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Karl Stauffer's Briefe rc., von der Redaktion. Offizielle Mstteilungen vom Verein der Künstlerinnen und Knnst- reundinnen. Verzeichnis des künstlerisch intereffanten Inhalt, von 37 Knnstzeitschriften und Jll. Blättern deS In- und Auslandes. Jllustrirte Berichte vom Internationale« Kunstmarkt. ,, _,

— Heber die Linientaufe berichtet die seekuudige Schrift- tellertu Helene Pichler in dem neuesten Heft vou .Zur Guten Stunde" (Berlin W. 57, Deutsches Verlag sh aus Bong & Co.) Die humorvolle Schilderung der verschiedene« Späße, die beim Passieren des Aequators gebräuchlich sind, wird durch prächtige, trefflich in farbigem Aquarelldruck ausgeführte Illustrationen unterstützt von denen das große Bild .Der Taufakt" eine ganz vorzügliche Kunstleistung ist. Mt diesem Aufsatze wetteifert an Lustigkett die Humoresk „Die Hosen des Herrn von Werdau" von Wolfgang Kirch­bach, deren urkomische Situationen F. Jüttner in drollige« Bildern wiedergegeben bat. Klanßmann's kriminalistischer Beitrag „Der Pfropfenzieher" entwickelt sich gleichfalls z« einem sensationellen Beitrage, der die Geschichte russischer Rubelfälschungen behandelt und nachweist, wie der Zufall der beste Freund des Kriminalisten ist. Einen interessante« wissenschaftlichen Beitrag hat W. Gallenkamp in dem Auf- atze „Eine tobte Welt" gegeben und den künstlerische« Fragen der Gegenwart wird der mit zwei Illustrationen geschmückte Artikel über das Kaiser Wllhelm-Denkmal z« Berlin von Paul Dobert gerecht. Im Romanteile feflel« die ausgezeichneten, spannenden Romane „Die Pflicht gegen sich selbst" von Fedor von Zabeltitz und „Fieberndes Blut' von Hermann Heiberg. Reicher Bildeischmuck und eine große Anzahl von belehrenden und unterhaltenden Mtt- teilungeu geben dem Hefte einen besonderen Reiz. Die be­liebte Gratisbeilage von „Zur Guten Stunde", die Jllustriette Klassiker-Bibliothek enthält jetzt die unvergänglichen dichterische, Werke L. Uhlands. Der Preis für ein Heft von „Zur Guten Stunde" beträgt nur 40 Pfg.

Katechismus der Völkerkunde von Dr. Heinrich Schurtz. Mit 67 in den Text gedruckten In Original- Abbildungen. Leinenband 4 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.

Mehr und mehr wendet sich die allgemeine Aufmerksamkest der Völkerkunde zu, die sich mit außerordentlicher Schnellig­keit aus dürftigen Anfängen zu hoher Bedeutung entwickelt hat und besttmmt scheint, der Mittelpunkt einer ganze« Gruppe bisher vereinzelter Wisienschaften zu werden. Et fehfte bisher an einem knappen, übersichtlichen Kompendium, da es allerdings ungemein schwierig ist, die Ergebnisie einer werdenden Wissenschaft in kurzen Schlagworten auszusprechen. Dennoch mußte der Versuch einmal gemacht werden und i« dem vorliegenden Merkchen, einem der bekannten Weberschen Katechismen, liegt die Verwirklichung dieses Versuches vor. Es ist keine einfache Beschreibung der verschiedenen Völker, die uns hier geboten wird, sondern ein Abriß der gesamte« Völkerkunde, die längst über die Stufe einer rein deskriptive« Wissenschaft hinausqeschritten ist.

dritten Morgenstunde machte er sich daran. Dann i ging er aber auch mtt der größten Vorsicht vor, 1 und als er um 6 Uhr Morgens dem auf der Straße die Wache habenden Schutzmanne die Meldung vou dem Brande in der Wohnung der Hauswirtin machte und daß man in die Räume nicht dringen I könne, da alle Thüren verschlossen seim, nnd als ' nun die Polizei und die Feuerwehr die Fenster । einschlugen und auf diesem Wege in die Wohnung । gelangten und des Feuers Herr wurden, die halb- : verkohlte Leiche der Warwara Michailowna auf dem Boden und dort auch die umgeworfene Lampe fanden, da hatte es fast den Anschein, als sollte der schlaue Plan gelingen. Die Polizei schöpfte zwar gleich Ver- dacht, doch den ersten Anhalt erhielt sie erst, als der Sohn der Ermordeten, der ans einer anderen Stadt auf die Nachricht vom Tode seiner Mutter herbeigeeilt war, erklärte, daß die Letztere 8000 Rubel in Wert- papieren besessen habe. Von diesen hatte die Polizei bei der Aufnahme der Sachen nichts gefunden; nur etwas über 100 Rubel Haares Geld war ihr dabei in die Hände gefallen. Die Polizei beobachtete •nun sorgfältig den Hausknecht Archistow und dessen Bekannte und am 14. d. M. war sie ihrer Sache so weit sicher, daß sie zur gleichzeitigen Verhaftung der beiden Mörder schritt, die denn auch gleich nach ihrer Verhaftung ein umfaffendes Geständnis ablegten. Sowohl die Wertpapiere als auch die beiden goldenen Uhren wurden bei ihnen noch vorgefunden.

— (Eine grausige Scene.) Ein Veteran der Befteiungskriege, der 1877 verstorbene russische Husarenoffizier I. Engel, beschreibt in seinen Denk­würdigkeiten als Augenzeuge aus der Schlacht bei Leipzig einen grausigen Vorfall, den wir ihm hier nacherzählen: In dem Augenblick, als wir uns zum Ueberschreiten der vom Feinde in Brand gesteckten Elsterbrücke bereit machten, kam eine schöne junge Dame im Alter von etwa 25 Jahren auf edlem englischen Pferde auf uns zn geritten. Sie dürfte die Frau eines französischen Stabsoffiziers gewesen sein, die in dem Wahn, französische Kavallerie vor sich zu haben, in unseren Reihen ihren Mann suchen wollte. Sie schien anfänglich von der heftigen Kanonade wie betäubt. An fünfzig Schritte vor unserer Front hielt sie ihr Pferd an, schaute gleich- gilttg auf das furchtbare Bild in ihrer Umgebung und wandte dann ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem vierjährigen Töchterchen zu, das sie vor sich auf dem Sattel hatte. Wiederholt versuchte die Reiterin, unsere Kavallerie-Kolonne zu durchbrechen; jedesmal aber stießen unsere rohen Soldaten sie zurück. „Wohin willst Du? Hier ist kein Platz für Dich!" schrieen sie ihr entgegen. Die Dame sagte zu alledem kein Wort; sie weinte auch nicht. Bald schlug sie die Augen zum Himmel auf, bald sah sie ihr Töchterchen

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_ Heber daS Deutschtum in Südafrika macht R. Marloth interessante Mitteilungen in den soeben erschienenen Nummer 4 der „Gartenlaube." Von den in Europa geborenen Einwohnern deS Kaplandes stad 13 Vs Prozent Deutsche, während alle übrigen nicht aus Groß­britannien stammenden Europäer zusammen noch nicht ganz 7 Prozent ausmachen. In jedem Berufe find daher auch die Deutschen zahlreich vertreten und insbesondere haben sie an dem Handel Südafrikas einen verhältnismäßig großen Anteil. Einen fast grotesken Anst.-ich har der Versuch Englands, aus der „Deutschen Legion" deS Krimkriegs Ansiedler für die damals in der Mitte der fünfziger Jahre noch schwach bevölkerte Kolonie zu gewinnen. In ridjtiger Schätzung von der seßhafter machenden Wirkung der Ehe sollten möglichst viele der Auswanderer noch rasch in Portsmouth unter die Haube gebracht werben. Zu dem Zwecke wurden Scharen englischer Mädchen, welche Lust verspürten, ausgedienten Kriegern in die afrikanische Wildnis zu folgen, so schnell als möglich auf eine Hulk, d h. auf ein altes abgetakeltes Schiff gebracht und nachdem sich dort die Paare mit Kotillon- Geschwmdigkeit gefunden hatten, ward sofort die allgemeine Trauung vollzogen. Der deutsche Feldprediger, welcher sich so ohne weiteres über bie englischen Gesetzesbestimmungen bezüglich der Eheschließung hinweggesetzt hatte, mußte sich schleunigst aus dem Staube machen und die Ehen selbst mußten noch nachträglich durch ein besonderes Gesetz des Köpfchen Parlamentes für gültig erklärt werden.

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— Soeben erschien Heft III des „Kunst-Salo n" von Amler & Ruthardt; dasselbe enthält an Kunst-Beilagen eine Original-Radierung von Max von Fichard „An der Alb", ferner einen Holzschnitt nach einem Studienkopf von Harold Copptttg (London.) Die Jllusttirten Berichte vorn internationalen Kunstmarkt sind wieder durch 24Illustrationen nach hervorragenden Werken in- und ausländischer Metster geschmückt. Der Textliche Teil bietet diesmal folgende interessante Arbeiten: Die Mimik im Dienst der bildenden Kunst von Prof. Karl Skraup. Das Kupferdruck-Papier von Georg Butz. Aus dem Wiener Künstlerhause von Dr. Alfred Nosfig. Brief aus Rom von Hermine von Preuschen- : Telmanu. Wie äutzert sich das Juteresse der unzivilisierten , Völkerschaften für die bildenden Künste? Von Paul Retchard , (Schluß). Der Kupferstich von Prof. Louis Jacoby nach , Sodoma's Gemälde „Die Hochzeit Alexanders und der - Roxane" von Dr. Ad. Rosenberg. Otto Brahms Werk:

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an. Schließlich aber mußte sie doch ihrem gequälten ■ Herze» Lust machen. ,0 mein Gott, ich muß von ; Sinnen fein; ich kann nicht einmal mehr beten", , prüdeste eS in- franzöfischer Sprache über ihre Lippen. ; Inb währenddessen schlugen unausgesetzt ftanzöstsche 1 Kugeln vom jenseitigen Ufer in unsere Reihen ein. Da plötzlich brach das Pferd der Dame zusammen. ( Eine Kanonenkugel hatte das Tier getötet, der un­glücklichen Retterin aber gleichzeitig das linke Bein zerschmettert. Der Cornet Lowenstern »nd ich sahen diese schreckliche Scene mit au und sprengten beide vor, um der Unglücklichen zu helfen. Da aber ver­nahmen wir die Stimme unseres Divisions-Kom­mandeurs, des Generals Grafen Pahlen. „Wohin reiten Sie, meine Herren?' rief er uns zu. „Wir wünschen der verwundeten Dame Hülfe zn leisten!' „Im Dienst existieren keine Wünsche. Reiten Sie ofort wieder auf Ihre Plätze! Thun Sie, was Ihnen befohlen wird", lautete die Entgegnung des Generals, und selbstverständlich gehorchten wir. Was dann aber kam, ach, es war zu furchtbar! Ohne einen Schmerzenslaut, aber hellste Verzweiflung im Blick, nahm die am Boden liegende Schwerverwundete ihr weinendes Töchterchen in die Arme, küßte es heiß und innig, löste von dem eigenen zerschmetterten Bein das blutgetränkte Strumpfband und — erwürgte mit diesem ihr Kind. Das alles hatte sich in wenigen Augenblicken vor unseren Airgett abgespielt, und nun lehnte sich die arme Mutter, die Leiche ihres toten Lieblings fest an die Brust gepreßt, gegen das tote Pferd. Ohne auch nur einen einzigen Klagelaut auszustoßen, ohne überhaupt noch ein Wort zu sprechen, erwartete die Frau wie ein Held ihr Ende. Das kam schnell genug. Die Kavallerie setzte sich jetzt in Bewegung. Taufende von Pferdehufen gingen über die Unglückliche hinweg. — Den Eindruck der entsetzlichen Scene habe ich mein ganzes Leben lang nicht ganz überwinden können.

.Litterarisches.

— In daS vielbesungene Neapel führt uns das neueste Heft der bekannten illustrirten Zeitschrift „Moderne Kunst" (Berlin, Verlag von Rich. Bong.) Der Text, der eine eingehende Darstellung des originellen und reizvollen Lebens der neapolitanischen Bevölkerung giebt, rührt von Woldernar Kaden her, der, seit Jahren in Neapel anfaiftg, wohl der kompetenteste Beurteiler ist. Die Illustrationen, die wie wir dies bei der Modernen Kunst" gewohnt sind, zum großen Teil in vorzüglicher, farbiger Manier gehalten sind, hat der Italiener Enrico Nardi gezeichnet, dessen charakteristische Darstellungsweisc in den Bildern, die Neapel . darbietet, reiches Feld zur BethSttgung hat. In dem anderen • uns vorliegenden Hefte der „Modernen Kunst beruhte- i Alfred Friedmann über Sevilla; auch hier schmucken zahl- ; reiche Illustrationen den Text. Die neu eingerichtete Rubrik ’ „Zick-Zack" bringt eine Unmenge niedlicher Portrats und 1 Illustrationen aus dem Leben der Gegenwart; wir finden • da Darstellungen berühmte Sängerinnen, Bilder vom Sport, l Abbildungen von Denkmälern, Porträts intercffanter Person-