Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Mnftifen «hm« entgegen: He Eyiedmon dieses Blattes, die Annoncm- Sutews von HaGeäftem * «ogler, Frankfurt a. M., Gaffel, Magbo- Säg, Wien; Rudolf Mofse, Frankfnrt i. M., Berlin, München, Köln; A Lande * So., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Pari» x.
Erscheint täglich anher an Werktage, »ach Sonn- n»b Feiertagen. OCTnrPl1t1*A
Qnartsl»-Ado»ne«ents'PleiS bei der SMeditton 2 Mk., bei allen
ÄÄ: M ^nnaBenb, 24. December 1898
33. Jahrg.
Gin Amerikaner über die Bedeutung der Flotte.
Bo« dem auf dem Gebiete der Seekriegs - Geschichte al» Autorität angesehenen, bekannten amrri- konische» Kapitän zur See Mahan ist vor Kurzem rin Aufsatz über die Entwicklung der amerikanischen Marine erschienen. Der Aufsatz trägt die Ueber- schrist: „Landläufige Jrrthümer über Marine-Angelegenheiten* und verdient auch diesseits de» OceauS mehr Beachtung, als er bisher gefunden zu haben scheint. Mahan sagt, mau müsse Vertheidigung im politischen und Bertheidigung im militärischen Sinne aus- einanderhalten. Wenn sich eine Nation auf die Bertheidigung im politischen Sinne beschränken wolle, so sei dies ein richtiger Grundsatz. Wenn es sich aber im die militärische Ausführung eines solchen, zur Vertheidigung nationaler Interessen unter- nammeuen Krieges handle, so sei die beste Art der Ausführung der Angriff, der durch die Vernichtung des Feindes jede Local-Bedr»hung am gründlichsten beseitige. Für die Nothwendigkeit einer Offensiv- Marine spräche ferner die Erwägung, daß jede Streitmacht nicht nur den Zweck habe, Krieg zu führen, sondern auch den Krieg zu verhüten. Eine bloße Vertheidi- guugs-Marine, die bet Interessen - Couflicteu mit andere» Staate» diese» gegenüber nicht als »ffenfives Drohmittel ausgespielt werden könne, werde politische Nachgiebigkeit zur Folge habe».
Mahan wendet sich sodanu gegen den Einwurf, daß, wen» man eine Offensiv-Marine haben wolle, diese, um überhaupt Nutze» zu haben, die größte Marine der mögliche» Gegner, d. h. also die englische übertreffen müsse. England würde im Kriegsfälle nicht seine gesummte Flotte zu Unternehmungen an der amerikanischen Küste bezw. gegen amerikanische Colonieen (Hawai) verwendeu können, Angesichts der stets kritische» Verhältnisse in Europa und der Noth- wendigkeit, die Unversehrtheit des ganzen Colonial- reichs mittelst der Marine sichern zu müffc». Von den andern für Amerika in Betracht kommenden Staaten sei keiner im Staude, etwa 25 Schlachtschiffe gegen Amerika zu verwenden, 25 feindlichen Schiffe« wurden aber wegen der den eigrneu Schiffe» zu Gebote stehenden Unterstützung der Local-Ver- theidignng etwa 20 amerikanische die Wage halte».
Insbesondere wird auf Deutschland als mögliche» Zukunsts - Gegner aufmerksam gemacht. Das Wachsthum deS deutsche» Elementes in Süd-Brasilien lege den Gedanken nahe, daß Deutschland einmal eine» nähern Anschluß dieses Landes suchen werde; auch eine Union mit Holaud, durch die Cura^ao in
putsche Hände komme» würde, sei nicht »»möglich. Beide Möglichkeiten würden der Ronroe-Doktri» entgegen sein. Ihir eine Offensiv-Marine könne Deutsch- and von einer Besitz - Ergreifung amerikanische» Geriete« bezw. Schädigung amerikanischer Interessen fern halten.
Auch die Ansicht, daß sich der Angriff darauf beschränke» könne, de« feindliche» Handel zu stören, sei unrichtig. Das Abfangen einzelner Handelsschiffe unterbinde »och nicht die Lebenskraft eine« Handels- Organismus. Dazu gehöre eine vollkommene Beherrschung der Handelsstraße», und die ließe sich nur durch mächtige Flotten durchführen.
Schließlich wird noch der Eiuwurf, Kriegsschiffe veralteten in kurzer Zeit, entkräftet. Allerdings träten fortwährend Neuerungen im Kriegsschiffbau auf; aber oft erwiese» sich solche Neuerungen nicht als Der- beffenmg, und man komme wieder ans da» alte zurück. Taktisch werde man auch für alte Schiffe immer noch Verwendung finden, indem man die Schiffe in Lagen bringe, in denen ihre ungünstigen Eigenschaften weniger ins Gewicht fallen. Als „veraltet* im Sinne von „unnütz* sei rin Schiff erst dann zu bezeichnen, wenn es einer Seite der Gleichung (oder Ungleichung) zugefügt, die Gleichung nur um „Null' verändere.
Abgesehen davon, daß sich dieser Aufsatz theil- weise direkt mit Deutschland beschäftigt, find btt Ausführungen des KapitäuS Mahan deshalb für «uS interessant, weil die Jrrthümer, gegen die sie sich wenden, auch vielfach noch bei uns vqchanden sind. Um diese Jrrthümer aufzukläre», haben wir geglaubt, die wichtigsten Sätze aus dem Mahan'schen Aufsatze unser» Lesern nicht vorenthalten zu solle».
Umschau.
Zu dem Wechsel in der Besetzung des O b er-Pr äsi dium S in unserer Provinz war eS vorauszusehen, eS werde ein Theil der Presse der Ernennung des früheren CultukministerS Grafen Zedlitz-Trützschler zum Ober - Präsidenten von Hessen - Nassau politische Bedeutung beimessen. Die beregten Preßorgane erinnern zu diesem Zwecke daran, daß Graf Zedlitz der Urheber des Volksschul- gesetzentwurfS von 1892 gewesen ist. Man will mit dieser Erinnerung die Regierung in den Verdacht reactionärer Tendenzen bringen. Hierzu bemerkt die „Post* u. Al: „Graf Zedlitz ist eine so hervorragende Kraft, daß es zu bedauern gewesen wäre, wenn er noch länger dem Staatsdienste fern geblieben Wärt. Stint Witdtransttllung als Ober- Prästdtnt trschtint um so wünscheusweither, als Graf Zedlitz nicht aus btt büreaukratischt» Schule hervorgegange» ist, und unsere Verwaltung mehr
de»n je Mänuer braucht, welche die Kunst deS Regieren» nicht in der büreaukratischen Geschästigkett am grüne« Tische erblicke». Graf Zedlitz ist zwar streng kirchlich, überdies aber von durchaus ge- mäßigt« und »ichtS wenig« als reactionär« Ge- finuuvg; er ist auck viel zu klug und erfahren, um nicht den W«th freier Bewegung auch im politischen Lebe» voll z« würdigen und zu «kennen, daß in uns«« Zeit reicher cultorell« und geistig« Entwickelung mtt reactionär« Engherzigkeit erfolgreich nicht regint werden kann". Graf Robert von Zedlitz und Trützschler ist ei» Jahr lang preußisch« Cultus- minister gewesen. MS « im März 1891 auf diesen Posten berufe» wurde, ging ihm der Ruf eines hervorragend tüchtigen BerwaltungSbeamten voraus. Er war ursprünglich von 1856 bis 1862 Dffici« im Regiment der GardeS du Corps gewesen, hatte sich daun ab« verabschieden lassen, um die Bewirth- schaftung seines väterlichen Gutes zu übernehme». Er hatte sich alsdann lange Jahre mtt großem Eifer den Geschäften der Kreis- und Provincialverwaltung und der landwirthschaftlichen B«einsthätigkeit gewidmet, und war 1881 Regierung? - Präsident in Oppeln und 1886 Ober - Präsident »on Posen geworden. In dieser Stellung Jotoie gleichzeitig als Präsident d« Anfiedlungscommisfiou, hat er mit großem Geschick und gutem Erfolge ohne Nachgiebigkeit gegen die polnischen Ausdehnungsbestrebungen gewirkt, und man beklagte es in der Provinz lebhaft, alS er von dort abberufen wurde, um 1891 Nachfolger des Ministers v. Goßl« zu werden. Noch heute glauben weite Kreise in der Provinz Posen, daß er, einer der besten Kenner der posen'schen Verhältnisse, zugleich der beste Oberpräfident dn Provinz Pose» sein würde. Seit seinem Rücktritt als Minister lebte er meistens auf seinem Gute Nieder - Großen- borau in Niederschlefien und widmete sich dort vorzugsweise landwirthschaftlichen und Eisenbahnftage». Insbesondere war er Vorsitzender der Landwiith- schaftskamm« für die Provinz Schlesien sowie Mitglied deS Landeseiseubahnraths. Er ist am 8, Drebr. 61 Jahre alt geworden.
In der Einleitung eines langen Leitartikel» üb« Professor Delbrück theilt die „Rordd. Allg. Ztg.* mit, daß der K u l t u s m i n i st e r die Einleitung des Disziplinarverfahrens auf Grund des § 2 des Gesetzes vom 21. Juli 1852 einfach verfügte und dem Staatsministerium in seiner vorletzten Sitzung die Mittheilung machte, daß er dieses Einschreiten gegen Delbrück für nothwendig erachtet habe. Zu diesem Vorgehen sei ein Beschluß des Staatsministeriums nicht nöthig gewesen. Dann bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.* wörtlich noch Folgendes: „Daß indessen das Staatsministerium die Dtsziplinirung des Prof.
Delbrück ebenso rückhaltlos billigt, wie es die Aus- weisuugSmaßregeln im nördlichen Schleswig einmüthig zutheißt, kann auch nicht d-m Schatten eine« Zweifels unterliege«.* Der Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." wendet fich sodann mit großer Schärfe gegen Prof. Delbrück. Das Blatt schreibt u. A.: „Unsere Les« kennen bie unerhört schmähliche Kritik, welche sich He« Delbrück erlaubt hat; hoch man muß fich bie schnöbe Verunglimpfung b« Regierung unb beS deutschen Volkes immer Wied« in ihrer ganzen Ab- scheulichkeit vergegenwärttgen, so oft man diesen traurigen Fall zu besprechen gezwungen ist.* Die „Nordd. Allg. Ztg." zttttt sodann die Delbrück'scheu Ausführungen in den „Preußischen Jahrbüchern* und sagt:
„Wenn ein freier obskurer Schriftsteller in völliger Unkenntniß der Dinge einen so haarsträubenden Unsinn schreibt und sich in Beschimpfung seines eigenen Volkes in so schamloser Weise ergeht, dann mag man ihn ruhig fich selbst und der Berachtung überlasten. Und ist e» ein namhafter Publizist, der au» Eitelkeit oder sonstigen unedlen Gründen »der aus gänzlicher Unkenntniß der Verhältviste, die zu beurtheilen er für sein verfassungsmäßige» Recht auf freie Meinungsäußerung tält, fich zu solchen undefinirbaren Maßlosigkeiten hinreißen läßt, dann muß man sich auf ein Bedauern desselben beschränken Hier aber handelt e» fich um die öffentlichen Auslastungen eine» Manne», der ein öffentliches Amt bekleidet, und zwar eines, welche» zu den wichtigsten Aerntern des Staates gehört. Der Verfaffer des Schmähartikels ist von StaatSwegen mit dem Unterricht und der Erziehung der academischen Jugend betraut; et ist ein Beamter, von dem. wenn ihm nicht sein eigene» Pflichtgefühl e» sagt, da» Gesetz ausdrücklich verlangt, daß er sich durch sein Verhalten in und außer dem Amte des Ansehen», der Achtung und des Vertranes, die sein Beruf erfordert, würdig erzeige. Ta kann eS mit privater Verachtung und Bedauern nicht abgethan sein. Eine gewissenhafte Regierung darf eS nicht ignoriren, wenn ein Universi- tätkptofeffor al» Publizist die Staatsverwaltung der Begehung von Grausamkeiten und Verbrechen, welche de« Abscheu der gebildeten Welt erregen, zu beschuldigen sich unterfängt. Das ist keine Bethätigung der Lehrfreiheit, sondern eine unerhörte Beschimpfung des Vaterlandes, eine empörende Bloßstellung d ffrlben dem Auklande gegenüber Seiten» eines Manne», von dem man mit Rücksicht auf sein Amt erwarten darf, daß er der nationalen Jugend ein Beispiel von Ehre und Charakter sei, und daß er öffentlich sein Urtheil nur Über Dinge abgebe, die er versteht und durchdacht hat.*
DaS Disziplinarverfahren wirb ja seinen Lauf nehmen, ob ab« in der „Norbb. Allg. Ztg.* gerade ei» berat tig gereizter Artikel geeignet war, bas lasse» wir sehr bahingestellt, zumal ber Artikel doch als „officiöS* vielfach auSgegeben werbe» wirb.
Von ben F ü h r e r n ber p o l itif ch e» tl»b socialen Umstnrzbestrebungen ist niemals ei» Geheimniß barauS 'gemacht worbe», baß sie als eine b« wichtigsten Etappe» auf brat Wege z» ihrem Ziele bie Einfügung deS Arbeiter- Personals b« großen öffentlichen
(Nachdruck verboten.)
Schute des Lebens.
Roman »on Marit Bernhard.
(Fortsetznna.)
Erni hob sich a«f den Fußspitze» empor und hielt dem Znstizrath ihr frisches Mäulchen zum Kuß hi«, während sie bie Arme fest «w seine» Hals schlang.
„Lieber Onkel, ich dank Dir anch fit Alle«, Du bist sehr gnt zn mir gewesen. Und, Onkel Konrad, verlaß mich nicht..
Er fühlte ihr Httz gegen seine» Arm hämmern, chr rosiges Gesichtchen war ganz bleich.
„Liebe, kleine Erni, Mnth, nur Muth, Du bist ja ei» tapferes nnd klngeS Mädchen!* Er herzte nnd küßte sie, als wäre sie fein leibliches Sind, ihm war so weich und gerührt zu Muth — arme Kleine — arme Kleine — wie würde es ihr gehen?
Ei» »euer Ruck — „Bahnhof Alexandnplatz!'
Sie waren am Ziel!
8. Kapitel.
Bedächttg und gemächlich stieg der alte Hen au», gab einem Träger Eruis Sachen und den Gepäckschein und zog de» Mädchens Arm durch ben seine». Absichtlich trag er eine solche Ruhe zur Schau, hoffte er boch, etwa« davon würde sich aus seine Begleiten» übertragen.
Die beide» Herren hatte er a» ben Ausgang de» Bahnhofts zur rechte» Sette bestellt, und dort sand « fix auch sofort heraus — ben jungen College», ein bewegliches brünettes Männchen, neben ihm einen schwerfällige», korpulenten Herrn mit kleinen, verkniffenen Augen unb weheuden Bartkoteletten — offenbar war es ber Rechtsbeistand des Herrn Edgar Lentz.
Erni brückte Werbers Arm. — „Onkel, stnb sie das?*
„Ja, Kind!“
„Aber mein Papa ist der boch nicht mit bem Bart?'
Nein, das wirb der Rechtsanwalt sein. Wonach siehst Dn Dich um?*
„Herbert wollte doch noch komme», unb mir Abien sagen!*
„Gib ihn «nr aus, unter ben vielen Menschen wird er e»« nicht fiube».*
Sie waren inzwischen zu ben beiden Herren gelangt. Dtt jüngere, ber suchend um fich geblickt, nahm jetzt mit einer lebhaften Bewegung ben Hut vom Kops.
„Justizrath Wnber, ba sinb Sie ja!'
„Meiu lieber Stahl eS ist sehr frennblich von Ihnen, weinet Bitte Folge gegeben zu habe» und mir den Herrn Rechtsanwalt zuzusühre». Ich irre doch »icht: He« Rechtsanwalt Rüding?*
Der He« mtt dem Bart verneigte fich znßimmrab und lüftete ben Hut, wobei ein kahl«, wie poliert gläuzender Schädel zum Vorschein kam.
„Seht erfreut, Herr Justizrath!*
„Sehr erfreut, gleichfalls!*
„Erika Lentz?* fragte ber Rechtsanwalt, auf Ernt deutend.
„Ganz recht Sie erkennen meine kleine Ftranbin wohl sofort nach bem Bilde!*
„Allnding«. Auf ben ersten Blick.* Der Rcchts- anwalt zauderte einen Augenblick, wandte fich bann kurz entschlossen an Werd«:
„Ich habe einen Wagen für Erika Lentz besorgt unb werde warte», bi« ihr Gepäck da ist, nm sie alsdann ungesäumt ihrem Vater zuzuführen. Im Namen meine« Klienten habe ich Ihnen, geehrter Hnr Jnstizrath, den vttbinblichsten Dank auszusprechra,
für bie Mühe bie Sie fich unterzogen haben, um Erika sicher hierher zn bringen. Ist dieser Mann da, Nummer hundntuudachzig, Ihr Gepäckträger? Gut. Bitte, hier meine Wagenmarke, wir folgen sofort. Erika, nehmen Sie Abschied von Herrn Justiz- rath Werder!*
Dn alte Hen fühlte seine Rechte von zwei zitternde» Kinderhänden gepreßt und hörte eine flehende Stimme dicht a» feinem Ohr flüstern: „Onkel! Geh nicht, Onkel! Bleib bei mir!* Er wandte sich mit einem guten, offenen Blick und Lächeln an Rüding.
„Sollte eS mir nicht gestattet sein, meine kleine Freundin hier persönlich ihrem Vater abzuliefern und heute »och ein Stündchen bei ihr zu bleiben? Sie müssen bedenke», werther Hen e« ist ihre erste größere Reise, da 8 junge Vögelchen macht seinen erste» Flug aus bem sichern, warme» Nest — ba ist man ein wenig aufgeregt, ist in Sorge, wie fich's mit ben fremden Menschen, den neuen Eindrücken mache» wird! Begreiflich, wie? Sie nicken bestätigend, lieber Stahl, ich hoffe, mein Herr College Rüding stimmt gleich- fall« zu!'
„Meine pttsönliche Ansicht dürfte i« diesem Fol nichtsbedeutend fein!' entgegnete der Rechtsanwalt frostig. „Thaffache ist, baß ich von meinem Klienten, Herr» Edgar Lentz, strenge, gemessene Jnfttnktioneu empfange» habe und daß nur diese fit mich maßgebend sein dürfen. Hen Lentz wünscht lau« naheliegende» Gründe», daß von bem Augenblick an, ba seine Tochter ibm gehört, jedes Band, dar sie noch an die alten Verhältnisse, an frühere Beziehungen knüpft, kurzweg durchschnitten werde. ES soll und muß ein Ende gemacht werden, und im Interesse aller Betheiligten liegt eS, dies Ende rasch httbeizusühern. »Ich muß daher meine Bitte, den Abschied zu be> schleunige», wiederhole»!' (Fortsetzung folgt.)
(Nachdruck verboten.)
Der Weihnachts-Engel.
Bo» Martha Strachwitz.
„Also D« willst wirklich Deine» Vorsatz a»S- sühreu »nd fahre»?'
So fragte Frau Baroni» Kemnitz, als sie am Morgen der 24. December in das Thurmzimmer tret, welches ihre Tochter seit einigen Monaten bewohnte. „Der Vater läßt Dir sagen, licbeS Kind, daß er Dir auf da» Ernsteste von dieser Reise abrith; ja tt hält eS für geradezu gefährlich, wenn Du einen solchen Schritt ohne Kenutniß Deines Rechtsanwaltes unternimm^. Arn 21. Januar findet Dein rat» scheidender Termin statt. Du hast Hoffnung, daß Dir ber Besitz beider Kinder, jedenfalls ob« der Dein« Tochter, zugesproche» tottd. Gedulde Dich doch bis dahin. Du hast ja nun fast 10 Monate Trennung von Deinen Kindern ertragen! Wer weiß, wie sehr Dir die geplante Reise schaden würde!*
„Ab« Mütterchen,* Elftieda von Bergheim, wandte ein blasses überwachtes Gesichtchen ber Baronin zu „Du weißt ja, kein Mensch wirb von mein« Reife etwas erfahren. Ich will ja meine Kinder gar nicht spreche», denn ich weiß, erst »ach ausgesprochener Scheidung kann ich meine Muttervorrechte wieder geltend machen, und wenn ich daS Haus meines Mannes vorher betrete, sei es nur um bie Kinder wiederznsehen, so könnte dies als ein BersShnungS» versuch von meiner Seite anfgefaßt w«ben. Rein, rein! ich werde sie nicht sprechen, ab« vor ihrer Thür will ich stehen, in bie Dunkelheit hmausschauen zu den Fenster» und mich überzeuge», daß ihnen der Christbaum avgezündet wird. Vielleicht sehe ich den Schatten ihr« Köpfchen durch die Scheiben! — sind bann, Mutter, bann will ich in bie alte Pfarrkirche gehe», unb ba im Verborgenen knieen und