Einzelbild herunterladen
 

MchM Sritunß

(1390

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck md Verla,: J»hi Sag. Koch, UniversttStS-Buchdruckerei iu M-rbargi Ä BerantworÜicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg.

Redaktion und Expedition: Markt 21. wVmildßvVlUH* Redaktion und Expedition: Markt 21.

äumi )eneu

M 60.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.Quartal-Monuements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern L Mk. L5Pfg. (exll. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen tüt die Zeile 28Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 11. März 1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expeoirion dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caflel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosie in Frankfurt a. M., Berlin, München ».Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVIII. Jahrg.

In

10 Mk.

3 .

3 , \

3 . [

- Va­rn Lohr.

I dt,

kich-«t

Y

>g 4

te sind erfolgt 1 Nach- (1528

tn

arg»

». IBM* % 108^ Vi 10'-s

V» 871

Vi 1071

V« 1011

Ä 871

Vt 1071

V« 991

% 1021

881

% V« % V.

'/»

A l/i % ** V« * * y«

971 97

1041

641 821

841 981

1001 4021 1041 1001

961 1021

971 tot*

100

TelegrapWH^ Depesche.

Berlin, 10. März. Mittags 1 Uhr. (Direkte Drahtnachricht der Oberhessischen Zeitung.) Die Militärkommission des Reichstages lehnte in ihrer heutigen Vormittags- Sitzung den Paragraphen 2 der Militärvorlage ab und zwar soweit sich derselbe aus die Infanterie, Feldartillerie und Train bezieht mit allen gegen 9 Stimmen, den übrigen Teil mit allen gegen 6 Stimmen.

Dieser § 2 der Vorlage lautet wie folgt:

§ 2.Vom 1. Oktober 1893 ab werden die Infanterie in 711 Bataillone, die Kavallerie in 477 Eskadrous, die Feld-Artillerie in 494 Batterien, die Fuß-Artillerie in 37 Bataillone, die Pioniere in 24 Bataillone, die Gsenbahntruppen in 7 Bataillone, der Train in 21 Bataillone formiert".

Die Kaiserreise nach dem Süden.

Was schon seit längerer Zeit beschlossene Sache war, wird jetzt bekannt. Der deutsche Kaiser und die deutsche Kaiserin werden sich in der zweiten Hälfte des kommenden Monats nach der alten Stadt am Tiberstrom begebeu, um dort mit den befreundeten italienischen Majestäten am 22. April deren silberne Hochzeit zu feiern. Die Besuchsreise bildet zu gleicher Zeit eine Erwiderung derjenigen, welche König Humbert Md Königin Margarethe von Italien im Mai vorigen Jahres in Potsdam abstatteten; wie die vorjährige, so entbehrt auch die diesjährige Reise eines direkten politischen Charakters, es ist ein Familienausflug des Oberhauptes des deutschen Reiches in das schöne Land jenseits der Alpen, aus welchem noch kein Deutscher ohne stille Sehnsuchtswünsche zmückgekehrt ist. Doch der Kaiser und die Kaiserin werden tn Rom einen glänzenden Empfang finden, denn nicht nur ist das italienische Volk sehr empfänglich für die

äußeren Bekundungen der Freundschaft der Fürsten, man kennt auch den deutschen Kaiser dort bereits aus seinem Besuche im Herbst des Jahres 1888, und vomImperatore biondo" waren damals alle Journale der oppenniniichen Halbinsel des Lobes voll. In den Köpfen der heißblütigen und exzentrischen Italiener tauchen freilich manchmal seltsame An­schauungen und Mutmaßungen über das Wesen und die Bedeutung von Zeitereignissen auf, und so wird es auch diesmal nicht an etwas abenteuerlich klingenden Ansichten fehlen, was nicht alles bei Gelegenheit dieser Fürstenbegegnung in Rom verhandelt und ver­einbart werden soll. Wir können uns die südlichen Vermutungen und Aufregungen ersparen, denn wir wissen ganz genau, daß es zwischen den Staaten, welche den großen und bewährten Friedensbund bilden, nichts mehr zu verhandeln gießt Was zu ordnen war, ist geordnet, und in den getroffenen Vereinbarungen find alle Interessen der verbündeten Staaten genau berücksichtigt. Darüber hinaus kann eine jede Regierung einfach thun oder lassen, was sie will. Es fehlt ja tn Italien nicht an Politikern, die da in erklärlichem nationalen Selbstbewußtsein meinen, ihr Vaterland müßte im Dreibunde eine größere Rolle spielen, als bisher, aber im Dreibunde giebt es überhaupt keine Rolle zu spielen, nur im Moment der Gefahr die gemeinsamen Interessen zu wahren. So wird denn der Besuch unseres Kaisers und seiner Gemahlin keinerlei hochpolitische Bedeutung für die verbündeten beiden Staaten haben; aber ganz sicher wird er sehr wesentlich dazu beitragen, die Freundschaft der Völker, die heute nicht minder wichtig, als politische Bündnisse ist, zu vertiefen und zu befestigen. Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Augusta Viktoria werden in Rom mit offenen Sinnen von Fürst und Volk empfangen werden, und der Glanz dieser Tage wird den Italienern nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis entschwinden.

Deutsches Reich.

W. Aertt», 10. März. Die kaiserlichen Majestäten begaben sich am Donnerstag Vor­mittag nach dem Mausoleum zu Charlottenburg und legten daselbst, als am Sterbetage Kaiser Wilhelms I., am Sarge prachtvolle Kränze nieder. Nachdem die Majestäten einige Zeit in stiller Andacht verweilt, erfolgte die Rückkehr nach Berlin. Auf der Rückfahrt begab sich der Kaiser nach dem Reichskanzlerpalais und hörte den Vortrag des Grafen Caprivi. Im Schlosse empfing der Monarch alsdann den Chef des

Der Sieg der Liebe.

Roman von I. v. Böttcher.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Adalbert ließ Martini sofort los, aber sein scharfes Auge bewachte jede seiner Bewegungen.

Warum sagten Sie das nicht gleich?" fragte er streng.

Weil weilsagte Herr Martini und dabei warf er einen verschmitzten Seitenblick auf Adalbert. Dieser lächelte.

Denken Sie nicht daran, fortzulaufen," sagte er,mein Stock ist vier Fuß lang und ich wäre genötigt, Sie niederzuschlagen. Weiter!"

Verdammt!" schnarrte Martini mit dem Fuß stampfend, während seine Augen in ohnmächtiger Wut flammten.Ich kam, um eines der Dienst­mädchen zu besuchen." Sind Sie jetzt befriedigt?

Volkommen," sagte Adalbertund Sie dachten, es sei nötig, sich wie ein Dieb zu verstecken. Nun, Freund, das nächstemal rate ich Ihnen, in offener Weise zu kommen, nach dem Hause zu gehen und an der Hinterthür um die Erlaubnis zum Eintritt zu bitten; man wird sie Ihnen gern geben, wenn Sie ein ehrlicher, achtbarer Mann find."

Aber kommen Sie," fuhr Adalbert fort,Ihrer eigenen Sicherhest wegen, in dieser Manier nicht wieder; denn die Wächter machen nicht lange Feder­lesens mit Leuten, die im Grase Herumkriechen. Jetzt können Sie gehen; hoffentlich habe ich Ihnen keinen Schaden zugefügt," setzte er ernst, aber nicht «nfteundlich hinzu.

Herr Marttni war nicht der Mann, den eine solche Frage besonder» gerührt hätte. Einen zürnenden Blick auf feinen Ueberwinder werfend, brachte er schweigend seinen Anzug wieder in Ordnung.

Mir Schaden gethan? Sie haben mich insul- tiert!" stieß er endlich hervor, seine weißen Zähne zeigend.Ich werde Sie lehren, einen anständigen Herrn anzufallen und zu schlagen, Sie gemeiner Bursche. Ja, lachen Sie nur, Sie denken, ich bin ein Fremder, von dem Sie nichts wieder hören, noch sehen werden; aber Sie irren sich. Ich werde Ihnen diesen Tag schon eintränken und wenn ich zwanzig Jahre warten müßte"

Es wird nicht so schlimm sein," meinte Adalbert gutmütig.Sie find ärgerlich und aufgeregt. Recht besehen, habe ich Ihnen nicht viel gethan. Lasien Sie es gut sein, Herr Martini."

Ja, ich bin Herr Martini," unterbrach er ihn mit einem Fluche.Sie haben meinen Namm deutlich genug verstanden und sollen ihn nicht ver gessen. Nun, ich werde Ihnen schon Grund genug geben, sich seiner zu erinnern."

Er nahm seinen Hut ab und indem er ihn mit dem Aermel glatt strich, bot er in seinem Grimme einen so komischen Anblick, daß Adalbert Mühe hatte, ihm nicht in das Gesicht zu lachen. Dann stülpte Herr Martini sich den Hut wieder auf und schien einen Augenblick zu überlegen, ob er sich nicht auf seinen riesenhaften Gegner stürzen solle, besann sich jedoch eines Besseren, knirschte mit den Zähnen und die geballte Faust gegen Adalbert schüttelnd, entfernte er sich mit einer krästigm Verwünschung.

Allerdings war Herr Martini ein verächtliches Wesen, allein das geringste menschliche Geschöpf kann selbst dem Höchsten schaden und Adalbert hätte sich Herrn Marttni für da» ganze Leben zum Feinde gemacht

9.

Eine Woche war fett dem Unfälle im Parke vergangen, während Eva von Adalbert Walter nichts

Militärkabinets. Die vom Kaiserpaare auf dem Sarge Kaiser Wilhelms I. niedergelegten Kränze find zur einen Hälfte aus weißen Kamelim, zur anderen Hälfte aus Veilchen gewunden, lieber die Mitte ist ein zarter Zweig von Rosenkuospen gezogen. Die lang herabhängenden Schleifen tragen in Golddruck die Namenszüge des Kaisers und der Kaiserin mit der Krone. Die kaiserlichen Prinzen legten einen Kranz auf den Sarg, der aus weißen Roßen, weißem Flieder und Maiblumen zusammen­gesetzt war und auf der Schleife die Namen der sechs Prinzen und darüber den Namen ihrer Schwester in Golddruck enthielt. Bei den kaiserlichen Ma­jestäten findet heute, Frettag, zur Feier des Ge­burtstages des Zaren ein größeres Diner statt. Das Befinden des Generalfeldmarschalls Grafen v. Blumenthal giebt Mch immer zu Besorgnissen Anlaß, da nach Aussage der Aerzte zwar keine Ver- schlimmeiung, aber auch keine Besserung eingetreten ist. Am Donnerstag Vormittag zog abermals im Auftrage des Kaisers der Leibarzt Dr. Leuthold Er­kundigungen über den Zustand des Patienten ein. Wie sparsam der preußische Etat für 1893/94 aufgestellt ist, geht daraus hervor, daß das Abge­ordnetenhaus bei einer Schlußsumme von fast 1,9 Milliarden insgesamt nur 842400 Mk. bei den Aus­gaben abgesetzt hat. 700000 Mk. entfallen davon auf die dauernden, der Rest auf die einmaligen Aus­gaben. Unter den ersteren sind 200 000 Mk. bei den Neu- und Erweitemngsbanten für die Bergwerke und 500 000 Mk. bei den Besoldungen außeretats­mäßiger Eisenbahnbeamten zum Abstrich gekommen. Was die einmaligen Ausgaben betrifft, so sind 73200 Mark für die Ausschmückung der Langen Brücke in Potsdam und 69 500 Mark für einen Neubau auf dem Trakehner Hauptgestüt in Fortfall gekommen. Die 10. Kommission des Reichstages hat ihren Be­richt über den Gesetzentwurf bett. Ergänzung der Bestimmungen über den Wucher erstattet. Die Vorlage der Regierung ist im Wesentlichen un­verändert angenommen. Nur der Arttkel 4 hat folgende neue Gestalt erhalten:Wer gewerbsmäßig Geld- oder Kreditgeschäfte betreibt, hat für Jeden, mit welchem er daraus in Geschäftsverbindung steht, nach Schluß des Kalenderjahres die Rechnung abzu­schließen und das Ergebnis dem Schuldner binnen drei Monaten schriftlich mitzuteileu, sofern nicht vor­her schon eine schriftliche Abrechnung stattgefuudeu hat. Ein Schuldauerkeuntuis oder eine Schuldver­wandlung ersetzt nicht eine solche schriftliche Abrechnung. Wer sich dieser Verpflichtung vorsätzlich entzieht, wird

mit Geldstrafe bis zu 500 Mark oder mit Haft be­straft und verliert den Anspruch auf die Zinsen für das verflossene Jahr hinsichtlich der Geschäfte, welche in dem Rechnungsabschluß nicht enthalten sind. Die vorstehenden Bestimmungen finden keine Anwendung: 1) auf öffentliche Banken, Notenbanken, Bodeukredit- inftitute und Hypothekenbanken auf Aktten, 2) auf Kaufleute im Geschäftsverkehr mit Kaufleuten, bereu Firma in das Handelsregister eingetragen ist". In weiten Kreisen unserer Bevölkerung, so schreibt derHann. Cour.", ist noch immer die Befürchtung verbreitet, die Regierung könnte fich, um Ziele zu erreichen, die für sie im Augenblick die wichtigsten sind, zu Zugeständnissen an das Zentrum oder an die Polen verstehen, die den allgemeinen Staatsinteressen nicht zuträglich wären und leicht dazu führen könnten, die gesamte Politik der Regierung in verhängnisvolle Bahnen zu lenken. Wir hatten in letzter Zeit wiederholt Gelegenheit, Steuerungen von amtlicher Stelle aus zu verzeichnen, die dafür sprechen, daß man noch rechtzeitig erkannt hat, welche Früchte eine solche Politik tragen müsse. Auch in den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses am Diens­tag sah sich die Regiemng veranlaßt, in bestimmter Weise Stellung zu nehmen gegen das Bestreben der Polen, die Staatsgewalt und die gesetzgebenden Faktoren in den Dienst ihrer Agitation zu ziehen. In Hönningen a. Rh. fand letzten Sonntag eine stark besuchte Versammlung zu Gunsten der Militärvorlage statt. Die Sttmmung am Mittel­rhein hat sich stark zu Gunsten der Vorlage ver­bessert. Weitere Kundgebungen für die Heeresvor- lage werden gemeldet aus Hannover (Provinzial- Wahlkomitee der Nationalliberalen), Mannheim, Trier, Neunkirchen, Malstatt-Bürbach (Volksversammlungen) und Flemmingen (Versammlung der Landwirte). Stationschef Stgl hat auf seinem Zuge nach Tabora mit dem Häuptling Masenta, dem Oberherrn über die Landschaft Uniangwira, ein siegreiches Ge­fecht bestanden. Es wird darüber gemeldet:Bei Uniangwira, auf dem Wege von Mpuapua nach Tabora, hat eine Abteilung der kaiserlichen Schntz- ttuppe ein siegreiches Gefecht bestanden. Die befestigte Tempe des feindlichen Häuptlings Masenta wurde nach zähem Widerstände unter bedeutendem Verluste des Feindes erstürmt. Diesseits ist Feldwebel Erttel gefallen, Leutnant v. Bothmer leicht verwundet, 10 Askaris teils tot, teils verwundet. Der Waffenerfolg ist von der den Stationschef Sigl begleitenden Truppen- abteilnug errungen worden, nach vorheriger Ver­einigung mit der Besatzung der Station Uniangwtta".

gesehen hatte. Obgleich sie ihn jeden Augenblick hätte können rufen lassen denn er war ja nur ihr Diener, that sie es nicht. Ein oder zweimal hatte sie Betty, die stets bereit war, von ihm zu sprechen, nach ihm befragt und hatte von dieser er­fahren, daß, obgleich er noch ein wenig hinke, er sich ganz wohl befinde.

Junker Adalbert ist in letzter Zeit ganz merk­würdig geworden, gnädiges Fräulein," sagte Betty. Er hält sich noch mehr für sich als sonst und spricht fast mit niemanden. Ich glaube, er muß sich schwerer verletzt haben, als er eingestehen will "

Eva sagte zwar nichts, dachte vielleicht aber um so mehr.

Mittlerweile hatte jetzt, wie Fräulein Braun es nannte, derSturmlauf der Nachbarn" be- gönnen.

Täglich hielten Equipagen mit den Herrschaften vor dem Schlosse, welche der Herrin von Bären­felde ihren Gegenbesuch machten. Natürlich war Evas Ankunft auf der Besitzung für die Familien der Umgegend ein Gegenstand des höchsten Interesses gewesen und jedermann war begierig, zu sehen, wie ein Mädchen, das aus dem Nichts zu der Stellung der reichsten Erbin der Provinz erhoben, sich als Schloßherrin benehmen würde.

Ich habe sie noch nicht gesehen, aber ich kann mir schon denken, daß sie halb verlegen sein wird," sagte die Baronin von Raabe zu ihrer Busen- fteundin Frau von Wackerbart.Ich kenne diese Art von Mädchen, die jeden Augenblick rot werden und noch den Beigeschmack der Butterbrote aus der Pension an fich haben. Wir wollen ihr erst Zeit lassen, fich an ihre neue Größe zu gewöhnen, ehe wir fie uns ansehen."

So kam e», daß eine« Nachmittag«, al» Eva

eben in ihrem Zimmer war, Adelheid vom Fenster des Salons aus eine altertümliche Kutsche fich nähern sah und ein Diener Frau von Raabe meldete.

Eine alte, sehr alte Dame mit weißem Haar, starken Augenbrauen, auf den Wangen einen leichten Anflug von Rouge, trat ein. Ihre Nase war groß, leicht gebogen und unter den weißen Brauen fun­kelten ein Paar kluge, durchdringende Augen; al» sie hereinkam, blieb sie stehen, sah Adelheid fast grimmig an und machte ihr eine gemessene, förm­liche, kurze Verbeugung.

Mit ihrem süßesten, bescheidensten Lächeln ver­neigte sich Adelheid und die alte Dame warf sich in einen Stuhl, so daß ihr gelbes Atlaskleid sich wie ein Ballon um sie her aufbauschte.

Dann sah sie Adelheid einige Sekunden an und begann:

Nun, ich denke, Sie werden schon von mir ge­hört haben? Ich wäre schon früher gekommen, allein ich wollte Ihnen erst Zeit lassen, sich einzuwohnen. Sie scheinen jedoch nicht sehr beschäftigt zu sein!" setzte sie mit einem leichten Knurren hinzu.

Ach nein!" sagte sie zuvorkommend.Herr König, der Rechtsanwalt, war vor uns hier und hat alles für unsere Zukunft vorbereitet."

Ah, König. Ja, ich erinnere mich seiner. Sehr achtungswerter Mann. Und wie gefällt Ihnen das Schloß?"

Außerordentlich," erwiderte Adelheid, höchst be- lustigt über den Irrtum der alten Dame.Es ist so kompakt und bequem."

Kompakt? Hum! Wer auch recht ausgedehnt. Bequem? Natürlich! Sie sprechen, al« wäre es eine Bauernhütte."O, es ist gewiß groß genug!" sagte Adelheid.Fräulein von Bärenfeld meint so­gar zuweilen, es sei viel zu weitläufig."