Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. " ------ - ”"rt” Jllustrirtes Sonntagsblatt. * jjyggj
JK 297
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartals-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespalten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 26 Pfg.
Warburg
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annonceu- U Bureaux von Haosenstein & Vogler, Frankfurt a. M„ Cassel, Magde»
_ , _n _ , .„ bürg, Wien: Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln;
^tCnffdQ 20. SDCCCttlüCT 1898. C. L. Daube L Co., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris X.
33. Jahrg.
Erstes Blatt.
.......... I I UH —
Die Reichsschulden.
Die Finanzpolitik im Reiche und in Preutzen, Vt wir es zu verdanken haben, daß die Finanzlage günstiger ist als je seit dem Jahre 1871, hat die Gegner der Heeres - Vorlage in große Verlegenheit gesetzt. Selbst der zahlenfettige Abgeordnete Richter «riß sich nicht anders zu helfen, als daß er gegen die „schädliche Anleihe»Wirthschaft im Reiche, die eg bereits annähernd bis auf die dritte Milliarde gebracht hat/ loszieht. Die „Vossische Zeitung" malt als Schreckgespenst sogar den Reichs - Bankerott an die Wand. Die radikale Dpposttion sucht es eben geflissentlich s» darzustellen, als seien die Reichs- schulden ins Ungeheuerliche angewachseu, als übersteige die Ausnutzung des Anleihe-CreditS für sogenannte .unproduktive" Zwecke (zu denen von ihr fälschlicher Weise die Aufwendungen für das Heer und die Marine gerechnet werden) alle vernlnftigen Schranken.
Will man die Reichsschulden sachgemäß beurtheilen, s, darf man natürlich nicht nur die Summe der Schulden ans sich wirken lassen, sondern muß auch— wie bei einem Privatmann ■— den Besitz berücksichtigen, der den Schulden gegenübersteht. Dann dietet sich ein andere» Bild. Der Betrag der Reichs, schulden — etwa 2170 Millionen Mark — erscheint j, hoch. Auf der andern Seite ist aber ein bedeutendes Vermögen, das sich im Laufe der Jahre entsprechend vermehrt hat und das wesentlich produktiv ist. Zu den productiven Ausgaben müssen jedoch, wie gesagt, durchaus auch die Aufwendungen für das Heer und die Flotte gerechnet werden, da sie die »ugt störte ftiedliche Thätigkeit der drei große» nationalen Erwerbsstände — Industrie, Landwirtbschaft und Handel — gewährleisten und so die Voraussetzung der nationalen Produklions - Fähigkeit überhaupt bilden. Am besten veranschaulicht sich daS Lerhältuiß zwischen nationalem Besitz und staatliche» Schulden durch die Gegenüberstellung des gesammten Volks-Vermögens. Dieses beträgt in Deutschland (nach einer einige Jahre zurückliegenden Schätzung) etwa 185 Milliarden Mark, denen 2 Milliarden Mark Anleihe-Schulden entgegenstehen.
Auch im Vergleich mit anderen Staaten schneidet Deutschland in Bezug auf die Schulde» gut ab. DaS Deutsche Reich ist nämlich unter sämmt- lichen Großmächte« der am wenigsten verschuldete Staat mit seines zwei Milliarden Mark. An der Spitze marschirt Frankreich mit nahezu 30 Milliarden! Das sind von der Gesammlschuld der sieben Großmächte etwa ein Drittel! Die Zinsen der französischen Staatsschuld belaufcn sich heute auf
(Nachdruck verboten.)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Ber»h»rd.
(Fsrtfrdmm.)
Ich habe viel gesehen, viel genoffen, darf ich sagen ... mit Paris läßt nichts sich vergleichen! Ich behaupte, daß ich mich nur dort — nur dort im edelsten Sinn als Mensch fühle!"
Der alte Herr machte eiue Geberde, die deutlich genug sagte, daß es ihm völlig gleichgiltig sei, wie He« Latour über Paris dachte und wie er e» er- üäreu wolle, sich gerade dort „im edelste» Sinn" als Mensch zu fühle». „Sie wollten von Edgar Lentz spreche»!" bemerkte er in uüchterem Ton.
„Ganz recht! Edgar Lentz! Sie verzeihen gütigst! Ich kann eben da» Wort Paris nicht ausspreche», ohne buchstäblich hiugeuommen zu werde» — es verleugnet sich nie das Blut des Franzosen ki meinen Adern! Ja — also — dort nun, in — in einem Lokal, daS - ich bin in der That in einiger Verlegenheit, meine Gnädigste — das, um eS kurz zu sagen vorzugsweise von Herren frequentiert wird — traf ich ihn au, hatte ein ganz kurzes Rencontre mit ihm, den ich ja von früher her, wenn auch nur oberflächlich, kannte, und dann tarf ich ihn noch einmal später, ... in Begleitung — nun,, das gehört am Ende nicht hierher — traf ihn als» in Monte Carl». Beide Begegnungen flüchtig, wie sie waren, habe ich bisher absichtlich nicht Erwähnung gethan, weil bisher der Name dieses Herrn hier im Hause nie genannt wurde und ich eS daher für »pporsun erachtete, auch meinersetts zu schweigen."
„Wofür Ihnen Frau Wallis nur Dank wisien wird. Jetzt können Sie es uns sagen, bester Herr
1250 Millionen, also auf mehr als die Hälfte des Capitalwerthes der deutschen Reichsschuld! Frankreich muß 31/, Millionen Zinsen täglich an seine Gläubiger abführen. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen von der Staatsschuld in Frankreich 560, in Italien 320, in England 280, in Rußland 140, in Deutschland nur 40 Mark. Der deutsche Reichsangehörige hat also nur den vierzehnten Theil der Schuldenlast eines Franzosen zu tragen. Die Schulden der deutschen Einzelstaaten, Preußens, Bayerns, Sachsensrc. könne» nicht mitgerechnet werden, weil ihnen ein ebeuso großes Staats - Vermögen, vornehmlich an Staats - Eisenbahnen, gegenübeisteht. Das Deutsche Reich ist somit in der glücklichen Lage, seinen Ange hörigen im Vergleich mit den übrigen Culturstaaten den geringsten Antheil pro Kopf an Steuern und Abgabe» anferlegen zu brauchen; es kann einen großen Schatz an indirekten Steuern »och uuerhoben ruhen lassen und befindet sich auf dem besten Wege, obendrein mit einem Etat ohne Anleihe zu witth- schaften, alle» ohne Beeinträchtigung der für die Sicherheit des Landes erforderlichen Aufwendungen.
Wo bleibt Angesichts solcher Thatsachen die Vorspiegelung von der angeblichen Bedrohlichkeit der Anleihepolitik? Zu alledem kommt noch der weitere Umstand, daß eine planmäßige Schuldentilgung im Reiche eingeleitet woroen ist, indem drei Viertel derjenigen Summe, um die die Ueberweisungen die Matrikular- Umlagen übersteigen, zur Verminderung der Reichsschuld verwendet »eiben.
Umschau.
Der Verband der katholischenStudenten- vereine Deutschlands hat an den Kaiser aus Anlaß der glücklichen Heimkehr von der Orientreise und der Schenkung der Dorwition die nachstehende künstlerisch au8geführte Adresse gerichtet: Allerdurchlauchtigster, großmättigsier Kaiser,
Allergnädigster König und Herr!
Ew. Kaüerlickeu uno Königlichen Majestäten Heimkehr begrüßt Allerböchstihr getreues Volk Bel Freude und mit Dank gegen Gott. Sem Schutz hat Ew. Majestäten wohlbehalten zum Gral« unseres Erlösers und wieder zurück in unsere Mitte geführt. Ew. i1 ajestät wollen geruhen, auch von den Mitgliedern bei Verbandes der katholischen Studentenvereine Deutschlands die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche zu der Vollendung der bedeutung«reichen Reise entgegenzunehmen Ew. Majestät batten die Huld, das Geschenk des Grundstücks der Dormilion zu Jeruialem an Ihre katholischen Unteilbaren zu vollziehen Das feierliche Wort, womit E». Majestät diese Schenkung begleiteten: daß Sie allen Ihren Unterthanen gleichen Schutz gewähren werden, hat einen mächtigen Wieder hall in unser Aller Brust geweckt. Wir Alle haben es tief empfunden als enen ans psi «enden Zuruf, uns dicht um den Thron unseres gottgefefcten Führers zu sammeln. Deutschlands Universitäten wäre» stets der Hort der vaterländischen Gesinnung, Stolz daraus, durch re für den Dienst des Staate» und öffentlichen Lebe-s vor-
Latour, — welche» Eindruck machte Ihne» Ernis Vater gelegentlich dieser beiden Begegnungen?"
„DaS erstemal, ich gestehe es unumwunden, recht reduzierten — das zweitemal gerade den entgegengesetzten ! In Monte Carlo schien eS ihm außerordentlich gut,| um nicht zu sagen, glänzend zu ergehen!"
„Also ein Glücksritter!" sagte Frau Magdalene t»»los.
„Meine verehrte Fran, s« schmerzlich cs mir ist, diese» AnSspruch bestättgen zu müssen: ja! Als ein Glücke - littet ist mir Edgar Lentz erschienen! Und ihm soll dies Kleinod, dies Juwel, diese süßeste Menschenknospe Erni anvertraut »erden? Ist das unvermeidliche That- sache, mein weither Her Justizrath?"
„Leider l Und eS ist Ihnen unbekannt, Herr Latour, ob dieser Lentz inzwischen ttgend ein Mttter betrieben hat und welches er jetzt betreibt?"
„Völlig unbekannt! Ich bitte Sie, diese Herren haben doch keinen Beruf wie Sie und ich — sie leben ... ja, ich muß doch bitte», dies Gespräch abbreche» zu dürfe», es ist einmal effekttv nicht für Damenohren bestimmt!"
Frau Wallis erhob sich. „Ich toiK einstweilen nach den Kindern sehen!" sagte sie mit müder Stimme und verließ langsam das Zimmer.
Im angrenzenden Schlafgemach stand sie still und schloß die Auge», um sich ein wenig zu sammeln. Sie hatte wohl feinen Augenblick daran geglaubt, daß Edgar Lentz ein anderer Mensch gewvrde» sei, in geordneten Verhältnissen lebe, dennoch war die Bestätigung ihrer schlimmen Befürchtungen ein harter Schlag für fie gewesen.
Durch die nicht ganz fest geschloffene Thür hörte fie Nanons murmelnde Stimme:
bereitet zu werden, bittea wir Ew Majestät, unsere» Jubel über die für das vaterländische Gefühl des deutschen Volkes unvergeßliche Tbat kundgeben zu dürfe«. Mehr als tausend katholische deutsche Studenten, von dreitausend ihrer alten Herren geleitet, erneuern auf Ew. Majestät Ruf dankerfüllten Herzen» da» Gelö bu iß, all,eit tr eu uud begeistert zu Kaiser und Reich zu st ehe u.
Hierauf ist, wie die „Germania" mittheilt, aus rem Geheimen Civilcabinet des Kaisers folgende Antwort eingelaufen:
Berlin, 10. December 1898.
Seine Majestät der Kaiser und König habe» die Adr-Ne, welche der Verband der katholffchen Studeutrnv c ue Deutschlands Allerhjchstihnen au» Anlaß der Ue6er«etiuiig veS Grundstücks ter Dorwition an die deutschen Katholiken gewidmet hat, huldvollst entgegenzunebmeii geruht und sich über die Kundgebung treuer Ergebenheit Seitens der latto» lischen ocademischen Jugend gefreut Allerhöchstem Auftrage zufolge setze ich den Verein hiervon mit dem Bemerken tn Kenntniß, daß Seine Majestät die Gnade gehabt haben, die Adresse dem Hoheuzollerumuseum »nr Aufbewahrung zu überweisen-
Der Geheime Labinetsrath Wirkliche Geheime Rath v. LucanuS.
Da die günstige Finanzlage int Reiche oppositionelle Schwarzmalerei unmöglich macht, hat Herr Bebel in seiner Etatsrede den fteilich nicht neuen Kunstgriff versucht, durch Summirung der Ausgaben einer längeren Periode gewaltige Zahlen zu gewinnen, mit denen er die unkundigen Hörer oder Leser seiner Ausführungen zu erschrecken oder doch zu beunruhigen hoffen darf. Er hat ausgerechnet, daß in de» zehn Jahren der bisherigen Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. die A u S g a b e n f ü r H e e r und Flotte nm zusammen 1668 Mill. Mark, int Jahresdurchschnitt also um 167 Mill. Mark höher waren, als in dem unmittelbar vorhergehenden Zeitraum. Abgesehen davon, daß in dieser summe nicht allein außer den dauernden Ausgabe» auch die einmaligen Ausgaben der ordentlichen Etats, sonder» auch diejenigen der außerordentlichen Etats inbegriffen find, und daß diese namentlich in Folge der raschen Entwickelung der Waffen- und SLiffsbantechnik eine ganz außergewöhnliche Höhe erreicht haben, wird habet unbeachtet gelassen und selbst vielleicht absichtlich verschwiegen, daß mit dieser Vermehrung der Ausgaben für Landesvertheidigungszwecke eine starke Zunahme der Deckungsmittel parallel läuft. Die Erträge der Zölle und Verbtauchssteueru find in den letzten zehn Jahren von 471 auf etwa 790 Mill. Mark im laufenden Jahre, mithin um 319 Mill. Mark oder um rund 2/3 gestiegen. Der mittlere Darchschnttt der letzten zehn Jahre betrug rund 630 Mill. Mark gegen den mittleren Durchschnitt von 377 Millionen in der vorhergehenden zehnjährigen Periode. Der mittlere Durchschnitt des Ertrages der Zölle und Verbrauchssteuern hat fich mithin im Ver- gleich zu den zunächst vorhergegangenen zehn Jahren
„Da setzt ihn der Graf auf sein ritterlich Pferd und reicht ihm die prächtigen Zäume — und reicht ihm >ie —" ach so — „die prächtige» Zäume — Da setzt hn der Graf auf fein prächtiges — nein — ritterlich Pferd —'
Plötzlich in verändertem Tonfall: „Du lernst ja gar nicht mit, Erni!"
„Weil ich nicht kann, — nicht kann!" Ein Buch wurde mit großem Ungestüm auf den Tisch geworfen, von wo es hart zur Erde fiel. „Ach, laß doch liegen! Laß liegen, sag ich! In meinen Kopf geht heut nichts hinein, bloß, wett ich Dir nicht sagen soll, was ich weiß! Die Großmama ist auch so! Die benft: ich hab' eS ihr verboten und nun thut fie eS nicht! Natürlich thn' ich es nicht, daS wär' ja ehrlos, aber wie schwer mir das wird, daS ahnt fie gar nicht — wo wir beide uns ewige Freundschaft geschworen haben und den Eid geleistet, uns Alles zu sagen!"
„Ach Sott, Erni, was ist eS denn aber?"
„Frag' nicht so dumm, Marquise! Wenn ich Dir das sagen könnte, dürst ich mich nicht aufregen, und möchte ruhig den Grafen von Habsburg lernen. Das ist mir sonst 'n Kinderspiel, Gedichte lernen ist ja mein Hauptspaß, und mein himmlicher Schiller, her geht mir immer von selbst in den Kops. Aber heut kanu^ich »och feinen einzigen Vers, bloß, weil ich immer an mein Geheimniß denken muß und was Du dazu sagen wirst. Ich bin rein verzweifelt und das bebnüt ficki Großmama gar nicht! Ich möcht mal sehen, ld vt et- Grafen von Habsburg lernen würde, wenn ihr so schwer umS Herz ist —" Die junge Stimme wurde unsicher und ging in Schluchzen über.
„®rni, meine Goldene, meine Schöne, meine Süße
um 253 Millionen Mark gehoben, d. h. er ist um etwa 50 pCt. mehr gestiegen als die Ausgaben für Heeres- und Flottenzwecke zusammen. Es ist daher also in den steuerlichen Einnahmen des Reiches sehr viel mehr für andere Zwecke übrig geblieben als in dem vorhergehenden Decennium, und zwar obgleich keine neue BerbrauchSabgabe eingeführt und feine alte erhöht ist, im Gegentbeil durch die HandelSverttäge eine ganze Zahl von Zöllen, namentlich der finanziell und volkSwirthfchastlich so bedeutende Getteidezoll, sogar erheblich erniedrigt worden find. Die Consum- fühigkeit und damit die finanzielle Leistungsfähigfett sind in dem letzten Decennium mithin sehr viel stärfer gewachsen als die Mehraufwendungen für HeereS- unb Flottenzwecke.
In der Sitzung des preußischen Landes- Ei s e n b a h n r a t h s am 16. d. M. wurde über zahlreiche, für Handel, Gewerbe und Landwirihschast wichtige Tariffragen verhandelt. Bon allgemeinerem Jntereffe waren insbesondere die folgenden: Schon seit langer Zett schweben Berathunge» darüber, ob es angängig sei, den benaturirten nnb den zur Deuaturirung bestimmten Spiritus in den Speciattaris III aufzunehmen. Spiritus tarifirt in ber Allgemeinen Wagenlabungsflaffe, eine solche Deklasstfifation würbe also eine bebeutenbe Ermäßigung der Fracht bedeute». Der Landes - Eisen- dahnrach hat fich für die Deklasstfifation des benaturirten Spiritus ausgesprochen. Ferner wurde mit großer Mehrheit befürwortet, Zucker zur Ausfuhr aus dem Specialtarif 1 in den Specialtarif III zu versetzen, und ebenso für Futtermittel einschließlich der Kleie den Specialtarif III zu gewähren. Zu sehr eingehenden Verhandlungen ührte die Frage einer weiteren Tarifermäßigung für ühomaSphosphatmehl in Verbindung mit einer solchen füt Superphosphat e. Die Hehrheit des Landes-Eisenbahnraths »ar der Ansicht, daß z. Zt. noch erhebliche Bcdenfen entgegenständen, und vermochte die Ermäßigungen nicht zu befürworten. Eine Vorlage, betreffend Frachtermäßigung ür Obst in Wagenladungen, wurde zur nochmaligen Serathung in ben Ausschuß zurückoerwiesen. Zum Mitgliebe bcs st ä n b i g e n A » s s ch u s s e s des Landes - Eisenbahnraths an Stelle des aus Gesundheitsrücksichten ausgeschiedenen Geheimen Commerzien« Raths Dr. Websky wurde ber Staats - Minister Graf von Zeblitz - Trützschler und zu dessen Stellvertreter der Commerzien-Rath Arnholb ge« wählt.
Befanntlich soll der Doppelleitungsbetrieb m Fernsprechwesen eingeführt werden. An Imfang und Benutzung der LettungSnetze übertrifft Deutschland seit der Einführung des Fernsprechers in
— nicht — nicht weinen. Du weiß doch, ich fanns nicht aushalten!"
„Ich — kann'S — eben — auch nicht aus« halten!"
Fran Wallis trat ins Zimmer. Sie sah den braunen und den blonden Kopf dicht an einander geschmiegt, leidenschaftliche Klagen, Thränen, FreundschastSver- ficherungen, Küsse — alles ging durcheinander, und ihr Einttttt blieb unbemerkt.
Wie zwei ertappte Verbrecher fuhren die beiden Kinder 'auseinander, als plötzlich die Stimme der Großmutter neben ihnen ertönte.
„Legt nur die Hefte und Bücher fort, Ihr braucht heute nicht mehr zu arbtiten. Und Erni, Du kannst Navon sagen, was Du zu sage» hast!"
„Großchen! O Sott, bin ich aber erschrocken! Wo bist Dn mit einemmal hergekommen?"
„Durch die Thür!"
„Bist Dn böse ans mich?" Erni hing wieder am Halse der alten Fran und küßte fie stürmisch.
„Du hättest zu mir kommen und mir sagen können, waS Dich quält, Erni! Du darfst doch Ser« trauen zu mir haben!"
„DaS hab' ich auch, Großchen, das hab' ich such! Und ich wollte auch kommen, Dich fragen, ob ich cS Nanon nicht doch sagen darf, wahrhaftig ... ach so, schwören soll ich nicht! na also, es ist in allem Ernst wahr! Aber wett Herr Latour drüben bei Dir fitzt — schadet nichts, wenn es auch RanonS Papa ist — die Marquise macht fich gar nicht so alle Welt aus ihm — ja, nnb vor bem wollte ich Dich nicht biiten! Siehst Du, so war es, unb Du glaubst mir doch?"
„Es wäre schlimm, Erni, wenn ich daS nicht mehr könnte! Du hast mir doch nie in Deinem ganzen Leben eine Lüge gesagt!" (Forts, folgt.)