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Bund, weil eS dadurch möglich werde, daß die Nationalltberalen und Freikouseroattoen den Land­wirten zu Hilfe kommen. Er halte eia Zusammen­gehen der Landwirte mit den Städtern sehr wohl für möglich, denn die Interessen der Landwirte wider­sprechen keineswegs denen der anderen Stände. Im übrigen begrüße er es mit Freuden, daß die Land­wirte mit dem Vorgehen der konservativen Abge­ordneten einverstanden seien. (Stürmischer Beifall.) Rittergutsbesitzer v. SaskarowSki: Es hat heute eine Versammlung der Polen stattgefunden. Diese hat beschlossen, in der LaudwirtschastspoltÜk mit den deutschen Landwirten Hand in Hand zu gehen. (Stürmischer Beifall.) Graf Mrbach (Sorquitten): Die großartige Bewegung erfüllt mich mit Geuug- thuung. Ich wünsche nur, daß die hohen Wogen, die sich allmählich aus einem agrarischen Tropfen gebildet haben, nicht an den Ufern zerschellen. Ich bin überzeugt, daß der Bund zu einer nie geahnten Kraft gelangen wird und auf der Grundlage einer starken Landwirtschaft sich aufbauen wird. (Stürmischer Beifall.) Es wurde alsdann einstimmig die Be­gründung des Bundes deutscher Landwirte beschlossen.

Deutsches Reich.

W. Werkt», 20. Febr. Unser Kaiser ist von seinem Ausfluge nach Wilhelmshaven, Helgoland und Oldenburg, in welcher Stadt der Monarch am Sonnabend Nachmittag die Garnison alarmieren ließ, wohlbehalten wieder in Berlin angekommen. Am Sonntag Vormittag wohnten die Majestäten mtt ihren drei ältesten Sühnen dem Gottesdienste in der Garnison- kttche bei, welcher vom Erzieher der kaiserlichen Prinzen, cand. theol. Keßler, abgehalten wurde. Im Schlosse empfing der Kaiser alsdann den Herzog Vittor von Rattbor, welcher die Orden seines verstorbenen Vaters in die Hände des Monarchen zurücklegte, und unter­nahm eine Ausfahrt. Abends war Familientafel bei der Prinzessin Friedrich Karl, worauf der Hof die Vorstellung im kgl. Schauspielhause besuchte. Am Donnerstag werden der Kaiser und die Kaiserin nach Neustrelitz reisen. — Zur Gewehrfrage glauben mehrere Berliner Zeitungen versichern zu können, daß an eine Neubewaffnung unserer Jnfautette mit einem kleinkalibrigen Gewehr zur Zett gar nicht ge­dacht werde. Vielmehr haben alle bisherigen Ver­suche mit kleinkalibrigen Gewehren bis zu 5 Millimeter nur ergeben, daß die deutsche Heeresleitung mit dem gewählten Kaliber von 7,9 Millimeter sehr zufrieden sein kann und daß auch mit dem Zukuuftskaliber nicht unter 7,5 bis 7 Millimeter herabgegangen werden dürste. Hauptsächlich sind die Haltbarkeit, Dauerhaftigkeit und Kriegsbrauchbarkeit der Waffe, sowie die noch nicht gelöste Pulverftage für kleinere Kaliber hierfür bestimmend gewesen. Auch fragt es sich, wie sich bei kleinerem Kaliber die tötende Kraft des Geschosses gegenüber der entgegenstehenden, lebendigen Kraft verhält. — Das Pariser Journal „Temps" bestättgt, daß der französische General Dodds aus der Benin-Kolonie an der Dahomey- kuste in Westafrika die Vertreter deutscher Firmen ausgewieseu hat, welche angeblich durch Waffen- liefemngen für den vertriebenen König Behanzin von Dahomey kompromittiert waren. Nach der gleichen Quelle hat Dodds beim Marineministenum in Paris um Instruktionen darüber nachgesucht, ob die be- tteffenden Faktoreien ganz geschlossen oder wenigstens die neuen Vettretern, welche von den Geschäftshäusern nach Afrika entsendet würden, provisorisch ebenfalls ausgewieseu werden sollen. — Der bekannte Berliner Bankier Gerson v. Bleichroeder ist am Sonn­tag Nachmittag gestorben. Bleichroeder war am 22. Dezember 1822 geboren, er begründete den Welttuf

griff, zu Herrn König hinunterzugehen, um ihn zu Bitten, den Teich abfischen zu lasten, wenn ein solcher vorhanden ist —"

Eva lachte. »Ich war auf der Terrasse," sagte sie. Es ist ein so herrlicher Abend."

„Die Lust ist kühl," bemerkte die alte Dame. „Sie werden sich hoffentlich nicht erkältet haben."

„Durchaus nicht," erwiderte Eva.

„Sie sehen etwas blaß aus," warf Adelheid lauernd ein. „Haben Sie vielleicht ein Gefpenf gesehen? Ich sehe als selbstverständlich voraus, daß dieses Schloß ebenso wie alle anständigen Herren­häuser ein solches aufzuweisen hat "

„Ich weiß es nicht," meinte Eva errötend.

„Ein Gespenst, ein Geheimnis, einen unter­irdischen Gang, ein verborgenes Zimmer, in das man nur durch eine geheime Thür gelangt," fuhr Adelheid fort, „verlange ich, um das Haus für vollkommen tadellos zu erklären."

„Ich denke, e» ist Zeit, daß wir uns zurück­ziehen," sagte Frau Merlin. „Vorhin erklärte der Justizrat, daß er morgen nach der Residenz zurück­kehren muffe. Er hofft, daß Sie ihm nach dem Frühstück eine Unterredung bewilligen werden."

„Unser einziger männlicher Schutz will uns schon so bald verlassen I" rief Adelheid „Wir werden hier sitzen, wie die drei alten Jungfern von Lea. Gott fei Dank, daß wir einen Nachbar haben! Soll ich nach Lichter klingeln? Denken Sie noch daran, Eva, wie wir noch vor einer Woche in den schauderhaften, frostigen, alten Schlaf- saal kommandiert wurden, mit feinen acht Betten und sechszehn Mädchen und jetzt?" — sie sah sich um und zuckte die Achseln, „o, ich kann es noch immer kaum für möglich hasten!"

des Bankhauses S. Bleichroeder, und nahm u. A. in hervorragender Weise an den Verhandlungen über die im Jahre 1871 von Frankreich zu zahlende Kttegsentschädigung Teil. Er war bekanntlich auch >es Fürsten Bismarck Verttauensmaun in allen Finanzsachen.

Leipzig, 20. Febr. Der Coburger L. C., der Verband deutscher Landsmannschaften auf deutschen Hochschulen feiert, wie bekannt, in diesem Jahre die Feier seines 25 jährigen Bestehens. — Der Coburger L. C. hat davon absehen müssen, die Feier in Co- iurg selbst abzuhaltcn, da die Zahl der angemel­deten Teilnehmer schon jetzt eine so große ist, daß Coburg für die Abhaltung der Feier zu klein er- 'cheint. Leipzig ist daher als Festort gewählt worden. Die Feier findet Ende Juli und Anfang statt. Nach dem bis jetzt aufgestellteu Programm verspricht das Fest ein recht glänzendes zu werden.

Hessen-Nassau.

t Marvnrg, 20.Febr. (Pfarrer Bern­hard f.) Heute morgen durcheilte die Trauer­botschaft unsere Stadt: Herr Pfarrer Bernhard ist entschlafen. Einer der bekanntesten und angesehensten Männer unserer Stadt ist damit unerwartet schnell aus unserer Mtte geschieden. Wenn er auch seit einiger Zeit fich schon nicht wohl fühlte, so sahen wir ihn doch noch bis vor 10 Tagen unverdrossen einer Aemter warten und als ihn in der Nacht vom 3. auf den 9. Februar ein Schlaganfall traf, wozu ich noch eine schwere Lungenentzündung gesellte, mußten wir wohl um ihn besorgt sein, indessen hofften wir, als die Krankheit einen normalen Verlauf zu nehmen schien, bei seiner sonst so kraftvollen Natur und seinem noch nicht hohen Alter, eS sei Gottes Wille, ihn den ©einigen und uns zu erhalten. Aber des Herrn Wille, war ein anderer und um 7 Uhr heute morgen hat er seinen treuen Knecht erlöst und zn fich gezogen. Er ruhe in Frieden; unS aber wird er allezeit in einem guten Andenken und ein Vorbild treuester Pflichterfüllung bleiben. Denn daß er ein treuer Arbeiter im Weinberge seines Herrn war und ihm diente in Kirche und Schule, wie selten einer, das wissen wir alle zur Genüge. Bekleidete er doch neben seinem Pfarramt, das er mit Hingebung, Freude und Kraft, als begabter Kanzelredner und unermüd­licher Seelsorger verwaltete, auch das Direktorat der höheren Töchterschule und die Stelle des Inspizienten der städtischen Schulen. Und gerade auch in diesen Schul­ämtern entfaltete er die reichen Gaben seines Geistes und Herzens. Mit der Schule war er aufs Innigste verwachsen in dem Bewußtsein, daß Kirche und Schule unzerttennlich zusammengehören. Dies Bewußtsein, diese Liebe zur Kirche und diese Freude an der Er­ziehung und dem Unterricht der Jugend verdantte er, wie er selbst manchmal es bekannt hat, zum guten Teile dem Segen des Vaters, der lange hier in Marburg als Hauptlehrer an den städtischen Schulen wirksam, als Organist an der Elisabethkirche zugleich auch im Dienste der Kirche stand und durch seine kindliche Frömmigkeit seinen Kindern ein echtes Vor­bild war, die er auferzog in der Vermahnung des Herrn. Der Verstorbene ist demnach ein Marburger Kind. Er wurde hier im Jahre 1832 geboren und stand jetzt im 61. Lebensjahre. Seinen Unterricht empfing er auf dem hiesigen Gymnasium und studierte auch an hiesiger Universität Theologie. Nach gut bestandenen Examina versah er kurze Zeit das Pfarr­amt in Nieste bei Cassel, worauf er in's Schmal- kaldische versetzt wurde, wo er nacheinander die Pfarrstellen in Fambach und Steinbach—Hallenberg inne hatte. Von letzterem Orte aus kam er 1878 nach hier, wo er erst die Stelle des Subdiakonus,

Eva lackte, aber etwas nachdenklich und die drei Damen begaben sich auf ihr Zimmer.

Aus dem Treppenabsatze blieb Eva stehen und sah durch eine der geöffneten großen gemalten Glas­scheiben und ihr Blick fiel auf den Turm am Ende der Terrasse und den Baum, unter welchem sie gestanden und Adalbert Walter den Saum ihres Kleides geküßt hatte.

War es Einbildung oder Täuschung des Mond­lichtes, oder stand dort wirklich eine männliche Ge­stalt, welche nach dem Hause blickte? Ihr Herz pochte in schnelleren Schlägen, sie wendete sich ab und eilte in ihr Zimmer.

Eva erschrak fast, als sie Betty dort fand, welche ihren Toilettentisch für die Nacht ordnete. Billige Kostschulen können für ihre Schülerinnen keine Kammerjungfern halten und Eva, welche bis jetzt, wo ihr ein Regiment derselben zur Verfügung stand, nie einen Dienstboten gehabt, fühlte sich etwas befangen.

„Haben Sie hier noch zu thun, Betty?" fragte sie freundlich.

„Gewiß, gnädiges Fräulein, ich muß Ihr Haar ordnen und Sie bedienen," erwiderte Betty.

„Eva lächelte

„Nun gut," sagte sie ergebungsvoll. „Ich wußte das nicht, ich habe nie zuvor ein Mädchen gehabt. Also machen Sie, was Sie wollen."

„Ach, welch' wunderschönes Haar haben Sie, gnädiges Fräulein!" rief Betty unwillkürlich aus, als sie Evas reiches Haar löste. „Verzeihen Sie meine Dreistigkeit, aber es ist prachtvoll."

„So?" meinte Eva. „Es ist leider nur etwas zu rot."

«Fortsetzung folgt.)

eit Kolbes Fortgang 1887 die Stelle des Ecclesiasten an der Pfarrkirche und Pfarrers an der Elisabeth- ttche bekleidete. 36 Jahre hat er seinem Herrn dienen dürfen. Um ihn trauern die Witwe, 2 Söhne und 3 Töchter, Schwieger- und Enkelkinder und die ganze Gemeinde. Nochmals: Er ruhe im Frieden!

M«rv»kg, 20. Febr. (Student. Orchester- Konzert.) Wie aus dem Inseratenteile ersichtlich, wird heute, Montag, Abend um 8 Uhr in der Aula der Universität, unter gütiger Mitwirkung der hiesigen Sopranisttn Frl. Helene Hanßding, ein Konzert des Studentischen Orchesters ftattfinben,. auf das wir alle Musikfreunde unserer Stadt auch an dieser Stelle nochmals besonders aufmerksam machen. Die Wahl der einzelnen Programmstücke verspricht einen genuß­reichen Abend.

Marvnrg, 20. Februar. (Schwurgericht.) Heute Vormittag 9^ Uhr begann die erste dies­jährige Schwurgerichtspertode im großen Sitzungs­säle des Königlichen Landgerichts. Für die heutige Sitzung ist der Gerichtshof zusammengesetzt aus den Herren Landgerichtsdirektor Bunsen als Vorsitzender, Landgerichtsrat Kind und Landrichter Marttn als Beisitzer, sowie dem Protokollführer Referendar Leon­hard II. Die Anklage wird vertreten durch den Ersten Staatsanwalt, Herrn Grawert, die Vetteidiguug ührt Herr Rechtsanwalt Dörffler. Zur Bildung der Geschworenenbank wurden ausgelost die Herren: Kaufmann Eduard Hecker hierselbst, Kaufmann Wil­helm Pothmann hierselbst, Ackermann Johannes Hoos I. n Leimbach, Vizebürgermeister Johannes Schneider in Lohra, Kaufmann Karl Storck hierselbst, Acker­mann Paulus Herbener in Marbach, Kaufmann Ferdinand Decher in Mendorf (Amt Neustadt), Ackermann Johs. Franz in Niederweimar, Loh­gerber Adam Stausebach II. in Kirchhain, Oekonom Karl Kothe in Jesberg, Landwttt Georg Triesch- mann in Berge, Oekonom Heinrich Kirchhainer in Niederwetter. Zur Verhandlung steht eine Anklage wegen Körperverletzung mit tätlichem Er­folge gegen den 28 jährigen Dienstknecht Heinrich Breßler aus Mardorf. — Das Nachmittags gegen 2 Uhr verkündete Urteil lautete auf Freisprechung.

Marvnrg, 20. Febr. Aus Marburg wird der Berliner „N. Preuß. Ztg." folgendes geschrieben:

„Eine bedeutungsvolle Woche liegt hinter uns. Zwei Versammlungen haben die lebhafte Aufmerksam­keit auf sich gezogen. Der landwirtschqftliche Kreis­verein Beriet eine Aufforderung des Bunzlauer Komitees zum Beitritte zum Bunde der Landwirte und Ab­endung von Abgeordneten zum 18. Februar nach Berlin. Der Kreis hat bekanntlich nur zwei Ritter­güter von mäßiger Größe, im übrigen einen kräftigen durchweg konservativen Bauernstand. ES ist daher von besonderem Interesse, daß die zahlreiche Ver- ämmlung sich lebhaft für den Beittitt erklärte und zwei Landwirte als Vertteter für die Versammlung am 18. Februar wählte. — ®ine zweite aus dem ganzen Kreise sehr zahlreich besuchte Versammlung hielt der Konservative Verein ab. Das Programm und insbesondere die Stellung zur Judenfrage bildete den Gegenstand eines mit einmütiger Zustimmung aufgenommenen Vorttages des Rechtsanwalts Hand- chuh und alle Redner traten der Auffassung des konservativen Programms bet, welches auch von der Versammlung genehmigt wurde. Daun folgte die Besprechung der Militärvorlage, deren Annahme der Vorsitzende Justizrat Dr. Grimm in warmen Worten und mit einer von patriotischer Begeisterung getragenen Zustimmung der Versammlung befürwortete. Ein­stimmig wurde eine Petition an den Reichstag be- schloffen mit der Bitte:

„Dem von den verbündeten Regierungen vorge­legten Gesetzentwürfe wegen voller Ausnutzung der deutschen Wehrkraft des deutschen Reiches in den wesentlichen Punkten seine Zustimmung zu erteilen, — im Interesse der Erhaltung des Friedens, des wirk- samen Schutzes des Vaterlandes und der Erleichterung der persönlichen Lasten des Dienstes für den einzelnen, die zur Deckung der Kosten der neuen Heeresein- richtung erforderlichen Mittel unter thunlichster Schonung der bereits schwer belasteten Landwirtschaft und des bürgerlichen Gewerbes zu beschaffen."

Das lebhafte Interesse war wesentlich durch die vorausgegangene Agitatton des Dr. Böcke! gegen die Militärvorlage und die demagogische Art derselben aller Orten wachgerufen. Seit der Veröffentlichung des konservativen Programms kennt der antisemitische Volksmann keine Grenzen mehr. Die letzte Nummer von Dr. Böckels „Reichs-Herold" leistete fich folgen­den Ausfall:

„Die Konservattven mit und ohne MaSke, 1887 Arm in Arm mit dem Liberalismus, 1890 mit dessen Todfeind dem Anttsemitismus, innerlich immer dieselben lauen, schmachtlappigen, augenverdrehenden, stumpfen Gesellen, so schwanken die Konservativen dahin im Kampf der Parteien. Zu faul zum Schaffen, zu verdorben zur geistigen Neugebutt, wankelmütig und unklar, bleiben die Konservattven ttotz aller Häutungen eine Mumie ohne Leben u. s. w."

Diese Tonatt »tritt bei unserer Bevölkerung das Gegenteil von dem, was fie beabstchttgt. Die Be­völkerung fängt an, sehr stutzig zu werden".

Marvnrg, 20. Febr. (Fackelzug). Der morgen Abend zu Ehren des Herrn Prof. Birt stattfindende Fackelzug wird Aufstellung ^7 Uhr am Bahnhof nehmen und fich durch Bahnhofstraße, Elisabethstraße, Steiuweg, Wettergasse, Marktgasse, Nikolaisttaße, Kirchhof, Windgasse, Ritterstraße, Kugelgasse, Barsnßerstraße, Plan, Kasernenstraße und nach dem Kämpftaseu bewegen.

? Marvnrg, 20. Februar. (Die Feier des 50jährigen Bischofs-Jubiläums Papst Leo XIII.) „Von unseren Kindern, deren Liebe und rommer Eifer ‘für uns bekannt ist, ertoarten wir sicht so sehr Glückwünsche und Lobeserhebungen, andern vor allem innigen Dank gegen Gott und in. tändiges Gebet." Diesen Worten des hell. Vaters gemäß feierte die hiesige kath. Gemeinde gestern sein 50 jähriges Bischofsjubiläum. Indessen mußte, nach­dem in feierlichem Gottesdienste und Te deum dem Allerhöchsten der schuldige Dank abgestattet worden war, auch das Herz, das seine Freude äußerlich kundgeben will, zu seinem Rechte kommen. So fand Abends 8 Uhr im sehr schön geschmückten, bis auf den letzten Platz besetzten Saalbau auch eine welt­liche Festfeier statt, die einen überaus erhebenden Verlauf nahm und die Teilnehmer in die freudigste Stimmung versetzte. Nachdem Herr Bau- und Betriebs - Inspektor Schwarnborn in warmen Worten die Versammlung begrüßt hatte, er­teilte er dem Herrn Realoberlehrer Dr. Schäfer das Wort, der in wohl durchdachtem einstündi­gem Vorttage die eminent friedliche und doch o erfolgreiche Thätigkeit Leo XIII. auf ver- chiedenen Gebieten, namentlich auf dem der Schule und der Diplomatie schildette und mit einem be­geistert anfgenommenen Hoch auf den weisen und großen Papst schloß fich ein Hoch auf unseren ge­liebten Kaiser, welches Herr Pfarrer Dr. Weber ausbrachte. Mit großem Beifall wurden die vor­züglichen Deklamationen von kath. Gymnasiasten und Realschülern, sowie die Liedervorttäge eines muster­haft geschulten gemischten Kirch-nchors aufgenommen. Das schöne unvergeßliche Freudenfest, bei dem auch nicht ein Wort gegen Andersgläubige gehört wurde, und das kein Mißklang trübte, hielt die Teilnehmer bis Mitternacht zusammen. Es ist selbstredend, daß auch die städtische Kapelle ihr bestes Können zum Gelingen des Festes einsetzte.

Marvurg, 20. Febr. (Witterung.) Früh­lingstage nahen. Bei mildem Sonnenschein waren gestern bis zu 11,25 Grad C. Wärme. Auch die Nacht hatte noch 3,75 Grad C. und heute morgen 8 Uhr find 5 Grad C. Wärme bei starkem Nebel undiSüdwestwind. Barometerstand noch unverändert. (749 mm.)

Wgvern, 16. Febr. Der landwirtschaftliche Kreisverein Fritzlar hielt heute hier im Hotel König von Preußen eine Sitzung ab, die von fast 100 Personen besucht war. Nach verschiedenen geschäft­lichen Mitteilungen wurden zur Vertretung des Vereins in der Versammlung des landwirtschaftlichen Zenttal- vereins die Herren Rusche-Kleineuglis, Lüttich-Nieder­urff, Bürgermeister Hellwig-Haddamar und Nöll- Gudeusberg gewählt. Der Hauptgegeustand der Tagesordnung war der Anschluß au den Bund deutscher Landwirte. Der Vorfltzende, Herr Neutze, schilderte an der Hand verschiedener Auftuse und Zeitungsberichte die gegenwärtige Bewegung unter den Landwitten in ganz Deutschland und betonte die Notwendigkeit des festen Zusammenschlusses. In längerer Rede ließ sich Herr Hofmann von Borken aus über die Ursachen des Niederganges der deutschen Landwirtschaft. Zum Schluß sagte Redner, die Land- witte hätten von jeher einen gemeinsamen Feind be­sessen, in der deutsch-freisinnigen Pattei. Die Deutsch- freifimtigen seien es, die bei jeder Gelegenheit die Notlage der Landwirtschaft ableugneten und die Klagen über den Niedergang für grundlos erklärte. Die Landwirte müßten sich, was Organisation und Dis­ziplin anlangt, nach dem Muster der Sozialdemokratie eng zusammenschließen, es auch an Opfermut nicht fehlen lassen, denn ohne Geld lasse sich nichts erreichen. Von bett noch anwesenden Personen zeichneten sofott 46 eine Gesamtsumme von nahe an 1200 Mark. Listen zum Zeichnen von Beittägen sollen in allen Gemeinden zirkulieren; als Anhalt für die Höhe der Beiträge wurde 10 Pfg. pro Acker angenommen. Auch die Abhaltung von Volksversammlungen an verschiedenen Orten des Kreises ist in Aussicht ge­nommen. Zu $ elegierten für die in Berlin statt­findende konstituierende Versammlung des Bundes wurden außer dem Herrn Vorsitzenden die Herrn Hofmann-Borken, Röver-Undenborn und Nöll-Gudens- berg gewählt. In seinen Schlußworte» betonte Herr Neutze, daß zum ersten Mal der Verein sett seinem Bestehen sich mit einer Frage von politischer Be­deutung befaßt habe, allerdings mehr „der Not ge­horchend, nicht dem eigenen Triebe".

Kassel, 15. Februar. Wie es heißt, wird der Stadttat dem Bürgerausschuß Vorschlägen, die Zu­schläge zur Staats - Einkommensteuer (gegen das laufende Rechnungsjahr) um 10 Prozent, die Zu­schläge zur Staats - Grund- und Gebäudesteuer um 15 Prozent zu ermäßigen, dagegen die Staats-Ge­werbesteuer, welche in den letzten Jahren mit Zu­schlägen nicht mehr bedacht worden war, mit 80 Prozent heranzuziehen. Die Zuschläge zm Staats- Einkommensteuer mürben also 110 Prozent, die zur Staats-Gruud- und Gebäudesteuer 85 Prozent be­tragen.

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Berlin, den 18; Febrnar 1893.

3n der Sonnabendsitzung wurde die Beratung de» Etats des Reichsamtes des Innern fortgesetzt und die Forderung für die Alters- und Invalidenversicherung be- wMgt, bei welcher eine lebhafte Debatte über die mit dem genannten Gesetz gemachten Erfahrungen entstand. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr (Aegyptischer Handelsvertrag und Etatsberatung). In der Debatte sprach Abg. Barth (freif.): Die Befürchtung aus, der Reichszuschuß für die Alters- und

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