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Frettag, 27. Januar 1893,
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementK-Preis bet der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Psg. (exkl. Bestellgeld). JnserationSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.
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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
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Das Lied vom Deutschen Kaiser.
s war eine Weise von alters her In deutschen Landen erklungen. Wer immer vernommen die stolze Rär, Dem hat sie das Herz bezwungen. Die Sitten haben sie still bewahrt, Die Jungen haben gehofft uno geharrt, Daß endlich der große Morgen glüht, Und haben's gesungen, das ewige Lied, Das Lied vom Deutschen Kaiser!
Doch ferne noch schienen Stunde und Ort, Den lastenden Bann zu brechen.
Da flog von der Seine ein giftiges Wort, DaS heischte die Schmach zu rächen!
König Wilhelm reckte sein Schwert empor, Ein Wetterleuchten zuckte hervor!
König Wilhelm schlug an den Heerschildrand, Da rollten die Donner über das Land, Da war die Stunde gekommen!
Aufschlug die lange gefeffelte Glut
Zum Himmel in lodernde Flammm
Und schmolz in heilgem TodeSmut
Ein einiges Bolk zusammm.
König Wilhelm rief: „Wohl über den Rhein!"
Und Norden und Süden stimmten ein
Und grüßten den König im Jubellaut,
So weckt' er sein Deutschland, die schlummernde Braut, Zu donnerndem Kriegesreigen.
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Und Gott war mit uns, und Sieg auf Sieg Ward allgewaltig errungen.
Und als geendet der heilige Krieg,
Der trutzige Feind bezwungen, Da leuchtete endlich waffenerneut Germanias einige Herrlichkeit.
Umstrahlt von der hehrsten Krone Glanz,
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Im lockigen Haare den Eichenkranz, So führte sie heim der Kaiser!
Unserem Kaiser!
Inmitten harter Winterszeit, Inmitten mancherlei Hoffnungen und Sorgen begehen wtt das Wiegenfest unseres kaiserlichen Herrn in deutscher Treue und Zuneigung. Gerade gegenwärttg haben wir mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen; der harte Druck des Arbeitslebens, manche fehlgeschlagene Erwartung bleiben nicht ohne Rückwttkung auf das Gemüt, und polittsche Meinungsverschiedenheiten durch- wben heute noch, wie früher, das deutsche Vaterland. Aber wo ist denn ein Paradies auf Erden? Schauen wir nach Norden, nach Süden, wenden wir die Blicke zur Rechten und zur Linken, nirgends ist es besser, vielfach ist es schlechter. Wir sehen die Verwirrung in Frankreich, wir haben von schweren Thaten aus anderen Ländern gehört, und wir erkennen, daß es doch die starke Autorttät des Oberhauptes des Deutschen Reiches es ist, welche uns Ruhe und Ordnung, friedliche Entfaltung des Gewerbefleißes und ftohes Schaffen mit Kopf und Hand sichert. Die kaiserliche Autorttät hat uns Ruhe und Ordnung im Innern erhalten, die kaiserlichm Bemühungen sind es in hervorragender Weise mit gewesen, welche dazu beige- ttagen haben, daß in den Beziehungen zum Auslande manches eine mildere Form annahm. Wir rühmen in unserem Kaiser nicht nur mit Recht ben friedliebenden Fürsten, friedliebend im Innern, wie nach Außen hin, wtt rühmen in ihm auch deu unermüdlich thättgen Mann, der ohne Rast und ohne Ruhe hohen Zielen nacheifert. Eine energische Hand und das fortreißende, aufloderude Ungestüm deS jugendlichen Feuergeistes hat seinen Platz abgetteten an das be- dächttge Erwäge» des Mannes. Regenten und Staatsmänner können nicht erzogen »erben, sie müssen geboren sein, und mit ihnen und in ihnen die Erkenntnis ihrer wettgehenden Aufgabe», ihrer verantwortungsreichen Stellung. Der deutsche Kaiser ist die Seele deS Deutschen Reiches, im Verein mit Surften und Volk schafft er die unbezwingliche Kraft, die im deutschen Namen liegt. Und unser Kaiser hat dies mit rechtem Blick erkaunt: um den Kaiser stehen die deutschen Fürsten und die deutschen Stämme, sein Leitstern ist daS Wohl der Gesamtheit, seine Richtschnur Verfassung, Recht und Gesetz. Wenn wtt sehe», wie in Frankreich Recht und Gesetz gebeugt wordm ist, so können wtt um so dankbarer sein für den starken Rechtsschutz, den wir in unserem Kaffer haben. Deuffchland hält fest an seinen Kaisern «ms dem HohenzollernhauS, die ihm Biel gaben, Viel von ihm empfingen.
Eine Kaiserkrone bringt Diel Mühen und Sorgen, unser Kaffer hat's in seinen letztvergangenen Lebens
jahren erfahren. Die Entwickelung der inneren Politik hat viel zu raten und zu thaten gegeben, nicht immer war es leicht, daS Richtige sofort zu treffen. Der Geist der Zeit macht empfänglich für eine scharfe Kritik, nur daß diese sehr leicht vergißt, daß der Herrscher eines großen Reiches für Alle zu sorgen, Allen Rechnung zu fragen hat. Auf hoher Warte steht der Regent, und die Pflicht, des Staates erster Diener zu sein, schließt die andere ein, ein gewissenhafter Vertreter zu sein. Und darin ist unser Kaiser dem Vorbild seines Vaters und seines Großvaters gefolgt. Offenherzig und ehrlich hat der Monarch ans seinen Gedanken um des Vaterlandes Fürsorge nie ein Hehl gemacht, ost klangen kernige Worte an unser Ohr, fernige Worte ans deutschem Herzen, die ins deuffche Herz gingen. Unser Kaiser hat sich als ein treuer Volksftennd erwiesen, keinerlei polittsche Streittgkeiten können das verwischen. In ihm lebt eine unzerstörbare Zuversicht auf die Machtentfaltung seines Volkes in aller Zukunft, und diese Zuversicht wollen wtt nicht täuschen. Weder unser kaiserlicher Herr, der in so jungen Jahren den glänzenden Thron bestteg, noch ttgend ein deutscher Manu wollen einen Bruch des Friedens. Im Verein mtt unseren Verbündeten, bewußt uns unserer Kraft, hatten wtt den Frieden, den Frieden, der der Regierung unseres Kaisers, ihm und uns Allen glückliche und gesegnete Tage noch in reicher Fülle bis in ferne Zukunft bringen möge! Unserem Kaiser aber, dem Schirmer des Reiches, deutscher Ehre und Macht, bringen wir unseren ehrerbietigen Glückwunsch dar: „Hoch der Kaiser und sein Hans, heute und olle Tage!"
Deutsches Reich.
W. Aerktn, 26. Jan. Am Mittwoch wmde im Berliner Schlosse die Vermählung der Prinzessin Margarethe von Preußen mit dem Prinzen Friedrich Carl von Hessen festlich begangen. Am Morgen des Festtages, dem zu Ehren viele Häuser Berlins und alle amtlichen Gebäude geflaggt hatten, statteten der Kaffer und die Kaiserin der Kaiserin Friedrich einen Besuch ab. Die Witterung entsprach der Festfeier freilich wenig, das plötzlich etngetretene Thauwetter hatte die Straßen in Schmutzseeen verwandelt, in die sich ununterbrochener leiser Regen ergoß. Schaulustiges Publikum zeigte sich in größerer Zahl auch nur in den Nachmittagsstundeu. Auf einer geges Mittag unternommenen Spazierfahrt stattete der Kaffer dem am Abend zuvor angenommenen Thronfolger Nikolaus in der russischen Botschaft einen Besuch ab. Um diese Zett zog gerade die Wache mit dem
Die alte, die stolze, gewaltige Mär Ist herrliche Wahrheit geworden. Wir schwören dem Reiche todfreudige Wehr, Wir schwörens in Süden und Norden! Vom Fels zum Meere herniederwallt Und überall jauchzend widerhallt, Von tausend Lippen begeistert zieht, Aus tausend Herzen jubelt und glüht
Das Lied vom Deutschen Kaiser!
üblichen Geleit von Paradebummlern auf und es entstand an der Schloßbrücke ein recht lebhaftes Gedränge. Ohne wesentliche Anstrengungen stellte iu- dessm die Polizei die Ordnung wieder her. Der Tafel bei ben kaiserlichen Majestäten im Schlosse wohnten der König von Sachsm, der russische Thronfolger, der jetzt einen recht männlichen Eindruck macht, der Herzog von Edinbnrg und andere Fürstlichketten bei. Gegen 4 Uhr begannen die Vermählungsfestlichkeiten. Die Prinzessin-Brant wurde unter großer Kavallerieeskorte im Galawagen aus dem Palais ihrer Mutter in das Schloß übergeführt. Nach der vom Hausminister vorgenommenen Zivittrauung folgte in der Schloß- kapelle durch den Hofprediger Dryander die Zeremonie und unter dem Donner der Geschütze der Ringwechsel. Bei der folgenden Cour nahmen die Neuvermählten die Ehrenplätze im Weißen Saale ein; bei der HochzettS- tafel brachte der Kaiser das Hoch auf das junge Paar ans. Den Schluß der Festlichkeiten bildete der historische Fackettanz (Polonaise), bei welchem der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Minister mit brennenden Kerzen voranschritten. Nach der Feier begab sich das junge Paar nach Potsdam, wo eS im bortigen Stadtschlosse Wohnung nimmt. — In den Abendstunden gab eS in den Straßen Berlins noch einige Lärmszenen; ernstere Tumulte, die aus Anlaß der Massenver- sammlung von Arbeitslosen mehrfach befürchtet wurden, sind bisher aber nicht bekannt geworden.
— Mit der Militärvorlage befaßt sich ein bei E. S. Mittler und Sohn erschienenes Flugblatt, und zwar beantwortet es die Frage: „Wieviel kostet uns Deuffche die Verteidigung des Vaterlandes?" Zu diesem Zwecke werden sehr sorgsame, vergleichende Berechnungen für Deuffchland und die Staaten Frankreich, England, Italien und Oesterreich- Ungarn angestellt und deren Ergebnisse dahin zusammengefaßt :
„Aus unseren Berechnungen ergiebt sich, daß, wie man den Steuerdruck auch berechnen mag, er in Deutschland am geringsten ist. Wtt find das Land, das den verhältnismäßig geringsten Teil seiner Staatsausgaben durch Steuern zu decken hat; wtt find
Land, das pro Kopf der Bevölkerung den geringsten, und zwar den weitaus geringsten Steueffatz aufzubringen hat. Unsere Militärausgaben drücken uns am wenigsten. Unser Schuldenverhältnis ist das günstigste in Europa, man mag es berechnen, tote man will, und ist auch darum das günsttgste, weil fast alle unsere Schulden für Anlagen anfge- nommen sind, die ihrersetts wiederum der Staatskasse Reineinnahmen bringen. Vorstehende Ergebnisse werden durch Hinzunahme der Gemeindesteuern innerhalb der verglichenen Staaten zu den Staatsausgaben kaum
verändert. Auch unter Hinzurechnung der Gemeindesteuern und -Aufbringungen ist Deuffchland das Land, in welchem pro Kopf der Bevölkerung bei Wettern am wenigsten Stenern gezahlt werden, also die Militärausgaben am wenigsten den Bürger drücke». Unter diesen Umständen ist die Behauptung falsch, daß wir an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit angelangt seien. Mag man gegen die Militärvorlage Gründe geltend machen, welche man immer wolle: dieser Grund ist hinfällig. Den» auch selbst nach Annahme der Vorlage zahlt der Deutsche doch immer au Steuern nur 21,8 Mk., gegen 58,1 Mk., die der Franzose, 39 Mk., die der Engländer, 32,3 Mk., die der Italiener, 28,2 Mk., die der Oesterreich« zahlt. Für Landesverteidigung und Schuldenzinsen zusammen aber zahlt der einzelne Deutsche nach Annahme der Vorlagen in Steuern nur 8,1 Mk., gegen 32,1 Mk., die an Steuern für diese Zwecke ben Franzosen heute schon belasten, gegen 25,3 Mk., die der Engländer, 21,4 Mk., die der Italiener, 13,2 Mark, die der Oesterreicher an Steuern für Sicherung seines Vaterlandes nach außen und für Verzinsung der Schulden seines Landes aufbringen muß."
Liegnih, 25. Jan. Die Leitung der konser- vattven Partei macht durch ihr Organ bekannt, daß die Konservativen für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Liegnitz nicht von vornherein für den anttsemttischen Kandidaten einfreten, sonder» einen eigenen konservative» Kandidaten aufstellen.
Ausland.
Aegypten. Fortgesetzt ungemütliche Nachrichten für die Engländer kommen aus Aegypten: Der junge Khedive AbbaS, der plötzlich so große Selbständigkeit gegenüber den Engländern zeigt, macht gegenüber dem brüischen Vertreter höfliche Worte »nd versichert ihm, er wolle sich nicht von den englischen Beamten trennen. Auf der anderen Sette zeigt er sich seinen Unterthanen gegenüber so selbstherrlich, daß biefe ihm laut zujubeln uttb lebhafte Demonstrationen gegen ihre englischen „Beschützer" veranstalten. Sein Wunder, daß den Europäem im Nillande flau zu Mut zu werden beginnt. Die britischen Garnisonen in Aegypten sollen von Matta und Cyperu ans verstärtt werden. Trotz aller Ableugnungen ist es ein offenes Geheim- nts, daß Rußland und Frankreich dem Khedive den Rücken steifen.
ßßike. Wtt brachten s. Z. (1891) eine Notiz darüber, daß die Uffache der damaligen chilenische» Revolutto» einzig in der Weigerung des damaligen Präsidenten Balmaceda lag, die fiskalischen Natron» salpeterfelder an englische Spekulanten zu verkaufe».