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Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhaus in Marburg. Redaktion »nd Expedition: Markt 21.
Marburg,
Sonnabend, 4. Februar 1893
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstcin u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Mm; Rudolf Moflein Frankfurta. M., Berlin, München».Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVIII. Jahrg.
emng ul 21.
Die deutschen Landwirte.
In der „Landwirtschaftlichen Tierzucht" ist unter bem Titel „Eine Frage an die Regierung, eine Mahnung an die deutschen Landwirte" ein Aufruf
offen
«schimen, welcher den Anlaß zu einer ernsten Er- -rterung der jetzigen Wirtschaftspolitik gegeben hat. Zn diesem Auftuf wird den Behörden ein Mangel an Verständnis für landwirtschaftliche Angelegen-
heitm vorgeworfen. Es sei ein Unglück, daß wir „ . nur von Jurfften regiert werden. Man sehe das ||nf Regieren als Selbstzweck an, und so sei ein Ueber- *' wuchern des Bureaukratismus eingetreten. Früher
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zu bunt machte, aber heute fehle es an der Kenntnis
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r|H des praktischen Lebens
? in bat leitenden Kreise
mit allen seinen Bedürfnissen
Kreisen. Die Landwirffchast werde
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als das stumme Schaf angesehen, welches zum Wohle der Allgemeinheit geschoren werde.
sei noch ab und zu ei» „heilsames Donnerwetter" dazwischen gefahren, wenn die Bureaukratie es gar
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Am Schluffe des Auftufs heißt dann wörtlich: „Unsere Ziele liegen klar vor uns:
(7i Wir brauchen eine starke Gesamtvertretung der jnßgj Landwirtschaft in Landwirtschaftskammern mit maß- i gebenden Simmen in allen wirtschaftlichen Fragen.
Wir gebrauchen einm landwirtschaftlichen Minister UtftC machtvoller Stellung unter seinen Kollegen, der I3vti entschlossen ist, unsere Interessen zu schützen und zu ßo jBrbcnt.
” Wir gebrauchen einen weisen Zollschutz gegenüber ba mächtigen Konkurrenz des Auslandes, Vervoll- naTI kommnung unserer Transportmittel, Ausbildung un-
Aräfte im Jnlande anzufiedeln, wir gebrauchen in den Parlamenten eine große Wtrtschastspartei, deren Mtglieder Verständnis für die wirtschaftlichen Fragen, und Entschlossenheit zu ihrer Lösung haben, welche nicht befangen durch das Geschrei einer einseittgen, kenntnis-
ieffen, 8.
, serer Beamten in beit Anforderungen des praktischen “ M gebens, Förderung des landwirtschaftlichen Versuchs- tllt b mb Meliorationswesens, um immer unabhängiger (60i tiorn Auslande zu werden, unsere überschüssigen
**** losen Presse, unsere Existenz den blaffen Theorim
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!
opfern. Wir brauchen in der Presse ein gut geleitetes Organ, welches unsere Sache vertritt.
Zu diesem Werke rufen wtt alle deutschen Land-
! Witte: in jedem Kreise sollen und werden sich Männer ; finden, welche unsere Berufsgenossen versammeln, um • in diesen Fragen Stellung zu nehmen, welche Ver- : trauensmänuer wählen für eine in kürzester Fttst in «Berlin abzuhaltende konstituirende Versammlung. - Die Redaktion der „Landwittschastlichen Tierzucht"
Autrr -er Königstanue.
Preisgekrönter Roman von M. Th. May.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Yella wandte sich mit einer Geberde tiefster Ver- Atung ab und ging dem Nebenzimmer zu, um Siegfrieds Wunsch zu erfüllen. Doch da trat schon naße Paul herein mit der Lampe in der Hand, er war M erwacht.
Der Direktor ließ sich durch kein Zeichen er- lennen, daß ihn Yella» Gegenwart überraschte.
„Bitte, rufen Sie ihn," sagte er gelassen, indem «r sich im Bette ein wenig aufrichtete, „ich hötte CHI Schritte im Korridor, an da» Vorzimmer klopfte je- J ßwand, er soll nachsehen, wa» es giebt."
, Salberg schrak zusammen.
„Lassen Sie niemand herein, Baronesse," stotterte er, „ich sage sonst alles."
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< Wie eine plötzliche Betäubung war es unter den • Mterfüllteu, leidenschaftlichen Worten Salbergs über -8ella gekommen; seine Bewegung weckte sie.
„Wenn Sie sich nur einen Schritt von der Kelle rühren, so schieße ich!" rief sie zum Aeußersten chlossen und hielt den Revolver fest auf Saigs Brust gerichtet.
..Paul!" rief plötzlich mit matter Stimme der Kranke von seinem Bette. Yella und Salberg, die mehrere Schritte von dem Lager entfernt standen, wandten sich gleichzettig erschreckt um.
In der furchtbaren Auftegung de» Momente» hatte selbst Yella vergessen, daß Siegfried sie hören mußte.
„Paul! rief der Direktor noch einmal, indeß Salberg sich nicht rührte.
„Paul schläft, Herr Direktor," sagte Yella, in- bem sie sich zu fassen suchte.
in Bunzlau ist vorläufig bereit, alle Anmeldungen und Mitteilungen entgegenzuuehmen und die vorbereitenden Schtttte für diese Versammlung zu thun.
Wohl müssen wir darauf gefaßt sein, daß die uns feindlich gefinnte Presse in lieblichem Chor unser Vorhaben verketzern wird, lassen wir ihr das Vergnügen. Mcht krasser Eigennutz ist eS, was uns tretet, es ist der berechtigte Ttteb der Selbsterhaltuug, der Wunsch, uns und unsere» Arbeitern das tägliche Brot zu erhalten. Wir wollen nicht unzufriedene Nörgler sein, sondern gerade der mehr und mehr um- fichgreifendm Unzufriedenheit im Lande den Boden entziehen, ehe es zu spät ist, ehe das Gift derselben die Grundmauern unseres StaatSlebeuS gänzlich zerfteflen hat.
Noch nie hat die deuffche Laudwittschaft mtt Gut und Blut gegeizt, wenn es galt, für das Vaterland einzutteten; wenn in schweren Zeiten daS Kapital fich ängstlich zurückzog, die Landwtttschaft ist stets auf dem Platze gewesen. Auch jetzt, wo neue, große Forderungeu au unS herantreteu, um unserem Vaterlande die zu seiner Sicherheit nötigen Machtmittel zu verschaffen, wollen wir uns den Opfern, welche von uns bedangt werden müssen, nicht entziehen, aber wir können dieselben nur dann dauernd tragen, wenn eine verständnisvolle Regierung dafür Sorge trägt, daß unser Gewerbe leistungsfähig bleibt. Die deutsche Landwirtschaft ist stets die treueste Stütze der Regierung gewesen, möge die Regierung dafür Sorge fragen, daß sie fich derselben nicht durch eigene Schuld beraubt. Täusche man sich nicht darüber, die Erbitterung in allen Kreise» der Land- wirffchaft ist eine ttefgehende und allgemeine, ihre Folgen sind unberechenbare; nicht mit kleinlichen Mittelchen oder ein paar wohlwollenden Redensatten ist dieselbe zu beseitigen, nur durch eine Umkehr zu ein» unseren gerechten Forderungen Rechnung fragenden Wtttschastspolittk; nur bann können wir uns znftteben geben, wen» man bet beutschen Landwirtschaft die Stellung, welche ihr gebühtt, einränmt.
Wir halten eS für unsere heilige Pflicht, offen unsere Beschwerden auszusprechen; Pflicht der Regierung ist es, dieselben wohlwollend zu prüfen und ihre Gründe zu befestigen'.
Eine Anzahl hervorragender Landwttte erwtdett nun in der „N. P. Ztg." hierauf folgendes:
„Als Beilage zur „Landwirtschaftlichen Tierzucht" ist ein Aufruf erschienen, betitelt: „Eine Frage an die Regierung, eine Mahnung an die deutschen Land- Witte", welchen wir nicht nnerwidett lassen bärfen, nicht sowohl wegen der darin enthaltenen Vordersätze,
Der Diener war sehr erschreckt über die That- sach», daß der Schlaf ihn übermannt hatte und die Anwesenheit Yella» und Salberg» in dem Zimmer seine» Herrn war Paul geneigt für ein Traumbild zu halten.
„Paul, geh' hinaus und sieh' nach, wer klopft," sagte der Direktor zu seinem Diener. „Du meldest mir aber erst, was man verlangt, ehe Du jemand eintreten läßt und sagst nicht, wer hier bei mir ist."
Paul entfernte sich, Siegfried richtete fich höher auf und griff nach dem Glase auf dem Tischchen um daraus zu trinken. Fast mit einem Aufschrei faßte Yella sein Handgelenk.
„Trinken Sie nicht," rief Sie leidenschaftlich, „es ist Gift darin, er will Sie töten!"
„Ich hötte es, aber ich wußte nicht, daß da» Gift schon seinen Weg in das Gla» hier gefunden hatte," entgegnete Siegftied ruhig. „Bitte, schütten Sie da» Getränk fort, ehe jemand kommt."
Gehorsam goß Yella den vergifteten Trank zu dem schnell geöffneten Fenster hinaus und während sie es schloß, trat Paul wieder ein. Der arme Junge zitterte an allen Gliedern.
„Der Herr Baron von Rotheim ist draußen," sagte Paul ernsthaft, „mit zwei Herren von der Polizei, sie suchen —"
Mit einer ausdrucksvollen Geberde brach er ab und schaute auf Salberg, der alle Fassung verloren zu haben schien, nun, da der Paroxisrnus seiner Leidenschaft vorüber und fein beabsichtigter Frevel so unerwartet verhindert worden war.
„Sie suchen mich," brachte er mühsam hervor und richtete seinen Blick voll verzweifetten Flehens auf Siegfried, al» erwarte er von diesem Rettung.
„Ist nach Baron Salberg geftagt worden?" ..Ja'
welche wir unterschreiben, als wegen der daraus gezogenen Folgerungen.
Der genannte Aufruf kommt zu dem Vorschläge, eine große Wittschastspartei zu bilden, welche die Vertretung der Interessen von Landwirtschaft, Handel und Industrie zu ihrer Aufgabe machen und in politischen Fragen in Gruppen zerfallen soll, welche die verschiedene polittsche Auffassung zum Ausdruck bringen.
Es ist uns nicht verständlich, wie auf diesem Wege die so ost und so stürmisch verlangte Einigkeit der Landwirte und ein zielbewußtes, thatkräftiges Eintreten für die Landwirtschaft erreicht werden soll. Glauben die Herren Unterzttchner wirklich, daß bei einer Vereinigung der Vertreter von Industrie, Handel und Landwirtschaft die letztere auf ihre Rechnung kommen wird? Und glauben sie weiter, daß das fortwährende Auseinandergehen in polittsche Einzel- gruppen die gewünschte Einheit auch nur für Monate erhalten wirb?
Der einzige Erfolg, ber möglicher Weise erzielt werben könnte, wäre eine Schwächung unb Schädigung berjenigen Partei, welche allein bie energische Wahrnehmung ber landwirtschaftlichen Interessen auf ihre Fahne geschrieben hat, ber konservativen.
Sollte etwa jemanb nach den jüngsten parlamentarischen Verhandlungen noch darüber im Zweifel sein können, wo die Vertreter der Landwirte zu finden find?
Kein Ulframontaner wird jemals seine Abstimmungen von anderen Erwägungen abhängig mache», als von kirchlich-polittsche«; kein Liberaler wird fich für die Landwirtschaft erwärmen können, in deren Vertretern er das naturgemäß konservative Element, also etwas ihm EntgegcnstehendeS, sieht. Darum fort mit den unnatürlichen Vereinigungen, fort mit dem neuen Kartell; der Landwirt, der heute noch nicht weiß, wohin er gehört, dem ist nicht zu helfen.
Schauren wir uns einmütig um die Partei, welche uns am meisten ober allein Garantie bietet, unb richten wir unser besonderes Augenmerk daraus, daß bie konservattve Partei nur aus Männern zusammengesetzt ist, welche rücksichtslos bei jeder Gelegenheit die Interessen der Landwirtschaft voranstellen.
So allein kann heute noch das wohl auch den Unterzeichnern jenes Aufrufes vorschwebende Ziel erreicht werden."
Deutsches Reich.
W. Berlin, 3. Febr. Unser Kaiser unter»
„So gehen Sie, Baron Salberg, hier in mein Arbeitszimmer- Von dort gelangen Sie auf den Korridor unb über bie Haupttreppe in den Garten Paul, Du nimmst aus meinem Schreibtische im ersten Fache rechts die braune Brieftasche die ganz oben liegt, giebst sie dem Herrn Baron, zuvor aber reiche dem Herrn au» dem Kleiderschrank Ueberrock und Hut "
Der Kranke hatte sehr rasch gesprochen unb hastig beeilte fich Paul, ben Befehl zu erfüllen Die nächstbesten Kleidungsstücke, die ihm in die Hände kamen, reichte er Salberg, der mit zitternden Händen danach griff.
Da legte Yella ihre Hand auf den Arm des Diener«.
„Er ist ein Mörder," sagte sie bebend, indem sie auf Salberg beutete „unb Sie wollen ihm zur Flucht verhelfen?"
Paul schaute entsetzt seinen Herrn und bann Salberg an, der nicht zu widersprechen wagte- Doch Siegfried richtete feinen Blick voll unb ernst auf Yella unb ihre Harte sank herab.
„Eilen Sie," befahl ber Direktor, „bie Herren braufjen haben schon einige Minuten gewartet (Sieb bie Brieftasche Paul unb bann gehe unb bitte bie Herren einzutreten. Paul gehorchte.
Roch einen scheuen, zögernden Blick warf Salberg zurück, bann schlüpfte er über bie Schwelle ber Thür, welche dem Vorzimmer gerabe gegenüber lag unb drückte bie Thür leise in’» Schloß.
Yella setzte fich, ohne ein Wort zu sagen, roieber in bie tiefe Fensternische unb zog ben Vorhang vor, sie mochte nicht gesehen »erben, benn sie hätte Auskunft erteilen, Erklärungen geben müssen, bie ihr peinlich gewesen wären; überbie» fühlte sie, wie jeder Nerv an ihr bebte unb ruhige», gleichmütiger
nahm am Donnerstag Vormtttag eine Spazierfahrt nach dem Tiergarten und eine längere Promenade daselbst. Von derselben nach dem Schlosse zurückge- kehrt, orbetiete der Kaiser mit dem Kriegsminister v. Kaltenborn und dem Chef des Militärkabinetts und nahm de» Vorfrag des Ministers des kgl. HauseS entgegen. Am Nachmittag empfing der Monarch im Beisein des Staatssekretärs v. Marschall den bisherigen spanischen Botschafter in Berlin, Graf Bannnelos, in feierlicher Abschiedsaudienz. Der Kaiser wird den am Freitag in Räuden stattfindenden Beisetzungsfeierlichketten für den Herzog von Rattbor beiwohnen und fich am Donnerstag Abend ll3/4 Uhr dorthin begeben. — Der Generaloberst v. Pape i» Berlin, welcher am Donnerstag sein 80. Lebensjahr vollendete, war durch eine leichte Erkältung leider verhindert, die vielen Gratulanten, welche ihre Glückwünsche persönlich darbrachten, zu empfangen, auch hatte er die von den Musikkapellen des 2. Garde- und Garde-Füfilierregiments beabsichtigte Morgen- mnfik deS schlechten WetterS wegen dankend abgelehnt. Schon frühzeitig übersandte der Kaiser seine Glückwünsche, und mit denselben einen kostbaren, inwendig vergoldeten Pokal, verziert mit dem kaiserlichen Wappen und den beiden Jahreszahlen 1813 und 1893. Die Kaiserin ließ ihre Glückwünsche durch ihre» Hofmeister Grafen Mirbach überbringen, der zugleich eine kostbare Blumenschale ans Porzellan, gefällt mit 80 Marschall Melrosen, aus deren Mitte die 81. hoch hervorragte, überreichte. — Fürst Bismarck kommt in dm „Hamb. Nachrichten" nochmals auf den Trinkspruch des Kaisers zu Ehrm des Czaren zurück und bemerkt dazu: Der Toast, de» der Kaiser zu Ehre» des Czarewiffch auf be» Kaiser von Rußland ausgebracht hat, ist ohne Zweifel das wichtigste polttische Ereignis der jüngsten Vergangenheit. Die Thatsache, daß der Großfürst-Thronfolger überhaupt nach Berlin gekommm ist, und noch mehr die, daß der Kaiser ihn so fteundlich und in Erinnerung an die alten Verhältnisse begrüßt hat, ist für uns im höchsten Maß erfreulich. Wenn die zerrissenen Drähte, die Berlin und Petersburg verbanden, jetzt wieder angeknüpst werden, so wollen wtt uns im Interesse ihrer neuen Befestigung für alle Zukunft gern jeder Kritik der Vorgänge enthalten, welche die Ursache ihres Abreißens gewesen sind. Wir haben nnS über die Ernmunng eines in Rußland willkommmen Botschafters in der Person des Generals v. Werder ge» freut und wir freuen uns noch mehr über die Auffassungen, welche der Kaiser nach den vorliegendm Berichten dem russischen Thronfolger gegenüber zum
Sprechen wäre ihr schwer gefallen. Hell brannte die Lampe in Siegfrieds Zimmer, aber dunkel war es draußen, ganz dunkel, bie letzte Spur be» Mond- lichtes war erloschen.
„Um so günstiger für ben Verbrecher," dachte Yella, „ber jetzt mit ben Kleibern unb bem Gelbe feine» Feinbe» in bie Nacht hinautflieht "
Warum hatte Siegfried dem Elenden zur Flucht verholfm, der solch einen ungeheueren Frevel im Sinne trug?
Wenn sie nicht bagewesen wäre, wenn Paul schlief unb Rolf Siegfried auch? Dann erwachte er wohl unb genoß arglos ben Trank, ben sie bereitet hatte unb morgen ?
Schaudernd drückte Yella bie Hände vor die Augen, die da» Gräßliche schon zu sehen glaubten. Wa» hätte bann au» ihr werben sollen?
Der Rotheimbach schwoll unb rauschte unb höher unb höher stiegen seine glänzenben Wasser bi» zu dem Fuße ber Äönigetanne Dort — ja dort hätte sie wohl Ruhe und Erlösung gefunden von dem namenlosen Elende, von dem sie sich drohmd, wie von einer furchtbaren Sintflut umgeben sah, wenn — wenn Rolf Siegfried nicht mehr war. Blieb ihr bann noch etwa» anbere», als zu sterben?
Der Schloßherr war in Begleitung zweier Herren eingetreten. Der älter» ber fremben Herren wandte sich an Siegftied, ber wieder matt in bie Kiffen zurückgesunken war.
„Verzeihen Sie, Herr Direktor," sagte er höflich, „baß wir sogar bie Nachruhe eine» Kranken stören, aber bie Pflicht befiehlt, ba muß man eben gehorchen. Es gelang uns erst heute Morgm, bie Häupter einer gefährlichen Bande von Hochstablern, nach der bie Polizei längst gesucht hat, zu entbeden. Auch Baron Raimund Salberg unb fein Diener Louis