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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
JK 299
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33. Jahrg.
Abonnements - Einladung.
Unter den in Marburg täglich erscheinenden politischen Zeitungen ist di«
„Oberhessische Zeitung" mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain sowie Jlluftrirtes Eountagsblatt und Ziehungslisten der Köuigl. Preuß. Klaffen-Lotterie die gelesenste und am weitesten verbreitet«. Mit dem 1. Januar 1899 beginnt auf sie ein neue» Viertel' jahrs-Abonnement.
Die „Ob«rhesstsch« Zeitung" hat eS fich in erster Reih« zur Aufgabe gestellt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron, Vaterland und Altar!
Di« .Oberhessisch« Zeitung" ist bestrebt, überall, wo fie nur gelesen wird, das rational« Bewußtsein, Aren« zur Monarchie, Liebe zum Vaterland«, Gottesfurcht und religiösen Sinn, toi« Achtung vor unseren Gesetzen und bewährten staatlichen Einrichtungen zu fördern!
Die .OberhessischrZritung" sucht dies Ziel durch gediegene, sachlich gehaltene, popnlär geschriebene Leitartikel zu erreichen. In ihrer Rubrik .Umschau" wird sie wie bisher ein« U«b«rficht über di« wichtigsten Tagesereignisse auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik und deren Besprrchung bringen, und die Vorgäugr in den Parlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht wie bisher zusammenstellen.
Durch ihre Verbindung mit der Continental - Telegraphen- Compagnie in Berlin ist die .Oberhessische Zeitung" in der Lage, ihren Lesern in Original»Telegrammen di« neuesten Ereigniffe im In- und Auslände unverzüglich zur Senntniß zu bringen.
Den Vorgängen in unserer Provinz, wie dem lokalen Theil« wird dir .O b«r h r s s i sch e Zeitung" ganz besondere Aufmerksamkeit widmen, auch wird fie nicht nur durch ein gediegenes Feuilleton, wie durch Zusammenstellung unterhaltender v«rschi«denrr Nachrichten für ihre Leser Sorg« tragen, sondirn, wie «ineStheilS den Vorgängen auf dem Gebiete von Kunst und Wiffeuschaft, so andererseits dem volkswirthschaftlicheu und landwtrthschaft- l i ch«n Jntereffe durch einschlägige Veröffenllichungrn thun- ltchst «ntgegenzukommen allezeit bestrebt sein.
Inserate finden, dir sechSspaltigr Zelle 10 Pfg. bei der großen Auflage der .Oberhessischen Zeitung" in derselben di« geiignetst« und weiteste Ver- breitung. Dadurch, daß alle Staats- und Kommunalbehörden des Bezirks di« ,O b«r h«s s i f ch« Z«i t n u g" zu ihren Bekanntmachungen benutzen, ist das Halten dersrlben von entsprechendem Nutzen für jeden Leser.
Schließlich bitten wir unsere fctfer, Freunde und Gönner, unter ihren Bekanntenkreisen für di« Weileroerbreitung der.Oberhessischen Zeitung" thim-
lichst mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Fördern nun nationalen und loyalen Politik sein zu wollen, einer Politik, die fich aller umstürzlnischen Tendenz bet heutigen Zeit gegenüber treu bleibt in dn Devise: .Mit Gott für Kaiser und Reich, für König nnd Vaterland!"
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die .Ober- h«sfisch« Zeitung" dir Ende dieses Quartal» gratis.
Marburg, im December 1898.
Die Exped. der „Oberheff. Zeitung."
Zur Reform des Klebegesetzes.
Eine der wichtigsten Vorlagen, welche der Bearbeitung durch den neuen Reichstag harren, bildet die Reform des JnvalidttätS - Versicherungsgesetzes. Es ist ja allgemein bekannt, wie große Unzufriedenheit dieses Gesetz in weitesten Kreisen durch die Größe und die ungerechte Vertheilung der pekuniären Belastung erregt hat. Gerade dasjenige Gewerbe, welches am meisten darniederliegt, bei dem von Reinerträgen in den letzten Jahren überhaupt nicht mehr die Rede sein kann, wird durch die Beitragsleistung für diesen Zweck am schwersten getroffen. DaS wird zweifellos nicht nur von der geringeren Rentabilität der Arbeit im landwirthfchastlichen Gewerbe gegenüber derjenigen in Industrie und Handel, der Langsamkeit der Produktion — (die Ernte reift nut einmal im Jahre) — sondern auch von dem Umstand naturgemäß bedingt, daß die Landwirthschaft im Berhältniß zum Produktionkwerthe im umfangreichsten Maße auf menschliche Arbeitskraft anaewiesen ist. Dazu kommt dann noch, daß die Industrie die rüstigsten Arbeiter auS dem ganzen Lande an sich reißt, so daß der Landwirthschaft neben den ganz jugendlichen nur die äUesten und gebrechlichsten Leute zur Verfügung bleiben. Es ist selbstverständlich, daß diese gering» werthigeren Arbeitskräfte entweder eine größere Zahl von Arbeitern oder von Arbeitstagen zur Bewältigung einer bestimmten Arbeit bedingen, als wenn rüstigere Kräfte zur Verfügung ständen. DaS erhöht ober die Verficherungklast für die ländlichen Arbeitgeber, die bei dem notorischen Mangel an Arbeitern auf dem Lande an und für sich vollständig in die Hand derselben gegeben find und deshalb meistens auch den eigentlich ans die Arbeitnehmer entfallenden BeitragS- antheil mit entrichten müffen. Auf der anderen Seite ist eS klar, daß die Rentenansprüche, welche auS de« Reihen dieser auf dem Lande zurückgebliebenen alten Arbeiter an die Versicherungsanstalten gestellt werden, ganz bedeutend zahlreicher sein müssen, als von der gleichen Zahl jüngerer Arbeiter, wie sie die Industrie beschäftigt. DaS Organ des Bundes der Landwirthe hat sich ja kürzlich bemüht, ein Bild von der Vertheilung der Bevölkerung nach AlterSklaffe» in Stadt und Land zu geben, auS dem zur Evidenz hervor
geht, um wie viel zahlreicher procentual die Altersklassen über 50 oder gar 60 auf dem Lande, als in den größeren Städten vertreten find. Diese Ziffern bezogen fich auf die Gesammtbevölkernng, wir können aber wohl mit größter Sicherheit behaupten, daß die Differenz noch weit größer zu Tage treten muß, wenn man die vergleichende Untersuchung nxr auf den Kreis der verficherungspflichtigen Per- fonen beschränkt. Denn ebenso wie bet den Arbeitern dar Bestreben »orhenscht, im spätem Alter den billigeren Wohnort auf dem Lande aufzusuchen, ebenso waltet in den wohlhabenden Volkskreisen der entgegengesetzte Zug vor, so daß wohl nur ein mit den Jahren immer kleiner werdender Procentsatz der über 50 Jahr alten Stadtbewohner zu den versicherungspflichtigen Arbeitern und JnvaliditätS- Rentenanwärtern gehören wird. Wenn man diesen Umstand mit in Rechnung stellt, so wird eS nur noch deutlicher, nm wie vieles ungünstiger die Ver- stcherungSanstalten mit überwiegend ländlicher, gegenüber denjenigen mit mehr städtischer Bevölkerung von vornherein dastanden. Während nämlich in den Altersklassen vom 20. bis 40. Jahre nur 1,6 Jn- »aliditätSfälle auf 1000 Versicherte vorkamen, zählt «an in denjenigen zwischen 50 und 60 Jahren schon 16,8 und im folgenden Jahrzehnt gar 48 solcher Fälle; zur weiteren verhältnißmäßigen Verschärfung der Anforderungen an die Versicherungsanstalten mit überwiegend alten Landarbeitern trägt dann die bekanntlich mit dem 70. Jahre beginnende Altersrentenberechtigung bei. In der ReichStagSfitzung vom 28. April v. I. legte der Director im Reichsamte des Innern, Dr. v. Woedtke, die Resultate dieser für Stadt und Land in Bezug auf Altersklassen verschiedenen Zusammensetzung der versicherungspflichtigen Bevölkerung zahlenmäßig dar. Während im ganzen Reiche auf 1000 Versicherte in den ersten 6 Jahren seit Bestehen der Zwaugsver- stcherung durchschnittlich 45 Renten fällig wurden, batte Ostpreußen 78, Schleswig-Holstein 62, Schlesien 59, Brandenburg 58, Mecklenburg 56, Hannover 54, Niederbayern 53, Pommern 53, Posen 52 Renten zu zahlen. Alle diese deutschen Sanbf 6» theile, deren Versicherungs-Anstalten mehr oder weniger schwer über den Durchschnitt hinaus durch Rentenzahlungen belastet find, haben eine überwiegend Ackerbau treibende Bevölkerung. Andererseits blieben diejenigen Anstalten, in deren Bezirk die Industrie überwiegt, weit hinter jenem Durch- schnitt zurück. So hatte Elsaß-Lothringen nur 36, Königreich Sachsen 34, Heffen - Naffau 33, Mittelfranken 30 und die rein großstädtischen Anstalten Berlin nur 16, die Hanseatische gar nur 15 Renten pr. 1000 der Versicherten zu zahlen.
ES ist klar, daß unter diesen Verhältnissen die
letztgenannten VerfichemngS - Anstalten früher obef später in bie günstige Lage kommen müffen, auf Beiträge ganz ober theilweise verzichten und die »er« hältnißmäßig wenigen Renten auS den Zinsen der angesammelten Kapitalien bezahlen zu können. Andererseits würden manche der erstgenannten Anstalten, nur weil die bei ihnen verficherten Arbeiter den höheren Altersklaffen angehören, zu einer starken Erhöhung ihrer BeitragSforderuug genöthigt werden. Es ist sehr bedauerlich, daß man diese Entwickelung bei Erlaß der V rficherungSgesetzeS nicht vorauSgc- sehen hat, obgleich dir ungleiche Vertheilung der Be- völkemng in Bezug auf Altersklassen schon damals vorhanden war. Jeder mit dem Versicherungswesen auch nur oberflächlich Vertraute hätte doch eigentlich sofort erklären müssen: „Es ist ganz unwiglich, daß BerfichernngS * Anstalten, denen man zwangsweise, durch genaue Abgrenzung ihres Wirkungskreises, fortdauernd einen um daS vielfache höheren Procentsatz an alten Leuten (d. h. schlechten Risiken) zur Versicherung überweist, mit denselben Beiträgen aus- kommen können, wie die durch dauernde Zutheilung einer übergroßen Zahl junger, rüstiger Leute begünstigten". Jetzt sieht die Regierung diesen großen Fehler ein, der durch die Abgrenzung deS Wirkungsbereiches der einzelnen Versicherungs-Anstalten auf LondeStheile mit ganz verschiedenen Verficherungs- Risiken gemacht ist, und fie ist bestrebt, einen Ausgleich dadurch herbeizuführen, daß fie die im Ueber- flnß schwimmenden Anstalten nöthigen will, den ungünstig sttuirteu zu Hilfe zu kommen. Jede Ver- ficherungS - Anstalt soll nur noch einen Theil der in ihrem Bezirk fällig werdenden Renten aus eigenen Mitteln bezahlen, während das Uebtige von allen Anstalten deS ganzen Reiches oder des Einzelstaates gemeinsam aufgebracht werden soll. Die Verwirklichung dieses Vorschlages würde ja allerdings einen Theil der Ungerechtigkeit für bie Zukunft beseitigen, bie burch bas Klebegesetz in seiner bisherigen Form sanctionirt war, ber bei Weitem größte Theil aber würbe nach wie vor bestehen bleiben. Es würde nach Annahme deS Regierungsvorschlages noch nicht einmal ein vollständ.ger Ausgleich der Belastung zwischen den einzelnen Versicherungs-Anstalien herbei- geführt werden, die ganz ungleiche und ungerechte Belastung einzelner Erwerbskreise zu Gunsten der allgemeinen Wohlfahrt in Folge de» KlebegesetzeS wird von dem Vorschläge der Regierung überhaupt nicht berührt.
Diese Ungerechtigkeit ist in der falschen Auffassung der Begriffe Arbeüer und Arbeitgeber begründet. Zu den Arbeitern, denen man gegen die VerfichemngS- pflicht Rentenberechtigung zusicherte, hat man nur diejenigen gezählt, welche von Arbeitgebern Lohn für ihre Arbeft erhalten, nicht diejenigen, welche im laud-
Machdruck verboten.)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Beruharv.
(Fortsetzung.)
Erni litt ernstlich unter diesem Fehler, und der Justizrath hatte in diesen wenigen Tagen mehrere stürmische Groll- und Versöhnungsscenen zwischen Großmutter und Enkelin erlebt. Er mußte seiner alten Freundin daS Zeugniß ausstellen, daß fie stets fonftquent geblieben war — ehrenvoll genug gegenüber einem so liebreizenden Wesen und Angesicht» deS nahen Abschieds! — aber hier — wo es fich augenscheinlich um eine tief- gewurzelte Naturanlage handelte, hätte eS noch jahrelang dieser liebevollen und zugleich festen Hand bedurft, nm da» junge Geschöpf zu stützen — schwer
lich würde fich in den neuen Verhältnissen die sorgsame Hand für Erni finden!
In demselben Bahnzug, der den Jnstizrath und Erni nach Berlin brachte, fuhr auch Herbert Freidank dorthin, der junge StudtosuS der Medizin. Er fuhr selbstverständlich „dritter Güte", da er fich die zweite nicht leisten konnte, und er hatte fich's vorgenommen, während jeder längeren Pause nach seiner kleinen Freundin zu sehen. Der junge Freibank war ein frisches, junges Blut, er hatte sammt Mutter unb Schwester einen Theil beS WeihnachtSadenbS bei Frau Wallis zugebracht, hatte bem Theaterspiel im Latour' scheu Hause beigewohnt unb fich rasch des Jnstizraths Sympathien erworben.
Seit vierunbzwanzig Stunden war flingenber Frost eingefallen. Die Bäume am WegeSrand, die hohen Gesträuche an den Böschungen stauben gleich überzuckerten RiesenboquetS auf dcm weiß überschneiten Grunde. An den Wärterhäuschen wiesen die Fenster
ganze Palmengrnppen und tropische Landschaften auf, von den Dächern hingen wie versteinerte Thränen, wie phantastische Klöppelmuster bie Mszapfen unb Zäpfchen herunter, unb Milliarden bunter Fünkchen küßte die kalte Winteisonne auf der prachtvollen, flaumig weißen Decke wach, die fich mitleidig über die froststarre Erde gelegt hatte. Wenn der Zug durch einen Wald sauste, stob eS hier und da in flimmerndem Duft von den Bäumen, an deren Schneelast eine Krähe gerührt, die breitgezweigten Tannen waren wie mit Wattenflocken behängt, die Birken standen da, mit zartgefrorenen Silberschleiern überworfen. Die Sonne war im Sinken, von den letzten Ausläufern des Waldes dehnten sich lange, drohende Schatten über das weiße, öde Feld, und die Buschpartien, welche kein Strahl mehr traf, lagen in einem kalten bläulichen Licht. Dort, wo die Sonne untergeben wollte, hatte fich der Himmel in ein zartes Rosenroth getaucht.
Justizrath Werder, der seine kleine Begleiterin nicht länger so in Gedanken verloren dafitzen lassen wollte, machte fie auf daS schöne Farbenspiel, die wunderbaren Formen der Bäume aufmerksam. Anfangs gab Erni nur mechanisch Antwort, bald aber fand ihr elastischer Sinn Freude an dem, was fie sah — ja, als jetzt ein Häschen dicht neben dem Eisen- bahnzng aus dem verschneiten Felde aufsprang und in drolligen Sprüngen dem nahen Wäldchen zneilte, lachte sie laut auf.
Bei der nächsten Haltestelle fand fich ein großer, blonder, junger Herr an der Thür des Coupes ein. Er hatte keck blitzende Augen, einen unternehmend aufgedrehten kleinen Schnurrbart, und der berühmte „Schmiß" stand ihm wirklich gut zu Geficht.
„Herbert, Herbert!" sagte Erni frenbig und riß so gewaltsam an dem Fensterriemeu, baß dieser
mit einem plötzlichen Ruck nachgab nnb bas Fenster blitzgeschwinb herunterfuhr. „Nett, baß Du kommst. Fährt fich's nicht hübsch? Sieht eS nicht Pracht- voll aus, all' bie verschneiten Bäume unb ber rosa Himmel? Unb hast Du daS reizenbe Häschen bemerkt?"
„Besagter Lampe wär mir gebraten auf der Schüssel, mit Brühkohl serviert, lieber gewesen, Ernichen! Servus, verehrter Herr Jnstizrath. Ist denn daS kleine Mädchen auch recht artig?"
„Pfui, Herbert, schäm' Dich! Ist daS hübsch von Dir, mich jetzt noch bamit zu ärgern, vor ber Trennung?"
„Ich gedenke nicht, mich überhaupt von Dir zu trennen, Ernichen. Ich hoffe, Dein Alter — na, sagen wir auch Papa! — wirb ein Einsehen haben unb einem gelegentlichen Verkehr mit Deinem alten Jugendfreunbe nicht» in ben Weg legen. Sieh', ba hab ich Dir eine Visitenkarte von mir herausgesucht, meine vorletzte beiläufig bemerkt — ba» rauf finbest Du meine Wohnung, falls Du mich mal besuchen willst."
„Ich glaube nicht, baß ErniS Vater diese Art de» Verkehrs billigen würde," schob ber Justizrath lächelnd bazwischen.
„Dann wär' er ein Philister, verehrter Herr, und wie käme wohl unsere flotte Erni zu 'nem philiströsen Papa? Jedenfalls nimm' Du nur die Karte — so für alle Fälle .... man kann nicht wissen —*
„Greifswalder Straße," las Erni, „ist denn daS weit?"
„Na, von Deiner feudalen Friedrichstraße ist's ein nettes Stück entfernt, 's ist hübsch weit draußen, Nummer sechs, nach Weißensee zu. Arme Proletarier- feeleu können fich nicht „Unter den Linden" ein»
quartieren — das kommt erst, wenn ich Leibmedtku» geworden bin."
„Westen Leibmedikus denn?"
„Na, ftgend eine der in der Metropole hausenden Fürstlichkeiten wird mir wohl 'mal mit der Zeit ihren kostbaren Leib anverttauen — Karriere wird gemacht, da» steht bombenficher, schon um meinen Weiberchen zu Hause ein Vergnügen zu bereiten!"
„Cigarre gefällig, Herr StudiosnS?" unterbrach Werder diese Znkunftsphantafieu.
„eine von Ihnen — mit Wonne. Die meinen find recht eigentlich nur für die freien BergeShöhen zu gebrauchen. Als Hofarzt gedenke ich Strumpfband ä dreißig Pfennig zu rauchen!"
„Strumpfband, Herbert, was ist da»?"
„Honni soit qui mal y pense, Ernichen! DaS find so Cigarren, die eine kleine, goldene Leibbinde tragen — man könnte ebenso gut ein Strumpfband sagen "
„Du, Herbert, hast Du gute Gesellschaft in Deinem Coups?"
„Könnte ich gerade nicht behaupten. Ein alter dicker Herr — Viehhändler, taxier' ich, schnarcht wie ’ne Säge — zwei HandlungSbefliffene, rauchen ein schauerliches Kraut und treiben schandbare Fachsimpelei — ein naseweiser Bengel, der alle Wett ärgert, unb ein weiblicher Wesen, jung zwar, aber mordsmäßig häßlich!"
„Und Du kannst wftklich nicht zu uns einsteigen?"
„Ich könnte schon, Ernichen, aber der Schaffner würbe mich schleunigst wieder herauswurzeln!"
Die alle Dame in ber Ecke hüstette uachbrücklich und warf einen entrüsteten Blick auf bas offene Fenster.
„Macht Schluß, Kinber!" rief ber Justitzrath jovial. (Fortsetzung folgt.)