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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchham.

Dr«k *ü> »erleg: So^Äng. So><$, üntoerWMMbnrferri in Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg.

Redaktiou uud Expedition: Markt 21. ^UllflTlTlvV Vlllll* Redaktion nnd Expedition: Markt 21.

Jti 29.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Soun- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 3. Februar 1893.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasevstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVIII. Jahrg.

Was wir lernen können!

Mag der Himmel verhüten, daß uns im deutschen Reiche jemals ein Prozeß bescheert wird nach Art des Panamaprozefses in Paris, der einen so unend­lich tiefen Blick in die Korruptionsverhältnisse unseres westlichen Nachbars hat thun lasten. Aber in dieser ganzen Angelegenheit giebt es doch etwas, in welchem mlS die Franzosen noch außerordentlich weit voraus find und das ist die Schnelligkeit im Gerichtsverfahren. Vergegenwärtigen wir unS die Sachlage: Ende November wurden die bisherigen Administratoren und Leiter der verkrachten Panamakanalgesellschast, Charles von Lesteps und Genosie», verhaftet und das eigent­liche Verfahren, dem allerdings schon Erhebungen vorangegangen waren, gegen fie eingeleitet. Und Mitte Januar hat bereits die öffentliche Hauptver­handlung begonnen, von der man annimmt, daß fie im Lause dieser Woche zu Ende kommen wird. Und diese Schnelligkeit war bei einem Prozeste möglich, auf welchen die Augen von Hunderttausenden von geschädigten und betrogenen Aktionären, weiterhin von ganz Frankreich und Europa gerichtet waren, in dem also alle Einzelheiten genau beachtet werden mußten. Bisher ist auch nirgends eine Stimme darüber laut geworden, daß der schnelle Gang des LerfahrenS der Gründlichkeit geschadet hätte, und zudem hat die lange Ausdehnung der öffentlichen Hauptverhandlung immer noch die weitgehendste Mög­lichkeit gewährt, Interessenten, welche etwa nicht gehört waren oder ab^r noch Einzelheiten vorzubringen hatten, zum Worte zu verhelfen. Gewiß ist diese schnelle Durchführung des Prozeffes vor Gericht keine zu unterschätzende Leistung und diese Promptheit ist um so mehr anzuerkennen, als sie sich in allen Prozeßsachen findet. Giebt es Krawalle in Paris, so find längstens drei Tage nachher alle Angeklagten abgeurteilt, auch in Kriminalverbrechen erfolgt die Abwicklung mit einer Schnelligkeit, die uns Deutschen sehr überraschend ist. Es liegt auf der Hand, daß diese Schnelligkeit, von der doch nirgends behauptet worden ist, daß fie der Gerechtigkeit schade, ein großen Eindruck machen muß. Nichts ist heilsamer, als schnelle Justiz, nichts segenbringender für einen un­schuldig Angeklagten als exakte Prozeßführung. Vielleicht ist diese Schnelligkeit im ftanzöfischen Ver­fahren eine Folge der genauen Erkenntnis der Zu­stände im Lande. Der Franzose ist heißblütig, und man kann fich denken, wie es mtt der Gefäugnis- UeberfMung aussehen würde, wenn dort Alles in deutscher Gründlichkeit und Langsamkeit erledigt werden

Attter der Königsmurre.

Preisgekrönter Rom« von M. Th. May.

(Nachdruck verboten.) (Fortfetznng.)

Wo ist das Fläschchen, Louis?" fragte Salberg. Der Diener nahm sachte aus der Brusttasche seines Rockes ein kleines Holchüchschen, öffnete es und zeigte ein in Silber gefaßtes Krystallfläschchm. Mit einem sonderbaren Ausdruck tiefster Beftiedigung in den Mienen reichte er das Büchschen dem Baron. Dieser bemerkte den schrecklichen Blick der weiß­grauen Augen und schauderte zusammen.

Warum hastest Du den Mann so furchtbar?" fragte er tonlos.

Louis zuckte die Achseln und starrte einen L o- ment vor fich hin.Wir dienten zusammen in einem Regiment, wie Sie wissen," erzählte er dann in so leichtem Tone, als gäbe er eine Anekdote zum Besten,Siegftied als Freiwilliger, ich als Ge­meiner. Da hatte ich einst den Siegelring eines Offiziers sehr husch gefunden ich liebe nun ein­mal schönen Schmuck und zu mir gesteckt. Sieg fried entdeckte die Sache, zeigt mich an und ich er­hielt na, Sie wissen ja selbst, wie man derlei Liebhabereien beim Militär bestraft.

Seitdem warte ich auf eine Gelegenheit, mich gegen Herrn Siegfried zu revanchieren Doch nein," unterbrach sich Soui6 saft nachdenklich,ich glaube nicht, daß dies der alleinige Grund ist. Ich hasse ihn, feit ich ihn kenne, na, weil er eben der Herr ist, der er ist!"

Mit diesem etwas orakelhaften Ausspruche wandte sich Louis ab und schob den Riegel von der Thür »ieder zurück.

Dunkle Wolken zogen an der blassen Mondes- sichel vorüber, welche hier und da sichtbar wurde,

ollte. Aber für uns, die wir doch recht viele Bei­spiele von einer außerordentlich weiten AnSdehnung von Strafprozessen haben, könnte ein Tropfen der nachbarlichen Regsamkeit nichts schaden.

Wir haben in Deutschland so viele hochbedeutende Juristen, die in glänzenden Schriften schwierige RechtS- punkte klarstellen, unsere juristische Litteratur ist eine der besten der Erde. Aber es geschieht auch hier, wie auf anderen Gebieten nicht selten, daß der Jurist, der auf dem Professorenstuhle fitzt, den Blick für praktische Volksftagen verliert. DaS ist erklärlich, wenn auch bedauerlich, uud darum ist es zu wünschen, daß die im praktischen Leben stehenden Richter für eine Reform in dieser Beziehung sorgen, resp. daS nötige Material hierfür beibringen. Ist die Aenderung in energischer Form angeregt, dann wird fich auch die Durchführung finden. Nebenbei hat die Ange­legenheit auch eine für den Staat sehr wichtige Seite. Die lange Ausdehnung der Verfahren verschlingt eine enorme Menge Geld, Summen, die heute, wo nicht blos die Staatsbürger, sondern auch die Finanz- minister klagen, nicht zu unterschätzen sind. Daß Jedem sein volles, gutes und ungeschmälertes Recht werde, soll und wird auch in Zukunft der Leitstern unserer Justiz bleiben, und die strenge und erste Göttin Themis braucht auch nicht nach Volkstümlich­keit zu schauen. Aber wenn fie den Läusteu der Zeit Rechnung trägt, soweit dies mit ihren Aufgabm ver­einbar ist, so wird sie dankbare Anerkennung finden. Und um solchen Fall handelt es fich hier. Noch immer schwebt die vielumstrittene Frage der Ent­schädigung unschuldig Verurteilter, und wir wollen doch unter solchen Umständen erst recht Niemanden länger hinter Schloß und Riegel sitzen wissen, als unbedingt erforderlich. , ,

Deutsches Reich.

W. Aerlin, 2. Februar. Der Kaiser ent­sprach am Dienstag Abend einer Einladung des Ministerpräsidenten Grafen Eulenbmg zur Tafel. Am Mittwoch Vormittag begab fich der Kaiser nach einer Spazierfahrt mit der Kaiserin auf kurze Zeit in daS Auswärtige Ami. Später hatte der Monarch im Schlosse eine Unterredung mit dem Minister- präsidenten Grafen Eulenburg und dem Handels­minister v. Berlepsch. Alsdann nahm der Kaiser von den Kommandeuren der Leibregimenter und Leib­kompagnie die Monatsrapporte entgegen. Zur Tafel waren der Marineattachee bei der deutschen Botschaft in London, v. Kries, und Hofprediger Dr. Fromme!

wie eine schöne Erinnerung in trüben Stunden Der Tannenwald ächzte, als könne er nicht schlafen, rauschend und gurgelnd zog der Rotheimbach seinen Weg und wie im Traume schauerte manches erste Lenzesblatt vor dem ungestümen Frühlingswehen.

In den Räumen des Schlosses herrschte die tiefste Stille. Matt brannte die Lampe in dem Treppenhause, nur die nächste Umgebung scharf er­hellend, indeß die Schatten im Abstich doppelt schwarz erschienen.

In ein weiches dunkles Tuch gehüllt, schritt Baronesse Della durch den Korridor. Ihr Tritt hallte nicht auf der dichten Matte. Seife öffnete fie die Thür der Vorzimmers zu Rolf Siegftieds Ge­mächern. Niemand war im Vorzimmer, eine kleine Lampe brannte auch hier, ebenso im zwetten Zimmer, in dem Paul, in tiefen Schlaf versunken, im Lehn­sessel saß.

Eine Flasche und ein Glas, in dem fich ein kleiner Rest roten Weines befand, stand auf dem Tische neben Paul.

Della sah verwundert den Diener an. Wie konnte er nur schlafen, statt bei Siegfried zu wachen. Wie viele Nächte hatte fie schon durchwacht, fern von ihm! Der arme Paul war wohl sehr müde geworden.

Vorsichtig trat das junge Mädchen in das Ge­mach des Kranken. Hier brannte kein Licht, nur durch die offene Thür des ersten Zimmer» fiel ein matter Lichtschimmer herein, gerade genug, um die Gegenstände erkennen zu lassen.

Della trat an das Lager Siegfried» und beugte sich herab, um die so wohl bekannten Züge erkennen zu können.

Tief lagen die dunklm Wimpern auf den bleichen Wangen, feucht und schwer legte fich da» lockige

geladen. Am Abend fand bei den kaiserlichen Majestäten eine Ballfestlichkett statt, zu der über 800 Einladungen ergangen waren. DieNordd. Allg. Zig." bringt an der Spitze ihrer neuesten Stummer folgende offizielle Kundgebung:Berliner Blätter bringen einen telegraphischen Auszug aus einem Artikel desMoniteur de Rome", der in der Sendung des Generals von Los einen Beweis für diever­zweifelten und vergeblichen Anstrengungen" erblickt, welche man in Berlin mache, um des Vatikans Hilfe für die Durchdringung der Militärvorlage zu erreichen; der hl. Stuhl habe keine Ursache zur Einmischung in die Militärfrage; eS wäre unklug, auf eine Hilfe zu rechnen, die auSbleiben werde". Nach unseren In­formationen ist derMoniteur de Rome", nach Lösung seiner Beziehungen zum Vatikan, seit einigen Wochen in die Hände eines ftanzöfischen Konsortiums übergegangen; der Zweck deS Blattes soll, wie es in seiner Nummer vom 1. Januar d. I. darlegte, auch fernerhin der sein,für die Rechte des hl. Stuhles einzutreten und das treue Echo der Gedanken und Lehren desselben zu sein". Daß dieses Programm nur die Maske ist, hinter der sich die französische Revanchepolitik verbirgt, beweist der vorliegende Artikel. Wir bezeichnen denselben als den schmählichen Versuch, eine Ehrenbezeugung, welche der Deutsche Kaiser dem Haupte der katholischen Christenheit zu erweiseu ge­denkt, als Ausgangspunkt für Erfindungen und Lügen zu machen, zu dem erkennbaren Zweck, die kaiserliche Regierung bei den deutschen Katholiken zu verdächttgen und ihre auf Stärkung der Wehrkraft gerichteten Be­strebungen zu durchkreuzen. DieDüffeld. Zig." hatte die Mitteilung gebracht, der Kaiser werde zur Militärvorlage eine Botschaft an den Reichs­tag richten. DieNordd. Allg. Ztg." kann dem­gegenüber mit aller Bestimmtheit versichern, daß diese Nachricht ihrem ganze» Inhalt nach ebenso jeder Begründung entbehrt, wie alle sonst in Umlauf ge­brachten Gerüchte über eine demnächst bevorstehende kaiserliche Kundgebung bezüglich der Milttärvorlage. Niemand reizt mich ungestraft". Diese vielbesprochene Unterschrfft unter dem Bilde, welches der Kaiser dem früheren Minister v. Friedberg ver­liehen hat, verdankt, derPost" zufolge, dem Zufall ihre Entstehung. Der Kaiser hat erst au dem Tage, an dem Minister v. Friedberg sein 80. Jahr vollendete, von dessen Geburtstag erfahren. Als er ihn des­selben Tages beim Hofesseu traf, redete er ihn da­rauf an und sagte zu ihm:Was? das sagen Sie mir nicht einmal? Das muß ich so zufällig er­fahren?" uud fügte dann, mtt dem Finger drohend,

Haar um die hohe, schöne Stirn. Der feine Mund, den so oft das Lächeln des gesteigerten Selbstbe­wußtseins und sokratischer Ironie umspielte, war nur leicht geschloffen, aber schwer hob und senkte sich die breite Brust.

Della konnte fich nicht mehr beherrschen, sie be rührte mit zitternder Hand die heiße Stirn des Kranken.

Da schlug dieser die dunklen Augen auf.

Wie gut, daß Sie doch kommen, Tante Lona," seufzte Siegfried und faßte nach ihrer Hand, die sie ihm schweigend überließ.Paul sagte, Sie seien selbst unwohl."

Stille stille," entgegnete Della ganz leise.

Ich muß wohl stille sein," lächelte Rolf und sank zurück, ihre Hand festhaltend, die er erst frei­gab, nachdem er langsam die schlanken Finger an seine heißen Lippen gezogen hatte.

Della trat vom Bette fort an das Fenster und hier in den schimmernden Strahl, den eben der Mond wieder in das Gemach sandte, da küßte das stolze Mädchen die Stelle ihrer Hand, die seine Lip­pen berührt hatten.

Die Baronesse sah nicht hinan» auf die selt­samen Formen der Wolken, die am nächtlichen Him­mel rastlos vorüberflogen; sie hörte kaum, wie sich die hohen Wipfel der Bäume im Frühlingssturme bogen.

Da Rolf Siegfried in das Schloß Rotheim ge­zogen war, da hatte auch der Sturm um das Schloß getost und gewütet und die Wetterfahnen hatten sich kreischend und knurrend gedreht.

Damals war der Sturm der lärmende Herold des Winters gewesen, heute klang aber in dem lauten Toben etwas von dem urewigen Hymnus, den die ganze Natur anstimmt zum Preise des nahenden

hinzu:DaS darf nicht ungeftraft bleiben!" Die Strafe war die noch am selben Tage erfolgte lieber» sendmig des Bildes mtt der Unterschrift:Niemand reizt mich umsonst". Bei dem Abendessen beim Ministerpräfidenten Grafen Eulenburg, dem der Kaiser auwohute, Hai sich die Unterhaltung haupt­sächlich um die Steuerreform gedreht. Der Kaiser hat wiederholt seiner Befriedigung über den Gang der Verhandlungen Ausdruck verliehen und die be­stimmte Erwartung ausgesprochen, daß die Reform zu Stande kommt. DeS Finanzministers soll dabei wiederholt anerkennend gedacht worden sein. Am Dienstag Abend find in Berlin Exttablätier mit der lügenhaften Nachricht von einem Attentat auf hen Kaiser von Rußland verkauft worden. Wie offiziell mitgeteilt wird, hat der Staatssekretär Frhr. von Marschall dem russischen Botschafter Grasen Schu­walow sein Bedauern über diesen Unfug ausgesprochen. Die Beisetzung des Herzogs von Raiibor findet am Freitag in Randau statt. Der Kaiser wird der Leichenfeier beiwohnen und Donnerstag Abend nach Randau abfahren. Zum Organ der neugegründetenNationalpartei" ist dieMünch. Allg. Ztg." ausersehen, die nach Berlin überstedelt. Fürst BiSmarck interesfiert sich für die Sache, be­teiligt sich aber nicht finanziell. Bankier Bleichröder soll indessen seine Unterstützung zugesagt haben. Die Reichskommission für die Reform des Börsen­wesens beginnt jetzt mit den Vernehmungen über die Spiritusbranche. Eine Versammlung von Ar­beitslosen der Nahrungsmittelbranche in Berlin wurde polizeilich aufgelöst. Ruhe­störungen sanden nicht weiter statt. Aus mehreren Städten werden Krawalle berichtet, welche nach der Versammlung von Arbeitslosen ent­standen find. So kam es in Breslau nach Schluß der Arbeitslosen - Versammlung auf dem Ring zu argen Ausschreitungen. 400 Arbeiter hielten einen Umzug und riefen:Geb't Arbeit und Brot!" Die Polizei war genötigt, blank zu ziehen, da die Menge zu Tätlichkeiten schritt. Zahlreiche Verhaftungen Würben vorgenommen. In Dresden wurde eine von etwa 2000 Personen besuchte Versammlung von Arbeitslosen polizeilich aufgelöst, als einer der Redner zum Diebstahl aufreizte, falls auf anderem Wege nicht geholfen werde. Die Arbeitslosen sammelten sich sodann auf dem Postplatze und dem Altmartt und zogen unter dem Sang der Marseillaise durch die innere Stadt. Die Gendarmerie zerstreute die Menge. MUitär und Polizei waren zur Stelle.

Eine Versicherung gegen Arbeits-

Frühlingsfestes, zur Feier der Auferstehung. Er­klang dieser Hymnus auch in der Seele des schönen Mädchens, das jetzt leicht zusammenschauernd in den niedrigen Sessel in der Fensternische sank.

Der dunkle Fenstervorhang wallte durch die Be­wegung ein wenig zurück und nun spiegelte sich das bläuliche Mondlicht in einem blanken metallenen Gegenstände, der auf dem Fensterbrette lag: ein zier­licher Revolver.

Um den Rand des blanken Laufes spielte das matte Licht, während die Mündung selbst unheimlich schwarz erschien.

Es war nicht die erste Waffe, welche Della in der Hand hielt. Baron Rotheim hatte eine reiche Waffensammlung und oft genug hatte er seiner Tochter die Einrichtung der einzelnen Stücke erklärt ober ein besonders schönes Exemplar ihr gezeigt, oft genug hatte sie selbst nach der Scheibe geschossen.

Was war es also, daß sie vor dieser Waffe einen Moment so erschreckt zurückbebte? Warum lag der Revolver hier im Zimmer des Kranken? Es konnte nein, es mußte ein Zufall fein.

Paul hatte die Waffe wahrscheinlich geputzt und durch eine Besorgung abgerufen, rasch aus der Hand gelegt. Ob der Revolver wohl geladen war?

Della streckte die Hand nach der Waffe aus, da vernahm sie ein leises Geräusch. Hatte der Kranke sich bewegt? Er schien zu schlummern; man hörte kaum seine Atemzüge. Doch jetzt wieder dasselbe Geräusch. Waren das nicht Schrttte?

Das junge Mädchen erhob sich, fast unwillkür­lich den Revolver fassend und drückte sich tief in den Schatten des Vorhanges.

Da bewegte sich die Thür des Vorzimmers, die Della geschloffen hatte, leise in ihren Angeln. Dann hörte fie, wie mtt äußerster Vorsicht der Riegel