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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei alle» Postämtern 2 Mk, 25 Psg. (exll. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Psg., ReÜamen tüt die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 19. März'1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caflel, Magdeburg und Wim; Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München ».Köln; G. L. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

mni. Jahrg.

Wochenschau.

Aelter find wir geworden, aber klüger nicht be­züglich der Entscheidung über die große Heeresvor- lage, welche nun schon seit Wochen und Monaten ganz Deutschland in immer mehr gesteigertem Maße beschäftigt, je mehr wir nns dem Abschlüsse der Ver­handlungen über die zweijährige Dienstzeit für die Infanterie und die Erhöhung der Friedenspräsenz­stärke der Armee näher». Wmn diese Zeilen in die Hände unserer Leser gelangen werden, wird die Militärkommission des Reichstages ihre Arbeiten be­endet haben, und das Resultat wird dort die Ab­lehnung aller Anträge und auch der Regierungs­vorlage selbst sein. Mehr als zwei Monate hat die Spezialprüfung gedauert, mehr als ein Vierteljahr ist schon unter Dutzenden von Reden und Berichte» verstrichen seit dem Tage, an welchem die Militär­vorlage dem Reichstage unterbreitet wurde, und die Dinge stehen noch immer auf genau demselben Fleck, wie zum Beginn der Erörterung. Die Reichsregierung sagt: die Verstärkung muß sein, wenn die zweijährige Dienstzeit eingeführt werden soll, der Reichstag sagt: die Forderungen find zu hoch. Bis zur endgiltigen Abstimmung im Parlament selbst ist es nun aller­dings ein gutes Stück Zeit noch hin, und die Zeit soll mitunter Rat bringen, dennoch aber wird es angebracht sein, sich mit der Möglichkeit der Reichs- tagsauflösung vertraut zu machen, zu welcher Maß­nahme die Reichsregierung schreiten wird, wenn kein vollständiges Einvernehmen erzielt wird. Es ist auch die Rede davon gewesen, Reichskanzler Graf Caprivi wolle bet einer Ablehnung der Militärvorlage seinen Posten aufgeben, aber die Unglaubwürdigkeit dieser Meldung war zu groß, als daß sie genauere Be­achtung hätte finden können. Dem Grafen Caprivi liegt nichts, wie er neulich erst versichert hat, an seinem Amt, aber in einer Krisis, die aus Militär­fragen «ntstand, wird er sicher am wenigsten sein verantwortungsreiches Amt niederlegen. Man kann nur wünschen, daß ein Ausgleich sich in aller Ruhe vollzieht; Handel und Wandel liegen bei uns im deutschen Reiche noch recht sehr darnieder, und durch die Unruhe und Aufregung des Wahlkampfes werden sie sicher erst recht nicht in Flor kommen. Unsicher stehts auch mit dem so viel besprochenen Handels­vertrag zwischen dem deutschen Reiche und Rußland.

Die Verhandlungen des Reichstages über den Reichshaushalt haben sich noch bis in die Mitte dieser Woche erstreckt, sind aber mut endlich zum Ab­schluß gekommen. Der Militäretat deflen Forderungen

Der Sieg -er Liebe.

Roman vo» I. v. Böttcheti

«Nachdruck verboten.!

(Fortsetzung^)

Er lachte.

Ja, ich weiß das Wort/ sagte er,und Nie­mand außer mir!*

Lasten Sie mich versuchen, e» zu finden/ sagte sie.

Er reichte ihr den Schlüffel und fie schob die Stücke hin und her.

Ach, ich kann keinen Sinn hineinbringen/ sagte fie ungeduldig.Ich glaube, Sie binden mir ettvas auf "

Aber Fräulein Braun! Wirllich ich 1* murmelte Frau Merlin

ES ist doch so einfach!* sagte Dürrenstein, den Schlüssel wieder an fich nehmend.Man braucht nur die Stücke des Bartes so zu ordnen, daß fie das eine Wort'

Halten Sie ein/ sagte Eva lächelnd,bitte, sagen Sie es uns nicht.*

Er hielt inne, und Adelheid schleuderte Eva einen Blick zu, einen sonderbaren Blick der Ent- täuschung und des unterdrückten Aergers.

Dürrenstein lachte.

Warum nicht?* fragte er.Ich fürchte nicht, daß Sie bei mir einbrechen und mit meinen silbernen Töpfen und Schüffeln davonlaufen werden. In der That stehen fie Ihnen zu Diensten, ohne daß Sie sich solcher Mühe und Arbett zu unterziehen brauchten.* Al» er sprach, verbeugte er fich gegen die drei Damen, allein sein Blick ruhte auf Eva, die leicht errötete.

Wirklich, Eva, da» war schlecht von Ihnen!' rief Adelheid mtt reizendem Schmollen.Sie haben

nach den Beschlüssen der Budgetkommission und im Einverständnis mit der Militärverwaltung genehmigt wurden, gab zu mancherlei recht lebhaften Erörterungen Anlaß. Besonders war es die Frage der Soldateu- mißhandlungen, ein leidiges Kapital, welches recht genau durchgesprochen wurde. Auch die Ahlwardt'schen Judenflinten kamen nochmals an die Reihe und auf mehrere Bemerkungen und Ausstellungen des Abg. Ahlwardt an diesen Gewehren erklärte der preußische Kriegsminister mehrere Tage später, die Löwe'schen Gewehre seien durchaus kriegsbrauchbar und ließen absolut nichts zu wünschen übrig. Da der Abg. Ahlwardt dieser Sitzung des Reichstages nicht bei­wohnte, wird die Affaire beider bevorstehenden dritten Etatsberatung noch einmal den Reichstag beschäftigen. Rach Erledigung von verschiedenen kleinen Gesetzent­würfen ist der Reichstag nunmehr zur Beratung der Abänderung des Unterstützungswohnsitzgesetzes über­gegangen. Die bezügliche Vorlage ist durch dringende Wünsche der Landwirtschaft bekanntlich verursacht worden. Im preußischen Abgeordnetenhause ist das neue Wahlgesetz angenommen, welches infolge der Steuerreform sich als nötig erwiesen hatte. Die einzelnen Bestimmungen find nach einem Kompromiß angenommen worden, welcher zwischen der konser­vativen Partei und der Zenttumspartei abgeschlossen ist. Das neue Gesetz enthält gauz außerordentlich komplizierte Bestimmungen, aber da nun einmal das Drciklassensystem, wie es bisher bestand, beibehalten werden sollte, so fand man eben nichts Besseres. In den nächsten Tagen nimmt nun das preußische Herrenhaus seine Arbeiten wieder auf, das bis zum Beginn der Osterferien noch eine ganze Reihe von Gesetzesvorlagen zu erledigen haben wird.

Die Reise des deustchen Kaiserpaares nach Rom, welche zu Ende des kommenden Monats von Statten gehen toirb, giebt wohl noch zu manchen Bemerkungen Anlaß, aber seitbem es feststeht, baß ber Reichs­kanzler Graf Caprivi an ber Fahrt nach bem Süden nicht teilnehmen wird, ist man doch allenthalben von bem Gebanken zurückgekommen, es könne sich hier um hochpolittsche Pläne handel». Die Dauer der Anwesenheit des Kaiserpaares im Süden wird nur eine beschräntte sein und nicht mehr als etwa andert­halb Wochen umfassen. Außer Rom wird voraus­sichtlich auch Neapel, nach der Rückkehr von Neapel nach Rom der Vatikan besucht werden. Auf der Heimreise gedenkt dann das Kaiserpaar die in Florenz weilende Königin Vittoria von England zu begrüßen. Verschiedentlich ist dem Kaiser in den letzten Tagen noch die Absicht zugeschriebeu, er wolle in Sachen

alles verdorben. Wir standen auf dem Punkte, das geheimnisvolle Wort zu erfahren, welches Frau Merlin und mich in den Stand gesetzt hätte, am ersten dunklen Abend in Masken und Filzschuhen hier einzuschleichen und uns an den hier aufge speicherten Schätzen zu bereichern, da kommen Sie und verderben uns den Spaß.*

Sie sollen das Geheimniß erfahren, Fräulein Braun," sagte der Baron lachend.Das Wort, welches der Schlüffel zeigen muß, ist"

Sitte, sagen Sie c» nicht!" unterbrach ihn Eva ernst.Bedenken Sie, daß Sie uns eben sagten, Sie und nur Sie allein kennen das .Sesam, öffne dich! und daß es unvorsichtig wäre, ein so wichtiges Geheimnis drei Evastöchtern anzuvertrauen, die, wie Sie wissen, ihrer Natur nach unfähig sind, der­gleichen zu bewahren.'

Nun, von allen offenm Bekenntnissen der Selbst­sucht muß ich das Ihrige loben, Eva!' rief Adel­heid lachend.Verträum Sie es nicht dreien an!' Allein Sie überlassen es dem Herrn Baron, es einer anzuverttauen. Wirklich, Frau Merlin, das ist zu handgreiflich. Sehen Sie denn nicht die Absicht? Sie bentt hinter unserem Rücken dem Herrn Baron das Geheimnis abzuschmeicheln und die Beute zu erwischen- Ich glaube, ich habe den Nagel auf dm Kopf getroffen."

Alle lachten pflichtschuldigst, und als Eva fich abwandte, steckte Dürrmstein dm Schlüffel in da» Schloß.

Fräulein von Bärmfelds Wunsche gehorchend, meine Damen,' sagte er,werde ich da» Geheim- ni» nicht verraten. Sehen Sie her/ fügte er hinzu, al» die Füllung glatt zurückwich und die glänzenden Schätze verbarg,ein Wort genügt "

Und wir tarnen da» Wort nicht! Ist dar

der neuen Militärvorlage eine Botschaft oder Prokla- mattou veröffentlichen. Die Meldung ist indessen nicht begründet. Daß die Frage den Monarchen sehr lebhaft beschäfttgt, ist selbstredend, und es haben im Laufe der letzten Woche auch wiederholte Konferenzm zwischen dem Oberhaupte und dem erften Beamten des deutschen Reiches stattgefunden.

AuS unserm Kolonieeu sind erfteuliche Nachrichten eingegangen, verschtedme militärische Erfolge find in Deutsch - Ostafrika, wo dies gerade sehr von Nöten war, errungen worden. Der aufsässige Sultan Sikki, welcher in dem Gebiet des arabischen Marktplatzes Tabora nicht bloS den Deutschen, sondern auch den Arabern viel zu schaffen machte, ist von dem Leutnant Prima aus unserer ost-afrikanischen Schutztruppe an­gegriffen, entscheidend geschlagm und bei der Er­stürmung seines letzten Zufluchtsortes selbst gefallen. Damit ist unsere Autorität in diesen Gebiete» nicht blos gesichert, sondern auch zugleich ein gutes Ein­vernehmen mit den Arabern. Weiterhin hat ein sieg­reiches Gefecht unserer Schutztruppe in Maudera statt- gefundm. Der Verlust unsererseits ist gering.

Recht bunt ging es in der letzten Woche wieder einmal in Paris zu, und es gehört die ganze, kaum glaubliche Leichtblütigkeit der Bewohner der Seine­stadt dazu, über Dinge fortzuseheu, die bei uns in Deutschland daS Unterste zu Oberst kehren würden. In dem zweiten Panamaprozeß, in dem jetzt die Plaidoyers stattfinden, find die schwersten Anklagen gegen die republikanische Regierung von Neuem laut geworden, es ist dem Leiter der Justiz dirett der Vorwurf der Parteilichkeit ins Gesicht geschleudert, aber die Herren haben vertuscht, was zu vertuschen war, wobei ihnen der Präsident des Gerichtshofes und der Staatsanwalt im Schwurgerichtssaale tteffltch halfen, und im übrigen alles bestritten. Die Depu­tiertenkammer, welche in der größten Angst vor einer Kammerauflösung schwebt, die sicher der republikani­schen Partei schweres Unheil bringen würde, hat den Ausführungen der Minister Glauben geschenkt, wobei es allerdings zu den heftigsten Lärmszenen kam, aber der Ausruf, welcher dem Ministerpräsidenten Ribot ins Gesicht geschleudert wurde:Ihr seid eine Regierung der Lügner!* sagt doch, was Viele denken. Die Situatton bleibt für die Republik unerfteulich, und zudem muß sie daran denken, welchen Eindruck diese Vorkommnisse außerhalb des Landes machen werden, wo man fich nicht durch Phrasen hinterS Licht führen läßt.

Die parlamentarische» Verhandlungen in Eng­land verlaufen sehr schleppend, und von einer raschen,

nicht zu ärgerlich?* sagte Adelheid, als Eva Abschied nehmen wollte.

Sie sollen es erfahren, wenn Sie es wünschen," sagte Dürrenstein, den Schlüssel einsteckend und sich anschickend, die Damen zu begleiten.

Ist das Ihr Ernst?" fragte Adelheid.

Mein vollkommener Ernst," erwiderte er, als sie in ihrer sorglosen, leichtfertigen Weise lachend hinausging. ____________

12.

Baron Dürrenstein begleitete die Damen bis zum Thore des Parkes von Bärenfelde, allein er war nicht zu bewegen, Evas Einladung zu einem kleinen Imbisse anzunehmen. Er war zu klug, vor­schnell den gewonnenen Vorteil zu benutzen. Der heutige Tag hatte ihm genug eingetragen, er hatte ihre Verzeihung erhalten nnd sie in sein Haus ge­lockt; damtt konnte er vorläufig zufrieden sein, und noch ehe die sechs Monate vergangen waren, würde er sie unwiderbringlich in seiner Gewalt haben. Darum kehrte er jetzt nach Hause zurück und über­ließ e» bett Damen, sich über ihren Besuch zu unter­halten. Adelheid erklärte, fie habe sich noch nie so gut amüsiert und werde nie das Silberzeug in jenem geheimnißvollen Wandschranke vergessen und solle fie auch hundert Jahre alt werden.

Selbst Frau Merlin war begeistert. Dürren­steins feine Manieren und die besondere Achtung, mit der er ihr begegnet war, hatten ihr alte« stolzes Herz gewonnen.

Ein äußerst liebe»»würdiger junger Mann, meine liebe Baronesse/ sagte fie.In diesem Zeit­alter übertünchter Höflichkeit begegnet man fetten einem Manne von wirklich feinem Gefühle und korrektem Verständnisse. Die edle Weise, in bet er

Erledigung der irischen Homerule-Bill des alten Gladstone ist keine Rede mehr. Verdrießlichkeiten sind den Engländern aufs Neue an den nördlichen Grenzen Indiens entstanden, wo die kriegerischen Eingeborenen immer von Neuem sich erheben und den brittschen Truppen viel zu schaffen mache». Kostet es den Engländer» auch keine absonderliche Mühe, ihre Herrschaft zu behaupten, die fortwährenden Expedittonen verschlingen viele Menschenleben und viel Geld.

Arge Zerrüttung scheint gegenwärtig auch in Spanien zu herrschen; bei den letzthin abgehaltenen allgemeinen Neuwahlen haben bekanntlich zahlreiche Krawalle stattgefunden, aus denen sich ergab, daß der Einfluß der Republikaner auf der iberischen Halb­insel in wachsendem Znnehmen begriffen ist. Diese Tu" ulte haben anch heute noch nicht ihren Abschluß erreicht, und besonders in der Gegend von Barcelona, die schon immer als recht unruhig galt, haben die Republikaner ganz entschieden die Oberhand. Auch anarchistische Attentatsversuche find dort entdeckt worden.

Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, dem Pattser Zeitungen Abdankungsgelüste zuschrieben, ist von seinem Ausflug nach der Schweiz nach Wien zurück­gekehrt. Der Kaiser soll recht herzlich gelacht haben, als er die erwähnten Pariser Journale zu lesen be­kam. In Ungarn wird der Kampf um die liberale Reform der Kirchengesetzgebung mit großer Lebhafttg- keit ausgefochten; die Bischöfe haben fich jetzt dirett an den Kaiser mit Eingaben gegen die Pläne des ungarischen Ministerpräfidenten Weckerle gewendet, allein dieser bleibt bei seinem Vorsatz stehen. In Serbien, wo die Regierung Nentvahlen ausgeschriebe» hatte, hat dieselbe mit Mühe und Not und nach Kassierung verschiedener ihr feindlicher Wahlen eine Mehrheft zusammengebracht, die aber nur zu deutlich verrät, daß sie bald wieder in die Brüche gehen wird. Die Zustände im Serbenlande sind nichts weniger als erfteulich, und der junge König Alexander, der in wenigen Jahren zur selbständigen Regierung kommt, blickt in eine wenig rosige Zukunft.

Deutsches Reich.

Aerkin, 17. März. Heute Morgen gegen 9 Uhr begab sich der Kaiser vom Schlosse aus nach dem russischen Botschafter-Palais, um den heute früh aus Petersburg angekommenen Großfürsten Kon- stanttn Konstanttnowitsch von Rußland zu begrüßen. Um 93/4 Uhr fuhr der Kaiser mittelst Sonderzuges zur Besichtigung der Offizier-Reitstunden nach Pots-

jenent jungen Manne Abbitte that, rührte mich fast zu Thränen, und ich kann nur hinzufügen, daß er mich an meinen Vater in seinen besten Jahren er­innert."

Welch ein erstaunliches Gedächtnis Sie haben müssen, Frau Merlin," sagte Adelheid mit der an­scheinend größten Unschuld.

Ich sehe, daß Ihr beide Lust habt, Euch zu zanken," sagte Eva lachend, und mit diesen Worten verließ sie das Zimmer.

Sie hatte kaum den Hausgang erreicht, al» Betty auf fie zukam.

Verzechen Sie, gnädiges Fräulein," sagte fie, Junker Adalbert wünscht Sie zu sprechen "

Adalbert Walter?" fragte Eva.Gut, sagen Sie ihm, er solle mich in ber Bibliothek erwarten."

Währenb Betty eilte, um ihren Auftrag aus­zurichten, ging Eva in ihr Zimmer. Seit jenem Unfälle hatte fie Matter nicht wieder gesehen, und fie hatte ein seltsames Gefühl von Verlegenheit und Unbehagen, ihm zu begegnen.

Zum tausendsten Male sagte fie sich, daß er nur ihr Diener sei, und wiederhotte es sich immer wieder, bis sie endlich, nachdem fie ihn eine Viertel­stunde hatte warten lassen, fich entschloß, hinunter- zugehen.

Sie öffnete leise die Thür, so leise, daß er sie nicht hörte; denn er stand, den Rücken ber Thür zugekehrt, vor einem ber Bücherschränke, ein Buch in ber Hanb haltend unb sichtlich ganz vertieft in beffen Inhalt; beim sein Hut unb feine Reitpeitsche waren ihm entfallen unb lagen am Boben.

Eva blieb einen Augenblick stehen unb sah ihn an, bann trat fie vor unb sagte so gelassen fie konnte:

Sie wünschten mich zu sprechen?'