Einzelbild herunterladen
 

8'A1

Ihot

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.—Quartal-AbonnementS-PretS bei der Expe­dition 2 Mk., bei Men Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (ejH. Bestellgeld). JnferationSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 25. Januar 1893

Erschein

«Le rtanb.

Vortz t e&n

4) H , iften Di

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIII. SfauTfl Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. o

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

I”e" " SR°r“,‘' Jllustrirtes Sonntagsblatt. Redattion und Expedttwrn Martti" Marburg.

sau«,, Neubestellungen auf die „Oberhessische :: Zeitung" für die Monate Februar und März

werden von allen Postanstalten, den Landbrief- asse. trägem, in der Expedition (Markt 21),

@t6lö$ sowie von unseren Filial - Expeditionen in es Kch i Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen. Neuzugchende Abon- nen bitj nenten erhalten die „Oberh. Ztg." bis zum

1. Februar unentgeltlich.

rftaei,

Die Exped. der „Oberhess. Ztg."

wie

heftigen Auftretens der astatischen Cholera in

st.

gesundheitswidriges Wasser enthalten. Man weiß es richt, oder man achtet nicht darauf, und deshalb erscheint eine ausnahmslos streng durchgeführte sani-

«ziS- NS da nerkella ;er in rss-ltt rüder ranerei)

Qualität des Wasiers in allen großen und kleineren deutschen Orten zu untersuchen, welches als Trink­vaster Verwendung findet. Der Ntetlebener Fall, der zeigt, daß sich die Cholera auch unter den un­günstigsten Temperaturverhältnisten schnell entwickeln kann und durchaus nicht au die Siedehitze des Hoch­sommers gebunden ist, beweist nicht nur, daß die Cholera selbständig, ohne Uebertragung entstehen kann und daß das Master die Brutstätte der Cholera- bazillen ist, sondern auch, daß die in Hamburg ge­machten trüben Erfahrungen bei Weitem nicht diejenige Beachtung im Deutschen Reiche gefunden haben, welche sie verdienen. In Hamburg ist die Qualität des Trink- waffers als eine unglaubliche geschildert, und über

Eine notwendige Maßregel erscheint es angesichts des ebenso plötzlichen.

iüKRS )

ees

bringt die „Saaleztg.* das folgende, verblüffende Er­gebnis: „Das Schmutzwaffer der Anstalt, darunter neuerdings Exkremente von Cholerakranken, werden auf Rieselfelder geleitet. Die Abflüsse der letzteren gehen in die wilde Saale. Wenige Schritte unter­halb wttd das Trink- und Gebrauchswasser der Anstalt dem Flusse entnommen*. Ob wohl nun derarttge Anstaltsverhältnisse sich nttgends sonst in Deutschland finden? Aber ganz abgesehen davon ist eS notorisch, daß eS mit dem Trtnkwasser vielfach schlecht bestellt ist, ohne daß die Leute, welche dasselbe genießen, darauf achten. Es gibt noch genug Brunnen,

ior.

5e«u<

u. f.i jeder I ich kör, iter mee n.

. Stock.

wwe fi<h in der Nähe von Dungstätten befinden, es -----= gtbt auch genug Flußläufe, die stellenweise durchaus

Ht »en-1

, heftigen Auftretens der astatischen Cholera in der W»Uul , Irrenanstalt zu Nietleben bei Halle, genau die

die Untersuchungen des Professors Dr. Koch in der Mer behördlicher Leitung stehenden Anstalt Nietleben

,60 dÄ iS edla , kräftii

Unter -er Körügstaurre.

Preisgekrönter Roman von M. Th. May.

(Nachdruck verboten.)

(Fortietzung.)

n

fehlen.

I u.

rduij

itche»,

, ä Mt ullt die (6027

JVJ

küw

Vella konnte absolut keine Vorstellung von dem möglicherweise Kommenden gewinnen, namentlich leine Vorstellung davon, was dann wohl geschehen solle, wenn Direktor Siegfried der Frau gegenüber- stand, die er einst geliebt hatte, Magdalena Büchner, and wenn er sein Kind sah — sein Kindl Viel­leicht kam sie nicht, vielleicht hoffte Magdalena keinen Erfolg von ihrer Gegenwart.

Della schloß die Augen, ihr Kopf schmerzte so

„Ach, hätte sie doch Louis nicht angehört, hätte ste ihm diesen Auftrag nicht gegeben, oder wenn wenigstens Magdalena nicht käme.

ilUwS Aber diese Wünsche waren eitel, denn eben trat . , Mich leisem Klopfen Louis ein und meldete unter» Lehen« Hänigst, daß Fräulein Magdalena Büchner mit ihm in i ^»gekommen sei und ergebenst anfragen laste, wann iieu. «s gnädige Fräulein sie empfangen wolle

■■ 1>6° . Vella würdigte den Diener, besten Verworfenheit Ar gelegentlich der Erzählung des Direktors von Schmuckdiebstahl erst bekannt geworden war, *icht eines Blickes.

'N

Gl

neu t

Ealon führen. Wünscht die Dame aber erst aus-

. J »Ich habe Befehl gegeben, daß man der Dame

d beseii Gastzimmer im Parterre links anordne. Ist

arv ”6 geschehen?* fragte sie kurz.

। i »Zu Befehl, gnädige Baroneste!* entgegnete i, m>uis devot, aber schr verwundert über ben sonder- Empfang.

»Milka mag bei der Dame anftagen, ob es ihr Willig sei, mich schon jetzt zu besuchen. Wenn es ■ 4 W Fall ist, soll Müka da« Fräulein in meinen

tätspolizeiliche Kouttolle des Trinkwassers unbedingt geboten. Die Cholera kehrt sich, wie der Fall in Nietleben beweist, nicht an die ungesunden und engen Verhältnisse der Großstädte, sie erscheint, wo sie einen günstige» Boden, die uns bisher unbekannten Existenz­bedingungen findet. Und diese Bedingungen werden augenscheinlich am leichtesten durch ungesundes oder verunreinigtes Trinkwaster geschaffen. Alle unsere große» medizinischen Autoritäten find nicht ohne Be­sorgnis wegen eines neuen und hefttgen Auftretens der Cholera zum Frühjahr, fie betonen, unb die Er­fahrungen geben ihnen Recht, daß alle Absperrungen keinen wirklichen Schutz vor der Epidemie verbürgten, daß die Cholera da erscheint, wo sie ihre Existenz­bedingungen findet. Darum muß in jedem Orte, mag er groß oder klein sein, das Erforderliche gethan werden, damit wir nicht von dem schlimmen Gaste abermals überrumpelt werden. Es handelt sich ja doch nicht blos um so und so viele Sterbefälle in ttgend einer Stadt, um eine schwere Heimsuchung für eine einzelne Gemeinde, sondern es kommen auch die Rückwirkungen auf das gesamte öffentliche Leben. Im Vorjahre trat die Epidemie in bemerkenswerter Weise nur in Hamburg auf; eS war doch aber, als ob ein Alp auf unserem gesamten Verkehrsleben laste. Die fremden Länder schlossen sich gegen uns ab, der Absatz stockte, der Verdienst ging zurück, und Sorge und Mißtrauen erfüllten die weitesten Kreise. Diese Erscheinungen womöglich noch in vergrößertem Maß­stabe wiederkehren zu sehen, das ist die Aussicht, welche bei dem Wiedererscheinen der Cholera droht, und deshalb sollte nirgendwo gesäumt werden, sofort beim Eintritt einer milderen Wittemng die erforderlichen Schritte zu thun. Ma« weiß schon, wie es kommt, wenn darauf gewartet wttd, daß jeder Einzelne seine Schuldig­keit von selbst thut. Es geschieht das Meiste nur halb, und Gleichgiltigkeit, Bequemlichkeit und Ver- ttauenSseligkeit lassen über so manche dunkle Punkte fortsehen. Das Auftreten der Epidemie in Nietleben, der nun auch schon Aerzte und Krankenwärter zum Opfer gefalle» find, ist hochbedauerlich; gibt es den Antrieb, daß nun endlich einmal überall das Er­forderliche geschieht, dann wttd es doch sein Gutes gehabt haben.

Deutsches Reich.

W. Merkt«, 24. Januar. Der Kaiser hat die Wahl des Rechtsanwalts Kirschner zum zweiten Bürgermeister von Berlin bestätigt. Unser Kaiser arbettete am Montag Morgen mit dem Chef des

zuruhen, so laste ich sie bitten, mir die Stunde an- zugeben, wann sie mir das Vergnügen ihre» Be- suches machen will. Haben Sie gehört?*

Eine Handbewegung und Louis entfernte sich, fast ein wenig verwirrt und bestürzt. Du lieber Himmel, welcher Aufwand und Höflichkeit wegen eines Mädchens, das — da« ja doch eine Gefallene war! Er begriff die Baroneffe nicht. Ihn, den ge­fälligen Diener, behandelte sie mit hochmütiger Ver­achtung, währmd die Dame um das Vergnügen hres Besuches gebeten werden sollte. Louis hatte Mühe genug gehabt, Magdalena Büchner zu über­reden, mit ihm nach Rotheim zu fahren und nut durch ein geschicktes Lügengewebe gelang es ihm, Magdalena zu bewegen, am dritten Weihnachts­feiertage mtt ihrem Töchterchen die Fahrt zu unter­nehmen.

Louis hatte Magdalena erzählt, daß Della eine tiefe Leidenschaft für Baron Salberg habe, daß Della ungeachtet ihrer Erkenntnis des zweideutigen Charak­ters dieses Mannes ihre Leidenschaft nicht beherrschen könne. Nun habe er — Louis — aus aufrich­tigster Teilnahme für seine Herrin die Baronesse beschworen, Magdalena Büchner zu sich kommen zu lassen, um durch deren Erzählung ihrer eigenen traurigen Schicksale vielleicht die Kraft zu gewinnen, diese Neigung zu bekämpfen, welche die Baronesse unglücklich machen mußte.

Er war ja Christenpflicht, der Baronesse die Augen vollständig über ben wahren Charakter Solbergs zu öffnen. Ferner erzählte-Louis bet armen Magdalena Büchner, daß Salberg gegen« wätttg im Schlosse nicht anwesend sei, Magdalena also nicht Gefahr laufe, dem ihr verhaßten und von ihr verachteten Manne zu begegnen. Endlich bat er das Mädchen dringend, im Gespräche mit Della ben

Zivilkabinetts und nahm die Votträge des Kontte- admiralS Hoffmann und des Chefs des Marine­kabinetts entgegen. Am Nachmittag begab sich der Monarch nach dem Anhalter Bahnhof, um den König Albert von Sachsen zu begrüßen und denselben in das kgl. Schloß zu geleiten. Später wohnten die kaiserlichen Majestäten, die Prinzen und Prinzessinnen, sowie die in Berlin anwesenden fremden Fürstlichkeiten beim 1. Garde-Dragonerregiment einer zu Ehren der Prinzessin Margarethe veranstalteten Retterquadrille bei. Am Abend fand im Weißen Saale des Ber­liner Schlosses eine Galatafel statt, zu der über 300 Einladungen ergangen waren. — Der Gr oßfürst- Thronfolger von Rußland trifft heute, Dienstag, Abend £P/2 Uhr auf Bahnhof Friedrich­straße in Berlin ein und nimmt in der russischen Botschaft Wohnung. — lieber bie aufgegebene Reise des Königs von Dänemark nach Berlin wird aus Kopenhagen geschrieben, daß alle Ausstreuungen, diese erfolge nicht wegen der Rede des Reichskanzlers Grafen Caprivi in der Militärkommission, falsch seien. Der König sei beim deutschen Gesandten v. d. Brinken persönlich vorgefahren und habe erklärt, nur des schlechten Wetters und der Eisverhültnisse wegen müsse die Reise unterbleiben. — Die „Nordd. Allg. Ztg.* teilt mit, daß, falls die monarchischen Mächte in Paris Beschwerdeführend vorgehen sollten wegen Beleidigung ihrer Botschafter durch die dortige Presse, Deutschland fich jenen Staaten anschließen würde. — In Berliner diplomatischen Kreisen mißt man der Versöhnung des Exkönigs Milan mitseiner Gemahlin eine politische Bedeutung nicht bei, da man die Rolle des ehemaligen Königs für ausgespielt hält. Immerhin hat die Nachricht wie eine Ueberraschung gewttkt, deren letzte Beweggründe noch nicht bekannt sind; man vermutet, daß die finanzielle Frage hier­bei eine Rolle spiett. — Von Mlan freundlicher Seite wird erklärt, der Exkönig habe fich nicht wegen Geldverlegenheiten mit der Königin Natalie ausge­söhnt. Er verfüge über 4 Mill. Fr., wovon 3 Mill, in Belgrader Geldinstituten angelegt seien. Wenns nur wahr ist! Das Spiel müßte in dem letzten Halbjahr einen sehr goldenen Boden beseffen haben. — Die konservative, die freikonservative und die nattonalliberale Partei des Reichstags haben am Freitag und Sonnabend Abend Sitzungen abgehalten, worin über den Weg zu einer Verständigung über die Militärvorlage beraten worden ist. — In Berliner parlamentarischen Kreisen spricht man davon, daß die Konservativen einen Anttag einbringen werden, der dahin geht, das Projett der Brausteuerverdoppelung

Namen de« Batons Salberg ja nicht zu nennen, da die Baronesse bei ihrem leicht verletzten Stolze eine gänzliche Unbekanntheit mit dem Manne, von dem Magdalena erzählen werde, zu fingieren be» absichtige.

Von der Anwesenheit des Direktors Siegfried auf Schloß Rotheim erwähnte Louis wohlweislich nichts und das Schreiben der Baronesse an Mag- )alena Büchner, in welchem Della das Fräulein er­sucht hatte, im Falle sie mit Rolf Siegfried einst in näherer Verbindung gestanden, ihre Einladung anzunehmen, um durch Erzählung ihrer Schicksale ihr, der Baronesse, einen wichtigen Dienst zu leisten, hatte Louis durch einen ihm zweckmäßiger scheinenden Brief ersetzt, der an Stelle des Namens Rolf Sieg­fried den de» Batons Salberg enthielt

Daß Della vermeiden würde, Siegfrieds Namen »rett zu nennen, dessen glaubte Louis fast sicher fein zu können

So war alle» wohl vorbereitet und Louis konnte getrost Milka den Auftrag geben, die fremde Dame und deren Töchterchen zur Baronesse zu führen.

Mit der lebhaftesten Unruhe sah Della dem Be- uche der Fremden entgegen und ihr Herz schlug fast hörbar, al» Milka sorgsam eine schlanke, dunkel­gekleidete Dame hereinführte, deren blasses, vor der Zeit gealtertes Gesicht die ©puren einstiger großer Schönheit trug. Die Augen der Fremden, die einst so herrlichen blauen Augen, lagen glanzlos und larr in ihren Höhlen Ein kleines, ungefähr fechs- ähriges Mädchen, dessen liebliche Züge unverkenn- >are Ähnlichkeit mit denen der Mutter hatten, hielt ich schüchtern an der Seite der Blinden.

„Seien Sie mir willkommen, Fräulein Büchner, agte Della, die ihre ganze Selbstbeherrschung zu- ammennahm, mit gewinnender Freundlichkeit und

fallen zu lassen und dafür eine Quittungssteuer vorzuschlagen. — In der Steuerreformkom- missio» des Abgeordnetenhauses in Berlin wurde am Montag der § 16 des Kommunalsteuergesetzes (allgemeine Bestimmungen über die Erhebung der direkten Gemeindesteuern) mit einer redakttonellen Aenderung angenommen unb § 17 (die auf besonderem Rechtstttel beruhenden Befreiungen einzelner Grund­stücke) einer Subkommission überwiesen. — In der Budgetkommission des Reichstages, welche sich am Montag mit dem Marineetat beschäftigte und bei demselben gegen 700 000 Mark von den laufende« Ausgaben ttotz eifriger Befürwortung durch den Staatssettetär Hollman strich, kam es zu interessante« Zwischenfällen. Abg. v. Keudell, der frühere deutsche Botschafter in Rom, war der Ansicht, daß in einige« Jahren Krieg ausbrechen werde. Abg. Richter (fteis.) bestritt, daß es soweit sei. Der Staatssettetär er­klärte auf eine Anfrage, er habe hauptsächlich eng­lische Kohlen statt deusscher aus Westfalen ge­kauft, weil erstere billiger seien. Die Kommission ersuchte um Vorlegung der Bezugsbedingungen. — Der AnSstand der Bergarbeiter kann sowohl an der Saar, wie an der Ruhr für beendigt gelten. Den größten Schaden haben offenbar die Bergleute selbst zu tragen, die in ungünstiger Jahreszeit und unter ungünstigen Verhältnissen des Marktes einen Ausstand unternahmen, der durch die Verhältnisse nicht gerechtferttgt war. Die Bergbehörde im Saar­gebiet hat mehr als vierhundert Bergleute dauernd abgelegt und mehrere Tausend zeitweilig von der Arbeit zurückgewiesen. Auch die Zechen im Ruhr­gebiet, denen ein Ausstand bet dem flauen Absatz durchaus nicht unerwünscht kam, haben fich der Hauptttakehler entledigt. — Der auswärtige Handel des deutschen Zollgebiets weist nach den Aufstellungen des kaiserlichen stattsttsche« Amts für das Jahr 1892 — im Spezialhandel, vorläufig berechnet nach den für 1891 festgestellten Einheitspreisen — folgende Summen auf: Wert der Einfuhr 4463 093 000 Mk. (1891: 4403404000 Mark), Wert der Ausfuhr 3 327 980000 Mark (1891: 3 339 755 000 Mk.). Der Wert der Ein- fuhr wäre danach gegen das Vorjahr gestiegen um 59 689 000 Mk., der Wert der Ausfuhr gefallen um 11775000 Mark. — Nach der „Stat. Korresp.* betrug der Durchschnittspreis für Roggen im Jahre 1892 auf 100 kg 176 Mk., für Weizen 188 Mk. Die Preise an der Berliner Börse betrüge« am Sonnabend für Roggen 135 Mk, für Weizen 153 Mark (Lieferungsqualität). Weiter sind an Durch­

bot Magdalena die Hand. Die Blinde ergriff sie lebhaft.

„Sie also find die Baronesse Della von Rot­heim, der ich die Geschichte einer Unglücklichen er­zählen soll, bannt* — Magdalena brach ab, fie erinnerte sich, daß eine Dienerin anwesend im Zimmer sei.

„Ich werde Dich rufen, Milka, wenn ich Deiner bedarf,* sagte Della zu dem Kammermädchen und führte, während fich Milka entfernte, Fräulein Büchner zum Sopha.

„Und Du, mein kleine» Mädchen, willst Du mir nicht Deinen Namen sagen?* wandte sich Della an das bildschöne Kind der Blinden, um dieser Zeit zu lassen, fich zu sammeln.

„Eva Büchner," sagte die Kleine schüchtern und hielt da» Kleid der Mutter fest, bi» Della da» Kind mit einer gefüllten Bonbonniere zutraulich machte und ihm schließlich ein Album zur Unterhaltung gab. Dann setzte sich Della der Blinden gegenüber.

„Vor allem lassen Sie mich Ihnen danken,* sagte die Baronesse herzlich, „daß Sie die Güte hatten, die Bitte einer Unbekannten zu erfüllen und die, wenn auch nicht lange, so doch im Winter immer unangenehme Fahrt nach Rotheim zu mache«. Glauben Sie mir, ich fühle mich Ihnen durch Ihre Bereitwilligkeit lebhaft verpflichtet.

Durch verschiedene, in eigentümlichster Weise zu­sammentreffende Umstände kam ich dazu, an Ihre« Lebensschicksalen, so wenig mir auch davon bekannt ist, ben lebhaftesten Anteil zu nehmen. Die Ge­wißheit, bie Sie mir durch eine ausführliche Er­zählung zu geben vermögen, bie sich aber streng auf )a8 Thatsächliche beschränken muß, ist für mich von höchster Wichtigkeit. Sie haben meinen Brief doch erhalten?*