losigkeit soll in der Stadt Sern demnächst ins Leben treten. Die Kaffe wird durch das dortige kommunale Arbeitsnachweisbureau verwaltet werden; die Beiträge find von den Arbeitern, die fich als Mitglieder melden, und von Arbeitgeber» zu beschaffen. Außerdem soll ein Gemeindebeitrag, der jedoch 5000 Franken jährlich nicht übersteigen darf, gewährt und im übrigen auf freiwillige Spenden reflektiert werden. Die Aufficht führt eine auS drei Mitgliedern des (kleinen) GemeinderatS, zwei Arbeitgebern und zwei Arbettern, bestehende Kommission, diese bestimmt die Höhe der zu gewährenden Unterstützungen und prüft die Anträge der Arbeitslosen. Nach dem Regulativ hat nur derjenige, der mindestens sechs Monate lang der Kaffe angehört und seine Beiträge regelmäßig gezahlt hat, Anspruch auf Unterstützung, sofern er zwei Wochen lang arbeitslos ge- wesen ist. Bei selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit wird keine Unterstützung gewährt. Die Mitgliederbeiträge sind auf 40 Centimes monatlich (also noch nicht 4 Mk. im Jahre), die Unterstützungen im Maximum auf täglich Fr. 1,— für ledige, auf Fr. 1,50 für verheiratete Arbeitslose festgesetzt. Man wird nun gespannt darauf sein dürfen, wie die Arbeiter sich diesem Unternehmen gegenüber verhalten werden. In Deutschland würde dasselbe jedenfalls in der Sozialdemokratie einen scharfen Gegner finden.
Ariedrichsrn-, 1. Februar. Wie die „Post* mitteilt, ist das Befinden der Gräfin Wilhelm Bismarck geb. v. Arnim, Schwiegertochter des Fürsten, wenig befriedigend. Das Leiden rührt noch von der letzten Entbindung der Gräfin her. — Zur Feier des Geburtstages des Kaisers fand beim Fürsten Bismarck am Freitag ein Diner statt, bei dem der Fürst das Hoch auf den Kaiser ausbrachte.
Hessen-Nassau.
Marburg, 2. Febr. (Offizierstrauer.) Aus Anlaß des Htnscheidens des ftüheren kommandierenden Generals des 11. Armeekorps, v. Grolman, ist für die Offiziere es 11. Armeekorps eine dreitägige Trauer anbefohlen worden.
Marburg, 2. Febr. (Lichtmeßmarkt.) Der heutige Marburger Krammarkt (Lichtmeßmarkt) war von der Landbevölkerung nur spärlich besucht.
Marburg, 2. Febr. Vom 1. Januar an sind Diäten der Gerichtsaffessoren für ihre Thättgkeit als Hilfsarbeiter und als Vertreter etwa verhinderter richterlicher Beamten von 180 auf 200 Mk. monatlich erhöht worden.
Warburg, 2. Febr. Den Inhabern des Eisernen Kreuzes wird es erfteulich sein, zu vernehmen, daß der Großhcrzog von Baden einet bez. Abordnung gegenüber versprochen hat, bei seiner demuächsttgen Anwesenheit in Berlin in erster Reihe die Bestrebung um Gewährung eines Ehrensoldes mit dem Kaiser befürwortend zu besprechen; handle es fich doch hier um eine Angelegenheit, die, wie kaum eine andere, der Befürwortung wert sei. Der Priuzregent von Bayern soll für die bayrische Armee für das Eiserne Kreuz bereits einen Ehrensold bewilligt haben. Bei solcher Fürsprache steht es um die Sache nicht schlecht.
Marburg, 2. Febr. Die Einlösung der am 1. März d. I. fällig werdenden Zinsabschnitte der Landeskreditkasse wird bei der Landeshauptkasse vom 20. Februar dieses Jahres an, sowie außerdem bei den ständischen Landesrentereien des Regiemngs- bezirks Cassel erfolgen.
Marburg, 2. Febr. Das Eis der Lahn ist nunmehr in Bewegung. In der gestrigen Nacht begann der Aufbruch der Eismaffen zunächst int oberen Flußlauf von Biedenkopf bis Eckelshausen.
vorgeschoben wurde und langsam und leise näherten sich die Schritte.
Eine dunkle Gestalt stand auf der Schwelle des Krankenzimmers — dem jungen Mädchen erstarrte fast das Blut in den Adern vor Angst. Wer war der Mann, was wollte er hier?
Der unheimliche Gast hatte auf der Schwelle zögernd und lauschend innegehalten. Als sich nichts regte, schritt er gleich vorsichtig weiter, scheu den Kopf dem Fenster zuwendend und nun konnte Della deutlich das schöne, bleiche, jetzt von Furcht und Leidenschaft verzerrte Gesicht erkennen.
„Großer Gott, Salberg!*
Della meinte es laut gerufen zu haben und doch war kein Laut über ihre Lippen gekommen. In starrem Entsetzen sah sie dem Beginnen Salbergs zu, das ihre aufgeregten Sinne nicht zu begreifen vermochten Was wollte er?
Sein Auge mußte sich bald an die leichte Dämmerung, die in dem Krankenzimmer herrschte, gewöhnt haben Er schlich sich zu dem Bette Siegfrieds und blickte eine Weile forschend in das Gesicht des Kranken. Dieser regte sich nicht. Dann nahm Salberg das mit Himbeerlimonade gefüllte Glas, das auf dem Tischchen stand
Della sah, wie er das Glas gegen das aus dem Nebenzimmer hereinfallende Licht hiett und wie er dann hastig einen blinkenden Gegenstand, ein Fläschchen, hervorzog, es mit den Zähnen entkorkte und den Inhalt in das Glas schüttete. Mit leisem Klange schlug das Fläschchen an den Rand des Glases an, Salbergs Hand mochte wohl zittern!
Nun war aber auch der Bann, der auf Della lag, gelöst. Unhörbar, mit blitzergleicher Schnelligkeit die Waffe krampfhaft umklammernd, glitt sie vorwärts und stand in demselben Augenblicke neben
Kurz vor dem letztgenannten Orte gab es eine Stauung, wodurch die Wafferrnaffeu rechts ab nach den Wiesen gedrängt wurden. Eine zweite gewaltige Stockung der Eismaffen erfolgte auf der Flußstrecke vom Weißeu- stein bis zur Wehrdaermühle, wodurch uameutlich die letztere noch im Laufe des heuttgen Vormittags so gefährdet war, daß mau eine Zerstörung des gesamten Mühlwerkes befürchtete. Auch vor der Wehrdaer Brücke stehen die Eismassen meterhoch aufgeschichtet und nicht minder bedrohlich sieht eS am unteren Woog vor der Schleuße auS. Im Weichbilde unserer Stadt vollzog fich der Abgang des EiscS ohne besonders störende Zwischenfälle. Nachdem bereits gestern Morgen der Aufbruch desselben unterhalb der Weideuhäuserbrücke stattgefuuden hatte, setzte sich geftern Nachmittag auch oberhalb der Brücke das Eis in Bewegung und ging flnßabwärts. Damit erhielten die in der »bereu Lahu und ihren Nebeu- flüffen noch vorhandenen Eismassen freie Bahn und ist zu hoffen, daß dieselben keinen allzugroßen Schaden mehr anrichten.
Warönrg, 2. Febr. (Fleischpreise.) Vom 1. Februar ab haben die Preise für Schweine- und Hammelfleisch eine Veränderung erfahren, ersteres kostet per Pfd. 70 Pfg., letzteres 60 Pfg. (Cottelets und Keule 70 Pfg.).
Marvnrg, 2. Febr. (Hessen-Nassauische Bau-Berufsgenosseuschaft.) Am Dienstag dieser Woche hielt die Heflen-Nassauische Bau-Berufsgenossenschaft im (Safe Quentin Hierselbst eine General- Versammlung ab. An derselben beteiligten sich im Ganzen etwa 45 Mitglieder aus den Orten Fraukfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz, Caffel, Gießen Md Hanau.
Maröurg, 2. Febr. (Januar 1893.) Der erste Monat von 1893 ist vorüber, aber an diesen Jahresanfang wttd sicherlich mancher denken. Was ein richtiger, tüchttger Winter besagen will, das wußte so mancher junge Springinsfeld nur vom Hörensagen, bis ihm nun klar gemacht worden ist, wie sich die Welt bei einer Temperatur von mehr als zwanzig Grad Kälte ausntmmt. Man hat rechtschaffen gefroren, und in vielen Fällen hat selbst der ununterbrochen geheizte Ofen dem eindringenden Frost nicht wirksam zu steuern vermocht. Und mit den Klagen über die bittere Kälte gingen die Lamentattonen über den gewalttgen Schneefall Hand in Hand. Alle Augenblicke gab's irgendwo Verkehrsstömngen, und an eingeschneüen und im Schnee sitzen gebliebenen Zügen ist kein Mangel gewesen. Trüb sah's auch in manchem Hausstand aus: Das Aufthauen der Brunnen und Wasserleitungen, die Unterbrechung der Gasleitungen gaben ungemein häufig Anlaß zu vielem Aerger und mühsamer Thättgkeit, bis endlich nach wochenlangem Stieren die wärmere Witterung eintrat und ein Seufzer der Erleichterung durch die Welt ging. Auch für die Armen und Bedürfttgen, die sich kümmerlich durch bett Januar haben durchschlagen müssen, war damit ein Ende der Lttdenszeit gekommen. Dem Januar ist sein Bruder, der Februar, gefolgt, höher steigt die Sonne und die Tage nehmen nunmehr sichtlich zu. Dem Frühjahr gehts entgegen. Zwar ists noch eine hübsche Wegeftrecke, und der Februar, mitunter auch der März, habens noch recht sehr in sich, aber es ist doch schon das Ende abzusehen. Auf Wtnterslust und Wintersfteud freut man sich schon lange vorher, aber wenn Winters- leid gar zu ungeniert sich breit macht, und unter dem eisigen Hauche des gestrengen Herrschers alles Leben zu erstarren droht, dann sehnt man sich von Herzen wieder nach dem Frühling, nach den Tagen, an welchen linde Lüfte bie Stint umschmeicheln, unb bie Sorgen forthauchen. Nur noch wenige Wochen, unb wir sehen bes Frühlings erste Boten!
Salberg, als dieser wieder das Flacon zu sich stecken wollte.
„Mörder!* rief sie mit seltsam fester Stimme und richtete den Lauf des Revolvers gegen den Baron.
Entsetzt taumelte der Mann zurück, als sähe er ein Gespenst, das Krystallfläschchen fiel zu Boden
„Della!* rief er, alle Vorsicht vergessend, „Sie — Sie sind hier!*
„Elender!* unterbrach sie ihn zitternd vor Aufregung. „Ich danke dem Himmel, daß ich in diesem Momente hier war, um einen Mord zu verhindern.*
Der Klang ihrer Stimme, der süße Dust, der gleichsam ihrer Gestalt zu entströmen schien, das goldene Haar, auf das jetzt ein Strahl des Morgenlichts fiel und der Gedanke, daß dieses schöne Weib, deffen Anblick ihn mit wahnsinnigster Leidenschaft erfüllte, hier im Zimmer seines Feindes weilte, das alles raubte dem Unglücklichen jede Besinnung Toll vor Haß und Eifersucht faßte er Dellas Arm.
„Sie sind schuld, Della, wenn ich zum Verbrecher wurde — Sie allein!* zischte er. „Hüten Sie sich, mich zu »erraten, niemand wird Ihnen glauben! Wozu wachen Sie denn bei dem Kranken, den Sie ja Haffen? Della, nicht wahr? Wie wollen Sie beweisen, daß dieses Fläschchen nicht Ihnen gehört und die Limonade dort haben Sie bereitet! Und nun adieu, schöne Della, wir sehen uns wieder!'
Salberg ließ ihren Arm los und wandte sich der Thüre zu.
(Fortsetzung folgt)
Muröurg, 2. Febr. (Witterung.) Hefter« war ein Regentag bei 5 Grab C. Wärme, ' wovon Nachts 3,75 Grad 0. blieben, die auch heute morgen 8 Uhr noch fitlb unb zwar bei bedecktem Himmel und Südwestwiud. Barometerstand 745 nun. steigend. Heute ist Lichtmeß ober wie der Tag als katholischer Feiertag heißt Mattä Reinigung. Von diesem Tage pflegt man zu sagen, daß von ihm an die großen Herrn bei Tag essen. Nach einer alten Bauernregel gehört er auch zu den Tagen, bie auf das zukünftige Wetter Einfluß haben sollen. Sieht nämlich der seinen Bau heute verlaffende Dachs seinen Schatten, so winiert es noch 4 Wochen, andernfalls soll mildes Frühjahrswetter eintreten.
-e- Ilordeck, 1. Febr. Freitag den 27. Januar feierte der Kriegerverein Nordeck-Winnen den Geburtstag Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. Abends 7 Uhr versammelten fich bie Kameraden in dem Vereinslokal bei Gastwitt K. Vogel. Gegen 8 Uhr trat der Verein an, um einen Fackelzug zu machen. Vorau die Mannschaft mit Gewehren, zu beiden Seiten Fackelttäger von lustigem Trommelwirbel begleitet und mit hoch flatternder Fahne bewegte fich der Zug durch den Ort. Zwischen den Orten Nordeck unb Winnen würbe „Halt* kommanbiert, bie Gewehrmannschaft trat vor unb zu Ehren Sr. Majestät unseres geliebten Kaisers würben bie Ehrensalven abgegeben. Ein vom Prästbenten bes Vereins, Kamerad Wißner, auf Se. Majestät ausgebrachtes Hoch wurde mit Begeisterung ausgenommen und klang brausend durch die stille Nacht. Wege» der kalten Witterung mußte davon Avstand genommen werden, eine Festansprache im Freien zu halten und war darum beschloffen worden, dieselbe in dem Vereinslokal zu veranstalten. Als Redner trat der Schriftführer des Vereins, Kamerad Sttttz, auf. Unter anderem wurde besonders hervorgehoben, daß ein jeder Deutsche fich dankbar vor Gott neigen solle, daß es ihm vergönnt sei, wieder Kaisers Geburtstag zu feiern, daß cs Zeiten gegeben, wo das deutsche Reich in Ohnmacht gelegen, wo Deutschland, nachdem 51 Kaiser 1005 Jahre das Land regiert, von 1806—1871 ohne Kaiser gewesen sei. Redner ührte nun alle diejenigen alten deutschen Kaiser an, welche schon den Grundstein zu Thron und Reich unseres jetzigen geliebten Kaiserhauses gelegt. Karl der Große, der erste deutsche Kaiser, habe damit begonnen, feste Burgen an der Elbe zum Schutz gegen die slavischen Völker erbaut und in dieselben Markgrafen eingesetzt. Heinrich I. nachdem er 925 Brennabor 'ba8 heutige Brandenburg) erobert, wiederum die Grenzlande mit thatkräfttgen Markgrafen besetzt, wo unter anderen die Nordmark genannt wird. Nachdem Kaiser Lothar IV. die Nordmark, die ein Reichslehen war, im Jahre 1133 an den Grafen Albrecht von Askanien (wegen seiner Tapferkeit Bär genannt), als erbliches Fürstenthnm übergeben, könne man die Nordmark als selbständiges Reich betrachten. Wie dann die Mark, die von Albrecht I. Brandenburg genannt wurde noch von Fürsten ans den Häusern Baiern und Luxemburg regiert wurde, bis Kaiser Sigismund, ein Luxemburger, welcher sich auch Kurfürst von Brandenburg genannt, an feinen Burggrafen von Nürnberg Friedrich IV. aus dem Hause der Hvheu- zollern für dessen getreue Dienste Kurbrandenburg als erbliches Land übergaben. Redner nannte nun amtliche Fürsten aus dem Hohenzollernhause die den Thron gegiert in einem schön verfaßten Gedicht, wie )ie Fürsten von Stufe zu Stufe gestiegen, wie der etzte Burggraf von Nürnberg Kurfürst, der 12. Sur» ürst König und der 7. König in dem denkwürdigen Jahr 1871 Kaiser geworden und jetzt der 3. Kaiser, der thatkräfttge Kaiser Wilhelm II. zum Ruhme seines Volkes mit sicherer Hand die Zügel der Regierung halte. Mit einem schönen Toaste auf das Wohl unseres geliebten Kaisers endigte der Vorttag; ein dreimaliges donnerndes Hoch durchbrauste hierauf den Saal, dann wurde die Nationalhymne gesungen. In später Stunde trennte man sich mit dem Bewußtsein, einen freudigen Abend verlebt zu haben.
Arauflenverg, 29. Januar. Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat folgende Zuschüsse für die ländlichen Fortbildungsschulen bewilligt: 1. für Battenhausen 50 Mk., 2. für Höringhausen 66 Mk. und 3. für Eimelrod 40 Mk. (Die Höhe der Vergütung hängt von der Zahl der Unterrichtsstunden ab.) Wegen der Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Mttel — so giebt der Kgl. ßanbrat Herr Riesch dahier bekannt — konnten den andern Gemeinden keine Zuschüsse bewilligt werden. Bei Errichtung neuer ländlicher Fortbildungsschulen ist nicht außer Acht zu lassen, daß einstweilen eine Aussicht auf Gewährung von Beihilfen aus Staatsmitteln für sie wegen mangelnder Fonds nicht eröffnet werden kann. Mit Ausnahme der drei oben genannten Gemeinden find vorläufig Anträge auf Bewilligung von Zuschüssen nicht mehr zu stellen. (Fr. Kr.)
Kassel, 31. Januar. Ein in einem hiefigen Ge-1 schäft bediensteter junger Mensch stahl seinem Prinzipal eine Summe von über 200 Mark und machte fich daran, das Geld in einer Wirtschaft in Wehlheiden in Gesellschaft von Freunden durchzubttngen, wurde aber mitten im besten Gelage von dem dorttgen Schutzmann ermittelt und festgenommen. Der Wirt hatte Mch besonderes Unglück, indem er bei dem Herabholen einer Kiste Zigarren zu Falle kam unb einen Arm brach.
Kassel, 2. Febr. Heute früh gegen 4*/2 Uhr ist in der Kruggafle ein Haus eingestürzt. Menschenleben find nicht zu beklagen, sowett bis jetzt fest- gestellt. ES ist das schmale, dreistöckige und mtt einem Erker versehene HauS des Ofensetzers Appel.
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zu haben.
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Deutscher Keichstag.
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Berlin, bat L Februar 1883.
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Das Haus ist mäßig besetzt. Am Bundesratsttsche: Kommissare. Ein Antrag deS Reichskanzlers um Ge- “’S- nehmigung der Einleitung des Strafverfahrens gegen de, Adg. North wird der GeschäftsordnungSkommisston zur Vor-
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Beratung überwiesen. Hierauf wird die in voriger Woche abgebrochene erste Beratung der Anträge der konservative, Partei und der ZeMrumspartei auf Erlaß von gesetzliche, Vorschriften zur Hebung des Handwerks fortgesetzt. Abg. Ackermann (kons.) empfiehlt seine Anträge auf Be-
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dem hinteren Test des Hauses retten können. Ei,, Liegend« Taubstumme wurde noch nach der Katastrophe h einem Hinteren Zimmer ruhig im Bette schlafend ge k' k' funden. Die Feuerwehr erschien auf der Unglücks 8
chränkung der Abzahlungsgeschäfte, Verbot der Wanderlager und Wanderauktionen, Einschränkung des Haufierhandels und Untersagung des Hausierens durch Detallreisende, vorbehaltlich weniger, durch das Bedürfnis unerläßlich gewordener Ausnahmen. Der Redner führt aus: Der Antrag betr. die Abzahlungsgeschäfte erledigt sich ja durch ben inzwischen von der Reichsregierung eingebrachten Gesetzentwurf, welcher dieses Thema betrifft; für die Übrigen Anträge bleibt indeffen gesetzliche Regelung Vorbehalten. Für die Wanderlager unb Wanberauttionen besteht heute kein wirtschaftliches Bebürfnis, baburch werden nur die Handwerker und Klein - Gewerbetreibenden geschädigt. Den Hausierhandel will ich nicht völlig verboten wißen, die Unterdrückung der hier zu Tage tretenden großen Auswüchse ist aber Notsache. Wenn der Reichstag das Vertrauen im Handwerk und im Geschäftsverkehr wieder haben will, so bitte ich, die vorliegenden Anträge anzunehmen. — Abg. Dr. Schädler befürwortet die den Anträgen ber konservativen Partei entsprechenben Teile bes Zentrumsantrages auf Abänderung der Gewerbeordnung. Auch meine Partei will kein absolutes Verbot des Hausierhandels, fonbern nur bie Beseitigung bet schweren Auswüchse besselben. Das Vorhandensein solcher Auswüchse wird aber von beteiligter Seite selbst anertannt Redner empfiehlt die Verweisung der Anträge an die Kommission, welcher der Gesetzentwurf über die Abzahlungsgeschäfte überwiesen ist. — Abg. Schneider-Nordhausen (freif.): Für die Wanderlager unb Wanberauktionen besteht bereits bie Extrabesteuerung, bie sich boch in vielen Städten recht wirksam erwiesen hat. Für ein neues Gesetz kann ich ein Bedürfnis nicht als vorhanden anerkennen. Redner wendet sich dann gegen ben vom Zentrum eingebrachten Gesetzentwurf betreffs des Hausiergewerbes. Die schweren Beschränkungen, welche dieser Entwurf enthält, werden ihren Zweck, der damit verfolgt werden soll, in keiner Weise erreichen. Die Sozialdemokraten tnb viel konsequenter, als bie Zentrumspartei. Die letztere vill ben Konsum, soweit er durch ben Hausierhanbel befriedigt wird, durch die Regierung besttmmen lassen; warum gehen Sie denn nicht gleich einen Schritt weiter und laffen ben Konsum überhaupt durch die Regierung besttmmen, wie es bie Sozialbemotraten wollen? Der Antrag des Zenttums wird nur Unzufriedenheit Hervorrufen, da er einen Teil der Hausierer bevorrechtet. Der Stntrag Überläßt die eigentliche Ausfüllung der gesetzlichen Besttmmungen dem Bundesrat, was ja recht bequem ist, well Sie bann, wenn sich das ganze Gesetz nicht bewährt, bafür immer ben Bundesrat verantwortlich machen können. Der Nutzen, welchen Sie mtt der Beschränkung des Hausierhandels für das seßhafte Gewerbe schaffen können, wird sehr überschätzt. Die Hausierer kundschaft ist eine besondere, die nicht so ohne Weiteres im Laden kaust. — Abg. von Strombeck (Zentrum): Die uns vorliegenden Petitionen aus gewerbetreibenden Kreisen um Beschränkung des Hausierhandels ßdjen meist von Konkurrenten ans, die einzelne Mißstände im Haustergewcrbe verallgemeinen. Wir wollen nur die Auswüchse des Hausierhandels befeitigen, aber mir scheint, als ob der vorliegende Atttrag doch zu hart wäre und zu weit ginge. Durch eine Unterdrückung des Hausierhandels werden i» Eichsfeld allein an 2000 Familien brodlos gemacht. Der Entwurf wird deshalb noch umfangreicher Aenderungen bedürfen. Abg. Holtzmann (natlib.): In der vorliegenden Form ist der Anttag für mich nicht annehmbar. Durch denselben werden, wenn er in der vorliegenden Form Annahme finden sollte, zahlreiche Ortschaften und Familie» im deufichen Reiche schwer geschädigt werden. Mir scheint es am besten, die Antragsteller hätten uns diese Verhandlung gänzlich erspart. Diese Erörterung kann nicht» Gutes im Gefolge haben. Auf der einen Sette ruft sie schwere Bedenken hervor, auf der anderen Sette Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werden. Die Petitionen um Unterdrückung des Hausierhandels gehen nie von Leuten aus, die sich etwa von Hausierern belästigt fühlen, sondern immer nut von Konkurrenten. So dumm ist aber doch das deutsche Volk nicht, daß es teuer unb schlecht von Hausierern kaust, wenn es billig unb gut von seßhaften Gewerbetteibenben kaufen kann. Der Zentrumsantrag toitt auch bie Frauen vom Haufiergewerbe ausschließen. Das liegt aber keineswegs im Jntereffe der Säuferinnen. So verhandelt eine Hausiererin mtt Spitzen gern mit der Käuferin über die zweckmäßige Anbringung derselben an Kleidungsstücken. Eine Anzahl von Bestimmungen des vorliegenden Gesetzentwurf» würden den Hausierhandel geradezu unmöglich machen. Die Jndusttte hat durch den Hausierbetrieb nicht gelitten, sondern erheblich gewonnem Die Kretschauer Stroh- hutfabrikanten im Wahlkreise des Abg. Ackermann würden es sehr übel beispielsweise empfinden, wenn der Hausierbetrieb nach den vorliegenden Anträgen beschränkt werden sollte. Die Krttschauer Sttohhüte werden durch erzgebirgische Hausierer durch ganz Deutschland verkauft. Warum solle» diese braven Leute behelligt werden? Handeln Sie doch nach dem Grundsätze: Leden und leben laßen! — Abg. Bock (Soz.): Der kleine seßhafte Gewerbebetrieb wird durch große Versandtgeschäfte, wie Rudolph Hettzog i» Berlin, Mey und Edlich in Plagwitz-Leipzig und Ander viel mehr geschädigt, als durch kleine Hausierer. Warn« denken Sie denn nicht an eine Beschränkung des Betriebes dieser großen Geschäfte? Entschieden muß die Art unb Meße zurückgewiesen werden, in welcher in den uns zugegangenen Petitionen gegen den Hausierhandel der letztere herabgesetzt wttd. Mtt allen solchen Mittelchen, wie sie hier vorgeschlagen werde«, wird dem Handwett gar nichts
„ Ende z . xinelll t statte. Das Nebenhaus mußte polizeilich geräumt yfren in werden. Die Kruggaffe, welche vou den Trümmer, Itettf.): * angefüllt ist, wurden abgesperrt. — Nach einy t
Mit lautem Krachen stützte um die angegebene 3^^*. 5 die ganze vordere Seite deS Hause» ein. Dj «s zurtt' Bewohner hatten glücklicherweise, geweckt durch bq ist* vorausgegangeue Knistern und Knacken, fich nach nq, «S-uy.
Trippe Klo-Pos Nr. 6.3 h. Qua Inton rnati
b-lMNI. (6. r. u. ».)
Wetzlar, 1. Febr. Heute wurde der hiesige Raufen । Einwohner Tagelöhner August Kl. verhaftet, welcher ist Reklav dringend verdächtig ist, 42 Obstbäumcheu an de« es Kornmunikattonsweg Sieindvrf-Albshausen vernichtet