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auf Regelung des Abzahlungsgeschäftes, auf Neu» Ordnung deS Wuchergesetzes, eine ganze Anzahl von Anträgen wegen Aenderungeu in der Gewerbeordnung, ein Entwurf bezüglich der Handwerkerlammeru sol noch kommen und was dergleichen mehr sind. Daß alles dies Gesetz wird, ist wohl ausgeschlossen, daS Meiste wird auch, wenn es angenommen wird, ab- geäodert zuvor werden, aber man weiß ja doch, daß etwas besser ist, als gar nichts. Viele Interessenten haben sich darüber doch gefreut, daß nun wenigstens etwas geschehen soll, wofür sie sympathisieren uud was ihren Interessen entspricht und nuu ist wieder alles in Frage gestellt. Es war ja gar nicht gesagt, daß diese gewerblichen Vorlagen in einem bestimmte« Sinne angenommen werden würden, geradeaus viel» seitigen Auffassungen, aber aus einer allgemeine« Sympathie für Handwerk und Gewerbe konnte sich Gutes uud Nützliches ergeben.
Yente noch in allen Stücken gut sein muß, was so viele Jahre früher als gut anerkannt wurde. Gewerbe- und Wirtschaftsgesetzgebung können, wenn sie richtig wirken sollen, nicht die Zeit zwingen, sondern müssen aus der Zeit entspringen. Es muß heute Manches geändert werden, das erkennt Jeder an, welcher im gewerblichen Leben des Mittelstandes Bescheid weiß, wenn auch zuzugeben ist, daß verschiedene Anschauungen iber den Umfang dieser Reformen obwalten können. Die Notwendigkeit zu Aenderungen besteht, und das ist es, weshalb die bezüglichen Klagen kein Ende nehmen wollen.
An jede Reichstagssession werden von Seiten der Handwerker und Gewerbtreibenden lebhafte Hoffnungen geknüpft, es wird immer wieder erwartet, daß einzelnen besonders brennenden Beschwcrdepunkten Abhilfe geschaffen wird; eS find das Fälle, in welchen es fich nicht um Fragen der Parteipolttik, sondern ganz lediglich um Vorkommnisse im praktischen Leben handelt. Man kann überhaupt einzelne Strömungen im gewerblichen Leben billigen »der nicht billigen, aber man sollvcrmeiden, fienur durch die Parteibrille zu betrachten. Ein Gewerbetreibender oder Handwerker kann ja wohl einmal etwas weittragende Wünsche stellen, aber das Motiv, welches ihm diese Wünsche diktiert, ist keine Parteistellung, keine Hinneigung zu dieser oder jener Richtung, sondern ganz einfach die Frage des täglichen Brodes und der täglichen Existenz. Der Magen scheert sich wenig um Parteien, es handelt sich da um thatsächliche Wünsche nach Besserung und nicht etwa um eine Liebedienerei zu Gunsten der Parteipolitik. Die Handwerker und der gewerbliche Mittelstand sind absolut keine Professionspolitiker, sie besitzen auch nicht die Fähigkeit, ihre Fordemngen in die Form hoher Poliftk zu kleiden, wohl aber ver- stehen sie, ihnen eine praktische Grundlage zu geben.
Es ist eine alte und bekannte Thatsache, daß die Gewerbegesetzgebung nicht die ausschlageude für eine Reichstagssesfion ist. Im Gegenteil steht sie ziemlich weit unten auf der parlamentarischen Leiter und so leicht der Reichstag wegen einer Militärvorlage aufgelöst werden kann, so schwer wird dies aus Anlaß eines Gewerbegesetzes der Fall sein. Reichs- tagsauflösung steht auch nun wieder in Sicht und mit ihrem Vollzüge würde alles, was an gewerblichen Gesetzesvorlagen im heutigen Reichstage vorgebracht worden ist, abermals vertagt sein und zwar wer weiß wie lange. Das ist eben die Thatsache, daß in allen solchen Zwischenfällen diese Vorlagen stets und ständig, fteiwillig oder unfteiwillig, zurückstehen müssen. Im Reichstage liegen die Gesetzentwürfe
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Deutsches Reich.
W. Werkt«, 29. März. Am Dienstag Vor» mittag unternahmen die kaiserlichen Majestäten eine gemeinsame A«sfahrt nach dem Tiergarten. Auf der Rückfahrt fuhr der Kaiser beim Reichskanzler- mlaiS v»r und nahm daselbst den Vortrag des Grafen Caprivi entgegen. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, nahm der Monarch den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts entgegenunb empfing den preußischen Gesandte» in München Grafen Eulenburg, sowie den bisherige» kgl. sächsischen Militärbevollmächtigten Generalmajor von Schlicken. Nachmittags nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und empfing darauf den Besuch des Herzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin anläßlich dessen Ernennung zum Leutnant z. S. — Wie nachttäglich gemeldet wird, hatte der Kaiser am Sonntag der Malerin Frau Parlaghy im Schlosse eine Porträtsitzung gewährt. — Gelegentlich der Anwesenheit des deutsche» Kaisers in Rom ist bekanntlich eine große Truppen- schan in Aussicht genommen. Außer der Garnison von Rom nehmen eine Anzahl Truppenteile von außerhalb teil. Insgesamt werden in Parade stehen: 12 Regimenter Infanterie, 4 Kavallerie, 4 Brigaden (i/z Regimenter) Feldartillerie mit im Ganzen 10 Feldbatterien, 2 Bergbatterien, 1 Regiment Festungsartillerie, Teile eines Genieregimeuts, 2Lehrabtcilungen. Das Paradefeld ist die Piazza d'Armi nordwestlich von Rom am Tiber. Bis zur Parade find allerdings noch etwa vier Wochen Zeit, und man kann mit Sicherheit erwarten, daß der hohe Gast wiederum
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Eine Reform der Gewerbegesetzgebung
ft im Reichstage infolge der aus dem Kreise der Gewerbetreibenden und Handwerker hervorgegangenen Klagen recht dringend gefordert worden. Mag bei den bezüglichen Wünschen auch ein nicht ganz unerheblicher Teil von einseittger Auffassung mit unterlaufen, so ist doch ohne Frage, daß fich die Verhältnisse des gewerblichen Mittelstandes in den letzten Jahren, eigentlich schon seit zehn Jahren, nicht unerheblich verschlechtert haben, und fich auch heute noch nicht zum Bessern wenden wollen. ES ist verfehlt, wenn man für diese Gestaltung der Zustände allein die deutsche Gesetzgebung, wie fie fich schon seit der zweiten Hälfte der sechsziger Jahre entwickelt hat, verantwortlich machen wollte. Es ist außerhalb der Gesetzgebung auch in wirtschaftlicher Beziehung Manches in derartigem Umfange geändert, daß alle heilsamen Schranken der Gesetzgebung dadurch niedergerisien wurden. Was wir heute zu bedauern haben an Ausschreitungen und Exzenttizitäten int gewerblichen Leben, entspringt zumteil der rasend schnellen Entwicklung in unserem heutigen Leben, gegen die der Einzelne, besonders wenn er materiell ungünstig gestellt ist, nicht aufkommeu kann. Neue Zeiten, neue Dinge, so ist es nun einmal, und hier läßt sich keinerlei Einschränkung ziehen. Anders liegen die Zustände, wenn lediglich die aus diesen Umständen erwachsenden Ausschreitungen in Betracht gezogen werden. Es kann keinem Zweifel mehr unterworfen sein, daß sich Manches im gewerblichen Leben zeigt, was besser fervbliebe, und daß durch daS Beschreiten eines nicht immer streng reellen Weges die vorhandenen Schwierigkeiten nur noch vermehrt werden. Diese Ausschreitungen haben um so mehr int gewerblichen Mittelstände Platz greifen können, als keine Wehr vorhanden war, welche hemmend sich bewähren konnte. Die gesetzlichen Vorschriften, welche unter ganz anderen Verhältnissen erlassen waren, genügten eben nicht für die neuen Zustände, und hieraus müßte sich die Notwendigkeit ergeben, zu Aenderungeu der Gesetzgebung überzugehen. Das ist mehr als einmal geschehen, aber doch immer nicht in dem Maßstabe, welcher geboten erschien. Gesetze sind Heiligtümer, die respektiert und befolgt sein wollen, so lange sie bestehen. Aber sie sind nicht für alle Ewigkeiten unantastbar. Was heute recht gut ist, ist nicht für alle Zeiten gut, und wenn es zu Ende der sechsziger Jahre gut und heilsam erschien, gewisse gesetzliche Fesseln zu lösen, so ist doch damit noch lange nicht gesagt, daß nun
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XXVIII. Jahrg
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Der Sieg der Liebe.
Roman von I. v. Böttcher^
sRachdruck »rrb»ten.s (Fortsetzung.)
„Gut und brav ist fie, aber einfältig,' entgegnete Eva. „Es ist gerade die Romantik, das Geheimnisvolle de» Gegenstandes, das sie reizt und veranlassen könnte, darüber zu sprechen, sei es nun zu ihrem Vater, sei es in der Bedientenstube —'
„Ja, ja, vielleicht zu ihrem Geliebten," murmelte Adelheid reumütig. „Ich sehe es ein, Sie haben recht. Ich habe wie gewöhnlich eine Dummheit begangen! Ich fürchte, ich werde diesen Fehler niemals ablegen. Sonderbar, daß Sie die Wichtigkeit des Geheimnisses sogleich erkannten; denn Sie untersagten mir an jenem Tage schon, weiter in ihn zu dringen. Und dennoch konnte ich e» nicht unter» lassen — um mich Ihrer Worte» zu bedienen — Herrn von Dürrenstein zu verlocken, mir das Geheimnis anzuvertrauen, um es wenige Stunden später in Gegenwart eines Dienstmädchen» auszu- plaudern. Ich bin ganz außer mir l O, verzechen Sie mir! JL bin nicht wert, daß man mir auch nur da» kleinste, winzigste Geheimnis anvertraut. Sagen Sie mir nie etwas, das verschwiegen bleiben soll. Ich schäme mich vor mir selbst.'
Eva legte liebevoll ihre Hand auf da» gebeugte Haupt der Freundin.
„Trösten Sie fich," sprach sie milde» „Vielleicht ist die Sache gar nicht so gefährlich. Aber immerhin ist e» mir unangenehm, daß Sie darüber gesprochen haben."
„Mir auch, aber unangenehm ist nicht »die rechte Bezeichnung für mein Bedauern, denn —
In diesem Augenblick trat Betty wieder ein.
„Bedürfen Sie meiner noch, gnädiges Fräulein?' fragte fie.
„Nein, ich danke," erwiderte Eva, und Betty wendete sich zu gehen.
„Einen Augenblick noch, Betty" sagte Adelheid, und Bctty kehrte um und näherte sich ihr.
„Betty, ich weiß, daß Sie ein brave» Mädchen sind," sagte Adelheid.
„Adelheid!" rief Eva warnend aus.
„Bitte, ich habe ihr nur ein einziges Wort zu sagen! Nicht wahr, Betty, Sie erzählen niemals weiter, was in Ihrer Gegenwart im Zimmer Ihrer Herrin gesprochen wird."
„Nein, gewiß nickt, Fräulein," versicherte Betty, verletzt über eine solche Voraussetzung.
„Das ist recht!" tief Adelheid mit einem triumphierenden Blick auf Eva. „Sie habm sich da, natürlich zur Pflicht gemacht. Allein, Betty, ich wünsche ganz besonders, daß Sie kein Wort über daü verlauten lassen, wa» ich von Herrn von Dürrenstein» Silberschrank und dem dazu gehörigen Schlüssel gesagt habe."
„Sicherlich werde ich auch darüber schweigen, Fräulein."
„Kein Wort, zu keinem Menschen!" fuhr Adelheid fort. „Weder in der Bedientenstube, noch zu Ihrem Vater."
„Nein, Fräulein," versicherte Betty.
Indessen schien Adelheid damit noch nicht zu- ftieden, fie war viel zu sehr besorgt, ihren Fehler wieder gut zu machen.
„Aber Sie wissen, Betty, daß Sie nicht allein im Schlosse, sondern auch außerhalb desselben Schweigen beobachten müssen; Sie dürfen auch keinem der jungen Leute davon erzählen, Sie brauchen
nicht rot zu werden, Betty, und besonders sagen Sie nichts davon zu Adalbert Walter."
Betty wurde noch röter als zuvor.
„Gewiß nicht," stammelte sie. „Ich würde sicherlich nicht daran denken, irgend etwas weiter zu erzählen, was Sie oder das gnädige Fräulein miteinander sprechen"
„Das ist hübsch von Ihnen, Betty!" rief Adel Heid. „Nun gute Nacht,' und Betty entfernte fich.
„Jetzt ist wieder alles in Ordnung," frohlockte Adelheid, indem sie auf stand und ihr goldenes Haar in einen dicken Knoten schlang. „Betty ist ein ordentliches Mädchen, auf das man sich verlassen kann! Aber Sie hatten Recht, mich zu schelten! Ich bin ein unbesonnene» gedankenloses Geschöpf, dem man kein wichtige» Geheimnis anvertrauen dürfte. Aber ich werde mich in dieser Weise nicht mehr versündigen, ich werde mich allen Geheim- niffen fern halten, da ich sehe, wie schlecht ich sie zu hüten weiß. Allein ich halte Sie auf, Sie »ollen zu Bette gehen. Gute Nacht!"
Eva stand neben ihr, die Brauen finster zu- sammengezogen
„Adelheid,' sagte fie langsam und ernst, „Sie — Sie nannten den Namen von —' sie machte eine kurze Pause, während welcher Adelheid wohlgefällig ihr eigene« Bild im Spiegel zu bettachten schien, „von Adalbert Walter,' fuhr sie fort, „welchen Grund haben Sie, ihn in Beziehung zu Betty zu bringen?"
Avelheid wendete die Augen nicht vom Spiegel ab, wozu auch? da fie Eva'S Gesicht darin beobachten konnte
„Habe ich das gethau? Nun, e» geschah nur, um mich Betty angenehm z» machen, die ein gutes Mädchen ist und mir gern kleine Dienste leistet.
ES fist ja bekannt, daß sie und Walter sehr be« freundet sind, wie sie es nennen."
Eva's Atem kam rasch und keuchend.
„Das ist Unsinn! Das ist Verleumdung!" stieß sie hervor, kaum wissend, was sie sagte.
„Wirklich?" meinte Adelheid leichthin- »Möglich» allein eS ist die allgemeine Ansicht, daß Betty und Walter ein Paar werden. Haben Sie nicht bemerkt, wie rot sie wurde, al» ich seinen Namm erwähnte?"
Eva wurde blaß und ihre Züge verfinsterten sich- -
„Sie sind im Irrtum, Adelheid," sagte fie stolz. „Adalbert Walter denkt nicht mehr an Betty, al» an jede Andere-'
„Nicht? Nun, e» thut mir leid, ihr das in den Kopf gefetzt zu haben. Ich wiederholte nur, was ich gehört hatte; denn natürlich erfahre ich mehr als Sie. Ich gehöre ja.sozusagen fast zu Ihnen, und Dinge erreichen meine Ohren, für die Ihre herrschaftlichen Ohren zu erhaben find. Aber was schadet das! Finden Sie indessen nicht auch, daß die Beiden für einander passen? Ach, wie müde ich bin! Gute Nacht, Siebe!" und sie legte ihre Arme um Eva's Nacken, küßte sie und begab sich in ihr Zimmer, warf sich auf ihr Bett und lachte, ein Lachen boshafter Schadenfreude und Befriedigung.
Die Mine war gegraben, der Zünder gelegt, e» bedurfte nur des Funkens, um sie zu sprengen.
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Adalbert Walter kehrte nach seinem Häuschen zurück, der glücklichste und zugleich der Unglücklichste aller Sterblichen- In einem Augenblick erfüllte ihn die Gewißheit, daß Eva ihn liebe, mit schwärmerischem Entzücken, im nächsten stürzte ihn die Erinnerung