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Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.
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Feiertagen. — Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zelle oder btren Raum 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Sonntag, 5. März 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedinon dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
Wochenschau.
Die hochpolitischen Erörterungen im Reichstage, wie im preußischen Landtage, welche die letzten Wochen m8füllten, find nun im Allgemeinen zu Ende gekommen; hin und wieder werden wohl noch Abstecher in dieS Gebiet gemacht, aber fie sind nur von kurzer Dauer, und es wird bald wieder ins regelrechte Geleis eingelenkt. Es muß tapfer gearbeitet werden, denn vor all den vielen Reden in den Sitzungen ist man nicht zum Beschließen gekommen, und so stehen die Verhandlungen über den Haushalt des Reiches, wie des preußischen Staates, die ver- faffungsgemäß schon am 1. April Giltigkeit gewinnen sollen, noch unendlich weit zurück. Die Volksver- tretungen sind deshalb äußerst pressiert, im preußischen Abgeordnetenhause hat der Präsident sogar schon zum Schreckmittel der Abendsitzungen gegriffen, und die Redner halten sich deshalb so ziemlich an das zur Beratung stehende Thema und schweifen nicht weiter groß ab. Nach der Erledigung des Reichsamtes des Innern ist der Reichstag zum Reichsjustizamt übergegangen, bet welchem die üblichen Wünsche nach Justizreformen vorgebracht wurden, und hierauf zum Etat des Rkichsamtes des Auswärtigen, bei welchem nochmals auf die Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland und die Jnter- effen der Landwirtschaft zurückgekommen wurde. Der Zusammenstoß zwischen dem Reichskanzler Grafen Caprivi, und den Wortführern der konservativen Partei war kurz, aber scharf; auf beiden Seiten sind keine Aeuderungen in den Anschauungen eingetreten, welche in der großen landwirtschaftlichen Debatte zu wiederholte» Malen vorgebracht wurden. Dann wandte man sich den Forderungen für unsere Schutzgebiete zu, welche zu ausführlichen, aber sachlichen Erörterungen Anlaß gaben; von Seiten der Kolonialverwaltung wurde abermals der Grundsatz aufgestellt, daß die Zeit der Expeditioneu ein Ende habe, und daß es sich heute um fleißige und thätige Arbeit handle. Die Forderungen wurden sämtlich ohne Abstriche bewilligt. Im preußischen Abgeordnetenhaus ist man vom Kultusetat zu dem der Eisenbahn- Verwaltung gekommen, bei welchem, wie stets, Wünsche, Klagen und Beschwerdm in reichster Fülle vorgetragen wurden. In einer so großen Verwaltung find ja auch die Wünsche so zahlreich wie Saud am Meer, und der Etsenbahnminister Thielen versprach eine möglichst eingehende Prüfung. Ob er sein Versprechen in allen Punkten zu halten im Stande sein wird, das ist eine andere Sache.
Der Sieg -er Liebe.
Roman von I. v. B ö t t ch er.
j Nachdruck verboten.) (Fortsetzung)
„Gut/ sagte Martini unruhig, „und erzähle mir alles, Adelheid. Vergiß nur Deine Uebungen nicht, denke an die Zukunft, wo wir als Mann und Frau unser Glück machen werden."
„Gewiß, gewiß, Schatz!* versprach fie.
Er stand auf und suchte in seinen Taschen.
„Wie steht es um Deine Kaffe?" fragte er. „Ich bin eben nicht so reichlich bestellt, aber ich kann etwas entbehren. Ah, da ist es! Du magst es vielleicht nötig haben* und er drückte ihr die Geldstücke in die Hand. Das Geld war und schien, wie alles an ihm, fettig zu sein und nach Haar öl zu riechen; aber Adelheid nahm es und küßte ihn dankbar.
„Jetzt aber geh',' flüsterte sie
„Ja, nun gehe ich zurück. Ich muß heute Abend austreten."
Dann nahm er fie in die Arme, küßte sie mit fieberhafter Leidenschaftlichkeit uud riß sich endlich gewaltsam von ihr los. Adelheid sank wieder auf den Rasen, wo fie mit bleichem Gesicht, die Lippen sest aufeinander gepreßt und vor Zorn und Abscheu keuchend, eine Weile sitzen blieb.
Das Geld, welches er ihr gegeben, hielt fie noc fest in der Hand, mit einem Schauder erhob ft dieselbe, als wolle fie es von fich schleudern, statt befien aber ließ fie es in ihre Tasche gleiten. Dan nahm sie ihr Taschentuch und wischte fich Gefich und Hände damit ab, al» wollte fie sich von der Verunreinigung seiner Berührung säubern.
„Narr! Narr!* murmette fie zwischen den Zähnen. »Könnte ich mich nur von ihm befreien! Wenn nur
Die großen Stteitfragen, welche schon so lange ' e öffentliche Meinung und die weitesten Kreise des deutschen Volkes beschäfttgt haben, die Militärvor- age und das Projekt des russischen Handelsvertrages, ind noch immer völlig in der Schwebe, und ein lbschluß ist heute in keiner Weise zu erkennen. Die Militärkommission des Reichstages hat mehrere Sitzungen abgehalten, fich tu denselben aber immer noch mit den finanziellen Vorftagen beschäftigt, die roch für die endgiltige Entscheidung noch nicht prakttsch maßgebend sind, denn es handelt sich nur um die genaue Feststellung der Kosten, deren Höhe im Allgemeinen doch schon vorher bekannt war. Von Sitzung zu Sitzung wird ein Mngehen auf die eigentlichen Bestimmungen der Militärvorlage erwartet, aber bis heute soll das immer noch erst kommen. Verschiedene Male find Gerüchte laut geworden, mit der Zentrumspartei würden heimliche Verhandlungen wegen einer Zustimmung zur Vorlage gepflogen, dann hieß es wieder, der Bundesrat wolle seine Zustimmung zur Aufhebung des Jesuitengesetzes geben, und was dergleichen Klatsch-Mitteilungen mehr waren, aber allen diesen Behauptungen ist stets und ständig eine Unrichtigkeitserklärung auf dem Fuße gefolgt, und die Dinge stehen also heute immer noch so, wie früher, nämlich, Niemand weiß so recht, woran er eigentlich ist. Viel bemerkt ist eine Rede des einflußreichen Herrn von Schorlemer-Alst über die neue Heeres- organisatton, die zwar noch nicht gerade direkt zustimmend klang, aber doch zum Mindesten recht sympathisch. Was nun den russischen Handelsvertrag betrifft, so wurde zu wiederholten Malen steif und fest angekündigt, daß derselbe dem Abschluß ganz nahe sei. ES hieß sogar, Zar Alexander III. sollte fich befriedigt über die deutschen Vorschläge geäußert haben. Als dann die Sache hinterher genau untersucht ward, ergab sich, daß die deutschen Vorschläge noch gar nicht einmal aus Berlin abgesandt worden seien. Ein bestimmtes Ziel ist also auch in dieser Frage noch nicht zu erkennen. Inzwischen haben die bekannten Erklärungen des Kaisers gegenüber der Deputatwn der Landwirte in landwirtschaftlichen Kreisen recht beruhigend gewirkt, und es heißt auch bereits, daß verschiedene Erhebungen über die allgemeinen Verhältnisse der Landwirtschaft in Angriff genommen seien
Daß der Reichskanzler Graf Caprivi bei dem Kaiser fortgesetzt in sehr hohem Ansehen steht, hat der Monarch dadurch bewiesen, daß er dem leitenden Staatsmanne zu deffen Geburtstage einen prächtigen Ehrensäbel überreichte mit der bezeichnenden Devise:
— o, welch' eine Thörin bin ich gewesen. Ein gemeiner Sänger in einer Musikhalle'
Eine schöne Zukunft, das Weib eines solchen Geschöpfes zu werden! O, ich war rasend, rasend! Und doch wäre ich ohne ihn jetzt nicht hier."
Bleich und schaudernd strich fie sich das goldene Haar aus der Stirn und sah sich händeringend mit roilbent Blicke um, wie ein in die Enge getriebenes Wild.
„Was soll ich thun? Wie kann ich mich von ihm befreien ?
Nein, ich kann es nicht! Aber ich muß, ich muß! Alle meine Träume sollten so enden? Ich, die es in der Welt zu etwas gebracht haben würde, sollte weiter nichts werden, als eine Sängerin im Odeon und sein Weib?*
Als bringe der Gedanke fie schon zur Ver zweiflung, warf fie fich in die Farrenkräuter und riß zähneknirschend mit ihren weißen Händen die langen Gräser aus. Sie war so in ihren Paroxis- mu» ohnmächtiger Wut verlorm, daß sie die Schritte neben sich nicht hörte und erst als der Anfall vorüber war und fie sich erhob, gewahrte sie den Baron von Dürrenstein, welcher vor ihr stand und mt seinen kalten, harten Augen auf sie herabblickte.
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Sie richtete fich auf ihren Ellenbogen auf und sah Dürrenstein an, für den Augenblick verwirrt und bestürzt durch den fest auf fie gehefteten Blick seiner kalten Augen, allein die Röte schwand von ihren Wangen, fie lächelte kläglich und hielt fich ihr Taschentuch gegen die Schläfe.
„Ich habe Sie hoffentlich nicht erschreckt, Fräu- lein Braun,' sagte er mit seiner tiefen, sanften Stimme. „Ich kam de» Wege» daher und da e»
„Alle Zeit kampfbereit für des Reiches Herrlichkeit!* Die alle Augenblicke umlaufenden Meldungen vor nem Rücktritt des Reichskanzlers sind also gerade o unbegründet, wie die nicht minder häufigen Alarm- nelbungen von einer Reichstagsauflösung. Daß es dahin einmal kommen kann, ist unter Umständen natürlich selbstredend, aber ein Beschluß, welcher sich tn dieser Richtung bewegt, ist bis zur Stunde nicht gefaßt worden und wftd auch wohl kaum je gefaßt werden, wenigstens sowest die Militärvorlage die Ursache sein sollte.
Unser Kaiser hat, wie in jedem Jahre, so auch n diesem, dem Festmahle des brandenburgischen BrovinziallandtageS beigewohnt und auf demselben c ne längere Ansprache gehalten. In der Kaiserrede inden sich vor Allem folgende bezeichnenden Worte: „Mein höchster Lohn ist, Tag und Nacht für mein Volk und sein Wohl zu arbeiten. Aber ich verhehle mir nicht, daß es mir niemals gelingen kann, alle Glieder meines Volke» gleichmäßig glücklich und zufrieden zu machen. Wohl aber hoffe ich es dahin zu bringen, daß es mir gelinge, einen Zustand zu schaffen, mit dem Alle zufrieden fein können, die zufrieden sein wollen. Daß dieser Wille in meinem Volke sich täglich kräfttge, ist mein sehnlichster Wunsch, daß alle braven deutschen Männer uud vor Allem auch meine Märker mir dabei behilflich sein mögen, das ist meine Bitte, daß unser gesamtes deutsches Vaterland an Festigkeit nach Innen und an Achtung und Respekt nach Außen dadurch gewinnen möge, das ist meine Hoffnung. Dann darf ich gettost auS- sprechen: „Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts in der Welt!* Diese ruhigen und kernigen Ausführungen haben lebhafte Zustimmung gefunden.
General von Loe der Spezialgesandte, welchen unser Kaiser als Träger seiner Wünsche zum Bischofsjubiläum des Papstes nach Rom entsandt hat, ist zu Anfang dieser Woche vom Oberhaupte der katholischen Kirche in feierlicher Audienz empfangen worden. Der General hat dabei dem Papste einen kostbaren Ring als Geschenk des Kaisers überreicht. Der Inhalt der Ansprachen, welche bei dieser Gelegenheit ausgetauscht wurden, atmete ruhige Höflichkeit; der Papst dantte dem Oberhaupte des deutschen Reiches für seine Bemühungen int Interesse des kirchlichen Friedens, und sprach den Wunsch nach weiterem Ausbau der Freiheit der Kstche aus, daß der deutsche Abgesandte nicht den Auftrag gehabt hat, dem Papste gegenüber die deutsche Militärvorlage zur Sprache zu bringen und sie demgemäß auch nicht zur Sprache gebracht hat, ist von früher her bekannt. Aus
mir schien, als hörte ich einen Schmerzensschrei, wollte ich nachsehen, was es war. Ich fürchte, Sie stießen denselben aus.*
„Ja,* sagte sie. „Ich bin ganz beschämt, ober ich habe einen heftigen Anfall von Migräme *
„Das bedauere ich unendlich,* sagte er teilnehmend. „Es ist ein höchst schmerzhaftes Leiden. Leiden Sie oft daran?"
„Das gerade nicht,' erwiderte sie. „Aber wenn e» mich befällt, tritt es mit großer Heftigkeit auf. Der heutige Anfall ist ganz besonders stark' und sie seufzte und lächelte gleid^eitig in reizend schmerzlicher Weise.
„Der Wind kommt etwas von Osten,* meinte Baron Günther. „Ein sehr unangenehmer Wind. Kann ich etwas für Sie thun?'
„Bewahre, ich danke,' entgegnete sie. „Niemand kann mir dabei helfen. Es war thöricht von mir, auszugehen, aber ich hielt es im Zimmer nicht aus und dachte, die Lust würde mir gut thun. Ich werde wieder nach Hause gehen und mich niederlegen.'
„Sitte, bleiben Sie noch etwas,' sagte er überredend. „Ich glaube, wie Sie, daß die Lust hier im Parke bester für Sie ist. Erlauben Sie mir, Ihnen einige Minuten Gesellschaft zu leisten,' da bei setzt er sich aus einen Erdhügel in ihrer Nähe
Adelheid glättete ihr Haar und gab ihrem Gesicht einen schmerzlich leidenden Ausdruck
„Fräulein von Bärenfeld ist irgmdwo im Park,' sagte fie. „Sie fährt ein Paar Ponnies. Sind Sie ihr nicht begegnet?' und bei dieser Frage sah fie ihn an, unbekümmert um seine Antwort, aber fich innerlich fragend, ob er ben jungen Martini und fie beisammen gesehm habe.
„Ich weiß es,' antwortete er. „Ich habe fie
unserer inneren deutschen Politik ist wenig zu vermelden, was nicht weiter oben schon erwähnt wäre. Der Retchstagsabgeordnete Ahlwardt hat seinen Aufenthalt im Gefängnis von Plötzensee bei Berlin beendet und beim Verlassen desselben ist ihm von einen Anhängern eine lebhafte Ovation bereitet. Im Reichstag ist der Abgeordnete für Friedeberg- Arnswalde beretts erschienen, doch vollzog sich sein Eintritt in der denkbar ruhigsten Weise und ohne alle Störung. Ahlwardts Wahl ist bereits für giltig erklärt worden.
Einige neuere Nachrichten find auS unseren ! dlonieen gekommen: Major von Wißmann, der dem Tanganyika-See zuzieht, galt als lebensgefährlich !rank, nach den letzten Meldungen hat er das Unwohlsein aber bereits glücklich überstanden und ist wieder ziemlich munter. Emin Pascha wird abermals tot gesagt; er soll von einem Araber, der mit einen Leuten Emins Expedition zersprengte, erschlagen worden sein. Hoffentlich bleibt die bisher fehlende Bestätigung dauernd aus. Der neue Generalgouver- neur von Deutsch-Ostafrika, Oberstleutnant v. Scheie, t von seiner Rundreise im Innern gesund und munter zur Küste zurückgekehrt. Die bisher noch nicht dagewesene Schnelligkeit, mit welcher diese weite üonr zurückgelegt worden ist, zeigt, daß die Ver- hältuiste der durchzogenen Bezirke doch schon recht gesicherte sein müssen.
Ans dem Auslände stt im Allgemeinen nichts Besonderes zu berichten. In Paris, wo man den S Zanamaskandal so sehr gern einschlafen laffen möchte, wird auf einen neuen Zwischenfall vorbereitet, der sich bei dem demnächst beginnenden Bestechungsprozeß ereignen soll. ES wird behauptet, freilich von den Setteffenden ebenso lebhaft bestritten, daß hervorragende Staatswürdenttäger und Polittker noch im Jahre 1888 den Versuch gemacht haben, von dem schon damals halb verzweifelnden Charles von LessepS für ihre Zwecke Geld zu erpreffen. Wenn das wahr ist, würden noch eine ganze Zahl von Männern mit recht großen Namen unter Anklage gestellt werden müffeu. Zwischen Frankreich und dem ostafiatischen Königreiche Siam schwebt einer jener bekannten Grenzzwiste, welche die Vorläufer von Annektionen zu sein pflegen; doch wird eS in betracht der allgemeinen europäischen Verhältniffe zu einer größeren Expeditton wohl schwerlich kommen. Angenommen hat die Depnttertenkammer einen Gesetzentwurf bett, die Schaffung einer Kolonialarmee. Von dieser Kolonialarmee soll aber der größere Teil der Mannschaften in Europa bleiben, und die französische
soeben verlafsen. Ich bedauere, es sagen zu müssen, daß wir einen leichten Unfall erlitten haben. Die schlecht eingefallenen Ponnies gingen mit uns durch."
„O, Himmel, ist Fräulein von Bärenfeld verletzt?' rief fie besorgt aus.
„Nicht im geringsten", entgegnete er. „Aber ich fürchte, sie hat sich sehr geängstigt.'
„Ich mußte zu ihr', rief sie mit Ekstase. „Durchgegangen sind die Tiere? Kutschierte nicht ein junger Mensch, ein gewisser Adalbert Walter?"
Als fie den Namen aussprach, richtete sie ihre anscheinend so unschuldigen Augen auf sein Gesicht und sah, obgleich er ein Meister der Selbstbeherrschung war, daß feine Lippen unmerklich zuckten.
„Er war nicht bei ihr, ich fuhr*, sagte er
„Wie unangenehm I* meinte sie bedauernd. „Also Fräulein von Bärenfeld ängstigte sich? Ich fürchte, sie wird Ihnen nie verzeihen.*
„Ich hoffe, sie wird es doch. Ich meine nämlich, wenn ich Sie bitte, meine Fürsprecherin zu fein, Fräulein Braun *
„Ich?' rief Adelheit mit leichtem Lachen. „Wie sollte ich Fräulein von Bärenfeld überreden können, und warum?'
Einige Augenblicke schwieg er, dann sagte er mit fast fpöttschem, kaum merklichem Lächeln:
„Leiden Sie in der That ost an Migräne, Fräulein Braun?*
„Ich glaube, Ihnen auf diese Frage bereit» geantwortet zu haben,* entgegnete fie, die Augen verwundert zu ihm auffchlagend.
„Oh, wie traurig! Und — war — da» Ihr gewöhnlicher ärztlicher Beistand, ben ich eben jetzt mit Ihnen gesehn?* fragte er kalt, den Blick fest auf ihr Gesicht geheftet, al» solle er ihr in das Herz bringen, um deffen Geheimnisse zu lesen.