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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. —Quartal-AdonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 2S Pfg. (exll. Bestellgeld). JnscrationSgebühr für die gefpaüene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.
Marburg.
Freitag, 20. Januar 1893.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in VTn.n <■ Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV111. fcötirfl Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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Deutsches Reich.
W. Stettin, 19. Januar. Unser Kaiser
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wohnte am Dienstag dem Kapitel des Schwarzen AdlerordenS, sowie der Galatafel zu Ehren des Ordens bei. Nach Aufhebung der Tafel blieb der Monarch noch mit mehreren zu dem Diner geladen gewesenen Herren im türkischen Zimmer vereint. Am Mittwoch Vormittag arbeitete der Kaiser zunächst mit dem Chef des Zivilkabiuets, konferiette mit dem Oberstkämmerer Fürsten zu Stolberg-Wernigerode und empfing den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherrn v. Marschall. — Am Donnerstag ist Cour, am Freitag Ball im Schlosse. — Der Reichstagsabgeordnete Göser, Stadtpfarrer in Saulgau (Württemberg), ist gestorben. — Die „Nationalltb. Sorrefp." schreibt: „Zum erstenmal liegt jetzt in der He er es frage ein besttmmter positiver Vorschlag vor, nachdem in der gestrigen Sitzung der Militär- kommisfion der Abg. von Bennigsen eine jährliche
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Mehreinstellung von 40000 Rekruten, statt der geforderten 60 000, in Anregung gebracht hat. Es ist dies ein sehr weitgehendes Zugestängnis, und ob im Reichstag dafür eine Mehrheit zu erlangen ist, hängt immer von dem großen unbekannten Faktor, der Haltung des Zentrums, ab. Die gestrige Rede des badischen Abg. v. Buol wurde in dem Sinne gedeutet, daß die Neigung im Zentrum zunehme, eine Verständigung herbeiführen zu helfen. Auch
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die Möglichkeit, eine Anzahl von Freisinnigen für ein Kompromiß zu gewinnen, gilt nicht für ganz
und f ausgeschlossen. Man hat den Eindruck, als ob auch ermittln die Regierung im Fall der Sicherheit, eine Reichstags- Hofstadlf Mehrheit für dies große Zugeständnis zu gewinnen, ■äja nicht mehr starr auf ihren vollständigen Forderungen bestehen werde. Im Allgemeinen bettachtet man den
illltl Bennigsenschen Vorschlag, der sich voraussichtlich bald W1U zu einem bestimmt formulierten Antrag gestalten wird,
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wenigstens als eine Grundlage zu erfolgreichen Verständigungsversuchen. Aber fteilich geändert in der ktttischen Sachlage hat sich auch dadurch vorläufig noch nicht viel." Nichtsdestoweniger gibt selbst die „Franks. Ztg." zu, daß sich die Aussichten der Militärvorlage gebessert haben. So nahm zum Beispiel eine dieser Tage in Darmstadt abgehaltene Versammlung zur Militärvorlage durch folgende Resolution Stellung: „Die Versammlung erklätt ihre volle Zustimmung zu dem Vorgehen der national- liberalen Fraktton im Reichstage, mit der Reichsregierung durch Verständigung den Weg zu finden, welcher zu dem Ziel der notwendigen, die Sicherheit
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Preisgekrönter Roman von M. Th. May.
(Nachdruck verboten.) (Fortsttzung.)
Siegfried erzählte Della mit möglichster Objektivität, auf welche Weise Valentin von dem beabsichtigten Diebstähle SalbergS und Louis erfahren hatte und wie es ihm gelungen sei, sich des Schmuckes bemächtigen.
Della wurde leichenblaß bei diesen Mitteilungen tob Siegfried beeilte sich, dem jungen Mädchen über bett peinlichen Eindruck von SalbergS Verbrechen hinwegzuhelfen, indem er rasch auf die seltsamen Ideen des alten Valentin über das Eigentumsrecht pl sprechen kam und erzählte, wie der Alte doch endlich vernünftigen Vorstellungen Gehör gegeben »nd eingewilligt habe, den Schmuck seiner Eigentümerin zurückzustellen.
Siegfried schilderte hierauf den Gang nach der Höhle und den Aufenthalt in derselben so lebhaft, baß Iella die unheimlich düstere Scene vor sich zu sehen glaubte und sie meinte, das Rauschen des trockenen Reisigs, das Knistern des Kienspahns zu hören.
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"icht wahr?' sagte Siegfried gelassen. „Seien Sie tohig, gnädiges Fräulein, ich habe nicht da» St»
mr ge »Sie erzählen Märchen,' sagte Della halblaut vorrät .und mir ist's, als erlebte ich Märchen. Der alte
(H Reisesack also, den Sie letzten Sonntag trugen und bet meine Neugierde erregte, enthielt meinen Schmuck! Dir find Ihnen großen Dank schuldig, Herr Direktor," saht sie fort und richtete ihre Augen groß und voll tos Siegfried „Unsere Schuld wächst mit jedem Tage. Ich wäre zufrieden, wenn uns das Schicksal Gelegenheit böte, diese Schuld zurückzuzahlen '
des Deutschen Reiches gewährleistenden Verstärkung des deutschen Heeres zu führen geeignet erscheint." — Die Budgetkommission des Reichstages genehmigte am Mittwoch den größeren Teil des Poft- EiatS, wobei auf den Postasststentenverband einge- gongen wurde. Staatssekretär von Stephan betonte, daß für alle Beamte bestimmte Schranken beständen, die nicht außer Acht gelassen werden dürften. Die Militärkommission fuhr in der Beratung der Militärvorlage fort. — Das Posensche Blatt „Orendownik" bringt einen Artikel mit der Ueberschrist: „Herr Minister Söffe und die polnisch-nationale Agitation." Es wird darin zugestauden, daß eine große polnisch- nationale Agitation in der Provinz Posen bestehe, daß dieselbe im Wachsen sei und sich auf Westpreußen, Oberschlefien und Ermland ausdehne. Diese Agitation sei aber weder eine Negatton, noch eine Opposition in Bezug auf Pflichten, welche die preußische Staatsangehörigkeit den Polen auferlege. Der Inhalt der polnischen Agitation sei die Erweckung des polnisch-nationalen Geistes unb nationalen Selbstbewußtseins unter mittleren unb unteren Bevölkerungsschichten. Zweck ber Agitation sei bie Sicherung ber nationalen Existenz, selbstverständlich unbeschabet der Anfvrberungen des preußischen Unter« thonenverhältnisses. — Die Wahlprüfungs-Kommission bes Reichstages erklärte bie Wohl M ö l l e r s (nat.-lib.) im 6. Arnsberger Wahlbezirke wegen Wahlbeein- flussuug für ungiftig.
Liegnih, 18. Jan. Der Kandidat ber freisinnigen Partei, Stabtrat Wecker aus Breslau, hat die Erklärung abgegeben, baß ihm bie Selbstachtung verbiete, seine Sanbibatur aufrecht zu erhalten. Von freisinniger Seite ist nunmehr bie Sanbibatur eines Grunbbesitzers aus bem Kreise in Aussicht genommen.
Aus dem Saargeöiet. Der Bergarbeiterstreik im Saarrevier ist nunmehr völlig zu Enbe, ba am Mittwoch Alles angefahren ist. Eine noch einberufene Streikversammlung unterblieb wegen Mangels an Teilnahme. Im rheinisch - westfälischen Revier, wo bie Zahl ber entlassenen Bergleute schon eine recht bebeutenbe ist, waren noch einige tausend Marin ausständig, jedoch hat die Sache keine Wichtigkeit mehr. Der verhaftete Stteikführer Bunte ist erkrankt. Am Mittwoch Nachmittag streikten im westfälischen Gebiet nach offizieller Angabe noch 7500 Mann, doch gilt das als zu hoch.
Karlsruhe, 18. Jan. Eine Kundgebung des Großherzogs von Baden an die Kriegervereine verdient die Bekanntgabe weiterer Kreise. Der badische Militärvereinsverband richtete durch sein Präsidium an-
wußtsein, daß Sie mir Dank schulden und wie Sie wissen, ist es nicht mein Verdienst, wenn ich zur „rechten Zeit" kam, sondern das des Zufalles."
„Diese Bemerkungen verdiente ich jetzt nicht, Herr Direktor," sagte Della mit bitterem Vorwurf.
Er sah sie an.
„Dann bitte ich um Verzeihung. Wenn sie sich in der That gedrängt fühlen, zu beweisen, daß Sie dankbar find, so denken Sie an Ihren Oheim; er hat diese Kleinodien gerettet und für Sie bewahrt "
Der Direktor stand auf und auch Della erhob sich. „Einer erkannten Wahrheit widerstreben, gilt frommen Leuten als eine Sünde gegen den heiligen Geist," sagte sie herb. „Ich werde mich ihrer nicht schuldig machen, feien Sie dessen sicher. Diese prachtvolle Kassette aber, welche statt der wahrscheinlich verdorbenen alten den Schmuck birgt, diese ist ein Geschenk von Ihnen, Herr Direktor, ein Geschenk, das ich nicht annehmen kann, noch darf."
Siegftied lächelte. „Ein Geschenk, Baronesse? Nein, sie ist nur ein Andenken an die Zeit, in ber Ihr Schmuck von den Geistern der Berge behütet wurde Mir aber gestatten Sie, daß ich die abgenützte Raffelte, die einst diese Juwelen barg, behalte als Erinnerung an — nun, an den heutigen Weihnachtsabend.
„Wollen Sie mir nicht erlauben, Ihnen ein anderes, besseres Erinnerungszeichen an Ihren Aufenthalt in Rotheim zu geben?" fragte Della rasch unb als wollte sie keiner Uebeilegung mehr Raum geben, sich vollständig ben Eindrücken des Moments überlassend, nahm sie das kleine Aquarellbild von der Wand.
„Hier, Herr Direktor, nehmen Sie dieses Bild, das ich gemalt habe, als Weihnachtsgabe von einem Mädchen, bem Sie nicht nur das Leben gerettet,
läßlich des Jahreswechsels ein Glückwunschschreiben an ben Großherzog, in welchem die alten Soldaten aufs Neue Treue und Anhänglichkeit ihrem Protektor gelobten. In der Antwort spricht der Großherzog seine Freude über den guten Geist aus, der die Soldaten beseelt und wünscht von Herzen, „daß die günstige Entwicklung der Militärvereine sich in gutem Fortgang erhalte und sich mehr und mehr dahin ausdehnen möge, der Vereinigungspunkt in den Gemeinden für alle Diejenigen zu werden, welche ihre Dienstzeit im Heere ehrenvoll bestanden haben und damit zur Reserve gehören". Dann heißt es weiter wörtlich: „Die Pflege des militärischen Geistes, wie er in der praktischen Schulung erworben wird, gehört zu den nützlichsten Aufgaben im Leben der Gemeinden. Die Kraft gemeinsamer Interessen verbindet zu gemeinsamer Arbeit und fördert das Bewußtsein von der Notwendigkeit der Unterordnung des Einzelnen zu Gunsteu der Gemeinschaft in kleinem ober großem Kreise. Die militärische Schule lehrt bie Selbstlosigkeit, aus ber allein Erfolge zu erzielen finb, unb mit welcher so viel Großes zu Stanbe kam. Diese Tugend ins bürgerliche Leben zu übertragen unb sie schon stüh ber Jugenb einzuprägen burch Belehrung, noch mehr aber burch Beispiel unb Vorbilb in Wesen unb That, bas gehört zu ben höchsten Aufgaben ber Militärvereine. Je mehr sich in weiten Kreisen ein Streben nach Genuß und Gewinn kunbgibt, desto mehr ist es an bei Zeit, Nüchternheit unb Genügsamkeit zu pflegen, unb auch darin können bie Militärvereine einen vorbildlichen Einfluß üben, wenn sie das Beispiel der Einfachheit und weisen Sparsamkeit darstelleu".
Hessen-Nassau.
Marönrg, 19. Jan. (Akad. Kouzert- verein.) In dem am gestrigen Abende stattgehabten UI. Konzerte bes atab. Konzertvereins spielte Herr Professor Barth bie Violinsonaten D-moll op. 121 von R. Schumann unb C - moll op. 30 von Beethoven sowie bas Abagio aus bem Violinkonzerte op. 77 von Brahms. Als Begleiterin fungierte Miß Margaret Wilb ans Lonbon, eine Pianistin, welche sich burch eminente Technik sowohl wie tadellosen Vottrag auszeichnet. Wie unter den gegebenen Umständen zu erwarten war, kamen bie obenerwähnten Werke durch bas an Herrn Barth gewöhnte meisterhafte Spiel unb ebensolche Begleitung in ber höchsten Vollenbung zur Ausführung. Auch als Solistin exzellierte Miß Wilb bei bem Andanttno unb Presto von Scarlatti, wie auch in bem Cis-moll-Scherzo von
sondern dos Sie von einem Unheil bewahrt haben, das furchtbarer als der Tod ist."
Siegfried sah wie zweifelnd das erregte Mädchen an, das ihm die Hand entgegenstreckte, dann aber beugte er sein stolzes Haupt über die kleine Hand. „Ich danke Ihnen, Della," sagte er leise mit warmem, bebendem Herzenstone und küßte bie Hanb, die wie eine Schneeflocke so kühl in der seinen lag. Da tönte die Glocke, die zur Festtafel des Weihnachtsabends im Schlosse Rotheim rief.
10.
.GM fein, ist weiter nichts als bloßes Sein, Und alles andere Sein ist werden nur, Serinen von dem Sein und Untergang.
Nicht stolz fei Du, o Guter, denn Du bist bloß, Und wie die Rose plötzlich ausblüheu kann, So kann ein jeder Werdende gleich fein.“
(L. Scheser.)
Vorüber war der Weihnachtsabend, vorüber auch die seltsam weiche Stimmung, welche das Fräulein von Rotheim zum Erstaunen ihrer Verwandten diesen ganzen Abend beherrscht hatte.
Als Della am nächsten Morgen erwachte und die Ereignisse des vergangenen Tages sich in's Gedächtnis zurückrief, da zürnte sie auf sich selbst, auf ihre Schwäche und Charakterlosigkeit.
Wie konnte sie nur von demselben Manne, den sie im Begriffe war, eines moralischen Vergehens zu überführen, von dem Manne, auf dessen Demütigung sie sich freute, wie konnte sie von ihm ein so kostbares Geschenk, wie die Kassette, annehmen! War Della denn gestern im Banne eine« Zaubers gewesen, daß sie gesprochen und gehandelt hatte, wie sie nimmer hätte sprechen und handeln dürfen dem Manne gegenüber, ben sie als Heuchler brandmarken
Chopin ganz besonders. Die Schattierungen vom Forte zum Piano sowohl wie die schwierigsten Passagen find klar und rein, auch der Anschlag ist vorzüglich. Das Publikum war ttotz ber im Saale herrschenden Kälte animiert unb applaubierte lebhaft. Der gesangliche Teil war burch bie uns schon bekannten Herren Raimunb von zur Mühleu (Tenor) unb Hans Schmidt (Piano) aus Berlin in sehr guten Hänben. Herr Raimunb von zur Mühlen verfügt über eine sehr lyrische Tenorstimme unb leistete, von Herrn Schmibts biskreter Begleitung unterstützt, in seinen Liebervorttägeu wie in ber Henschelschen Ballade Jung Dietrich recht hervorragendes und erntete wohlverdienten Beifall. Unter den Liedern (meist Brahmssche Kompositionen) befanden sich auch zwei von dem obengenannten Herm Hans Schmidt aus Berlin komponierte „Waldesrauschen" und „Vogellehre", welche durch ihre Naivttät und Einfachheit ganz bedeutenden Anklang fanden und derart applaudiert wurden, daß sich die Herren noch zu einer kleinen Zugabe verstanden. Daß ttotz der obenerwähnten Kälte das Publikum ausharrte und Stimmung behielt, lag an den musterhaften Ausführungen des ganzen Konzettes, wofür wir ben Künstlern hiermit unfern Dank abftatien.
Marvnrg, 19. Januar. (Abonnementskonzert.) Morgen Abenb finbet im Saalbau ein weiteres Abonnements-Konzert unserer Jägerkapelle statt. Das Programm desselben enthält u. a. folgendes: Ouvertüre zur Oper „Leonore" (Fidelio) von Beethoven, 9tes Konzert für Violine von Beriot, Bravour-Arie für Pistonsolo von Haffelmann, Largo von Händel, Ouvertüre zu „Dichter und Bauer" von Suppe, Potpouri, ein musikalischer Bilderbogen u. s. w.
M«8«rg, 19. Januar. (Studenten-Ge- sangverein „Fridericiana.") Wie wtt hören, beabsichtigt ber unter Leitung bes Univerfitätsmufik- direktors Henn Professor Barth steheube Stubenten- Gesangverein „Fribericiana" auch in diesem Winter ein öffentliches Konzert zu veranstalten. Dasselbe soll Ende Februar im Saalbau stattfinden unb ber Ertrag, wie im Vorjahre, bem hiesigen vaterländischen Frauenverein zugute kommen. Außer mehreren Chören für 4ftimmlgen Männergesang werben auch Soli für Tenor, Violine unb Klavier, sowie Trios zu Gehör gebracht werben. Der wohlthätige Zweck bes Konzerts unb bie in weiten Kreisen Marburgs bekannten tüchtigen Leistungen ber „Fribericiana" unb ihres bewährten Dirigenten bürften eine rege Beteiligung erwarten lassen.
Warvnrg, 19. Januar. (Recitator Louis
wollte! Wo war gestern ihr Stolz, ihre Kälte, ihr Hoß gegen ben „Eindringling" geblieben ? Wie durste sie das Geschenk Siegfrieds mit dem von ihr gemalten Bilde erwidern, das Bild der Königstanne, in die er seinen Namen geschnitten, wohl bald nachdem er sie, das unvorsichtige, halbwüchsige Mädchen, den Wellen entrissen hatte!
Zur Königstanne hatte er sie getragen, an ihrem Fuße die bebende Kindergestalt in das Moos gelegt und in feinen Plaid gehüllt, so sanft und sorgsam wie eine Mutter I
Della erinnerte sich an diesem Morgen der Selbstvorwürfe und Selbstanklagen mit schmerzlicher Lebhaftigkeit jedes kleinsten Umstandes. Und die» Bild, welches die Königstanne zeigte, es hing jetzt wohl in feinem Zimmer Und er stand davor unb dachte — woran und an wen?
Eilig war Della aufgestanden und ließ sich von Milka beim Ankleiden helfen. Die Baronesse wollte sich an nichts mehr erinnern, vor allem aber wollte sie ihm nicht mehr begegnen, an ben sie nicht denken konnte, ohne ein quälendes Gefühl der Beschämung, jo peinigende Gewissensbisse zu empfinden. Beim Frühstück teilte Della ihrem Vater und der Freiftau in den Hauptzügen alles mit, was Direktor Siegfried ihr tagsvorher erzählt hatte.
Der Baron war sprachlos vor Ueberrafchnng über das Wieberaufsinden des Schmuckes, aber sprachlos auch vor Zorn, als er die Namen der Diebe erfuhr. Selbst die Freiftau, welche nie die günstigste Meinung von dem Gutsverwalter gehegt hatte und nur mit Sorge Della als SalbergS Frau sich hatte denken können, selbst ihr erschien da» Gehörte unglaublich, unfaßlich.
Die Freifrau war zur Zett des Diebstahls auf Schloß Rotheim gewesen und erinnerte sich noch