Wöchentliche Beilagen: Krcisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
Jllnstrirtes Sonntagsblatt. zzs--L"Lü.?-Li-L""
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Bchellgeld). Jnserationsgebühr für die gespaltene Zeile S0NNta(l, 8. IUNUllr 1893. Moste in Frankfurt a.M., Berssn, München n. Köln; G. L.
10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Vermischtes.
— Das Alter der europäischen Fürsten. Europa hat gegenwärtig vierzig regierende Fürsten. Von denselben ist Papst Leo XIII. der älteste an Jahren; er hat nämlich im Jahre 1892 daS 82. Lebensjahr vollendet. Auf ihn folgen Großherzog Adolph von Luxemburg und Fürst Adolph von Schaumburg-Lippe mit je 75 zurückgelegten Lebensjahren; König Christian IX. von Dänemark, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha und Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar mit je 74; Königin Viktoria von England und Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz mit je 73; Fürst Waldemar zur Lippe mit 68; Herzog Georgi, von Sachsen-Meiningen, Großherzog Friedrich von Baden und Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg mit je 66; Großherzog Peter von Oldenburg mit 65; König Albert von Sachsen mit 64; König Oskar II. von Schweden und Norwegen mit 63; Fürst Karl von Schwarzburg-Sondershausen und Kaiser Franz Joseph H. von Oesterreich mit 62; Fürst Georg Viktor von Waldeck und Pyrmont und Herzog Friedrich von Anhalt-Dessau mit je 61 und Fürst Heinrich XIV. Reuß j. L. mit 60 zurück- gelegtm Lebensjahren. Zwanzig, also gerade die Hälfte der europäischen Fürsten hat mithin das 60. Lebensjahr überschritten. Von dm folgenden stehen fünfzehn im zweiten Menschenalter. Es sind dies: Leopold II., König der Belgier, mit 57; König Karl von Rumänien mit 53; Fürst Johann II. von Liechtenstein mit 52; Fürst Nikita von Montenegro mit 51; der Groß-Sultan Abdul Hamid mit 50; König Humbert I. von Italien mit 48; Kaiser Alexander von Rußland und König Georg I. von Griechenland mit je 47; Fürst Heinrich XII. Reuß ä. L. mit 46; König Wilhelm IL von Württemberg, König Otto I. von Bayern und Fürst Albert mit je 44; Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin mit 41; Fürst Günther von Schwarzburg-Rudolstadt mit 40 und Kaiser Wilhelm H. von Deutschland mit 33 zurückge- legten Lebmsjahren. Noch im ersten Mmschenalter stehen fünf europäische Herrscher: König Carlos von Portugal mtl 29; Großherzog Ernst Ludwig von Hessen mit 24; König Alexander I. von Serbien mit 16; Königin Wilhelmine der Niederlande mit 12 und endlich König Alfons XIII. von Spanien Mit 6 zurückgelegten Lebensjahren.
— (DieGeschenke des Sultans für die K a i s e r f a m i l i e.) Ueber die prachtvollen Geschenke, die der Sultan der kaiserlichm Familie durch seinen Generaladjutanten Kamphovener Pascha hat über- reichm lassen, kann die „Post" Näheres berichtm. Zunächst ist für beide kaiserlichen Majestäten, als Anhang einer vollständigm Zimmereinrichtung, eine Garnitur von Möbeln bestimmt, die in völlig orientalischem Geschmack in Konstantinopel gearbeitet find und in eingelegter Perlmutterarbett den Namenszug und daS Wappen des Sultans zeigen. Es sind ein
Zweites Blatt.
Divan mit hohem Aufbau, zwei Sessel, vier Stühle und zwei Tabourets. Der Kaiser erhielt für sich ein Album in syrischer Perlmutterarbett, die Kaiserin zwei kostbare orientalische Vasen in blauer Emaille und eingelegtem Silber; auf der einen erblickt man die Moschte von Ortakiö, auf der anderen die Säule des Hippodrom. Jedem der sechs kaiserlichen Prinzen wurde eine Garnitur von Hemden- und Manschettenknöpfen in Brillanten überreicht; die des Kronprinzen ist noch besonders durch den Halbmond ausgezeichnet. Für die junge Prinzessin war eine Brosche in fächerartiger Form bestimmt.
— (Das Jubeljahr des deutschen Turnens.) Das Jahr 1893 ist bedeutungsvoll für das Turnen. Man kann es als das Jubeljahr des deutschen Turnens bezeichnen. Vor hundert Jahren, 1793, erschien die „Gymnastik für die Jugend" von Guts Muths, Lehrer an der Erziehungsanstalt in Schnepfenthal. Die körperliche Erziehung durch angemessene Uebungen war allerdings schon früher angeregt und auch praktisch vorgenommen worden. Rousseau hatte in seinem berühmten Erziehungsroman „Emil" dieselben in den Vordergrund seiner Erziehungslehre gestellt; Basedow, der Begründer der philanthropistischen Richtung, hatte die Körperübungen in ausgedehnter Weise in seinen Erziehungsplan mit ausgenommen und auch in der Dessauer Philanthropin praktisch ausführen lassen; Salzmann in Schnepfenthal hatte die Leitung der Uebungen bereits 1786 dem jugendlichen Lehrer und Erzieher Karl Ritters übertragen; aber einen festen Halt, eine sichere Grundlage erhielt dieser Erziehungszweig erst durch das Guts Muths'sche Buch, das, in Turnerkreisen als klassisch gellend, die Grundlage für hie deutsche Gymnastik geworden ist und als solche auch jetzt anerkannt wird. Keiner war geeigneter zu einem solchen Werk, als Guts Muths, ein Mann, ausgerüstet mit vielseitigem Wissen und Können, durchdrungen von der hohen, von ihm klar erkannten Bedeutung der körperlichen Erziehung, erfüllt von warmer Liebe für die Jugend, ein feiner Kenner der Kindesnatur, schöpfe- rfichen Geist mit praktischem Blick vereinend. So geartet schrieb er sein Buch, das Ueberkommenes, Erarbeitetes und aus den Schriften der Alten Geschöpftes zu einem harmonischen Ganzen verband. Das Buch ist mit einer solchen Frische und Ueber- zeugungstreue geschrieben, daß man auch jetzt noch dem Zauber, den es ausstrahlt, sich nicht entziehen kann. Jahn kannte und schätzte Guts Muths und erkannte ihn neidlos als seinen Vorgänger an. A. Spieß, der Begründer des jetzigen Schulturnens, bezeichnet ihn als Groß- und Erzvater der Turnkunst.
— (Klein-Posemuckel.) Aus einer Stadt Thüringens wird folgender drolliger Fall von Bureau- krattsmus mttgeteilt: Dem Herrn Bürgermeister war vom Stadtverordneten-Kollegium die erbetene Gehaltszulage verweigert worden. Darob erzürnt, schickt sich das Stadtoberhaupt unmittelbar nach jener Sitzung an, einen geharnischten Brief an ein hohes Staatsministerium zu richten. Den dazu erforderlichen Papierbogen entnimmt der Herr Bürgermeister dem zu dienstlichen Zwecken vorhandenen Papiervorrate; der Bericht gilt aber einem persönlichen, nicht amtlichen Anliegen,
und da der Herr Bürgermeister von der undankbaren Stadt nichts geschenkt haben will, so schickt er einen Unterbeamten mit zwei Pfennigen zum Stadtkaffen- Rendanten mit dem Ersuchen, diese Summe als Aequivalent für jenen Papierbogen zu vereinnahmen und eine vorschriftsmäßige Quittung auszustellen. Der Herr Rendant ist indes ein sehr gewissenhafter, streng nach den Dienstvorschriften verfahrender Mann und läßt den Herrn Bürgermeister um Ausstellung eines Etnnahme-Attestes bitten, sonst fehle ihm ja ein Beleg über den erwähnten Betrag. Der Bote kommt mit solchem, einem Quartblatt Konzeptpapier zurück, und der Herr Rendant stellt eine Quittung, ebenfalls auf ein Quartblatt Konzeptpapier aus. Doch es packt ihn das Gewissen und hält ihm vor, daß städttsches Eigentum der Instruktion gemäß nicht ohne Genehmigung des Stadtverordneten-Kollegiums veräußert werden dürfe, und er begiebt sich deshalb persönlich zum Herrn Verwaltungschef, um wegen der vorliegenden Unregelmäßigkeit vorstellig zu werden. Welche Lösung die ttefernste Angelegenheit bet dieser Audienz gefunden, ist nach der „Saaleztg." bis jetzt noch in Dunkel gehüllt.
— Zu argen Ausschreitungen kam es, wie aus Posen berichtet wird, im Schützenhause zu St. Roch. Ursprünglich handelte es sich um Schlägereien zwischen Artilleristen und Infanteristen, und als eine Patrouille hinzukam, vergriffen sich die Tumultanten an den dieselbe führenden Unteroffizier, worauf dieser blank zog und einen der Angreifer, der vorher schon durch mehrere Messerstiche verletzt war, niederfiel.
— Ein Liegnitzer Wurstfabrikant wollte auf der Weltausstellung in Chicago eine Wurstfabrik mit einem Verkauf von warmen Wienern etablieren. Als man ihm 200000 Mark Platzmiethe abforderte, kam er schleunigst von dem Gedanken wieder ab.
— Aus einem Hause in der Swinemünderstraße in Berlin find nicht weniger als dreizehn Miets- partieen mit einem Male ausgerückt. Als der Wirt erschien, hatte er das Nachsehen.
— (Eine Armee von Strolchen.) Wegen Bettelei, Arbeitsscheu, Uebertretung der fittenpolizeilichen Verordnungen und bergt sind vom Amtsgericht I. in Berlin im Jahre 1892 rund 20 000 Personen bestraft worden. Diese Zahl ist bisher doch noch nicht erreicht worden.
— (Ein rettendes Wort.) JmWirtshaus- garten entsteht eine Prügelei. Der Wirt will schlichtend dazwischen treten, gerät aber ins Handgemenge und kommt unten zu liegen. Er erhält furchtbare Prügel. Da er sich nicht mehr zu helfen weiß, ruft er: „Feierabend, meine Herren!"
— (Der passendste Hut.) Geck: „Ich möchte! — äh! — einen Hut kaufen — aber äh äh!" — der für meinen Kopf paßt!" — Huthändler: „Fritz, geben Sie mal 'nen Strohhut 'runter."
— (Ein schlagfertiger Richard III.) Schauspieler auf einer kleinen Bühne Richard III. spielend: „Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für'n Pferd!" — Stimme von der Gallerie: „Thut's ein Esel nicht auch?" — Richard in.: „Jawohl — kommen Sie nur 'runter!"
— (Anzüglich.) Herr: „Hören Sie, der Gimpel, den Sie mir neulich verkauften, pfeift ja gar nicht". — Vogelhändler: „O, er ist zunächst nur etwas schüchtern; pfeifen Sie ihm nnr etwas vor, dann denkt er, eS ist noch ein Gimpel da, vnd pfeift gleich".
— (Freiers Monolog.) Die Geheimrättn sagte bei Tisch mtt einer Handbewegung: „Greifen Sie nur zu." — „Nun weiß ich nicht, hat sie auf die Bratenschüssel gedeutet oder auf die Tochter?"
— (Boshafte Ablehnung.) Herr (auf der Straße zu einer jungen Dame): Gnädiges Fräulein, dürfte ich Sie vielleicht begleiten? Fräulein: Weshalb nicht? Aber sechs Schritte hinter mir und in Livree.
Ilniversttäts-Hhronik.
— Der außerordentliche Profesior der Medizin Dr. Eichstedt in Greifswald ist int Alter von 77 Jahren gestorben. Der Professor der Psychiatrie Geheimrat Hitzig tn Halle hat einen Ruf an die Univerfität Wien erhalten, dem Vernehmen nach aber abgelehnt — Der Professor der Philologie PrätoriuS in Breslau hat einen Ruf an die Universüät Halle angenommen. — Der Professor deS römischen Rechts Kipp in Kiel hat einen Ruf an die Universität? erhalten, wo er in sein neues Amt Ostern 1893 einireten wti d. — Privatdozent Dr. Karl Bayer wurde zum außerordentlichen Professor der Chirurgie an der deutschen Universüät zu Prag ernannt. — Die medizinische Fakultät der Universität Freiburg L B. hat den Oberbürgermeister Winterer in Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung der gesundheillichen Verhältnisse der Stadt zum Ehrendokwr ernannt. — Professor Marms in Göttingen wurde zum Geheimen Medizinal-Rat, Medizinal Rat Siedamgrotzkv an der Tier ärztlichen Hochschule in Dresden zum Ober-Medizinal- Rat ernannt. — In der medizinischen Fakultät der Universität München hat sich Dr. Richard Cramer mit einer Antrittsvorlesung über die WiderstandSfähigkett der Sporen gegen äußere Einflüsse habilitiert.
Theater-Anzeige».
Laffel.
Königliche Schauspielei Vom 8. bis 15. Januari
Sonntag den 8.: „Rienzi". Anfang V.7 Uhn Montag den 9i: „Vardhämana“. „Die Ortentteise". Dienstag den 10.: „Die Jungfrau von Orleans". Anfang V«7 Uhr. Mittwoch den 11.: „Czaar und Zimmermanns Donnerstag den 12.: „Djamileh". „Durch's Ohr". Freitag den 8.: „Mein Leopold". Weigelt: Herr Fsschbach vom Adolf- Emst-Theater in Berlin als Gast. Sonnabend den 14.: Reu einstudiert: „Oberon". Sonntag den 15.: „Lumpaci Vagabundus“; Knierim: Herr Fischbach als Gast.
Eikältuitgea haben sehr häufig schwere Erkrankungen int Gefolge, wenn nicht sofort geeignete Mittel dagegen an- gewendet werden. Als außerordentlich wirksam hat sich seü mehr als 25 Jahren die unter dem Namen Richter» »uker-Patu-ExneUer bekannte Einreibung bewährt. Bei Gicht, Rheumatismus, Kopfschmerzen u. s. w. genügt oftmals eine einzige Einreibung, um die Schmerzen zn beseitigen. Dies alte Hausmittel sollte in keiner Familie fehlen, umsoweniger, als es in fast allen Apotheken zu dem billigen Preis von 50 Pfg. und 1 Mk. die Flasche zu haben ist. Da es beretts wertlose Nachahmungen gtebt, so empfiehlt es fich, beim Einkauf ausdrücklich: Richter 8 Anker- Pain-Expeller zu verlangen.
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