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Jllustrirtes Sonntagsblatt.* *

öchentttche Beilagen: Kreisblatt für tzie Kreise Marburg und Kirchhain.

4'.

M 290

Erscheint täglich nutzer er. Werktage» nach kann- uni Feiertagen. Quartair-ÄbonnemeML-PreiS bei der Ex»edin»n 2 Mk., bei allen tzssraouer» 2,36 Mk. (exll. Bestellgeld). Insertionsgebühr: die ae- Zeil« oder deren Ran» 10 Pfg., Xefteatta: du Zeil« 26 Pf«.

Söarßitrg

Sonntag, 11. December 1898.

Ltyckgm nehme» «rtgqt»: die SxprditiSA dieser Matte«, die Annonce». Sutteug von Haasensüt« & Segler, Frankfurt a. M., Taffel, Magdo» her«, Wien: Rudolf Moss«, FranffuN a. M., Berlin, München, Sofa; T. * Daube 4 Lo., Frankfurt a. Berkfa, Hannover, Pari» x.

33. Jahrg.

Zweites Blatt.

Erinnerungen und Gedanken von Otto Fürst v. Bismarck.

(Verlag von Cotta, Stuttgart (Schluß.)

Seine staatsmännischen Beobachtungen über die Bedeutung der D y n a st i e e n für dar deutsche Gemüthslebeu entwickelt Bismarck mit klassischen Worten also:

Deutscher Patriotismus bedarf in der Regel, um thätig und wirksam zu werden, der Vermittlung dynastischer Anhänglichkeit; unabhängig von letzterer kommt er praktisch nur in seltenen Fällen zur Hebung, wenn auch theoretisch täglich, in Parlamenten, Zeitungen und Versammlungen; in praxi bedarf der Deutsche einer Dynastie, der er aahängt, oder einer Reizung, die in ihm den Zorn weckt, der zu Thaten treibt. Letztere Erscheinung ist aber ihrer Natur nach keine dauernde Institution. Als Preuße, Hanuoveraner, Württemberger, Baier, Hesse ist er früher bereit, seinen Patriotismus zu documentiren, wie als Deutscher; und in den untern Classen und in Parlaments - Fraktionen wird es noch lange dauern, ehe das anders wird. Man kann nicht sagen, daß die hannöversche, die hessische Dynastie und andere sich besonders bemüht hätten, sich das Wohlwollen ihrer Unterthanen zu erwerben, aber dennoch wird der deutsche Patriotismus der letzter« wesentlich bedingt durch ihre Anhänglichkeit an die Dynastie, nach welcher sie sich nennen. Es sind nicht Stammesunterschicde, sondern dynastische Be­ziehungen, auf denen die centrifugalen Elemente ursprünglich beruhen. ES kommt nicht die Anhäng­lichkeit an schwäbische, niedersächsische, thüringische Eigenthümlichkeit zur Hebung, sondern die durch die Dyuastieen Braunschweig, Brabant, Wittelsbach zu einem dynastischen Antheil an dem Körper der Nation gesonderten Conoolute der Herrschaft einer fürstlichen Familie. Der Zusammenhang des König reichs Baiern beruht nicht nur auf dem bajuvarischen Stamme, wie er im Süden Baierns und in Oester­reich vorhanden ist, sondern der Augsburger Schwabe, der Pfälzer Alemanne und der Mainfranke, sehr verschiedenen Geblüts, nennen sich mit derselben Ge- »ugthuung Baiern, wie der Altbaier in München und Landshut, lediglich weil sie mit den letzten, durch die gemciuschaftliche Dynastte seit drei Menschenaltern verbunden sind. Die am meisten ausgeprägten Stammeseigenthümlichkeiten, die nieder­deutsche, plattdeutsche, sächsische, sind durch dynastische Einflüsse schärfer und tiefer als die übrigen Stämme geschieden. Die deutsche Vaterlandsliebe bedarf eines Fürsten, auf beit sich ihre Anhänglichkeit conceutrirt. Wenn man den Zustand fingirte, daß sämmtliche deutschen Dynastteen plötzlich beseitigt wären, so wäre nicht wahrscheinlich, daß das deutsche Nattonalgefühl alle Deutschen in den Fricttonen euro­päischer Politik völkerrechtlich zusammenhalteu würde, auch nicht in der Form föderirter Hansestädte und Reichs­dörfer. Die Deutschen würden fester geschmiedeten Nationen zur Beule fallen, wenn ihnen das Bindemittel verloren ginge, welches in dem gemeinsamen StandeS- gefühl der Fürsten liegt. Die andern europäischen Völker bedürfen einer solchen Vermittlung für ihren Patriotismus und ihr Nattonalgefühl nicht. Polen, Ungarn, Italiener, Spanier, Franzosen würden unter einer jeden Dynastie oder ganz ohne eine solche ihren einheitlichen Zusammenhang als Nation bewahren. Die germanischen Stämme des Nordens, die Schweden und Dänen, haben sich von dynastischer Sentimentalität ziemlich frei erwiesen, und in Eng­land gehört zwar der äußerliche Respekt vor der Krone zu den Erfordernissen der guten Gesellschaft und wird die formale Erhaltung deS Königthums von allen den Parteien, die bisher an der Herrschaft Antheil gehabt haben, für nützlich gehalten, aber ich glaube nicht, daß das Volk zerfallen oder daß ähnliche Ge­fühlt wie zur Zeit der Jacobiten sich thatkräflig gellend machen würden, wenn die geschichtliche Ent­wicklung einen Dynasttewechsel oder den Uebergang zur Republik für das britische Volk nöthig oder nützlich erscheinen ließe. Das- Vorwiegen der dynastische» Anhänglichkeit und die Unentbehrlichkeit einer Dynastte als Bindemittels für das Zusammen­halten eines bestimmten BruchtheilS der Nation unter dem Name» der Dynastie ist eine spectfisch reichsdeutsche Eigenthümlichkeit. Welches immer der Ursprung dieser particularistische» Zusammengehörig­keit in -eutschlaud ist, das Ergebnis derselben bleibt

die Thatsache, daß der einzelne Deutsche leicht bereit ist, seinen deutschen Nachbarn und Stammcsgenossen mit Feuer und Schwert zu bekämpfen und persön­lich zu tödten, wenn in Folge von Streitigkeiten, die ihm selbst nicht verständlich sind, der dynastische Befehl dazu ergeht. Die Berechttgung und Ver­nünftigkeit dieser Eigenthümlichkeit zu prüfen, ist nicht die Aufgabe eines deutschen Staatsmannes, solange sie sich kräftig genug erweist, um mit ihr rechnen zu können. Die Schwierigkeit, sie zu zer­stören und zu ignoriren oder die Einheit theoretisch zu fördern, ohne Rücksicht auf dieses praktische Hemmniß, ist für die Vorkämpfer der Einheit oft verhängnißvoll gewesen. Die Dyuastieen bildeten itberall den Puntt, um den der deutsche Trieb nach Sonderung in enger» Verbänden seine Krystalle ansetzte.

Das gleiche Wahlrecht bezeichnet Bismarck als ein revolutionäres Mittel, die damals stärkste der freiheitlichen Künste, durch die er das Ausland davon abschrecken wollte, seine Finger in unsere nationale Omelette zu stecken; er habe dabei voraus­gesetzt, das deutsche Volk werde stark nnd klug ge­nug sein, sich später davon ftei zu machen, andern­falls habe er die Reitkunst des deutschen Volkes überschätzt, da es dann in den französischen Kreis­lauf der Herrschaft begehrlicher Massen und der Dictamr hineingerathen werde. Uebrigens bedürfe auch der idealste Monarch, wenn er nicht in seinem Idealismus gemeinschädlich werden solle, der Kritik, an deren Stacheln er sich zurechtfinde, wenn er den Weg zu verlieren Gefahr laufe. Wir können diese Ausführungen, die man als meisterhaft bezeichnen muß, auch wenn man sie nicht durchweg unter­schreibt, hier nur skizziren und dem Leser empfehlen. Sehr ruhig spricht sich Bismarck über die politischen Schwierigkeiten aus, die ihm Moltkes Neigung, einen als unvermeidbar erachteten Krieg im günstigste» Augenblicke zu führen, 1884 und 1870 bereitete; er würde es bedauern, wenn diese Wirkung kriegerischen Geistes in der Armee nicht stattfände, er möchte sie nicht misfen, und gefährlich werde sie nur unter einem Monarchen, dessen Politik das Augenmaß und die Widerstandsfähigkeit gegen ein­seitige und verfassungsmäßig unberechttgte Einflüsse fehlen. Um so lebhafter setzt sich Bismarck mit Gortschakow durch allerlei Anekdoten auseinander. Im Mai 1876 sprach er von seiner Ermüdung und seiner Neigung, abzuscheiden, und sagte dabei: Je ne puis cependant me presenter devant Saint=Pierre au ciel sans avoir preside la moindre chose en Europe. Eine andere Aeußerung lautete: Si je me retire, je ne veux pas meteindre comme une lampe qui file, je veux me coucher comme un astre. Ueber seine Noten sagten seine Unterbeamten: II se mire dans son encrier, wie Bettina über Savigny; Er kann ke ne Gosse überschreiten, ohne sich darin zu spiegeln." Da wir einmal Anekdoten erwähnen, verzeichne» wir auch aus der Frankfurter Zeit Bis­marcks die bezeichnende Aeußerung eines preußischen Reservisten gegenüber einem kleinstaatlichen:Sei du ganz sttlle, du hast ja nicht einmal einen König." Der ttockene Moltke konnte, wenn er ins Kriegs- feuer ging, auch Scherzchen machen. In einer Juninacht 1866 wandte er sich, als er den Salon der Frau Bismarck verließ, an der Thür noch ein mal um und ftagte ernsthaft:Mssen Sie, daß die Sachsen die Dresdener Brücke gesprengt haben?" Auf einen Bismarckschen Ausruf des Erstaunens und Bedauerns meinte er dann:Aber mit Wasser, wegen Staubs." Lebhafte Aufmerksamkeit werden die Bemerkungen Bismarcks in dem Culturkampf- kapitel über die therapeutische Behandlung der katholischen Kirche im weltlichen Staat erregen. Der Chef der katholischen Abtheiluug, Krätzig, der früher Radziwillscher Piivatbeamter war, erschien ihm als Leibeigner eines ManueL, bei dem das polnische Nationalgefühl stärker war als jedes andere. Erst durch die Praxis überzeugte er sich später, daß die juristischen Einzelheiten psychologisch nicht richtig getroffen waren. Der Mißgriff wurde mir klar an dem Bilde ehrlicher, aber ungeschickter preußischer Gendarmen, die mit Sporen und Schlepp­säbel hinter gewandten und leichtfüßigen Priestern durch Hinterthüren und Schlafzimmer nachsetzten." Dazu kam die anliministerielle Thätigkeit der Kaiserin, welche die Unabhängigkeit des Charakters, die Opposition gegen die jedesmalige Regierung an­ziehend machte; die Centiumsherren hätten mit Ge­schick und Menschenkenntniß die alte Neigung der Kaiserin ausgenützt, auf jede Regierung verbeffernd einzuwirken. Bei jedem modus vivendi werde

übrigens Rom eine evangelische Dynastie und Kirche als eine Unregelmäßigkeit und Krankheit be­trachten, deren Heilung die Aufgabe seiner Kirche sei.Ich habe im Kissinger Laude deutsche und schulgebildete Bauern gefunden, die fest daran glaubten, daß der am Sterbebette im sündigen Fleische stehende Priester den Sterbenden durch Ver­weigerung oder Gewährung der Absolutton direkt in die Hölle oder den Himmel schicken könne, man ihn also auch polittsch zum Freunde haben müsse. In Polen wird es mindestens ebenso sein und schlimmer, weil dem ungebildeten Manne eingeredet wird, daß deutsch und lutherisch ebenso wie polnisch und katholisch identische Begriffe seien." Für Bismarck ist nicht die Arbeit das Aufteibende, sondern die Zweifel und Sorgen über die Richtigkeit des ein« geschlagenen Weges, das Ehrgefühl, die Verant Wörtlichkeit.Die Frage, ob das eigene Augenmaß, der politische Instinkt, ihn richtig leitet, ist ziemlich gleichgiltig für einen Minister, dem alle Zweifel ge­löst sind, sobald er durch die königliche Unterschrift oder durch eine parlamentarische Mehrheit sich gedeckt fühlt, man könnte sagen, einen Minister katholischer Politik, der im Besitz der Absolutton ist und den die mehr protestanttsche Frage, ob er seine eigene Absolution hat, nicht kümmert. Für einen Minister aber, der seine Ehre mit der des Landes vollständig identistcirt, ist die Ungewißheit des Er­folges einer jeden politische» Entschließung von auf­reibender Wirkung. Man kann die politische Ge­staltung in der Zeit, welche die Durchführung einer Maßregel bedarf, so wenig mit Sicherheit vorher­sehen, wie daS Wetter der nächsten Tage in unserm Klima, und muß doch seine Entschließung fassen, als ob man es könnte, nicht selten im Kampfe gegen alle Eiuflüffe, denen Gewicht beizulegeu man ge­wöhnt ist."

Windthorst galt dem Fürsten als religiös un­gläubig, polittsch latitudinarian, der durch Zufall und bureaukratisches Ungeschick auf die feindliche Seite geschoben sei.

In dem CapitelKaiser Friedrich" erwähnt Bismarck, Ende Mai 1887 seien die behandelnden Aerzte entschlossen gewesen, den Kronprinzen be­wußtlos zu machen und die Exstirpatton des Kehl kopfes vorzunehmen, ohne ihm ihre Absicht ange- kündigt zu haben; auf Anregung Bismarcks setzte der Kaiser diesem Vorhaben ein Verbot entgegen.

Doch brechen wir nunmehr mit den Mittheilungen aus dem Buche ab, das Bismarck dem deutschen Volke als ein dauerndes Vermächtniß hinterlassen hat. Zu dem Lorbeer des genialen Staatsmannes und des herzbewegenden Redners hat der Fürst die Siegespalme des großen Schriftstellers gefügt. Das deutsche Volk, das schmerzbewegt die schwere Schick­salsfügung hinnahm, daß, um mit seinen Worten zu reden, mit seiner Entlassung ihm das Spalier entzogen war, an dem sein Leben sich emporgerankt hatte, kann in dem Buche mit seinem Reichthum an tiefen Gedanken, an Laune, an Erzählungstalent «inen Trost dafür finden, vaß er von uns geschieden ist, der so lebendig war.

Fleischpreise und angeblicher Viehmangel.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht in ihrer Nummer 285 an erster Stelle nachstehende Zuschrift aus Hamburg: Der in der Presse und der öffent­lichen Dirkusston in den letzten Monaten mit einer gewissen Erregung und agitatorischer Ausnutzung geführte Streit über die Fähigkeit bezw. Unzulänglich­keit der deutschen Landwirthschaft, den einheimischen Markt selbst mit Schlachtvieh zu versorgen, sowie über die Frage eines gegeuwärttgen Viehmangels und einer Fleischtheuerung in Folge der Grenzsperren gegen lebendes Vieh, dauert noch immer an und scheint an Heftigkeit eher zuzunehme». Die Preis­angaben widersprechen sich ebenso wie die daran ge­knüpften Behauptungen. So lasen wir jüngst in Hamburger Tagesblättern das Eingesandt eines dortigen Schlächters, der die kundgegebenen Ansichten der Schlachthof-Directoren Boyseu-Hamburg und HauSburg-Bcrlin als vollkommen entgegengesetzte einander gegenüberstellte. Oekouomierath Boysen hatte in derMilchzeitung" die Meinung aus­gesprochen und mit Thatsachenmatettal belegt, daß von Fleischtheuerung und Schlachtviehmangel ia Hamburg nicht wohl die Rede sein könne. Director HauSburg behauptet dagegen (auf Grund recht an­fechtbarer Verbrauchsschätzungen usw.) eine Vieh- und Fleischnoth als wirklich bestehend, und zwar

veranlaßt durch die Grenzsperren. Nun ist diese Frage in der letzten Hamburger Bürgerschaftssitzung berührt worden, indem ein Redner die zur Begründung einer Nachforderung im Budget einiger öffentlicher Anstalten vorgebrachte Behauptung zurückwies, daß die Fleischpreise stark oder nennenswerth gestiegen seien. Von anderen Seiten ist dann aber eine Fleischnoth gewissermaßen als notorisch hingestellt; die Kalamität sei derartig, daß die Arbeiterfamilien sich nur noch ein paar Mal in der Woche den Ge­nuß von Fleischmahlzeiten leisten könnten.

In ähnlicher Weise ertönen aus'allen größeren Städten des Reichs und in der gesammten links­stehenden Presse lebhafte Klage» und Proteste. Man sollte nun meinen, es könne wenigstens au demselben Orte keine Meinungsverschiedenheit'darüber herrschen, ob das Fleisch int Kleinverkauf wesentlich theurer geworden ist oder nicht, denn wenn die Haus­haltungen denselben Preis wie früher bezahlen, so ist er eben nicht gestiegen, und muß etwa für ein Pfund 5 Pfg. mehr bezahlt werden, dann hat nicht eint Steigerung um 10 oder 20 Pfg. stattgefunden. Etwas anders steht es mit der Bekanntschaft der Preise im Großhandel, d. h. mit den Schlachtvieh­preisen. Wo aber Vieh- und Schlachthöfe bestehen und die Preise regelmäßig und zuverlässig festgestellt werden, wäre auch die Gelegenheit vorhanden, eine etwaige Erhöhung oder sonstige Bewegung der Groß- preise zu beobachten. Von der Benutzung thatsächlicher Feststellungen der Klein- und Großhandelspreise sehen nun die über Fleischtheuerung klagenden Kreise und Blätter fast durchgehends ab, so daß man vor einer theilweise unsachlichen Diskussion und unbewiesenen Behauptungen steht.

Die Preisnottrungen zeigen in Wirklichkeit die Schlachtvieh- und Fleischpreise in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts mit mancherlei Unterbrechungen als in allmählichem Fallen begriffen, im Allge­meinen bis zum Jahre 1896. Die Konsumenten erfreuten sich damals verhältnißmäßig niedriger Preise. Darauf stellte sich eine schwache Reaktion ein, die jedoch öfter unterbrochen wurde und bis heute die Preise vorn Anfang unseres Jahrzehnts noch nicht wieder hat erreichen lassen. Einige Grenzgegenden des Reichs, die regelmäßig einen Theil ihres Viehbedarfs vom Auslande beziehen, sind allerdings durch die aus Rücksichten des Seuchen­schutzes erforderlich gewordenen Einfuhrbeschränkungen zeitweilig und hinsichtlich bestimmter Viehgattungen in Verlegenheiten geratheu, welch letztere jetzt eine merk­liche Steigerung der Fleischeinfuhr bewirkt haben. ES läßt sich aber mit berechtigter Zuversicht hoffen, daß die örtlichen Schwierigkeiten in relativ kurzer Zeit von innen heraus überwunden sei» werden, ohne vorher zu hohen oder gar zu Theuernngs- vreisen und bedenklicher Consumeinschränkung zu führen.

Besondere Anerkennung verdient das Königlich Württembergische Statistische LandeSarnt, das einen werthvollen Beitrag' zu der hier belegten Frage liefert. In Nr. 12 der Mittheilungen des genannten LandeS- arntS, die als Beilage desStaatS-AnzeigerS für Württemberg" erscheinen, findet sich die Bewegung der Fleischpreise in Württemberg behandelt. Zunächst wird eine kleine Uebersicht über die Engrospreise der Liehmärkte von Stuttgart und Ellwangen für die Zeit von Anfang 1896 bis Oktober 1898 geboten und dazu bemerkt:Hiernach find die Preisver­schiebungen von Ochsen und Rindern auf den beide» Märkte» ganz geringfügige, und eS entsprechen namentlich die neuesten Preise durchaus dem Durchschnitt der Vormonate. DaS Gleiche trifft zu für die hieruicht ab­gedruckten Preise von Ochsen, Kalbet» und Kühen auf aen Viehmärkten zu Heilbronn und Rottweil. Da­gegen ist der Durchschnittspreis von Kälbern (welcher ebenso wie für Schweine nur von dem Stuttgarter Schlachtviehmarkt vorliegt) im Jahre 1898 mit 1,53 Mark für 1 Kilogramm Schlachtgewicht um 10 Pfg. höher als im Vorjahr und um 17 Pfg. l/t höher als 1896. . . . Stärker ist die Preis- Veränderung feit 1896 bti den Schweinen. Der Durchs» nittspreis für Schweine ist im Jahre 1898 mit 1,28 Mark für 1 Kilogramm Schlachtgewicht allerdings nur um 3 Pfg. höher als im Vorjahr, aber um 21 Pfg. höher als 1896. Den höchsten Preisstand hatten die Schweine bereüS tat November 1897 mit 1,38 Maik, den sie seitdem nicht wieder erreichten. Der letzte (Oktober-) Preis ist immerhin unt 7 Pfg. unter jenem Höchststand."

(Schluß folgt.)