in- und außerhalb des Landes, umb daselbsten bei gutherzigen Christen eine Znsteuer zu angedeutetem Behuff zu Collegien, wie in dergleichen Fällen Her- kommeuS abzufertigeu gemüßiget werden.
Also gelaugt an alle guthertzige Christen hohen vud niederen Stander die fteundliche vnd dieust- fleißige Bitte, ste wollen fich dieser armseligen, verderbten Stadt bad der Bürgerschaft mitleidiglich vmb Christlicher Lieb willen ihnen im besten befohlen sein lassen, vud Borzeiger dieses so zu einer Colektener- hebung angeordnet eine Christliche beisteuer mildiglich Mitteilen, damit die in Fessel und Banden wegge- Wtte Personen aus ihrem Elende fürderltch erläßt vud erledigt werden mögen rc.
Dieses zur wahre» uhrkundt hohen wir außer gemeinen Stadt Marpurgk Jnfiegel wissentlich hierin drucken lassen durch den jetzigen regierenden Bürgermeister subscttbieren lafleu. Signatum Marpurgk den 19. Februar Anno 1648.
(St. 8. Henricus Klunck p. t. Cons.
Die Beisteuer fiel für die damalige Zeit bedeutend genug auS, indessen war fie doch nur ein kleiner
Bettrag zu der von den Kaiserlichen geforderten Summe, deren Bettäge unter folgender Empfehlung des damaligen Superintendeutm Hannekontus angefügtift. Bon 1626 —46 warHannekonius Professor in Marburg. Dem Schreiben war die Bemerkung zugefügt „Zur Erledigung der gefangenen Ratsherrn und Bürger der lieben Stadt Marpurgk, welche mtt alle wohl bekannt und redliche Evangelische Leute find, 12 Thaler. Zugleich richte ich an alle frommen Herzen die Bitte, daß jeglicher nach seinem Vermögen der armen ausgesogenen Stadt unter die Arme greife, da durch die Plünderung und vielfache Exentiones die Stadt nicht im Stande ist, die 15000 Thaler zusammen zubringen. Lübeck 12. April 1648. Dr. Sup. Menno Hannekontus." Die Kämmerei zu Lübeck gab 20 Thaler, das Armeewerkhaus 3 Thaler daselbst. Der Stadtrat zu Hamburg 25 Thaler, zu Lünnebmg 35 Thaler, zu Bremen 30 Thaler, zu Münden 22 Thaler, die resorm. Gemeinde in Altona 20 Thaler. In Cassel wurden 1260^ Thlr. gesammelt n. s. w. Demohugeachtet blieben nach Abzug aller Kosten nur 997 Thaler 33 AlbuS übttg,
welche an die Stadt abgeliefert und wahrscheinlich als Lösegeld für den letzten Gefangenen benutzt wurden.
Das Jahr 1648 fand Hessen von allen Feinden gesäubett, der Landgräfin wurde noch eine andere Freude zuteil. Landgraf Georg, an einem Erfolge seiner Waffen verzweifelnd, ging zu Unterhandlungen über. Anfangs April erschien sein Erbfolger Ludwig in Cassel als Friedesuchender. Amalie beutete nicht ihren Vorteil aus, ließ Georg mehr von Oberhessen als das Auttägalgettcht von 1605 verordnete und besiegelte am 14. April 1648 mit Landgraf Georg einen feierlichen Verttag. Dieser besuchte dann die Landgräfin, welche im Juli zur Kur in Wiesbaden weilte, sie erwiderte diese Höflichkeit zu Rüsselsheim. So war der hessische Stteit nicht mehr friedestörend, der daS Land 18 Städte, 100 Dörfer und 47 Edel- sttze, welche vernichtet waren, gekostet. In dieser Schreckenszeit waren zwei Drittteil der Bewohner entweder au Seuchen gestorben, oder von denen zu Teufel entarteten Kriegsknechten gemordet worden. Aber auch des Kaisers Waffen waren nicht mehr
glücklich. Melander Graf Holzapfel verlor am 7. Mai ohnweit Augsburg in der Schlacht gegen die Schweden das Leben. Der hessische Generalbefthlshaber I. Geisse erfocht über Lumbog am 4. Juni bei Greven» broich einen glänzenden Sieg, die FriedenSmtterhand- lungen kamen allmählich in Gang und das dreißig, jährige Mordwerk endete durch allgemeine tätliche Erschöpfung. Am 14. Oktober durcheilte die Botschaft des Fttedens die deutschen Lande. Der Friedens« schluß zu Osnabrück und Münster bestätigte den Verttag mit Landgraf Georg und der Landgräfin Amalie Elisabeth. Nur ein Teil der Bewohner Hessens lebte noch, ein gepeinigtes Geschlecht, welchem Hoffnung und Zutrauen abhanden gekommen waren. — Die Landgräfin hatte elf Jahre an ihrem Standpunkt unerschüttert festgehalten. Am 26. September 1650 übergab fie ihrem Sohne Wlhelm VI. in feierlicher Versammlung im Schlosse zu Cassel die Regierung. Am 8. August 1651 erlosch, erst 49 Jahre zählend, das Lebe» von Hessens größter Regenttn.
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