er versprochen, auf den Tisch deS HauseS niederlegen.
Manu-ei», 30. Mäh. Daß der Ingenieur Reidel in Mannheim ebenfalls einen kugelsicheren Stoff
stand draußen. Sie errötete leicht, als er in seiner freundlichen Weise auf sie herablächelte und sagte:
„Nun, Betty, was steht zu Diensten?"
„Ach Junker Adalbert," sagte fie etwa» verlegen. „Ich war nicht sicher, ob Sie zu Hause wären, aber ich dachte, ich wollte einmal klopfen und zusehen."
„Nun, Sie sehen, ich bin hier," sagte er mit einem Versuche zu scherzen. „Was kann ich für Sie thun? Ist irgend etwas vorgefallen?"
„Nein, Junker Adalbert. Aber das gnädige Fräulein will sich eben zu einer Gesellschaft in Milkersdorf ankleiden und braucht einige wilde Clematis für ihr Haar, und da bin ich hierher gelaufen, sie zu pflücken, denn ich wußte, daß hier welche find. Ich sah, wie sie dieselben int vorigen Jahre pflanzten * Adalbert sah sie überrascht an.
«Hat Fräulein von Bärenfeld Sie um diese späte Abendstunde ausgeschickt, wilde Blumen zu pflücken, Betty?" fragte er ruhig.
„Nein, sie gewiß nicht," erwiderte Betty. ,,E» war Fräulein Braun. Ich ließ zufällig fallen, wie gut sich Clematis in Baroneß Eva's Haar ausnehmen würde, und Fräulein Braun, welche zugegen war, winkte mich beifeite und fragte mich, ob ich welche besorgen könnte. Ich sagte natürlich ja, und daß hier welche wüchsen. Sie schien erfreut, daß ich mich dessen erinnerte und sagte mir, ich solle sogleich gehen, sie zu holen.'
„Fürchten Sie sich denn nicht?" fragte er zerstreut-
„Mich fürchten? Hundertmal bin ich ja schon am Abend durch den Park gegangen. Was sollte mir auch begegnen ? Außerdem würde ich Fräulein Eva zu Gefallen mich vor nicht« scheuen."