Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
SS>'- Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei in Marburg. Jllustrirtes Sonntagsblatt. Verantwortlich für die Redaktion; Redakteur M. Hartmann in Marburg.
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Mittwoch, 14. December 1898.
Anzeigen nehnien entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen-
Bnreaux von Haasenstein & Vogler. Frankfurt a. M., Cassel, Magde- qq CYrrhrn
bürg, Wien: Rudolf Moffe, Frankfurt a. M„ Berlin, München, Köln; OO.
6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M„ Berlin, Hannover, Paris x.
Erstes Blatt.
Zur Arbetts-Nachweis-Bewegung, i.
lieber die Arbeits-Nachweis-Conferenz zu Leipzig, welche dortselbst im September b. I. stattfand, liegt jetzt der vom Arbeitgeber-Verband Hamburg-Altona herausgegebene Bericht vor. Ihm hat Fabrikbesitzer Johann A. M e n ck - Altona ein Schlußwort angefügt, das eineStheilS den Zweck der llrbetts-Nachweis-Bewegung Fernstehenden verstünd- l!ch macht, andererseits eine Uebersicht über die Lage anb Art deS Kampfes zwischen Arbeitgeberschaft und Socialdemokratie liebt. Ohne uns in jeder Hinsicht seinen Ansichten «schließen zu wollen, geben wir in den nachfolgenden Artikeln die Bemerkungen dieses durchaus erfahrenen Arbeitgebers wieder. Herr Menck sagt da:
Neben den vielen wirthschaftlichen und socialen Aufgaben, welche ein gut geleiteter, von Arbeitgebern abhängiger Nachweis zu erfüllen bestrebt fein muß, wurde auf der Konferenz auch die erwähnt, welche eine solche Nachweisstelle als ein geeignetes Schutzmittel im Kampfe gegen die Socialdemokratie hin- tzellt. Unter »Kampf der Arbeitgeber gegen die Social- bemotratie" stellt man sich aber je nach der politischen Richtung oder der socialen Stellung recht Verschiedenartiges vor und versucht dem zu Folge auch sehr verschiedenartige Mittel der Bekämpfung in Vorschlag und Anwendung zu bringen, ein Umstand, der es nicht überflüssig erscheinen lassen dürfte, hierauf etwas näher in sichtender Wette einzugehen.
Hervorgehoben muß dabei aber gleich werden, baß bei den Bezugnahmen auf den Kampf legen die Socialdemokratie nicht der politische Kampf gemeint ist. Nur der wirthschaftliche Kampf rst von den Arbeitgebern ins Auge zu fasien. Der wirthschaftliche Kampf der Arbeitgeber- Betbänbe gegen die Socialdemokratie ober ist der Kampf gegen die socialdemokratische Bewegung nur insoweit, als diese Bewegung sich darin äußert, daß ste aus politischen Gründen die Arbeiter zum Schaden dieser Arbeiter selb st von einem Streik in den anderen treibt; denn darüber kann kein Zweifel sein, daß die Arbeiter mit sehr viel weniger, ober richtig gewählten Streiks, wirih- schastlich bester fahren würden als mit dem jetzigen lebermaß von Streiks.
Diesen Kampf der Arbeitgeber gegen die Socialdemokratie, aber auch allein dieser, muß nolhge- biungenerweise von den meisten Arbeitgebern geführt werde», nur über das Wie ist man oft getheilter Meinung.
Berücksichtigt man nun, daß vor Aufhebung der KoalisionSverbote die Arbeitgeber derartige Kämpfe nicht zn führen brauchten, so ist es verständlich, wenn auch nicht begründet, daß manche Arbeitgeber sich nach der sogenannten guten alten Zeit zurücksehnen. Jedoch treten ernstliche Bestrebungen nach Aufhebung des Koalitionsrechtes auch in diesen Arbeitgeber- Kreisen nicht hervor. WWLrW
Unter Anerkennung des Koalitionsrechtes wird der bezeichnete Kampf also von allen Arbeitgebern geführt, deutlich find dabei aber zwei Richtungen zu unterscheiden. Die eine sucht die Arbeiter von der Benutzung des Koalitionsrechter abzuhalten, die andere verzichtet darauf und tritt der Socialdemokratie im offenen Kampfe entgegen. Die erste Methode beruht auf der traditionellen Bevormundung der Arbeiter durch ihre Arbeitgeber und bedingt für ihr Gelingen die selbstverständliche Voraussetzung, daß sich die Arbeiter weiter bevormunden lasten.
In der That findet man derartige Arbeiter noch in katholischen und ländlichen Gegenden. Es läßt sich aber die Anwendung bet Bevormundungsmethode nicht auf weitere Gebiete auSdehnen, als auf die, wo fie heute noch in Geltung ist. Im Gegentheil, es ist zweifellos, daß ihr immer engere Grenzen gezogen werden, bis sie schließlich ganz verschwindet.
Deßhalb.bleibt den Arbeitgebern nichts anderes übrig, als den offenen Kampf mit der Socialdemokratie zu wagen, einen Weg, den die Arbeitgeber von Hamburg-Altona, von Berlin und einigen anderen Städten bereits beschritten haben. Die Arbeitgeber dieser Städte find der Ueberzeugung, daß jegliche Bemühung, ihre Arbeiter zu bevormunden, vergeblich ist, daß die Arbeiterschaft der großen Städte ihrem eigenen Kopfe folgt und entweder ans sich selber verständig handelt oder, wen» nicht, bann nur durch Schaden klug gemacht werden kann.
Umschau.
Um wieder einmal die »Reaktion" am Kragen nehmen zu können, faselt ein Theil der demokratischen Prcste von der Absicht die Konservativen, den Socialdemokraten die Redefreiheit im Reichslage verschränken zu wollen. Tapfer und selbstlos wie solche Demokraten sind, stellen sie sich schützend vor die bedcohte Socialdemokratie und zeigen sich wieder einmal als das »festeste Bollw.rk" gegen die herein- brechende »Reaktion". Ueber dies»« Kampf gegen Windmühlen muß man lachen. Hätten dir Konservativen wirklich eine solche Absicht, so würde ihnen die Möglichkeit fehlen, sie durchzuführen. Allein sie haben diese Absicht gar nicht; fie hegen nur den von allen vernünftigen Leuten im Lande empfundenen Wunich, daß man in den »ausschlaggebenden" Kreisen des Reichstages — und das ist in Bezug auf die
Behandlung der Socialdemokratte die berühmte „Abwehrmehrheit" — anfhöre, die „Genoffen" wohlwollender zu behandeln, als er nöthig ist. Es ist absolut nnnöthig und unerwünscht, daß die socialdemokratischen Redner über die Gebühr und weit über ihr Stärkeverhältniß die Rednertribüne für Agitationsleistnngen und Parteibroschüren in Anspruch nehmen; eS ist ferner ganz nnnöthig und der parlamentarischen Würde zuwider, wenn socialdemokratischen Rednern gestattet wird, in aller Breite und in einer unerträglichen Hetzmanier zu persönlichen Angriffen vorzugehen. Es ist also nicht von einer Beschränkung der Redefreiheit die Rede, wenn der Wunsch ausgesprochen wttd, in dieser Hinsicht mögen der Socialdemokratie Schranken gezogen werden. Es handelt sich hier nur um Maßregeln zur strengeren Zucht und besseren Erziehung, die beinahe ausschließlich im Interesse des Reichstages selbst liegen und die weit eher das freie Wort wahren, als es beschränken.
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Den amtlichen Mittheilungen ou8 den Jahresberichten der Gewerbe-Aufsichtsbeamten pro 1897 entnehmen wir: Die wirthschaftliche Lage der Arbeiterbevölkenmg ist, soweit die Berichte erkennen lassen, im Allgemeinen zufrieden- stellend und durchweg ebenso günstig wie im Vorjahre gewesen. In den meisten Industriezweigen bpt sich in Folge des gleichmäßig lebhaften Geschäftsgangs reichliche Arbeitsgelegenheit mit auskömmlichem und regelmäßigem Verdienste. Im Großen und Ganzen hielten sich die Löhne auf der im Vorjahr erreichten Höhe. Die Fürsorge der Arbeitgeber für die Verbesserung der Ernährungsverhältniffe ist auch im Berichtsjahre in zahlreichen Fällen zum Ausdruck gekommen. Für die Verbefferung der Wohnungs- »erhältniffe im Wege des Vereinswesens ist auch im Berichtsjahre ziemlich viel geschehen. Die Betheili-
Haushaltnngswesen und in Handarbeiten wird fortdauernd gesorgt. Eine wesentliche Bedeuttmg haben auf diesem Gebiete die Mädchenheime erlangt. Bezüglich der jugendlichen Arbeiter und erwachsenen Arbeiterinnen sind statistische Aufstellungen gemacht. Es wurden ht 43 593 Fabriken u. f. w. jugendliche Arbeiter, in 35 530 Fabriken u. f. w. über 16 Jahr alte Arbeiterinnen beschäftigt. Kinder über 14 Jahren waren 6151 (3770 männlich, 2381 weiblich), junge Leute von 14 bis 16 Jahren 259 570 (172398 männlich, 81172 weiblich). Beide Kategorieei, zählten zusammen 265 721 (176168 männlich, 89 553 weiblich). Arbeiterinnen über 16 Jahre wurden 732409 (280682 16 bis 21 Jahre alt, 452 227 über 21 Jahre alt) beschäftigt. In den Berichten ist überwiegend, wie in den Vorjahren, eine vielfach erhebliche Steigerung der Gesammtzahl der jugendlichen Arbeiter festgestellt, in einigen Berichten wird jedoch hervorgehoben, daß die Zahl bei jugendlichen Arbeiter im Verhältniß zur Zunahme der inSgesammt beschäftigten Arbeiter zurückgeblieben ist. Die Gründe für die Zunahme der jugendlichen Arbeitskräfte finden die meisten Aufsichtsbeamten im guten Geschäftsgang und in der lebhaften Thätigkett auf fast allen Gebieten der Industrie, wodurch such eine Vermehrung der Betriebe, in denen jugendliche | Arbeiter beschäftigt werden, hervorgernfen wurde, i Mehrfach wird wiederum darauf hingewiesen, daß die I Arbeitgeber in den gesetzlichen Schutzvorschriften kein so wesentliches Hinderniß für die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter mehr zu erblicken scheinen. Auch in der Mehrzahl der preußischen Bergreviere ! hat eine Zunahme der jugenblichen Arbestskräfte statt- 'gesunden. Die Beschästtgung von Kindern hat in einigen Bezirken überhaupt nicht oder nur ganz vereinzelt ftuttgcfnnben. Eine Anzahl von Bericht« enthält über die Durchführung der Schutzbestimmunge» günstige Wahrnehmungen. Verschiedentlich wird üoer
gung der Jnvaliditäts- und Alteisoersicherungsan- stalten an der Lösung der Wohnungsfrage hat sich Wetter entwickelt und verschiedentlich in ersprießlicher Weise betätigt. In der Fürsorge für Verletzte und Kranke find wiederum Fortschritte zu verzeichne». Auf dem Gebiet der Arbeiterversicherung haben die bestehenden Kasseueinrichtnngen fottgesetzt eine ersprießliche Thätigkett entfaltet und sind vielfach von Seiten der Gewerbetteibeuden durch mehr oder minder bedeutende Zuwendungen gefördert worden. Beschwerden darüber, daß die Arbeitgeber den ihnen durch die Versicherungsgesetzgebnng auferlegten Pflichten nicht in ausreichender Weise nachgekommen, sind ganz vereinzelt. Die sociale Bedeutung der Wöchnerinnen- Asyle wttd von ärztlicher Sette immer mehr anerkannt. Der Spürsinn der A, beiter wird von den Arbeitgebern durch Maßregeln bei verschiedensten Art gefördert. Für die Ausbildung ber Arbeiterinnen im
die Milde ber Gerichte geklagt. Gegen bie Bestimmungen über die Arbeitsbücher wirb immer nach häufig verstoße». Auf dem Gebiete des Lehrlingswesens sind neue Beobachtungen und Erfahrungen nicht gemacht worden.
Nach einer Mittheilung in der Presse sollen einzelne der von der Commission für Arbeiterstatistik in der Zeit vow 17. 21. v. M. gehörte» Auskunftspersonen auS dem Gast- und Schaukwttths- geroerbe behauptet haben, der Vorsitzende der Commissipn habe ihnen wiederhott die Zusicherung ertheilt, baß die Verhandlungen geheim seien. Diese Behauptung ist unzutreffend. Der Vorsitzende der Commission hat eine derartige Zusicherung nicht abgegeben und konnte sie schon um deswillen nicht abgeben, weil die Protokolle über die vor der Commission stattfindenden Vernehmungen von AuskunftSpersouen mit den
(Nachdruck verboten.)
Schule des Lebens.
Roman von Marie Bernhard.
(Forttvtzuug.)
»Er hat oft von feinem Vorleben, von seiner Thätigkett in frühere» Jahre» zu mtt und meiner Tochter gesprochen — eS war Alles nichts als ei» einziges Lügengewebe!!"
»Ma» müßte Erknndigunge» in Berlin ein» znziehm suchen, ob eS nicht möglich wäre, einen Edgar Lentz dort ausfindig zu machen."
»Ich habe eine Jugendbekannte dort, an einen höher» Finanzbeamten verhettathet; an fie habe ich »ich um Auskunft gewandt. Sie schrieb mir, ihr Raun habe sich alle Mühe gegeben, meinem Wunsch uachzukornrnen, aber vergebens! Rann er nicht einen andern Namen angenommen und nur dem Rechtsanwalt, der an mich schrieb, den wahre» genannt haben?
»Sie habe» sich alles so zurechtgelegt,. Frau Magdalene —'
„Ich hatte Zett dazu. Dieser Brief ist mehr als acht Tage in meinen Händen. Ich war zunächst wie gelähmt, als ich ihn las — ich wollte nicht glauben, daß das überhaupt möglich sein könnte! Dan» kam es übet mich wie geistige und körperliche Krankheit, ich konnte nicht esse», nicht schlafe», nicht denke», Körper und Geist wollten mir nicht gehorchen. Das Sind hat sich so geängstigt nm mich! Endlich, da ich meinem hiesigen Rechtsbeistand persönlich so fremd bin und um keinen Preis wollte, daß man hier vorzettig erfahren möchte, was mich bedrohte — tndlich hab ich mich zu dem Brief an Sie auf» gerafft, und Sir find gekommen, wir ich es erwartet
hatte! Wie viel ich litt in diesen letzten Tagen, da ich mtt hundertmal sagte! es darf, es wird, es kann nicht sein! — und eine Stimme in meinem Innern hundertmal dagegensprach: und es wttd dennoch, dennoch geschehen! das ist nicht zu schildern. Sie wiffe» nicht, was es heißt, im Alter ein Wesen, ein einziges, durch Bande des Blutes au sich gefesselt zu wiffe», eS zu lieben, mit zitternder Augst — seine Entfaltung zu überwachen, heute mit Stolz und Wonne, morgen mit qualvollem Bangen . . . Sie stehen allem im Leben, haben immer allein gestanden, und Sie find ei» Mann! Aber ich! Was von später Leidenschaft, von lange unterdrücktem Seelenleben in mtt zum Durchbruch kam, das hat diefem Kinde gehört. Was ich noch vom Leben, von der Zukunft zu erwarten hatte — es war in dem Kinde verkörpert. Ich hoffe, Gott wird barmherzig fein und mich nicht lange mehr leben lassen ohne dies Kind —*
»Er wird Sie so lange leben lassen, meine liebe Freundin, als er Ihr Dasein zum Heil und Nutzen des Kindes für nothwendig hält."
Frau Wallis lächette trübe.
»Getrennt von dem Kinde — was kann ich ihm nützen? Ich hatte daran gedacht," fuhr fie lebhafter fort, »nach Berlin zu ziehen, Erui wenigstens bann und wann zu sehen, in ihrer Nähe zu leben, aber nein — nein! Es mit ansehen zu müssen, wie diese junge Seele systematisch verdorben wird, Alles in ihr erstickt und getödtet, was ich sorgsam gepflegt! -"
»Es darf nicht getöbtet werben! Sie selbst haben es gesagt: Die Beanlagung bes Mensche» entscheibet! Erziehung und Beispiel kann den ursprünglichen Giundzug wandeln, verwischen, aber nicht vernichten.
»Gewiß. Aber ich bitte Sie: ein Kind, ein Mädchen im zartesten Alter, jedem Eindruck zugänglich, so wechselvoll dazu gestimmt, daß Licht und Schatten unvermittelt aufeinander folgen, bisher sorgsam behütet im stillen Gleichmaß der Tage, inmitten ihrer Arbeit, ihrer harmlosen Freuden und Spiele . . . nun plötzlich hiuausgeschlerrdert inS brausende Meer des Lebens, ohne Anker, ohne ©teuer, den hastenden, blendenden Eindrücken einer glänzende» Großstadt preisgegeben, im Besitz eines reizvolle» Aeußern, einer reich wuchernden Phantasie, . . . welcher Art müßte die Ehaiacteranlage eines solchen Kindes fein, um hier siegreich stand zu halten!"
»Und wen haben Sie dazu anserfehen, liebe Freundin, Ihren Liebling auf die Reise zu begleiten und in Berlin abzuliefern?"
»Ich — ich weiß es noch nicht recht. Wir haben ein ältliches Mädchen im Hause, brav und zuverlässig, die Erni sehr liebt. Sie würde fie gut bewachen — dknnoch bleibt es eine sehr mißliche Sache, eine dienende Persönlichkeit gewiffermaßen einweihen zu sollen. Auch ber junge Freibank kehrt in biesen Tagen nach Berlin zurück — Erni steht aber auf so völlig kameradschaftlichem Fuß mit ihm, baß ich auch hier nicht weiß —'
»Haben Sie bem Rinbe schon gesagt —'
„Noch kein Wort! Es soll heute geschehe»! Ja, ja, mein guter Weiber schelten Sie bte schwache, furchtsame, alte Frau nur aus! Das war sonst nichtt Ragdalene Krast's Fall, eine nothwendige Sache qualvoll in's Ungewisse hinauszuziehen — aber es ist ja von Magdalene Kraft ohnehin nichts mehr geblieben, fie hat ... . ach, mein Gott! —"
»Was giebt es?" _ < -
„Sie war emporgefahren mit großen, verstört blickende» Angen, es hatte draußen heftig geläutet
„Ist den» das so zum Erschrecken? Es kann eine ganz harmlose Sache fein —"
„Nein — nein! Wenn ich das Läuten nicht kennen sollte! Erni ist gekommen!"
. ' 5. Kapitel.
Man hörte eine Helle Stimme im Flur, eine gedämpfte andere antwortete. Die alte Dame war vom Sopha aufgefahren, ste fetzte sich von neuem und rückte mechanisch, mit bebenden Händen, an den Teller», die »och auf dem Tisch staube».
„Wenn fie es «fahren soll, heute . . . nicht wahr, Sie werden mtt helfe», wabe» ihr sage», was ihr bevorsteht, sie Hinweise» auf . .. Sie weiß gar nicht, daß ihr Vater noch am Leben ist, ich bi» ihre» Fragen immer ausgewichen — wie konnte ich mit einem Kinde von diesem Vater sprechen? Vielleicht, da fie so geweckten Geistes ist, hat , fie hinter meinen ausweichenden Bemerkungen irgenb etwas vermuthet und aus Liebe zu mir ihre Neugier unterdrückt. Sie werden ihr sage», erklären, was Sie für richtig halte». Ich könnte meine Fassung nicht bewahren, jetzt, da ich es ganz sicher weiß, daß ich sie hergeben muß... bis zuletzt hat mich diese wahnwitzige Hoffnung nicht losgelasien, es dürfe doch irgend einen AuSweg für mich geben, und Sie würden mir diesen Ausweg zeigen, mir das Kind — und mich ihm erhalten ..."
„Wie gern hätte ich das gethan—"
„Ich weiß, ich weiß! Lieber Freund, ich ber» lasse mich ganz auf Sie! Gut und klug, wie Sie find-"
- । (Fortsetzung folgt.)