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Umschau.
das Loos zu entscheiden.
ES ist selbstverständlich,
Der preußische Kri egsMinister hat gegen den Leipziger Veteranenverbaud und seine Zweigvereine in zahlreichen Städte« soeben folgende Verfügung au die ihm unterstellten Behörden erlassen: Im Jahre 1894 hat sich in Leipzig ein »Verband deutscher Kriegsveteranen" gebildet, gegen dessen Bestrebungen behördlicherseits bereits öfter hat Stellung genommen werden müssen. Ein im Sonder, abdruck beigefügter Artikel der Preußischen Jahrbücher (Heft 2 vom Februar d. I.) legt dar, in welcher Weise der Verband das von ihm erstrebte, wenn auch vorläufig von seinem Programm abgesetzte Ziel, die
Kriegstheilnehmer ohne Unterschied verfolgt, wie er bei seiner Agitation sich nicht scheut, Behörden und Beamte anzugreifen und Unzufriedenheit in weite Kreise der Bctheiligten hineinzutragen. Der aufreizende Ton des Bereinsblattcs »Der Veteran" ist in diesem und in dem letztverflosicnen Jahre allerdings gemäßigter gewesen als früher, indessen ist die Neigung zu agitatorischem Borgehen innerhalb des Verbandes nicht erloschen. Bas Kriegsministerium ersucht daher, die Angehörige» des dortsettigen Bereichs über den Verband und seine Bestrebungen auf, zuklären und geeignete Anordnungen zu treffen, daß diesen Bestrebungen nach Möglichkeit entgegengctreteu wird und die zum activen Heere gehörige» Personen (§ 38 be8 Reichsmilitärgesetzes vom 2 Mat 1874, Wehrordnung S. 328) dem Verbände und seine» festlichen Veranstaltungen thuulichst fern, gehalten werden. Für die Eivilverwaltung find Seitens der zuständigen Herren Ressortminister entsprechende Anordnungen zu erwarten.
Der bekannte Oberstlieuteuant a. D. Ehr. Moritz von Egidy ist gestern in Potsdam gestorben. Er wurde am 29. August 1847 zu Mainz geboren, genoß seine Erziehung im Potsdamer Kadettencorps und trat 1865 in das preußische Heer ein. Nachdem er den Feldzug vou 1866 mitgemacht hatte, trat er zwei Jahre später a«S Familienrückfichte» in sächsische Dienste über und nahm im Gardereiter. Regiment am Feldzug von 1870/71 Theil. Im Jahre 1889 zum Oberstlieutenant aufgerückt, nahm v. Egidy im Herbst 1890 seinen Abschied, um fich in Berlin seinen Studien zu widmen. AIS erste
uvd Vergewaltigungen der streikende» Arbeiter schützen, ebenso »öthig aber ist die I » s ch u tz n a h m e d er Seele» der Arbeiter gegen vergiftende Einflüsse einer solche» Presse uvd solcher Agitatore». Bor einiger Zeit hat ein preußischer Minister eine Umfrage über die Ur. fachen der Zunahme der Socialdemokratie gehalten. Hier liegt die Antwort auf die Frage. Gleichzeitig ergiebt sich aber daraus auch die Richtung, in welcher die Bekämpfung der socialdemokratlschen Agitation erfolgen muß.
Sie müsse» also keine gesetzlichen Handhaben dazu habe». Ist das richtig, so ist aber die nothwendige Consequeuz, daß solche geschaffen werden. Man will
daß für ein neues Haus, das fich erst zu konstituiren hat und für Frakfionen, die ebenfalls erst neu zu- sammentreten müssen, die zehntägige Frist eine viel zu tiir$e ist, als daß gut durchgearbeitete und neue Gedanken offenbarende Anträge erwartet werden könnten. Darum hat man meistens in den eisernen Bestand der alten Fraktionsanträge gegriffen und so das »dringendste Bedürfniß" gedeckt. Die Konservativen aber machen solche Art von Wettbewerb nicht mit; zweifellos werden auch sie im Laufe der Session noch hier oder da die Initiative durch Anträge ober Anfragen ergreifen; allein Anträge stellen, um sie gestellt zu habe», entspricht der Bedeutung eines solchen Vorgehens nicht. Das wäre der Standpunkt der Sozialdemokratie, welche den Reichstag nur als ein Institut betrachtet, das fich zur Parteipropaganda vortrefflich benutze« läßt.
Das Repräsentantenhaus der Vereinigte» Staate» hat beschlossen, dem Anträge der Ausschusses zuzustimmeu, wonach dem Staatssekretär anheimgestellt wird, die Weiterbeförderung gefälschter und gesundheitsgefährlicher Waaren zu untersage». Bekanntlich richtet fich diese» Vorgehen gegen die deutsche Einfuhr und bedroht namentlich de» Zucker- Wein- und Textilwaaren - Expott. Dadurch soll Deutschland gezwungen werden, die amerikanische Einfuhr von Fleisch, und Wurstwaaren usw. unbesehen und unbeschränkt zrizulassen. ES ist dies wieder ei» Stück Vergewaltigung?Politik, die wir von de» Iankees leider infolge früher allzugroßer
nachher noch alles! Großchen sagt immer, das kommt ihr lächerlich vor, wenn es bei Mädchen von sechzehn, fiebenzehn Jahre» heißt: ,uun find fie fettig mit ifaer Bildung, nun brauchen sie nichts weiter zu lerne». Großmama sagt, kein Mensch, und wäre et noch so alt, würde jemals mit seiner Bildung fettig, und man müsse lernen, so lange man lebe. Sie liest und lernt auch noch sehr viel, trotzdem fie ungeheuer klug ist und viel weiß. Und so viel, wie Großchen gelernt hat, möchte ich auch lernen!"
»Na, der iS hübsch — man bloß, ick denke, man wird Ihnen hier wat «»derer lernen, als wat die Jroßmama weeß l"
»Was denn, Malwe?"
»Kann ick uf'u Sturz Ihnen uich so iu die Oogeu sagen, aber kommen wird er, un Se wer« ja sehen."
Ein scharfer Glockenzug gellte in das stille Zimmer. Erni fuhr heftig zusammen.
»Ach Gott, Malwe, was ist dar?"
»De Jlocke!" gab jene seelenruhig zurück. »Der Schuß gilt mir, un Ihr Herr Papa iS e» gewesen — der zieht ordentlich! Na, Menen dH»' ich uu mal bei ihm un blechen dhut er — als» wer' ick n« man jehen müssen. Ira«» Se fich ooch, Meiseken?"
„Grauen? Wovor den»? Ich hab d»ch nichts Böses gethan?" (Fortsetznng folgt.)
»Was Sie für Ausdrücke haben, Malwe! Mode- fatzke!"
„Kenne» Sie »ich i« Posen, wat? Ja, dafür find Se »u ooch in Berlin, da fitzt die Intelligenz!"
„Die kann doch überall fitzen "
„Kann se ooch . . . man, se dhut e8 »ich immer, »n Serlin iS Berlin. Nanu, machen Sie schon de» Koffer zu, Erniche»? Da unten us'n Jrunde, da war doch noch allerlei!"
Das Kind erhob fich vou den flniee», rosig roth bl» unter die Stirnlocke».
»I-, Malwe — dar ist — da hab' ich — ach, ragen Sie mich nicht — nein ? Da hab' ich nämlich ein Geheimuiß — ich hab' etwas eingepackt, wovon sogar Großchen nichts weiß — meine Wäsche sollte ich allein in den Koffer thun, und da hab' ich ganz zu unter st dar hereingelegt ... dar Geheimnis, mein' ich, und die Wäsche drüber — und, nicht wahr, Sie sage» keinem was davon und fragen mich auch nicht danach bis ich es Ihnen vou selbst anvettraurn werde — o, liebe Malwe?"
Erni streichelte schüchtern einen der dicken, rothen Arme.
„Nee, Sie liebes olles'Herzkäferchen Sie — ick sage keen Sterbenswott — nn jar hier zu die im Hanse! un ick frage ooch uich nach, un wenn ick das Jeheimniß mein Lebtage nich zu wissen kriege. Schließen Se man htbsch ab «n behalte» de»
Frucht erschien bereits im Oktober desselben Jahres die Broschüre: „Ernste Gedanken", die großes Aufsehen erregte, und seitdem ist v. Egidy in weitere» Schriften, in Reden und Aufsätzen rastlo» für seine leitende Idee: die Nenbelebung des Christen- thumS, eingetreten. Bon seiner letzten VottragSreise kehtte v. Egidy schon schwer erkrankt nach Potsdam zurück, wo er einem Herzleiden erlegen sst. Wen» auch seine Anschauungen und Vorschläge in weite» Kreise» heftigen Widerspruch herausfordern mußten, so hat man doch mit Recht seine Begeisterung für die von ihm verfochtenen Ideale nicht verkannt. Oberstlieutenant v. Egidy hinterläßt 10 Kinder.
Die Menge von Initiativanträgen, welche dem Reichstage jetzt schon vorliegt, liefert de» Beweis, daß sich das Wetttennen der Patteie« in dem Bestreben, sich bei der Wählerschaft al» be- sonders thatkräftig hervorznthun, auch durch die zu diesem Zweck geschehene Abänderung der Geschäfts- ordnung des Reichstags nicht hat abschwäche» lasse». Früher wurden allerdings die Initiativanträge in der Reihenfolge ihres Eingangs zm Verhandlung gebracht; die Parteien hatten darum eine schier unglaubliche Emsigkeit und Findigkeit entwickelt, um einander zuvorzukommeu. Seit 1895 gilt aber die Best mmung, daß alle Anttäge, die innerhalb der ersten zehn Tage der Session eingegangen find, als gleichzeitig eingebracht gelten sollen, und daß über den Vorrang der einzelnen Anträge eine Verständigung des Präsidiums mit den Parteien herbeizuführen ftt; für den Fall, daß letzteres nicht gelingt, hat
»ärtig in Deutschland. Sie vertheilt fich nahezu zu je der Hälfte auf beide Versicherungszweige. Bedenkt man ferner, daß etwa eine Million Mark täglich für die staatlich geregelte Arbeiter- ffirforge in Deutschland aufgebracht wird, o werd man an diesen beiden Zahlen den enormen Umfang ermessen könne», de» die Arbeiterverficherung Deutschlands angenommen hat. Welches andere Kulturland der Welt kann ähnliche Zahlen aufweisen 8 Keines.
Schlüssel bei fich — itf stöbere »ich, davor könne» Se rufjig schlafe» ... aber andere Leute — no, ick will uischt jefagt haben — »n nu 'rin ins Feder- land, Zeit is eS!"
„Ja, es kann schon spät sein!" bestätigte Erni. „Und sehen Sie, Malwe, ich kann doch nicht bis an den Hellen Mittag schlafen, ich muß doch »och viel lernen, mein Papa wird mir doch Stunden geben lasst», und das muß ja doch VormütagS sein!"
„Wat vor Stunden denken Se denn?"
„Ach, Litteratur und Geographie und Geschichte, Naturwissenschaft und Rechne» — im Rechne» bin ich schwach, ich rechne so schrecklich ungern! — und ranzöfisch und englisch, wen» ich das auch beides spreche —"
„Franzeesch, ooch englisch verstehe» Se?"
„Ja, ebenso gut wie deutsch. Das macht, meine beste Freundin, Nanon Latour, mtt der ich in demselben Hause wohnte und immer zusammen war, die hatte immer Ausländerinnen im Hause, und da hab ich das ganz leicht gelernt. Großmama sagte immer, das wär' ein großer Vortheil für mich!"
»Recht hat fe, un 'ne practische Dame muß se ind. Ader nu — wenn Se schon so ville wisse», Erninche», denn wolle» Se doch noch immer zn- lernen?"
-Ich bin noch keine dreizehn Jahre alt, noch lange nicht mit der Schule fertig, und was kommt
(Nachdruck verboten)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Bernhard..
(Fortsetzung.)
Emi nestelte de» Schlüssel am Bande aus ihrem Kleidchen los und kniete vor dem Koffer nieder. Als fie ben Deckel zurückschlug unb die sorgfältig geordnete» Kleider sah, die Großchen selbst mit ihren lieben Händen Stück um Stück hiueingelegt, quoll es ihr feucht aus ben Auge» »ad ihre Lippen zitterte». Malwe sah eS, aber fie sagte fein Wort. Em Stück um das anbete wanderte a»S dem Soffer in MalweS Hände, die eS achtsam in Schrank und Kommode einräumte.
»AllenS eijeu un ordentlich!" murmelte fie beifällig und hielt ein weißes, gesticktes Kleid in die Höhe, »Des iS Ihr Bestes, was?"
.Ja!" sagte Emi stolz. „Es ist ganz neu, ich hab' eS erst ein einziges Mal angehabt, und eine blaue Schärpe gehört dazu!"
»Wird Ihnen schön lassen! In '« janzen liebt aber die Fran Jroßmama die Einfachheit, des seh' ick, und des nehm' ick ihr jut, den» ’ne fleene Prim -esfio, die bleibt ’ne Prinzessin »och in rothe Wolle! Aber hier werden fie Ihnen schon mtt Firlefanz be- hänge», bis am End' doch so ’n richtiger Mode- fatzke ans Sie wttd!"
— wett fie dann den Boden unter ihren Füßen schwanken fühlen würden. Es handelt fich um die Existenz der Führer, wenn diese Hetzen, und deßhalb werde» fie auch nie mit der Hetze aufhören unb wen» die Arbeiter noch vielfach besser gestellt würben, als sie es heute schon im Verhältniß zu recht vielen Theilen bet Mittelklassen finb.
Muß nta« sich mit dieser Thatsache als einer natnrnothwendigen abfinden, so braucht man es jedoch andererseits keineswegs mit dem Mangel an Hand- haben zum Eingreifen gegen die Hetzarbeit. Wer ich die Weihnachtsnummer des socialdemokrattsche« leitenden Organs durchgesehen hat, wttd gefunden haben, daß es kaum möglich ist, in eine einzige Zertungsuummer mehr Stoff zur Erregung von Haß, Bttterkett, Neid, Lttdeuschaftlichkeit in den Arbeiter- classen zusammenzutragen, als es da geschehe» ist. Systematisch wird die Arbeiterseele gerade an ben- enige» Tagen vergiftet, an bene» die übrige Welt Me Schlacken des täglichen Lebens abstreist und bei ich innere Einkehr hält. Die socialdemokratischen Führer dürfen ben Arbeiter nicht zur Ruhe unb Sammlung kommen lassen, er muß sich selbst stttS wie ein gehetztes Wilb Vorkommen, um ben Führern nach wie vor be» klingeube» Tribut zu euttichte».
Hat aber nicht bet Staat aus allgemein menschliche» Gründen unb aus Rücksicht auf eben biefe Arbeiter das Recht oder vielmehr die Pflicht, einem solche» Treibe» entgegenz». treten? Ma» hött so oft, baß bie StaatS- antoälte hier ober ba eingreifen, davon, daß fie die ocialbernokratische» Blätter wegen vergiftender Hetz- arbeit vor Gericht gebracht haben, hött man nichts.
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Und doch ist die deutsche Socialbernokratie unermfib» üch an her Arbeit, bie breiten Bevölkeruugsschichten mit ihrem Loose unzufrieden zu machen unb fie gegen bie anbere» Klassen aufzuhetzen. Man wirb sich baran gewöhnen müssen, baß biefe Arbeit auch fortgesetzt würbe, wenn Staat unb Gesellschaft in Deutschland noch viel mehr für bie Arbeiterfürsorge thäte» als geschehen unb ihnen zu thun überhaupt möglich sst. Dre Socialbernokratie will eben keine zufriedene» Arbeiter haben. Die socialdemokrattsche» Führer könne» solche auch nicht gebrauchen, weil sie in demselben Augenblicke, wo bie Arbeiterschaft nur darüber nachzudenke» beginnt, daß der heutige Staat und bie Arbeitgeber laut Ausweis der obige» Zahlen doch weit mehr für fie gelhan haben, als bie 2t r BH ter ‘ein 90 n sh t“ b«« """»«'>» vuu ituitui Programm aogeiqjie Ziel, Die