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Anzeigen nimmt entgegen die Expeoiiion dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in VVTTln , Frankfutt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV111. ScttDTO MosieinFrankfutta.M.,Berlin, München».Köln; G. L. '

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Marburg, Freitag, 3. März 1893.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Soun- und Feiertagen. —Ouattal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die aefpaürne Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen Nir die Zeile 25 Pfg.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Dr»ck L Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedttwn: Markt^l"^^ ^n Ma b g

Trinkspruch des Kaisers.

Se. Majestät der Kaiser hat bei dem Festmahle des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg auf dessen Ansprache folgendes erwidert:

„Mein lieber Herr Ober»Präsident und Sie, Meine verehrten Brandenburgischen Landsleute, empfangen Sie zunächst Meinen Dank für Ihren Wunsch, Mich in Ihrer Mitte zu sehen. Die Ge­sinnungen treuer Anhänglichkeit, welche in Ihrem Namen Euer Excellenz Mir soeben ausgesprochen haben, finden in Meinem Herzen freudigen Widerhall. Es spricht aus diesen Gesinnungen das feste Ver­trauen zu Ihrem Landesvater und zu Seinem Streben; der schönste Lohn, der Mir und mit Mir Meinen bewährten Räten in unserer schweren Arbeit werden kann. Es liebt die Jetztzeit auf die Vergangenheit viel zurückzublicken, dieselbe mit dem augenblicklich Bestehenden zu vergleichen, zumeist zum Nachteil des letzteren. Wer auf eine so herrliche Vergangenheü rückblicken kann, wie wir es — Gott sei Dank — können, der thut sehr wohl daran, um daraus zu lernen. Das nennt man in einem monarchischen Staat die Tradition. Doch nicht dazu soll sie dienen, nm sich in nutzlosen Klagen zu ergehen über Menschen und Dinge, die nicht mehr sind, sondern vielmehr müssen wir uns in der Erinnerung wie in einem Quell erftischen und, neugestählt aus ihm empor- steigend, zu lebensftohem Thun und schaffcnsfreudiger Arbeit uns hinwenden Denn würdig vor Allem müssen wir uns unserer Ahnen und ihrer Leistungen erweisen. Das können wir nur, wenn wir unbeirrt auf den Bahnen weiterwandeln, die sie uns voige- zeichnet. Die hehre Gestalt unseres großen dahinge­gangenen Kaisers Wilhelm ist stets uns gegenwärtig mit ihren gewaltigen Erfolgen. Woher kamen die­selben? Weil Mein Großvater den unerschütter­lichsten Glauben an Seinen Ihm von Gott verliehenen Beruf hatte, welchen Er mit unermüdlichem Pflicht­eifer verband. Zu Ihm stand die Mark, stand das ganze Deutsche Vaterland. In diesen Traditionen, Meine Herren, bin Ich aufgewachsen und von 3hm erzogen; denselben Glauben habe auch 3ch. Mein höchster Lohn ist daher, Tag und Nacht für Mein Volk und sein Wohl zu arbeiten. Aber Ich verhehle Mir nicht, daß es Mir niemals gelingen kann, alle Glieder Meines Volkes gleichmäßig glücklich und zuftieden zu machen. Wohl aber hoffe Ich es dahin zu bringen, daß es Mst gelinge, einen Zustand zu schaffen, mit dem alle Die zuftieden sein können, die zufrieden sein wollen. Daß dieser Wille in Meinem

Der Sieg der Liebe.

Roman von I. v. BStichen

(Nachdruck berbotou] (Fortsetzung.)

Adelheid Braun hatte kein Geld, aber sie hatte Verstand und sie wnßte es. Nicht nur die Männer find ehrgeizig, auch die Frauen sind ebenso bestrebt, vorwärts zu kommen, nur besitzen sie die Kunst und den Takt, es zu verbergen. Seit sie fähig war, zu denken, hatte bei Adelheid der Beschluß fest ge­standen, sich eine Stellung in der Welt zu erringen. Unter allen Umständen wollte sie festen Fuß auf der Leiter fassen, welche zur Höhe führt, sie wollte versuchen, dem Gipfelpunkt so nahe wie möglich zu kommen, sei es durch Sprünge und Kunstgriffe, sei es dadurch, daß sie geduldig eine Sprosse nach der anderen erklomm.

In der Pension wußte niemand etwas über sie. Sie war eine Waise und eine entfernte Verwandte bezahlte pünktlich für sie — das war alles. Andere Mädchen sprachen von ihren Freunden und ihrer Familie, aber sie war vorsichtig und verschwiegen. Sie sprach nie von der Vergangenheit, niemals da- von, nach Hause zu gehen oder während der Ferien bei Freunden zu verweilen, kurz, man hätte fast glauben können, sie hätte weder einen Vater »och eine Mutter gehabt, sondern wäre so aufgewachsen. Trotz ihrer Zurückhaltung in Betreff ihrer persön­lichen Verhältnisse war sie unter ihren Mst- schülerinnen sehr beliebt und wenn sie auch keine engere Freundschaft schloß, so hatte sie auch keine Feindinnen. ,

Eva war so munter und besaß eine so schnelle Fassungsgabe, daß auch die Lehrer sie liebten und sie für ihre meistversprechende Schülerin erklärten Eie war stets bereit, ihren Mitschülerinnen in

Volke sich täglich kräftige, ist Mein sehnlichster Wunsch, daß alle braven deutschen Männer und vor Allem auch Meine Märker Mir dabei behülflich sein mögen, das ist Meine Bitte, daß unser gesamtes deutsches Vaterland an Festigkeit nach Innen und an Achtung und Respekt nach Außen dadurch gewinnen möge, das ist Meine Hoffnung. Dann darf Ich getrost aussprechen: „Wir Deutschen fürchten Gott und Nichts sonst in der Welt.- Daraufhin leere Ich Mein GlaS auf das Wohl Brandenburgs und unserer wackeren Märker!"

Deutsches Reich.

W. Merlin, 2. März. Unser Kaiser unter­nahm am Mittwoch Vormittag eine Spazierfahrt und fuhr gelegentlich derselben beim Reichskanzler vor, um den Vortrag desselben entgegenzunchmen. Später nahm der Kaiser im Atelier des Bildhauers Toberentz, wo auch bereits die Kaiserin mit den drei ältesten kaiserlichen Prinzen eingctroffen war, um daselbst das Modell zu einem Reiterstandbild Kaiser Friedrich Barbarossas für die Kaiserpfalz in Augenschein. Die kaiserlichen Majestäten nebst den drei ältesten Prinzen wohnten sodann in Charlottenburg der Auflassung des zu wissenschaftlichen Zwecken bestimmten, vom Deutschen Verein zur Förderung der Luftschiffahrt gebauten Ballons „Humboldt" bei. Nach der Rück­kehr zum Schlosse nahm der Monarch den Vortrag des Zivilkabinetts entgegen. Nachmittags unternahm der Kaiser abermals eine Ausfahrt und wohnte dem Diner zu Ehren des Staatsministers v. Achenbach im Englischen Hanse bei. — Aus Berliner Hof­kreisen wird versichert, daß die Meldung, der Schwager des Kaisers, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, werde sich auf sechs Wochen nach Nordamerika zum Besuche der dortigen Weltausstellung begebe», zum Mindesten stark verfrüht ist. Es ist noch keinerlei fester Beschluß gefaßt. — Am kaiser­lichen Hofe in Berlin ist am Montag die Wiederkehr des Vermählungstages des Kaisers und der Kaiserin festlich begangen worden. — Die Militärkom­mission des Reichstages verhandelte am Mittwoch im Wesentlichen über die militär-technischen Anfragen des Abg. v. Bennigsen. Die Antworten der Heeres­verwaltung waren eingehend. Zu Beginn der Sitzung wurde die prinzipielle Frage entschieden, ob erst § 1 oder zuvor § 2 beraten werden soll. Der Abg. Dr. Lieber (Zentrum) erhob Widerspruch dagegen, daß zunächst in die Beratung des § 1 (Friedens­präsenzstärke) eingetreten werde, denn das Grund­

legende seien die Formattonen. Frhr. v. Hammerstein bemerkte darauf, man könne die Sache so oder so machen, da aber bei manchen Parteien nicht die Neigung bestehe, mit dem, was man wolle, ans Tageslicht zu kommen, so könne man die Zeit so oder so totschlagen. Abg. Lieber erwiderte, er wisse ganz genau, daß er 492000 Mann nicht wolle. Die Mehrheit der Kommission entschied sich dafür, daß in der nächsten Sitzung, die am Freitag statt­finden soll, in die Beratung von § 2 eingetreten werde. Bei der Beantwortung der Bennigsenschen Anfragen stellte sich die Regierung auf den Stand­punkt ihrer Vorlage. — Zu den Verhandlungen der Militärkommission bemerkt der deutsche Reichs­anzeiger, die Regierung habe die Zahlen der Finanzanttäge des Abg. Richter nicht als richtig an­erkannt, wie dies jetzt in der „Frs. Ztg." behauptet werde. Der Reichsschatzsekretär habe vielmehr aus­drücklich erklärt, er verwahre sich dagegen, daß aus dem Schweigen der Vertteter der verbündeten Re­gierungen zu den einzelnen Abschnitten der Richterschen Anttäge etwa der Schluß gezogen werde, als ob ihrerseits der Inhalt der Anträge für ttchtig erachtet werde. — Ter Reichsanzeiger macht auf die bevor­stehende Einführung der Mitteleuropäischen Zeit auch im bürgerlichen Leben aufmerksam und fordert die Gemeindebehörden auf, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. — Die „Post" bringt folgende Mit­teilung : Es ist in einigen Blättern die Rede davon, im Bundesrate sei eine Parteiströmung dafür, den Ausschluß geistlicher Orden aus dem Deutschen Reiche aufzuheben. Gutem Vernehmen nach ist in den lettenden Kreisen der Reichsregierung hiervon nichts bekannt. — Die Freunde der Reform des höheren Mädchen-Schulwesens haben eine Zeitlang gehofft, es werde noch zur Beratung der einschlägigen Fragen eine Kommission einberufen werden; wie glaub­würdig verlautet, ist indessen der preußische Unterrichts­minister nicht geneigt, sich von einem solchen modus procedendi etwas Ersprießliches zu versprechen. — Im Reichstage ist abermals eine größere Zahl von Petitionen für die Militärvorlage eingegangen. — Der Wortlaut der Ansprachen, welche zwischen dem Papst Leo XIII. und dem deutschen Abge­sandten General von Los beim Empfange des Letz­teren gewechselt worden sind, ist jetzt publiziert. Der General hat den Glückwunsch des deutschen Kaisers unter Ueberreichung eines kostbaren Ringes ausge­sprochen, und der Papst hat mit den besten Wünschen für das Wohl des Kaisers und der kaiserlichen Fa­milie geantwortet. Der General wird der Träger

eines eigenhändigen Briefes des Papstes an den deutschen Kaiser sein. — Am 1. April werden es zwei Jahre, daß die Kommission für das Bürger­liche Gesetzbuch, damals unter dem Vorsitz des Staatssekretärs im Reichs - Justizamt und jetzigen Präsidenten des Reichsgerichts vonOehlschläger, ihre Thätigkeit begonnen hat. Diese war im Ganzen auf zwei Jahre veranschlagt. Bis jetzt ist die Kom­mission bis zum § 868 gelangt, während etwa zwei­tausend Paragravhen zu erledigen find, die noch die allerschwersten Aufgaben für die Kommisfion um­fassen. Es wird jetzt allgemein angenommen, daß zur Abwickelung der Gesamtausgabe noch mindestens drei Jahre erforderlich sein werden. Es wird dem­nach vielleicht eine Anzahl von Jahren im neuen Jahrhundert vergehen, bis das Bürgerliche Gesetzbuch Rechtskraft im Deutschen Reiche gewinnt.

— Die Ansprache d eS Papstes auf den Glückwunsch des Generals v. Boe, des Abge­sandten des deuffchen Kaisers, zum 50 jährigen Bischofsjubtläum hat folgenden Wortlaut: „Wir sind von den Glückwünschen, die der deutsche Kaiser durch Ihre Vermittelung uns hat darbringen lassen, tief gerührt. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser neue Beweis der Hochachtung, welchen Ihr erlauchter Souverän dem Oberhaupte der Kirche gegeben hat, von den Katholiken des deutschen Reiches gebührend gewürdigt wird. Er wird in hohem Grade dazu bei­tragen, in den deutschen Katholiken die Ehrfurcht und die Treue zu vermehren, welche die Unterthanen zum Heile der Nationen den Vertretern und Inhabern der Macht gegenüber bewahren müssen. Wir sagen absichtlich „diesen neuen Beweis" und erinnern uns gerne der verschiedenen Umstände, wo bereits nach rem Beispiele seines erlauchten Großvaters, des Kaisers Wilhelm L, und erfüllt von den heiligsten Interessen seines Volkes Se. Majestät sich geneigt gezeigt hat, unsere Bemühungen um die Herstellung des religiösen Friedens zu unterstützen. Was uns betrifft, so werden wir nichts verabsäumen, um jenes Ziel zu erreichen, von dem der kostbare Gewinn ausgehen wird, nämlich die Verwirklichung der ge­setzlich berechtigten Wünsche, der Gewissensfriede und das Wachsthum des christlichen Gefühls in der edlen deutschen Nation. Dieselben Gesinnungen werden wir in unseren Antwortschreiben auf den Brief znm Ausdruck bringen, den Sie uns soeben übergeben haben, in dem Antwortschreiben, welches Sie die Ge­wogenheit haben werden, in die Hände Sr. Majestät zu legen, sobald Sie ihm Bericht erstatten über diese ehrenvolle Mission, die Ihnen mit so großem Rechte

Kleinigkeiten gefällig zu sein, so daß alle von ihrer Gutmütigkeit überzeugt waren.

Doch während all' der Jahre, welche sie in dem alten düsteren Schulhause verlebte, hielt Adelheid ihre Augen offen und wartete auf eine Gelegenheit, ihren Fuß auf die erste Sprosse der Leiter setzen zu können.

Diese Gelegenheit schien sich aber lange nicht bieten zu wollen.

Als jedoch Eva so unvermutet in den Besitz eines großen Vermögens gelangte und die reiche Erbin ihrer Freundin Adelheid den Vorschlag machte, ihr zur Seite zu bleiben, da erkannte Adelheid Braun, daß die Gelegenheit, zu einer Stellung in der Ge­sellschaft zu gelangen, jetzt gekommen sei und sie nahm daher ohne Bedenken das verlockende Aner­bieten Evas an.

Täglich, stündlich, während sie anscheinend Harm- los wie ein Kind plauderte und lachte, waren ihre Gedanken nur mit dieser Möglichkeit beschäftigt.

Dürrenstein hatte ihr wie eine Aussicht auf die Verwirklichung dieses Traumes geschienen. Er lebte in ihrer nächsten Nähe, sie würde ihn viel- leicht täglich sehen, das war eine Chance I

Dann aber hörte Eva, daß Dürrenstein arm sei und sie sah sofort ein, daß er sich um sie, die reiche Erbin, bewerben werde.

Nun, sie wollte es abwarten. Ein nicht zu armer Mann wäre schon etwas und wenn sie es der Mühe wert erachtet, wollte sie Eva schon aus- stechen. Mittlerweile wollte sie beobachten und har­ren, was sie Beides bewunderungswürdig verstand.

Ihre grauen Augen waren wie die eines Luchses. Nichts im Hause entging ihnen Sie merkte sich das Silbergeschirr, die Lage der Zimmer, die Ge­sichter der Dienerschaft und vor allem merkte sie

sich Adalbert Walter. Wer war der junge Mensch mit dem vornehmen Aeußern im Gewände des Dieners und warum that der alte Rechtsgelebrte so geheimnisvoll mit ihm? Warum hatte er sich ge­stellt, als wisse er nicht, wen sie meine, als sie ihn denselben befragt?

Diese Fragen beschäftigten sie, als sie auf der Terrasse auf und nieder ging und den Ponniewagen gewahrte, in welchem sich Eva und Walter befanden. Da war er wieder und — wie seltsam — an der Seite der zurückhaltenden und hochmütigen Eva sitzend. Nicht ahnend, daß seine Augen eben so scharf waren, wie die ihren, schlüpfte sie hinter die Urne, um Beide ungesehen beobachten zu können.

Die äußere Erscheinung fiel ihr ebenso auf, wie sie Eva ausgefallen war.

Nichts an ihm verriet ben Diener, ausgenommen vielleicht einige Kleinigkeiten an seinem Anzuge und als er sich zu Eva wendete, um zu ihr zu sprechen, bemerkte Adelheid, daß sein Lächeln wohl Achtung, aber nichts von der Unterthänigkeit eines Niedriger­stehenden an sich hatte. Was hatte Eva dazu be­wegen können, mit ihm allein eine Spazierfahrt zu machen?

Sie blieb in ihrem vermeintlichen Versteck, bis der Phaeton außer Sicht war, dann setzte sie sich in einen Schaukelstuhl und sich sanft in demselben wiegend, grübelte sie über dieses Rätsel nach.

Wohl eine Stunde lag sie so da, während ihr scharfer Verstand hinter den halbgeschlossenen Lidern emsig arbeitete. Dann nahm sie die Novelle, von der sie kein Wort gelesen hatte, in die Hand, stieg die Treppe hinab und schlenderte in den Park.

,Eva hatte weder Jaquett noch Handschuhe an," murmelte sie, „sie kann nicht außerhalb des Parkes fein, ich werde ihnen entgegengchen, beim ich möchte

mir ben verkappten Prinzen gern in der Nähe ansehen."

Der Park war sehr ausgedehnt, die Wege ge­wunden und abweichend, so daß sie nach kurzer Zeit fand, daß sie fehlgegangen sei.

Das Haus war nicht zu sehen und nachdem sie einen Pfad nach dem anderen eingeschlagen hatte, gelangte sie zu der Ueberzeugung, daß sie sich durch weiteres Gehen noch mehr verirrte. Sie blieb daher stehen und wollte sich eben niedersetzen, um auszu­ruhen, als die Büsche sich hinter ihr teilten und ein junger Mann heraussprang und auf sie zutrat

Sein Erscheinen war so plötzlich gewesen, daß jede andere junge Dame vielleicht davon gelaufen wäre; auch Adelheid wich etwas, wenn auch nur wenig, zurück. Aber ihr Gesicht wurde totenblaß und ihre Augen erweiterten sich, als sei sie von plötzlicher banger Furcht ergriffen.

Es war durchaus kein übel aussehender junger Mann von großer, nicht ungefälliger Gestalt, mit dunklem Gesicht, das durch den starken schwarzen Schnurrbart, der an den Spitzen gekräuselt war, noch dunkler erschien.

Lag es nur hieran oder an sonst etwas, das sich nicht definieren ließ, — kurz, er machte nicht den Eindruck eines feinen Mannes. Eine Sekunde lang sahen Beide sich an, der Ausdruck der Furcht in Adelheids Gesicht machte dem der Ueberraschung und erkünstelten Freude Platz, während seine Augen mit düsterem, verzehrendem Blicke auf ihr ruhten; dann hielt sie ihm beide Hände hin und murmelte in den zärtlichsten Tönen:

„Martini!"

Der junge Mann nahm ihre Hände und preßte sie zwischen die feurigen, welche heiß und feucht waren. Die reizende Adelheid Braun erschauerte zwar in-